Neu im Kino/Filmkritik: „Woodwalkers 2“ erzählt die Geschichte weiter

Als „Woodwalkers“ Ende Oktober 2024 in die Kinos kam, waren schon zwei Dinge bekannt. Es würde eine Fortsetzung geben und sie würde von einem anderen Regisseur inszeniert werden. Nämlich nicht mehr Damian John Harper, sondern von Sven Unterwaldt. Das ist nur auf den ersten Blick eine große Änderung. Denn Arthaus-Regisseur Harper inszenierte einen Fantasy-Film für ein junges Publikum. Es war also ein Film für die Harry-Potter-Fangemeinde und nicht für die Fans seiner vorherigen Filme.

Sven Unterwaldt ist bekannt für die beiden „7 Zwerge“-Filme mit Otto Waalkes, „Catweazle“ (ebenfalls mit Otto) und den zweiten und dritten Film der „Die Schule der magischen Tiere“-Reihe. Damit ist er schon auf den ersten Blick der passendere Regisseur für einen sich vor allem an Kinder richtenden Film.

In „Woodwalkers“, dem Auftakt der auf der für junge Leser geschriebenen Bestseller-Reihe von Katja Brandis basierenden geplanten Film-Trilogie, lernten wir Carag kennen. Er war an der Clearwater High der neue Schüler. In dieser malerisch in den Bergen von Wyoming gelegenen Schule werden ausschließlich Kinder unterrichtet, die ihre Gestalt in ein Tier verwandeln können. Auch Carag ist so ein Gestaltwandler. Er ist zugleich Mensch und Puma.

In „Woodwalkers 2“ wird die Geschichte von Carag und seinen Freunden Brandon, Holly und Lou weitererzählt. Im Hauptplot geht es um den Wahlkampf von Carags früherem Mentor Andrew Milling, einem Gestaltwandler, vermögendem Tech-Impresario und Bösewicht der Geschichte. Jetzt kandidiert er als Gouverneur. Schon vor seinem Wahlsieg hat er dem zwielichtigem Geschäftsmann Tucker Jones versprochen, dass er später den für die Gestaltwandler als Lebensraum wichtigen Wald zum Abholzen erhält.

Neben diesem immer wieder an den Rand gedrängtem Hauptplot gibt es für jede Figur mindestens einen größeren Nebenplot. Das verleiht dem Fantasy-Film dann die Dynamik einer Folge einer schon lange laufenden TV-Soap. Jede Figur spricht ein anderes Publikum an. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte. Und jede Geschichte ist am Ende der Episode mehr oder weniger abgeschlossen. Bis nächste Woche, in der neuen Folge der Serie, alle wieder aufeinander treffen.

In einem Spielfilm, auch wenn es sich um den Mittelteil einer Trilogie handelt, funktioniert das weniger. Der Hauptplot wird durchgehend ausgebremst. Immer, wenn es spannend oder interessant werden könnte, wird man mit nebensächlichen Nebenplots gelangweilt. Dabei böte der Hauptplot – Wahlkampf, schmutzige politische Geschäfte, der Kampf um den Erhalt der Natur und Carags kompliziertes Verhältnis zu seinem Mentor – genug Stoff für einen spannenden Film. Stattdessen erfahren wir mehr über seine Puma-Familie und die Probleme seiner Klassenkameraden und erleben längliche Besprechungen im Wald im Rat der Tiere.

Die Schauspieler – bei den Erwachsenen sind es unter anderem Oliver Masucci, Martina Gedeck, Hannah Herzsprung, Lucas Gregorowicz, Tom Schilling und Moritz Bleibtreu (konsequent im schmierigen Overacting-Bösewicht-Modus; was dann schon wieder lustig ist) – sind konsequent unterfordert. Tricks, Drehbuch und Dialoge sind, wie im ersten „Woodwalkers“-Film, bestenfalls zweckdienlich.

Der finale Teil der Trilogie ist für den 30. September 2027 angekündigt. Wer nicht so lange warten will, muss die Bücher von Katja Brandis lesen.

Woodwalkers 2 (Deutschland 2026)

Regie: Sven Unterwaldt

Drehbuch: David Sandreuter

LV: Katja Brandis: Hollys Geheimnis (2017); Fremde Wildnis (2018)

mit Emile Cherif, Oliver Masucci, Martina Gedeck, Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta, Hannah Herzsprung, Moritz Bleibtreu, Tom Schilling, David Schütter, Olivia Sinclair, Emil Bloch, Lara Amelie Rosa, Lucas Gregorowicz, Luna Arwen Krüger, Johannes Degen

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Woodwalkers 2“

Moviepilot über „Woodwalkers 2“

Homepage von Katja Brandis

Meine Besprechung von Sven Unterwaldts „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ (Deutschland/Österreich 2015)

Meine Besprechung von Damian John Harpers „Woodwalkers“ (Deutschland 2024)

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