Tel Aviv on Fire (Tel Aviv on Fire, Luxemburg/Frankreich/Israel/Belgien 2018)
Regie: Sameh Zoabi
Drehbuch: Dan Kleinman, Sameh Zoabi
An der Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland erhält der palästinensische Schluffi Salam von einem der Zöllner ein Angebot, das er am liebsten ablehnen möchte, aber nicht ablehnen kann. Denn der israelische Zöllner Assi kontrolliert ihn täglich und kann ihm das Leben zur Hölle machen. Außerdem ist er ein großer Fan der TV-Seifenoper „Tel Aviv on Fire“ und er hat einige Vorschläge zur Handlung. Salam soll sie in die Drehbücher der nächsten Folgen einarbeiten.
TV-Premiere. Gelungene, etwas harmlos geratene Komödie.
Weil ihre achtjährige Tochter Warda sie darum bittet, lässt Abla Samia für eine Nacht bei ihnen übernachten. Samia kommt aus einem Dorf und ist hochschwanger. In Casablanca versucht sie, unbehelligt von ihrer Familie, die von ihrer Schwangerschaft nichts weiß und nichts erfahren soll, die Zeit bis zur Geburt zu verbringen. Danach will sie ihr Kind weggeben und wieder in ihr altes Leben zurückkehren.
Natürlich bleibt es nicht bei dieser einen Nacht. Die alleinerziehende, verwitwete Abla gewährt ihrem Gast immer wieder einen Aufschub. Sie tut das widerwillig, aber sie sieht auch Samias Not, die sonst auf der Straße übernachten müsste. Und Samia versucht sich im Haus nützlich zu machen. So stellt sie Teig für Gebäck her, das Abla in ihrer kleinen Bäckerei verkaufen kann.
Ablas Kunden sind begeistert von dem gut schmeckendem Gebäck.
Maryam Touzani erzählt in ihrem Debütfilm „Adam“ sehr feinfühlig, wie sich in einem Haus in Casablanca die Beziehung zwischen den drei Frauen entwickelt. Und wie sie sich verändern. Gleichzeitig zeichnet sie ein Bild der marokkanischen Gesellschaft, der Traditionen und der Stellung der Frau in ihr.
Touzanis Inspiration für den Film war ein wahres Erlebnis. Ihre Eltern hatten vor Jahren eine schwangere Frau, die sie nicht kannten, bei sich aufgenommen. Sie blieb bis nach der Geburt ihres Kindes. Diese Frau war das Vorbild für Samia.
„Adam“ ist ein kleiner, ein intimer Film, der dann doch von der ganzen Welt erzählt.
Der kleine Grenzverkehr sorgt immer wieder für Erheiterung. Beim Zuschauer. Für den Betroffenen von entwürdigenden Kontrollen, bohrenden Fragen und der penetranten Neugier von Zöllnern, die berufsbedingt Dinge tun dürfen, die man sich noch nicht einmal von seiner Frau gefallen lässt, sieht das anders aus. Entsprechend unwohl fühlt sich der junge Palästinenser Salam als am Grenzübergang vom Westjordanland nach Israel seine Habseligkeiten durchsucht. Dabei entdecken die israelischen Grenzsoldaten ein noch nicht verfilmtes Drehbuch der in Ramallah produzierten Soap Opera „Tel Aviv on Fire“. Salam behauptet gegenüber Assi, dem Leiter der Kontrollstation, einer der Autoren der in Israel und Palästina unglaublich beliebten Soap Opera zu sein.
In der 1967, wenige Tage vor dem legendären Sechstagekrieg, spielenden Soap geht es um die glamouröse palästinensische Spionin Rachel, die den israelischen General Yehuda Edelman verführen soll. Dafür eröffnet sie gegenüber dem Hauptquartier des Militärs ein französisches Edelrestaurant. Edelman gehört schnell zu den Stammgästen und er erwidert die Avancen Rachels, die sich als aus Frankreich kommende jüdische Immigrantin ausgibt. Alle Zuschauer fragen sich, ob sie ihre Mission erfolgreich beenden kann oder ob sie sich in den General verliebt und ob sie ihren Geliebten, den palästinensischen Widerstandskämpfer Marwan, verlässt.
In Wirklichkeit ist Salam der Neffe des Produzenten. Der Slacker ist seit einigen Stunden als Produktionsassistent eingestellt. Weil er während der Dreharbeiten spontan die von dem Autor aufgeschriebenen Sätze korrigierte, soll er jetzt die Dialoge zwischen Rachel und Edelman so umformulieren, wie sie von Israelis gesagt würden.
Der israelische Kommandeur Assi kritisiert allerdings ganz andere Dinge als die hölzernen Dialoge an der Liebesgeschichte. Ihm gefällt die Darstellung des israelischen Generals nicht. Nach seiner Ansicht verhält sich der Held nicht heldenhaft genug. Deshalb schlägt er Salam einige Änderungen vor, die Salam notgedrungen akzeptiert. Denn sonst könnte er die Grenze nicht jeden Tag zweimal passieren.
Während Assi in den folgenden Tagen immer stärker auf das Drehbuch Einfluss nimmt, versucht Salam die Änderungen im Studio zu verkaufen. Außerdem begegnet er wieder seiner Jugendliebe, die er immer noch liebt. Sie will allerdings nichts von ihm wissen.
Sameh Zoabis Komödie „Tel Aviv on Fire“ bietet einen Einblick in das komplizierte Verhältnis zwischen Israel und Palästina. Dabei wird eine auf beiden Seiten der Grenze gesehene Soap zum Katalysator und Mittel der Völkerverständigung. Auch wenn die Produzenten der Soap das ursprünglich anders planten. Schließlich sind sie palästinensische Patrioten. Zoabi jongliert in seiner Komödie gelungen und kurzweilig zwischen den Ereignissen am Set, den Dreharbeiten, den Hahnenkämpfen während des Drehs und Salams unbeholfenen Versuchen als Drehbuchautor, der Beziehung zwischen Salam und Assi, Salams Werben um seine Ex und den ausführlich gezeigten Ereignissen in der Soap Opera, die auch ein überspitzter Kommentar zum Verhältnis zwischen Palästina und Israel ist. Das ist witzig, intellektuell vergnüglich und am Ende, angesichts der realen Situation im Nahen Osten, vielleicht etwas zu harmlos-harmonieselig. Wobei gemeinsames Lachen mit- und übereinander ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Völkerverständigung ist.
Tel Aviv on Fire(Tel Aviv on Fire, Luxemburg/Frankreich/Israel/Belgien 2018)
Regie: Sameh Zoabi
Drehbuch: Dan Kleinman, Sameh Zoabi
mit Kais Nashif, Lubna Azabal, Yaniv Biton, Nadim Sawalha, Maisa Abd Elhadi, Salim Daw, Yousef Sweid