Die Barry-Nominierungen 2010

Juni 11, 2010

Für alle, die noch überlegen, was sie während der Fußballspiele lesen sollen, gibt es jetzt auch die Liste der Barry-Nominierungen, dem Preis des Deadly Pleasures Mystery Magazine. Dieses Jahr sogar mit einer neuen Kategorie: dem besten Kriminalroman des Jahrzehnts. Der Barry wird am Sonntag, den 17. Oktober, in San Francisco auf der Bouchercon verliehen.

Nominiert sind:

Best Novel

The Gates, von John Connolly (Atria)

The Hidden Man (Der Mann im Schatten), von David Ellis (Putnam)

Spade & Archer, von Joe Gores (Knopf)

The Last Child (Das letzte Kind), von John Hart (Minotaur)

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Best First Novel

Beat the Reaper (Schneller als der Tod), von Josh Bazell (Little, Brown)

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

Black Water Rising, von Attica Locke (Harper)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

Best British Novel

Awakening, von S. J. Bolton (Bantam Press)

The Lovers, von John Connolly (Hodder & Stoughton)

Midnight Fugue, von Reginald Hill (HarperCollins)

If the Dead Rise Not, von Philip Kerr (Quercus)

Still Midnight, von Denise Mina (Orion)

The Ignorance of Blood, von Robert Wilson (HarperCollins)

Best Paperback Original

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

The Weight of Silence, von Heather Gutenkauf (Mira)

Fatal Lies, von Frank Tallis (Mortalis)

The Herring-Seller’s Apprentice, von L.C. Tyler (Felony & Mayhem)

Best Thriller

No Survivors (aka „The Survivor“; deutscher Titel: Survivor), von Tom Cain (Viking)

Running from the Devil (Lauf), von Jamie Freveletti (Morrow)

The Gray Man, von Mark Greaney (Jove)

Columbus, von Derek Haas (Pegasus)

House Secrets, von Mike Lawson (Atlantic Monthly)

Walking Dead, von Greg Rucka (Bantam)

Mystery/Crime Novel of the Decade

The Guards (Jack Taylor fliegt raus), von Ken Bruen (Minotaur)

The Lincoln Lawyer (Der Mandant), von Michael Connelly (Little, Brown)

The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung), von Stieg Larsson (Knopf)

Mystic River (Spur der Wölfe; Mystic River), von Dennis Lehane (Morrow)

Still Life (Denn alle tragen Schuld), von Louise Penny (Minotaur)

The Shadow of the Wind (La sombra del viento [Original]; Der Schatten des Windes [Deutsch], von Carlos Ruiz Zafón (Penguin Press)

Best Short Story

• “My Mother’s Keeper,” von Barbara Callahan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2009)

• “Erin’s Journal,” von David Dean (EQMM, December 2009)

• “Real Men Die,” von John H. Dirckx (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], September 2009)

• “The High House Writer,” von Brendan DuBois (AHMM, July-August 2009)

• “A Hollywood Ending,” von Melodie Johnson Howe (EQMM, July 2009)

• “Hard Blows,” von Morley Swingle (aus „The Prosecution Rests: New Stories About Courtrooms, Criminals, and the Law“, herausgegeben von Linda Fairstein; Little, Brown)

Etliche Bücher sind schon übersetzt. Einige andere, wie die neuen Werke von Philip Kerr und Mike Lawson, werden sicher in den kommenden Monaten übersetzt.

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 12. Juni: Der Manchurian Kandidat

Juni 11, 2010

Pro 7, 20.15

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Wiederholung: Sonntag, 13. Juni, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der Manchurian Kandidat“

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris

Wikipedia über Richard Condon (deutsch, englisch)

Kirjasto über Richard Condon

Wired for Books: Don Swain redet mit Richard Condon (1982, 1986, 1990 – jeweils eine knappe halbe Stunde)


Kurzkritik: Charlie Huston – Das Clean-Team

Juni 11, 2010

Auch wenn die ersten Zeilen von Charlie Hustons neuem Roman „Das Clean-Team“ einen zünftigen Noir erwarten lassen, ist der Krimiplot letztendlich nur die Tarnung für eine Entwicklungsgeschichte. Der Ich-Erzähler Webster Fillmore Goodhue muss endlich wieder ins Leben zurückkehren. Denn obwohl er am Anfang des Romans faul bei seinem Kumpel Chev herumhängt, sich von ihm durchfüttern lässt und sich erfolgreich bemüht, ein möglichst großes Arschloch zu sein, war er früher ein Lehrer, der sich für seine Schüler engagierte. Bis es einen Anschlag gab, der sein gesamtes Leben auf den Kopf stellte.

Jetzt stellt ihn Chev vor die Alternative, entweder etwas zum gemeinsamen Junggesellenhaushalt beizutragen oder sich eine neue Bleibe zu suchen. Zähneknirschend nimmt Goodhue daher den Tagesjob bei Po Sin an und er wird Tatortreiniger.

Aber auch da kann er seine große Klappe nicht halten. Als er sich bei der Tochter eines reichen Selbstmörders für eine dumme Bemerkung entschuldigen soll, versteht er sich überraschend gut mit ihr und er wird kurz darauf von ihr gebeten, mitten in der Nacht unter den wachsamen Augen eines bewaffneten Psychopathen, ein billiges Motelzimmer zu reinigen.

Während er das macht, wird bei Po Sin der Wagen gestohlen und er ist auch mitten in einem Krieg der Tatortreiniger um Aufträge.

Während um Goodhue die Kacke am Dampfen ist, muss er sich entscheiden, ob er endlich wieder die Verantwortung für sein Leben übernehmen will.

Das alles erzählt Hank-Thompson- und Joe-Pitt-Erfinder Charlie Huston gewohnt pointiert aus der Sicht des letztendlich liebenswerten Arschlochs und Möchtegern-Marlowes Goodhue; – jedenfalls wenn man nicht die Wohnung mit ihm teilen muss.

Das Clean-Team“ ist ein feiner Hardboiled, der vollkommen zu recht auf einigen Nominierungslisten landete. Mal sehen, ob er auch die Preise erhält.

Charlie Huston: Das Clean-Team

(übersetzt von Alexander Wagner)

Heyne, 2009

496 Seiten

8,95

Originalausgabe

The Mystic Arts of Erasing all Signs of Death

Ballantime Books, 2009

Hinweise

Pulp Noir: Homepage/Blog von Charlie Huston

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Killing Game“ (The Shotgun Rule, 2007)

Mein Interview mit Charlie Huston

Charlie Huston in der Kriminalakte

Trailerpark


TV-Tipp für den 11. Juni: Tatort: Wolfsstunde

Juni 11, 2010

ARD, 21.45

Tatort: Wolfsstunde (D 2008, R.: Kilian Riedhof)

Drehbuch: Kilian Riedhof, Marc Blöbaum

In Münster wird eine Studentin ermordet. Der verdächtige Ex-Freund flieht. Thiel glaubt, dass ein Serientäter sein Unwesen treibt. Professor Boerne nervt Alberich, Thiel und alle, denen er begegnet und selbstverständlich verfolgt er eine eigene Theorie.

Aber der Fall ist, solange der maulfaule Thiel und der arrogante Professor Boerne sich die Bälle zuschieben, egal.

mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Claus D. Clausnitzer, Thomas Dannemann, Katharina Lorenz, Arnd Klawitter, Jörg Pilawa

Hinweise

ARD über das Team Thiel/Boerne

Tatort-Fundus über das Team Thiel/Boerne


Im Verhörzimmer: Jim Nisbet will raus

Juni 9, 2010

Ich habe gegenüber ein nettes Café gesehen. Vor der Tür können wir dann das Interview machen“, schlägt Jim Nisbet in der pompösen Lobby des Westin Grand Hotel in Berlin-Mitte vor. Er besucht derzeit Italien und sein deutscher Verleger Frank Nowatzki lud ihn für eine Lesung nach Berlin ein.

In San Francisco ist es bestimmt wärmer“, wende ich, inzwischen wieder halbwegs an das heute wieder unfreundlich windige Hauptstadtwetter gewöhnt, ein.

Nein, das hier ist das typische Wetter in San Francisco.“ Wegen des Pazifiks sei dort die Temperatur immer ungefähr gleich und sie hätten im Sommer oft wochenlang keinen blauen Himmel. Das typische San-Francisco-Wetter sehe man, so Nisbet, in einer nebligen Szene des Noir „Out of the past“ oder in Hitchcocks „Vertigo“.

Am nahe gelegenen Gendarmenmarkt finden wir einen ruhigen Platz und können uns, nur vom periodisch ertönenden Pressluftbohrern unterbrochen, unterhalten.

Jim Nisbet veröffentlichte zuletzt „Windward Passage“, ein umfangreiches Werk, das auf dem San Francisco Book Fest den Preis als beste Science-Fiction-Buch erhielt.

Für Nisbet ist es kein Science-Fiction, sondern Political Fiction und natürlich auch ein Noir, wobei Nisbet zugibt, dass Noir schwer zu definieren sei. Jim Thompson, David Goodis und William Faulkner waren die ersten Noir-Autoren, die er las.

Bei Faulkner findet er auch schon die Möglichkeit des Mitleids, die ihm auch in seinen Werken wichtig ist. Bei vielen Noirs stört ihn nämlich dieses Fehlen von Menschlichkeit, das zum Leben dazu gehöre und er auch immer wieder erlebt habe. Als er 1967 mit einem Motorrad und ohne Geld durch Deutschland fuhr, war er immer wieder von Deutschen in ihre Häuser eingeladen worden und man habe sich dann irgendwie verständigt. Denn: „Ich konnte kein Deutsch und sie kaum Englisch.“

Außerdem stört ihm beim Standard-Noir, dass dieser keine Entwicklung erlaube. Er versuche dagegen immer ein größeres Bild von den Menschen und der Gesellschaft zu zeichnen. Denn auch die Gesellschaft entwickele sich. Der 1947 geborene Jim Nisbet selbst wuchs in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Süden auf und er war mit den direkten Nachfahren von Sklaven befreundet. Seine Großmutter sah im Fernsehen die Mondladung und jetzt ist Barack Obama Präsident. „Es ist unglaublich, dass ein Schwarzer Präsident ist“, stellt er fest. Noch vor vierzig Jahren war das undenkbar.

Gleichzeitig hat ein Noir auch immer eine dezidierte Haltung zur Gesellschaft. „Ein Kennzeichen eines Noir ist der Ärger, die Ungeduld und die Frustration über die Gesellschaft. Das ist schwer vorzutäuschen“, meint Nisbet. Bei einer Detektivgeschichte könne dagegen mehr geschwindelt werden. Denn dort geht es nur um das Rätsel und die verschiedenen Spuren zur Lösung. Die Autoren seien vielleicht kommerziell erfolgreich, aber nach ihrem Tod verschwänden sie aus den Buchläden.

Nisbets Karriere begann vielversprechend. Seine ersten Noirs veröffentlichte er in der renommierten Black-Lizard-Reihe, die inzwischen zu Random House gehört. Damals, in den den Achtzigern war Barry Gifford (der auch „Wild at Heart“ schrieb) der Herausgeber. Gifford leitete auch die Wiederentdeckung des inzwischen kultisch verehrten Jim Thompson ein. Als Thompson 1977 starb, war keines seiner Bücher mehr erhältlich.

Seitdem waren immer wieder Verlagsleute an Nisbet herangetreten und hatten ihm versprochen, ihn zu einem Bestseller-Autor zu machen. Nisbet hörte sich diese Versprechen immer wieder kopfschüttelnd an. Denn: „Meine Bücher sind nicht für alle. Sie werden keine Bestseller, weil sie der Welt einen Spiegel vorhalten. Das wollen die meisten nicht hören. Sie wollen normal weiterleben und müssen Geld verdienen.“

Nisbet konnte sich, auch weil er es nicht wollte, nie nur vom Schreiben ernähren. Er schrieb einfach immer das, was er wollte und, manchmal mit längeren Unterbrechungen, veröffentlichte er zwischen 1981 und heute elf Romane, die von der Kritik gelobt wurden und Preise erhielten. Zu seinen Fans gehören heute auch Größen wie James Ellroy und Michael Connelly. Aber: „Es ist seltsam. Je mehr ich eines meiner Bücher mag, desto weniger mögen es die anderen.“

Seine letzten Romane veröffentlichte Jim Nisbet in dem kleinen, aber feinen Verlag von Dennis McMillan. McMillans Bücher sind bei Sammlern begehrt und er kann, wenn er seine Bücher ausliefert, von den Buchhändlern verlangen, dass sie ihm eine bestimmte Menge ohne die Möglichkeit einer Rückgabe abnehmen. „Das habe ich bei keinem anderen Verleger gesehen“, erzählt Nisbet. „Außerdem hat Dennis überall Freunde. Als ich mit ihm durch die USA fuhr, konnten wir morgens um fünf Uhr an eine Tür klopfen, die Bewohner freuten sich, dass Dennis da war und wir erhielten ein feines Frühstück.“

Als dann der größere Verlag Overlook Press ihn nach seinem Backkatalog fragte, sagte er nicht nein. Vor wenigen Monaten brachte Overlook seinen neuesten Roman „Windward Passage“ und seinen bereits vor über zwanzig Jahren erstmals erschienenen zweiten Roman „Lethal Injection“ (Tödliche Injektion) heraus.

Ich bin erstaunt, dass Menschen das Buch heute noch lesen wollen“, meint er. Doch das ist vielleicht nicht so erstaunlich. Denn obwohl „Tödliche Injektion“ in den frühen Achtzigern spielt, ist es nicht veraltet. Es geht um zeitlose Themen. Sein Held ist ein alkoholsüchtiger Arzt, der sein Leben hasst und in einer kaputten Ehe feststeckt (Geht es uns nicht allen so?) und der jetzt die Chance auf eine Flucht aus diesem Leben ergreift (Wollen wir das nicht alle?). Es ist eine Anklage gegen die Todesstrafe, die heute in den USA wesentlich umstrittener ist als damals – und es geht um eine Gesellschaft, die zunehmend auseinanderfällt und auch der Mittelstand um sein Überleben kämpfen muss. Diese Verlustängste sind inzwischen, wie der sonntägliche „Tatort“ wöchentlich zeigt, auch bei den Betroffenen angekommen.

In seinem 2006 erschienen Noir „Dunkler Gefährte“ ist sein Held wieder ein Mann aus dem Mittelstand, der nichts falsch machte und trotzdem alles verliert. Das beginnt schon mit dem Verlust seines Jobs, aus dem er wegrationalisiert wird, weil die Qualitätskontrolle ein überflüssiger Kostenfaktor ist.

Das Buch schrieb sich wie von selbst. Ich hatte da nur den Anfang, in dem Banerjhee Rolf die Blumen wässert und sich mit seinem zwielichtigen Nachbarn Toby Pride unterhält. Der Rest ergab sich einfach.“

Nisbet plant den Plot normalerweise nicht vor. Am Anfang hat er eine Idee, einen Dialog, eine Szene oder einen Charakter, der ihn genug fasziniert, um mit dem Schreiben zu beginnen.

Denn wenn ich nicht selbst fasziniert bin von der Geschichte, wie soll es jemand anderes sein?“

Der Plot ergebe sich dann, wie das Leben, bei dem auch nicht alles vorhersehbar sei, beim Schreiben.

Wenn Nisbet mit dem Schreiben einer Geschichte beginnt, geht er es wie einen Job an. Er beginnt um neun Uhr morgens und schreibt bis er sein Tagesziel erreicht hat. „Normalerweise zehn Seiten. Das Problem ist, die richtigen zehn Seiten zu schreiben.“

Die Länge ergebe sich anhand der Geschichte. Deshalb hat „Dunkler Gefährte“ 150 und „Windward Passage“ 450 Seiten.

Bislang hat Nisbet nur Einzelwerke geschrieben. Das mache das Verkaufen schwieriger, aber für ihn sei wichtig, das sein neues Buch nicht wie das vorherige sei.

Bei „Death Puppet“, seinem letzten Black-Lizard-Roman, änderte er sogar in letzter Minute das Ende. Es gab damals einen Eigentümerwechsel und der Managing Editor rief ihn an: „Ich kann das Buch herausbringen, wenn du es heute korrekturliest.“ Nisbet ließ alles stehen und liegen und fuhr zum Verlag nach Berkeley, las das bereits fertig gesetzte Manuskript durch und schrieb das Ende neu.

Nisbet schrieb in den vergangenen Jahrzehnten neben den Romanen auch Gedichte und Theaterstücke. „Für mich ist das alles Literatur. Es sind verschiedene Methoden, wie bei einem Roman, wenn ich von der ersten in die dritte Person wechsele.“

Die Theaterstücke waren Einakter und der Einakter „Notes from the Earth“ ist ein immer wieder aufgeführter Monolog über den letzten Mann auf der Welt, der zu dem Geist seiner verstorbenen Freundin spricht. Nisbet inszenierte die Premiere und ein Schauspieler, der das Stück damals sah, präsentiert es noch heute, wenn er weiß, dass er nicht genommen wird, bei Vorsprechterminen. Er würde dann den Monolog so lange vortragen, bis die Regisseure sagten, es sei genug. Nisbet meint lachend: „Für mich hört sich das wie meine gesamte Karriere an.“

Als ich so langsam richtig durchgefroren bin, entdeckt uns sein deutscher Verleger Frank Nowatzki. Er will demnächst bei Pulp Master Nisbets Deutschlanddebüt „Tödliche Injektion“ wiederveröffentlichen und danach weitere Nisbet-Bücher veröffentlichen.

Für Jim Nisbet ist „Pulp Master“-Macher Frank Nowatzki ein Geistesverwandter von Dennis McMillan: „Es sind diese kleinen Verleger, die das Geschäft am Laufen erhalten.“

Die bekannten Delikte von Jim Nisbet

The Gourmet, The Damned don’t die (1981)

Tödliche Injektion (Lethal Injection, 1987)

Death Puppet (1989)

Across the Tasman Sea (1997)

Prelude to a Scream (1997)

You Stiffed Me (1998)

The Price of the Ticket (2003)

The Syracuse Codex (2005)

Dunkler Gefährte (Dark Companion, 2006)

The Octopus On My Head (2007)

Windward Passage (2010)

A Moment of Doubt (2010, angekündigt)

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte

Die Fotos von Jim Nisbet sind von Frank Nowatzki (Pulp Master). Auf dem dritten Fotos sind, von links nach rechts, Frank Nowatzki, Jim Nisbet und ich am Ende eines langen Tages.


TV-Tipp für den 10. Juni: Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Juni 9, 2010

ARD, 22.45

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.

Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.

Der Film ist Tommy Lee Jones‘ bislang einziger Kinofilm.

mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“

Unionsverlag über Guillermo Arriaga


Die Macavity-Nominierungen 2010

Juni 9, 2010

Für den diesjährigen Macavity-Preis (benannt nach der geheimnisvollen Katze in T. S. Eliots „Old Possums Katzenbuch“ [Old Possum’s Book of Practical Cats]) und verliehen von den Mitgliedern von „Mystery Readers International“ wurden nominiert:

Best Mystery Novel

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Tower, von Ken Bruen und Reed Farrel Coleman (Busted Flush Press)

Necessary as Blood, von Deborah Crombie (Morrow)

Nemesis, von Jo Nesbø; übersetzt von Don Bartlett (HarperCollins)

The Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Best First Mystery Novel

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

Running from the Devil, von Jamie Freveletti (Morrow)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

A Beautiful Place to Die, von Malla Nunn (Picador)

Best Mystery Non-fiction

L.A. Noir: The Struggle for the Soul of America’s Most Seductive City, von John Buntin (Random House)

Talking about Detective Fiction, von P.D. James (Knopf)

Rogue Males: Conversations & Confrontations About the Writing Life, von Craig McDonald (Bleak House Books)

The Line Up: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Little, Brown)

Provenance: How a Con Man and a Forger Rewrote the History of Modern Art, von Laney Salisbury und Aly Sujo (Penguin Press)

Dame Agatha’s Shorts: An Agatha Christie Short Story Companion, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

Best Mystery Short Story

• “Last Fair Deal Gone Down,” von Ace Atkins (aus „Crossroad Blues“; Busted Flush Press)

• “Femme Sole,” von Dana Cameron (aus „Boston Noir“, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic Books)

• “Digby, Attorney at Law,” von Jim Fusilli (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, Mai 2009)

• “Your Turn,” von Carolyn Hart (aus „Two of the Deadliest: New Tales of Lust, Greed, and Murder from Outstanding Women of Mystery“, herausgegeben von Elizabeth George; Harper)

• “On the House,” von Hank Phillippi Ryan (aus „Quarry: Crime Stories von New England Writers“, herausgegeben von Kate Flora, Ruth McCarty und Susan Oleksiw; Level Best Books)

• “The Desert Here and the Desert Far Away,” von Marcus Sakey (aus „Thriller 2: Stories You Just Can’t Put Down“, herausgegeben von Clive Cussler; Mira)

• “Amapola,” von Luis Alberto Urrea (aus „Phoenix Noir“, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic Books)

Sue Feder Historical Mystery

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

In the Shadow of Gotham, von Stephanie Pintoff (Minotaur)

A Duty to the Dead, von Charles Todd (Morrow)

Serpent in the Thorns, von Jeri Westerson (Minotaur)

Among the Mad, von Jacqueline Winspear (Henry Holt)

Der Preis wird im Oktober auf der Bouchercon in San Francisco verliehen.

(via The Rap Sheet)


„Die Meinungsmacher“?!

Juni 9, 2010

Ich habe keine Ahnung, ob der Hauptstadtjournalismus in Rom, Paris, Wien, London oder Washington (wobei Washington wahrlich keine Kulturhauptstadt ist) besser oder schlechter als unser Hauptstadtjournalismus ist, aber dass es, sicher auch durch den gleichzeitigen Aufstieg des Internets zum Massenmedium, einen qualitativen Unterschied zwischen dem Bonner und dem Berliner Journalismus gibt, wird niemand leugnen. Und die meisten werden auch der knackigen Unterzeile „Über die Verwahrlosung des Hauptstadtjournalismus“ von Leif Kramp und Stephan Weicherts „Die Meinungsmacher“ zustimmen. Dafür muss man sich nur an eine der zahlreichen Kampagnen der vergangenen Jahre erinnern, bei denen die öffentliche Aufregung in einem groben Missverhältnis zu dem Gegenstand des Skandals stand. Ich sage nur Bonusmeilen, außereheliche Affären, Dienstwagenbenutzung in Spanien, Reisebegleitungen oder zuletzt die von-der-Leyen-Nummer. Da wurde breit in allen Qualitätszeitungen über eine mögliche Kandidatur von ihr als Bundespräsidentin geschrieben, während dagegen die inzwischen ziemlich zurückgezogenen Ideen von Gesundheitsminister Philipp Rösler zur Kopfpauschale wesentlich weniger thematisiert wurden.

In ihrem Buch liefern die beiden Wissenschaftler Leif Kramp und Stephan Weichert auf etwas über zweihundert Seiten eine dichte Beobachtung des Hauptstadtjournalismus von der Euphorie vor dem Umzug nach Berlin, der Symbiose zwischen Journalismus und Politik (dank begnadeter Selbstdarsteller wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer), der Boulevardisierung und der inzwischen einsetzenden Depression, gemischt mit hysterischen Untertönen, über die Bedrohung durch das Internet.

Für die Boulevardisierung und den damit verbundenen Qualitätsverfall ist die journalistische Kaste selbst verantwortlich. Sie orientiert sich an Talkshows, die mehr Theater als politische Aufklärung sind. Sie entwickelt einen Herdentrieb, der eine eigenständige Analyse ersetzt. Denn die Hauptstadtjournalisten sehen sich, bei all ihren Unterschieden in Einkommen, Anstellung und Renommee, einerseits als Elite und folgen andererseits einfach dem lautesten Rufer, der oft zu der kleinen Gruppe der bundesweit bekannten Alpha-Journalisten und Leitmedien wie Spiegel Online gehört.

Außerdem gibt es viele Berufseinsteiger. Sie sind unerfahren und beschäftigen sich lieber mit einfachen Themen, wie den unendlichen Farbspielen vor Wahlen, Personalien und der Skandalisierung von Nebensächlichkeiten. Immerhin kann darüber schnell und ohne Fachwissen ein Artikel geschrieben werden. Das Einschätzen von arbeitsmarkt- und gesundheitspolitischen Vorschlägen ist dagegen schon schwieriger. Vor allem wenn es mehr als ein Abschreiben der zunehmend besser geschriebenen offiziellen Verlautbarungen sein soll. Dafür benötigt man Kontakte, Zeit für Recherche (die oft nicht bezahlt wird) und muss das Thema kennen.

Auffallend ist in dieser zweihundertseitigen Analyse der Hauptstadtjournalisten, dass TV und Radio kaum vorkommen. Die traditionellen Qualitätszeitungen und -magazine, wie Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel und Die Zeit, stehen im Mittelpunkt. Sie prägen den Hauptstadtjournalismus. Sie liefern Analysen des politischen Geschehens. Das Fernsehen liefert die Bilder, aber nicht die Enthüllungen. So verblüffend dies auf den ersten Blick ist, so sehr wird diese Einschätzung von der Wirklichkeit gedeckt. Denn neben den Nachrichtensendungen gibt es im Fernsehen kaum noch politische Informationen, aber dafür viel Spektakel.

Kramp und Weichert schließen „Die Meinungsmacher“ mit zehn Thesen ab. Diese sind nicht unbedingt revolutionär, meistens sogar offensichtlich und ergeben sich, wie bei wissenschaftlichen Arbeiten oft, nur zum Teil aus der vorherigen Analyse:

– Meinungsmacher sein ist ein Privileg, das nicht missbraucht werden darf.

– Die Informationsflut erfordert mehr Recherchekompetenz, um den Fastfoodjournalismus einzudämmen.

– Entschleunigung und Nachhaltigkeit (Slow Media) sind das stärkste Mittel gegen den Glaubwürdigkeitsverlust.

– Innovation, nicht Rückspiegelung sichert die Zukunft des Politikjournalismus in der Hauptstadt.

– Politikberichterstattung braucht Lotsen und starke Wege, aber keinen Boulevard.

– Ohne Rückzugsräume wird Selbstkorrektur in den Redaktionen ein Fremdwort bleiben – und das ist schlecht.

– Das Internet ist nicht der Feind des Journalisten, sondern seine Zukunft.

– Mitmachjournalismus in allen Ehren, aber Profis sind weiterhin gefragt.

– Wer bloggt, der bleibt: Das neue Leitprinzip politischer Kommunikation.

– Hauptstadtjournalismus braucht Leitwölfe und Vorbilder.

Die restlichen fünfzig Seiten, und hier zeigt sich wieder im positiven Sinn, dass die beiden Autoren Wissenschaftler sind, werden mit Textnachweisen, einem Stichwortverzeichnis, verdienstvollen Begriffserklärungen und Kurzbiographien der Gesprächspartner gefüllt.

Gerade weil sich inzwischen der Staub der ersten Stampede gelegt hat, viele Hauptstadtredaktionen wieder aufgelöst oder kräftig reduziert wurden, die Auswirkungen des Umzugs von Bonn nach Berlin offensichtlich sind und Kramp und Weichert keine gehypten Sensationen, sondern eine ziemlich nüchterne Bestandsaufnahme liefern, ist „Die Meinungsmacher“ lesenswert. Mit ihren zehn Thesen wollen sie einen Selbstheilungsprozess in Gang setzen.

Wenn er gelingt, würde der sich immer noch vor allem in den Qualitätstageszeitungen stattfindende Hauptstadtjournalismus sich wieder auf die alten journalistischen Tugenden besinnen.

Wenn nicht, muss nach neuen Modellen gesucht werden. Denn ein Kennzeichen des Kapitalismus ist die Zerstörung; – und die Zerstörung des im Moment oft hysterisch-gehaltlosen Hauptstadtjournal wäre nicht unbedingt das schlechteste.

Leif Kramp/Stephan Weichert: Die Meinungsmacher – Über die Verwahrlosung des Hauptstadtjournalismus

Hoffmann und Campe, 2010

304 Seiten

20,00 Euro


TV-Tipp für den 9. Juni: Tod in der Tiefe

Juni 9, 2010

Arte, 20.15

Tod in der Tiefe (D 2010, R.: Dirk Pohlmann)

Drehbuch: Dirk Pohlmann

1968 verschwinden ein russisches und ein amerikanisches Atom-U-Boot. Die 45-minütige Doku versucht herauszufinden, was damals geschah.

Wiederholung: Dienstag, 15. Juni, 11.30 Uhr

Hinweis

Arte über die Doku


Ballad of Dave Robicheaux

Juni 9, 2010

Zwei Exemplare von „In the electric mist“ zu gewinnen

Juni 8, 2010

Die netten Damen von Koch Media haben mir zwei DVDs der neuesten und sehr gelungenen James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist – Mord in Louisiana“ gegeben. Bertrand Tavernier, dem wir schon die geniale Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“ verdanken, führte Regie. Tommy Lee Jones spielt den in New Iberia, Louisiana, arbeitenden Detective Dave Robicheaux. Er jagt den Mörder einer neunzehnjährigen Prostituierten. Gleichzeitig wird er mit der Südstaatenvergangenheit konfrontiert: eine Filmcrew dreht einen historischen Film und der Star des Films erzählt Robicheaux, dass er in den Sümpfen die verweste Leiche eines Mannes in Ketten gesehen habe. Das löst bei dem trockenen Alkoholiker Robicheaux Erinnerungen an die eigene Vergangenheit aus – und dann sieht er in seinem Garten immer wieder den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Schnell legt Robicheaux sich bei seinen Ermittlungen mit dem lokalen Paten und alten Kumpel Julie ‚Baby Feet‘ Balboni, der auch Geld in den Film investiert hat, an. Dabei ist nicht immer erkennbar, wie sehr Robicheaux einen persönlichen Rachefeldzug veranstaltet oder wirklich eine Spur verfolgt.

Der Film ist, wie die inzwischen nicht mehr übersetzten Romane des in den USA hochgeschätzten James Lee Burke, kein konventioneller Krimi. Er ist vor allem das Porträt eines von den Dämonen der Vergangenheit, der eigenen Schuld, Selbsthass und der Suche nach Erlösung getriebenen Charakters, einer korrupten Gesellschaft und einer tropisch-schwülen Landschaft, in der die Vergangenheit noch sehr lebendig ist. Die Bilder des immer noch vom 2005er Hurrikan Katrina zerstörten New Orleans verstärken diesen Eindruck.

Die Besetzung ist hochkarätig. Neben Tommy Lee Jones spielen John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince und Levon Helm mit und Blues-Musiker Buddy Guy spielt einige Songs, die den größten Teil der geschnittenen Szenen ausmachen.

Das Drehbuch ist von Jerzy Kromolowski und Mary Olson-Kromolowski, die auch das Drehbuch für Sean Penns grandiose Friedrich-Dürrenmatt-Verfilmung „Das Versprechen“ (The Pledge) schrieben.

In the electric mist“ lief bereits erfolgreich auf der Berlinale und dem Fantasy Filmfest. Aber für einen Kinostart hat es nicht gereicht.

Nach dem ganzen Gelaber wollt ihr sicher nur eines wissen: Wie komme ich an das Teil?

Ganz einfach. Ihr schickt eine E-Mail an info[@]axelbussmer.de und schreibt in den Betreff „Ich will ‚In the electric mist’“.

Am kommenden Mittwoch, den 16. Juni, werde ich dann die beiden Gewinner auslosen und die DVDs verschicken.

Einsprüche gegen dieses Verfahren sind zwecklos.


Cover der Woche

Juni 8, 2010


TV-Tipp für den 8. Juni: Der Bauch des Architekten

Juni 8, 2010

RBB, 22.45

Der Bauch des Architekten (GB/I 1987, R.: Peter Greenaway)

Drehbuch: Peter Greenaway

Ein Architekt erlebt während der Vorbereitungen für eine Ausstellung in Rom eine ausgewachsene Sinnkrise.

Ein schrecklich deprimierender Film – und ein Lehrstück über das Sehen und Bilden, unter anderem, ein Film von ausgesuchter optischer Raffinesse, voller dunkelleuchtender Farben.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Aber: „Die Filme funktionieren freilich auch auf der schlichten narrativen Ebene, sind unterhaltsam und komisch.“ (ebenda)

Damals war der Avantgarde-Künstler Peter Greenaway nach seinem Spielfilmdebüt „Der Kontrakt des Zeichners“ (The Draughtsman’s Contract) und dem unbekannteren „Eine Z und zwei Nullen“ (A Zed & two Noughts) und vor „Verschwörung der Frauen“ (Drowning by Numbers), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (The Cook, the Thief, his Wife and her Lover) und „Prosperos Bücher“ (Prospero’s Books) auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit als Filmregisseur.

Heute ist eine der seltenen Gelegenheiten den „Bauch des Architekten“ zu bewundern.

mit Brian Dennehy, Chloe Webb, Lambert Wilson, Sergio Fantoni

Hinweise

Wikipedia über Peter Greenaway (deutsch, englisch)

Homepage von Peter Greenaway

Homepage über Peter Greenaway

Noch eine Seite über Peter Greenaway


Kleinkram

Juni 7, 2010

Anlässlich des Starts von „Luther“ lieferte Gerard Gilbert im Independent einen Überblick über die aktuellen britischen Krimiserien und welche demnächst kommen. Unter anderem Verfilmungen der Aurelio-Zen-Bücher von Michael Dibdin und der Inspektor-Banks-Romane von Peter Robinson.

„Luther“ wurde von Neil Cross, der neben den Drehbüchern für die Agentenserie „Spooks – Im Visier des MI 5″ auch einige noch nicht übersetzte Krimis schrieb, erfunden.

Die Verfilmungen der Thorne-Romane von Mark Billingham erwähnte er nicht.

In den USA startet am 9. Juli im SyFy Channel die Serie „Haven“. Sie basiert sehr lose (Ich meine seeeehr loooose) auf Stephen Kings Hard-Case-Crime-Roman „The Colorado Kid“.

Bei Collider gibt es Interviews mit den Hauptdarstellern der Krimiserie „Lie to me“: Tim Roth, Kelli Williams, Monica Raymund und Brendan Hines.

Bei uns läuft am Mittwoch um 21.15 Uhr auf Vox die letzte Folge vor der Sommerpause.

In der New York Times bespricht Charles McGrath die neue Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“, vergleicht sie mit den bisherigen Thompson-Verfilmungen und porträtiert den Regisseur Michael Winterbottom.

In Deutschland denkt man über die Zukunft des Fernsehens nach.

Claus Hant, der Erfinder der Sat.1-Krimiserie „Der Bulle von Tölz“, schreibt von seinem Prozess gegen Sat.1:

Am 13. Januar 2010 hat das Kammergericht Berlin im Fall „Bulle von Tölz“ ein Urteil gefällt, das für Drehbuchautoren in dieser Hinsicht von großer Bedeutung ist. Da die Gegenpartei (SAT1) darauf verzichtet hat, Revisionsbeschwerde einzulegen, ist das Urteil inzwischen rechtskräftig.

In dem Verfahren ging es zunächst darum, ob mir als dem alleinigen Schöpfer der „Fabel“ der Serie, d.h. dem Urheber der Elemente, die den „Bullen von Tölz“ prägen, auch für diejenigen Episoden Urheberrechte zustehen, die ich selbst nicht geschrieben habe. Diese Frage hat das Gericht bejaht. Das heißt, TV-Sender müssen dem Schöpfer/Creator, der das Serienkonzept geschaffen bzw. die erste(n) Folge(n) geschrieben hat, auch für die Episoden, die er selbst nicht schreibt, ein Creator/Schöpfer-Honorar bezahlen.

Die zweite Frage, die das Gericht zu entscheiden hatte, betraf die Angemessenheit der Vergütung. SAT1 hatte mit mir einen Buyout-Vertrag geschlossen, d.h. ich habe ein einmaliges Pauschalhonorar erhalten und musste im Voraus auf eine Beteiligung an allen Erträgen verzichten, die aus der Verwertung meiner Urheberrechte in der Zukunft entstehen würden. Buyout-Verträge dieser Art sind in der Branche seit Jahren üblich. Das heißt jedoch nicht, dass sie redlich sind. Diese Verträge stehen nämlich in klarem Widerspruch zum Urheberrecht welches festlegt, dass der Urheber an sämtlichen Erträgen und Vorteilen, die aus der Verwertung seiner Rechte erwachsen, angemessen zu beteiligen ist. Das Urheberrecht gibt dem Urheber die Möglichkeit, Buyout-Verträge im Nachhinein anzufechten, sollte es Anhaltspunkte dafür geben, dass die Erträge des Verwerters in einem „groben“ oder „auffälligen“ Missverhältnis zum Honorar des Urhebers stehen. Im Fall „Bulle von Tölz“ hat das Kammergericht Berlin Anhaltspunkte sowohl für ein „grobes“ als auch für ein „auffälliges“ Missverhältnis festgestellt.


TV-Tipp für den 7. Juni: Der Schrei der Eule

Juni 7, 2010

Arte, 20.15

Der Schrei der Eule (F 1987, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.

Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.

Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot

Wiederholungen

Freitag, 18. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 22. Juni, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Arte über den Programmschwerpunkt


Hammett und Lambda vergeben

Juni 6, 2010

Zweimal Chronistenpflicht:

Nummer 1: Die North American Branch der International Association of Crime Writers (IACW/NA) hat den diesjährigen Hammett-Preis vergeben:

The Manual of Detection: A Novel, von Jedediah Berry (Penguin Press)

nominiert

Bury Me Deep: A Novel, von Megan E. Abbott (Simon & Schuster)

Devil’s Garden, von Ace Atkins (Putnam)

The Long Fall, von Walter Mosley (Riverhead)

The Way Home (Kein Weg zurück), von George Pelecanos (Little, Brown)

Nummer 2: Die Lambdas wurde ebenfalls vergeben. Die Gewinner im Krimibereich:

Best Lesbian Mystery

Death of a Dying Man von J.M. Redmann (Bold Strokes Books)

nominiert

Command of Silence, von Paulette Callen (Spinsters Ink)

From Hell to Breakfast, von Joan Opyr (Blue Feather Books)

The Mirror and the Mask, von Ellen Hart (St. Martin’s/Minotaur)

Toasted, von Josie Gordon (Bella Books)

Best Gay Mystery

What We Remember, von Michael Thomas Ford (Kensington Books)

nominiert

All Lost Things, von Josh Aterovis (P.D. Publishing)

Killer of Orchids, von Ralph Ashworth (State Street Press)

Murder in the Garden District, von Greg Herren (Alyson Books)

Straight Lies, von Rob Byrnes (Kensington Books)

Alle Preisträger (denn neben den Krimis wurden viele weitere Bücher ausgezeichnet) gibt es hier.


TV-Tipp für den 6. Juni: Killer stellen sich nicht vor

Juni 5, 2010

3sat, 01.15

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Als Spieler Gerfaut einen der schwer verletzten Angestellten an einer Straße entdeckt, bringt er ihn in ein Krankenhaus und setzt sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Distel Literaturverlag über Jean-Patrick Manchette

Französische Seite über Jean-Patrick Manchette


Die Anthony-Nominierungen 2010

Juni 5, 2010

Spinetingler hat die Nominierungen für den diesjährigen Anthony-Award veröffentlicht:

BEST NOVEL

THE LAST CHILD (Das letzte Kind) – John Hart [Minotaur Books]

THE MYSTIC ARTS OF ERASING ALL SIGNS OF DEATH (Das Clean-Tam)– Charlie Huston [Ballantine Books]

THE GIRL WHO PLAYED WITH FIRE (Verdammnis) – Stieg Larsson, translated by Reg Keeland [Quercus/Knopf]

THE BRUTAL TELLING – Louise Penny [Minotaur Books]

THE SHANGHAI MOON – S.J. Rozan [Minotaur Books]

BEST FIRST NOVEL

THE SWEETNESS AT THE BOTTOM OF THE PIE – Alan Bradley [Delacorte Press]

STARVATION LAKE – Bryan Gruley [Touchstone]

A BAD DAY FOR SORRY – Sophie Littlefield [Minotaur Books]

THE TWELVE/THE GHOSTS OF BELFAST – Stuart Neville [Harvill Secker/Soho Press]

IN THE SHADOW OF GOTHAM – Stefanie Pintoff [Minotaur Books]

BEST PAPERBACK ORIGINAL

BURY ME DEEP – Megan Abbott [Simon & Schuster]

TOWER – Ken Bruen and Reed Farrel Coleman [Busted Flush Press]

QUARRY IN THE MIDDLE – Max Allan Collins [Hard Case Crime]

STARVATION LAKE – Bryan Gruley [Touchstone]

DEATH AND THE LIT CHICK – G.M. Malliet [Midnight Ink]

AIR TIME – Hank Phillippi Ryan [Mira]

BEST SHORT STORY

Last Fair Deal Gone Down” – Ace Atkins, CROSSROAD BLUES [Busted Flush Press]

Femme Sole” – Dana Cameron, BOSTON NOIR [Akashic Books]

Animal Rescue” – Dennis Lehane, BOSTON NOIR [Akashic Books]

On the House” – Hank Phillippi Ryan, QUARRY: Crime Stories by New England Writers [Level Best Books]

Amapola” – Luis Alberto Urrea, PHOENIX NOIR [Akashic Books]

BEST CRITICAL NONFICTION WORK

TALKING ABOUT DETECTIVE FICTION – P.D. James [Bodleian Library/Knopf]

THE LINE UP: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives – Otto Penzler, ed. [Little, Brown and Co]

HAUNTED HEART: The Life and Times of Stephen King – Lisa Rogak [Thomas Dunne Books]

DAME AGATHA’S SHORTS: An Agatha Christie Short Story Companion – Elena Santangelo [Bella Rosa Books]

THE TALENTED MISS HIGHSMITH: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith – Joan Schenkar [St. Martin’s Press]


Kleinkram

Juni 5, 2010

In den vergangenen Tagen hat sich einiges ansammelt. Daher ohne weitere Kommentare:

Die Juni-Ausgabe von The Big Thrill ist online mit Porträts (oft mit Interviews) von Janet Evanovich, Karin Slaughter, Tess Gerritsen, R. J. ElloryEric Van Lustbader (mit einem weiteren Jason-Bourne-Roman), Jon Land (Yep, der schreibt immer noch.), Scott Sigler, Alexandra Sokoloff, Cindy Gerard und James O. Born (über Joseph Wambaughs „Die Chorknaben“; Born ist noch nicht übersetzt. Aber er hatte hier schon einen denkwürdigen Auftritt als Buchkritiker.)

Nach den vielen thrillenden Mädels wurden Brett Battles und Dennis Lehane (über „Shutter Island“ und „Im Aufruhr jener Tage“)  in andere Verhörzimmer geführt.

Declan Burke (Crime always pays) schreibt über Jim Thompson und die neue Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“:

Be warned that this is not one for the faint-hearted, as the violence has a perversely intimate quality to it that makes it utterly shocking. That said, as a crime thriller and a forensically telling psychological exploration of psychosis, The Killer Inside Me is a viscerally engaging experience. ****

Spielt James Bond, äh Daniel Craig in David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“  die männliche Hauptrolle?

Das könnte wirklich etwas werden. Die ersten Bilder für die auf der Comicserie „The Walking Dead“ basierende TV-Serie sind online und sie sehen wirklich zombiemäßig aus.

„Walking Dead“-Drehbuchautor Robert Kirkman erzählt einiges über die Serie.

(Ich werd demnächst die Vorlage von Robert Kirkman ausführliche vorstellen.)

Wenn wir vom „Walking Dead“ reden, dürfen wir von Zombies nicht schweigen und zum Glück gibt es den auskunftwilligen Experten George A. Romero.

Das Wolfe Pack hat die Nominierungen für den diesjährigen Nero Award veröffentlicht:

The Fleet Street Murders, von Charles Finch
The Crack in the Lens, von Steve Hockensmith
Faces of the Gone, von Brad Parks

Der Gewinner wird Anfang Dezember bekannt gegeben.


TV-Tipp für den 5. Juni: Tatort – Tod eines Mädchens

Juni 5, 2010

NDR, 20.15

TATORT: Tod eines Mädchens (D 1991, R.: Jürgen Roland)

Drehbuch: Horst Bieber

Hat Bading ein Mädchen umgebracht? Stoever und Brockmöller meinen ja, bis sie ihren Hauptverdächtigen ermordet finden.

Guter Einsatz der damals noch nicht singenden Kommissare.

Mit Manfred Krug, Charles Brauer, Helmut Zierl, Monica Bleibtreu

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Horst Bieber

Meine Besprechung von Horst Biebers „Sein letzter Tresor“

Meine Besprechung von Horst Biebers „Anna verschwindet“