Kurzkritik: Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen…

März 15, 2010

Lassen Sie es mich so sagen…“ ist ein typisches Klobuch. Nicht weil es so schlecht ist, sondern weil die Texte so kurz sind, dass ein einzelner Text bequem während einer Sitzung gelesen werden kann und man danach eine geistige und eine körperliche Erleichterung verspürt.

Denn Georg Schramms schwarzhumorig-respektlosen Solonummern, die es jetzt auch im handlichen Taschenbuchformat gibt, sind als Satiren so nah an der Wirklichkeit, dass Unvorbereitete sie kaum von der Realität unterscheiden können.

Heute, nachdem er dank dem „Scheibenwischer“ und „Neues aus der Anstalt“, deutschlandweit allgemein bekannt ist, spricht er bei seinen Auftritten vor einem Publikum, das weiß, was auf es zukommt und sich, mehr oder weniger, in seiner Meinung bestätigt fühlt. Es ist auch ein Publikum, das die Satire sofort als Satire erkennt.

In seinen Anfängen muss Schramms Methode vollständig und ohne ironisches Augenzwinkern aus der Sicht eines bestimmten Charakters, wie Oberstleutnant Sanftleben oder der Rentner Lothar Dombrowski, Tacheles zu sprechen mehr als einmal das Publikum verstört haben. So erzählt er in „Lassen Sie es mich so sagen…“ von einem Auftritt als katholischer Hassprediger bei einem Ostermarsch oder von der Eröffnung einer Wohltätigkeitsgala, bei der er den versammelten Konstanzer Honoratioren die Leviten las.

Es gelang, die selbstzufriedene Feststimmung der Gala so nachhaltig zu stören, dass sich die Gäste dem von mir eröffneten Buffet verweigerten. (…) Für mich ein gelungener Abend“, schreibt Schramm über seine, auch in dem Sammelband dokumentierten Anfänge als Kabarettist in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die meisten Texte sind neuer und meistens für die TV-Satiresendungen „Scheibenwischer“ und „Neues aus der Anstalt“ entstanden. Außerdem gibt es einige Nummern aus seinen verschiedenen Soloprogrammen, vor allem aus „Thomas Bernhard hätte geschossen“. Ergänzt werden die Satiren oft durch einleitende Worte. So wird aus einer Sammlung von Satiren (was für eine Kaufempfehlung schon ausreichen würde) auch eine kleine Biographie des Künstlers Georg Schramm und eine ätzende Chronik Deutschlands zwischen Friedensbewegung und Großer Koalition.

Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen… – Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit

Heyne, 2010

272 Seiten

8,95 Euro

Erstausgabe

Karl Blessing Verlag, 2008

Hinweise

Homepage von Georg Schramm

Homepage von „Neues aus der Anstalt (In der nächsten Sendung, am Dienstag, den 16. März, um 22.15 Uhr im ZDF begrüßen Urban Priol und Georg Schramm Arnulf Rating, Jochen Malmsheimer und Olaf Schubert.)



TV-Tipp für den 15. März: Die Wahrheit

März 15, 2010

Arte, 20.15

Die Wahrheit (F/I 1960, R.: Henri-Georges Clouzot)

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Véra Clouzot, Simone Drieu, Jérôme Géronimi, Michèle Perrein, Christiane Rochefort

Dominique Marceau ist angeklagt ihren Liebhaber, einen Musikstudenten, ermordet zu haben. Der Staatsanwalt will sie vor allem wegen ihres unmoralischen Lebenswandels ins Gefängnis schicken. Ihr Verteidiger versucht dagegen das Bild einer lebenshungrigen jungen Frau zu zeichnen.

Mit diesem selten gezeigten Werk beginnt Arte eine kleine Henri-Georges-Clouzot-Reihe. Seine weitaus bekannteren Krimis „Lohn der Angst“ und „Die Teuflischen“ folgen an den kommenden Montagen.

In „Die Wahrheit“ benutzt Clouzot den Gerichtssaal, um über die damalige Moral zu urteilen. Brigitte Bardot überzeugte hier auch als Schauspielerin. Der Film war für einen Oscar nominiert und erhielt einen Golden Globe (natürlich in der Kategorie „Bester ausländischer Film“). Clouzot erhielt beim Mar del Plata Film Festival den Preis als bester Regisseur.

Ein intensiv gestalteter, schauspielerisch eindrucksvoller Film, der freilich bei der Aufdeckung der psychologisch-geistigen Ursachen für gesellschaftliche und individuelle Verirrungen auf eine eigene Grundhaltung verzichtet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Clouzots Film ist eine Anklage gegen ein Justizsystem, in dem der Bourgeoisie entstammende, zumeist ältere Richter über Fälle zu entscheiden hatten, zu deren Umfeld und sozialen Ursprüngen sie keinerlei Bezug hatten. (…) Der Film (…) war ein Riesenerfolg.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

mit Brigitte Bardot, Charles Vanel, Marie-José Nat, Sami Frey, Louis Seigner, Claude Berri

Wiederholungen

Freitag 19. März, 14.45 Uhr

Dienstag 23. März, 14.45 Uhr (und das bei einem Film, der FSK-18 ist)

Hinweise

Arte über die Henri-Georges-Clouzot-Reihe

Wikipedia über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. März: Columbo: Bluthochzeit

März 14, 2010

SRTL, 22.15

Columbo: Bluthochzeit (USA 1992, R.: Alan J. Levi)

Drehbuch: Robert Van Scoyck

LV: Ed McBain: So Long As You Both Shall Live, 1976 (So lang ihr zwei noch lebt)

Ein persönlicher Fall für Columbo: Ein Irrer hat die Braut seines Neffen gekidnappt.

Ein Columbo, der sich nicht an die Columbo-Formel hält. Aber wer hätte das bei einer Ed McBain-Story erwartet?

Bluthochzeit“ ist einer der besten neuen Columbo-Fälle; jedenfalls wenn man auch einmal auf die Columbo-Formel verzichten kann: ein ungewöhnlicher Fall (kein Mord, sondern ein Kidnapping ohne Lösegeldforderung), bei dem die normale Polizeiarbeit im Vordergrund steht (es wird öfters gezeigt, wie frustrierend langwierig das Beschaffen von Informationen ist), es fast keine Columbo-Maniriesmen gibt (und die verbleibenden sind eher zufällig) und die Geschichte ungewohnt straff erzählt (ein Manko der neuen Columbos ist, dass sie alle altmodischer als die klassischen Columbos wirken) wird. „Bluthochzeit“ ist ein Columbo, der auch Columbo-Hassern gefallen könnte.

Oh, es ist auch einer der ganze wenigen Fälle, in denen Columbo eine Pistole trägt.

Mit Peter Falk, Joanna Going, Daniel Davis, Thomas Calabro, Dan Butler, Doug Savant, Daniel McDonald, Donald Moffat

Hinweise

Mehr über Ed McBains Columbo-Filme

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 13, 2010

Die Antwort auf die weltbewegende Frage, welche Krimiverfilmungen die kommenden vierzehn Tage im Fernsehen laufen,gibt es, mit vielen schönen Bildern, bei den Alligatorpapieren. Hier, wie gewohnt, nur ein kleiner Überblick:

Wer nicht gerade ein Wallander- oder Fan britischer TV-Krimis ist, wird die kommenden Tage auf Diät gesetzt. Aber Martin Ritts schon länger nicht mehr gezeigte John-le-Carré-Verfilmung „Der Spion, der aus der Kälte kam“, Michael Apteds zweimal gezeigte Martin-Cruz-Smith-Verfilmung „Gorky Park“ (als Einstimmung zur Veröffentlichung seines neuen Romans „Die goldene Meile“), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Georges Lautners Raf-Vallet-Verfilmung „Der Fall Serrano“, Henri-Georges Clouzots Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“ und zweimal Sam Peckinpah („Die Killer-Elite“ und „Sacramento“) trösten darüber hinweg.


TV-Tipp für den 13. März: Der Spion, der aus der Kälte kam

März 13, 2010

BR, 20.15

Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, R.: Martin Ritt)

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Wiederholung: Sonntag, 14. März, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ (A most wanted man, 2008)


Neu im Kino: Auftrag Rache; Jerry Cotton; Ein Prophet

März 12, 2010

Auftrag Rache (Edge of Darkness, USA 2009)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: William Monahan, Andrew Bovell (nach dem Drehbuch von Troy Kennedy Martin)

Vor der Haustür des Polizisten Thomas Craven erschießen unbekannte seine Tochter. Craven glaubt, dass der Anschlag ihm gegolten hat. Er beginnt ihren Mörder zu jagen.

Nachdem er in den vergangenen Jahren vor allem als Regisseur und wegen anderer Dinge von sich reden machte (Hey, wir haben doch alle kopfschüttelnd die Meldungen auf den Bunten Seiten gelesen.), übernahm Mel Gibson für diesen leicht noirischen Politthriller endlich wieder einmal die Hauptrolle und es wurde eine veritable Soloshow.

Auftrag Rache“ ist das Remake der hochgelobten, sechstündigen BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness) von 1985, die ebenfalls von Campbell inszeniert wurde.

Weil die BBC-Serie seit Ewigkeiten nicht mehr im TV lief, könnten die TV-Planer sie doch jetzt mal wieder zeigen. Denn alle, die damals den „Meilenstein der Fernsehgeschichte“ (Martin Compart in „Crime TV“) gesehen haben, schwärmen von ihr. Uh, eine deutschsprachige DVD-Veröffentlichung wäre auch okay.

mit Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts, Frank Grillo

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auftrag Rache“

Drehbuch „Edge of Darkness“ von William Monahan und Andrew Bovell

Jerry Cotton (D 2010)

Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert

Drehbuch: Philipp Stennert, Cyrill Boss, Andreas Gaw (Gag Overwrite), Katrin Fröhlich (Dubbing Dialogue)

FBI-Agent Jerry Cotton und sein neuer Partner Phil Decker wollen herausfinden, wer den Unterweltkönig Sammy Serrano umgebracht hat.

Irgendwann hat sicher jeder Krimifan auch mal ein Jerry-Cotton-Abenteuer gelesen. Immerhin ermittelt der saubere FBI-Agent schon seit 1954 in New York. In den Sechzigern gab es auch acht Jerry-Cotton-Filme, die immer wieder nach Mitternacht im Fernsehen laufen und vor allem Trash-Fans ansprechen.

Der neue Jerry-Cotton-Film protzt dagegen schon im Trailer mit einem deutlich höheren Budget (obwohl er, wie die klassischen Cotton-Filme, in Deutschland gedreht wurde) und einer enormen Stardichte.

Verantwortlich für „Jerry Cotton“ ist Produzent Christian Becker und damit die Clique, die uns bereits die Edgar-Wallace-Parodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“, die Pro7-Märchenstunde und die Pro7-Funny-Movies bescherte. Das dürfte die Erwartungen doch eindeutig genug definieren.

Einzig ein gutes Drehbuch fehlt.“ (Michael Kohler, Berliner Zeitung, 11. März 2010)

Stil hat das nicht, dafür hätte man das Triviale nämlich ernst nehmen müssen.“ (Lars Penning, tip 6/2010)

Das nächste Projekt von Beckers Rat Pack Filmproduktion ist – Warum sollte an einer Erfolgsformel etwas geändert werden? – eine Wiederbelebung der trashigen „Dr. Mabuse“-Filme aus den Sechzigern, die nichts mit den legendären Fritz-Lang-Filmen und dem von Norbert Jacques erfundenen Charakter zu tun haben.

mit Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch, Moritz Bleibreu, Jürgen Tarrach, Herbert Knaupp, Janke Rieke, Günther Kaufmann, Frank Giering, Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Oliver Welke, Christoph Maria Herbst

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jerry Cotton“

Ein Prophet (Un Prophète, F/I 2009)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.

In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authenzität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket.

mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Ein Prophet“


TV-Tipp für den 12. März: Land des Sonnenscheins

März 12, 2010

ZDFneo, 20.15

Land des Sonnenscheins (USA 2002, R.: John Sayles)

Drehbuch: John Sayles

Anhand von drei Familien reflektiert Sayles die Veränderungen in einem Küstenort in Florida und wie die heile Welt von einer Investmentgesellschaft, die aus dem Ort ein Ferienparadies machen will, bedroht wird.

John Sayles ist ein begehrter Script-Doktor in Hollywood und eine der Ikonen des amerikanischen Independent-Cinema. „Matewan“, „City of Hope“, „Passion Fish“, „Lone Star“ und „Limbo“, um nur einige zu nennen, sind vielschichtige Filme, die persönliche Themen, gut besetzt, in Geschichten für ein denkendes Publikum umsetzen. „Sunshine State“ (so der Originaltitel von „Land des Sonnenscheins“) erlebte bei uns seine Premiere auf DVD. Seine anderen in den vergangenen zehn Jahren gedrehten Filme kamen, falls überhaupt, nur noch mit jahrelanger Verspätung und sehr wenigen Kopien in unsere Kinosäle. Schade, denn Sayles erzählt sehr unterhaltsam und kluge Geschichten für ein erwachsenes Publikum.

Land des Sonnenscheins“ Film erhielt mehrere Preise, unter anderem den Golden Orange Award mit der Begründung: „For his witty satire that insightfully examines Florida’s historic past, expanding present and uncertain future.“

Bei Rotten Tomatoes erhält „Land des Sonnenscheins“ einen beachtlichen Frischegrad von achtzig Prozent.

Ein anspielungsreicher, von subtilem Humor und Poesie geprägter Ensemblefilm über äußere Hitze und die Kälte im Innern sowie die Schwierigkeit, den ‚amerikanischen Traum‘ zu leben.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2004)

Die andere Meinung: „schläfrige Sozialdrama“ (Lothar R. Just: Film-Jahrbuch 2005)

mit Edie Falco, Angela Bassett, Timothy Hutton, Alex Lewis, Mary Steenburgen, Miguel Ferrer, Gordon Clapp, James McDaniel, Ralph Waite, Jane Alexander, Tom Wright

Hinweise

Homepage von John Sayles

Wired for Books: Don Swain unterhält sich mit John Sayles (1. Juni 1991)

Senses of Cinema: Richard Armstrong über John Sayles (Februar 2004)

Homepage zum Film

Wikipedia über „Land des Sonnenscheins“ (deutsch, englisch)


Ohne Kommentar

März 11, 2010

Eine schöne Live-Version von einem Klassiker:

Nicht veraltet:

Und noch eine schöne Live-Version von einem Klassiker:


TV-Tipp für den 11. März: Der Mann ohne Vergangenheit

März 11, 2010

3sat, 22.25

Der Mann ohne Vergangenheit (Fin/D/F 2002, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.

Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.

Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)

eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.

mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

3sat über „Der Mann ohne Vergangenheit“

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)


„Crime Time“ auch in der ZDF-Mediathek

März 10, 2010

Die „Crime Time“ ist eine sehr gelungene Reihe von fünfzehnminütigen Autorenporträts, die von Tobias Gohlis (irgendwie Drehbuch und kriminalliterarische Kompetenz) und Martin Schöne (Kamera und der ganze Rest) gemacht werden. Das erste Porträt drehten sie noch auf eigene Kosten. Inzwischen läuft im ZDF Infokanal die dritte Staffel und wer eine Ausstrahlung verpasst hat oder die Folgen wieder sehen will, kann das in der Mediathek nachholen.

Hier der Link zu allen „Crime Time“-Folgen. Die vom ZDF schaffen es ja nicht, auf ihrer Homepage darauf hinzuweisen.

Bis jetzt wurden

Lee Child

Reggie Nadelson

Barry Eisler

Michael Connelly

Faye Kellerman

Martin Cruz Smith

John le Carré

Marek Krajewski

Friedrich Ani

Ruth Rendell

Ian Rankin

Asa Larsson

Andrea Camilleri

Petros Markaris

Arne Dahl

Fred Vargas

P. D. James

Andrea Maria Schenkel

porträtiert.

Abgeschlossen wird die dritte „Crime Time“-Staffel am 13. März mit James Ellroy.


TV-Tipp für den 10. März: Die fabelhaften Baker Boys

März 10, 2010

Herzlichen Glückwunsch zum Oscar als bester Hauptdarsteller, Jeff Bridges!

Deshalb gibt es heute eine früheren Auftritt von ihm als Musiker:


RBB, 22.45

Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, R.: Steve Kloves)

Drehbuch: Steve Kloves

Die Brüder Jack und Frank Baker klimpern sich seit Jahrzehnten mit abnehmendem Erfolg durch Amerikas Hotelbars und Clubs. Jetzt wollen sie mit der Sängerin Susie Diamond ihre Auftritte aufregender gestalten. Allerdings wissen sie nicht, wie aufregend es mit ihr wird.

Sentimentales Musikerdrama mit geschmackvollem Jazz (Dave Grusin) und einer dazu passenden Kamera (Michael Ballhaus).

Dem Regiedebütanten Steve Kloves gelang mit seiner atmosphärischen Komödie, romantische Arrangements mit Versatzstücken des Film noir auf eine Weise zu verbinden, die sehr vertraut erscheint und die doch immer wieder neu ist in der Modernität ihrer Inszenierung.“ (Fischer Film Almanach 1991)

Damals dachten alle, dass Steve Kloves jetzt in Hollywood Karriere machen wird, aber in den Neunzigern folgte fast nichts und in den letzten zehn Jahren schrieb er die Drehbücher für die „Harry Potter“-Filme.

mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Elli Raab, Xander Berkeley, Gregory Itzin, Jennifer Tilly

Hinweise

Wikipedia über „Die fabelhaften Baker Boys“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Jeff Bridges (deutsch, englisch)

Homepage von Jeff Bridges


Cover der Woche

März 9, 2010

Mehr Beine


Markus Stromiedel erlebt in Berlin seine „Feuertaufe“

März 9, 2010

Deutschland im Jahr 2019: wir haben eine Kanzlerin (schon wieder); einen überwachungsgeilen Innenminister (er schleppt immer noch ein 9/11-Trauma mit sich herum); eine supergeheime, dem Innenminister unterstellte Spezialeinheit; mittels Videokameras eine Totalüberwachung der Bürger und linke Systemgegner, die mit täglichen Demonstrationen und dem Zerstören von Kameras die Polizei auf Trab halten.

Vor diesem dystopischen Hintergrund spielt sich Markus Stromiedels zweiter Roman „Feuertaufe“ ab. Er schließt unmittelbar an „Zwillingsspiel“ an, kann aber vollkommen unabhängig von seinem Debüt gelesen werden. Sogar wer „Zwillingsspiel“ kennt, wird die wenigen Hinweise in „Feuertaufe“ auf „Zwillingsspiel“ mit der Lupe suchen müssen.

In „Feuertaufe“ sterben in Kreuzberg bei einer Brandstiftung in einem mehrstöckigem Mietshaus zwölf Menschen. Nur ein neunjähriger Junge überlebt.

Jetzt soll Kommissar Paul Selig den Täter finden. Jedenfalls ist das die offizielle Version. Denn eigentlich soll Selig nur den Grüßaugust für die Presse spielen und die Soko-Kollegen in Ruhe ihre Arbeit machen lassen. Selig mischt sich trotzdem in die Ermittlungen ein.

Gleichzeitig will er herausfinden, wer seinem siebzehnjährigem Sohn Tobias eine Pistole, die vor einem Jahr in Schottland bei einem Banküberfall benutzt wurde, in die Jackentasche steckte.

Und, als ob all das noch nicht genug wäre, will Selig einen Mann mit einer Tätowierung in der Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger finden. Der Mann war auch, wie Selig herausfindet, bei dem Brandanschlag dabei und die Täter scheinen verdammt gute Verbindungen zur Polizei und der Regierung zu haben.

Das klingt jetzt nach einem Politthriller ganz nach meinem Geschmack. Auch dass Stromiedel seine negative Zukunftsutopie eher langsam enthüllt dürfte mir gefallen. Immerhin ist für seine Charaktere die Überwachung Alltag. Auch die kleinen Schlenker zu Berliner Lieblingsprojekten, wie der fertiggestellten U 55 (sehr unwahrscheinlich) und der Tempelhof-Nachnutzung als Endlager für Berliner Behörden (nicht unwahrscheinlich), gefallen.

Aber (genau auf dieses „aber“ habt ihr gewartet) die Dystopie wirkt angesichts der schon heute existierenden technischen Möglichkeiten hoffnungslos veraltet. Stromiedels Überwachungsszenario ist vor allem eine gigantische Videoüberwachung, auf die die Polizei in Echtzeit zugreifen und per Gesichtserkennung Personen verfolgen kann. Das liest sich wie ein Mix aus „1984“, „Minority Report“ und „Staatsfeind Nr. 1“.

Das ist natürlich eine erschreckende Zukunft, aber die schon heute existierenden Überwachungsmöglichkeiten leisten auch ohne eine Echtzeit-Verknüpfung aller Videokameras ähnliches. Bis vor wenigen Tagen wurden alle Verbindungsdaten im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung sechs Monate gespeichert. Schon damit war, wenn die Person ein Handy mitgenommen hatte, ein lückenloses Bewegungsprofil möglich. Die Polizei kann Bankdaten abfragen. Es besteht, ohne das Wissen des Besitzers, die Möglichkeit einer Online-Durchsuchung von Computern.

Angesichts dieser schon heute bestehenden technischen Möglichkeiten einer Überwachung und bestehender Kompetenzen der Polizei und der Geheimdienste verharmlost Stromiedels in knapp zehn Jahren spielende Utopie mögliche Entwicklungen hin zu einem freundlichen Überwachungsstaat.

Auch die Manipulationen von Daten und das Einloggen in Computer geht in „Feuertaufe“ zu einfach. Bei Stromiedel genügt ein einfaches Passwort. Möglich und heute schon möglich wären Fingerabdrücke und Irisscans. Möglich wären auch interne Plausibilitätsüberprüfungen (zum Beispiel ob die Person die sich anmeldet auch im Gebäude ist) und Analysen des Tippverhaltens. Daran wird gearbeitet. Ebenso wird daran gearbeitet, anhand bestimmter Wort- und Satzkonstruktionen auch unter verschiedenen Namen schreibende Autoren zu identifizieren.

Der Plot selbst ist für einen eingefleischten Politthriller-Fan extrem vorhersehbar. Auch wer der Bösewicht ist. Nur das Motiv bleibt bis zum Schluss im Dunkeln und, nachdem es enthüllt wird, stellt sich die Frage, warum die Bösewichte um ihr Ziel zu erreichen ein ganzes Haus in Brand stecken mussten. Es gibt auch einige weitere unbeantwortete Fragen, damit zusammenhängende Plotlöcher und nicht konsequent durcherzählte Handlungsstränge, die den Eindruck erwecken, Stromiedel habe große Teile der Geschichte beim Schreiben entwickelt; – weshalb immer wieder, wenn es beginnt langweilig zu werden, der sprichwörtliche Mann mit der Pistole den Raum betritt. Das sorgt dann für die nötige Action und hält Kommissar Selig so sehr in Bewegung, dass seine seltsamen Ermittlungsmethoden kaum auffallen. Denn Selig kümmert sich keine Sekunde um die üblichen Verdächtigen und Motive, sondern sucht von Anfang an nur den tätowierten Mann und stößt ziemlich schnell auf Widerstände im Polizeiapparat.

Markus Stromiedel: Feuertaufe

Knaur, 2010

496 Seiten

8,95 Euro

Lesung

Markus Stromiedel stellt „Feuertaufe“ am Dienstag, den 9. März, um 20.00 Uhr im Kriminaltheater Berlin (Palisadenstraße 48) vor. Guntbert Warns liest, Marion Brasch moderiert den Abend und wer wirklich einen Sitzplatz bekommen will, sollte sich vorher anmelden.

Hinweise

Homepage von Markus Stromiedel

Knaur: Interview mit Markus Stromiedel zu „Feuertaufe“

Meine Besprechung von Markus Stromiedels „Zwillingsspiel“


TV-Tipp für den 9. März: Quarks & Co.

März 9, 2010

WDR, 21.00

Quarks & Co.

Heute geht’s, wir ahnen es bei den Fragen „Nackt, aber sicher? Wie viel Sicherheit verträgt die Demokratie?“, um den mit dem islamistischen Terrorismus begründeten Abbau von Freiheitsrechten. Ranga Yogeshwar überprüft Sicherheitstechnik, Psychologe Thomas Kliche erklärt wie Angst Handeln bestimmt und der Stadtsoziologe Andreij Holm erzählt, wie er vom Verfassungsschutz zum linksextremistischen Terroristen erklärten wurde.


TV-Tipp für den 8. März: Die sieben Samurai

März 8, 2010

Arte, 20.15

Die sieben Samurai (J 1954, R.: Akira Kurosawa)

Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni, Akira Kurosawa

Japan 1586: Weil Banditen immer wieder ihre Ernte stehlen, beschließen die Bauern eine Gruppe von Samurai zu bezahlen. Die Samurai sollen sie und ihre Ernte vor den Banditen beschützen.

Heute läuft die TV-Premiere der 2006 restaurierten Langfassung von Kurosawas Klassiker. Kurosawa erstellte für den japanischen Markt eine 203-minütige Fassung (das dürfte auch die heute Abend gezeigte Version sein) und für den internationalen Markt eine 160-minütige Version.

Diese internationale Version sah ich vor ungefähr fünfzehn Jahren im Kino und ich war sprachlos. Denn obwohl ich lange Filme nicht mag, verging die Zeit wie im Flug. Nichts wirkte veraltet. Die Kämpfe sind immer noch atemberaubend und unglaublich direkt inszeniert (Er nahm sie mit mehreren Kameras auf.). Die Betrachtungen über das Leben der armen Bauern, der Samurai und ihrem Ethos sind als prägnante Zeichnung unterschiedlicher Kulturen zeitlos. Das Ende ist bitter-ironisch. Die Kameraarbeit erstaunlich zeitgemäß. Immerhin reden wir hier von einem Film, der als ich ihn sah bereits vor über vierzig Jahren entstand.

Die sieben Samurai“ ist ein Klassiker, der kein Patina angesetzt hat und kraftvolles Kino.

‚Shichinin No Samurai‘ ist episches Kino in Vollendung, das heißt: es ist vor allem Erzählung.“ (Karsten Visarius in Akira Kurosawa, Hanser Reihe Film Band 41, 1988)

Doch wie kunstvoll Kurosawa die verschiedenen Bedeutungsebenen verknüpft, wie kongenial er im Vordergrund eine packende, mal tragische, mal komische Geschichte und dazu einen bitteren historisch-geschaftlichen Subtext entwickelt – das macht ‚Shichinin No Samurai‘ zu einem zeitlosen Meisterwerk.“ (Heinz-Jürgen Köhler in Bodo Traber/Hans J. Wulf, Hrsg.: Filmgenres – Abenteuerfilm, 2004)

Es wurden mehrere Remakes und Quasi-Remakes gedreht. Das bekannteste ist „Die glorreichen Sieben“ (The magnificent seven, USA 1960) von John Sturges.

Mit Takashi Shimura, Toshiro Mifune, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Minoru Chiaki, Daisuke Kato, Ko Kimura

Hinweise

Wikipedia über „Die sieben Samurai“ (deutsch, englisch)

Arte über „Die sieben Samurai“


Die Razzies mit Sandra Bullock

März 7, 2010

Halle Berry tat’s für „Catwoman“.

Sandra Bullock tat’s gestern für „Verrückt nach Steve“ (All about Steve). Sie nahm den Razzie als schlechteste Schauspielerin des Jahres persönlich in Empfang. Zusammen mit ihrem Filmpartner Bradley Cooper erhielt sie einen weiteren Razzie als „Schlechtestes Filmpaar“.

Hier der erste Teil ihrer Dankesrede in okayer Qualität:

Hier ihre gesamte Dankesrede in, hmpf, dokumentarischer Qualität:

Den Razzie als schlechtester Film des Jahres erhielt „Transformers: Die Rache“ (Transformers: Revenge of the Fallen); Michael Bay erhielt für seine Regie bei diesem Katastrophenfilm einen Razzie und die Drehbuchautoren Ehren Kruger, Roberto Orci und Alex Kurtzman erhielten ebenfalls für dieses Werk diese nicht so sehr begehrte Trophäe. Der schlechteste Schauspieler sind die Jonas Brothers für ihre Spiel in „Jonas Brothers: The 3D Concert Experience“.  Schlechteste Nebendarstellerin ist Sienna Miller (G. I. Joe). Schlechtester Nebendarsteller Billy Ray Cyrus (Hannah Montana). Und das schlechteste Prequel/Remake/Rip-Off/Sequel ist „Die fast vergessene Welt“ (Land of the Lost).

Außerdem wurden die Dekaden-Razzies für die schlechteste Leistung des vergangenen Jahrzehnts an Battlefield Earth (schlechtester Film des Jahrzehnts), Eddie Murphy (schlechtester Schauspieler des Jahrzehnts) und Paris Hilton (schlechteste Schauspielerin des Jahrzehnts) vergeben.


Kleinkram

März 7, 2010

Mal wieder ein schneller Rundumschlag:

Die grandiose James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist – Mord in Louisiana“ (von Bertrand Tavernier, mit Tommy Lee Jones) erscheint am 28. Mai bei Koch-Media als DVD und Blu-Ray.

Die Vorlage ist der sechste Dave-Robicheaux-Krimi „Im Schatten der Mangroven“ (In the electric mist with confederate dead, 1993).

Ende Mai erscheint bei Koch-Media auch die zweite Staffel von „Simon & Simon“.

Bei Fora.tv gibt es einen einstündigen Mitschnitt von einem Auftritt von Regisseur  William Friedkin (The French Connection, Der Exorzist, Leben und Sterben in L. A., Die Stunde des Jägers) an der Hudson Union Society.

ABC hat sich mit Peter Temple unterhalten.

Scene of the Crime hat mit Philip Kerr (vor allem über seine Bernhard-Gunther-Romane) und mit Kjell Ola Dahl gesprochen.

Es gibt noch einige weitere neue Interviews:

The Oprah Magazine sprach mit J. K. Rowling

Mysterious Musings mit John Harvey

Der Independent mit Sara Paretsky.

Die März-Ausgabe von The Big Thrill ist online. Dieses Mal unter anderem mit Vorstellungen der neuen Werke und gewohnt ausführlichen Interviews mit Linda Fairstein, Jonathan Maberry, Linwood Barclay, Michael Parker und Jon Land.

Die März-Ausgabe der Phantastik-Couch ist online. Für uns Krimifans gibt es Besprechungen von Adam-Troy Castros „Halbgeist„, Lincoln Childs „Nullpunkt“ und Victor Gischlers „Go-Go-Girls der Apocalypse„.

Oliver Stone will Don Winlows „Savages“ verfilmen. Mal abwarten, was drauß wird.

Sky1 verfilmt Mark Billinghams Thorn-Roman „Sleepehead“ und „Scaredy Cat“. Stephen Hopkins führt Regie, Jim Keeble und Dudi Appleton schrieben das Drehbuch und David Morrisey spielt die Hauptrolle.

Bei Tor macht Hard-Case-Crime-Chef Charles Ardai sich Gedanken über „Pulp lives, again (but for how long?)“.

Eine freudige Überraschung erlebte ich, als ich kürzlich, nach sehr langer Zeit die Seite vom „Rockpalast“ anklickte. Denn dort gibt es inzwischen eine erkleckliche Zahl guter Konzerte:

Joan Armatrading (6. Rockpalast-Nacht, 1980 – da dürften demnächst noch einige Schätze gehoben werden)

Bad Religion

Calexico (2006 und 2007)

Willy deVille

Faith No More

Golden Earing

Stefan Gwildis

Manic Street Preachers

Skunk Anansie

Mick Taylor

Tocotronic

undundund

Außerdem ein Bericht vom Wacken-Open-Air und vom Orange-Blossom-Festival.

Schon jetzt ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Ich hör mich jetzt so langsam durch die Konzerte durch.


TV-Tipp für den 7. März: Oscar 2010

März 6, 2010

Pro 7, 02.00

Oscar 2010 – Die Academy Awards – live aus L. A.

Bereits ab 1.00 Uhr berichtet Pro 7 vom roten Teppich. Aber erst um 2.00 Uhr geht’s mit Alec Baldwin und Steve Martin richtig los.

Die Gewinner werden natürlich in der IMDB und auf der Oscar-Homepage (dort gibt’s auch viele weitere Informationen und Interviews) gemeldet.

Die „Avatar“-freien Spirit-Awards für unabhängige Filme (Homepage) sind bereits vergeben.

Die Razzies für ungewöhnlich schlechte Filme ebenfalls.


TV-Tipp für den 6. März: Blutrot

März 6, 2010

ARD, 23.45

Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)


Kurzkritik: Angelo Petrella – Nazi Paradise

März 4, 2010

Für „Nazi Paradise“ braucht man nicht mehr Zeit, als für einen sonntäglichen „Tatort“. Aber während nicht nur ich mich inzwischen über die meisten „Tatorte“ ärgere, ist „Nazi Paradise“ verdammt witzig.

Jedenfalls für die Freunde des schwarzen Humors.

In seinem Deutschlanddebüt (in seiner italienischen Heimat hat er bereits mehrere Bücher veröffentlicht) lässt Angelo Petralla einen namenlosen Naziskin, der die Geschichte auch hübsch rotzig erzählt, mächtig in die Scheiße latschen. Denn wenn der Erzähler nicht gerade mit einigen Freunden das Fußballstadion besucht und sich auch dort mit Hooligans, Negern und Wichsern, die ihm gerade in die Faust laufen, schlägt oder sich besäuft, crackt er sich in fremde Computer und räumt Bankkonten leer. Selbstverständlich hält er sich für ein Genie und alle Anderen für Trottel.

Als er trotzdem mal wieder von der Polizei erwischt wird (soviel zu seiner Genialität) und er sich fragt, wegen welchem seiner Verbrechen ihn die Polizei dieses Mal einbuchten will, machen ihm zwei korrupte Polizisten ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: entweder crackt er für sie während einer Promi-Party einen Computer oder er wandert für lange Zeit ins Gefängnis. Er nimmt das Angebot, in der vollkommen irrwitzigen Annahme, die Polizisten reinlegen zu können, an.

Und dann geht’s, immerhin sind wir noch auf den ersten Seiten von „Nazi Paradise“, in bester B-Movie- und Pulp-Manier, gewürzt mit einer kräftigen Portion Néo-Polar, los. Er chattet am Computer mit einer ihm unbekannten Femme Fatale, sein Kontaktmann bei der Party sieht verdammt gut aus, das Ziel ist der Heilige Gral für Cracker und, viel zu spät, begreift der Erzähler, dass er nicht so schlau ist, wie er dachte.

Angelo Petrella: Nazi Paradise

(übersetzt von Bettina Müller Renzoni)

Pulp Master, 2010

128 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Nazi Paradise

Meridiano Zero, 2007

Hinweise

MySpace-Seite von Angelo Petrella