Die Dokus „The Trap“ und „Taxi to the Dark Side“ und der Thriller „Death Sentence“

In den vergangenen Tagen habe ich einige Dokus für das One-World-Festival gesehen. Es ist vom 14. bis 23. November in Berlin und wir von der Humanistischen Union (natürlich wird die Aufgabe irgendwie an mir hängen bleiben) präsentieren einige Filme und vielleicht noch einige andere Sachen. Das sage ich jetzt so vage, weil wir noch beim Planen sind.

Gesehen habe ich den BBC-Dreiteiler „The Trap: What happened to our dream of freedom“ von Adam Curtis. In drei Stunden zeichnet er nach, wie sich während des Kalten Krieges ein reduzierter Begriff von Freiheit und ein ebenso reduziertes ökonomisches Menschenbild (ich sage nur Rational Choice und Public Choice) zuerst in der Wissenschaft und später in der Politik durchsetzte. Er zeigt, wie Ideen die Welt verändern können. Er zeigt, wie das Rational-Choice-Menschenbild und der Glaube, alles messen zu können, die Politik beeinflusst. Denn wenn die Politiker nur noch von selbstinteressierten Menschen ausgehen, werden sie eine bestimmte Politik machen. Eine Politik die bestimmt ist von Misstrauen und Paranoia. Denn eine der Kernpunkte des Rational-Choice-Menschenbildes ist, dass man niemand vertrauen kann. Ein anderer, dass jeder nur noch nach seinem eigenen Glück streben solle. So etwas wie Gemeinschaft, Vertrauen undsoweiter gibt es nicht.

Dann habe ich „Taxi to the Dark Side“ von Alex Gibney gesehen. Der läuft am 8. Oktober als „Taxi zur Hölle“ auf Arte. Gibney thematisiert die Folterungen von US-Soldaten in Afghanistan und wie es dazu kommen konnte. „Taxi to the Dark Side“ ist eine gut recherchierte, beängstigende, spielfilmlange Dokumentation, die gerade wegen ihrer ruhigen Machart mehr beeindruckt als die kommerziell erfolgreicheren, auf kurzfristige Effekte und Lacher angelegten Dokumentationen von Michael Moore.

Vielleicht habe ich nach diesen beeindruckenden Dokumentationen den Rachethriller „Death Sentence – Todesurteil“ (Regie: James Wan, Drehbuch: Ian Jeffers) nur als bittere Allegorie auf den Kampf gegen den Terror sehen können. Kevin „Ich-spiele-die-Rolle-des-Arschlochs“-Bacon spielt einen braven, glücklichen Familienvater. Eines Tages wird sein ältester Sohn von einigen Gangstern umgebracht. Er hat einen der Täter gesehen. Als der Staatsanwalt ihm erklärt, dass aufgrund der Beweise nur eine kurze Gefängnisstrafe möglich sei, beschließt Bacon das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. So weit, so gut. Auch der Rest folgt, immerhin ist die Vorlage ein Krimi von Brian Garfield aus den Siebzigern, dem vertrauten Schema von Gewalt und eskalierender Gegengewalt bis hin zum tödlichen Ende für die Bösen. Der einzige Unterschied auf dieser Ebene zu den Rachethrillern der Siebziger ist, dass die Morde brutaler sind.

Irritierend und unangenehm für uns Zuschauer wird der Film, wenn er jede Glorifizierung für den amoklaufenden Familienvater vermissen lässt. Wir wollen ihn als Helden sehen, denn er nimmt, nachdem der Staat versagt, stellvertretend für uns das Recht in die eigenen Hände. Das ist der stille Vertrag zwischen uns Zuschauern im dunklen Kinosaal und dem Mann mit der Knarre auf der Leinwand. Aber Bacon unterscheidet sich immer weniger von den Bösen. Er verliert seine bürgerlichen Bindungen. Er verliert seine Seele. Er verliert letztendlich die Rechtfertigung für seine Kampf: seine Familie. Wenn er in der letzten Szene leichenblass und blutend auf seiner Couch sitzt, dann ist er der Verlierer, weil er sich mit den falschen Mitteln gegen die Bösen wehrte.

„Death Sentence – Todesurteil“ ist eine klinische Studie über Gewalt mit einem zutiefst pessimistischen Ende.

(P. S.: In früheren Posts habe ich auf Interviews mit Garfield, den Trailer und die Homepage des Films hingewiesen. Über die Suchen-Funktion müssten die Teile schnell zu finden sein.)

3 Responses to Die Dokus „The Trap“ und „Taxi to the Dark Side“ und der Thriller „Death Sentence“

  1. […] für den 8. Oktober Vor einigen Tagen hatte ich „Taxi to the Dark Side“ bereits gelobt. Jetzt können Sie mein Lob […]

  2. […] Foster angesehen. Ich bin schon skeptisch ins Kino gegangen, aber ich wollte ihn unbedingt mit „Death Sentence“ vergleichen. Bei der Kritik ist „Die Fremde in dir“ etwas besser weggekommen. Für mich ist […]

  3. […] World Berlin – ab Mittwoch mit mir Am Mittwoch beginnt das hier bereits erwähnte One World-Festival. Die Humanistische Union präsentiert mit der Gustav […]

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