Neu im Kino/Filmkritik: Die Dardenne-Brüder erzählen über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Weil es so deprimierend ist und wenn ich zuerst die Geschichte des Films erzähle, jeder sagen wird ‚da seh ich mir lieber irgendeinen anderen Film an‘, verrate ich das Ende. Also nur teilweise. Alle Geschichten des Episodenfilms gehen gut aus; jedenfalls für die Protagonistin der Geschichte. Entsprechend positiv gestimmt verlässt man „Jeunes Mères – Junge Mütter“, den neuen Film der Dardenne-Brüder.

Jean-Piere und Luc Dardenne erzählen dieses Mal von fünf jungen Müttern. Eigentlich sind sie noch Kinder. Sie sind Teenager aus sozial prekären Verhältnissen. Teilweise gehen sie noch zur Schule oder sollten zur Schule gehen. Sie hatten dann aber Geschlechtsverkehr und neun Monate später werden sie Mutter. Die Väter, – Drogensüchtige und gerade entlassene Häftlinge -, sind durchgehend keine große Hilfe. Ebenso die Eltern.

Um sich über ihr weiteres Leben mit oder ohne Baby Klarheit zu verschaffen, verbringen Jessica, Julie, Ariane, Perla und Naima eine bestimmte Zeit in einem Heim für junge Mütter. Dort leben sie mit anderen Frauen zusammen, die vor der gleichen Frage stehen. Sie alle fragen sich, ob sie ihr Kind behalten oder zu Pflegeeltern geben wollen, ob sie es allein oder mit dem Erzeuger oder mit ihren Eltern groß ziehen wollen. Egal wie sie sich entscheiden werden, es wird keine leichte Entscheidung sein.

Jean-Piere und Luc Dardenne erzählen quasi-dokumentarisch von ihrem Leben in dem Heim und wie sie zu einer Entscheidung über ihr weiteres Leben kommen. Dabei gibt es keine für jede Mutter richtige oder falsche Entscheidung. Vor dem Dreh recherchierten die Dardenne-Brüder, zu deren früheren Filmen „Rosetta“, „Das Kind“, „Lornas Schweigen“ und „Zwei Tage, eine Nacht“ gehören, in einem Mütterunterstützungsheim. Die Geschichten, die sie in ihrem neuesten, gewohnt spartanisch inszeniertem Film parallel erzählen, basieren auf dieser Recherche.

Die Rollen besetzten sie mit jungen Schauspielerinnen. Es ist teils ihre ihre erste richtige Filmrolle oder sogar die erste Filmrolle. Sie alle überzeugen mit ihrem natürlichen Spiel.

Am Ende, und das führt zu dem positiven Gefühl am Ende des ruhig beobachtenden, durch und durch realistischen Films, gibt es nicht die richtige Entscheidung, sondern nur die für diese Mutter richtige Entscheidung. Weil die Dardennes fünf junge Frauen porträtieren, gibt es fünf richtige Entscheidungen. Außerdem zeigen sie, wie solche Unterstützungseinrichtungen arbeiten.

Jeunes Mères – Junge Mütter (Jeunes Mères, Frankreich 2025)

Regie: Jean-Piere Dardenne, Luc Dardenne

Drehbuch: Jean-Piere Dardenne, Luc Dardenne

mit Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaina Halloy Fokan, Lucie Laruelle, Samia Hilmi

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

AlloCiné über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Metacritic über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Rotten Tomatoes über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Wikipedia über „Jeunes Mères – Junge Mütter“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Pierre und Luc Dardennes „Zwei Tage, eine Nacht (Deux Jours, Une Nuit, Belgien/Frankreich/Italien 2014)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..