„Aale und Gespenster“ an der Nordsee nach dem Zweiten Weltkrieg – und Jahrzehnte später

1987 entdecken Marianne und ihre Tochter auf dem Campingplatz eine Leiche. Während die Polizei ohne erkennbares Engagement versucht herauszufinden, wer der schon vor Ewigkeiten Verstorbene ist, ob er überhaupt ermordet wurde und, wenn ja, ob der Täter noch bestraft werden kann, hat der Leser von Marius Schmidts Comic „Aale und Gespenter“ schon einen Verdacht. Der Tote könnte Casimir oder Rimsky sein.

Die beiden Männer plünderten im Sommer 1947 das in der Lübecker Bucht liegende Wrack der „Cap Arcona“. Das Schiff wurde in den letzten Kriegstagen von der Royal Air Force bombardiert. An Bord waren über siebentausend KZ-Häftlinge. Die meisten der Häftlinge, Bewacher und Besatzungsmitglieder starben bei dem Schiffsuntergang, der zu den verlustreichsten Schiffsuntergängen gehört. Beim Untergang der Titanic starben etwas über eintausendfünfhundert Menschen.

Der 1947 im Nachkriegsdeutschland spielende Teil von Schmidts Geschichte ist der umfangreichere und auch interessantere Teil der Geschichte. Er zeigt in frei über die Seiten fließenden stimmungsvollen Aquarellzeichnungen und knappen Texten das Leben nach dem Krieg, wie sich die beiden Männer mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser halten und alle versuchen, die jüngste Vergangenheit zu vergessen.

Marius Schmidt: Aale und Gespenster

avant-verlag, 2025

224 Seiten

25 Euro

Hinweise

Homepage von Marius Schmidt

avant-verlag: Interview mit Marius Schmidt über den Comic

Perlentaucher über „Aale und Gespenster“

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