TV-Tipp für den 17. Juli: Chappie

Juli 16, 2024

Nitro, 20.15

Chappie (Chappie, USA/Mexiko 2014)

Regie: Neill Blomkamp

Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell

Schöne neue Welt: in Johannesburg räumen Polizeiroboter unter den Verbrechern auf. Das Law&Order-Programm läuft etwas aus dem Ruder, als ein Programmierer einem dieser Roboter zu einem denkenden Roboter machen und ein Kleingangsterpaar sich diesen kindlich naiven Roboter schnappt und ihn, uh, erzieht.

Neill Blomkamps „Robocop“-Version, die ohne Not all die politischen, moralischen, gesellschaftskritischen und ethischen Implikationen und Fragen zugunsten einer banalen, mit Filmzitaten, Gewalt und zwiespältigem Humor gewürzten Erziehungsgeschichte links liegen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sharlto Copley, Dev Patel, Ninja, Yo-Landi Visser, Jose Pablo Cantillo, Sigourney Weaver, Hugh Jackman, Brandon Auret, Johnny Selema

Hinweise

Moviepilot über „Chappie“

Metacritic über „Chappie“

Rotten Tomatoes über „Chappie“

Wikipedia über „Chappie“ (deutsch, englisch) und „Die Antwoord“

All Music über „Die Antwoord“

Meine Besprechung von Neill Blomkamps „Chappie“ (Chappie, USA/Mexiko 2014)

Meine Besprechung von Neill Blomkamps „Gran Turismo“ (Gran Turismo, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „Monkey Man“ – oder John Wick ohne Gehirn

April 4, 2024

Die Geschichte ist einfach: ein Mann will den Mörder seiner Mutter, den Chef der Polizei, töten. Und weil es sich um einen Actionfilm handelt, geschieht dies nicht mittels eines perfiden Plans oder einer langen Gerichtsverhandlung, sondern mit Gewalt. Es wird gekämpft und getötet, bis der Bösewicht und seine Schergen tot sind. Auch das ist nicht furchtbar kompliziert. Schließlich muss die Story nur die Actionszenen zusammenhalten.

Trotzdem gelingt es dem bekannten Schauspieler Dev Patel, der hier auch die Idee für die Story hatte, am Drehbuch mitschrieb, die Regie und auch gleich noch die Hauptrolle übernahm, die Geschichte so umständlich zu erzählen, dass es Ewigkeiten dauert, bis die simple Prämisse erklärt ist. In den ersten fünfundvierzig Minuten wird uns das Leben des Protagonisten, der nur Kid (Dev Patel) heißt, zwischen Schaukämpfen in einem illegalem Kampfclub und seinem Leben im Slum gezeigt. Dass das Teil eines größeren Plans sein könnte, ahnen wir nicht aus der gezeigten Filmgeschichte. Nach fünfundvierzig Minuten gibt es in einem Club eine größere Actionszene. Kid will in dem Moment einen bis dahin unbekannten Mann aus unbekannten Motiven umbringen. Erst eine halbe Stunde später verrät uns der Film, dass dieser Mann ein hochrangiger Polizist ist und dass er, wie wir in diesem Moment erfahren, vor Jahren Kids Mutter ermordete. Kid will ihren Tod rächen.

Nach zwei Kurzfilmen benutzt Dev Patel in seinem Spielfilmdebüt die „John Wick“-Formel, aber ohne Sinn und Verstand. Bei den „John Wick“-Filmen ist immer klar, um was es geht. Das gilt für die Geschichte und die Absichten der einzelnen Figuren. Die Farbdramaturgie ist abwechslungsreich und durchgehend überzeugend. Bei den Actionszenen wird so wenig wie möglich geschnitten. Die Kämpfe und die Leistungen der Schauspieler und Stuntleute können also genau nachverfolgt werden.

In „Monkey Man“ ist das anders. Die Farbpalette besteht weitgehend aus Schwarz und Gelb. Budgetschonend werden die Szenen meistens aus dem Hintergrund heraus beleuchtet. Aufgrund vieler Schnitte, Wackelkamera, Nah- und Detailaufnahmen kann die Action über weite Strecken bestenfalls erahnt werden. Die wenigen Szenen, in denen nicht im Sekundentakt geschnitten wird, fallen umso mehr auf. Die Geschichte wird, aus keinem nachvollziebarem Grund, grotesk umständlich erzählt. Die kaum eindimensionalen Figuren sind einem durchgehend egal.

Monkey Man“ ist ein im Schneideraum angerichtetes Desaster.

Monkey Man (Monkey Man, USA 2024)

Regie: Dev Patel

Drehbuch: Dev Patel, Paul Angunawela, John Collee (basierend auf einer Story von Dev Patel)

mit Dev Patel, Sharlto Copley, Pitobash, Vipin Sharma, Sikandar Kher, Adithi Kalkunte, Sobhita Dhulipala

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Monkey Man“

Metacritic über „Monkey Man“

Rotten Tomatoes über „Monkey Man“

Wikipedia über „Monkey Man“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Chappie“ – oder „Robocop“ in Johannesburg

März 6, 2015

„Chappie“ – damit wir diese Blödelei gleich hinter uns haben – hat nichts mit dem Hundefutter zu tun. „Chappie“ ist der neue Film von Neill Blomkamp, der mit „District 9“ und „Elysium“ zwei überzeugende Science-Fiction-Filmen ablieferte, in denen es neben satten Portionen Action auch immer eine sozialkritische Botschaft gab. Die hat „Chappie“ auch. Allerdings nur in homöopathischen Dosen. Denn im Kern ist er, wie „Real Steel“ (ebenfalls mit Hugh Jackman), eine Kindergeschichte über richtige und falsche Vorbilder mit für Kindern zu brutalen Kampfszenen.
Gleich bei dem ersten Einsatz der wie menschliche Skelette aussehenden Polizeiroboter, die in Johannesburg, Südafrika, gegen Verbrecher eingesetzt werden, gibt es von beiden Seiten keine Gnade. Die Roboter knallen die Verbrecher ab. Die Verbrecher wehren sich ebenso gnadenlos und jagen schon einmal mit einer Panzerfaust einen Roboter durch mehrere Wände.
Danach wird Modell 22 (Sharlto Copley) als Totalverlust von Deon Wilson (Dev Patel) abgeschrieben. Deon ist der Erfinder und Programmierer dieser Droiden. Er forscht auch in Richtung Künstlicher Intelligenz und als er ein Programm fertig stellt, das aus den Droiden lernfähige Wesen machen könnte, blockiert seine Vorgesetzte Michelle Bradley (Sigourney Weaver) seinen Wunsch nach Tests mit Robotern ab. Zu teuer und ihre Auftraggeber, die Stadt Johannesburg und die Polizei, sind mit den bisherigen Modellen von Tetra Vaal vollauf zufrieden.
Also – wir ahnen es – stiehlt Deon den abgeschriebenen und zur Verschrottung freigegebenen Droiden und die notwendigen Ersatzteile. Bei sich zu Hause will er an Modell 22 sein Programm ausprobieren.
Dummerweise wird er auf dem Heimweg entführt. Das Verbrechertrio, das wie ein Überbleibsel aus einem „Mad Max“-Film aussieht, möchte an die Programmcodes für die Roboter kommen. Das ist aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen unmöglich, aber Deon kann Modell 22 wieder herrichten. Mit seinem Programm als Software. Gesagt. Getan. Und jetzt müssen die Verbrecher dem Roboter, den sie Chappie nennen, alles für sein Leben wichtiges beibringen. Ninja und Yo-Landi (die im echten Leben als Ninja und Yo-Landi das Rap-Duo „Die Antwoord“ sind) wollen ihn zum besten Streetgangster der Stadt machen. Chappie ist lernwillig und ein auf Gangster machender Roboter ist immer einen Lacher wert. Auch, dass er von Anfang an Fähigkeiten und Kräfte hat, die seine beiden Adoptiveltern nicht haben. Yo-Landi entdeckt ihre mütterliche Seite und Ninja versucht der Vater zu sein, der seinem Sohn aus seiner Sicht alles für das Leben wichtige beibringt, wie Schießen, den richtigen Gang und die richtige Sprache. Ihr Kumpel Yankie (Jose Pablo Cantillo) ist da nur der stille Beobachter.
Gleichzeitig ist das schnell lernende Roboter-Kind zwischen seiner Loyalität zu seinen Zieheltern, Ninja und Yo-Landi, und seinem Erschöpfer Deon, der ihm auch ein moralisches Bewußtsein vermitteln will, hin und her gerissen.
Und während Chappie immer mehr lernt, hat Deon immer mehr Ärger mit seinem Arbeitskollegen Vincent Moore (Hugh Jackman mit gruseliger Haartracht), der als alter Militär an menschliche Intelligenz und überdimensionierte Waffen glaubt. Seine neueste Erfindung, die er unbedingt an die Polizei verkaufen möchte, ist der Moose, eine zweibeinige Version der AT-AT-Walker aus „Das Imperium schlägt zurück“ oder eine Kopie einiger Robotermodelle aus „Robocop“, wie dem ED-209.
Böswillig gesprochen ist „Chappie“ eine Nacherzählung von „Robocop“ mit kleinen Änderungen und ohne die ätzende Gesellschaftskritik, viel „Mad Max“-Endzeitästhetik bei den Bösewichtern und, bei den Roboterkämpfen, etwas „Transformers“. Allerdings in der dreckigen Straßenkampfversion. Was auch daran liegen kann, dass „Chappie“ vor Ort in Johannesburg auf der Straße gedreht wurde und die Geschichte auch wirklich, wie Neill Blomkamps Debüt „District 9“, mit diesem Ort verbunden ist.
In dieser Hinsicht schöpft „Chappie“ vor allem aus dem Bekannten und verleiht ihm mit der Idee eines lernfähigen Roboter-Kindes, das in der falschen Umgebung aufwächst, einen neuen Twist. Blomkamp erzählt diese Geschichte nach seinem Drehbuch, das er mit „District 9“-Autorin Terri Tatchell schrieb, mit einem Blick auf die durch die Situation entstehenden absurden Züge. Denn so kindisch, naiv, begeisterungsfähig und gefährlich war schon lange kein Roboter mehr.
Allerdings ist „Chappie“ auch Blomkamps unpolitischster Film, der ohne Not all die politischen, moralischen, gesellschaftskritischen und ethischen Implikationen und Fragen zugunsten einer banalen, mit Filmzitaten, Gewalt und zwiespältigem Humor gewürzten Erziehungsgeschichte links liegen lässt.

Chappie - Plakat

Chappie (Chappie, USA/Mexiko 2014)
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell
mit Sharlto Copley, Dev Patel, Ninja, Yo-Landi Visser, Jose Pablo Cantillo, Sigourney Weaver, Hugh Jackman, Brandon Auret, Johnny Selema
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Chappie“
Moviepilot über „Chappie“
Metacritic über „Chappie“
Rotten Tomatoes über „Chappie“
Wikipedia über „Chappie“ (deutsch, englisch) und „Die Antwoord“

All Music über „Die Antwoord“

Eigentlich gefällt mir das Teaser-Plakat besser

Chappie - Teaser

„Die Antwoord“ bei ihrer normalen Arbeit