Stubenhocker zocken Las Vegas ab

„Für mich jedoch war die Realität selten interessant genug, um an die Stelle der Fiktion zu treten.

Aber als Kevin zu erzählen begann, konnte ich fühlen, wie sich mir die Haare im Nacken aufstellten. (…) Kevins Geschichte [besaß] sämtliche Elemente eines Bestsellers und Kinothrillers – und sie war wahr. Er hatte alles selbst erlebt, jede Minute davon, und er war bereit, mich all das aufs Papier bringen zu lassen.“

Ben Mezrich in „21“

„Die schlauen Kinder zog es zur Wall Street, zum Jurastudium, oder sonst was. Noch schlauere Kinder dachten, sie könnten in Vegas weit mehr absahnen.“

Damon Zimonowski in „21“

Ben Mezrich hatte bereits einige Thriller geschrieben, als er Kevin Lewis traf und er ihm sagte, sein Leben gäbe ein gutes Buch ab. Beide hatten sich in den Neunzigern ab und zu getroffen. Doch während Mezrich sich in eine Fantasiewelt flüchtete, studierte Kevin Medizin. An einem Juniabend 1994 luden ihn seine Kumpels Jason Fisher und Andre Martinez zu einem Ausflug nach Atlantic City ein. Fisher und Martinez sind, wie alle MIT-Studenten, hochintelligent. Aber sie haben ihr Studium geschmissen und Geld wie Heu. In Atlantic City beginnen die beiden Kevin in die Welt der professionellen Kartenspieler einzuführen. Denn alle drei sind Mathegenies und Blackjack (bei uns bekannt als „Siebzehn und Vier“) ist ein Kartenspiel, bei dem, im Gegensatz zu anderen Spielen, mit dem richtigen System gewonnen werden kann.

Kevin ist fasziniert von der fremden Welt. Er wird in den geheimen Zirkel des geschassten MIT-Professors Micky Rosa, der inzwischen sein Leben dem Blackjack gewidmet hat, aufgenommen. Rosa leitet eine Gruppe von Studierenden, die unter verschiedenen falschen Identitäten in den Kasinos spielen und hohe Gewinne für eine unbekannte Gruppe von Geldgebern machen. Kevin wird der neue Star in dem Team und innerhalb weniger Monate erleichtern sie die Kasinos, vor allem in Las Vegas, um Millionen. Die Kasinos wollen sich das nicht gefallen lassen – obwohl das von Kevin und seinen Freunden angewandte Kartenzählen nicht illegal ist.

Jahre später traf Kevin Lewis (der Name ist das Pseudonym von Jeff Ma) Ben Mezrich und erzählte ihm seine Geschichte. Denn, so vermutet Mezrich, Lewis wollte endlich die Geschichte von seinem Doppelleben erzählen. Einem Doppelleben, bei dem die MIT-Studenten mit falschen Pässen, Verkleidungen und Dollarmillionen (Bargeld natürlich) wie Verbrecher agierten, ohne jemals gegen Strafgesetze zu verstoßen.

Außerdem ist die Geschichte von Kevin Lewis die klassische Geschichte vom Kampf eines Davids gegen Goliath, ein Entwicklungsdrama und ein faszinierender Einblick in die Welt professioneller Glücksspieler.

Mezrich schrieb diese Geschichte in einem flott zu lesenden Buch nieder, das sich etliche Freiheiten bei Namen, Orten und Ereignissen nimmt. Die Originalausgabe enthält deshalb den Hinweis, den wir im Abspann von jedem Biopic lesen und somit ist „21“, wie auch Drake Bennett im „Boston Globe“ schreibt, ein von wahren Ereignissen inspirierter Roman.

Dennoch stürmte „Bringing down the house“ als Sachbuch die New-York-Times-Bestsellerliste und wurde jetzt, natürlich noch freier, als „21“ verfilmt. In den USA führt das hochkarätig besetzte Spielerdrama derzeit die Kinocharts an.

Drei Jahre nach „21“ erzählte Mezrich in „Breaking Vegas: The Sequel to Bringing Down the House“ die Geschichte eines anderen MIT-Studenten, der die Kasinos mit einem besseren Kartenzählsystem um noch mehr Geld erleichterte. Dieses Sequel soll näher an der Wirklichkeit sein.

„Merken Sie sich, dass Kartenzählen nichts mit Glücksspiel zu tun hat. (…) In meinen fünf Jahren des Blackjack-Spielens hatte unser Team kein einziges Jahr mit Verlust gearbeitet. Tatsache ist, dass wir kein einziges Jahr hatten, in dem wir für unsere Investoren weniger als 30 Prozent Rendite erwirtschafteten.

Finden Sie mal einen Börsenmakler, der das von sich behaupten kann!“

Kevin Lewis in „21“

Ben Mezrich: 21

(übersetzt von Danine-Isabelle Garbs, Markus Montz, Jörg Lüdemann)

Heyne, 2008

352 Seiten

7,95 Euro

Originaltitel

Bringing down the house – The Inside Story of Six M.I.T. Students Who Took Vegas for Millions

Arrow Books, 2002

Neuauflage unter dem Filmtitel “21”

Hinweise

Homepage von Ben Mezrich

Jeff Ma’s World of Gambling

Drake Bennett: House of Cards (The Boston Globe, 6. April 2008; eine lesenswerte Reportage über “Bringing down the house” und die von Mezrich vorgenommenen Fiktionalisierungen)

Kriminalakte über die Verfilmung „21“ (mit filmspezifischen Links)

2 Responses to Stubenhocker zocken Las Vegas ab

  1. […] Meine Besprechung von „21“ von Ben Mezrich […]

  2. […] LV: Ben Mezrich: Bringing down the House, 2002 (Neuveröffentlichung zum Film unter „21“, deutscher … […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: