„Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“, die vierte Lieferung

Vor wenigen Tagen erschien die vierte Lieferung der Horrorkurzgeschichten von Juoku Kawakami. Wie in den vorherigen drei „Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“ sind es kurze Mangas. In diesem Fall zwölf Comics auf unter zweihundert Seiten. Da ist keine Zeit für tiefgründige Charakterentwicklungen und erzählerische Umwege. Es sind eher Skizzen, die zuerst das Setting etablieren und dann direkt auf die überraschende, tiefschwarze Pointe zusteuern. Einige Male ist die Pointe etwas kryptisch. Ein schockierter Blick in einen verlorenen und später von einer nicht sichtbaren Person vor der Wohnungstür abgelegten Geldbeutel ist etwas unbefriedigend.

Aber insgesamt gefällt auch die vierte Lieferung. Die Geschichten spielen alle im heutigen Japan. Oft in Metropolen und anonymen Mehrfamilienhäusern. Moderne Kommunikationsmittel (Ja, Smartphones und andere Computer), dortige Sitten, das Leben und Verhalten von vor allem jüngeren Menschen und mehr oder weniger kollektive Ängste und Phobien stehen im Mittelpunkt der Geschichten. Diese Herangehensweise verleiht dann auch altbekannten Geschichten einen neuen Dreh.

So fühlt sich ein junger Mann, der eine Mutter mit Kinderwagen anschreit, plötzlich von dem Kinderwagen verfolgt. Ein umtriebiger „Reseller“ bekommt plötzlich Probleme beim für ihn hochprofitablem Weiterverkauf von einem limitierten Trading Card-Boxset im Internet. Plötzlich häufen sich die Beschwerden über ihn.

Die Angewohnheit Jugendlicher, Audiodateien schneller abzuspielen hat plötzlich selbstmörderische Folgen. Denn die Menschen, die sich diese Dateien anhören, hören plötzlich auch andere Geräusche. Ältere dürften sich bei dieser Geschichte an die Gerüchte über geheime und satanische Botschaften in Rocksongs erinnern, die nur hörbar sind, wenn die LP, je nach Gerücht, schneller, langsamer oder rückwärts abgespielt wird. Im Zweifelsfall probierte man alles aus.

In „Okkultes Streaming“ besuchen zwei Streamer in Tokio für ein Streaming ein Hochhaus, in dem drei Menschen unter ungeklärten Umständen starben. Als sich von ihnen nicht geplante seltsame Dinge ereignen, läuft das Streaming aus dem Ruder.

In „KI-Chat“, mit 25 Seiten die längste Geschichte des Buches, wird eindrucksvoll gezeigt, was passiert, wenn eine Studentin sich nur auf die Ratschläge einer Künstlichen Intelligenz verlässt.

Vom Prinz zum Frosch“ ist dagegen schon eine fast klassische Geschichte über eine junge verliebte Frau, die bei ihrem Traumprinz ein Geheimnis entdeckt, das, nun, sagen wir es einmal so, ihre Beziehung radikal verändert.

Und dann gibt es noch nervige Nachbarn, seltsame Begegnungen in der Sauna und tödliche Unfälle im Bahnhof.

Für den Horrorfan sind die Geschichten wieder eine kleine Packung gelungener Überraschungen.

Der fünfte Band, von insgesamt acht Bänden, ist für Mitte Februar angekündigt.

Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan (Band 4)

(übersetzt von Gregor Wakoung)

Panini Manga, 2025

200 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 4

Shogakukan, 2025

Hinweise

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 1“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 1, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 2“ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 2, 2025)

Meine Besprechung von Juoku Kawakamis „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 3″ (Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 3, 2025)

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