Toni Erdmann (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)
Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Winfried, ein Alt-68er, will die sich auf dem Tiefpunkt befindende Beziehung zu seiner Tochter verbessern. Diese berät in Bukarest eine Firma bei geplanten Massenentlassungen. Er besucht sie und, als sie die väterliche Nervensäge loswerden will, wird er zu Toni Erdmann, der schlechten Parodie eines Unternehmensberaters.
Feelbad-Movie mit unzähligen Fremdschäm-Momenten, das zu einem Kassenhit wurde. „Toni Erdmann“ ist kein Film, den man unbedingt zweimal sehen will, aber unbedingt einmal sehen sollte.
Über ein Hollywood-Remake wird immer noch gesprochen.
Toni Erdmann (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)
Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Winfried, ein Alt-68er, will die sich auf dem Tiefpunkt befindende Beziehung zu seiner Tochter verbessern. Diese berät in Bukarest eine Firma bei geplanten Massenentlassungen. Er besucht sie und, als sie die väterliche Nervensäge loswerden will, wird er zu Toni Erdmann, der schlechten Parodie eines Unternehmensberaters.
Feelbad-Movie mit unzähligen Fremdschäm-Momenten, das zu einem Kassenhit wurde. „Toni Erdmann“ ist kein Film, den man unbedingt zweimal sehen will, aber unbedingt einmal sehen sollte.
Über ein Hollywood-Remake wird immer noch gesprochen.
Zuerst waren die Deutschen begeistert, dass nach acht Jahren wieder ein deutscher Film im Wettbewerb von Cannes lief.
Dann waren die Kritiker begeistert. Sie hätten „Toni Erdmann“ gerne den Hauptpreis und alle möglichen und unmöglichen anderen Trophäen gegeben. Aber die Jury ignorierte den Film bei der Preisvergabe.
Und jetzt startet der mit vielen Vorschusslorbeeren und einhelligem Kritikerlob bedachte Film in unseren Kinos.
Toni Erdmann ist ein von dem Musiklehrer Winfried (Peter Simonischek) erfundene Kunstgestalt. Der desillusionierte, megaschlaffe 68er mit einem Hang zu abgestandenen und unwitzigen Witzen erfindet Toni Erdmann, als er in Bukarest seine Tochter Ines (Sandra Hüller) besucht. Sie ist eine taffe Unternehmensberaterin, die gerade einer Firma die Gründe für eine Massenentlassung liefern soll. Zu ihrem Vater, der das komplette Gegenteil von ihr ist, vermeidet sie schon seit Jahren den Kontakt.
Jetzt sitzt er in der Lobby ihrer Firma und sie muss ihn notgedrungen zu Empfängen mit Geschäftspartnern mitnehmen, auf denen er mit seinem unberechenbarem Verhalten, seiner Missachtung der Etikette und seinen lauen Scherzen die Anwesenden verzückt. Jedenfalls tun sie so.
Der große Krach zwischen Vater und Tochter ist vorgezeichnet. Aber anstatt Bukarest zu verlassen, kehrt er als Coach Toni Erdmann mit schlecht sitzender Perücke und Gebiss zurück. Ines geht, wie alle anderen, auf die Scharade ein.
Mit gut drei Stunden ist „Toni Erdmann“ sehr lang, ohne jemals wirklich zu langweilen. Das liegt an Maren Ades präzisem und unerbittlichem, aber die Charaktere nicht denunzierendem Blick für peinliche Situationen. Eigentlich reiht sich eine peinliche Situation an die nächste. Als Zuschauer denkt man ‚ja, genauso ist es‘, während die Kamera dran bleibt, bis auch wirklich die letzte Reaktion und der missglückte Versuch, die Peinlichkeit zu überspielen, gezeigt wurde. Die Fremdschäm-Grenze ist in diesem Moment schon lange überschritten. Denn kein Witz von Toni Erdmann ist witzig. Keine Verkleidung überzeugt.
Seine Tochter Ines ist als das komplette Gegenteil zu ihrem tiefenentspanntem Vater immer zu angespannt, zu gereizt, genervt und penibel, um als Mensch oder als Beraterin zu überzeugen.
Sie sind Kunstfiguren in einer Abfolge ausgedachter Situationen, die Teil einer gnadenlos durchgezogenen Versuchsanordnung sind, in denen es für die Charaktere keine Entwicklung, keine irgendwie geartete Erlösung und auch keine Veränderung gibt.
Dank der genauen Beobachtung und dem Talent von Peter Simonischek und Sandra Hüller geraten die absurden und peinlichen Szenen durchaus kurzweilig. Das häufige Lachen des wohlbehalten im dunklen Kinosaal sitzenden Publikums ist allerdings eher ein verzweifeltes Lachen, ein Ventil für das latente Unwohlsein, das fast jede Szene des Films hervorruft.
Es ist ein Feelbad-Film, den man nicht unbedingt ein zweites Mal sehen will und der keine große Geschichte erzählt, sondern nur Momente aneinanderreiht. Wobei Lehrer Winfried einmal meint, das Leben bestehe aus Erinnerungen an Momente.
Toni Erdmann (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)
Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
mit Peter Simonischek, Sandra Hüller, Michael Witterborn, Thomas Loibl, Trystan Pütter, Hadewych Minis, Lucy Russell
Schon die ersten Minuten von „Borgman“ zeigen, das dieser Film vielleicht in den Niederlanden gedreht wurde, er aber mit Sicherheit in keinem Land spielt, das wir kennen. Denn drei Männer, angeführt von einem Priester, jagen Borgman und seine Freunde, die im Wald in unterirdischen Verstecken und Wohnungen, die sie einfach so in den Boden gegraben haben, leben. Im Gegensatz zu normalen Obdachlosen haben sie alle einen erstaunlich saubere Anzüge an (Hey, sie leben in der Erde!) und sie besitzen Handys. Eigentlich sind sie, abgesehen vom Ort ihrer Wohnung, ganz normal.
Auf ihrer Flucht trennen sie sich. Borgman sieht in einer anonymen Vorortsiedlung ein Haus, das seinen Bedürfnissen entspricht. Er klingelt, begehrt Einlass, behauptet ein alter Bekannter von Marina zu sein. Ihr Ehemann Richard verprügelt ihn. Als Richard weg ist, klingelt er wieder. Marina lässt ihn herein – und ab diesem Moment ist Borgman wie ein Hausgeist überall und nirgends in dem Haus. Später stoßen noch einige seiner Freunde, die keinen Respekt vor dem Leben ihrer Mitmenschen haben, dazu und auf eine seltsam verquere Weise wird das Leben der Hausbesitzer zu einer Hölle, aus der sie zwar jederzeit ausbrechen könnten, aber es nicht tun. Sie lassen die Eindringlinge gewähren. Bis es zu spät ist.
Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam („Die letzten Tate der Emma Blank“) benutzt in seinem neuesten Film die Genrekonventionen, die er immer wieder unterläuft und mit absurden Momenten anreichert (wie einer umfassenden Verschönerung des Geländes, das dieses zuerst einmal vollkommen zerstört), um auf der visuellen Ebene über verdrängte Gefühle zu reden. Dabei gelingt es ihm, die Spannung zu halten und gleichzeitig viele Interpretationsmöglichkeiten für seine Geschichte anzubieten. „Borgman“ ist eine Metapher. Aber für was?
Eben diese Offenheit für viele verschiedene Interpretationen ist die große Stärke des Films über das Eindringen des Bösen und/oder des Unheimlichen und/oder des Verdrängten in eine normale Mittelstandsfamilie. Der schwarzhumorige Film erinnert daher mehr an die Werke von Luis Bunuel als an einen US-amerikanischen Home-Invasion-Thriller.
In Cannes lief „Borgman“ im Wettbewerb und, neben zahlreichen anderen Preisen, gewann er in Sitges die Maria.
Borgman (Borgman, Niederlande/Belgien 2013)
Reige: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
mit Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval, Alex van Warmerdam, Tom Dewispelaere
– DVD
Pandastorm
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Niederländisch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Deleted Scenes, Wendecover
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise
Homepage zum Film Film-Zeit über „Borgman“ Moviepilot über „Borgman“ Metacritic über „Borgman“ Rotten Tomatoes über „Borgman“
Wikipedia über „Borgman“ (deutsch,englisch)