DVD-Kritik: Jackie Chan als „Little Big Soldier“

Jackie Chan scheint so langsam mit seinem Alterswerk zu beginnen. Nach dem gelungenem Noir-Gangsterfilm und Immigrationsdrama „Stadt der Gewalt“ und dem an der Kinokasse erfolgreichem Remake „Karate Kid“ hat er mit „Little Big Soldier“ einen weiteren Film gedreht, bei dem er in erster Linie als Schauspieler überzeugt. Allerdings ist „Little Big Soldier“ wesentlich witziger als die humorlose „Stadt der Gewalt“ und die Kämpfe, die in „Stadt der Gewalt“ nur kurze Eruptionen von Gewalt waren, sind in „Little Big Soldier“ ausführlicher choreographiert. Es ist fast wie in alten Zeiten, als Jackie-Chan-Filme für eine lockere Mischung aus Action und Comedy standen. Aber Jackie Chan lässt bei den meisten Kämpfe jüngeren Schauspielern den Vortritt. Außerdem sind die Kämpfe so zerschnitten, dass man die artistischen Leistungen kaum bewundern kann.

Dass Jackie Chan dieses Mal kaum selbst kämpft, fällt kaum auf. Denn er hat sich in „Little Big Soldier“ eine Rolle auf den Leib geschrieben, die sich gerade durch besondere Hasenfüßigkeit auszeichnet. Er spielt den dritten Sohn eines Bauern. Seine beiden Brüder sind bereits im Kampf gefallen und er will nur vom Militärdienst befreit werden und genug Geld bekommen, um sein Feld zu bestellen. Er ist ein kleiner Mann mit kleinen Träumen.

Nach einer Schlacht, in der alle Soldaten starben und er nur wegen seiner langerprobten Kampftechnik „Toter Mann“ überlebte, kann er einen gegnerischen General gefangennehmen. Er will ihn zu seinem König bringen und die Belohnung in Empfang nehmen.

Diese Reise zu seinem König ist voller Gefahren. Anfangs versucht der Gefangene immer wieder zu fliehen. Er wird daran, nicht immer mit feinen Methoden, gehindert. Sie werden von den Soldaten des Gefangenen verfolgt. In dem Wald sind Banditen. Später kommen, wenig überraschend, die beiden gegensätzlichen Soldaten sich näher.

Denn der kleine Soldat ist der sprichwörtliche kleine Mann, der seine Machtlosigkeit durch Bauernschläue und, als er sich mit Gefangenen, der ihm als Kämpfer hoffnungslos überlegen ist, duelliert, Clownereien kompensiert. Gleichzeitig ist er auf seinen Vorteil bedacht und gehässig. So stößt er mehrmals genussvoll mit seinem Finger in eine schmerzende Wunde seines Gefangenen. Jetzt hat er endlich die Chance, sich einmal an einem der Menschen zu rächen, die ihn aus seinem gemütlichen Leben rissen. Und diese Chance nimmt er ausgiebig wahr. Mit solchen Szenen entgeht Jackie Chan auch der Gefahr, den von ihm gespielten Soldaten als guten Menschen zu heroisieren und zu verkitschen.

Gerade in dieser Gegenüberstellung von einem kleinen Mann, der die Kriege der Großen einfach erleiden muss, und einem General (der sich später sogar als Thronfolger entpuppt), der einfach über die Menschen bestimmt und diese seinen strategischen Entscheidungen unterordnet, gelingt Regisseur Sheng Ding ein mit den typischen Jackie-Chan-Elementen angereicherter Antikriegsfilm, der zwar in der Vergangenheit spielt, aber auch ein Statement zu den derzeitigen Kriegen liefert.

Und für’s Auge gibt es einige prächtige Landschaftsaufnahmen.

Little Big Soldier (Da bing xiao jiang, China/Hongkong 2010)

Regie: Sheng Ding

Drehbuch: Jackie Chan

mit Jackie Chan, Leehom Wang, Rongguang Yu, Ken Lo, Sung-jun Yoo, Peng Lin

DVD

New KSM

Bild: 16:9 (2.35:1)

Ton: Deutsch, Mandarin (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Extras (angekündigt): Making Of, Jackie Chan Goes Berlinale 2010, Trailer, Bildergalerie (Gesamtlaufzeit ca. 49 Minuten)

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Little Big Soldier“ (deutsch, englisch)

Berlinale: Pressekonferenz zu „Little Big Soldier“ (16. Februar 2010)

Homepage von Jackie Chan

Meine Besprechung von Jackie Chans „Stadt der Gewalt“

One Response to DVD-Kritik: Jackie Chan als „Little Big Soldier“

  1. […] Mehr in meiner ausführlichen Besprechung. […]

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