Zwanzig Jahre ist es schon her, dass Christophe Gans mit „Silent Hill“ eine bei Horrorfilmfans und Fans des Computerspiel gut gelittene Adaption des Spiels in die Kinos brachte. Auch finanziell war der Film ein Erfolg. Es folgte eine von einem anderen Regisseur inszenierte Fortsetzung.
Christophe Gans schloss seit der Premiere seines „Silent Hill“-Films einen weiteren von ihm inszenierten „Silent Hill“-Film nie aus. Und er widmete sich auch anderen, teils sehr interessant klingenden Projekten, die sich nie realisierten. So blieb in den vergangenen zwanzig Jahren „Die Schöne und das Biest“ (2014) sein einziger Film.
Da wirkt und ist „Return to Silent Hill“ (welch eindeutig doppeldeutiger Titel) eine Rückkehr zu einem alten Erfolg, der immer noch bekannt ist und fortgesetzt werden kann. „Pakt der Wölfe“, ein früherer, ungleich gelungener Film von Gans, ist zwar immer noch sehenswert, aber nicht wirklich für eine Fortsetzung geeignet. Das geht bei Computerspielen einfacher. Die Welt ist etabliert – und dann schauen wir mal. Insofern ist „Return to Silent Hill“ zwar für Gans eine Rückkehr in die Welt von Silent Hill. Aber mit anderen Figuren und einer gänzlich anderen Geschichte.
Im Mittelpunkt des Horrorfilms steht der junge Maler James Sunderland (Jeremy Irvine). Eines Tages erhält der über den Tod seiner großen Liebe Mary Crane (Hannah Emily Anderson) tiefverzweifelte Mann eine Nachricht von ihr. Sie schreibt ihm, dass sie ihn in ihrem Heimatort Silent Hill erwarte. Vor einiger Zeit lernten sie sich vor der Stadtgrenze von Silent Hill kennen und verliebten sich sofort ineinander.
Sunderland kehrt also nach Silent Hill zurück. Er kennt Silent Hill noch als malerischen Seeort. Das Silent Hill, das er jetzt betritt, ist ein dystopischer Ort. Alles ist grau. Wolken verdecken die Sonne. Asche regnet vom Himmel. Die Gebäude sind komplett verwahrlost. Seltsam verformte und deformierte Gestalten bewegen sich durch die Stadt. Sie scheinen direkt aus dem Inneren der Erde zu kommen. Dort lauert etwas Böses.
Tschernobyl scheint dagegen ein Kurort zu sein.
Sunderland stolpert durch diesen Alptraum. Er fragt sich, was zur Hölle passiert ist, während der gescheite Zuschauer schon sehr schnell eine ziemlich genaue Vorstellung hat. Er weiß auch, ohne dass es ihm in diesem Moment schon gesagt wurde (das wird erst am Ende des Films verraten), was mit Mary geschah.
Dass die Geschichte so vorhersehbar ist, ist in diesem Fall ein Vorteil. Denn Gans‘ „Return to Silent Hill“ funktioniert am Besten als surrealistischer Alptraum, in dem ein Held durch seinen Alptraum stolpert. Er wird mit unerklärlichen Ereignissen konfrontiert. Dämonen poppen auf und verschwinden wieder. Gespielt werden die gruselig aussehenden und sich grotesk bewegenden Gestalten von Tänzern und Akrobaten. Ihre genaue Bedeutung in diesem Alptraum bleibt unklar. Weil wir allerdings eine Idee haben, was mit Mary geschah, haben wir auch eine Interpretationsfolie für all diese Ereignisse in der surrealistischen Welt, die wild aus den Dämonen und Mythen des Abendlandes und mittelalterlichen Vorstellungen des Fegefeuers zusammengestückelt ist.
Früh wird „Return to Silent Hill“ auch zu einer ziemlich gradlinigen Geschichte, die eindeutiger als nötig ist. Denn lange vor dem Ende setzt sich eine Interpretation in diesem ziemlich spaßigen Horrorfilm eindeutig durch.
Gans‘ hat als Vorlage für seinen Film die Geschichte des zweiten „Silent Hill“-Spiels genommen. Dieses Spiel wollte der langjährige Fan der japanischen Survival-Horror-Videospielreihe schon als Basis für seinen ersten „Silent Hill“-Film nehmen. Er nahm dann Abstand davon, weil er die kommierziellen Aussichten als zu gering ansah und annahm, dass das Publikum den Film nicht verstehen würde, weil es absolut nichts über das Spiel und die Welt, in der es spielt, wisse.
Viele Jahre vor „Silent Hill“ arbeitete er an einer Verfilmung des Computerspiels. Er war auch bereit, Regie bei dem zweiten „Silent Hill“-Film zu führen, schrieb Drehbücher für mögliche „Silent Hill“-Filme und will jetzt auch einen dritten „Silent Hill“-Film drehen. Er scheint also die Spiele zu kennen und zu lieben.
Das Spiel kenne ich immer noch nicht. Aber viele Kritiker, denen der Film überwiegend nicht gefällt, und Fans des Spiels sagen, dass es sich um eine sehr schlechte Verfilmung des Spiels handele.
Das mag sein. Allerdings hatte ich nie den Eindruck, dass hier ein (mir unbekanntes) Spiel verfilmt wurde. Abgesehen von Sunderlands Mission, seine totgeglaubte Frau zu finden oder herauszufinden, was mit ihr geschah, gibt es keine eindeutige Spielanweisung. Es gibt keine kleinen Missionen oder Rätsel, die Sunderland auf dem Weg zu seinem Ziel lösen muss. Er stolpert einfach durch die Szenerie. Dabei wehrt er sich intuitiv gegen plötzlich aufpoppende Bedrohungen, die dann wieder verschwinden. Da ist nichts, was irgendwie ‚gespielt‘ werden könnte.
Weil ich „Return to Silent Hill“ als vollkommen eigenständiges Werk wahrnahm, gefiel mir der Film, der nie wie eine Spieleverfilmung wirkte, wirkte. Beim Ansehen des Films fragte ich mich sogar ab und an, wer so ein blödes Spiel spielen möchte mit Nebenfiguren, die kaum eine Funktion haben und einem Rätsel, das so offensichtlich ist, dass man die Lösung sofort errät. Inzwischen weiß ich, dass im Spiel verschiedene Lösungen möglich sind. Dann wird es schon etwas komplexer.
Ich genoss „Return to Silent Hill“ als kompromisslose künstlerische Vision, die sich einen Dreck um die Wünsche des Publikums scherrt und einen scheinbar direkt aus der Hölle kommenden Fiebertraum kredenzt. Nie ist Gans in seinem teilweise erschreckend dilletantisch inzeniertem „Return to Silent Hill“ geordneter oder aufgeräumter als es im Kopf des heftig aus der Spur geratenen Malers James Sunderland aussieht.

Return to Silent Hill (Return to Silent Hill, Großbritannien/USA/Deutschland/Frankreich/Serbien 2025)
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Christophe Gans, Sandra Vo-Anh, William Schneider (basierend auf dem Videospiel von Konami)
mit Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Eve Macklin, Evie Templeton, Robert Strange, Pearse Egan, Emily Cardling, Martine Richards, Howard Saddler
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Filmportal über „Return to Silent Hill“
Moviepilot über „Return to Silent Hill“
AlloCiné über „Return to Silent Hill“
Metacritic über „Return to Silent Hill“
Rotten Tomatoes über „Return to Silent Hill“
Wikipedia über „Return to Silent Hill“ (englisch, französisch)
Veröffentlicht von AxelB