Boston Legal: Die Neue und das Biest (USA 2007, R.: Bill D’Elia)
Drehbuch/Erfinder David E. Kelley
Nach einer fast zweijährigen Pause geht’s heute mit der vierten Staffel von „Boston Legal“ auf einem doch ziemlich schlechten Sendeplatz weiter. Denn ich dachte, dass „Boston Legal“ eine gute Quote hatte.
Es gibt einige neue Gesichter, aber sonst bleibt in dieser sehr seriösen Kanzlei Crane, Poole & Schmidt alles beim alten.
Mit James Spader (Alan Shore), John Larroquette (Carl Sack), Christian Clemenson (Jerry Espenson), Gary Anthony Williams (Clarence/Clarice Bell), Tara Summers (Katie Lloyd), Saffron Burrows (Lorraine Weller), Candice Bergen (Shirley Schmidt), William Shatner (Denny Crane)
Das Geheimnis der Frau in Weiß (USA 1948, R.: Peter Godfrey)
Drehbuch: Stephen Morehouse Avery
LV: Wilkie Collins: The woman in white, 1860 (Die weiße Frau; Die Frau in Weiß)
England, um 1850: Ein Erbschleicher will mit allen Mitteln an das Vermögen einer jungen Gutsbesitzerin.
Gelungene Verfilmung des viktorianischen Kriminalromans mit einem alles beherrschenden Sidney Greenstreet als Schurken. Und Max Steiner schrieb die Musik.
Mit Sidney Greenstreet, Alexis Smith, Eleanor Parker, Gig Young, Agnes Moorehead, John Abbott, John Emery, Curt Bois
Es geschah am hellichten Tag (D 1958, R.: Ladislao Vajda)
Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kommissar Matthäi sucht den Mörder eines neunjährigen Mädchens.
Allseits bekannter Krimiklassiker mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Siegfried Lowitz. Auch das Ausland war von dem Film begeistert: „Unter der hervorragenden Regie von Ladislao Vajda wird die Handlung pausenlos in einem unbarmherzigen und beklemmenden Tempo gesteigert und ist getragen von einem Dialog, der vor Gescheitheit blitzt und nur gelegentlich durch die, dem Dichter eigene, Melancholie gebremst wird.“ (Aufbau, New York, 1960)
Dürrenmatt war mit dem Ende des Filmes unzufrieden. Sein „Buch zum Film“ hat daher ein pessimistisches Ende
Die Nordsee-Zeitung hat sich mit den Drehbuchautoren Benedikt Röskau und Syliva Leuker unterhalten. Der aktuelle Anlass waren ihre Filme „Faktor 8“ und „Über den Tod hinaus“. Aber es wird auch über andere Dinge gesprochen.
Röskau: Authentizität ist uns enorm wichtig. Das erwarten die Leute in erzählerischen Medien. Selbst ein Film wie „Wickie und die starken Männer“ muss eine gewisse Authentizität haben. Man sieht dann eben nicht den Wikinger, sondern den eigenen Chef in diesem oder jenem grobschlächtigen Kerl. Bei „Faktor 8“ war mir zum Beispiel wichtig, dass nicht amerikanisiert wurde und das Geschehen in einem Airbus spielt. Man spürt einfach, dass das ein deutsches Flugzeug ist.
–
Der Independent hat mit Philip Kerr über seine derzeitige Lektüre, sein Schreibzimmer und Vorbilder gesprochen.
–
Financial Times mit Ian Banks (der sich bei uns als SF- und Thriller-Autor nie so richig durchsetzen konnte.). Unter anderem über sein Tagespensum:
In theory, yes; I start at 9am and finish at 5pm, five days a week, for two or three winter months. In practice, a lot gets done between 4am and 8am. Then I go back to bed.
–
Bei Random House erzählt James Ellroy einiges über sein neues Buch „Blood’s a rover“:
Truth be told, it’s markedly less complex than The Cold Six Thousand and slightly more complex than American Tabloid. The historical period–1968-1972–is less iconic than the periods covered in the first two books; thus, I had greater latitude to fictionalize. Again, this is a novel of outward revolution and revolution of the soul. There is greater dialectic in this novel than in my previous twelve novels combined. How did I keep the storyline straight? I wrote a 397-page outline, that laid out the action, down to the most minute detail. Meticulousness, diligence, profoundly rigorous work habits all contributed to the greatness of this novel.
Comics am Bildschirm lesen ist zwar blöd, aber bei Tim Hamiltons Adaption von Ray Bradburys Klassiker „Fahrenheit 451“ machen wir eine Ausnahme: Teil 1, Teil 2 – und den dritten Teil gibt es am Dienstag bei Tor (die den Oktober zum Steampunk-Month erklärt haben).
Krieg der Sterne – Special Edition (USA 1977/1997, R.: George Lucas)
Drehbuch: George Lucas
Darth Vader entführt Prinzessin Leia. Der Jüngling Luke Skywalker macht sich auf den Weg, sie aus den Fängen des Bösewichts zu retten.
Heute wird die vor über zehn Jahren von George Lucas himself digital aufgepeppte Version seines Klassikers gezeigt. Naja, immerhin besser als nichts.
Die zeitgenössische Kritik war nicht amüsiert („Ramschladen“ [Der Spiegel], „ein Verbrechen“ [Film und Fernsehen], „Star Wars offenbart sich als ein Film, der den Zuschauer in seinen Ängsten gefangenhalten will, um ihm eine affirmative Haltung zur Macht zu erleichtern.“ [SF-Baustelle], „Star Wars gehört zu jenen zahllosen Filmen, die das Publikum unmündig halten wollen.“ [Science Fiction Times]).
Variety meinte: „An der Kinokasse dürfte der Film, der potentiell alle Altersgruppen anspricht, zauberhafte Ergebnisse erzielen.“
Das Werk wurde ein Blockbuster.
„Im nachhinein ist es einfach, die Schwachstellen in Krieg der Sterne zu finden: Er ist mehr naiv als unschuldig erzählt; er arbeitet nicht mit Andeutungen, sondern mit geklauten Ideen. (…) Kurz gesagt, ist Krieg der Sterne eine durchdacht hergestellte Märchengeschichte, die sorgfältig aus Stücken seiner Hauptinspiration Rocket Ship (Flash Gordon, 1936) und zahlreichen anderen Filmen und Serien zusammengefügt ist, die trotz ihrer herrlichen Verrücktheiten mit einigen Ausnahmen (für die Flash Gordon das beste Beispiel ist) ihre bizarren Plots in eine Moral packten, die weitaus enger gefasst war als die in alten Märchengeschichten. (…) Krieg der Sterne ist ein erheiternder Film.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie)
Nicht erstaunlich ist, dass „Krieg der Sterne“ 1978 einen Hugo gewann. Erstaunlich ist aber die Drehbuchnominierung der Writers Guild of America. Nicht, dass das Buch nominiert wurde, sondern dass es in der Kategorie „Best Comedy Written Directly for the Screen“ nominiert wurde.
Obwohl – witzig ist der „Krieg der Sterne“ schon. Irgendwie.
Anschließend läuft „Star Wars – Ein Blick in die Zukunft“ (USA 2005)
Mit Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Peter Cushing, Alec Guiness, Anthony Daniels, Kenny Baker, David Prowse, Peter Mayhew, Phil Brown
Seit gut vier Jahrzehnten erhält Henrik Vanger jedes Jahr zu seinem Geburtstag in einem austauschbaren, billigen Bilderahmen eine gepresste Blume. Das Geschenk erinnert ihn immer wieder an seine Lieblingsnichte Harriet Vanger. Sie verschwand am 22. September 1966 spurlos von der Insel, auf der das Anwesen der Vanger-Familie ist. Der inzwischen 82-jährige Firmenmogul Henrik Vanger glaubt, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.
Jetzt beauftragt er den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist mit Recherchen in diesem Fall. Blomkvist, der gerade wegen schlampiger Recherchen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, nimmt den Auftrag an. Aber seine Recherchen machen erst richtige Fortschritte, als er beginnt mit der Hackerin Lisbeth Salander zusammen zu arbeiten. Über eine in Harriet Vangers Tagebuch enthaltene verschlüsselte Liste kommen sie auf die Spur eines Serienkillers, der seit 1949 Frauen bestialisch ermordet und ein Mitglied der Familie Vanger ist.
Der Roman
Seit vier Jahren verkauft sich der gut siebenhundertseitige Roman von Stieg Larsson, zuerst in seiner Heimat, dann in Europa und inzwischen auch in den USA, wie geschnitten Brot und Kritiker feiern „Verblendung“ und die beiden Folgeromane „Verdammnis“ und „Vergebung“ ab. Larsson selbst hatte allerdings nichts von diesem Erfolg, weil er bereits vor der Publikation von „Verblendung“ überraschend starb und so aus der von ihm auf zehn Romane angelegten „Millennium“-Serie (so heißt die Zeitung für die Blomkvist arbeitet) mit dem Journalisten Mikael Blomkvist und seiner deutliche jüngeren Gehilfin Lisbeth Salander zur „Millennium“-Trilogie schrumpfte.
Dabei ist der Erfolg von „Verblendung“ rätselhaft. Der Roman liefert reichlich Anlass für Kritik. Larsson ist nämlich ein unglaublich weitschweifiger Erzähler, der anscheinend seine gesamten Notizen und Hintergrundgeschichten zu den Charakteren in den Roman einfügen musste.
So dauert es hundert Seiten, bis sich Henrik Vanger und Mikael Blomkvist zum ersten Mal begegnen und Vanger sein Anliegen vorbringt. Zur Tarnung soll Blomkvist die Geschichte der Familie Vanger aufschreiben. Das ermöglicht Larsson, ausführlich in vergangenen Jahrhunderten und vor allem den Verstrickungen der Vangers mit den Nazis herumzuwühlen. Für die Frage, wer Harriet Vanger ermordet hat, bringt das nichts. Auch bis Blomkvist und Salander sich zum ersten Mal begegnen, vergeht viel Lesezeit. Bis dahin haben wir so ungefähr alles über sie erfahren: wie sie ihren jetzigen Job bekommen hat, was ihr Chef von ihr hält, wie ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist, wie sie lebt, wie sie von der einen Pflegefamilie zur nächsten geschickt wurde, wie sie mit ihrem ersten richtigen Vormund zurecht kam und wie sie sich mit ihrem neuen Vormund (einem sexistischen Schwein) arrangiert. Das alles ist reines Hintergrundmaterial, das die Handlung nicht voranbringt, in der Häufung fast nichts über den Charakter Salander verrät und auch die spätere Handlung nicht beeinflusst. Andere Charaktere, wie der über viele Seiten eingeführte Chef von Salander und ihr neuer Vormund verschwinden irgendwann einfach aus der Geschichte.
Nachdem die Mordermittlungen ungefähr in der Buchmitte endlich an Dynamik gewinnen, sind sie schnell abgeschlossen. Auf Seite 511 ist der Mörder enttarnt und auf Seite 541 tot.
Die restlichen 150 Seiten füllt Larsson vor allem mit dem Kampf von Blomkvist gegen den Industriellen Hans-Erik Wennerström um seine Rehabilitierung. Das ist aber eine vollkommen andere Geschichte, die vor allem nach der Enttarnung eines Serienkillers, nur mäßig interessant ist.
Wenn „Verblendung“ kein Roman, sondern eine TV-Serie wie „Lost“, „Prison Break“ (vor allem in der ersten Staffel) oder „24“ wäre, würde ich sagen, dass die Autoren im Lauf der Staffel bemerkten, dass einige Charaktere die Geschichte doch nicht voranbringen und deshalb fallengelassen wurden und sie am Ende bemerkten, dass sie für die restlichen Folgen, weil sie in ihrer Dusseligkeit den Bösewicht umgebracht hatten, noch schnell eine neue Geschichte erfinden mussten.
Der Film
Für die Verfilmung machten die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg dann die Arbeit, die Stieg Larsson hätte tun müssen. Sie entfernten etliche überflüssige Subplots (wie die Erstellung der Vanger-Familienchronik, den Kampf um das Überleben der Zeitschrift „Millennium“ und die Suche nach dem Maulwurf in der Redaktion), im Nichts endende Expositionen (wie die seitenlange Einführung von Salanders Chef, Salanders Biographie und wie ein alter Freund Blomkvist die ersten Informationen über Wennerströms krumme Geschäfte gibt) und einige unwichtige Charaktere.
Sie konzentrierten sich auf die Suche nach Harriet Vangers Mörder. Sie verdichteten. Sie dramatisierten. Zum Beispiel ist die erste Kontaktaufnahme von Blomkvist und Salander im Film anders als im Buch. Im Buch empfiehlt der Anwalt der Familie Vanger Blomkvist Lisbeth Salander als Rechercheurin. Im Film nimmt sie per E-Mail Kontakt zu Blomkvist auf und sagt ihm, was die kryptischen Buchstaben und Zahlen in Harriet Vangers Tagebuch bedeuten. So ist Salander im Film von Anfang an stärker als im Roman an einem erfolgreichen Abschluss der Recherche interessiert. Auch die Recherchen von Blomkvist verlaufen im Film etwas anders und glaubwürdiger als im Buch.
Arcel und Heisterberg erzählen konzentriert eine Geschichte, mit einigen Abschweifungen. Niels Arden Oplev inszenierte sie fast schon schmucklos-spartanisch. Denn es gibt keine kostspieligen Szenen. Er verzichtete auf modische Spielereien, wie die derzeit angesagte Wackelkamera und Sekundenschnitte. Er lässt sich Zeit, beobachtet seine, bei uns bis auf Peter Haber (Kommissar Beck), unbekannten Schauspieler und löst Szenen meisten klassisch in Schuss/Gegenschuss auf. Nur die an aktuelle US-Krimiserien erinnernden Montagen, bei den Recherchen von Blomkvist/Salander erinnern an aktuelle Trends.
„Verblendung“ ist ein guter Krimi, der trotz seiner Länge von 150 Minuten kurzweilig unterhält. Im Kino wirkt er allerdings auch immer wie ein TV-Zweiteiler, der irrtümlich im Kino gezeigt wird. Denn der auch im Film ausführlich geschilderte Subplot von Lisbeth Salanders Kampf gegen ihren neuen Betreuer und der sehr lange Epilog gehorchen den Gesetzen eines TV-Zweiteilers. Im ersten Teil werden die beiden gleichberechtigten Protagonisten Blomkvist und Salander vorgestellt. Am Ende des ersten Teils begegnen sie sich erstmals (also nach ungefähr 75 Filmminuten) und im zweiten Teil jagen sie gemeinsam den Serienmörder.
Obwohl ich sonst nie Punkte vergebe, würde ich „Verblendung“ ohne zu zögern als Kinofilm 8/10 und als TV-Zweiteiler 10/10 Punkten geben. Dem Roman…deutlich weniger.
Die zweite Larsson-Verfilmung „Verdammnis“ ist für Februar 2010 angekündigt und „Vergebung“ ist für Sommer 2010 geplant. Michael Nyqvist und Noomi Rapace haben wieder die Hauptrolle. Aber die Drehbuchautoren und der Regisseur wechselten.
Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)
Regie: Niels Arden Oplev
Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
mit Michael Nyqvist (Mikael Blomkvist), Noomi Rapace (Lisbeth Salander), Lena Endre (Erika Berger), Peter Haber (Martin Vanger), Sven-Bertil Taube (Henrik Vanger), Peter Andersson (Nils Bjurman), Ingvar Hirdwall (Dirch Frode), Marika Lagercrantz (Cecilia Vanger), Björn Granath (Gustav Morell)