Beginnen wir mit etwas Filmgeschichte, ehe ich erkläre, warum sie für „The Bride! – Es lebe die Braut“ denkbar unwichtig ist. 1935 drehte James Whale „Frankensteins Braut“ (The Bride of Frankenstein). Der Horrorfilm erzählte die Geschichte von „Frankenstein“ weiter. Er gehört zu den wenigen Fortsetzungen, die nach allgemeiner Einschätzung besser als der erste Film sind. „Frankensteins Braut“ ist „ein Meisterstück schwarzen Humors“ (Lexikon des Internationalen Films). Das Aussehen der von Elsa Lanchester gespielten Braut ist ikonisch. Mit wenigen Minuten Leinwandzeit brannte sie sich in das kollektive Gedächtnis. Inspiriert ist ihr Aussehen von Maria (Brigitte Helm), der Arbeiterführerin und Roboterfrau aus Fritz Langs Science-Fiction-Stummfilmklassiker „Metropolis“.
Die Geschichte von Frankenstein, bekannt aus Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ (Frankenstein; or, The Modern Prometheus, 1818) und unzähligen mehr oder weniger freien Verfilmungen, setze ich als bekannt voraus. Schließlich startete die neueste Version, inszeniert von Guillermo del Toro, vor wenigen Wochen im Kino und ist seitdem auf Netflix verfügbar.
Maggie Gyllenhaal verlegte die Geschichte von der Braut und dem Monster (das inzwischen auch als Frankensteins Kreatur bekannt ist) in das Jahr 1936 in die USA nach Chicago, New York und die ländliche Gegend um die Niagarafälle. Die Geschichte von „Frankenstein“ ist nur noch ein Nebensatz. Von „Frankensteins Braut“ wurde die Idee übernommen, dass das Monster eine Braut benötigt und man ließ sich vom Aussehen der der Braut inspirieren. Für seine künftige Lebensgefährtin sucht Frank (was man als eine Kurzform von Frankenstein lesen kann) Dr. Euphronious auf. Er erklärt ihr seine Situation, die sich in den vergangenen über hundert Jahren nicht veränderte. Sie hilft ihm, ganz der experimentierfreudige Mad Scientist, bei der Suche nach einer Braut für Frank. Sie wird auf dem Friedhof entdeckt, wiederbelebt – und schon können Frank und die Braut, die sich an nichts erinnert, ihr gemeinsames, zunächst glückliches Leben beginnen.
Schnell wird die Filmgeschichte zu einer überdeutlich von Arthur Penns „Bonnie and Clyde“ inspirierten Bonnie-&-Clyde-Variante mit viel Retro-Gangsterkinoschick und DC/Marvel-Worldbuilding.
Das ist gut gespielt von Christian Bale als Frank und Jessie Buckley als durchgeknallter Braut in den Hauptrollen. Annette Bening als Mad Scientist, Peter Sarsgaard und Penélope Cruz als seltsames Frank und die Braut verfolgendes Ermittlerduo, und Jake Gyllenhaal als tanzendes, von Frank verehrtes Hollywood-Matinee-Idol übernahmen mehr oder weniger wichtige Nebenrollen. Die Bilder von „Joker“-Kameramann Lawrence Sher erinnern an die Gangsterfilmklassiker aus den dreißiger Jahren und die seitdem stattgefundenen Fortentwicklungen. Die Musik mixt unbekümmert damalige Songs mit neueren Songs und einem Soundtrack von Hildur Guðnadóttir.
Aber es bleibt bei einer Pastiche. Aus anderen Filmen bekannte Bilder und Situationen werden zitiert, teils in einen leicht veränderten Kontext gesetzt. Für fast jede Sekunde können andere Filme genannt werden. Im wesentlichen wildert Maggie Gyllenhaal unter den Gangsterfilmklassiker aus den Dreißiger Jahren und verschiedenen DC/Marvel-Filmen, mit einer besonderen Zuneigung zum Batman-Kosmos und, wenn wir den Blick weiten, den Batman-Noir-Comics. „The Bride!“ spielt in der Welt von Gotham. Die wenigen Musical-Nummern erinnern natürlich an „Joker: Folie à Deux“; könnten aber auch geschnittene Szenen aus einem anderen Film aus dem Batman-Kosmos sein. Die Braut ist eine Variation von Harley Quinn. Und Christian Bale erinnert erstaunlich oft an Tom Waits.
Gyllenhaal erzählt keine Geschichte aus der Welt von Frankenstein, sondern eine Noir-Geschichte aus der Welt von Batman, die sie als riesiges, oft disparates Mash-up bekannter Filme und Bilder präsentiert. Jede Szene ihrer Bonnie-und-Clyde-Geschichte inszeniert sie auf maximale Wirkung. Ständig passiert etwas. Alles ist überlaut und überdeutlich. Es ist, als hätte man Michael Bay auf Gotham losgelassen. Das ist als Kino der Oberflächenreize nie langweilig. Aber emotional ist man nie involviert. Man bewundert lediglich die Brillanz des Präsentierten.

The Bride! – Es lebe die Braut (The Bride!, USA 2026)
Regie: Maggie Gyllenhaal
Drehbuch: Maggie Gyllenhaal
mit Christian Bale, Jessie Buckley, Annette Bening, Peter Sarsgaard, Jake Gyllenhaal, Penélope Cruz
Länge: 127 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise