Neu im Kino/Filmkritik: „EPiC – Elvis Presley in Concert“, prächtig restauriertes Mixtape

Als Baz Luhrmann für sein Biopic „Elvis“ in den Archiven von Warner Bros. recherchierte, entdeckten er und seine Mitarbeiter in Kansas in als Lagerort für Filmmaterial fungierenden Salzminen 69 Kisten mit Filmnegativen. Diese Kisten enthielten 59 Stunden Filmaufnahmen von Elvis Presley, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Jedenfalls nicht in dieser Qualität. Einige kurze Ausschnitte zirkulierten unter Elvis-Fans in Bootleg-Qualität. Später erhielt Luhrmann aus den Graceland-Archiven ebenso unbekannte Super-8-Filme.

Bei den Aufnahmen handelt es sich um Backstage-Aufnahmen, Interviews, Aufnahmen von den Proben und mehrere Konzertaufnahmen. Der Großteil der Konzertaufnahmen entstand 1970 in Las Vegas und 1972 in Las Vegas und auf seiner Tournee durch die USA. Aus diesen Aufnahmen sollten damals ein Dokumentarfilm und ein Konzertfilm entstehen. Die Pläne zerschlugen sich. Das Material wurde in dem Bergwerk gelagert und vergessen. Für Elvis-Fans wurden die Aufnahmen ein Mythos.

Luhrmann wollte das gefundene Material der Öffentlichkeit in einer angemessenen Form präsentieren. Dafür wurden die Film- und Tonaufnahmen aufwendig restauriert. Am Ende verfügte Luhrmann über 59 Stunden unveröffentlichtes Filmmaterial, aus dem er seinen, uh, Dokumentarfilm zusammenfügte.

EPiC – Elvis Presley in Concert“ ist vor allem ein Film für die Elvis-Fans, bar jeder Analyse und sich nicht sonderlich um die Chronologie kümmernd. Munter mischt Luhrmann Aufnahmen von verschiedenen Auftritten, teils sogar verschiedenen Jahrzehnten, mit Aufnahmen von den Proben zu einem einzigen Elvis-Presley-Medley. Insgesamt werden in dem 97-minütigem Film 45 Songs angespielt. Einige Stücke sind aus verschiedenen Auftritten zusammengeschnitten. Da bleibt meist nur die Zeit, die Elvis zum Singen des Refrains benötigt.

Für Fans ist dieses gigantische Elvis-Mash-Up dennoch ein Genuss. Einmal, weil die Songs sehr gut klingen. Denn neben den Bildern wurde selbstverständlich auch der Ton restauriert. Einmal weil er sein Idol nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter und neben der Bühne und bei den Proben erleben kann und es einige Ausschnitte aus Interviews mit Elvis Presley gibt.

Wer dagegen auch nur im Ansatz eine Analyse oder eine Dokumentation über Elvis Presley erwartet, wird den Film für furchtbar unwichtig halten.

Und es handelt sich um keinen Konzertfilm. Ein Konzertfilm dokumentiert ein Konzert. Luhrman mixt in seinem Film munter, auch innerhalb eines Songs, Bildern von zu verschiedenen Zeiten entstandenen Konzertaufnahmen und Probenaufnahmen.

Das Ergebnis ist als fantasiertes Best-of-Concert überwältigend. Während man die bekannten Refrains mitsummt, kann man darüber nachdenken, wie sehr sich Elvis Presley in den wenigen Jahren zwischen seinem Durchbruch und den frühen siebziger Jahren veränderte und wie alt und unbeweglich er damals oft wirkte.

Elvis Presley starb mit 42 Jahren am 16. August 1977.

EPiC – Elvis Presley in Concert (EPiC – Elvis Presley in Concert, USA 2025)

Regie: Baz Luhrmann

Drehbuch: Baz Luhrmann

mit Elvis Presley

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „EPiC – Elvis Presley in Concert“

Metacritic über „EPiC – Elvis Presley in Concert“

Rotten Tomatoes über „EPiC – Elvis Presley in Concert“

Wikipedia über „EPiC – Elvis Presley in Concert“

Meine Besprechung von Baz Luhrmanns „Elvis“ (Elvis, USA 2022)

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