In der ersten Staffel der italienischen Krimiserie „Romanzo Criminale“ verfolgten wir atemlos den Aufstieg einer Bande Kleinkrimineller zu den Königen von Rom. Am Ende der in den siebziger Jahren spielenden Geschichte wurde der Libanese, so etwas wie ihr unausgesprochener Chef der gleichberechtigten und daher ihre Entscheidungen kollektiv treffenden Bandenmitglieder, am 13. September 1980 auf offener Straße erschossen.
Die zweite und letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ schließt sich unmittelbar an die erste an. Freddo (Vinicio Marchioni), Dandi (Alessandro Roja), Scrocchia (Riccardo De Filippis) und Bufalo (Andrea Sartoretti), die überlebenden Köpfe der Bande, wollen herausfinden, wer Libano (Francesco Montanari) erschoss. Außerdem müssen sie die kriminellen Geschäfte weiterführen und ihre internen Konflikte lösen. Es geht also, nachdem in der ersten Staffel über elf packende Stunden eine Geschichte vom Aufstieg erzählt wurde, die sich letztendlich auf einen charismatischen Charakter konzentrierte, um die Verteidigung des Erreichten. Es geht um Stellungskämpfe, Freundschaft, Vertrauen, Misstrauen, Verrat und wechselnde Bündnisse. Insofern fehlt der zweiten, aus zehn etwa fünfzigminütigen Episoden bestehenden, Staffel die rohe Kraft der ersten Staffel. Es fehlt auch das alles einigende Kraftzentrum der ersten Staffel. Stattdessen stehen jetzt mehrere, gleichberechtigte Charaktere und ihre Versuche, ihr Verbrecherimperium zu erhalten und zu konsolidieren, im Mittelpunkt der Geschichte, die zwischen 1980, dem Tod des Libanesen, und 1989, dem Fall der Mauer und dem endgültigen Ende der Bande, nachdem sie bereits vier Jahre vorher in einem Megaprozess teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, spielt.
Dabei zeigen sich nach dem Mord an dem Libanesen in der ursprünglichen Blutsbrüderschaft der aus ärmlichen Verhältnissen kommenden Verbrecher immer mehr Brüche. Bufalo will unbedingt den Libanesen rächen und landet nach einem unbedachten Feuergefecht auf offener Straße im Gefängnis. Er hält Dandi, der ihm bei dem Schusswechsel nicht half, für einen Feigling und Verräter, den er unbedingt töten will. Dandi zögert zwar, Menschen zu töten, aber er zögert nicht, ein Angebot der Mafia anzunehmen. Er versucht sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, indem er die Prostituierte Patrizia (Daniela Virgilio) heiratet und auch mit dem Vatikan Geschäfte macht.
Und Freddo versucht weiterhin die Bande zusammen zu halten und das Erbe von Libano zu bewahren. Dass er dabei Donatella (Giovanna Di Rauso) immer mehr vertraut und ihr wichtige Aufträge gibt, wird von den anderen Bandenmitgliedern nur widerwillig akzeptiert. Donatella ist dabei eine schillernde Figur mit fabelhaften Verbindungen, aber unklaren Loyalitäten.
Auf der anderen Seite des Gesetzes werden sie immer noch von Commissario Scialoja (Marco Bocci), der sich ebenfalls in Patrizia verliebt hat, verfolgt. In der letzten Episode der grandiosen Serie erhält er ein überraschendes Angebot.
Während die erste Staffel von „Romanzo Criminale“ knapp gesagt „Scarface“ war, ist die zweite Staffel „Es war einmal in Amerika“, mit einer ordentlichen Portion „Der Pate“ – und wenn man am Ende, nachdem die Loyalitäten und Freundschaften der einzelnen Charaktere immer wieder auf die Probe gestellt wurden, erlebt, wie eine Jugendfreundschaft endgültig verraten wird, dann echot das Ende von „Es war einmal in Amerika“ durch den Film.
Nachdem das Ende der ersten Staffel die alte Botschaft „Verbrechen lohnt sich nicht“ verkündete und das Mitleid mit dem Libanesen, der zunehmend herrischer, sprunghafter und drogensüchtig wurde, sich in Grenzen hielt, fragt die zweite Staffel, wie wichtig Freundschaft ist und wie sehr sie sich unter veränderten Bedingungen immer wieder anpassen muss. Weil man mit Freddo, Dandi, Scrocchia, Scialoja, Patrizia und sogar dem schon am Anfang der zweiten Staffel unberechenbarem, später zunehmend verrückt werdendem Bufalo mitfiebert, ist deshalb das Ende der zweiten Staffel von „Romanzo Criminale“, das auch einen Bogen zur allerersten Szene von „Romanzo Criminale – Staffel 1“ schlägt, viel deprimierender und düsterer als das Ende der ersten Staffel.
Und wenn man die ganze grandiose Serie ansieht (was man unbedingt tun sollte), erlebt man eine mitreisende, auf Tatsachen basierende Saga vom Aufstieg und Ende der römischen Magliana-Verbrecherbande, die als Vorbild für die Serie diente, und ihrer Verbindungen zur Mafia, Camorra und dem italienischen Staat, der sich immer wieder schützend vor sie stellte.
Romanzo Criminale – Staffel 2 (Romanzo Criminale, Italien 2010)
Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Valenti, Paolo Marchesini, Giancarlo De Cataldo
LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)
mit Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi, Giovanna Di Rauso, Francesco Montanari (in Rückblenden und als Geist)
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DVD
Edel
Bild: 19:9 (PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Die dritte Staffel der beliebten, witzigen TV-Krimiserie „Leverage“ schließt sich, in jeder Beziehung, unmittelbar an die zweite an. Allerdings scheint den Berufsverbrechern, die der ehemalige Versicherungsagent Nathan Ford (Timothy Hutton) um sich gescharrt hat, ihre neue Arbeit inzwischen so gut zu gefallen, dass sie überhaupt nicht mehr ihrer früheren Arbeit nachgehen wollen.
Denn während die Trickdieben Sophie Deveraux (Gina Bellman), die Einbrecherin Parker (kein Vorname) (Beth Riesgraf), der Schläger Eliot Spencer (Christian Kane) und der Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) früher für ihren eigenen Geldbeutel das Gesetz übertraten, tun sie es jetzt für die gute Sache: nämlich für den machtlosen, grundehrlichen kleinen Mann, der sich gegen die Umtriebe der Bösewichter nicht wehren kann.
So kämpfen sie immer noch gegen skrupellose Bösewichter, die ihre Stellung und Gesetzeslücken ausnutzen, sich auf Kosten von Mitarbeitern und Angestellten bereichern, Menschen um ihr Erspartes bringen und, wenn alle Stricke reißen, sie ihre hochbezahlten Anwälten losschicken, um sie vor einer Bestrafung zu bewahren.
In der Auftaktfolge der dritten „Leverage“-Staffel „Hinter Gittern“ muss das Leverage-Team ihren Kopf Nathan Ford aus dem Gefängnis befreien. Wie er in das Gefängnis kam, wurde im Staffelfinale der zweiten Staffel erzählt. Aber vor seiner Befreiung will Nathan einem anderen Inhaftiertem helfen. Und, es gibt sogar so etwas wie einen folgenübergreifenden Plot. Denn eine mysteriöse Italienerin, erpresst Nathan. Er soll innerhalb eines halben Jahr den mächtigen Gangster Damien Moreau (Goran Visnjic) aus dem Verkehr ziehen. Wenn er es nicht schafft, wird das Leverage-Team vernichtet. Die Jagd nach Moreau spielt allerdings in den meisten Folgen der dritten Staffel keine Rolle. Erst zum Staffelfinale hin bemüht das Leverage-Team sich erkennbar, Moreau zu vernichten.
Davor bewegen die meisten Jobs sich in für das Team (und für uns Zuschauer) bekannt-vergnüglichen Bahnen: während einer Highschool-Reunion versuchen sie einem Software-Unternehmer das Passwort zu entlocken. Sie wollen den verbrecherisch-skrupellos-machtgierigen Bruder eines beliebten afrikanischen Präsidenten ausnehmen, einen betrügerischen Country-Musik-Produzenten und einen ebenso betrügerischen Gebrauchtwagenverkäufer (Ja, es soll auch ehrliche Verkäufer geben.) überführen, einen skrupellosen Minenbesitzer aus dem Verkehr ziehen und den Verkauf eines gefährlichen Medikaments verhindern. Sie geraten an eine Miliz und müssen, immerhin gehört eine Weihnachtsfolge zum guten Serienton, einem geschassten Kaufhaus-Weihnachtsmann helfen.
Es gibt auch, neben der Weihnachtsfolge (die sogar gelungen ist) einige vergnügliche Abweichungen von der bekannten „Leverage“-Formel. So versucht Parker in „Solo für Parker“, zusammen mit ihrem Mentor (Richard Chamberlain), einen Einbruch auf eigene Faust durchzuziehen. Aber es läuft nicht wie geplant. Nathan führt in „Im Namen des Vaters“ sein Team in einen Kampf mit seinem Vater (Tom Skerritt), zu dem er eine sehr problematische Beziehung hat. Und, wir ahnen es bei dem Titel „The Rashomon Job“ (der deutsche Titel „Nachts im Museum“ ist etwas banal), dass Sophie, Alex, Eliot und Parker, als sie sich an einen schon Jahre zurückliegenden Diebstahl erinnern, den sie zufällig gleichzeitig, aber jeweils auf eigene Rechnung durchführten, die Ereignisse und die anderen ganz anders wahrgenommen haben. Und auch Nathan war als Versicherungsdetektiv in diesem Museum.
Insgesamt unterscheidet sich die dritte „Leverage“-Staffel nicht von den beiden vorherigen Staffel an: es ist sehr gut gemachte, kurzweilig-leichtgewichtig-humorvolle Unterhaltung, mit einem ernsten Unterton.
Im Fernsehen zeigt Vox ab Montag, den 21. Januar, um 21.15 Uhr die letzten Folgen der vierten Staffel. In den USA lief am 25. Dezember 2012 „The Long Good-Bye Job“ (Raymond Chandler!), die letzte Folge der fünften Staffel, die auch das Serienfinale ist. Das ist zwar schade, aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.
Das Bonusmaterial der dritten Staffel ist dagegen eher enttäuschend und mit 23 Minuten nicht besonders umfangreich ausgefallen. Denn die meisten Featurettes sind mit zwei bis drei Minuten zu kurz ausgefallen, um wirklich einen tieferen Einblick in das Thema zu geben. Bei „Hinter den Kulissen“ gibt es immerhin einige Informationen zum Dreh des Staffelfinales und die Outtakes, über fünf Minuten, sind sogar größtenteils witzig, weil die Outtakes flott zusammengeschnitten sind und die Schauspieler viel lachen – und Lachen bekanntlich eine ansteckende Wirkung hat.
Leverage – Staffel 3 (Leverage, USA 2010)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison), Jeri Ryan (Tara Cole)
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DVD
Edel
Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Am Set mit Coulton und Aboud: die neuen Autoren von „Leverage“, Hinter den Kulissen mit den Autoren von „Leverage“, Was macht ein Produzent bei „Leverage“, Unveröffentlichte Szenen, Hinter den Kulissen, Outtakes (insgesamt 23 Minuten ohne Untertitel)
Wenn du in der Einöde einen Koffer voller Geld entdeckst, nimm ihn nicht mit. Denn das endet, wie wir aus zahlreichen Noirs wissen, für den Protagonisten immer tödlich.
Wenn du diesen Koffer allerdings, wie es sich für einen gesetzestreuen Bürger gehört, auf der nächsten Polizeistation abgibst, bist du, wie Craig Lahiffs Noir „Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“ beweist, trotzdem nicht auf der sicheren Seite.
Denn Colin (David Lyons), so heißt dieses Mal der Unglücksvogel, entdeckt nach einem Autounfall auf einer einsamen australischen Landstraße in dem einen Auto eine Aktentasche voller Geld und eine männliche Leiche, die vorher bei einem Drogendeal den Drogenkäufer kaltblütig ermordete. In dem anderen Auto sitzt Jina (Emma Booth), eine Schönheit, die gerade die Gegend verlassen wollte und den Unfall verursachte. Colin bringt Jina zurück zu ihrem Haus. Das Geld übergibt er dem örtlichen Sheriff. Frank (Jason Clarke, demnächst „Zero Dark Thirty“) ist zwar nett und hilfsbereit, aber auch etwas merkwürdig und verheiratet mit Jina, die für das Kaff und ihren Mann ein viel zu heißer Feger (Klischee Absicht) ist. Entsprechend schnell baggert sie Colin an (Flirten kann man ihren nächtlichen Annäherungsversuch im Swimmingpool nicht nennen). Wahrscheinlich ist Frank deshalb auch etwas eifersüchtig.
Und dann ist da noch ein blonder Killer, der wortkarg, aber äußerst effektiv seine Arbeit, die Suche nach dem Geld, erledigt. Eigentlich überlebt niemand die Begegnung mit ihm. Dumm nur, dass Frank und Jina, auf getrennten Wegen den Ort verlassen wollen, das Geld als willkommene Starthilfe für ein neues Leben betrachten und der harmlose Colin zwischen die Fronten gerät.
„Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“ ist ein Noir by the Numbers, der kaum ein Klischee auslässt und gerade in den ersten beiden Dritteln an Oliver Stones ungleich gelungenere John-Ridley-Verfilmung „U-Turn“ (allerdings ohne die Stonesschen Kameraexzesse) erinnert. Sogar ein merkwürdiger Automechaniker versucht in „Swerve“ Colins Auto zu reparieren. Im letzten Drittel gibt es dann eine Storyvolte, die plötzlich das Geld links liegen und den Film zu einem banalen Eifersuchtsdrama mutieren lässt.
Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit (Swerve, Australien 2011)
Regie: Craig Lahiff
Drehbuch: Craig Lahiff
mit Jason Clarke, Emma Booth, David Lyons, Travis McMahon, Roy Billing, Chris Haywood, Vince Colosimo
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DVD
Ascot-Elite
Bild: 1,35:1 (16:9, PAL)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
In Frankreich wird eine junge Frau in einem Gebirgsfluss wach. Sie hat, wie wir, keine Ahnung, wie sie dorthin gelangte und, als sie kurz darauf in einem Dorfhotel eincheckt, hat sie auch keine Ahnung, wie sie heißt und wo sie herkommt. Aber sie hat einen Seesack voller 100-Euro-Geldbündel und eine Pistole. In den Nachrichten hört sie Meldungen über die in der Nähe stattgefundenen Morde an einem Politiker und zwei weiteren, noch unbekannten Toten. Hat sie etwas damit zu tun?
Nun, selbstverständlich. Aber bis wir erfahren, was sie mit den Morden zu tun hat, erleben wir hundert spannende Minuten, die man besser nicht zu sehr auf Wahrscheinlichkeit überprüft und die politische Ebene nimmt man besser als MacGuffin; also als Element, das die Handlung in Gang setzt und vorantreibt, ohne das es genauer erklärt wird.
Denn die schöne Unbekannte scheint aus Dänemark zu kommen und ein Musikstück löst bei ihr Erinnerungen aus. Als sie in Kopenhagen ankommt, erfährt sie, dass sie Ida heißt, die Frau des Opernsängers Just Ore ist und er, ihr Bruder und ihre Freunde als Studenten Mitglieder einer radikalen politischen Gruppe waren.
Während sie noch versucht, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen, wird sie von von zwei Männern verfolgt, die sie bereits in Frankreich verfolgten. Die beiden Männern kennen sie von früher. Denn sie waren, als sie sie auf einem Überwachungsvideo erkannten, über ihr Auftauchen in Frankreich sehr erstaunt und auch ihr Mann Just Ore scheint etwas mit den seltsamen Ereignissen und ihren Verfolgern zu tun zu haben.
„ID:A – Identität Anonym“, ist ein feiner, kleiner Thriller, der seine Geheimnisse, als die Heldin Ida während eines weiteren traumatischen Ereignisses ihr Gedächtnis wiedererlangt, in einer für meinen Geschmack zu langen Rückblende enthüllt.
Davon abgesehen erinnert Christiansens Film an die paranoiden französischen Polit- und Psycho-Thriller der sechziger und siebziger Jahre, in denen eine Gesellschaft gezeichnet wird, in der es mafiöse Verbindungen zwischen Verbrechern und Politikern, oft auch Geheimdienstlern, Polizisten und hochrangigen Beamten, gibt, die einen Staat im Staat bilden. Der Held wird von ihnen und ihrer allumfassenden Macht bedroht und er kann nie seiner Wahrnehmung und seinem Gedächtnis trauen; vor allem, weil alle anderen mehr über ihn wissen und er nie weiß, ob oder wie sehr er belogen wird. In „ID:A – Identität anonym“ lebt diese paranoide Stimmung wieder auf.
P. S.: Für die deutsche Fassung wurde die Tonspur komplett synchronisiert. In der Originalfassung wird in den ersten gut zwanzig Minuten, solange Ida in Frankreich ist, französisch gesprochen.
ID:A – Identität anonym (ID:A, Dänemark 2011)
Regie: Christian E. Christiansen
Autor : Tine Krull Petersen
LV: Anne Chaplin Hansen: På knivens æg, 2000
mit Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjørnlund, Arnaud Binard, John Buijsman, Rogier Philipoom, Jens Jørn Spottag
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DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Dänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Es hilft wirklich, vor dem „Genuss“ des Films die offizielle Inhaltsangabe zu lesen. Die verrät zwar fast den gesamten Thriller, aber so ist man beim Sehen von „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ nicht ganz so verloren in dem Chaos verschiedener Handlungsstränge, die sich erst langsam entwirren. Dabei verwechseln die Macher Komplexität und Rätsel einfach nur mit Schlamperei beim Konstruieren der Geschichte.
Denn diese ist letztendlich ziemlich einfach: da gibt es einmal einen durchgeknallten, religiösen Mörder. Als er eines seiner Opfer vor die U-Bahn schubst, beginnt Kommissar Timo Harjunpää zu ermitteln. Er ist – klar – ein Superbulle, der allerdings seit zwei Jahren kaum noch arbeitsfähig ist, weil ein Jugendlicher seine Tochter nach einem Discobesuch ermordete. Als der Täter jetzt entlassen wird, will Harjunpää irgendwie seine Tochter rächen. Der Handlungsstrang endet aber ziemlich schnell im Nirgendwo. Seine Frau hat einen eher milden religiösen Rappel und macht ihn immer noch für den Tod ihrer Tochter verantwortlich. Immerhin ist ihre zweite Tochter normal.
Und – Überraschung! – der U-Bahn-Mörder, der gleichzeitig ein Serienmörder mit einer Mission ist, nähert sich Harjunpääs Frau.
So weit, so konventionell. Aber Drehbuchautor Leo Viirret rückt diese Informationen nur bruchstückhaft heraus und überlässt uns so lange die Denkarbeit, bis wir uns nicht mehr darüber freuen, dass wir einige Sachen herausgefunden haben, ohne dass die Charaktere sie ausgesprochen haben oder sie uns gezeigt werden, sondern dass wir uns darüber ärgern, dass der Autor seine Arbeit, nämlich eine Geschichte zu schreiben, bei der wir mit den Charakteren, weil wir ihre Motive verstehen, mitfiebern, nicht getan hat. Die Charaktere sind uns nämlich alle herzlich egal.
Regisseur Olli Saarela inszenierte das dann zwar optisch ansprechend wie einen überlangen Videoclip, aber ohne Gespür für Dramaturgie an austauschbaren Orten. Sowieso könnte die Geschichte genausogut in irgendeiner anderen Großstadt spielen. Die Schauspieler, vor allem die Polizisten, sehen wie eine Abteilung der Hells Angels aus. Die halbe Zeit benehmen sie sich auch so.
Immerhin ist der vermurkste Film schnell vergessen.
Priest of Evil – Satans Dunkle Wege (Harjunpää ja pahan pappi, Finnland 2010)
Regie: Olli Saarela
Drehbuch: Leo Viirret
LV: Matti Yrjänä Joensuu: Harjunpää ja pahan pappi, 2003 (Das Taubenritual)
mit Peter Franzén, Irina Björklund, Sampo Sarkola, Rosa Salomaa, Tommi Korpela, Ville Virtanen, Jenni Banerjee, Maria Järvenhelmi
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DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:) PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Finnisch (Dolby Digital 5.1)
Na, da ist es doch gut, dass der Originaltitel „Grabbers“ nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Denn dann stünde da „Grabscher“ und ob das so verkaufsfördernd wäre, wage ich zu bezweifeln.
Denn „Grabbers“ ist eine in Irland spielende Alien-Invasionskomödie und schon das Zusammentreffen von irisch-kernigen Inselbewohnern, die jedes Irlandklischee bestätigen, und Aliens, die in dem Film in zwei Varianten vorkommen, – die eine Variante der Grabscher sieht wie ein abgeschnittener, beißwütiger Penis, die andere wie ein Octopus mit zu vielen Tentakeln aus -, sorgt für Lacher.
Bevor die Stadtpolizistin Lisa Nolan (Ruth Bradley) für einige Tage als Urlaubsvertretung nach Erin Island kommt, landen die Außerirdischen im Wasser, bringen gleich eine Bootsbesatzung und Dutzende Wale um und verstecken sich in einer Höhle. Lisa Nolan ist jung, hübsch, diensteifrig und so ziemlich das Gegenteil des Inselpolizisten Ciarán O’Shea (Richard Coyle), der ein irisch-trinkfester Säufer ist, mit einer entsprechend entspannten Arbeitsmoral und langen Aufenthaltszeiten im örtlichen Pub; dem einzigen auf der Insel. Seine Arbeitsmoral ist okay, weil auf Erin Island nie etwas passiert.
Doch jetzt geschehen ungewöhnliche Dinge. An den Strand wurde eine Herde toter Wale angeschwemmt, Menschen verschwinden und Paddy Barrett (Lalor Roddy), ein trinkfester Seemann, hat ein seltsames Wesen gefangen, das ihn in der Nacht umbringen will. Er überlebt – und die beiden Garda-Polizisten Ciarán O’Shea und Lisa Nolan und der Meeresbiologe Dr. Adam Smith (Russell Tovey, den wir noch aus „Sherlock: Die Hunde von Baskerville“ kennen), der von der noch unbekannten Spezis als Forschungsobjekt fasziniert ist, beginnen die Sache zu untersuchen. Dabei stellen sie schnell zwei Dinge fest: die Grabscher, wie sie sie, weil die Wesen ihre Opfer ergrabschen, nennen, brauchen zur Fortpflanzung Wasser und sie reagieren allergisch auf Alkohol.
Als für die Nacht ein Sturm angekündigt wird, gibt es nur eine Möglichkeit, den Aliens zu entkommen: unsere Helden verschanzen sich mit allen Inselbewohnern im Pub und sie sorgen dafür, dass ihr Alkoholpegel auf einer alienfeindlichen Höhe bleibt.
Bis auf die Idee, dass die Aliens am Besten mit Alkohol bekämpft werden, der ordentlichen Portion irischen Humors und einem leicht ausuferndem Erzählgestus, der eher an eine launige Erzählung in einem Pub erinnert, unterscheidet sich „Grabbers“ nicht sonderlich von den aus den vergangenen Jahrzehnten bekannten und beliebten Alien-Invasionsfilmen und natürlich ist „Grabbers“ auch eine gelungene Liebeserklärung an die B-Pictures der fünfziger Jahre, als die Aliens immer wieder Kleinstädte in den USA besuchten.
Gleichzeitig steht „Grabbers“ in der Tradition englischer Komödien wie „Shaun of the Dead“, in denen landestypische Besonderheiten liebevoll gepflegt werden und die Helden auf einen ungewöhnlichen Gegner stoßen. Der ganze Schmäh wird in „Grabbers“ mit einer Liebesgeschichte zwischen den beiden Polizisten garniert und fertig ist der vergnügliche Kinoabend mit einigen Pint Bier.
Grabbers (Grabbers, UK/Irland 2012)
Regie: Jon Wright
Drehbuch: Kevin Lehane
mit Richard Coyle, Ruth Bradley, Russell Tovey, Lalor Roddy, David Pearse, Bronagh Gallagher, Pascal Scott, Ned Dennehy
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DVD
Ascot-Elite
Bild: 1:2,35 (16:9 Widescreen)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Outtakes, Originaltrailer, 12-seitiges Booklet
Der Western „Reiter ohne Gnade“ ist zwar nicht der erste Filmauftritt von Bernard Herschel Schwartz, aber der erste, in dem er nicht mehr Anthony Curtis sondern nur noch Tony Curtis hieß. Er spielt Kid Dalton (in der deutschen Synchronisation Ken Norton). Eine Nebenrolle. Die Hauptrolle hat Audie Murphy als Jesse James (in der deutschen Synchronisation Johnny Camps), der mit seinen Bruder, den Younger-Brüdern und Kid Dalton, die später als James-Younger-Gang bekannt wurden, bei dem gefürchtetem Südstaaten-Guerillaführer William Clark Quantrill (gespielt von Brian Donlevy und auch in der deutschen Synchronisation Quantrill) anheuern wollen. Denn ihr Elternhaus wurde von Nordstaatlern, die noch nicht einmal das Gewissen von Strauchdieben haben, abgebrannt und ihre Eltern getötet. Quantrill führt eine ziemlich skrupellose Ansammlung marodierender Banditen an.
Tja, und damit dürften dann auch die historischen Tatsachen schon erschöpft sein; wobei die Originalfassung deutlich näher an der historischen Wirklichkeit als die deutsche Synchronisation ist.
Jedenfalls ist Jesse James in der Originalfassung von „Reiter ohne Gnade“ noch ein Jungspund, der Quantrill hemmungslos bewundert und überhaupt nicht auf die Warnungen von Quantrills Frau hören will. Weil er ein guter Kämpfer ist, steigt er rasend schnell auf. Er tötet Quantrills rechte Hand in einem Messerkampf, ist während eines lauschigen Abends Quantrills Saufkumpan und schon darf er bei dem nächsten Überfall auf eine Stadt Verantwortung übernehmen und ist ziemlich schockiert, dass Quantrill und seine Männer skrupellos die Bewohner umbringen. Er überzeugt Quantrill, dass er sich bei den Kämpfen an Regeln halten muss. Quantrill verspricht ihm das. Als er bei einem weiteren Überfall wieder skrupellos mordet, gibt es einen Bruch in der bis dahin straff erzählten Geschichte.
Denn anstatt jetzt abzuhauen oder gegen Quantrill, der sein Wort gebrochen hat, zu kämpfen, bleiben Jesse James und seine Freunde, weil sie eh von den Nordstaatlern gehängt würden, bei Quantrill und er steht Quantrill sogar in den letzten Stunden bei. Quantrill der bis dahin als skrupellos-egomanischer Opportunist gezeichnet wurde, geht tapfer in den Tod – und Jesse James kann zum Banditen werden.
„Reiter ohne Gnade“ ist ein weitgehend schmissiger Routine-Western, der im letzten Drittel hoffnungslos den Faden verliert und sich davor auch nicht so richtig entscheiden kann, wie er Jesse James porträtieren soll. Denn dummerweise wissen wir, dass er und seine Freunde später zu gefürchteten Banditen werden. Da sind die Jahre bei Quantrill nur die Lehrjahre, in denen aus einem jungen Burschen ein Verbrecher wird. Wobei Historiker davon ausgehen, dass der damals Sechzehnjährige Jesse James, im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Frank, nicht bei Quantrill, sondern bei dem ehemaligen Quantrill-Mann William T. „Bloody Bill“ Anderson war und er die moralischen Skrupel, die er in „Reiter ohne Gnade“ hat, in Wirklichkeit nicht hatte.
Weil Ray Enright, ein vielbeschäftigter Routinier, diese Geschichte so nicht erzählen wollte, hängt „Reiter ohne Gnade“ auch mit seiner Aussage eigentümlich in der Luft.
Wenn man „Reiter ohne Gnade“ allerdings, vollkommen herausgelöst aus seinem historischen Kontext, einfach als Entwicklungsgeschichte betrachtet, in der der Held am Ende vielleicht doch ein ehrliches Leben beginnt, dann ist der B-Western kurzweilige Unterhaltung.
Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer, einer Bildergalerie und einem vernachlässigbarem, weil viel zu unkritischem, mit vielen Trailern verlängertem Featurette über Audie Murphy.
Zum Abschluss noch zwei Meinungen, die sich auf die deutsche Fassung beziehen:
„Handlungsreicher Audie-Murphy-Western mit atmosphärisch treffendem Zeitkolorit.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Kein bisschen historische Wahrheit in der Geschichte und den Figuren, aber viel Flair und authentisches Kolorit.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
Und ein Wort zur Bild- und Tonqualität der DVD, die viel, viel besser als in der YouTube-Clip ist, der nur einen sehr ungefähren Eindruck von der Bildpracht des Films vermittelt.
Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, USA 1950)
Regie: Ray Enright
Drehbuch: Robert L. Richards
mit Audie Murphy, Brian Donlevy, Marguerite Chapman, Scott Brady, Tony Curtis, James Best, Richard Long
Die Skepsis vor dem Start der zweiten Staffel war bei den „The Walking Dead“-Fans groß. Immerhin wurde der Showrunner Frank Darabont kurzfristig gefeuert. Der TV-unerfahrene Frank Darabont scheint zwar eine ziemliche Kontrollmanie gehabt zu haben, aber er war auch der Mann, der die erste „The Walking Dead“-Staffel über eine kleine Gruppe Menschen, die in einer postapokalyptischen Welt gegen Zombies kämpfen und versuchen ihre Menschlichkeit zu bewahren, mit seiner Vision zum Erfolg führte. Beim TV-Publikum, bei den Kritikern und auch bei den Fans der Comicserie, die die TV-Serie inspirierte.
Mit Glen Mazzara, unter anderem „The Shield“, übernahm ein erfahrener TV-Mann den Showrunner-Stuhl, den er nach der dritten Staffel aufgrund kreativer Differenzen mit dem Sender wieder verlässt. Außerdem wurde die Zahl der Folgen erhöht: von sechs (immerhin wusste anfangs niemand, ob „The Walking Dead“ ein Erfolg wird) auf dreizehn. Das Budget wurde allerdings nicht im gleichen Maß erhöht. Und die Fans befürchteten schon das Schlimmste. Denn zu einer Zombie-Serie gehören nun mal zahlreiche Außendrehs (teuer!), Massenszenen (teuer!) und Special Effects (teuer!), auch wenn Menschen, die zu Zombies geschminkt werden und herausplatzende Gedärme noch mit der guten alten Spezialeffekte-Schule gelöst werden können.
Die Skeptiker haben, das kann jetzt schon verraten werden, teilweise recht behalten. Denn die kleine Gruppe Überlebender um den Polizisten Rick Grimes (Andrew Lincoln) befindet sich, nachdem sich das Seuchenzentrum in Atlanta, Georgia, als Sackgasse entpuppte, wieder auf der Flucht vor den Zombies. Während einer Zombie-Attacke auf einer Autobahn flüchten Rick und Sophia (Madison Lintz) in den Wald. Er lässt das zwölfjährige Mädchen in einem Versteck zurück und lenkt die Zombies ab. Als er zurückkehrt, ist sie verschwunden.
Während sie sie suchen, entdecken sie die Farm von Hershel Greene (Scott Wilson), der sie aufnimmt. Denn als Otis (Pruitt Taylor Vince), einer von Herschels Männern, auf einen Hirsch schoss, verletzte er auch Ricks Sohn Carl schwer.
Und ab da spielt die Geschichte der zweiten „The Walking Dead“-Staffel budgetschonend auf der Farm, die die Fans der „The Walking Dead“-Comics aus dem zweiten „The Walking Dead“-Band „Ein langer Weg“ kennen. Etliche Details, wie Carls Schussverletzung, die Farm und die Zombies in der Scheune, wurden auch in den Film übernommen.
Gleichzeitig bewegt sich die Geschichte, als ob die Macher nicht wüssten, wie es weitergehen soll, im Schneckentempo voran. Die Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und wie das fragile Gleichgewicht der Gruppe auf der sicheren Farm zerbricht, stehen im Mittelpunkt. So kämpfen Rick und sein alter Polizistenkollege Shane Walsh (Jon Bernthal; der sich den Schädel kahl rasiert und wir wissen alle, was das bedeutet) um die Führung der Gruppe und um Ricks Frau Lori (Sarah Wayne Callies), die lange Zeit ihre Schwangerschaft vor Rick verheimlicht. Daryl Dixon (Norman Reedus), der bislang der Einzelgänger der Gruppe war, engagiert sich sehr bei der Suche nach Sophia. Sophias Mutter Carol Peletier (Melissa McBride) versucht das erwartbare Ende der Suche nach ihrer Tochter zu akzeptieren und macht die Anderen für ihren Verlust verantwortlich. Andrea (Laurie Holden) entwickelt sich von der suizidgefährdeten Frau zur Kämpferin. Der ältere Dale Horvarth (Jeffrey DeMunn) entwickelt sich zunehmend zur moralischen Instanz. Glenn Rhee (Steven Yeun) verliebt sich in Hershels Tochter Maggie (Lauren Cohan). Die Frauen übernehmen zunehmend die traditionellen Frauenrollen (die drei Ks „Kinder, Kirche, Küche“, aber ohne die Kirche), die Männer streifen durch den Wald.
Und anstatt der Action (vulgo: Zombie-Klatschen) steht die Suspense im Vordergrund. Immer wieder wird mit der Bedrohung gespielt und, weil jeder Charakter sterben kann, ist auch immer unklar, ob nicht die Person, die gerade durch den Wald schleicht, auch wieder heil zurückkehrt.
Das ist, wenn man sich die dreizehn Folgen in einem Rutsch ansieht, nach anfänglichen Irrungen in den ersten Episoden, durchaus spannend. Denn die Macher ignorieren zugunsten einer einzigen langen Geschichte die Konventionen des seriellen TV-Erzählens. Auch kleinere Geschichten erstrecken sich über mehrere Episoden, nicht immer wird eine wichtige Geschichte innerhalb einer Folge abgeschlossen und nicht jede Folge endet, wie „24“ (wo es zur vollen Stunde immer eine Katastrophe gab), mit einem Cliffhanger. Das kennen die Fans der Comicserie „The Walking Dead“ allerdings auch von den Comics, in denen Serienerfinder und Autor Robert Kirkman sich auch einfach nur für das Erzählen seiner Geschichten interessiert und sich dabei wenig um die Seitenvorgabe für die einzelnen Hefte kümmert.
Im US-TV lief „The Walking Dead“ allerdings mit der üblichen Dosis von einer Folge pro Woche und einem Mid-Season-Finale (nach sieben Folgen gab es eine mehrmonatige Pause) und da fragten die Fans sich zu recht, was das soll: keine Zombies, viel Charakterentwicklung und dann die in der Serie tagelange (im TV wochenlange) Suche nach einem verschwundenen Kind, das wahrscheinlich schon lange tot ist. Gleichzeitig verrieten die Macher nicht, wie die Serie weitergehen soll. Immerhin gehört es zu „The Walking Dead“, dass jeder sterben kann und die Leser der Comics mussten schon einige schmerzhafte Verluste wegstecken. In den zahlreichen Audiokommentaren sprechen die „The Walking Dead“-Macher auch ausführlich über die negativen Fanreaktionen, dass sie von Anfang an die zweite Staffel auf der Farm spielen lassen und tiefer in die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander eintauchen wollten. Und dass die lange Suche nach Sophia dazu diente, das Mid-Season-Finale, das Massaker auf der Farm, vorzubereiten und dann in der zweiten Hälfte, die sich nahtlos an die erste Hälfte anschließt, die Karten neu gemischt werden.
Und ab diesem Moment wird die zweite Staffel von „The Walking Dead“ richtig gut. Denn ab dem Finale der siebten Folge wird deutlich, wohin die Konflikte, die in der ersten Staffelhälfte teilweise arg langwierig etabliert wurden führen sollen.
Am Ende der Staffel müssen Rick und seine Gefährten, mit einigen neuen Mitreisenden und ohne einige alte Gefährten, die Farm verlassen, Michonne taucht auf (und wird daher in der dritten Staffel eine wichtige Rolle übernehmen), das letzte Bild zeigt am Horizont das Gefängnis, in dem in den Comics Rick Grimes und seine Gruppe eine lange Zeit verbringen und sie, auch das verrät ein Blick in die Ankündigungstexte der dritten Staffel, gegen den selbsternannten Gouverneur von Woodbury, einem furchterregendem Gegner über mehrere „The Walking Dead“-Bände, kämpfen müssen.
Das Bonusmaterial
Das Bonusmaterial ist, wie schon bei der ersten Staffel, erfreulich umfangreich und informativ. Auf der vierten DVD gibt es hundert Minuten Hintergrundberichte und geschnittene Szenen. Produzent Glen Mazzara erklärt die Schnitte und besonders die Erklärung für den ersten großen Schnitt ist eine kleine Lektion im filmischen Geschichten-Erzählen. Denn die erste Folge der zweiten Staffel sollte ursprünglich neunzig Minuten dauern. Es wurde ein anderer Anfang gedreht, der später wieder entfernt wurde. Mazzara erklärt in seinem Audiokommentar einleuchtend, was an dem ursprünglich geplanten Anfang nicht funktionierte.
Die meisten Featurettes beschäftigen sich mit wichtigen Filmszenen, die meistens auch etwas für das Auge bieten. Also Zombies, Action und die Schlacht um Herschels Farm im Staffelfinale.
In „Die Tinte lebt“ äußerst sich „The Walking Dead“-Erfinder Robert Kirkman zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen seinem Comic und der Serie und warum er für die Änderungen ist.
Und dann gibt es noch fünf Audiokommentare, die alle sehr interessant sind. Jedenfalls wenn man sich für die Hintergründe der Serie interessiert und erfahren möchte, was die Macher sich dabei dachten. Bei „Zukunft im Rückspiegel“ unterhält Showrunner Glen Mazzara sich mit Executive Producer Gale Anne Hurd, Executive Producer David Alpert und Robert Kirkman, bei „Tod oder Lebendig“ mit Regisseur Michelle MacLaren, Autor Scott M. Gimple und Film Editor Julius Ramsay, bei „Nebraska“ mit Autor Evan Reilly, mit „Hershel Greene“-Darsteller Scott Wilson und „Glenn Rhee“-Darsteller Steven Yeun, bei „Sorry Bruder!“ mit Regisseur Gregory Nicotero (der auch für das Zombie-Make-Up verantwortlich ist), Autorin Angela Kang und „Andrea“-Darstellerin Laurie Holden und bei „Die Mahd“ mit Regisseur Ernest R. Dickerson, Robert Kirkman, Gregory Nicotero und „Daryl Dixon“-Darsteller Norman Reedus.
The Walking Dead – Staffel 2 (The Walking Dead, USA 2011)
Erfinder: Frank Darabont
LV: Comicserie von Robert Kirkman, Charlie Adlard und Tony Moore
mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Chandler Riggs (Carl Grimes), Jon Bernthal (Shane Walsh), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath), Laurie Holden (Andrea), Steven Yeun (Glenn Rhee), Norman Reedus (Daryl Dixon), IronE Singleton (Theodore ‚T-Dog‘ Douglas), Melissa McBride (Carol Peletier), Scott Wilson (Hershel Greene), Lauren Cohan (Maggie Greene), Emily Kinney (Beth Greene)
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DVD
Entertainment One/WVG Medien GmbH
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 5 Audiokommentare, Featurettes (Gedärme und Innereien, Leben und sterben lassen, Die Musik zum Film, Feuer am Set, Die Tinte lebt, Der Klang der Effekte, In toten Gewässern, Du könntest einen Mord begehen, Sie wird kämpfen, Die Kostüme, Der Cast von Staffel 2), Deleted Scenes (optional mit Audiokommentar von Glen Mazzara) (100 Minuten; alle Extras mit deutschen Untertiteln)
Länge: 554 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 18 Jahre
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„The Walking Dead“ – Die Folgen der zweiten Staffel
Zukunft im Rückspiegel (What lies ahead, Erstausstrahlung: 16. Oktober 2011)
Regie: Ernest R. Dickerson, Gwyneth Horder-Payton
Drehbuch: Frank Darabont (als Ardeth Bey), Robert Kirkman
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Blutsbande (Bloodletting, Erstausstrahlung 23. Oktober 2011)
Regie: Ernest R. Dickerson
Drehbuch: Glen Mazzara
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Die letzte Kugel (Save the last one, Erstausstrahlung: 30. Oktober 2011)
Regie: Phil Abraham
Drehbuch: Scott M. Gimple
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Die Cherokee-Rose (Cherokee Rose, Erstausstrahlung 6. November 2011)
Regie: Bill Gierhart
Drehbuch: Evan Reilly
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Chupacabra (Chupacabra, Erstausstrahlung 13. November 2011)
Regie: Guy Ferland
Drehbuch: David Leslie Johnson
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Beichten (Secrets, Erstausstrahlung 20. November 2011)
Regie: David Boyd
Drehbuch: Angela Kang
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Tod oder Lebendig (Pretty much dead already, Erstausstrahlung 27. November 2011)
Regie: Michelle MacLaren
Drehbuch: Scott M. Gimple
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Nebraska (Nebraska, Erstausstrahlung 12. Februar 2012)
Regie: Clark Johnson
Drehbuch: Evan Reilly
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Am Abzug (Triggerfinger, Erstausstrahlung 19. Februar 2012)
Regie: Billy Gierhart
Drehbuch: David Leslie Johnson
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Ausgesetzt (18 Miles Out, Erstausstrahlung 26. Februar 2012)
Regie: Ernest R. Dickerson
Drehbuch: Scott M. Gimple, Glenn Mazzara
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Sorry, Bruder! (Judge, Jury, Executioner, Erstausstrahlung 4. März 2012)
Regie: Gregory Nicotero
Drehbuch: Angela Kang
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Die besseren Eingel unserer Natur (Better Angels, Erstausstrahlung 11. März 2012)
Regie: Guy Ferland
Drehbuch: Evan Reilly, Glen Mazzara
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Die Mahd (Beside the dying Fire. Erstausstrahlung 18. März 2012)
Den neuen Jason-Statham-Solo-Thriller „Safe – Todsicher“ (danach gab es „The Expendables 2“) hatte ich ja schon zum Kinostart abgefeiert. Insgesamt hat mir die Geschichte über einen New-Yorker-Ex-Polizisten, der einem kleinen Mädchen helfen will und dabei gegen New Yorks Gangsterbanden und die korrupte Polizei kämpfen muss, gut gefallen. Über weiter Strecken orientiert er sich an den guten Thrillern der siebziger und achtziger Jahre und peppt das Ganze mit einer ordentlichen Portion zeitgenössischer Action auf. Das war der Teil, der mir weniger gefiel. Und nach neunzig Minuten war der Spaß vorbei.
Autor und Regisseur Boaz Yakin, dessen ersten beiden verfilmten Drehbücher für die Actionfilme „The Punisher“ (1989, mit Dolph Lundgren) und „Rookie – Der Anfänger“ (1990, von und mit Clint Eastwood) waren, kehrte hier, nachdem er in den vergangenen Jahren als Regisseur andere Filme, wie „Gegen jede Regel“ und „Uptown Girls – Eine Zicke kommt selten allein“ drehte, wieder zu seinen Anfängen zurück und er änderte in seinem „impressionistischen Actionfilm“ (Yakin über „Safe“) genug Details, die den Genrefan erfreuten.
Jetzt ist „Safe – Todsicher“ mit wenigen Extras, – ein Audiokommentar und drei Featurettes, die nach einer knappen halben Stunde durchgesehen sind -, auf DVD erschienen und die Extras glänzen durch Klasse. Die Featurettes sind knapp, aber informativ und der Audiokommentar von Boaz Yakin ist wirklich hörenswert. Denn er erzählt von seinen Einflüssen, was er mit bestimmten Szenen erreichen wollte, warum er die Geschichte so und nicht anders erzählte und wo er warum welche Genrekonventionen brach.
Schon während Yakin sprach, begann ich den Film mit anderen Augen zu sehen und die Action-Szenen, die zu sehr in Richtung „Transporter“- und „Crank“ gehen und mich deshalb beim ersten Sehen als zu übertrieben für einen altmodischen Action-Thriller störten, störten mich jetzt weniger. Dafür fiel mir viel stärker, auch dank Yakins Audiokommentar, auf, wie er immer wieder Genreerwartungen unterläuft und einzelne Schauspieler mit wenigen Auftritten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Safe – Todsicher (Safe, USA 2012)
Regie: Boaz Yakin
Drehbuch: Boaz Yakin
mit Jason Statham, Catherine Chan, Robert John Burke, Reggie Lee, Anson Mount, James Hong, Chris Sarandon, Reggie Lee, Joseph Sikora
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DVD
Concorde Home Entertainment
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Boaz Yakin, Making-of, Featurette „Die Kunst der Schießerei“, Featurette „Die kriminellen Gegenspieler“, Wendecover
Das ist ein echter Talkie. Denn nachdem die Bösewichter ihre Verfolger abgehängt haben, wollen sie in Quantez ihre Pferde wechseln. Aber die Ansammlung von wenigen Adobehäusern ist verlassen.
Sie beschließen dort die Nacht zu verbringen, die Pferde ausruhen zu lassen und am nächsten Morgen weiterzureiten. In der Nacht, nun, ich sollte wohl sagen, brechen die Konflikte auf, sie versuchen sich gegenseitig zu betrügen und die Beute und die Frau, die auch die Geliebte des Anführers ist und reihum allen schöne Augen macht, zu bekommen. Doch das wäre zu viel der Ehre für die sich weitgehend in einer Taverne abspielenden Geplänkel zwischen dem Bandenboss, dem alten Revolverhelden, dem jungen, arg grünschnäbeligem Möchtegern-Revolverhelden und dem „Halbblut“, die dadurch gefährlicher werden sollen, dass das „Halbblut“, ein Weißer, der von Indianern großgezogen wurde und dessen Herz jetzt für die Indianer schlägt, mit den Indianern über einen Angriff nach Tagesanbruch verhandelt.
Und als die Sonne aufgeht…ist der Film auch schon fast vorbei.
„Quantez, die tote Stadt“ ist ein rechter, im Studio gedrehter Langweiler, der auch damals im Kino nur als Lückenfüller gedacht war. Es gibt alles, was zu einem Western dazugehört: den alten Revolverhelden, den jungen Revolverhelden, den fiesen Bandenboss, das verräterische Halbblut, die schöne Frau, einen feigen Bänkelsänger (okay, es gibt sogar zwei Lieder: ein gewollt gruselig von der Blondine gesungenes, eines von dem Sänger), Schlägereien, Schießereien und Indianer. Nur halt vollkommen spannungsfrei und weitgehend sinnfrei, ohne ein gescheites Drehbuch, aber dafür in Farbe und Cinemascope angerichtet.
Oder in den Worten von Joe Hembus: „Ein Kammerspiel-Western, der bessere Dialoge und bessere Darsteller gebraucht hätte, um seinen Verzicht auf Action wettzumachen.“ (Das Western-Lexikon) Und das Lexikon des internationalen Films sekundiert: „Kleiner, billiger Western.“
Aber als Teil der Koch-Media-Reihe „Western Legenden“ erschien „Quantez, die tote Stadt“ jetzt in der gewohnt schicken Aufmachung, mit gutem Bild und Ton und einer hübschen Bildergalerie.
Und, zum Abschluss, ein Wort zu den Schauspielern: John Gavin spielte kurz darauf Sam Loomis in Alfred Hitchcocks „Psycho“; Dorothy Malone kennen etliche aus Howard Hawks Raymond-Chandler-Verfilmung „Tote schlafen fest“ (sie ist die brillentragende Buchverkäuferin, die mit Humphrey Bogart flirtet), als Constance Mackenzie aus der TV-Serie „Peyton Place“ und, ihre bislang letzte Filmrolle, als Freundin von Sharon Stone in „Basic Instinct“; Fred MacMurray hatte in Billy Wilders James-M.-Cain-Verfilmung „Frau ohne Gewissen“ die Hauptrolle und spielte in Edward Dmytryks „Die Caine war ihr Schicksal“ und Billy Wilders „Das Appartment“ mit; und Sidney Chaplin war ein Sohn von Charles Chaplin und trat auch in einigen seiner Filme auf.
Drehbuchautor R. Wright Campbell wurde später ein hochgelobter Krimiautor und einige seiner Romane erschienen auch in der „Schwarzen Serie“ von Bastei-Lübbe.
Quantez, die tote Stadt (Quantez, USA 1957)
Regie: Harry Keller
Drehbuch: R. Wright Campbell (nach einer Geschichte Ann Edwards und R. Wright Campbell)
mit Fred MacMurray, Dorothy Malone, Sidney Chaplin, John Gavin, John Larch, James Barton, Michael Ansara
Gut, das wird jetzt etwas kompliziert, weil die deutschen Sender, nach einer längeren Pause, erst seit einiger Zeit wieder englische Krimiserien in ihr Programm aufgenommen haben. Denn die Krimiserie „The Body Farm“, die jetzt auf DVD erschien, ist nicht nur von den Machern der Krimiserie „Waking the Dead“, in der von 2000 bis 2011 Polizisten alte Mordfälle wieder aufrollte, sondern auch ein Spin-Off von „Waking the Dead“. Dr. Eve Lockhart (Tara Fitzgerald) war von 2007 bis 2011 die Forensikerin des Teams und sie hat mit „The Body Farm“, betitelt nach der von ihr geleiteten Body Farm (einem großen Waldstück, auf dem sie mit ihren Mitarbeitern erforscht, wie Menschen verwesen), eine eigene TV-Serie bekommen. Weil bei uns die „Waking the Dead“-Fälle mit Eve Lockhart noch nicht ausgestrahlt wurden, begegnen wir ihr zum ersten Mal in der „The Body Farm“-Auftaktfolge „Wut und Schmerz“ (No Peace for the Wicked), die auch in einer spielfilmlangen Version (allerdings nicht synchronisiert und ohne Untertitel) auf der DVD vorliegt. Die anderen Folgen sind jeweils fünfzig Minuten. In „Wut und Schmerz“ beschließt sie, der Polizei auszuhelfen und so das dringend für die Body Farm benötigte Geld zu akquirieren.
Ihr erster Fall „Wut und Schmerz“ ist auch in der spielfilmlangen Fassung ausnehmend vertrackt, kurzweilig, spannend und insgesamt ein sehr gelungener Serienauftakt. In einer Sozialsiedlung wurde in einer leerstehenden Wohnung, schon vor einiger Zeit, anscheinend eine Bombe gezündet und das oder die Opfer an den Wänden verteilt. Schon das Feststellen der Identität des Opfers gestaltet sich schwierig und die Tätersuche führt sie mitten hinein in ein Familiendrama.
Die weiteren fünf Fälle der ersten und auch letzten „The Body Farm“-Staffel sind in jeder Hinsicht konventioneller. Denn auch wenn Dr. Eve Lockhart, ihr dreiköpfiges Team und DI Craig Hale (Keith Allen) an verschiedenen Orten, wie einem Fischerdorf oder einem noblen Anwesen ermitteln, sind die Fälle meist persönlich-private, fast schon alltäglich-banale Dramen, bei denen es teils zufällig zur Tat kam, teils Unfälle oder Pech den Tod verursachten und war es ein Suizid. Es geht um einen ertrunkenen Seemann, eine Hand, die zu einer in einem Gemüsebeet versteckten Leiche führt, einen verbrannten Bürgerrechtsanwalt, einen ermordeten Traveller und eine Inhaftierte in einem offenen Frauengefängnis. Dabei mischen die vier Forensiker sich in bester „Bones“- und „CSI“-Tradition ungefragt und extensiv in die Ermittlungen ein.
In vielen Rückblenden, die oft nichts mit den Erkenntnissen der Ermittler zu diesem Zeitpunkt zu tun haben, erfahren wir viel über das Opfer und sein Umfeld, bis hin zum Täter. Das steigert zwar die Spannung, aber es weist auch immer wieder auf einen Problem bei dem Serienkonzept hin. Denn die Idee, eine Freiberuflerin, deren Spezialgebiet ein kleiner Teil der polizeilichen Ermittlungen ist (nämlich das Feststellen vom Todeszeitpunkt und, eher sekundär, der Todesart) als Protagonistin einer Serie zu wählen, führt immer wieder dazu, dass sie an Orten, an denen sie nichts zu suchen hat, Dinge tut, die sie nicht tun sollte. Und wenn es auch nur die komplette Spurensicherung ist.
Davon abgesehen hat „The Body Farm“ mit einem Übermaß an Forensik-Krimiserien zu kämpfen, die alle mehr oder weniger ähnlich sind und teilweise schon seit Jahren erfolgreich im TV laufen. Die absolut okaye Krimiserie ist knapp gesagt die britische Variante von „Bones“, minus den Humor, aber dafür mit, für uns, weitgehend unverbrauchten Gesichtern und Landschaften, angenehm zurückhaltender Kamera und traditioneller Beleuchtung. Denn in „The Body Farm“ machen die Wissenschaftler das Licht an, bevor sie über einen Tatort stolpern oder an einer Leiche herumschnippeln.
Und das Ermittlerteam ist rundum sympathisch. Aber das war dann doch zu wenig Eigenständig für eine zweite Staffel.
The Body Farm (The Body Farm, GB 2011)
Erfinder: Declan Croghan
mit Tara Fitzgerald (Dr. Eve Lockart), Keith Allen (DI Craig Hale), Mark Bazeley (Dr. Mike Collins), Wummi Mosaku (Dr. Rosa Gilbert), Finlay Robertson (Dr. Oscar ‚Oggy‘ Traynor)
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DVD
Edel
Bild: Pal 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Extended Version der ersten Episode (in englischer Originalfassung)
Länge: 311 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
Die Fälle von Dr. Eve Lockhart
Wut und Schmerz (No Peace for the Wicked, Erstausstrahlung 13. September 2011)
Regie: Diarmuid Lawrence
Drehbuch: Declan Croghan
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Die Macht der Reichen (Wealth pays the Rent, Erstausstrahlung 20. September 2011)
Regie: Diarmuid Lawrence
Drehbuch: Simon Tyrell
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Tauchgang in den Tod (If you go down to the Sea today, Erstausstrahlung 27. September 2011)
Regie: David Drury
Drehbuch: Declan Croghan
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Im Zeichen der Liebe (Sexual Intentions, Erstausstrahlung 4. Oktober 2011)
Regie: David Drury
Drehbuch: Graham Mitchell
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Das Recht der Menschen (You’ve got visitors, Erstausstrahlung 11. Oktober 2011)
Regie: Philippa Langdale
Drehbuch: Simon Tyrell
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Sitten und Bräuche (Scientific Justice, Erstausstrahlung 18. Oktober 2011)
Rick, Baxter, Woody und Quinn freuen sich auf ein Wochenende bei ihrem alten Freund Alvo in dessen Finca auf Mallorca. Im Gegensatz zu ihnen konnte Alvo sich schon zur Ruhe setzen. Gemeinsam wollen sie in Erinnerungen schwelgen, sich in der Sonne bräunen, viel Alkohol trinken und den Strand- und Discoschönheiten in ihren knappen Bikinis hinterherblicken. Immerhin sind sie schon über Vierzig und teilweise noch verheiratet. Ein richtiger Männerurlaub eben.
Doch schon kurz nach ihrer Begrüßung stochert Alvo genussvoll in ihren alten Wunden und ätzt über die verpfuschten Leben und kleinen Geheimnisse von Rick, Baxter, Woody und Quinn. Denn wirklich gut geht es keinem der vier Freunde. Aber anscheinend ist sein Luxusleben auch nicht so toll. Denn er scheint Probleme zu haben, die er unbedingt vor ihnen verheimlichen will. Als er sie auf ein geklautes Boot von einem Gangster schleppt, sie in einen Drogendeal verwickelt und er, nach 45 Minuten, von einem Zwerg mit Tony-Blair-Maske erschossen wird, wissen Rick, Baxter, Woody und Quinn, dass sie jetzt mitten in der Scheiße stecken. Dabei glauben sie, dass die Polizei mit den Gangstern zusammenarbeitet. Sie verdächtigen dabei vor allem die schöne Polizistin, die behauptet, sie würde ihnen helfen und die verdächtig viel über Alvos Geschäfte weiß.
Aber eigentlich steht dieser eher banale Krimiplot nicht im Mittelpunkt der tiefschwarzen Komödie „Mad Dogs“. Denn dafür bleibt die Bedrohung durch die Gangster viel zu abstrakt und immer wieder ist fraglich, ob die vier Engländer überhaupt bedroht werden, oder sie einfach nur paranoid sind.
Im Zentrum des gut besetzten TV-Vierteilers steht über drei Stunden das konsequente Offenlegen von Lebenslügen. Denn die vier Protagonisten müssen, angesichts der kunstvoll auf dem Esszimmertisch verteilten Leiche von Alvo und der überbordenden Probleme, die ihnen Alvo hinterlassen hat, erkennen, dass sie alle nicht das erreichten, was sie als junge Männer erreichen wollten und dass die von ihnen jetzt wieder vielbeschworene Freundschaft so schon lange nicht mehr existiert. Falls überhaupt jemals.
Autor Chris Cole nimmt sich in den vier Episoden der ersten Staffel der BBC-Serie „Mad Dogs“ diese Lügen gnadenlos vor und Regisseur Adrian Shergold inszenierte es im Stil eines mit einem billigen Camcorder aufgenommenen, oft verwackelten, oft falsch belichteten Urlaubsdokumentation.
Als zutiefst pessimistische, surreal-schwarze Komödie über vier ziemlich unsympathisch-gewöhnliche Männer, die noch nicht einmal versuchen, sich halbwegs anständig aus der Affäre zu ziehen, bereitet „Mad Dogs“ ein durchaus quälendes Vergnügen, das an Roman Polanski erinnert (so sollte man „Mad Dogs“ mal mit „Wenn Katelbach kommt…“ [Cul-De-Sac, GB 1966] vergleichen). Denn auch in „Mad Dogs“ versuchen unsere vier Helden alles, um sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien und am Ende ihrer Bemühungen landen sie doch wieder am Ausgangspunkt.
In England wurde bereits eine zweite „Mad Dogs“-Staffel ausgestrahlt und eine US-Version von „Mad Dogs“ ist geplant.
Mad Dogs – Staffel 1 (Mad Dogs, GB 2011)
Regie: Adrian Shergold
Drehbuch: Cris Cole
mit Max Beesley (Woody), John Simm (Baxter), Marc Warren (Rick), Philip Glenister (Quinn), Ben Chaplin (Alvo), María Botto (Maria), Tim Woodward (Dominic), Tomás Pozzi (Tony), Eloise Joseph (Lottie)
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DVD
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Making of (25 Minuten), Wendecover
Länge: 180 Minuten (4 Folgen à 45 Minuten, 2 DVDs)
Während Steven Spielberg immer noch einen Kassenknüller nach dem nächsten in die Kinos bringt und auch Martin Scorsese fast im Jahrestakt ein neues Meisterwerk nach dem nächsten heraushaut, hat Francis Ford Coppola sich in den vergangenen zwanzig Jahren als Regisseur fast vollkommen vom Filmgeschäft zurückgezogen. Die siebziger Jahre waren seine große Zeit: „Der Pate“, „Der Dialog“, „Der Pate II“ und „Apocalypse Now“. 1982 landete er mit „One from the heart“ einen so großen Flop, dass er die nächsten Jahre mit „Rumble Fish“, „The Outsider“, „Cotton Club“, „Peggy Sue hat geheiratet“, „Der steinerne Garten“, Tucker“ und „Der Pate III“ Schadensbegrenzung betrieb und versuchte, Geld für sein American-Zoetrope-Studio reinzuholen. Künstlerisch war das Jahrzehnt ziemlich durchwachsen, aber im Rückblick sind die Filme nicht so schlecht, wie sie damals von der Kritik gemacht wurden. In den Neunzigern kamen dann nur noch „Bram Stokers Dracula“, „Jack“ (Hat den jemand gesehen?), die biedere John-Grisham-Verfilmung „Der Regenmacher“ und der Science-Fiction-Film „Supernova“ (auch bekannt als der SF-Film, der eine so vermurkste Produktionsgeschichte hatte, dass das Ergebnis zwar Mist, aber erstaunlich ansehbarer Mist ist; vor allem wenn man darüber rätselt, welcher Regisseur für welchen Teil verantwortlich ist). Seitdem drehte er, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, „Jugend ohne Jugend“, „Tetro“ (bislang keine deutsche Veröffentlichung) und jetzt „Twixt“; – und auch „Twixt – Virginias Geheimnis“ würde ohne Coppolas Namen niemand interessieren. Denn der Film ist, optisch durchaus ansprechend inszeniert, kruder, kaum unterhaltsamer Unfug mit einigen bekannten Schauspielern. Es ist wie das verkochte Restemenü in einem Restaurant: da kann der Kellner sich noch so viel Mühe geben, es schmeckt nicht und es macht auch nicht satt. Und dass der Koch früher Mal in einem Sterne-Restaurant der Küchenchef war, mag man gar nicht glauben.
Denn die von Francis Ford Coppola geschriebene Geschichte taugt höchstens für eine ganz schlechte, halbstündige „Twilight Zone“-Episode: der Horrorromanautor Hall Baltimore (Val Kilmer im Straight-to-DVD-Modus) trifft in einer Kleinstadt auf Ortssheriff Bobby LaGrange (Bruce Dern), der ihm von einer geheimnisvollen Mordserie erzählt. Baltimore will zwar zunächst möglichst schnell weg, aber nachdem er einen Blick auf sein Bankkonto geworfen hat, sieht er die Möglichkeit, die Morde, garniert mit einigen Vampiren, als Inspiration für seinen nächsten Roman zu benutzen. Während er enorme Mengen Alkohol konsumiert, fantasiert er sich in seinen Träumen Begegnungen mit dem Geistermädchen V (Elle Fanning), vergangenen Morden und Edgar Allen Poe (Ben Chaplin), der auch mal eine Nacht in dem Kaff verbrachte, zusammen. Nur Vampire erscheinen ihm nicht im Traum.
Und während man während des Ansehens von „Twixt“ noch verzweifelt versucht, einen Sinn und interessante Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen zu finden, muss man am Ende feststellen, dass „Twixt“ hundertprozentig an die Roger-Corman-Schule, abzüglich Sex und Gewalt, anknüpft und damit wäre Francis Ford Coppola wieder bei seinen Anfängen gelandet, als er für Roger Corman für wenig Geld, aber dafür mit Resten aus anderen Filmen, seine ersten Gehversuche im Filmgeschäft machte.
Twixt – Virginias Geheimnis (Twixt, USA 2011)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Francis Ford Coppola
mit Val Kilmer, Bruce Dern, Elle Fanning, Ben Chaplin, Joanne Whalley, David Paymer, Tom Waits (Erzähler im Original)
Das hat aber lange gedauert. Denn die zweite Staffel der sehr vergnüglichen Crime-Comedy-Serie „Leverage“ lief bereits vor einem Jahr im Fernsehen. Aber jetzt ist sie, nicht mehr, wie die erste Staffel, bei Universum, sondern bei Edel erschienen und die dritte Staffel erscheint, ebenfalls bei Edel, am 7. Dezember. Im Fernsehen läuft Montags auf Vox derzeit die vierte Staffel und in den USA läuft schon die fünfte Staffel. Für Nachschub ist gesorgt.
Das liegt auch daran, dass das „Leverage“-Team gegen Bösewichter kämpft, die die Lücken des Gesetzes ausnutzen und die kleine Leute skrupellos um ihr Vermögen bringen. Von diesen Verbrechern im Nadelstreifenanzug, die fast nie von einem Gericht bestraft werden, gibt es viel zu viele.
Aber manchmal betritt das aus Nathan Ford (Timothy Hutton), einem ehemaligen Versicherungsdetektiv, der seiner Versicherung Millionenzahlungen ersparte, bis sein Sohn todkrank wurde und die Versicherung die Behandlung nicht bezahlte, Sophie Deveraux (Gina Bellman), einer begnadeten Trickbetrügerin, Eliot Spencer (Christian Kane), ein Söldner, der sich anscheinend schon durch jede Gangsterhöhle schlug, Alex Hardison (Aldis Hodge), einem Computergenie, das sich in jedes System hacken kann, und Parker (Beth Riesgraf), einer Einbrecherin und Fassadenkletterin (und sie könnte wirklich Parkers Tochter sein), bestehende „Leverage“-Team die Bühne. Bei einigen Jobs in der zweiten Staffel hilft ihnen Tara Cole (Jery Ryan), eine Freundin von Sophie Deveraux.
Ford, der lange Zeit mit seinem Alkoholismus kämpft, ist der Kopf der Gruppe und er konnte in der ersten „Leverage“-Staffel diese Verbrecher überzeugen, dass es wirklich Spaß macht und das Gewissen (sofern sie überhaupt eins hatten) beruhigt, die großen, skrupellosen Bösewichter, die sich auf Kosten der Armen und Machtlosen bereichern, zu betrügen.
Deshalb war am Ende der ersten Staffel die Rückkehr der Verbrecher in ihr altes Leben nur von kurzer Dauer (Okay, die guten Quoten waren auch hilfreich.) und in der zweiten Staffel, die aus 15 Episoden besteht (zwei mehr als Staffel 1), kämpfen sie gegen betrügerische Banker, einen betrügerischen Mixed Martials Promoter, eine skrupellose Sensationsjournalistin, einen skrupellosen Lebensmittelhersteller (hier darf Nathan Ford als Magier das Publikum verzaubern), einen halbseidenen Diamantenhändler, einen zwielichtigen Anwalt, einen gierigen Geldeintreiber (der die Stammkneipe des „Leverage“-Teams übernehmen will und der nicht mit der Bande ehrbarer Diebe und den anderen Stammgästen des Pubs rechnete) und im neunzigminütigem Staffelfinale kämpfen sie gegen einen korrupten Bürgermeister.
Es gibt einen Ausflug in die Modewelt und einmal dürfen sie sich auch mit einer anderen Diebesbande um ein Gemälde kloppen.
„Leverage“ ist eine leichtgewichtige, aber gut gemachte Krimikomödie, die durchaus ernste Themen anspricht und als Robin-Hood-Variante implizit in jeder Episode zum Klassenkampf aufruft.
Die Schauspieler haben ihren Spaß in den verschiedenen Rollen, die sie für ihre Betrügereien einnehmen müssen. Die Dialoge sind flott. Und die Geschichten voller gelungener Überraschungen.
Die englischen Episodentitel, die immer mit „Job“ enden, zeugen in ihrem Anspielungsreichtum, wie „The Three Day of the Hunter Job“ und „The Maltese Falcon Job“, dass hier einige Krimifans arbeiten.
Das ist kurzweilige Unterhaltung, die niveauvoll unterhält, dabei auf Grips und nicht auf Gewalt setzt und bei der wir die Helden nicht zu irgendwelchen Obduktionen begleiten müssen.
Das Bonusmaterial
Das Kernstück des Bonusmaterials ist ein gut zwanzigminütiges Interview mit den „Leverage“-Machern Dean Devlin, John Rogers und Chris Downey. Der Rest bewegt sich im üblichen Rahmen und bietet einige spezielle Einblicke in die Serie.
Leverage – Staffel 2 (Leverage, USA 2009/2010)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison), Jeri Ryan (Tara Cole)
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DVD
Edel
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial (50 Minuten):Interview mit den Machern von Leverage (Dean Devlin, John Rogers, Chris Downey), Aldis Holdis: Der Hand-Job-Schwindel, Imagefilm über den Musiker Andy Lange, Hinter den Kulissen: Special Effects, Outtakes, Filmsetführung mit „Leverage“-Produzent John Rogers
Länge: 622 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
Die Jobs des zweiten „Leverage“-Jahrgangs
Ausgebremst (The Beantown Bailout Job, US-Erstausstrahlung: 15. Juli 2009)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: John Rogers
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Ring Frei (The Tap Out Job, US-Erstausstrahlung: 22. Juli 2009)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: Albert Kim
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Quarantäne ( The Order 23 Job, US-Erstausstrahlung: 29. Juli 2009)
Regie: Rod Hardy
Drehbuch: Chris Downey
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Hausarrest (The Fairy Godparents Job, US-Erstausstrahlung: 5. August 2009)
Regie: Jonathan Frakes
Drehbuch: Amy Berg
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Rufmord (The Three Days of the Hunter Job, US-Erstausstrahlung: 12. August 2009)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: Melissa Glenn, Jessica Rieder
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Verseucht (The Top Hat Job, US-Erstausstrahlung: 19. August 2009)
Regie: Peter O’Fallon
Drehbuch: M. Scott Veach, Christine Boylan
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Scheintot (The Two Live Crew Job, US-Erstausstrahlung: 26. August 2009)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: Amy Berg, John Rogers
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Diamantenfieber (The Ice Man Job, US-Erstausstrahlung: 2. September 2009)
Regie: Jeremiah Chechik
Drehbuch: Christine Boylan
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Erbschleicher (The Lost Heir Job, US-Erstausstrahlung: 9. September 2009)
Regie: Peter Winther
Drehbuch: Christ Downey
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Modepiraten (The Runway Job, US-Erstausstrahlung: 13. Januar 2010)
Regie: Mark Roskin
Drehbuch: Albert Kim
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Schuldschein (The Bottle Job, US-Erstausstrahlung: 20. Januar 2010)
Regie: Jonathan Frakes
Drehbuch: Christine Boylan
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Eierdiebe (The Zanzibar Marketplace Job, US-Erstausstrahlung: 27. Januar 2010)
Regie: Jeremiah Chechik
Drehbuch: Melissa Glenn Jessica Rieder
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Scharlatan (The Future Job, US-Erstausstrahlung: 3. Februar 2010)
Regie: Mark Roskin
Drehbuch: Amy Berg, Chris Downey
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Schlagabtausch (The Three Strikes Job, US-Erstausstrahlung: 10. Februar 2010)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: John Rogers
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Höhle des Löwen (The Maltese Falcon Job, US-Erstausstrahlung: 17. Februar 2010)
Als Foley nach einem Vierteljahrhundert aus dem Gefängnis entlassen wird, will der Trickbetrüger nur ein ruhiges, ehrliches Leben führen. Aber Ethan, der Sohn seines früheren Partners, den er nach einem missglückten Coup umbringen musste, will mehr über den Tod seines Vaters wissen und er plant auch einen todsicheren Coup, bei dem Foley unbedingt mitmachen muss. Sozusagen als Wiedergutmachung.
Foley will nicht, aber Ethan hat schon ein Netz von Intrigen ausgeworfen, die Foley schließlich zur Mitarbeit bei dem Coup bringen sollen. Eine besondere Rolle spielt dabei eine drogenabhängige Prostituierte.
Gut, das Rad erfinden Regisseur David Weaver, der bislang vor allem für das Fernsehen arbeitete, und Autor Elan Mastai, dessen bekannteste Arbeit Uwe Bolls „Alone in the Dark“ ist, mit „The Samaritan“ nicht neu. Vieles wirkt auch, wie aus einem alten Noir geklaut und der Coup am Ende dürfte auf der Unglaubwürdigkeitsskala eine extrem hohe Punktzahl erreichen.
Aber im Mittelpunkt steht – zum Glück – auch nicht dieser Coup, sondern der von Samuel L. Jackson gespielte Foley, der versucht, ein ehrliches Leben zu führen, aber von den Umständen, Intrigen und der Liebe gezwungen wird, wieder in sein altes Leben zurückzukehren und das ist, zwar unspektakulär, aber gar nicht so schlecht erzählt.
„The Samaritan“ ist ein okayes Drama mit Noir-Anklängen und mit Verbrechern, die sich noch richtig anziehen können und ihre Gegner nicht mit Gewalt, sondern mit ihrer Intelligenz überzeugen wollen. Jedenfalls zuerst. Das ist nach dem letzten Action-Schnittgewitter mit prolligen Ghettoganstern schon einiges, aber „The Samaritan“ ist auch immer ein Film, der weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und in erster Linie die bekannten Klischees bedient.
The Samaritan (The Samaritan, Kanada 2012)
Regie: David Weaver
Drehbuch: Elan Mastai, David Weaver
mit Samuel L. Jackson, Luke Kirby, Ruth Negga, A.C. Peterson, Gil Bellows, Deborah Kara Unger, Tom Wilkinson
Drei „Deutsche Filmpreise“, „Prädikat: besonders wertvoll“, Kritikerlob bis zum Abwinken: David Wnendt hat mit seinem Debütfilm „Kriegerin“, der auch seine Abschlussarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf war, der im Januar im Kino anlief und jetzt auf DVD erschien, einen Nerv getroffen.
Er erzählt die Geschichte von Marisa. Die Zwanzigjährige ist eine ständig genervte, hochaggressive Nazibraut in einer ostdeutschen Kleinstadt. In diesem Sommer liegt ihr über alles geliebter Großvater im Sterben, die fünfzehnjährige Svenja ist von der Nazi-Clique fasziniert und der junge Asylbewerber Rasul scheint in ihr eine Ansprechpartnerin zu sehen. Eher widerwillig hilft sie ihm – und wir bekommen wenigstens einen Hauch von Story in diesem so schrecklich ausgewogenem Film, der neben Marisas Geschichte fast gleichbedeutend die Geschichten von Svenja und Rasul erzählt, und der kaum etwas über die Hintergründe der Naziszene und ihrer Faszination für Jugendliche verrät. Denn sie erscheint als eine leicht anpolitisierte Sauf- und Prolkultur. Implizit bestätigt der Film sogar die Nazi-Ideologie von den faulen Asylbewerbern. Denn der Afghanistan-Flüchtling Rasul nutzt Marisas Vorurteile schamlos aus, wenn er Marisa immer wieder moralisch erpresst: zuerst indem sie ihn Lebensmittel klauen lässt, ihn dann zu seinem Ziel fährt, ihm später Unterschlupf gewährt und ihn sogar aus Deutschland herausschmuggeln will, indem sie ihm die Schiffspassage bezahlt.
So bleibt „Kriegerin“ als Charakterstudie an der Oberfläche. Denn immer dann, wenn es interessant wird, schweigt Wnendt.
Er erzählt nicht, wie eine rechtsextreme Jugendsubkultur sich in einem Gebiet verfestigen konnte. Er bietet keine Erklärung dafür an, dass sich gerade in Ostdeutschland eine breite rechtsextreme Szene, teils mit sehr gefestigten Strukturen, etablierte, Nazis in Parlamente einziehen und ein Nazi-Terror-Trio entstehen konnte. Denn beim Kinostart im Januar war der Kurzschluss von NSU zur „Kriegerin“ und damit dem Loben von „Kriegerin“ als Film zu den aktuellen Ereignissen einfach zu naheliegend.
Er schweigt auch – und das ist das größte Problem des Films -, wenn es darum geht, zu erklären, warum Nazis für Jugendliche attraktiv sind.
So ist „Kriegerin“ nur ein das Fremde hervorhebender Einblick in eine Sauf- und Proll-Jugendkultur, garniert mit einigen Nazi-Symbolen und etwas mehr Gewalt als es in einem handelsüblichen deutschen Problemfilm üblich ist.
Denn mehr ist „Kriegerin“ nicht: ein typisch deutsches Sozialdrama, das beim Zuschauer einfach nur eine sedativ wirkendes Unwohlsein hervorruft. So wie der „Tatort“, der uns am Sonntag einen esoterischen Blick in die Hartz-IV-Haushalte gibt, damit wir am Montag beruhigt zur Arbeit gehen können.
Besser noch einmal „This is England“ ansehen. Da erfährt man mehr über Jugendkulturen, vor allem die Skin-Kultur, die Verbindungen zu Alt-Nazis und eben die Faszination von Cliquen.
Für die deutschen Besonderheiten muss man dann halt ein Buch lesen.
Das Bonusmaterial
Für deutsche Verhältnisse ist die DVD mit gut vierzig Minuten Bonusmaterial sehr gut ausgestattet. Das elfminütige „Making of“ wirkt zwar wie eine TV-Reportage, bietet aber einige gute Einblicke in den Film. Die Interviews mit Hauptdarstellerin Alina Levshin und Regisseur David Wnendt, insgesamt sechzehn Minuten, die teilweise im „Making of“ verwendet wurden, geben weitere Einblicke in den Film. Die „Behind the Scenes“-Bilder sind so überflüssig, wie meistens. Dafür gibt es ein 19-seitiges Filmheft, das die Themen des Films vor allem für den Schulunterricht vertieft.
Kriegerin (D 2011, R.: David Wnendt)
Drehbuch: David Wnendt
mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuß, Winnie Böwe, Rosa Enskat, Haymon Maria Buttinger, Klaus Manchen
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DVD
Ascot Elite
Bild: 16:9 (1:2,35)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Unterrichtsmaterial (pdf-Dokument), Originaltrailer, Wendecover
Lorna (Gina Gershon) glaubt, dass ihr Mann Dale (Val Kilmer) eine Bank ausgeraubt hat. Er beteuert zwar seine Unschuld, aber das tut der notorische Lügner sowieso immer. Mitten im Wortgefecht löst sich ein Schuss (Val Kilmers Auftritt ist nach wenigen Minuten beendet) und Lorna will zusammen mit ihrer besten Freundin Tiny (Kelli Giddish) die Leiche in der Wüste zu vergraben und mit der Beute Texas verlassen. Doch dann klopft Sheriff Cooley (Ray Liotta), der ebenfalls Dale als Bankräuber verdächtigt, an die Tür des riesigen Trailers, der in einem einsamen Tal zu einem Wohnhaus umfunktioniert wurde. Lorna kann ihn abwimmeln, aber jetzt müssen die beiden Südstaaten-Schönheiten Dales Leiche in der Wohnung zerstückeln.
Währenddessen beobachtet Cooley von einem Hügel aus Dales Haus.
„Breathless – Immer Ärger mit Dale“ ist eine Schwarze Komödie, die in der Tradition der Coen-Brüder und Quentin Tarantinos stehen will, aber „Breathless“ ist, trotz einiger gelungener Momente, einfach nicht witzig. Die Geschichte ist weniger schwarzhumorig, als geschmacklos-abgeschmackt. Die unsympathisch-dummen Charaktere sind uns herzlich egal. Dafür ist die Geschichte einfach zu unlogisch (Herrje, es hätte ein kleiner, guter schwarzhumoriger Noir werden können, aber in „Breathless“ gibt es einfach zu viele Zufälle und Twists, die sich im Nachhinein als Bullshit herausstellen.) und die Charaktere sind zu sprunghaft. Besonders die beiden Hauptdarstellerinnen Gina Gershon und Kelli Giddish nerven mit ihrem exaltiertem Gehabe. So muss Gina Gershon, die hier endlich mal wieder eine Hauptrolle hat und sich überzeugend in eine dieser aufgetakelten Südstaaten-Schönheiten verwandelte, von Szene zu Szene ihren Charakter vollkommen anders anlegen. Fast so, als habe man zwei, drei Filme von ihr zusammengeschnitten.
Kelli Giddish hinterlässt als hysterische Blondine, die dann aber doch Dale mit einem elektrischem Küchenmesser zerstückelt, keinen tieferen Eindruck.
Wayne Duvall hat einen kurzen, herrlich grotesken Auftritt, der aber auch eine „geschnittene Szene“ aus dem Debütfilm „Blood Simple“ der Coen-Brüder sein könnte.
Also: besser noch einmal „Blood Simple“ oder „Bound“ (mit Gina Gershon und Jennifer Tilly) ansehen und auf den nächsten Gina-Gershon-Film warten.
Breathless – Immer Ärger mit Dale (Breahtless, USA 2012)
Regie: Jesse Baget
Drehbuch: Jesse Baget, Stefania Moscato
mit Gina Gershon, Kelli Giddish, Wayne Duvall, Val Kilmer, Ray Liotta
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DVD
Ascot Elite
Bild: 2.35:1/16:9
Ton: Deutsch (DTS 5.1/Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Originaltrailer, Wendecover
Ich würde diese Besprechung gerne mit dem Satz „’Romanzo Criminale‘ ist die beste italienische Serie seit…“ beginnen, aber die einzige italienische Serie, die mir jetzt einfällt, ist „Allein gegen die Mafia“ und meine Erinnerung daran ist sehr schwammig.
Wobei der Vergleich mit „Allein gegen die Mafia“ gar nicht so schlecht ist. Denn in „Romanzo Criminale“ geht es um die drei römischen Kleingangster Pietro, der „Libanese“ (Francesco Montanari), Freddo (Vinicio Marchioni) und Dandi (Alessandro Roja), die 1977 beschließen, zusammen zu arbeiten. Damals gab es in Rom viele kleine Gangsterbanden, die sich mit kleinen Coups über Wasser hielten. Die Mafia und andere OK-Gruppen ließen Rom links liegen.
Der Libanese, so etwas wie der Kopf der entstehenden Bande, kann die anderen Verbrecher überzeugen, bei der Entführung eines Barons zusammen zu arbeiten. Die Kooperation zwischen den auf ihrer Autonomie bedachten Bandenmitgliedern, gestaltet sich schwierig. Aber als sie das Lösegeld vor sich haben, sind sie begeistert. So viel Geld haben sie noch nie gesehen. Der Libanese schlägt ihnen vor, die Beute nicht auszugeben, sondern in künftige gemeinsame Coups zu investieren. Sie stimmen zu und in den nächsten Folgen der brutalen TV-Serie „Romanzo Criminale“ erleben wir ihren Aufstieg und auch die ersten Zerfallserscheinungen.
Kommissar Scialoja (Marco Bocci) ist ihnen dabei von Anfang an auf der Spur. Denn zufällig sah er bei einer Observation, dass die eigentlich verfeindeten Bandenführer Pietro und Freddo anscheinend gemeinsam einen Coup durchziehen. Scialoja glaubt, dass er den Beginn einer neuen Form von Gangstertum für Rom sieht. Er verfolgt sie so unerbittlich, wie es ihm innerhalb einer korrupten Polizei und eines Staates, der auch mit Verbrechern zusammen arbeitet, möglich ist. Denn seine Vorgesetzten glauben ihm zunächst nicht.
Das ist großes Kino, das das Herz des Genrejunkies erfreut und, wie schon die Hollywood-Gangsterfilme aus den dreißiger Jahren und die italienischen Polit-Thriller der siebziger Jahre basiert die Geschichte von „Romanzo Criminale“ auf Tatsachen. Im Pressetext steht dazu:
„Romanzo Criminale“ rekapituliert den Aufstieg und Fall einer römischen Verbrecherbande namens „Banda Della Magliana“. Die Gang existierte tatsächlich und war vor allem zwischen 1977 und 1983 aktiv. Sie zeichnete sich verantwortlich für zahlreiche Banküberfälle, Überfälle auf Geldtransporter, Drogen- und Waffenhandel, Glücksspiel und Prostitution, später auch Entführungen, Bombenanschläge. Operationsgebiet war zunächst Rom, dann das gesamte italienische Territorium. Aus den Anfängen einer Bande von Kleinkriminellen entwickelte sich mit der Zeit eine der einflussreichsten und gefährlichsten Gruppierungen Organisierter Kriminalität Italiens, mit Querverbindungen zur Mafia, zur Camorra, aber auch zum italienischen Geheimdienst und diversen Geheimlogen.
Den Sprung von Kleinkriminellen zu Gangstern großen Kalibers leistete die „Banda“ mit der Entführung eines Grafen Ende der 70er-Jahre – gleichzeitig auch der Beginn einer Reihe lukrativer Entführungsfälle für die Verbrecherbande. Anfang der 80er-Jahre war die „Banda“ auch in politisch motivierten, kriminellen Taten verwickelt und erhielt damit eine neue Dimension. Zu den spektakulärsten Aktionen gehörte die versuchte Erpressung der Bank des Vatikans!
Der Niedergang der „Banda Della Magliana“ wurde eingeleitet mit den ersten Geständnissen eines Bandenmitgliedes 1983. In der Folge kam es zu Rachefeldzügen innerhalb der Gang, die Mitglieder bekämpften sich gegenseitig. Der letzte Boss der Bande wurde 1992 im südamerikanischen Caracas festgenommen. Dank seiner Geständnisse konnten die „Banda Della Magliana“ schließlich endgültig bekämpft und insgesamt 55 Bandenmitglieder hinter Gitter gebracht werden.
„Romanzo Criminale“ basiert auf dem gleichnamigem Roman von Giancarlo De Cataldo, der bereits 2005 von Michele Placido („Allein gegen die Mafia“) verfilmt wurde. Drei Jahre später folgte die deutliche längere TV-Version und die erste „Romanzo Criminale“-Staffel (von zwei) zeichnet über elf Stunden ein reichhaltiges und stimmiges Bild der damaligen Zeit und der damaligen Probleme der italienischen Gesellschaft und des Staates, wie der auch in der Serie angesprochenen Entführung von Aldo Moro, und der Verflechtungen zwischen Staat, Geheimdiensten und Verbrechern, die sich fröhlich und ohne erkennbare Skrupel gegen linke Bewegungen und linke Terroristen vereinigten. So wird die Verbrecherbande vom Geheimdienst um Hilfe bei der Suche nach Aldo Moro gebeten. Für sie wird ihre Hilfe auch das Ticket zum Schutz des Staates vor polizeilichen Ermittlungen, die ihre Geschäfte stören könnten. Das ist so zynisch, wie wahr.
Auch in der Ausstattung, der Kleidung, den Frisuren, den Autos, der Bildgestaltung und den Farben werden die siebziger Jahre und der Stil der damaligen Filme heraufbeschworen. Allerdings – und das fällt immer dann auf, wenn man sich wieder einen der damaligen Filme ansieht – ist die Kameraarbeit mit dem derzeit trendigen Dokumentarfilmstil, die oft gewählten Bildausschnitte und, vor allem die Schnittfrequenz up to date.
Am Ende der ersten Staffel, die mit dem Tod von einem der Verbrecher endet, ist die Neugier auf die zweite und auch letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ geweckt. Sie erscheint Anfang Dezember.
Romanzo Criminale (Romanzo Criminale, Italien 2008)
Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Vaelnti, Paolo Marchesini
LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)
mit Francesco Montanari, Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi
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DVD
Edel
Bild: 19:9 (PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Zum dritten Mal schrieb Anthony Shaffer (der auch die Drehbücher für „Frenzy“ und „Mord mit kleinen Fehlern“ [Sleuth] schrieb) für eine Agatha-Christie-Verfilmung das Drehbuch und zum dritten Mal spielte Peter Ustinov Hercule Poirot in einem Kinofilm. Nach den ersten beiden Shaffer-Christie-Kinofilmen spielte Peter Ustinov den belgischen Detektiv auch in drei TV-Spielfilmen, aber am bekanntesten sind immer noch die mit mit ihm und einem Staraufgebot vor prächtiger Kulisse prunkenden Verfilmungen „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, GB 1977) und „Das Böse unter der Sonne“ (Evil Under the Sun, GB 1981).
Für „Rendezvous mit einer Leiche“ wurde dieses Erfolgsrezept einfach wieder aufgekocht und mit Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie und David Soul waren auch einige bekannte Namen an Bord. Die Kulisse, zuerst etwas Kreuzfahrtschiff, später das Heilige Land und, hauptsächlich, das Tote Meer (Oh, und in Venedig wurde auch gefilmt), ist prächtig und man hat sich auch wirklich um stimmiges Zeitkolorit bemüht. Denn die Geschichte spielt 1937.
Die Amerikanerin Emily Boynton, ein wahrer Hausdrache, der früher als Gefängniswärterin arbeitete und ihre erwachsenen Kinder entsprechend herumkommandiert, unternimmt mit ihnen nach dem Tod ihres vermögenden Mannes eine Europa- und Levante-Urlaubsreise. Das Klima in der Familie ist noch angespannter als normalerweise, weil sie vor kurzem vom Familienanwalt das Testament ihres Mannes, das ihre Kinder reich gemacht hätte, vernichten ließ; eine Tochter hat eine außereheliche Affäre mit dem Anwalt und ihr Sohn verliebt sich auf der Reise.
Als sie die Ausgrabungen bei Qumran am Toten Meer besuchen, wird sie, während ihre Kinder einen von ihr genehmigten Ausflug in die nahegelegenen Berge unternehmen, ermordet.
Hercule Poirot, der sie bereits während der Reise interessiert beobachtete (und dabei auch einen missglückten Mordanschlag von ihr auf den Anwalt entdeckte), meint, das große Rätsel sei, warum sie nicht schon früher ermordet wurde. Dennoch macht er sich auf die Mördersuche.
„Rendezvos mit einer Leiche“ ist die unbekannteste Shaffer/Ustinov-Christie-Verfilmung. Obwohl man sich, auf den ersten Blick, an das bewährte Rezept hielt. Allerdings ist Michael Winner kein Regisseur für einen so betulich-altmodischen Krimi. Er ist der Mann für Genrefilme wie „Ein Mann sieht rot“ und etliche weitere Charles-Bronson-Vehikel, die oft auch ein provozierender Kommentar zur gesellschaftlichen Realität waren. Gerne mit einer satten Portion Action und Sex.
Bei dem „Rendezvous mit einer Leiche“ läuft alles sehr gemütlich nach der vertrauten Rätselkrimiformel ab. Erst in der Filmmitte gibt es den unblutigen Mord, danach befragt Hercule Poirot die Verdächtigen nach ihrem Alibi und am Ende versammelt er alle an einem Ort und enthüllt, nachdem er der Reihe nach fast jedem der Anwesenden ein gutes Motiv und eine gute Gelegenheit für den Mord nachweist, die Identität und das Motiv des Mörders. Wobei in „Rendezvous mit einer Leiche“ eben diese große Überführungsszene an zwei Orten spielt (einmal nachmittags auf einer Terrasse, einmal beim Abendessen in einem Restaurant) und der Täter mittels Suizid die Geschichte beendet.
Das entspricht alles den Erwartungen, die wir an eine gediegene Agatha-Christie-Verfilmung haben, die uns weder mit Sex, noch Gewalt, noch rasanter Action belästigt. Auch die Weltpolitik (immerhin spielt die Geschichte 1937) kommt nicht vor.
Allerdings stört der ständige Unernst der Schauspieler, die niemals den richtigen Ton treffen, und sich daher in einem gelangweilten Überspielen ergehen, und der sehr schwache Rätselplot. Der Mörder ist zwar nicht der Gärtner (weil kein Gärtner dabei ist), aber seine Identität ist arg offensichtlich. Jedenfalls nachdem der Mord geschehen ist.
In meiner Erinnerung waren da der „Tod auf dem Nil“ und „Das Böse unter der Sonne“, für die Anthony Shaffer alleine das Drehbuch schrieb, besser.
Rendezvous mit einer Leiche (Appointment with Death, USA 1988)
Regie: Michael Winner
Drehbuch: Anthony Shaffer, Peter Buckman, Michael Winner
LV: Agatha Christie: Appointment with Death, 1938 (Der Tod wartet; Rendezvous mit einer Leiche)
mit Peter Ustinov, Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie, Hayley Mills, Jenny Seagrove, David Soul, Nicholas Guest
Justin Kurzels Debütfilm „Die Morde von Snowtown“ ist ungefähr so angenehm wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Und dabei sehen wir von dem Morden wenig. Wir erfahren auch wenig über die Hintergründe. Jedenfalls über bestimmte Hintergründe. Denn „Die Morde von Snowtown“ basiert auf einer wahren Mordserie, die 1999 Australien schockierte und die deshalb dort nicht genauer erklärt werden muss.
Zwischen August 1992 und Mai 1999 brachten John Bunting, der Anführer der Gruppe, Robert Wagner, Mark Haydon, James Vlassakis, seine Mutter Elizabeth Harvey (die bei einem Mord mithalf) und Thomas Trevilyan (der von den anderen Bandenmitgliedern umgebracht wurde) zwölf Menschen um. Für elf dieser Taten wurden sie angeklagt und verurteilt. Die Öffentlichkeit war damals von der Bestialität der Taten geschockt. Erstaunlich war, dass die Serienmorde nicht von einem Einzeltäter, sondern von einer Gruppe begangen worden. Sie begründeten ihre Taten, zunehmend rudimentärer, mit dem Kampf gegen Kinderschänder, Homosexuelle und sonstige Schädlinge der Gesellschaft. Dabei wurden sie von ihrem Umfeld gedeckt, das die Taten tolerierte.
Einer der Polizisten von Snowtown, wo die Leichen, die an anderen Orten in Südaustralien ermordet wurden, in einem verlassenen Bankgewölbe gefunden wurden, sagte zum Fundort der Leichen: „Es war eine Szene aus meinem schlimmsten Alptraum.“
Die Filmemacher müssen das alles dem heimischen Publikum nicht erklären. Sie können sich sofort mit ihrer Interpretation der Morde beschäftigen. Die Gründe sehen sie vor allem in dem armen, perspektivlosem Leben der Mörder und in ihrem reaktionärem Umfeld. In dem verslumten Vorort, in dem nur Weiße leben, herrscht das archaische Recht des Stärkeren, das der introvertierte siebzehnjährige James ‚Jamie‘ Spyridon Vlassakis noch lernen muss. Als er und seine jüngeren Brüder von dem neuen Freund ihrer Mutter missbraucht werden, taucht John Bunting auf. Ihm gelingt es, die Schamgefühle der Jungen in Aktionen gegen den Pädophilen zu lenken, bis dieser das Viertel freiwillig verlässt. Danach beginnt der Neo-Nazi Bunting, der Pädophile und Homosexuelle inbrünstig hasst, Jamie in seinem Sinn zu erziehen, bis er ihn zu den von ihm und seinen Freunden verübten Morden mitnimmt.
Dabei werden die Opfer immer austauschbarer und, weil wir nichts über sie wissen, erscheinen die Morde noch grundloser, als sie es schon in der Realität waren. Auch über die anderen Täter erfahren wir so gut nichts.
Dafür zeichnet Justin Kurzel ein Milieu, das von Perspektivlosigkeit, der Abwesenheit einer moralischen Instanz, staatlicherr Macht, Zivilisation und Bildung gekennzeichnet ist. Es gibt nur das überwältigende Gefühl eines Gruppenzwanges, eines Hasses auf alles und alle andere und einer allumfassenden Verrohung. So soll Jamie John Buntings Hund umbringen und als Jamie zögert, erschießt John in seiner Küche seinen Hund. Später foltern und bringen sie, in ihrem Viertel, eines ihrer Opfer in einer Badewanne in einem bewohnten Familienhaus um.
„Die Morde von Snowton“ ist kein schöner Film, aber beeindruckend in seiner formalen Geschlossenheit und Düsternis, die eine ausweglose Welt zeigt, in der die Habenichtse Habenichtse bleiben. Das wird besonders in den letzten Minuten deutlich.
Allerdings ist genau das auch das große Problem von „Die Morde von Snowtown“. Keiner der Charaktere, auch nicht der ruhige Jamie, bietet sich als Identifikationsfigur an. Sie sind alle in verschiedenen Abstufungen ablehnenswert und ihr Schicksal ist uns herzlich egal.
Dagegen ist „Winter’s Bone“ ein Feelgood-Movie und ein Torture-Porn-Horrorfilm eine nette Abendunterhaltung. „Die Morde von Snowtown“ ist ein deprimierender Film über eine Serie sinnloser Morde.
Die Morde von Snowtown (Snowtown, Australien 2011)
Regie: Justin Kurzel
Drehbuch: Shaun Grant, Justin Kurzel
LV: Debi Marshall: Killing for Pleasure, 2006; Andrew McGarry: The Snowtown Murders, 2005
mit Daniel Henshall, Lucas Pittaway, Craig Coyne, Richard Green, Louise Harris