Wieder erhältlich: James Sallis: Nachtfalter

Februar 24, 2014

 

Sallis - Nachtfalter - DuMont 2014 - 2

Erst seit der grandiosen Verfilmung von „Driver“ (Drive, 2005) ist James Sallis auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Unter Krimifans hatte er davor schon einen guten Namen, allerdings auch einen überschaubaren Fankreis. Denn James Sallis schreibt kein Bestsellerfutter und auch keine gewöhnlichen Kriminalromane, in denen tapfere Ermittler böse Mörder jagen. Er benutzt das Genre um, wie in eine dehnbare Vase, seine Inhalte einzufüllen. Er will die Genreregeln dehnen, ohne sie zu brechen.

Dieses literarische Programm verfolgt er schon seit seinem ersten Roman „Stiller Zorn“/“Die langbeinige Fliege“ (The long legged fly, 1992), der auch der Auftakt seiner sechsbändigen, in New Orleans spielenden Lew-Griffin-Serie ist. Sein zweiter Griffin-Roman „Nachtfalter“, der jetzt wieder veröffentlicht wurde, war für den Shamus als bester Privatdetektivroman nominiert. Lawrence Block gewann ihn mit seinem Matthew-Scudder-Roman „Der Teufel weiß alles“ (The Devil knows you’re Dead; – Ahem, noch ein Lesebefehl!).

In „Nachtfalter“ sucht der Ex-Privatdetektiv und Schriftsteller Lew Griffin nach dem Tod seiner Freundin LaVerne deren spurlos verschwundene Tochter Alouette in den Straßen von New Orleans – und, wie immer bei Sallis, steht bei ihm nicht der Fall im Mittelpunkt. Aber während das bei anderen Autoren ein Knock-Out-Kriterium ist, ist es bei Sallis der Grund, den Roman zu lesen.

Wer also einen Roman lesen will, der wirklich das Etikett „Literarischer Kriminalroman“ verdient hat, sollte unbedingt zugreifen.

Und vielleicht werden jetzt auch die weiteren Griffin-Romane übersetzt.

James Sallis: Nachtfalter

(übersetzt von Georg Schmidt)

DuMont, 2014

256 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe 2000 als Band 20 der „DuMont Noir“-Reihe.

Originalausgabe

Moth

Carrol & Graf, New York, 1993

Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver 2“ (Driven, 2012)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung “Drive” (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Stiller Zorn“ (The long legged fly, 1992)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

Thrilling Detective über Lew Griffin


„Die langbeinige Fliege“ ist jetzt „Stiller Zorn“

Juni 22, 2013

Sallis - Stiller Zorn

Langjährige James-Sallis-Leser können sich beruhigt zurücklehnen. „Stiller Zorn“ ist kein neuer Roman von James Sallis. Es ist auch keine neue Übersetzung eines älteren Romans von ihm, sondern eine Neuveröffentlichung von „Die langbeinige Fliege“, dem ersten Roman mit Privatdetektiv Lew Griffin, der 1999 in der kurzlebigen DuMont-Noir-Reihe erschien und bei einigen Menschen ein wahres James-Sallis-Fantum auslöste. 2000 erschien „Nachtfalter“, der zweite Lew-Griffin-Roman, der im Februar 2014 neu aufgelegt wird. Die vier weiteren Griffin-Romane wurden nicht übersetzt. Aber vielleicht, – immerhin stirbt die Hoffnung zuletzt -, bedeutet die Neuauflage, dass das jetzt geschieht und wir auf Deutsch alle Abenteuer des afroamerikanischen, zynischen Privatdetektiv Lew Griffin lesen. Er ist auch ein Professor, Poet, Autor, Blues-Liebhaber und Alkoholiker (irgendwann auch abstinent), der oft vermisste Personen im Vergnügungsviertel French Quarter sucht.

In „Stiller Zorn“ sucht er vier Mal nach vermissten Personen. 1964 sucht er die bekannte Schwarzenführerin Corene Davis, 1970 die sechzehnjährige Ausreiserin Cordelia Clayson, 1984 Cherie, die Schwester von Jimmi Smith, einem pädophilen Ex-Lehrer, und 1990 seinen Sohn David, den er selten sieht und der irgendwo in Europa verschwunden ist.

Aber wichtiger als die Fälle ist für James Sallis der Charakter Lew Griffin und die Stadt New Orleans, lange vor den Verwüstungen des Hurrikans Katrina.

Das ist, wie immer bei James Sallis, der auch Dichter und Musiker ist, poetisch geschrieben, erinnert von seiner Konstruktion und Erzählweise eher an ein Musikstück mit musikalischen Verweisen, Call-and-Response-Strukturen und refrainartig wiederauftauchenden Themen, als an einen traditionellen Privatdetektivroman, in dem der Detektiv zielstrebig den Fall aufklärt.

Wie sagt man so schön: Lesebefehl!

James Sallis: Stiller Zorn

(übersetzt von Georg Schmidt)

DuMont, 2013

192 Seiten

8,99 Euro

Sallis - Die langbeinige Fliege - 2

Deutsche Erstausgabe

Die langbeinige Fliege

DuMont, 1999

Originalausgabe

The Long-Legged Fly

Avon Books, 1992

Die Lew-Griffin-Romane

Stiller Zorn/Die langbeinige Fliege (The Long-Legged Fly, 1992)

Nachtfalter (Moth, 1993)

Black Hornet (1994)

Eye of the Cricket (1997)

Blue Bottle (1998)

Ghost of a Flea (2001)

Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Driver 2“ (Driven, 2012)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung “Drive” (Drive, USA 2011)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

Thrilling Detective über Lew Griffin