Familienprobleme für Handyman Jack

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Das neunte Handyman-Jack-Roman „Das Höllenwrack“ von F. Paul Wilson ist ein eher untypisches Abenteuer für den Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht auf dem staatlichen Radar zu erscheinen. Das ist in Zeiten des Antiterrorkampfes natürlich schwieriger denn je. Aber bis jetzt ist es ihm gelungen.

Doch nachdem sein Vater und zahlreiche weitere Passagiere auf dem La-Guardia-Flughafen von Terroristen mit vergifteten Patronen erschossen werden, hat Jack ein Problem. Weil er keinen Pass auf seinen Namen hat, kann er die Leiche seines Vaters nicht aus dem Leichenschauhaus abholen. Er muss seinen größeren Bruder Tom, den er aus tiefstem Herzen hasst, darum bitten. Tom ist inzwischen Richter in Philadelphia und, wie Jack schnell feststellt, Trinker und Verbrecher. Gegen Tom wird ermittelt und er hätte den Bundesstaat überhaupt nicht verlassen dürfen.

Tom erfährt schnell, dass Jack in der Illegalität lebt, gute Kontakte zu Verbrechern hat und in bestimmten Kreisen hoch angesehen ist. Außerdem hatte ihm sein Vater gesagt, wenn er wirkliche Probleme habe, solle er sich an Jack wenden. Er könne dann helfen. Und Tom, der unter keinen Umständen ins Gefängnis gehen will, hat Probleme die mit Geld und einem neuen Pass aus der Welt geschafft werden können.

Mit einer kleinen Erpressung und einem Appell an die familiären Gefühle überzeugt er Jack, ihn auf die Bermudas zu begleiten. Er will sein dort gebunkertes Vermögen abholen. Aber die Steuerfahndung war schneller. Jetzt hat er nur noch eine Hoffnung: die Lilitonga von Gefreda. Dieser Schatz soll vor über vierhundert Jahren vor den Bermudas untergegangen sein. Anhand der Schatzkarte finden sie die Lilitonga von Gefreda und erwecken sie in New York zum Leben.

Jetzt haben die beiden verfeindeten Brüder ein wirkliches Problem. Denn die katholische Kirche versenkte damals das Schiff, damit niemand mit dem teuflischen Ding, das Menschen vom Erdboden verschwinden lassen kann und alles Leben in ihrer näheren Umgebung vernichtet, in Berührung gerät.

„Das Höllenwrack“ ist eine unterhaltsame Abenteuergeschichte. Ein richtiger Schmöker eben, bei dem in der ersten Hälfte viel passiert und in der zweiten Hälfte das Ende – besonders wenn man weiß, dass F. Paul Wilson weitere Handyman-Jack-Romane geschrieben hat – doch sehr absehbar ist. Aber in „Das Höllenwrack“ geht es ihm weniger um thrillertypische Spannung und überraschende Plottwists, sondern um moralische Fragen.

F. Paul Wilson fragt sich, wie sehr Väter als Vorbild dienen können. Wie wirkt sich die Erziehung auf verschiedene Menschen aus? Dabei hat er mit Jack und Tom zwei gegensätzliche Charaktere entworfen, die beide von dem gleichen Mann erzogen wurden und dann ganz verschiedene Lebenswege einschlugen. Hier der nach außen hin respektierte Richter, der in dreifacher Scheidung lebt, korrupt, drogensüchtig, verantwortungslos und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Dort die nach außen hin gescheiterte Existenz ohne einen Beruf, die unter dem Radar des Staates als Berufsverbrecher lebt, aber dafür eine ihn liebende, schwangere Freundin, Freunde und moralische Standards hat. Er ist, wie ein Bluessänger singt:

“He went and fixed that problem, and now I sleep so good at night (…)

Yeah, Jack might be an angel, or he could be the devil too

Only thing I know is, you don’t want him mad at you.”

Diese beiden unterschiedlichen Charaktere prallen in „Das Höllenwrack“ immer wieder aufeinander. Dabei bestimmt der böse Bruder Tom weite Teile das Geschehens. Denn er muss sich in dieser Geschichte mit seinem eigenen verpfuschten Leben auseinandersetzen und sich fragen, welche zweite Chance er gerne hätte.

Auch Serienheld Jack steht vor schwierigen Fragen. Die wichtigste ist, wie sehr er seine Handlungen von dem Gefühl der Rache leiten lassen will. Denn natürlich sucht Jack die Mörder seines Vaters. Und dann ist da noch die Lilitonga von Gefreda, die seine Freundin Gia und ihre Tochter Vicky bedroht, während Tom am Liebsten nichts mit den von ihm in Gang gesetzten Ereignissen zu tun hätte.

 

 

 

F. Paul Wilson: Das Höllenwrack

(übersetzt von Michael Kubiak)

Blanvalet, 2007

512 Seiten

8,95 Euro

 

Originalausgabe

Infernal (A Repairman Jack novel 09)

Forge, New York 2005

 

Hinweise 

Homepage von F. Paul Wilson

Evolver: Martin Compart über F. Paul Wilson

Phantastik-Couch über F. Paul Wilson

Krimi-Couch über F. Paul Wilson

One Response to Familienprobleme für Handyman Jack

  1. […] Paul Wilson (zuletzt “Das Höllenwrack“) hat in den USA einen neuen Roman mit Repairman Jack (aka Handyman Jack) veröffentlicht. […]

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