TV-Tipp für den 11. November: Leto

November 10, 2023

RBB 23.30

Leto (Leto, Russland/Frankreich 2018)

Regie: Kirill Serebrennikow

Drehbuch: Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow

Sehenswertes Biopic über Viktor Zoi (1962 – 1990), der mit seinen regimekritischen Texten zu einem Idol der sowjetischen Jugend wurde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo

Hinweise

Moviepilot über „Leto“

Metacritic über „Leto“

Rotten Tomatoes über „Leto“

Wikipedia über „Leto“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kirill Serebrennikows „Leto“ (Leto, Russland/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Kirill Serebrennikows Alexei-Salnikow-Verfilmung „Petrov’s Flu – Petrow hat Fieber“ (Petrovy v grippe, Russland/Frankreich/Deutschland/Schweiz 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Celine Songs „Past Lives – In einem anderen Leben“

August 21, 2023

Heute, also am Filmanfang, sitzen Nora, Hae Sung und Arthur an der Theke einer dieser ebenso noblen wie anonymen Hotelbars. Zwischen ihnen herrscht ein seltsames Schweigen. Der Erzähler fragt sich, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und was der Grund für ihre Schweigsamkeit ist.

In den folgenden hundert Minuten beantwortet Celine Song in ihrem autobiographisch inspiriertem Spielfilmdebüt „Past Lives – In einem anderen Leben“ diese Frage.

Nora und Hae Sung waren in Seoul als Kinder miteinander befreundet. Irgendetwas zwischen besten, unzertrennlichen Freunden und Sandkastenliebe. Als Noras Familie nach Toronto umzieht, verlieren sich die beiden Zwölfjährigen aus den Augen.

Zwölf Jahre kontaktiert Nora Hae Sung. Sie hat einen Facebook-Post von ihm entdeckt, in dem er schrieb er suche sie. Via Skype kommen sie sich wieder näher.

Wieder zwölf Jahre später lebt Nora in New York. Sie ist Theaterautorin und verheiratet mit dem Schriftsteller Arthur. Sie hatten sich vor sieben Jahren in einer Schriftstellerkolonie kennen gelernt.

Hae Sung ist Ingenieur. Er besucht sie und beide stehen vor der Frage, was ihre damalige Beziehung für die Gegenwart bedeutet.

Celine Song erzählt die sich über ein viertel Jahrhundert umspannende Beziehung zwischen Nora und Hae Sung feinfühlig, langsam und abseits der üblichen Hollywood-Konventionen. Es gibt also nicht diese Szene am Filmende, in der eine Person durch die Stadt hetzt, um die andere Person vor ihrem Abflug zu treffen und ihr ihre Liebe zu gestehen.

Song fragt sich, was Liebe ist und wie dauerhaft sie ist. Es geht auch um die Frage, wie sehr eine Freundschaft unter Kindern die Zeit überdauern kann, wenn ihre Eltern umziehen.Es geht um die Frage, ob einige Beziehungen nach einer bestimmten Zeit einfach vorbei sind. Oder sich verändern. Es geht um Liebe und echte und vermeintliche verpasste Chancen. Denn nichts und alles spricht dafür, dass Nora und Hae Sung heute wieder ein Paar sein sollten.

Past Lives – In einem anderen Leben (Past Lives, USA 2023)

Regie: Celine Song

Drehbuch: Celine Song

mit Greta Lee, Teo Yoo, John Magaro, Seung Ah Moon, Seung Min Yim, Ji Hye Yoon, Won Young Choi, Min Young Ahn

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Past Lives“

Metacritic über „Past Lives“

Rotten Tomatoes über „Past Lives“

Wikipedia über „Past Lives“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. November: Leto

November 6, 2020

RBB 23.30

Leto (Leto, Russland/Frankreich 2018)

Regie: Kirill Serebrennikow

Drehbuch: Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow

TV-Premiere des sehenswerten Biopics über Viktor Zoi (1962 – 1990), der mit seinen regimekritischen Texten zu einem Idol der sowjetischen Jugend wurde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Leto“

Metacritic über „Leto“

Rotten Tomatoes über „Leto“

Wikipedia über „Leto“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kirill Serebrennikow „Leto“ (Leto, Russland/Frankreich 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Leto“ – Rockmusik vor der Perestroika

November 14, 2018

Wenige Tage nach dem Kinostart des Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ läuft in unseren Kinos mit „Leto“ (russisch für „Sommer“) der sehenswerte Gegenentwurf an. In SW statt in Farbe. Im kommunistischen Osten statt im kapitalistischen Westen spielend. Aber hüben wie drüben beeinflussten Rockmusiker die Jugend und gaben ihnen eine Stimme. Im Westen in Stadien. Im Osten, wie der Anfang von „Leto“ zeigt, in deutlich kleineren Locations.

In den frühen Achtzigern und damit vor der Perestroika schleicht sich in Leningrad eine Gruppe Mädchen durch ein Klofenster in das Konzerthaus und in den bestuhlten Saal, wo das Publikum sehr gesittet und sitzend der Darbietung der Musiker lauscht. Im ganzen Saal wachen Beamte des totalitären Regimes über den ordnungsgemäßen Ablauf. Schon die schüchternsten Versuche der Jugendlichen aus der konzertanten Darbietung ein richtiges Rockmusik zu machen, werden von der Staatsmacht gnadenlos unterbunden.

Der Mann auf der Bühne, der Bluesrocker Mike Naumenko, war damals ein Star. Er war von Bob Dylan, Lou Reed, den Rolling Stones, Jefferson Airplane, den Doors und T. Rex beeinflusst, übersetzte einige ihrer Songs und schrieb eigene Songs.

Kurz darauf lernt er den jüngeren Viktor Zoi kennen, der ihm während einer Party am Strand auf der Gitarre einen seiner Songs vorspielt. Naumenko gefällt der Song. Er beginnt Zoi zu fördern und es entwickelt sich auch eine Dreiecksbeziehung zwischen ihm, seiner Frau Natascha und Zoi. So in Richtung der glücklichen Tage von „Jules & Jim“.

Diese kaum ausformulierte Dreiecksgeschichte ist das höchstens rudimentär vorhandene dramaturgische Gerüst für ein impressionistisch hingetupftes Gemälde der damaligen Zeit und der Stimmung der Jugend. Kirill Serebrennikow erzählt in seinem sich nostalgisch an die eigene Jugend erinnerndem SW-Film von dem Drang der Jugend nach Freiheit und nach einem selbstbestimmten Leben.

In einigen Szenen wechselt er zu einer Videoclip-Ästhetik. Zu Hits wie „Psycho Killer“ (Talking Heads), „The Pasenger“ (Iggy Pop) und „Perfect Day“ (Lou Reed) erfüllen sie sich für zwei Minuten ihre Träume. Und nach dem letzten Ton erklärt ein ab und an auftauchender Erzähler, dass nichts von diesen Ereignissen jemals passiert sei.

Leto“ ist ein gut gemachter Einblick in eine fremde Welt. Denn die beiden jung verstorbenen Protagonisten Mike Naumenko und Viktor Zoi und ihre Bands sind im Westen unbekannt. Man verbindet nichts mit ihnen. Ganz im Gegensatz zu, um nur die im Film genannten, auch im Osten einflussreichen West-Musiker zu nennen, Bob Dylan, den Doors, Lou Reed, T. Rex, David Bowie und den Talking Heads. Sie waren zu ihrer besten Zeit die Stimme der Jugend. Und wer damals jung war, verbindet mit ihren Songs prägende Erlebnisse und Emotionen.

Der 1969 geborene Film-, Theater- und Opernregisseur Kirill Serebrennikow, und das zeigt, wie nah das heutige Russland wieder an der Zeit vor der Perestroika ist, wurde am 23. August 2017, kurz vor dem Ende der Dreharbeiten, festgenommen. Die Begründung für die Festnahme und den sich daran anschließenden Hausarrest waren ein offensichtlich politischer motivierter Vorwurf, er habe Geld unterschlagen. Die letzten Drehtage und den Schnitt von „Leto“ erledigte Serebrennikow aus seiner Wohnung. Die Premiere in Cannes erfolgte ohne ihn. Theaterprojekte, die er seitdem inszeniert, inszeniert er ebenfalls aus seiner Wohnung. Zu seinem Werk darf er sich seitdem nicht mehr öffentlich äußern.

Leto (Leto, Russland/Frankreich 2018)

Regie: Kirill Serebrennikow

Drehbuch: Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow

mit Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Leto“

Metacritic über „Leto“

Rotten Tomatoes über „Leto“

Wikipedia über „Leto“ (deutsch, englisch)