Vor ihrem neuesten Batman-Abenteuer „Batman: Damned“ erzählten Autor Brian Azzarello und Zeichner Lee Bermejo ähnlich bildgewaltig und düster bereits mehrere Geschichten mit Figuren aus dem DC-Universum. Eine dieser DC-Geschichten ist „Nach dem Feuer“ mit Batman und Deathblow. 2003 erschien die dreiteilige Geschichte auf Deutsch in schon lange ausverkauften Einzelheften. Jetzt liegt die Geschichte bei uns erstmals in einem Band vor.
Als an einer Mautstation eine abgehakte Hand mit einer Todeskarte auftaucht, will ‚Batman‘ Bruce Wayne mehr darüber erfahren.
Zur gleichen Zeit wird der Regierungsagent Scott Floyd mit schweren Verbrennungen in das Krankenhaus eingeliefert. Es war ein Anschlag auf sein Leben. Im Krankenhaus sagt Floyd Wayne, dass es sich bei der in der Mautstation gefundenen Todeskarte um die Visitenkarte von Deathblow handelt.
Vor zehn Jahren ging Deathblow, so der Kampfname des staatlichen Auftragskillers Michael Cray, in Gotham seinem blutigem Handwerk nach. Oder hatte er Skrupel bekommen?
Jedenfalls ging damals bei seinem Auftrag aufgrund fehlerhafter Informationen etwas schief und er wurde nicht vollständig ausgeführt. Soll dieser Fehler jetzt korrigiert werden?
Wie der Titel schon sagt, treten mit Batman und Deathblow zwei DC-Serienfiguren auf. Während Batman allgemein bekannt ist, ist Deathblow deutlich unbekannter. Bürgerlich heißt er Michael Cray. Der Soldat gehört zum Team 7 des US-Geheimdienst IO (International Operations), der in den USA nichts zu suchen hat. Durch Mutation erhielt er übermenschliche Widerstandskräfte und einen Gehirntumor. Außerdem plagt ihn sein Gewissen. Die Figur wurde 1993 von Jim Lee und Brandon Choi erschaffen und erlebte seitdem mehrere Neudefinitionen. Eine war ab 2006 von Brian Azzarello.
Bereits 2002 beschäftigte er sich mit Deathblow. Und zwar in „Nach dem Feuer“.
Azzarello und Bermejo erzählen ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen, die sich überlagern. Die von Azzarello erfundene und von Bermenjo kongenial gezeichnete Geschichte ist sehr düster mit sehr dunklen Panels, die an die Filme von Hollywoods Schwarzen Serie und „Blade Runner“ ohne Neonoptik erinnern.
„Nach dem Feuer“ ist ein Noir, wie man es von „100 Bullets“-Erfinder Brian Azzarello erwartet. Auch wenn es dieses Mal nicht um verführerische Frauen (Gut, eine ist doch dabei.), sondern um Terrorismus und konkurrierende Geheimdienste geht. Wenn das nicht so zeitlos wäre, könnte man „Nach dem Feuer“ als Kommentar zur US-Politik nach 9/11 lesen.
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Brian Azzarello/Lee Bermejo: Batman/Deathblow: Nach dem Feuer
Lang, lang ist es hier, als ‚Batman‘ Bruce Wayne seinen ersten Auftritt hatte. Das war im März 1939 in US-Detective Comics # 27. Später wurde er der einzige Ermittler der Detectice Comics und im tausendsten Heft haben bekannte Autoren und Zeichner wie Scott Snyder, Kevin Smith, Warren Ellis, Christopher Priest, Brian Michael Bendis, Greg Capullo, Jim Lee und Becky Cloonan ein gutes Dutzend kurzer „Batman“-Geschichten geschrieben. Während einige der Geschichten auch ohne Vorwissen (oder nur dem Vorwissen aus einem beliebigen Batman-Film) verständlich sind, wird in anderen Geschichten tief in der Batman-Mythologie gegraben und manchmal geht es auch nur um einen Scherz. Insgesamt ist das über hundertseitige Batman-Special damit vor allem ein dickes Heft für den langjährigen „Batman“-Fan.
Das gilt so ähnlich auch für den dritten „Batman: Damned“-Band von Autor Brian Azzarello und Zeichner Lee Bermenjo. Es ist der Abschluss ihrer auf drei Comicalben angelegten Geschichte, die in der neuen DC-Reihe „Black Label“ erschien. In ihr werden, so der Verlag, eigenständige Geschichten für erwachsene Leser präsentiert.
In dieser Geschichte glaubt Bruce Wayne, dass er seinen Erzfeind, den Joker, getötet hat. Schwer verletzt konnte er im ersten „Damned“-Band aus einem Krankenwagen flüchten. Als er halbtot durch Gotham City taumelt, trifft er traf auf den Okkultisten John Constantine. Der entführt ihn in eine Welt, in der Dämonen, Geister und Zauberer existieren.
Die sich dann entspinnende Geschichte ist ein Alptraum, der bildgewaltig und textarm der Logik eines Fiebertraums folgt. Das ist wirklich nicht der Batman, den man aus anderen Batman-Geschichten kennt.
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Batman Special: Detective Comics 1000
(übersetzt von Ralph Kruhm)
Panini Comics, 2019
108 Seiten
6,99 Euro
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Originalausgabe
Detective Comics # 1000
DC Comics, 2019
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Brian Azzarello/Lee Bermejo: Batman: Damned – Band 3
Mit der überragenden und auch überragend langen Noir-Crime-Serie „100 Bullets“ entwarfen Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso zwischen 1999 und 2009 in hundert Heften eine alternative und sehr verwickelte Geschichte der USA. In ihren Batman-Geschichten, die jetzt vollständig in dem Sammelband „Kaputte Stadt und weitere Geschichten“ vorliegen und wenigstens teilweise schon auf Deutsch veröffentlicht wurden, zeigen sie, dass ihre düstere „100 Bullets“-Weltsicht gut in den Batman-Kosmos passt. Aber das hatte spätestens seitdem „Sin City“-Erfinder Frank Miller Batman-Geschichten schrieb, niemand mehr bezweifelt.
In „Kaputte Stadt und weitere Geschichten“ sind die beiden langen Geschichten „Kaputte Stadt“ (sechs Hefte) und „Ritter der Rache“ (drei Hefte) und zwei kurze Geschichten enthalten.
In „Kaputte Stadt“ sucht ‚Batman‘ Bruce Wayne den Mörder von Elizabeth, der jungen Schwester des halbseidenen Autohändlers Angel Lupos. Er glaubt, dass „Killer Croc“ Waylon Jones das Mädchen in Lupos‘ Auftrag ermordete. In dieser Geschichte wird Batman, kurz nach 9/11, zu einem humorlosen Folterer, der Beweise nach eigenem Gutdünken verwendet.
Die „Flashpoint“-Crossover-Story „Ritter der Rache“ spielt in einer Parallelwelt, in der in der dunklen Gasse in Gotham City nicht die Eltern von Bruce Wayne, sondern Bruce Wayne starb. Danach wurde Bruces Vater zu Batman, der auch in dieser Welt gegen den Joker kämpfen muss. Wenn es denn der Joker ist.
Azzarello und Risso erzählen in „Kaputte Stadt und weitere Geschichten“ düstere Noir-Geschichten, in denen Batman kein Strahlemann ist.
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„Batman: Damned“ ist Brian Azzarellos neueste Batman-Geschichte. Gezeichnet wird sie von Lee Bermejo. Mit ihm arbeitete er bereits bei „Batman/Deathblow“, Batman: Joker“, „Lex Luthor: Mann aus Stahl“ und „Before Watchmen: Rorschach“ zusammen.
Ihre neueste Zusammenarbeit ist der Start der neuen Reihe „DC Black Label“. Die Geschichten spielen außerhalb der bekannten Batman-Chronologie und es sollen explizit erwachsene Geschichten erzählen werden. Das tun Azzarello und Bermejo. Für einen Einstieg in den Batman-Kosmos eignet sich Azzarello/Bermejos Batman-Geschichte allerdings nur bedingt. Denn ohne wenigstens rudimentäre Kenntnisse der Welt von Batman ist sie verwirrend und undurchschaubar.
In „Damned“ trifft Batman Bruce Wayne auf Hellblazer John Constantine, der die Geschichte erzählt und der von sich behauptet, der unzuverlässigste Erzähler von allen zu sein. Nachdem Batman bei einem Kampf mit verletzt wird, kann er kurz vor seiner Enttarnung aus einem Krankenwagen fliehen. Später erfährt er aus den Nachrichten, dass sein Erzfeind, der Joker, tot ist. Er möchte herausfinden, ob er ihn getötet hat.
Aber „Batman: Damned“ ist keine einfach nacherzählbare Ermittlergeschichte, sondern ein Fiebertraum, in dem er auf alte Gegner und Dämonen trifft. Lee Bermejos wild über die Seiten angeordneten Zeichnungen visualisieren sofort, wie sehr Wayne die Kontrolle über die Ereignisse und Gotham verliert. Aber John Constantine ist da.
„Damned“ ist ein in sich abgeschlossenes auf drei Bücher aufgeteiltes Batman-Abenteuer. Die ersten beiden großformatigen Bände liegen inzwischen auf Deutsch vor. Der dritte und die Miniserie abschließende Band ist für den 3. Dezember angekündigt.
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Demnächst: Meine Besprechung von Brian Azzarello und Eduardo Rissos neuester Zusammenarbeit: der während der Prohibition in den Appalachen spielenden Krimiserie „Moonshine“.
Brian Azzarello/Eduardo Risso: Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2019
260 Seiten
26 Euro
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enthält
Batman: Gotham Knights #8, 2000
Batman # 620 – 625, 2003/2004
Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011
Wednesday Comics # 1 – 12, 2009
Brian Azzarello/Lee Bermejo: Batman: Damned – Band 1
(übersetzt von Josef Rother)
Panini, 2019
60 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
Batman: Damned # 1
DC Black Label, 2018
Brian Azzarello/Lee Bermejo: Batman: Damned – Band 2