TV-Tipp für den 21. Februar: Topas

Februar 21, 2010

Arte, 20.15

Topas (GB 1969, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samuel Taylor

LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)

Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?

Schwacher Agententhriller von Hitchcock.

Im Anschluss läuft, im Rahmen des Arte-Themenabends „Spione im Kalten Krieg“, die Doku „War Games“ (P/F 2009, R.: Dariusz Jablonski) über den polnischen Armeeoberst und Überläufer Ryszard Kuklinksi, der die Welt vor einem Atomkrieg bewahrt haben soll.

Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret

Wiederholung: Mittwoch, 24. Februar, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Topas“ (deutsch, englisch)

Cinematic: Plakate und Aushangfotos zu „Topas“

Parallax View: Richard T. Jameson über „Topas“


Früher…

Februar 21, 2010

hatte die Jugend noch Ideale und ging dafür auch ins Fernsehen


TV-Tipp für den 20. Februar: Chinatown

Februar 20, 2010

BR, 20.15

Chinatown (USA 1974, R.: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young,

Wiederholung: Sonntag, 21. Februar, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Chinatown“

Old School Reviews (John Nesbit) über „Chinatown“

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Thrilling Detective über Jake Gittes


Die Nominierungen für den Agatha-Award 2010

Februar 19, 2010

Malice Domestic, der Verein der Freunde des traditionellen Krimis (aka Cozy aka Landhauskrimi), hat die Nominierungen für den diesjährigen Agatha-Preis veröffentlicht:

Best Novel

Swan for the Money, von Donna Andrews (Minotaur)

Bookplate Special, von Lorna Barrett (Berkley Prime Crime)

Royal Flush, von Rhys Bowen (Berkley Prime Crime)

A Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

Air Time, von Hank Phillippi Ryan (Mira)

Best First Novel

For Better, for Murder, von Lisa Bork (Midnight Ink)

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte Press)

Posed for Murder, von Meredith Cole (Minotaur)

The Cold Light of Mourning, von Elizabeth Duncan (St. Martin’s Press)

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

Best Non-fiction

Duchess of Death, von Richard Hack (Phoenix Books)

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Knopf)

Blood on the Stage, 1925-1950, von Amnon Kabatchnik (Scarecrow Press)

Dame Agatha’s Shorts, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

The Talented Miss Highsmith, von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

Best Short Story

Femme Sole, von Dana Cameron (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic Books)

Handbaskets, Drawers, and Killer Cold, von Kaye George (from Crooked)

The Worst Noel, von Barb Goffman (aus The Gift of Murder, herausgegeben von John M. Floyd; Wolfmont Press)

On the House, von Hank Phillippi Ryan (aus Quarry, herausgegeben von Kate Flora, Ruth McCarty und Susan Oleksiw; Level Best Books)

Death Will Trim Your Tree, von Elizabeth Zelvin (aus The Gift of Murder)

Best Children’s/Young Adult Novel

The Morgue and Me, von John C. Ford (Viking Juvenile)

The Hanging Hill, von Chris Grabenstein (Random House)

The Case of the Poisoned Pig, von Lewis B. Montgomery (Kane Press)

The Other Side of Blue, von Valerie O. Patterson (Clarion Books)

The Case of the Cryptic Crinoline, von Nancy Springer (Philomel)

Die Preisverleihung ist auf dem 22. Treffen der Malice Domestic in Arlington, Virginia, vom 30. April bis 2. Mai.

(Dank an The Rap Sheet für die Infos.)


Herzlichen Glückwunsch, Ross Thomas!

Februar 19, 2010

Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995)

Das ist der Trailer zur Verfilmung von „Das Mordpatent Procane“

Mehr Infos zu Ross Thomas.


TV-Tipp für den 19. Februar: Miami Blues

Februar 19, 2010

WDR, 23.15

Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)

Drehbuch: George Armitage

LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)

Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.

Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh, Charles Napier

Hinweise

Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)

Charles Willeford Paperback Covers

Meine Besprechung von Charles Willefords „Die schwarze Messe“ (Honey Gal, 1958; The Black Mass of Brother Springer)

Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)


Neu im Kino: Der Ghostwriter

Februar 18, 2010

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein finanziell klammer Autor (Gibt es andere?) soll die Biographie eines Politikers schreiben. Allerdings hat der Politiker Dreck am Stecken und der Autor will die Wahrheit aufschreiben.

Politthriller, der auf der Berlinale seine Premiere erlebte, weitgehend positiv aufgenommen wurde und jetzt im Kino startet.

mit Ewan McGregor, Piere Brosnan, Kim Cattrall, James Belushi, Olivia Williams, Timothy Hutton, Tom Wilkinson, Eli Wallach

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. Februar: Berlinale 2010

Februar 18, 2010

RBB, 01.45

Berlinale 2010 – Pressekonferenzen vom Tage

Gut, die meisten Pressekonferenzen sind schon gelaufen, aber der Hauch von spontan improvisiertem absurden Theater ist immer wieder gut.

Schade, dass die Konferenzen nicht in der RBB-Mediathek oder auf der Berlinale-Seite (ohne Akkreditierung) zu sehen sind.



Kurzkritik: Ross Thomas: Voodoo, Ltd.

Februar 17, 2010

Artie Wu und Quincy Durant sind zurück. Inzwischen betreiben sie eine Detektei; oder in den Worten von Artie Wu: „Die Wudu, Ltd., ist eine straff geführte Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die für andere das tut, was sie selbst für sich nicht tun können.“

Jetzt sollen sie für 750.000 Dollar zwei verschwundene Hypnotiseure finden, die die Unschuld der Hollywood-Diva Ione Gamble beweisen können. Sie ist angeklagt, ihren milliardenschweren Ex am Neujahrsmorgen in seiner mondänen Malibu-Strandhütte erschossen zu haben. Wu und Durant nehmen den Auftrag an.

Und schon sind wir in einem weiteren labyrinthischen, mit schwarzem Humor gespickten Ross-Thomas-Plot. Dass Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995) in seinem vorletzten Roman wieder das bereits aus „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978) und „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986) bekannte Team Wu/Durant ins Rennen schickt, erhöht das Gefühl, sich in einem vertrauten Kosmos zu befinden.

Dabei ist „Voodoo, Ltd.“ an der Oberfläche schon fast ein traditioneller Whodunit. Immerhin beweisen Artie Wu und Quincy Durant die Unschuld der Schauspielerin und überführen den Täter, der für seine Tat ein wirklich überzeugendes Motiv hat. Davor stellen sie, zusammen mit ihren aus den vorherigen Wu/Durant-Romanen bekannten Freunden, Los Angeles auf den Kopf.

Eine höchst vergnügliche Reise in die frühen neunziger Jahre.

Ross Thomas: Voodoo, Ltd.

(übersetzt von Walter Ahlers, überarbeitete Übersetzung)

Alexander Verlag, 2009

360 Seiten

14,90 Euro

Deutsche Erstausgabe

Voodoo & Co.

Heyne, 1993

Originalausgabe

Voodoo, Ltd.

Warner Books, 1992

Hinweise

Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)


TV-Tipp für den 17. Februar: Spur der Bären

Februar 17, 2010

3sat, 22.25

Spur der Bären (D 2010, R.: Hans-Christoph Blumenberg)

Drehbuch: Alfred Holighaus, Hans-Christoph Blumenberg

Spielfilmlange Doku mit vielen Interviews und seltenem Archivmaterial über die Berlinale von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Mit Tilda Swinton, Angl Lee, Rosa von Praunheim, Arthur Brauner, Ulrich Gregor, Moritz de Hadeln, Dieter Kosslick, Reinhard Hauff, Wieland Speck, Tom Tykwer, Wolfgang Kohlhaase, Michael Winterbottom

Wiederholung: ZDF, Mittwoch, 24. Februar, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Berlinale Programm über „Spur der Bären“


Cover der Woche

Februar 16, 2010


TV-Tipp für den 16. Februar: Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte

Februar 16, 2010

Erinnern Sie sich an den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Nun, heute kommen die Programmplaner diesem Auftrag wieder gewohnt publikumsfreundlich nach und zeigen einen Film, der für die deutsche Filmgeschichte begeistern soll. Doch vor der Bildung sind die Mühen der Ebene: Um Himmels Willen, In aller Freundschaft, Plusminus, Menschen bei Maischberger, ttt-extra und dann, weit nach Mitternacht, präsentiert das Deutsche Fernsehen mit überschwänglichem Stolz und kaum zu bremsender Begeisterung für die Schlaflosen, Spätaufsteher und Cinephilen in deutscher Erstausstrahlung


ARD, 00.40

Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte (D 2008, R.: Michael Althen, Hans Helmut Prinzler)

Konzept: Hans Helmut Prinzler, Michael Althen

Michael Ballhaus, Andreas Dresen, Doris Dörrie, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler stellen ihre deutschen Lieblingsfilme vor. So entsteht ein kleiner, subjektiver Spaziergang durch die deutsche Filmgeschichte von „Nosferatu“ über „Menschen am Sonntag“, „M“, „Unter den Brücken“, „Alice in den Städten“ und „Die Ehe der Maria Braun“ bis zu „Heimat 1“.

Wiederholungen: –

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auge in Auge“


R. i. P. Dick Francis

Februar 15, 2010

R. i. P. Dick Francis (31. Oktober 1920 – 14. Februar 2010)

Am Sonntag starb Dick Francis in seinem Haus auf Grand Cayman. In den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sattelte der erfolgreiche Jockey vom Reiten auf das Schreiben um. Aber dem Reitsport blieb er treu. Denn seine über vierzig Krimis spielen im Reitmilieu. Die letzten schrieb er zusammen mit seinem Sohn Felix Francis.

Er erhielt drei Edgars, einen CWA Gold Dagger, den Cartier Diamond Dagger und den Malice Domestic Award für sein Lebenswerk und er ist Grandmaster der Mystery Writers of America,

Nachrufe gibt es in der New York Times, Guardian, Telegraph, Independent, Die Welt (dpa-Meldung), Neue Zürcher Zeitung (ddp-Meldung), The Rap Sheet und bei Confessions of an idiosyncratic mind (Dort gibt es auch eine umfangreiche Sammlung der Nachrufe).

Weitere Infos über Dick Francis bei Wikipedia (deutsch, englisch), Krimi-Couch und Fantastic Fiction.


TV-Tipp für den 15. Februar: Aufbruch der Filmemacher

Februar 15, 2010

Arte, 22.35

Aufbruch der Filmemacher (D 2008. R.: Dominik Wessely, Laurens Straub [Ko-Regie])

Drehbuch: Rainer Kölmel, Laurens Straub, Dominik Wessely

Zweistündige sehr sehenswerte Doku über den Filmverlag der Autoren. Zu den Gründungsmitgliedern am 18. April 1971 gehörten Hark Bohm, Peter Lilienthal, Hans Noever, Pete Ariel, Uwe Brandner, Veith von Fürstenberg, Wim Wenders, Hans W. Geissendörfer und Volker Vogeler. Später kam auch Rainer Werner Fassbinder dazu. Die Idee des Filmverlags der Autoren war, die eigenen Filme kollektiv zu produzieren und zu verleihen. In den folgenden Jahren war der Filmverlag die kreative Brutstätte des Neuen Deutschen Films.

Mit Rudolf Augstein, Heinz Badewitz, Hark Bohm, Uwe Brandner, Rainer Werner Fassbinder, Michael Fengler, Peter Fleischmann, Hans W. Geissendörfer, Peter Handke, Irm Hermann, Werner Herzog, Alexander Kluge, Peter Lilienthal, Tom Luddy, Margaret Ménégoz, Lynda Myles, Hans Noever, Thomas Schamoni, Peter Sickert, Laurens Straub, Dan Talbot, Veith von Fürstenberg, Luggi Waldleitner, Wim Wenders

Auch bekannt als „Gegenschuss – Aufbruch der Filmemacher“

Wiederholung: Montag, 22. Februar, 10.20 Uhr

Hinweise

Wikipedia über den „Filmverlag der Autoren“

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Aufbruch der Filmemacher“


Wenn der Titel anders wäre…

Februar 14, 2010

Der Titel „Die Lebenslüge der Juristen – Warum Recht nicht gerecht ist“ ist purer Etikettenschwindel. Denn der frühere Spiegel-Reporter Rolf Lamprecht enttarnt keine Lebenslüge der Juristen. Auch dem borniertesten Juristen muss aufgefallen sein, dass es zu einem Rechtsfall die Position der Anklage und der Verteidigung und sich widersprechende Urteile gibt und das Bonmot „Zwei Juristen, drei Meinungen“ ist schon lange nicht mehr witzig. Dass Lamprecht dennoch auf den ersten Seiten sagt, die Lebenslüge der Juristen sei, an ein Recht zu glauben, das nur eine Auslegung erlaube, kann nur mit dem Wunsch nach einer knalligen Eröffnung erklärt werden.

Danach, und das macht „Die Lebenslüge der Juristen“ durchaus lesenswert, zeichnet Lamprecht skizzenhaft die Geschichte der Bundesrepublik im Lichte von ausgewählten höchstrichterlichen Entscheidungen nach. Lamprecht berichtete von 1968 bis 1998 für den „Spiegel“ aus Karlsruhe. Entsprechend oft bespricht er in seinem Buch Urteile, mit denen er es damals zu tun hatte. Einige Urteile schrieben Rechtsgeschichte. Dazu gehören der Schutz der Wohnung, die Verwendung von persönlichen Aufzeichnungen in Verhandlungen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Einige Fragen, wie das Recht auf den selbstbestimmten Tod, sind seit Jahrzehnten aktuell und wurden, als der Bundestag in den vergangenen Jahren über die Patientenverfügung debattierte, wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. Auch über das Folterverbot wurde nach 9/11 wieder diskutiert und es fanden sich etliche Fürsprecher für eine Aufweichung des Folterverbots. Lamprecht zeichnet in diesen Kapiteln die Argumentationen der verschiedenen Seiten anhand konkreter Fälle nach und steht dabei prinzipiell auf der Seite des Bürgers. Er meint, in der rechtsliberalen Tradition stehend, dass die Eingriffe des Staates möglichst gering sein sollten.

In den späteren Kapiteln wird Lamprechts Argumentation allerdings fahriger, weil er beginnt, in einem Kapitel mehrere Fälle, die nur wenig miteinander zu tun haben, miteinander zu verknüpfen.

Wer sich also etwas ausführlich mit einigen moralischen Fragen und wie diese von deutschen Juristen behandelt wurden, beschäftigen will, findet in „Die Lebenslüge der Juristen“ eine durchaus inspirierende Lektüre.

Wer das Buch allerdings wegen des Titels kauft, wird nicht viel Freude an Lamprechts Werk haben.

Rolf Lamprecht: Die Lebenslüge der Juristen – Warum Recht nicht gerecht ist

Goldmann (Spiegel Buchverlag), 2009

272 Seiten

8,95 Euro

Erstausgabe

Deutsche Verlags-Anstalt, 2008


TV-Tipp für den 14. Februar: Stammheim

Februar 14, 2010

3sat, 22.00 (VPS 21.50)

Stammheim (D 1985, R.: Reinhard Hauff)

Drehbuch: Stefan Aust

LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985

Eigentlich ist “Stammheim” ein abgefilmtes Theaterstück: Aust und Hauff konzentrierten sich auf die Verhandlung gegen die Baader-Meinhof-Gruppe und nahmen die Gerichtsprotokolle als Grundlage für die Dialoge.

Damals irritierte die Kritiker, dass Schauspieler anders aussehende Personen spielten, die im öffentlichen Bewusstsein noch sehr präsent waren.

Heute ist “Stammheim” ein Stück Zeitgeschichte und ein Blick in eine für uns inzwischen sehr fremde Zeit.

Es ist ein Film über die Unfähigkeit der Politik und der Justiz, die Verhältnisse zu reflektieren, in denen Gewalt entsteht. Ein Film über die Ungeduld und Unduldsamkeit derjenigen, die erklärten, das Volk befreien zu wollen und am Ende mehr Zwänge und staatliche Repression erreichen.

Wie in einem Mikrokosmos findet der Kampf zwischen dem Staat und seinen radikalsten Gegner in einem Gerichtssaal statt. Keine Seite geht daraus unbeschädigt hervor. Die einen bekämpfen das Recht und die Ordnung des bürgerlichen Staates und berufen sich gleichzeitig auf seine Gesetze. Die anderen vertreten die Gesetze und verletzen dennoch das Recht (…)

Hauff und Aust haben den mutigsten Film über unsere politische Gegenwart gemacht.“ (Fischer Film Almanach 1987)

Stammheim“ erhielt 1986 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Während der Preisverleihung sagte Jurypräsidentin Gina Lollobrigida – ein grober Verstoß gegen die Etikette -, dass sie gegen den Film gestimmt habe.

mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer, Dominique Horwitz

Wiederholung: Montag, 15. Februar, 02.15 Uhr (VPS 02.05 – Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Stammheim“

Wolfram Schütte in der Frankfurter Rundschau vom 30. Januar 1986 über „Stammheim“

Arte über „Stammheim“


TV-Tipp für den 13. Februar: Kulturzeit extra: Berlinale Journal

Februar 13, 2010

3sat, 22.20

Kulturzeit extra: Berlinale Journal

Heute und an den kommenden Tagen berichtet Tina Mendelsohn vom Festival und besucht legendäre Berliner Kinos. Heute ist sie im „Toni & Tonino“.

Hinweise

3sat Kulturzeit

Homepage „Toni & Tonino“

Kinokompendium über „Toni & Tonino“


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 12, 2010

Bei den Alligatorpapieren sind meine, wie immer von Alligator-Alfred wunderschön bebilderten, neuen TV-Krimi-Buch-Tipps online. Highlights der kommenden 14 Tage sind:

Wahrscheinlich wegen der tollen Tage ist das TV-Programm nicht so toll. Dennoch gibt es einige sehenswerte Krimiverfilmungen. Es beginnt mit David Mackenzies Peter-Jinks-Verfilmung „Hallam Foe“. Es geht weiter mit Reinhard Hauffs Stefan-Aust-Verfilmung „Stammheim“ (dafür gab’s einen Goldenen Bären), Aisling Walshs Lynda-La-Plante-Verfilmung „Der Preis des Verbrechens: Herr der Fliegen“, George Armitages Charles-Willeford-Verfilmung „Miami Blues“, Michael Hodges‘ Ted-Lewis-Verfilmung „Get Carter“ (mal wieder deutlich nach Mitternacht), Roman Polanskis „Chinatown“ (nach einem Drehbuch von Robert Towne), Lee Tamahoris „Nach eigenen Regeln“ (nach einem Drehbuch von Pete Dexter) und, als leichtgewichtigen Ausklang, gibt es die „Mordrezepte der Barbouzes“.
Oh, und James Bond hat alle Hände voll zu tun.


Kleinkram: einmal Ellroy, viel „Shutter Island“ und ausreichend Hegemann

Februar 12, 2010

David Peace unterhält sich mit James Ellroy.

Terrence Rafferty (New York Times) hat mit Martin Scorsese über seinen neuen Film „Shutter Island“ gesprochen.

Jerome Charyn war „Einmal beim Meister“ Martin Scorsese. Der Text erschien in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ und dürfte die Tage online gehen (Nachtrag 14. 2. 2010: online).

In der SZ beantwortet Leonardo DiCaprio einige Fragen zu seinem neuen Film „Shutter Island“ und wie die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese ist.

Auch der Autor der Vorlage, Dennis Lehane, darf einige Fragen zum Buch und Film beantworten.

Und nun alle zusammen: Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Dennis Lehane.

Zwei Worte zu Helene Hegemann, „Axolotl Roadkill“ und ihren Verteidigern in den Feuilletons:

Würden Sie, liebe Literaturkritiker, auch dann Hegemann und ihren Roman verteidigen, wenn die Autorin Texte von ihnen, ohne um Erlaubnis zu fragen, abgeschrieben hätte und ohne auf die Originaltexte hinzuweisen? Würden Sie auch dann sagen, dass es okay ist, dass der Abschreiber Geld verdient, während der Urheber nichts (noch nicht einmal eine namentliche Nennung) erhält?

Wenn Sie auf diese Fragen bejahen, dann…

Aufgedeckt wurde die Abschreiberei der jungen Dame von dem Blogger Deef Pirmasens (Die Gefühlskonserve).

Airen, der auf seine Anonymität bedachte Schreiber der Originaltexte, hat sich mit der FAZ unterhalten:

Da ich meine eigenen Texte natürlich besser kenne als Deef Pirmasens, der als erster über die Parallelen berichtet hat, sind mir schon sehr viel mehr Stellen aufgefallen. Ich habe heute gehört, dass diese Stellen in zukünftigen Ausgaben von „Axolotl Roadkill“ gekennzeichnet werden sollen.

Dort gibt es auch eine beeindruckend lange Liste von ähnlichen Textstellen.

Im Kölner Stadtanzeiger äußern sich Schriftsteller (u. a. Helmut Krausser, Kai Meyer, Dieter Wellershoff) zu Hegemanns Abschreiberei.

Stellvertretend Helmut Krausser: Diebstahl ist Diebstahl, da bin ich sehr konservativ. Sich es mit dem Hinweis, heute werde überall geklaut, einfach zu machen, zeugt von wenig Reflexion und einer gewissen Wollust am Selbstbetrug. Bei über dreißig Büchern habe ich im Leben erst zwei Sätze anderer Autoren verwendet – und es war mir ein Herzensbedürfnis, dies kenntlich zu machen, ansonsten ich mich für die fremden Federn geschämt hätte.

Und für den Rest empfehle ich einen Besuch im Literaturcafé. Dort hat Wolfgang Tischer eine gute Zusammenfassung geschrieben: „Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK“.

Nachtrag: Vor dem Hintergrund von Abmahnungen und der Forderung nach einer Kulturflatrate oder einem Leistungsschutzrechte für Verlage sind die von etlichen Literaturkritikern vertretenen Pro-Hegemann-Positionen — höchst interessant.

Nachtrag (18. Februar 2010): In der FAZ sind die Quellen aufgelistet, die der Ullstein-Verlag in der nächsten Ausgabe des Buches abdruckt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

In der Zeit hat Josef Joffe einen klugen Kommentar geschrieben:

Ob ein Richter den Autodieb freisprechen würde, der ein Fanal gegen den »Eigentumsrechtsexzess« setzen wollte?


TV-Tipp für den 12. Februar: Metropolis

Februar 12, 2010

Arte, 20.40 (VPS 20.45)

Metropolis (D 1926, R.: Fritz Lang)

Drehbuch: Thea von Harbou

Buch zum Film: Thea von Harbou: Metropolis, 1926

Der SF-Klassiker – und wie es sich für einen Klassiker gehört: unglaublich teuer, lang, an der Kasse zunächst gefloppt, von Produzenten und Verleihern in verschiedenen gekürzten Versionen herausgebracht und, vor allem optisch, ein großer Einfluss auf eigentlich alle dystopischen SF-Filme (Was wäre “Blade Runner” ohne “Metropolis”?). Dass die Geschichte eher banal und die Botschaft ärgerlich ist – geschenkt.

Obwohl: Nachdem 2008 in Buenos Aires eine Kopie der verschollen geglaubten Premierefassung entdeckt und aufwendig restauriert wurde, kann heute erstmals die um ein gutes Viertel längere und fast vollständige Version (einige Teile konnten nicht gerettet werden) von “Metropolis” endlich wieder gesehen werden.

Wetterunfühlige Menschen können am Brandenburger Tor eine Open Air Vorstellung erfrieren.

Im Anschluss zeigt Arte um 23.10 die gut einstündige Doku “Die Reise nach Metropolis”.

mit Alfred Abel, Gustav Fröhlich, Brigitte Helm, Rudolf Klein-Rogge, Fritz Rasp, Heinrich George

Hinweise

Arte über „Metropolis“

Wikipedia über „Metropolis“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Metropolis“

Die Zeit: Karen Naundorf und Matthias Stolz über die Restaurierung von „Metropolis“ (11. Februar 2010)

Süddeutsche Zeitung: Christian Mayer über „Metropolis“ (11. Februar 2010)

Frankfurter Rundschau: Daniel Kothenschulte über „Metropolis“ (12. Februar 2010)

Deutsche Kinemathek: Ausstellung „The Complete ‚Metropolis’“