RiP: Roy Scheider, Stefan Murr; WGA-Drehbuchpreise 2008

Februar 12, 2008

R. i. P. Roy Scheider (10. November1932 – 10. Februar 2008 )

Er spielte in „Klute“, „French Connection“, „Der weiße Hai“, „Der Marathon-Mann“, „Atemlos vor Angst“, „Hinter dem Rampenlicht“, „In der Stille der Nacht“, „Das fliegende Auge“, „2010 – Das Jahr in dem wir Kontak aufnehmen“, „52 Pick-Up“, „Das Russland-Haus“, „Romeo is bleeding“, „Naked Lunch“ und „Der Regenmacher“ mit. Wahrlich keine schlechte Liste.

(Weitere Infos: Nachruf der New York Times; Nachruf von Associated Press; Meldung in Spiegel Online)

R. i. P. Stefan Murr (4. September 1919 – 22. Januar 2008)

Einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren(Ein Toter stoppt den 6 Uhr 10; Vorsicht – Jaczek schießt sofort; Affäre Nachtfrost, Auf den Tag genau) ist tot – und die Zahl der Nachrufe hält sich in überschaubaren Grenzen. Die Alligatorpapiere melden es und hier gibt es einen, hm, Nachruf. „Stefan Murr ist ein Phänomen. Von allen deutschen Krimi-Autoren ist er der dienstälteste, der kontinuierlich veröffentlicht, und er konnte sich sogar im Hardcover-Bereich etablieren, in Deutschland ein schwieriges Terrain für heimische Thriller-Autoren.“ (Rudi Kost/Thomas Klingenmaier: Steckbriefe, 1995)

Die WGA hat ihre Preise für die besten Drehbücher verliehen (btw: der Streik ist wohl zu Ende.). Keine schlechte Liste mit vielen bekannten Namen. So sind die Coen-Brüder mit „No Country for old Men“ dabei. „The Wire“ (Wann kommt diese diese Polizeiserie endlich ins deutsche Fernsehen?) und „The Company“ (die auf Robert Littells Roman basierende Miniserie hat auch noch keinen deutschen Ausstrahlungstermin) ebenso. Aus dem Nicht-Krimi-Bereich wurden „Juno“ von Diablo Cody als bestes Drehbuch und „Taxi to the Dark Side“ von Alex Gibney als beste Dokumentation prämiert. – Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!


TV-Tipp für den 12. Februar

Februar 12, 2008

BR, 23.25

Die Kinder sind tot (D 2003, R.: Aelrun Goette)

Drehbuch: Aelrun Goette

Eindrückliche Doku über die 23-jährige Daniela Jesse, die im Sommer 1999 ihre beiden Söhne in einem Plattenbau in Frankfurt/Oder verdursten lässt. Aelrun Goette rekonstruiert die Tat und wie es dazu kommen konnte.

„Was ich erlebt habe, war eine Art Zustand des Wegschauens und dann diese unglaubliche Banalität; weil der gerade nicht dort war und der mit dem gerade sauer war und Kinder ja immer Radau machen undsoweiter…Es gab eine Summe von Elementen, die dann dazu geführt haben, dass sich niemand um die Kinder gekümmert hat. Was überhaupt nichts Dämonisches, sondern eben etwas unglaublich Banales hat. Das hat mich erschreckt.“ (Aelrun Goette in 3sat Kulturtzeit)

Wiederholung:

WDR, Donnerstag, 21. Februar, 23.15 Uhr

Hinweis:

3sat über die Doku 


Ein Schmöker aus Berlin

Februar 11, 2008

fitzek-das-kind.jpg

Nach mehreren schlechten deutschsprachigen Krimis, war das neue Buch von Sebastian Fitzek eine willkommene Entspannung. „Das Kind“ ist ein Thriller für einen verregneten Nachmittag, bei dem man die Gehirnzellen nicht übermäßig beanspruchen will. Die Geschichte beginnt mit einer Kette rätselhafter Ereignisse.

Eine Freundin bittet den erfolgreichen Strafverteidiger Robert Stern zu einem Treffen. Auf einem abgelegenen Industriegelände trifft er den zehnjährigen, todkranken Simon Sachs. Der Junge behauptet, vor fünfzehn Jahren hier einen Menschen umgebracht zu haben. Stern hält das selbstverständlich für einen schlechten Scherz; – bis er wenig später zusammen mit Simon die Leiche entdeckt. Kurz darauf erhält Stern eine DVD, auf der er eine Stimme ihm sagt, er habe fünf Tage Zeit den Mörder zu finden. Dann werde er erfahren, wo sein vor zehn Jahren verstorbener Sohn lebt. Als Beweis für diese abenteuerliche Behauptung einer Wiedergeburt sieht Stern seinen damals verstorbenen Sohn im Krankenhaus und heute bei einem Kindergeburtstag.

Am nächsten Tag erzählt Simon dem Anwalt, dass er in seinem früheren Leben mehrere Menschen umgebracht habe. Stern hält Simons Geschichte mit der Wiedergeburt immer noch für ein Hirngespinst. Aber er findet nach Simons Informationen weitere Spuren zu noch nicht entdeckten Morden. Kurz darauf beobachtet er, wie Dr. Johann Tiefensee, der Psychologe von Simon Sachs, in seiner Praxis ermordet wird. Die Polizei verdächtigt Stern. Er taucht unter und versucht mit einigen Vertrauten das Rätsel zu lösen. Dabei fragt er sich immer wieder, ob es eine Wiedergeburt gibt.

Bei der Vorstellung der Werbekampagne (Berlin Kriminell, Krimiblog und einige nicht-übliche Verdächtige machten bei dem Alternative Reality Game Marketing mit) und des Buches in Berlin sagte Sebastian Fitzek, die Idee für die Geschichte sei ihm nach einem Streit mit seiner Freundin gekommen. Sie habe gesagt, sie habe schon einmal als Johanna von Orleans gelebt. Als Siebenjährige habe sie bei einem Frankreich-Besuch einen Marktplatz wieder erkannt. Er, als vernünftiger Mensch, habe das als Quatsch bezeichnet. Die Situation eskalierte, bis sie wutentbrannt das Zimmer verließ. Dann habe er angefangen nachzudenken. Warum behaupten Wiedergeborene immer, sie hätten schon einmal als wichtige Person gelebt? Warum sagte niemand, er habe als armer Bauer gelebt? Oder als Verbrecher? Oder, noch schlimmer, als Serienmörder? Aus dieser Frage entstand dann sein dritter Roman „Das Kind“.

Der Thriller ist kein perfektes Buch. Es gibt immer wieder herbe sprachliche Schnitzer. Die Charaktere sind reine, weitgehend in den bekannten Klischees verhaftete Funktionsträger. Der erfolgreiche, geschiedene Anwalt, der nicht über den Tod seines Sohnes hinwegkommt. Die Krankenschwester mit dem goldenen Herzen. Der eiskalte Verbrecher, der Pädos hasst. Wie oft haben wir das schon gelesen?

Und dass Sterns Jagd nach dem Mörder ihn zu einem weltweit operierenden Pädophilenring führt, ist auch nicht gerade neu. Zuletzt durfte ich das in den vergangenen Wochen in Mechtild Borrmanns „Morgen ist der Tag nach gestern“ (2007) und Nick Stones „Voodoo“ (Mr. Clarinet, 2006) lesen.

Aber „Das Kind“ ist spannend. Da jagt eine überraschende Wende die nächste und für Fitzeks Helden wird es auf jeder Seite immer schlimmer. Die Settings sind plastisch beschrieben. Die Geschichte bewegt sich in vielen kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektive schnörkellos voran. Das Ende bringt die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Ende und es gibt für Simon Sachs Wissen eine vernünftige und diesseitige Erklärung.

Insgesamt ist Fitzeks dritter Thriller „Das Kind“ das literarische Äquivalent zu einer Curry-Wurst.

 

 

Sebastian Fitzek: Das Kind

Droemer, 2008

400 Seiten

16,95 Euro

 

Homepage von Sebastian Fitzek

Das Alternative Reality Game „push11“


„Vanity Fair“-Hollywood-Ausgabe mit Hitchcock-Nachinszenierungen

Februar 11, 2008

Im neuen Vanity Fair (Nein, nein, nein, nicht im deutschen, im amerikanischen) gibt es eine Bilderstrecke, in der bekannte Schauspieler bekannte Szenen aus Alfred-Hitchcock-Filmen nachstellen. Sehen Sie sich das Retro-Vergnügen an – und erraten die Stars.


TV-Tipp für den 11. Februar

Februar 11, 2008

ZDF, 20.15

Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow

Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.

Auch die neueste Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf gehört zu den TV-Höhepunkten des Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.

„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)

Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg

ZDF über „Eine Stadt wird erpresst“


Bloody Cover

Februar 10, 2008

Zum siebten Mal kann das „Bloody Cover“ gewählt werden. Wie der englischsprachige Name eindeutig verrät, geht es um die Wahl des besten Titelbildes eines deutschsprachigen Kriminalromans. Zu den Titelbildern und zur anschließenden Wahl geht’s hier lang.


TV-Tipp für den 10. Februar

Februar 10, 2008

Arte, 22.45 (VPS 22.40)

Verdacht Kindesmissbrauch – Der Justizskandal von Worms (D 2007, R.: Jutta Pinzler, Dorothea Hohengarten)

Drehbuch: Jutta Pinzler, Dorothea Hohengarten

Was passieren kann, wenn nur der gute Wille Taten bestimmt, zeigt diese Doku: Mitte der Neunziger werden in Worms 25 Erwachsene angeklagt Kinder missbraucht zu haben. Während dem Prozess stellt sich heraus, dass die Ermittlungen schlampig geführt wurden. Die Angeklagten werden freigesprochen, aber ihre und die Leben zahlreicher weiterer Betroffener sind – wie die Doku zeigt – zerstört. Pinzler und Hohengarten gelang es für „Verdacht Kindesmissbrauch“ auch einige der Anklagten vor die Kamera zu bekommen.

Wiederholung:

Samstag, 23. Februar, 01.50 Uhr (VPS 01.55) (Taggenau!)

Arte zur Doku


TV-Tipp für den 9. Februar

Februar 9, 2008

Das Vierte, 22.00

Bad Company (USA 1995, R.: Damian Harris)

Drehbuch: Ross Thomas

Ex-Geheimagent Nelson Crowe heuert bei dem privaten Dienstleister “Grimes” an. „Grimes“ benutzt die während des Kalten Krieges erworbenen Fähigkeiten der Geheimagenten für neue Ziele. Schnell wird Crowe in ein nicht nur für ihn verwirrendes Spiel um Erpressung und Mord verwickelt.

Wäre wahrscheinlich als Roman besser gewesen.

Mit Laurence Fishburne, Ellen Barkin, Frank Langella

Hinweise:

Meine Besprechung von „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966) von Ross Thomas

Meine Besprechung von „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978) von Ross Thomas

Meine Besprechung des Romans „Gottes vergessene Stadt“ (The Fourth Durango, 1989) von Ross Thomas


Unsortierte Kurzmeldungen mit viel Stallone

Februar 8, 2008

„Rambo IV“ läuft in den deutschen Kinos in einer gekürzten Fassung. Wahrscheinlich wurde eine Minute herausgeschnitten. Schade, denn nach den bisherigen Meldungen scheint er wieder an den ersten Rambo-Film anzuknüpfen.

Ken Levine erklärt, was die Technischen Berater beim Film machen. Er greift dabei auf seine Erfahrung bei „M. A. S. H.“ zurück. Anfangs hatten sie einen Technischen Berater vom Militär, der ihnen lange Fachvorträge hielt. Innerhalb weniger Monate wurde er dann ‚zu Hollywood‘. Die Show scheint – im Gegensatz zu den neuen Arztserien – den medizinischen Teil fachlich richtig gezeigt zu haben. Das gleiche gilt für „CSI: Las Vegas“. Schön ist hier auch die Diskussion dazu und der Hinweis auf die Criterion-„Armageddon“-DVD und den Audiokommentar der Technischen Berater. Im Wesentlichen sagen sie wohl immer wieder: „Wir haben Michael Bay gesagt, dass das so nicht geht. Es war ihm egal.“

Markus Sakey (Der Blutzeuge) hat Barack Obama gewählt und erklärt es im „Outfit“:

I believe that Obama’s character is exactly what we need right now. Now perhaps more than ever in our history. Our role in the world is changing. Our internal systems are breaking down. We are divided and distrustful.

We need a leader of unquestionable intelligence who refuses to dumb down a position to a soundbite. We need a leader who is more interested in fixing America’s many problems than in sitting behind the big desk. We need a leader who dares tells us that we shouldn’t be afraid to hope.

Duane Louis (Swierczynski) , der Autor von „Blondes Gift“, hat seinen Brotjob gekündigt. In seinem Blog erklärt er warum (Tja, er will mehr schreiben.) und verlinkt zu einem Interview (So sieht er aus, wenn er in einem New Yorker TV-Studio sein Sherlock-Holmes-Rätselbuch vorstellt: Will you solve Sherlock’s Mystery?).

Die Februar-Ausgabe der Phantastik-Couch ist online mit Besprechungen von Joe Hill (Black Box, Kurzgeschichten) und William Gibson (Mustererkennung).

Bleiben wir in der Zukunft: eine nicht produzierte Version von „Demolition Man“ (der Action-Kracher in dem Stallone und Snipes sich verkloppen) ist online. Die Fassung vom 19. November 1992, geschrieben von Daniel Waters und Jonathan Lemkin scheint sich, so Donovan, sehr von dem Film zu unterscheiden: DEMOLITION MAN changed almost completely from its first draft before it made it to the screen. Different characters, different story, different genre, even a different “world”. Only Lenkov’s basic concepts (e.g. cryo-prison, cop vs psycho) survived.


TV-Tipp für den 8. Februar

Februar 8, 2008

RBB, 02.35

Berlinale Pressekonferenzen

Während der Berlinale zeigt der RBB jede Nacht, nach Mitternacht, vom Blitzlichtgewitter der Fotografen bis zur letzten Frage die Berlinale-Pressekonferenzen. Das ist dann jedes Mal ein Stück surreales Fernsehen. In den Pressekonferenzen sitzen Journalisten aus der ganzen Welt. Allein das führt schon zu einem lustigen Sprachwirrwarr, weil fast jeder in irgendeiner Fremdsprache herumdilettiert und Fragen und Antworten immer simultan übersetzt werden müssen. Verschärft wird die Situation durch die höchst ungleich verteilte filmische Kompetenz der Fragenden. Profis stehen neben seltsamen Gestalten, deren Filmwissen irgendwo zwischen ‚nicht vorhanden’ und ‚obskurstem Fantum’ angesiedelt ist. Das daraus entstehende Potpourri von Fragen ist entsprechend bunt. Die einen stellen informative Fragen zum Film. Die anderen sind an reinen Klatschgeschichten interessiert. Die letzten wollen einfach nur sagen: „Miss XXX (Name nach Belieben einfüllen), ich finde Sie wundervoll. Und ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns diesen Film geschenkt haben.“ Die Angesprochene nimmt, irritiert lächelnd, das Kompliment entgegen. Die neben ihr sitzende Regielegende (David Cronenberg? John Boorman? Claude Chabrol? Sidney Lumet? Martin Scorsese???) langweilt sich. Und wenn ihm dann nach gefühlten Stunden die erste Frage gestellt wird, wird nach seinem vor Jahrzehnten gedrehten Meisterwerk gefragt. Der Angesprochene versucht höflich auf seinen neuen Film hinzuweisen. Der Produzent (niemand kennt ihn) kämpft energisch mit einer Wasserflasche – und der Drehbuchautor wurde eh draußen gelassen.

Unbedingt einschalten!


Neu im Kino: Der Krieg des Charlie Wilson, Saw IV

Februar 7, 2008

Der Krieg des Charlie Wilson (USA 2007, R.: Michael Nichols)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: George Crile

Auf Tatsachen basierende, von der Kritik abgefeierte und für viele Preise nominierte Polit-Komödie über den liberal-demokratischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der in den Achtzigern half den afghanischen Widerstand gegen die Sowjets finanziell und mit Waffen zu unterstützten.

Ich denke, die Kritik von Lars Penning im „tip“ bringt das Problem der gut gespielten Komödie, die keine Satire ist, auf den Punkt: „Was will uns der Film mit seinen reaktionären Identifikationsfiguren eigentlich erzählen?“

Denn heute kennen wir die weitere Geschichte von Afghanistan, den Taliban und von Al-Qaida.

Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffmann

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Krieg des Charlie Wilson“

Drehbuch von Alan Sorkin (derzeit noch nicht verfügbar, aber Universal will es online stellen)

 

Saw IV (USA 2007, R..: Darren Lynn Bousman)

Drehbuch: Patrick Melton, Marcus Dunstan

„Saw IV“ –  so geschrieben wirkt der Horrormüll doch wirklich bedeutend. Dabei ist „Saw 4“ einfach nur ein weiterer Torture-Porn mit schnellen Schnitten, lauter Musik, Gewalt, Blut, Gekreische und Gekotze.

Fans dürfen sich schon jetzt auf „Saw V“ (Die Deutschlandpremiere ist für den 1. November angekündigt) freuen. „Saw VI“ undsoweiter wird’s auch geben. Denn solange die Kasse stimmt, ist Jigsaw unsterblich

Mit Tobin Bell, Costas Mandylor, Scott Patterson, Donnie Wahlberg, Dina Meyer, Angus Macfadyen

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Der offizielle „Saw“-Fanclub

House of Jigsaw (eine nicht so offizielle Fanseite) 

Film-Zeit über „Saw IV“

 


TV-Tipp für den 7. Februar

Februar 7, 2008

3sat, 19.20 (VPS 19.00)

Berlinale 2008 – Die Eröffnung

Live vom roten Teppich: Martin Scorsese und die Rolling Stones laufen drüber. Dieter Kosslick begrüßt sie – und einige andere Gäste. Die 58. Berlinale läuft bis zum 17. Februar. Das Programm können Sie unter anderem hier nachlesen:

Berlinale-Homepage

3sat zur Berlinale

Die Eröffnung gibt es bei 3sat auch als Livestream.


Langweiler über die böse Nahrungsmittelindustrie

Februar 6, 2008

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Cem Melou ist Facharzt für Physiologie und Ernährungsmediziner. Das wäre nicht wichtig, wenn sein Debüt „Toxische Killer“ nicht ein verkappter Ernährungsratgeber mit einer unglaubwürdigen Story wäre.

Bei einer Lebensmittelstudie treten bei einem Patienten Nebenwirkungen auf, die eine Genehmigung des Medikaments gefährden könnte. Also bringt der Konzern, anstatt bei ihm das Medikament abzusetzen, zuerst den auffälligen Probanten um und löscht dann alle seine Daten aus der Untersuchung. Etwas später bringen die Konzern-Killer die Leiterin des Projektes, weil sie geheime Unterlagen gefunden hat (Kleiner Tipp: Legen Sie Unterlagen, die nicht innerhalb weniger Sekunden auf ihrem PC gefunden werden sollen, auf der Festplatte nicht unter offensichtlichen Namen ab.), um. Doch die beiden Killer müssen, um die Interessen des Konzerns zu schützen, noch viel mehr Menschen umbringen. Nur ein kleiner Wiener Polizist stellt sich dem Weltkonzern entgegen.

Für Melou ist dieser Plot, der sich in dieser Zusammenfassung wie eine trashig-spaßige David-gegen-Goliath-Geschichte liest, nur das Mittel seine Botschaft über die richtige Ernährung zu verkünden. Deshalb repetiert er seitenlang sein Wissen und schreibt im Stil eines Lexikonartikels über die Wirkung von verschiedenen Drogen und tödlichen Giften. Das alles bringt die Geschichte nicht voran und hat in dieser Form in einem Roman nichts zu suchen. Denn wenn ich etwas über richtige und falsche Ernährung, über Drogen und Gifte, erfahren will, dann schnappe ich mir ein Fachbuch. In einem Roman muss es ein Teil der Geschichte sein. Sonst interessiert es nicht.

Die Geschichte von „Toxische Killer“, sogar wenn wir glauben, dass Nahrungsmittelkonzerne heimlich süchtig und krank machende Substanzen in Lebensmittel mischen, funktioniert nie, weil sie einfach nicht glaubwürdig ist. Denn ein multinationaler Konzern hat elegantere Möglichkeiten ein Problem zu beseitigen, als, wie in einem drittklassigen Krimi, einige Killer loszuschicken. Und ein Polizist, der nach Dienstende zu einem Selbstmord gerufen wird und Dokumente stiehlt, ist einfach nur ein tiefer Griff in die Klischeekiste. Dass am Ende die Bösen ihre Taten freiwillig gestehen, zeigt dann wieder einmal das schlechte Plotting von „Toxische Killer“. Denn bei Melou steht immer die Botschaft an erster Stelle.


Cem Melou: Toxische Killer

Pendragon, 2007

216 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Cem Melou

Interview mit Cem Melou


TV-Tipp für den 6. Februar

Februar 6, 2008

Das Vierte, 20.15

Atemlos vor Angst (USA 1977, R.: William Friedkin)

Drehbuch: Walon Green

LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)

Vier im lateinamerikanischen Dschungel gestrandete Existenzen erhalten die Chance auf einen Neuanfang. Sie müssen nur zwei mit Nitro bepackte Laster durch den unwegsamen Dschungel zu einer Ölbohrstelle fahren. Wer von ihnen wird den Höllentrip überleben?

Georges Arnauds kurzer, spannender Thriller wurde bereits 1952 als „Lohn der Angst“ erfolgreich verfilmt. Friedkins sträflich unterschätztes Remake konzentriert sich in der europäischen Version stärker auf die Spannungsmomente.

Die zeitgenössische Filmkritik verglich das Remake mit dem hochgeschätzten Original und verriss den Film ziemlich einhellig. Das Publikum sah sich lieber Weltraumschlachten an.

Für die europäische Auswertung wurde der Film vom Verleiher CIC um eine halbe Stunde gekürzt. Im Wesentlichen fiel der Prolog, in dem die einzelnen Charaktere vorgestellt werden, weg. Am schlechten Einspielergebnis änderte sich nichts.

Die Musik ist von Tangerine Dream.

Mit Roy Scheider, Bruno Cremer, Francisco Rabal, Amidou

Hinweise

UrbanCineFile über “Atemlos vor Angst” (Hintergründe zu den Dreharbeiten, den Schnitten und ein Gespräch mit William Friedkin)

Manifest – Das Filmmagazin: William Friedkin im Publikumsgespräch (anlässlich der Aufführung von „Bug“ in München)


Cover der Woche

Februar 5, 2008

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TV-Tipp für den 5. Februar

Februar 5, 2008

MDR, 20.45

Schrottklau – Die Jagd nach Altmetall (D 2007, R.: Holger Baars)

Doku über eine Wachstumsbranche mit einer geringen Aufklärungsquote. Baars begleitet den Bremer Polizisten Horst-Dieter Dunker auf der Jagd nach Menschen, die auch Gullydeckel klauen.


Die endgültige „Trias“-Teilkritik

Februar 4, 2008

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Der in der nahen Zukunft spielende Politthriller „Trias“ von Marc Kayser hat 560 Seiten. Auf Seite 171 zog ich die Reisleine. Doch schon nach den ersten Zeilen hätte ich das Buch zuklappen können: „Das Wetter war mies an diesem Novembertag. Vom nahen Grenzgebiet zu Polen zog Nebel Richtung Westen, der sich kalt und schwer auf die Straße legte.“ Das ist kein verheißungsvoller Anfang. Auf den nächsten vier Seiten wird es nicht besser. Ein Politiker lässt sich zu einem Treffen fahren. Nach vier Seiten fährt er in eine Sprengfalle und stirbt. Das ist ein Schock. Aber Schocks sind, weil sie unvermittelt kommen, nicht spannend. Spannend ist es, wenn die Explosion vorbereitet wird. Zum Beispiel indem erzählt wird, wie die Terroristen die Bombe befestigen und dann der Politiker auf die Fahrt in den Tod geschickt wird.

Doch das ist nicht ein missglückter Anfang, sondern – im gesamten ersten Teil von „Trias“ – ein durchgängiges Prinzip. Kayser hangelt sich, mit viel Leerlauf, von einer Überraschung zur nächsten, führt in epischer Breite eine Unzahl von verschiedenen Charakteren rund um den Globus ein, ohne etwas Wesentliches über sie zu verraten oder seine Geschichte zu erzählen. So hat wenige Seiten später die Bundeskanzlerin einen fast achtseitigen Auftritt, in dem einiges über die gesellschaftliche Lage (hat bis auf Seite 171 keine Bedeutung für die Handlung) und das geplante Abkommen „Trias“ (dito) verraten wird und sie am Ende vom Tod ihres Staatssekretärs erfährt. Bis Seite 171 ist diese Szene vollkommen unwichtig. Die Kanzlerin hat keinen weiteren Auftritt. Von ihren Aktionen nach dem Attentat erfahren wir nichts.

Kayser gelingt es mit den vielen, lieblos eingeführten Charakteren nur, einen spannungslosen Wust zu präsentieren, bei dem auch nach fast einem Drittel des Buches immer noch nicht deutlich wird, welche Geschichte Marc Kayser erzählen will.

Auf den ersten 170 Seiten von „Trias“ ist, auch dank des Klappentextes, nur erahnbar, dass es um ein geheimes Rohstoffabkommen geht, das in wenigen Wochen zwischen Amerika, Deutschland und Russland beschlossen werden soll. Terroristen (ob eine oder mehrere Gruppen ist unklar) haben, fast zeitgleich, den deutschen Verhandlungsführer und den stellvertretenden russischen Außenminister umgebracht. BKA-Ermittler Markus Croy glaubt, dass die Täter aus dem Osteuropäischen Raum kommen. Allerdings wollen auch – wahrscheinlich – verschiedene andere Gruppen und Staaten das Abkommen sabotieren. Da ist es gut, dass die Terroristen Croy aus nicht nachvollziehbaren Gründen in Prag umbringen wollen. Croy kann sich einen schnappen. Bei der Vernehmung hält er sich nicht lange mit Höflichkeiten auf, sondern foltert den Tschechen.

Diese vollkommen unmotivierte Folterszene zeigt wieder einmal, was Marc Kayser wahrscheinlich vorschwebt: ein deutsches „24“. Aber alles das, was in der erfolgreichen TV-Serie funktioniert, funktioniert in „Trias“ nicht.

 

Marc Kayser: Trias

Heyne, 2008

560 Seiten

9,95 Euro

 

Homepage von Marc Kayser

 

Lesung:

Dienstag, 5. Februar, 20.00 Uhr, Bertelsmann AG (Unter den Linden 1, Berlin)

Moderation: Hans-Ulrich Jörges (Stern)

Aus dem Roman liest Rainer Strecker


Zwei Hinweise: John-Harvey-Interview, Februar Krimi-Couch

Februar 3, 2008

Jetzt hat auch mich der normale Winterschnupfen erwischt. Das hat bei allen Nachteilen einen Vorteil: Ich habe eine gute Entschuldigung für meine Abwesenheit beim Rosenmontagszug.

Einer der Nachteile: meine für heute geplante Besprechung von Marc Kaysers Debüt „Trias“ erscheint später. Aber soviel kann schon verraten werden: der Politthriller hat mir überhaupt nicht gefallen. Die Berliner können sich am Dienstag, den 5. Februar, um 20.00 Uhr in der Bertelsmann AG (Unter den Linden 1) von den Qualitäten des Buches überzeugen.

Und nun zu den versprochenen Hinweisen:

Ali Karim redet mit John Harvey (und veröffentlicht es mit einer langen Einladung im Rap Sheet).

Die Februar-Ausgabe der Krimi-Couch ist online. Duane Louis (Swierczynski) wird abgefeiert. Ebenso C. J. Box, Gianrico Carofiglio und Marcus Sakey. Simon Brett nicht. Den Rest müssen Sie sich selbst ansehen.

Ich pflege jetzt meine Krankheit.


TV-Tipp für den 4. Februar

Februar 3, 2008

Das Vierte, 20.15

Nevada-Pass (USA 1976, R.: Tom Gries)

Drehbuch: Alistair MacLean

LV: Alistair MacLean: Breakheart pass, 1974 (Nevada-Pass)

1873 im Winter: Undercover-Agent Deakon muß während einer Zugfährt ein Komplott aufklären.

Der Krimi spielt zwar im Wilden Westen, aber McLean verbrät seine üblichen Ideen nur vor einer anderen Kulisse (Undercover-Agenten, große Verbrechen, Doppelspiele, Frauen – halt das, was wir auch von seinen Kriegs- und Agententhrillern kennen). Trotzdem ganz unterhaltsam.
Krimi-Autor Bill Crider schrieb im January Magazine über Detektive im Westen und dieses Buch: „There was a time when Scottish novelist MacLean was the premier thriller writer on both sides of the Atlantic. (Ask anyone who’s read some his early books, if you don’t believe that. Better still, read one yourself.) His forte was putting extremely competent heroes into situations that required physical strength, endurance and intelligence, and his plots were often quite complex mysteries. He was a little past his prime when he wrote Breakheart Pass, about an accused killer who’s taken on board a train loaded with medical supplies, relief troops and more than its fair share of troublemakers. Still, the book is a lot of fun, with one surprise after another (you never know just who’s on the side of the ungodly and who’s not in a MacLean novel), and enough action for two or three volumes. It rips along right until the breathless conclusion, and even the one embarrassing technical glitch probably won’t bother anyone too much.“

Mit Charles Bronson, Jill Ireland, Ben Johnson, Charles Durning, Richard Crenna, Ed Lauter

Hinweise:

Deutsche Alistair-MacLean-Fanpage

Krimi-Couch über Alistair MacLean

Kirjasto über Alistair MacLean


TV-Tipp für den 3. Februar

Februar 3, 2008

Tele 5, 22.30

Canyon Cop – Der Wind des Bösen (USA 1992, R.: Erroll Morris)

Drehbuch: Neal Jimenez, Eric Bergren

LV: Tony Hillerman: The dark wind, 1982 (Der Wind des Bösen)

Im Navajo-Reservat wird ein Bewohner ermordet und ein Flugzeug stürzt ab. Der indianische Polizist Jim Chee ermittelt.

Durchaus sehenswerte Hillerman-Verfilmung, die allerdings nicht vollständig die Faszination der Vorlage für die fremde Welt der Navajos einfangen kann. Denn zu unverbunden stehen im Film die Mythen und Riten der Indianer neben der alltäglichen Polizeiarbeit.

Tony Hillerman begann in den frühen Siebzigern die Polizeiromane mit Jim Chee und Joe Leaphorn zu schreiben, weil er der Welt Informationen über das Leben der Indianer unterhaltsam verkaufen wollte. Über die Jahre wurde er zum Chronisten einer untergehenden Kultur.

Mit Lou Diamond Phillips, Fred Ward, Gary Farmer, Guy Boyd

Hinweise:  

Homepage von Tony Hillerman

Homepage über Tony Hillerman

PBS über Tony Hillerman 

Dancing Badger (ein zunehmend enttäuschter Fan) über Tony Hillerman

Tobias Gohlis besucht 1998 Hillerman-Land: „Der Stolz der Navajos“

Krimi-Couch über Tony Hillerman