Neu im Kino/Filmkritik: Beziehungsgedöns beim Liebespaar „Münter & Kandinsky“

Oktober 26, 2024

Gabriele Münter, Malerin, die lange Zeit vor allem als Geliebte von Wassily Kandinsky wahrgenommen wurde. Erst in den vergangenen dreißig Jahren änderte sich die Rezeption ihres Werkes.

Wassily Kandinsky, Maler, führender Vertreter des Expressionismus und 1911 Mitinitiator der Gruppe „Der blaue Reiter“.

Als er in München Zeichenkurse gab, nahm Münter 1901 an einem seiner Kurse in der Malschule „Phalanx“ teil. Im Gegensatz zu staatlichen Akademien, die Frauen fast keine Chance für eine Ausbildung gab, nahm diese private Malschule auch Frauen auf. Münter und Kandinsky verliebten sich ineinander.

In seinem neuen Film „Münter & Kandinsky“ erzählt Marcus C. Rosenmüller, nach einem Drehbuch von Produzentin Alice Brauner, vor allem die Liebesgeschichte zwischen den beiden Künstlern. Erst spät erfährt Münter, dass Kandinsky verheiratet ist. Danach muss sie langsam begreifen, dass er seine Frau niemals für sie verlassen wird und sie niemals heiraten wird. Stattdessen heiratet er eine andere Frau. Für Kandinsky ist sie nur eine Geliebte. Warum sie trotzdem bei ihm bleibt und während der Nazi-Diktatur seine Bilder unter Lebensgefahr in ihrem Haus versteckt, ist nur mit den Mysterien der Liebe erklärbar.

Es ist auch unklar, woraus ihre, Kandinskys und der anderen Mitglieder der 1909 gegründeten Neuen Künstlervereinigung München (NKVM) und der daraus entstandenen Gruppe „Der blaue Reiter“ künstlerische Leistungen bestanden. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich die entsprechenden Wikipedia-Artikel lesen, einen Dokumentarfilm ansehen oder einen informativen Bildband kaufen.

Im Film geht es, mit arg steifen Dialogen, um die toxische Liebesbeziehung des titelgebenden Paares. Ihre Beziehung wird nah an den Fakten entlang erzählt. Die Dialoge sind, wie bei einigen anderen aktuellen in der Vergangenheit spielenden Filmen, Zitate aus historischen Dokumenten. Das funktioniert mal sehr gut, mal überhaupt nicht. Denn nach langem Nachdenken und aus der Erinnerung niedergeschriebene Sätze sind keine spontan gesprochenen Sätze. In „Münter & Kandinsky“ funktioniert das Spiel mit den Originalzitaten nicht. Es sind hölzerne Dialoge irgndwo zwischen erster Fassung und schlechtem Nachmittagsfernsehen.

Dem verzichtbaren Film gelingt es nie, ihre künstlerische Leistung verständlich zu machen oder, aus dem Film heraus, Interesse für ihr Werk zu wecken. Am Ende des Doppel-Biopics bleibt über Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und die Bewegung, zu der sie gehören, nur im Gedächtnis, dass sie Landschaften malten und darüber theoretisierten.

Münter & Kandinsky“ ist ein braver Film über revolutionäre Künstler und eine Bewegung, die gegen Konventionen rebellierte und Grenzen einreißen wollte.

Marcus O. Rosenmüller (nicht zu verwechseln mit „Sommer in Orange“-Regisseur Marcus H. Rosenmüller) inszenierte die Kinofilme „Der tote Taucher im Wald“ (2000) und „Wunderkinder“ (2011) und zahlreiche TV-Filme, wie „Der Taunuskrimi“ und „Ostfriesenfeuer“.

Münter & Kandinsky (Deutschland 2024)

Regie: Marcus O. Rosenmüller

Drehbuch: Alice Brauner

mit Vanessa Loibl, Vladimir Burlakov, Julian Koechlin, Felix Klare, Alexey Ekimov, Monika Gossmann, Lena Kalisch, Marianne Sägebrecht

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Münter & Kandinsky“

Moviepilot über „Münter & Kandinsky“

Wikipedia über „Münter & Kandinsky“, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky


TV-Tipp für den 31. Mai: Bis nichts mehr bleibt

Mai 31, 2016

WDR, 22.10

Bis nichts mehr bleibt (Deutschland 2010, Regie: Niki Stein)

Drehbuch: Niki Stein

Frank kämpft vor Gericht um das Sorgerecht für seine Tochter, die bei ihrer Mutter, einer Scientology-Anhängerin, ist.

Die Geschichte ist natürlich nur der Vorwand, um über die Sekte (die von dem Film nicht begeistert war) und ihre Methoden zu informieren.

Die kritische Bewertung überlasse ich dem „Lexikon des internationalen Films“, das etwas überschwänglich meint: „Ein sehr leiser, darstellerisch überzeugender (Fernseh-)Film, gedreht unter größtmöglicher Geheimhaltung und unter einem Titel-Pseudonym. Die Fülle an Fakten und Details schnürt ihm zwar gegen Ende ein wenig die Luft ab, dennoch bleibt er durchgängig spannend, auch weil Scientology hier zum allerersten Mal überhaupt in einem deutschen Film fiktional verhandelt wurde, der erzählte Stoff mithin ‚unverbraucht‘ ist.“

Die Erstausstrahlung war ein Quotenerfolg. Die Kritik positiv. Dennoch läuft „Bis nichts mehr bleibt“ eher selten im TV.

Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn

Hinweise

Filmportal über „Bis nichts mehr bleibt“

Wikipedia über „Bis nichts mehr bleibt“