TV-Tipp für den 2. Februar

Februar 2, 2008

Sat.1, 00.15

Driver (USA 1979, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill

Nachdem einige den Noir-Roman “Driver” von James Sallis mit dem in Deutschland gleichnamigen Film von Walter Hill verglichen, gibt es jetzt wieder die Gelegenheit, den Neo-Noir anzusehen.

Die einfache Story: Ein Polizist will einen Fluchtwagenfahrer schnappen. Dabei scheut er auch nicht vor illegalen Methoden zurück.

„The Driver is the ultimate urban thriller.“ (Philip French, Radio Times)

Hill lässt seine existenzialistische Geschichte hauptsächlich im nächtlichen Los Angeles spielen, die Charaktere haben keine Namen, reden wenig und die Action-Szenen (natürlich vor allem in zu schnell fahrenden Autos) beanspruchen einen großen Teil von Walter Hills zweitem Film. Nach „Driver“, „Die Warriors“, „Long Riders“ und „Die letzten Amerikaner“ wurde er als wichtigster Action-Regisseur der achtziger Jahre gehandelt. Und dann kam „Nur 48 Stunden“.

Mit Ryan O’Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley

Weitere Informationen:

IGN über Walter Hill


Nominierungen, Preise, Wahre Worte und der „Big Thrill“

Februar 1, 2008

Für den diesjährigen Hammett-Preis sind diese Werke nominiert:

 

Gil Adamson, The Outlander

Michael Chabon, The Yiddish Policemen’s Union: A Novel

Michael Dibdin (1947-2007), End Games: An Aurelio Zen Mystery (Sterben auf Italienisch)

Katie Estill, Dahlia’s Gone: A Novel

Martin Cruz Smith, Stalin’s Ghost: An Arkady Renko Novel (Stalins Geist)

 

Der Preis wird von der nordamerikanischen Sektion der International Association of Crime Writers für besonders gute von US-amerikanischen und kanadischen Autoren geschriebene Kriminalromane vergeben. Der Preisträger wird im Juni auf der Bloody Words Conference in Toronto verkündet.

(via Sarah Weinmann)

 

 

Der Publikumspreis Spinetingler ist vergeben. Die glücklichen Gewinner sind:

 

Best Novel, Legend: Laura Lippman: What the Dead Know

 

Nominiert:

Ken Bruen: Cross

Ken Bruen: Priest

James Lee Burke: The Tin Roof Blowdown

Ian Rankin: The Naming of the Dead (Im Namen der Toten)

James Reasoner: Devil’s Dust

 

Best Novel: Rising Star: Sean Doolittle: The Cleanup

 

Nominiert:

Charlie Huston: The Shotgun Rule

Larry Karp: The Ragtime Kid

Rick Mofina: A Perfect Grave

P. J. Parrish: A Thousand Bones

Steven Torres: Concrete Maze

 

Best Novel: New Voice: Allan Guthrie: Hard Man

 

Nominiert:

Megan Abbott: Queenpin

Declan Burke: The Big O

Steve Mosby: The 50/50 Killer (Der 50/50-Killer)

J. D. Rhoades: Safe and Sound

Duane Swierczynski: The Blonde (Duane Louis: Blondes Gift)

 

Best Publisher: Bitter Lemon Press

 

Nominiert: Europa Editions; Hard Case Crime; Poisoned Pen Press; Text Publishing

 

Best Cover: Allan Guthrie: Hard Man (gestaltet von Vaughn Andrews; Foto von Corbis)

 

Nominiert:

Robert Terrall: Kill Now, Pay Later (gezeichnet von Robert McGinnis)

Gil Brewer: The Vengeful Virgin (gezeichnet von Greg Manchess)

George Axelrod: Blackmailer (gezeichnet von Glen Orbik)

Nick Stone: Mr. Clarinet (gestaltet von Emily Cavett Taff)

 

Best Editor: Stacia Decker, Harcourt

 

Nominiert: Charles Ardai, Hard Case Crime; Alison Janssen, Bleak House; Barbara Peters, Poisoned Pen Press; and Dave Thompson, Busted Flush

 

Special Services to the Industry: Daniel Hatadi von Crimespace

 

Nominiert: Ali Karim of Shots und The Rap Sheet; Graham Powell von CrimeSpot; J. Kingston Pierce von The Rap Sheet; Maddy Van Hertburger von 4MA; Sarah Weinman von Confessions of an Idiosyncratic Mind

 

Best Short Story on the Web:Seven Days of Rain,” by Chris F. Holm (Demolition)

Nominiert:

Charles Ardai: The Leap (Hardluck Stories)

Stephen Blackmoore: Breaking in the New Guy (Demolition

Nathan Cain: Amphetamine Logic (ThugLit

Lyman Ferro: The Switch (ThugLit)

Gerri Leen: Shared Losses (Shred of Evidence)

Amra Pajalic: The Living Dead (Spinetingler)

Kelli Stanley: Convivum (Hardluck Stories)

(via The Rap Sheet)

 

 

Dieter Paul Rudolph schreibt wahre Worte über Leserreaktionen auf Verrisse. Schade, dass Künstler, deren Freunde und Fans den Kritiker immer nur dann als inkompetent beschimpfen, wenn er schreibt, das Werk sei schlecht. Denn es wäre doch schön, wenn nach einer inkompetenten Lobhudelei der Künstler sich meldet und – – – Ach, das wird ein Traum bleiben.

 

 

Kein Traum ist die Februar-Ausgabe von The Big Thrill. Dieses Mal mit G. M. Ford (sein erster Standalone ist draußen), James O. Born, Peter May, Alex Berenson (sein Edgar-prämiertes Debüt „Kurier des Todes“ erschien jetzt auf Deutch) und Gespräche mit Michael Palmer und Tess Gerritsen.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 1, 2008

Ihr kennt das Spiel. Hier der textlastige Anfang; den wünderschön bebilderten Rest gibt es bei den Alligatorpapieren:

In den kommenden beiden Wochen gibt es eine James-Bond-Filmnacht, endlich wieder Erroll Morris‘ Tony-Hillerman-Verfilmung „Canyon Cop – Der Wind und der Löwe“, Joseph Sargents John-Godey-Verfilmung „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“, die unterschätzte Georges-Arnaud-Verfilmung „Atemlos vor Angst“ von William Friedkin, Claude Pinoteaus Francis-Ryck-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“ (mit Lino Ventura), Damian Harris‘ „Bad Company“ (nach einem Drehbuch von Ross Thomas), Dominik Grafs „Eine Stadt wird erpresst“ (nach einem Drehbuch von Rolf Basedow), Michael Manns Frank-Hohimer-Verfilmung „Der Einzelgänger“, Sidney Lumets Lawrence-Sanders-Verfilmung „Der Anderson-Clan“ (mit Sean Connery), Jean Beckers Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Ein mörderischer Sommer“, Stanley Kubricks Lionel-White-Verfilmung „Die Rechnung ging nicht auf“ und die sehenswerte Doku „Denn sie kennen kein Erbarmen“ über den Italo-Western.
Für die Freunde des schlechten Films gibt es diese zweifelhaften Vergnügen: „Der Schakal“ (soll auf dem Frederick-Forsyth-Roman basieren), „Sanders und das Schiff des Todes“ (Edgar Wallace hat nichts mit diesem Film zu tun), „Rette deine Haut, Killer“ (Jean-Patrick Manchette nahm das Geld und rannte weg), „Be Cool“ (Elmore Leonard tat das gleiche) und „Tatort: Aus der Traum“ (nicht alles von Fred Breinersdorfer ist gut).


Kein Buch für mich

Februar 1, 2008

borrmann-morgen-ist-der-tag-nach-gestern.jpg

Mechtild Borrmanns „Morgen ist der Tag nach gestern“ wurde von etlichen Kollegen gelobt (hier, hier, hier, hier, hier, hier). Deshalb quälte ich mich durch die ersten Seiten und hoffte, dass es besser würde. Borrmann schreibt nämlich im nicht nur von mir sehr ungeliebten Präsens. Denn es ist schwierig ist, in dieser Erzählzeit elegant und natürlich zu formulieren. Darum sind die meisten Geschichten in der Vergangenheitsform geschrieben. Sie eröffnet einen viel größeren sprachlichen Raum. Allein schon das Ankündigen von zukünftigem Unheil ist ein wirksames Mittel die Spannung zu steigern und die Lesenden emotional in die Geschichte einzubinden.  

Im weiteren Verlauf der Geschichte geht Borrmann mit dieser nicht sehr lesefreundlichen Erzählzeit ganz gut um. Aber dafür ist die aus drei Perspektiven erzählte Geschichte langweilig und immer wieder nicht besonders plausibel.

Das Ferienhaus des vermögenden Gustav Horstmann brennt ab. Als in der Brandruine nacheinander zwei Leichen gefunden werden, beginnt Kommissar Peter Böhm den Mörder zu suchen. Kurz darauf werden auf Horstmanns im Keller stehenden PC pornographische Bilder von vermissten Kindern gefunden. Zur gleichen Zeit beobachtet Nachbar Frank Zech die Aufräumarbeiten und Unternehmer Wolfgang Wessel schreibt ein Geständnis auf.

Diese drei Erzählstränge plätschern, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen, vor sich hin und treffen erst am Ende so halbwegs aufeinander. Die Lösung, also wer warum die Morde verübte und den Brand verursachte, ist letztendlich nicht sonderlich überraschend, wenn man erfährt, dass Zech das abgebrannte Haus hütete und Wessels minderjährige Tochter seit Jahren verschwunden ist. Beides verrät Borrmann schon sehr früh.

Weil ich bei einem Roman allerdings in erster Linie unterhalten werden möchte, wäre auch das nicht so schlimm, wenn die drei Handlungsstränge wenigstens ein interessantes Eigenleben hätten. Wenn also jeder einzelne Charakter ein klar erkennbares Ziel (Und wenn es nur ein Glas Wasser ist.) erreichen möchte. Doch dem ist nicht so. Sie haben keine Ziele, damit gibt es auch keine Konflikte, die die Geschichte voranbringen, und deshalb sind sie mir alle ziemlich egal.

Dafür gibt es Klischees (Warum müssen die Polizisten immer Essen, wenn eine Leiche entdeckt wird?), dramaturgischen Leerlauf (Zum Beispiel der erste Auftritt der Polizisten.) und unglaubwürdige Szenen (Wenn das Geständnis der Prostituierten nicht auf den letzten Seiten des Romans gewesen wäre, hätte ich das Buch verärgert in eine Ecke geworfen.).

„Morgen ist der Tag nach gestern“ mit seiner missglückten Mischung aus Polizei- und Psychokrimi hielt am Ende genau das, was mir die ersten Seiten signalisierten: Das ist kein Buch für mich.

 

 

Mechtild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern

Pendragon, 2007

224 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Mechtild Borrmann


TV-Tipp für den 1. Februar

Februar 1, 2008

Das Vierte, 20.15

Robin und Marian (USA 1976, R.: Richard Lester)

Drehbuch: James Goldman

Nach zwanzig Jahren und zahllosen Kämpfen für seinen König kehrt Robin Hood nach Sherwood Forest zurück. Dort unterdrückt der Sheriff von Nottingham immer noch die arme Bevölkerung und Maid Marian, inzwischen Äbtissin, will erobert werden. Also machen Robin, der Sheriff und die Maid da weiter, wo sie vor zwanzig Jahren aufgehört haben.

Die Geschichte von Robin Hood ist bekannt. Aber Richard Lester, der bereits den drei Musketieren neue Nuancen hinzufügte, machte aus der altbekannten Geschichte einen Abgesang auf den Helden, der einige Jahre älter und zahlreiche Illusionen ärmer ist

„Es muss Richard Lester und seinem Drehbuchautor James Goldman diebisches Vergnügen bereitet haben, die bekannten Charaktere gegen den Strich zu inszenieren, ihnen ein gegenteiliges Image zu verpassen. (…) Der ungewönlichste aller Robin-Hood-Filme.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery)

Mit Sean Connery, Audrey Hephurn, Robert Shaw, Richard Harris, Nicol Williamson, Ian Holm

Hinweise:

Senses of Cinema (Peter Tonguette) über Richard Lester

Turner Classic Movies (Eleanor Quin) über “Robin and Marian”

Ein Ausschnitt über das Drehbuchschreiben aus dem Vorwort von James Goldman aus dem publizierten Drehbuch “Robin and Marian”