Neu im Kino/Filmkritik: Philosophieren und Kämpfen in „Ip Man 4: The Finale“

März 6, 2020

1964 ist der 1893 geborene Ip Man (bzw. Yip Man) wahrlich kein Jungspund mehr. In den vergangenen Jahrzehnten lehrte er die südchinesische Kampfkunst Wing Chun. Einer seiner Schüler ist Bruce Lee, der inzwischen in den USA lebt und eine erfolgreiche Kampfschule betreibt. Er unterrichtet auch nicht chinesische Schüler und trägt zur Popularisierung chinesischer Kampfkünste und des damit verbundenen Denkens im Westen bei.

Als, und hier verlassen wir das Feld der unbestreitbaren Fakten und betreten die Filmgeschichte, Ip Man von seinem Arzt erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, und sich die Probleme mit seinem renitenten Ziehsohn Ching häufen, beschließt Ip Man in die USA zu reisen. In San Francisco will er, weil die amerikanischen Schulen gut sein sollen, für Ching einen Schulplatz finden. Außerdem will er seinen Schüler Bruce Lee besuchen. Der hat inzwischen seine Schulausbildung in den USA abgeschlossen und ein Trainingscenter eröffnet, in dem auch US-Amerikaner Wing Chun trainieren können. Die chinesische Exilgemeinde, vor allem Wan Zong Hua, der mächtige Vorsitzenden der Chinese Benevolent Association (die für den Schulbesuch in den USA die notwendigen Empfehlungsschreiben ausstellt), lehnt die von Bruce Lee getätigte Öffnung der chinesischen Kampfkunst für Nicht-Chinesen ab. Wan möchte, dass Kung Fu weiterhin nur von Chinesen ausgeübt wird und Ip Man soll mit Bruce Lee darüber reden. Ip Man hat dagegen nichts gegen eine weitere Verbreitung ihrer Kampfkunst.

Das ist nicht der einzige Konflikt, in den Ip Man hineingerät. US-Marine-Sergeant Hartmann, ein Schüler von Bruce Lee, möchte, dass Wing Chun in das Trainingsprogramm der Soldaten aufgenommen wird. Seine Vorgesetzten Barton Geddes und Colin Frater sind dagegen. Sie bevorzugen das martialische Karate.

Und so muss Ip Man, der schon optisch wie ein Mönch aussieht, zwischen den Fronten vermitteln.

Für „Ip Man 4: The Finale“ haben sich die Macher der vorherigen, sehr erfolgreichen „Ip Man“-Filme, die in den vergangenen Jahren sehr dazu beitrugen, das Denken, Wirken und Leben von Ip Man weltweit bekannt zu machen, wieder zusammengetan. Donnie Yen übernahm wieder die Hauptrolle. Wilson Yip wieder die Regie. Edmond Wong schrieb wieder das Drehbuch. Die Kampfchoreographie übernahm wieder Yuen Woo-Ping. Er war auch zuständig für die Action-Choreographie in Wong Kar-Wais Ip-Man-Film „The Grandmaster“ und in den „Matrix“- und „Kill Bill“-Filmen. Die Kämpfe überzeugen als realistische Kämpfe, die meisten auf dem begrenzten Raum eines Wettkampfplatzes ausgetragen werden.

Die Geschichte selbst behandelt ständig die Frage, welche Kultur überlegen ist (Die chinesische oder die amerikanische? Kung Fu oder Karate?) und wie man sich als Einwanderer verhalten soll. Assimilation, Integration oder in selbstgewählter Isolation verharren? Diese Fragen, Themen und Konflikte werden im Drehbuch und Film sehr deutlich herausgearbeitet. Ebenso deutlich wird die zeitlose Aktualität dieser Fragen herausgearbeitet. Immer wieder sind die im Film geäußerten Ansichten, je nachdem wer sie äußert, erschreckend oder auch erfreulich aktuell.

Ip Man 4: The Finale“ ist vor allem deshalb das Finale der Serie, weil die Macher jetzt aufhören wollen. An der Kinokasse ist ihr prächtig ausgestatteter Martial-Arts-Film schon jetzt erfolgreichste Film der Serie. Er ist auch ein würdevolles Ende der Serie.

Der echte Ip Man starb am 2. Dezember 1972 in Hongkong.

Ip Man 4: The Finale (葉問4:完結篇, Hongkong/China 2019)

Regie: Wilson Yip

Buch: Hiroshi Fukazawa, Edmond Wong

mit Donnie Yen, Scott Adkins, Chris Collins, Wu Yue, Danny Chan, Yanness Wu, Kent Cheng

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (hätte auch eine FSK 12 geben können)

Hinweise

Moviepilot über „Ip Man 4: The Finale“

Metacritic über „Ip Man 4: The Finale“

Rotten Tomatoes über „Ip Man 4: The Finale“

Wikipedia über „Ip Man 4: The Finale“ 


Neu im Kino/Filmkritik: „Master Z: The Ip Man Legacy“: Mit den Fäusten gegen die bösen Jungs kämpfen

Mai 13, 2019

Wing-Chun-Meister Cheung Tin Chi (Max Zhang), der in „Ip Man 3“ von dem titelgebenden Ip Man besiegt wurde, lebt inzwischen mit seinem Sohn ein ruhiges und unauffälliges Leben als Besitzer eines kleinen Ladens in Hongkong. Eines Tages rettet er die junge Julia (Liu Yang) vor einigen Schlägern und schon ist er mitten im Krieg mit den Triaden. In ihnen tobt ein Machtkampf über das neue Geschäftsfeld Drogenhandel.

Als die Verbrecher ihn, seine Familie und Freunde angreifen, muss er wieder zu dem Kämpfer werden, der er früher war.

Master Z: The Ip Man Legacy“ ist ein von den Machern der erfolgreichen „Ip Man“-Filme produziertes Spin-off, das eine so lose Verbindung zur „Ip Man“-Geschichte hat, dass man sie getrost vernachlässigen kann.

Auch die Filmgeschichte kann man vernachlässigen. Sie dient vor allem dazu, die verschiedenen Kampfszenen sinnvoll miteinander zu verbinden, ohne die Zuschauer und Schauspieler zu überfordern. Das gelingt der altbekannten, niemals innovativen oder überraschenden B-Movie-Geschichte mit ihrer simplen Moral und den schablonenartigen Figuren gut. Sie führt sinnvoll und ohne die Intelligenz des Zuschauer zu beleidigen von Kampfszene zu Kampfszene.

Im Mittelpunkt stehen nämlich die atemberaubend choreographierten Kämpfe und, ziemlich ein Anfang des Films, ein sich über mehrere Stockwerke auf der Bar Street entwickelnder, atemberaubender Tanz auf Drahtseilen, Balkonen und Leuchtreklamen. Dafür verantwortlich ist Regisseur Yuen Woo-Ping, der seit den frühen siebziger Jahren Actionszenen choreographiert und Regie führt. Seine bekanntesten Arbeiten waren für Hollywood in den „Matrix“-Filmen und in „Kill Bill“.

Dave Bautista, der den englischen Geschäftsmann Owen Davidson spielt, ist vor allem das Gesicht aus Hollywood, das dem Film eine internationale Verwertung sichern soll. Viel mehr hat er in „Master Z“, auch wenn er im Finale seine Muskeln spielen lässt, nicht zu tun.

Für Martial-Arts-Fans ist „Master Z: The Ip Man Legacy“ einen Kinobesuch wert.

Master Z: The Ip Man Legacy (葉問外傳:張天志, Hongkong 2018)

Regie: Yuen Woo-Ping

Drehbuch: Edmond Wong, Chan Tai Lee

Mit Max Zhang, Dave Bautista, Michelle Yeoh, Tony Jaa, Yan Liu

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Master Z: The Ip Man Legacy“

Metacritic über „Master Z: The Ip Man Legacy“

Rotten Tomatoes über „Master Z: The Ip Man Legacy“

Wikipedia über „Master Z: The Ip Man Legacy