TV-Tipp für den 23. Februar: Neues aus der Anstalt

Februar 22, 2010

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Urban Priol und Georg Schramm begrüßen in der heutigen Ausgabe ihrer Satiresendung Josef Hader, Jochen Malmsheimer und Volker Pispers. Es dürfte also ziemlich schwarzhumorig werden.

Die Tage ist die Taschenbuch-Ausgabe von Georg Schramms „Lassen Sie es mich so sagen… – Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit“ (Heyne, 8,95 Euro) erschienen. Eine höchst vergnügliche, vom Meister selbst liebevoll kommentierte Sammlung seiner schönsten Auftritte von den Anfängen (zum Beispiel als katholischer Hassprediger auf dem Ostermarsch) bis zur Gegenwart.

Wiederholung: Mittwoch, 24. Februar, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

ZDF über „Neues aus der Anstalt“ (dort kann die Sendung jederzeit gesehen werden)


Autoren geben Tipps zum Schreiben

Februar 22, 2010

Elmore Leonards „Zehn Schreibregeln“ sind ja bekannt.

Nein?

Nun, hier gibt es sie. Oder auch hier. Die Jungs vom Guardian haben aber nicht nur Elmore Leonards Regeln wieder abgedruckt, sondern über ein Dutzend Autoren nach ihren zehn Schreibregeln gefragt. Die Antworten von Ian Rankin, P. D. James, Neil Gaiman, Michael Moorcock, Roddy Doyle, Richard Ford, Jonathan Franzen, David Hare, Margaret Atwood, Joyce Carol Oates, Annie Proulx undsoweiter lesen sich höchst vergnüglich und lehrreich.

Roddy Doyle:

1 Do not place a photograph of your ­favourite author on your desk, especially if the author is one of the famous ones who committed suicide. (…)

6 Do keep a thesaurus, but in the shed at the back of the garden or behind the fridge, somewhere that demands travel or effort. Chances are the words that come into your head will do fine, eg „horse“, „ran“, „said“. (…)

Hm, das sagt auch Elmore Leonard.

Jonathan Franzen:

1 The reader is a friend, not an adversary, not a spectator.

2 Fiction that isn’t an author’s personal adventure into the frightening or the unknown isn’t worth writing for anything but money. (…)

4 Write in the third person unless a ­really distinctive first-person voice ­offers itself irresistibly. (…)

Gut, das gilt nicht für Privatdetektivromane.

David Hare:

3 Style is the art of getting yourself out of the way, not putting yourself in it. (…)

9 Never complain of being misunderstood. You can choose to be understood, or you can choose not to.

10 The two most depressing words in the English language are „literary fiction“.

Ian Rankin:

1 Read lots.

2 Write lots.

3 Learn to be self-critical. (…)

Will Self:

10 Regard yourself as a small corporation of one. Take yourself off on team-building exercises (long walks). Hold a Christmas party every year at which you stand in the corner of your writing room, shouting very loudly to yourself while drinking a bottle of white wine. Then masturbate under the desk. The following day you will feel a deep and cohering sense of embarrassment.

Lester Dent, der Erfinder von Doc Savage, hat diesen Pulp Paper Master Fiction Plot entworfen:

This is a formula, a master plot, for any 6000 word pulp story. It has worked on adventure, detective, western and war-air. It tells exactly where to put everything. It shows definitely just what must happen in each successive thousand words.

No yarn of mine written to the formula has yet failed to sell.

The business of building stories seems not much different from the business of building anything else.


Die Nominierungen für den Strand Magazine Critics Award 2009

Februar 22, 2010

Das Strand Magazine hat die Nominierungsliste für den diesjährigen Strand Magazine Critics Awards bekannt gegeben. Die Jury besteht aus Buchkritikern und Journalisten großer Zeitungen wie Washington Post, Chicago Tribune, Wall Street Journal und Boston Globe. Verliehen wird der noch junge Krimipreis am 7. Juli in New York.

Nominiert sind

Best Novel

Nine Dragons von Michael Connelly (Little, Brown and Company)

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team) von Charlie Huston (Ballantine Books)

Life Sentences von Laura Lippman (William Morrow)

The Renegades von T. Jefferson Parker (Dutton)

The Little Stranger von Sarah Waters (Riverhead Books)

Best First Novel

Beat the Reaper von Josh Bazell (Little, Brown and Company)

The Manual of Detection von Jedediah Berry (Penguin Press)

A Reliable Wife von Robert Goolrick (Algonquin Books)

Starvation Lake von Bryan Gruley (Touchstone)

Black Water Rising von Attica Locke (Harper)

Lifetime Achievement Award

Elmore Leonard


TV-Tipp für den 22. Februar: James Bond: Moonraker – Streng geheim

Februar 22, 2010

Kabel 1, 20.15

JAMES BOND: Moonraker – Streng geheim (GB 1979, R.: Lewis Gilbert)

Drehbuch: Christopher Wood

LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz)

Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)

Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das Ende – im Orbit – ist – auch heute – reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Moore-Bonds.

Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery

Wiederholung: Dienstag, 23. Februar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Meine Besprechung von Sebastian Faulks‘ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)


Kleinkram

Februar 21, 2010

Torsten Dewi erklärt seine Sicht zu den Plagiatsvorwürfen gegen den von ihm geschriebenen TV-Zweiteiler „Dr. Hope“:

Historische Fakten sind nicht schützbar, ein Sachbuch ist kein Roman, und „Dr. Hope“ ist weder die Adaption noch die Verfilmung eines Sachbuches (oder einer anderen Quelle).

Die Klage ähnelt der zu Andrea Maria Schenkels „Tannöd“.

Bei „Soko 5113“ wird der Vertrag von Hartmut Schreier (seit 18 Jahren spielt er Manne Brand) nicht verlängert. Irgendwie wollte ihn das ZDF nicht mehr haben.

Hans Schmid hat ein sehr ausführliches Porträt über (Western-)Regisseur Budd Boetticher geschrieben. (Hier ist der zweite Teil.)

Die Briten wollen drei Romane mit Michael Dibdins Ermittler Aurelio Zen verfilmen. Rufus Sewell wird den italienischen Polizisten spielen.

Die Franzosen wollen den Myron-Bolitar-Roman „Long Lost“ von Harlan Coben verfilmen.

Kinowelt veröffentlicht Mitte April die anscheinend verdammt gute Verfilmung der „Red Riding“-Romane von David Peace. Die „Red Riding Trilogy“ enthält „1974“, „1980“ und „1983“.

Yep, ein Buch wurde nicht verfilmt.

Und das sieht nach einigen Stunden Lesezeit aus: Classic Movies Digest. Zum Beispiel über „The Maltese Falcon“ oder „The Public Enemy“ oder „Meet John Doe“ (Hier ist John Doe; ein unbekannterer Film von Frank Capra mit Gary Cooper, der an den Erfolg von „Mr. Deeds goes to Town“ anknüpfen sollte).

„Meet John Doe“ kann hier angesehen werden.


TV-Tipp für den 21. Februar: Topas

Februar 21, 2010

Arte, 20.15

Topas (GB 1969, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samuel Taylor

LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)

Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?

Schwacher Agententhriller von Hitchcock.

Im Anschluss läuft, im Rahmen des Arte-Themenabends „Spione im Kalten Krieg“, die Doku „War Games“ (P/F 2009, R.: Dariusz Jablonski) über den polnischen Armeeoberst und Überläufer Ryszard Kuklinksi, der die Welt vor einem Atomkrieg bewahrt haben soll.

Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret

Wiederholung: Mittwoch, 24. Februar, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Topas“ (deutsch, englisch)

Cinematic: Plakate und Aushangfotos zu „Topas“

Parallax View: Richard T. Jameson über „Topas“


Früher…

Februar 21, 2010

hatte die Jugend noch Ideale und ging dafür auch ins Fernsehen


TV-Tipp für den 20. Februar: Chinatown

Februar 20, 2010

BR, 20.15

Chinatown (USA 1974, R.: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young,

Wiederholung: Sonntag, 21. Februar, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Chinatown“

Old School Reviews (John Nesbit) über „Chinatown“

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Thrilling Detective über Jake Gittes


Die Nominierungen für den Agatha-Award 2010

Februar 19, 2010

Malice Domestic, der Verein der Freunde des traditionellen Krimis (aka Cozy aka Landhauskrimi), hat die Nominierungen für den diesjährigen Agatha-Preis veröffentlicht:

Best Novel

Swan for the Money, von Donna Andrews (Minotaur)

Bookplate Special, von Lorna Barrett (Berkley Prime Crime)

Royal Flush, von Rhys Bowen (Berkley Prime Crime)

A Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

Air Time, von Hank Phillippi Ryan (Mira)

Best First Novel

For Better, for Murder, von Lisa Bork (Midnight Ink)

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte Press)

Posed for Murder, von Meredith Cole (Minotaur)

The Cold Light of Mourning, von Elizabeth Duncan (St. Martin’s Press)

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

Best Non-fiction

Duchess of Death, von Richard Hack (Phoenix Books)

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Knopf)

Blood on the Stage, 1925-1950, von Amnon Kabatchnik (Scarecrow Press)

Dame Agatha’s Shorts, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

The Talented Miss Highsmith, von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

Best Short Story

Femme Sole, von Dana Cameron (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic Books)

Handbaskets, Drawers, and Killer Cold, von Kaye George (from Crooked)

The Worst Noel, von Barb Goffman (aus The Gift of Murder, herausgegeben von John M. Floyd; Wolfmont Press)

On the House, von Hank Phillippi Ryan (aus Quarry, herausgegeben von Kate Flora, Ruth McCarty und Susan Oleksiw; Level Best Books)

Death Will Trim Your Tree, von Elizabeth Zelvin (aus The Gift of Murder)

Best Children’s/Young Adult Novel

The Morgue and Me, von John C. Ford (Viking Juvenile)

The Hanging Hill, von Chris Grabenstein (Random House)

The Case of the Poisoned Pig, von Lewis B. Montgomery (Kane Press)

The Other Side of Blue, von Valerie O. Patterson (Clarion Books)

The Case of the Cryptic Crinoline, von Nancy Springer (Philomel)

Die Preisverleihung ist auf dem 22. Treffen der Malice Domestic in Arlington, Virginia, vom 30. April bis 2. Mai.

(Dank an The Rap Sheet für die Infos.)


Herzlichen Glückwunsch, Ross Thomas!

Februar 19, 2010

Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995)

Das ist der Trailer zur Verfilmung von „Das Mordpatent Procane“

Mehr Infos zu Ross Thomas.


TV-Tipp für den 19. Februar: Miami Blues

Februar 19, 2010

WDR, 23.15

Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)

Drehbuch: George Armitage

LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)

Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.

Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh, Charles Napier

Hinweise

Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)

Charles Willeford Paperback Covers

Meine Besprechung von Charles Willefords „Die schwarze Messe“ (Honey Gal, 1958; The Black Mass of Brother Springer)

Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)


Neu im Kino: Der Ghostwriter

Februar 18, 2010

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein finanziell klammer Autor (Gibt es andere?) soll die Biographie eines Politikers schreiben. Allerdings hat der Politiker Dreck am Stecken und der Autor will die Wahrheit aufschreiben.

Politthriller, der auf der Berlinale seine Premiere erlebte, weitgehend positiv aufgenommen wurde und jetzt im Kino startet.

mit Ewan McGregor, Piere Brosnan, Kim Cattrall, James Belushi, Olivia Williams, Timothy Hutton, Tom Wilkinson, Eli Wallach

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. Februar: Berlinale 2010

Februar 18, 2010

RBB, 01.45

Berlinale 2010 – Pressekonferenzen vom Tage

Gut, die meisten Pressekonferenzen sind schon gelaufen, aber der Hauch von spontan improvisiertem absurden Theater ist immer wieder gut.

Schade, dass die Konferenzen nicht in der RBB-Mediathek oder auf der Berlinale-Seite (ohne Akkreditierung) zu sehen sind.



Kurzkritik: Ross Thomas: Voodoo, Ltd.

Februar 17, 2010

Artie Wu und Quincy Durant sind zurück. Inzwischen betreiben sie eine Detektei; oder in den Worten von Artie Wu: „Die Wudu, Ltd., ist eine straff geführte Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die für andere das tut, was sie selbst für sich nicht tun können.“

Jetzt sollen sie für 750.000 Dollar zwei verschwundene Hypnotiseure finden, die die Unschuld der Hollywood-Diva Ione Gamble beweisen können. Sie ist angeklagt, ihren milliardenschweren Ex am Neujahrsmorgen in seiner mondänen Malibu-Strandhütte erschossen zu haben. Wu und Durant nehmen den Auftrag an.

Und schon sind wir in einem weiteren labyrinthischen, mit schwarzem Humor gespickten Ross-Thomas-Plot. Dass Ross Thomas (19. Februar 1926 – 18. Dezember 1995) in seinem vorletzten Roman wieder das bereits aus „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978) und „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986) bekannte Team Wu/Durant ins Rennen schickt, erhöht das Gefühl, sich in einem vertrauten Kosmos zu befinden.

Dabei ist „Voodoo, Ltd.“ an der Oberfläche schon fast ein traditioneller Whodunit. Immerhin beweisen Artie Wu und Quincy Durant die Unschuld der Schauspielerin und überführen den Täter, der für seine Tat ein wirklich überzeugendes Motiv hat. Davor stellen sie, zusammen mit ihren aus den vorherigen Wu/Durant-Romanen bekannten Freunden, Los Angeles auf den Kopf.

Eine höchst vergnügliche Reise in die frühen neunziger Jahre.

Ross Thomas: Voodoo, Ltd.

(übersetzt von Walter Ahlers, überarbeitete Übersetzung)

Alexander Verlag, 2009

360 Seiten

14,90 Euro

Deutsche Erstausgabe

Voodoo & Co.

Heyne, 1993

Originalausgabe

Voodoo, Ltd.

Warner Books, 1992

Hinweise

Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)


TV-Tipp für den 17. Februar: Spur der Bären

Februar 17, 2010

3sat, 22.25

Spur der Bären (D 2010, R.: Hans-Christoph Blumenberg)

Drehbuch: Alfred Holighaus, Hans-Christoph Blumenberg

Spielfilmlange Doku mit vielen Interviews und seltenem Archivmaterial über die Berlinale von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Mit Tilda Swinton, Angl Lee, Rosa von Praunheim, Arthur Brauner, Ulrich Gregor, Moritz de Hadeln, Dieter Kosslick, Reinhard Hauff, Wieland Speck, Tom Tykwer, Wolfgang Kohlhaase, Michael Winterbottom

Wiederholung: ZDF, Mittwoch, 24. Februar, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Berlinale Programm über „Spur der Bären“


Cover der Woche

Februar 16, 2010


TV-Tipp für den 16. Februar: Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte

Februar 16, 2010

Erinnern Sie sich an den Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Nun, heute kommen die Programmplaner diesem Auftrag wieder gewohnt publikumsfreundlich nach und zeigen einen Film, der für die deutsche Filmgeschichte begeistern soll. Doch vor der Bildung sind die Mühen der Ebene: Um Himmels Willen, In aller Freundschaft, Plusminus, Menschen bei Maischberger, ttt-extra und dann, weit nach Mitternacht, präsentiert das Deutsche Fernsehen mit überschwänglichem Stolz und kaum zu bremsender Begeisterung für die Schlaflosen, Spätaufsteher und Cinephilen in deutscher Erstausstrahlung


ARD, 00.40

Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte (D 2008, R.: Michael Althen, Hans Helmut Prinzler)

Konzept: Hans Helmut Prinzler, Michael Althen

Michael Ballhaus, Andreas Dresen, Doris Dörrie, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler stellen ihre deutschen Lieblingsfilme vor. So entsteht ein kleiner, subjektiver Spaziergang durch die deutsche Filmgeschichte von „Nosferatu“ über „Menschen am Sonntag“, „M“, „Unter den Brücken“, „Alice in den Städten“ und „Die Ehe der Maria Braun“ bis zu „Heimat 1“.

Wiederholungen: –

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auge in Auge“


R. i. P. Dick Francis

Februar 15, 2010

R. i. P. Dick Francis (31. Oktober 1920 – 14. Februar 2010)

Am Sonntag starb Dick Francis in seinem Haus auf Grand Cayman. In den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sattelte der erfolgreiche Jockey vom Reiten auf das Schreiben um. Aber dem Reitsport blieb er treu. Denn seine über vierzig Krimis spielen im Reitmilieu. Die letzten schrieb er zusammen mit seinem Sohn Felix Francis.

Er erhielt drei Edgars, einen CWA Gold Dagger, den Cartier Diamond Dagger und den Malice Domestic Award für sein Lebenswerk und er ist Grandmaster der Mystery Writers of America,

Nachrufe gibt es in der New York Times, Guardian, Telegraph, Independent, Die Welt (dpa-Meldung), Neue Zürcher Zeitung (ddp-Meldung), The Rap Sheet und bei Confessions of an idiosyncratic mind (Dort gibt es auch eine umfangreiche Sammlung der Nachrufe).

Weitere Infos über Dick Francis bei Wikipedia (deutsch, englisch), Krimi-Couch und Fantastic Fiction.


TV-Tipp für den 15. Februar: Aufbruch der Filmemacher

Februar 15, 2010

Arte, 22.35

Aufbruch der Filmemacher (D 2008. R.: Dominik Wessely, Laurens Straub [Ko-Regie])

Drehbuch: Rainer Kölmel, Laurens Straub, Dominik Wessely

Zweistündige sehr sehenswerte Doku über den Filmverlag der Autoren. Zu den Gründungsmitgliedern am 18. April 1971 gehörten Hark Bohm, Peter Lilienthal, Hans Noever, Pete Ariel, Uwe Brandner, Veith von Fürstenberg, Wim Wenders, Hans W. Geissendörfer und Volker Vogeler. Später kam auch Rainer Werner Fassbinder dazu. Die Idee des Filmverlags der Autoren war, die eigenen Filme kollektiv zu produzieren und zu verleihen. In den folgenden Jahren war der Filmverlag die kreative Brutstätte des Neuen Deutschen Films.

Mit Rudolf Augstein, Heinz Badewitz, Hark Bohm, Uwe Brandner, Rainer Werner Fassbinder, Michael Fengler, Peter Fleischmann, Hans W. Geissendörfer, Peter Handke, Irm Hermann, Werner Herzog, Alexander Kluge, Peter Lilienthal, Tom Luddy, Margaret Ménégoz, Lynda Myles, Hans Noever, Thomas Schamoni, Peter Sickert, Laurens Straub, Dan Talbot, Veith von Fürstenberg, Luggi Waldleitner, Wim Wenders

Auch bekannt als „Gegenschuss – Aufbruch der Filmemacher“

Wiederholung: Montag, 22. Februar, 10.20 Uhr

Hinweise

Wikipedia über den „Filmverlag der Autoren“

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Aufbruch der Filmemacher“


Wenn der Titel anders wäre…

Februar 14, 2010

Der Titel „Die Lebenslüge der Juristen – Warum Recht nicht gerecht ist“ ist purer Etikettenschwindel. Denn der frühere Spiegel-Reporter Rolf Lamprecht enttarnt keine Lebenslüge der Juristen. Auch dem borniertesten Juristen muss aufgefallen sein, dass es zu einem Rechtsfall die Position der Anklage und der Verteidigung und sich widersprechende Urteile gibt und das Bonmot „Zwei Juristen, drei Meinungen“ ist schon lange nicht mehr witzig. Dass Lamprecht dennoch auf den ersten Seiten sagt, die Lebenslüge der Juristen sei, an ein Recht zu glauben, das nur eine Auslegung erlaube, kann nur mit dem Wunsch nach einer knalligen Eröffnung erklärt werden.

Danach, und das macht „Die Lebenslüge der Juristen“ durchaus lesenswert, zeichnet Lamprecht skizzenhaft die Geschichte der Bundesrepublik im Lichte von ausgewählten höchstrichterlichen Entscheidungen nach. Lamprecht berichtete von 1968 bis 1998 für den „Spiegel“ aus Karlsruhe. Entsprechend oft bespricht er in seinem Buch Urteile, mit denen er es damals zu tun hatte. Einige Urteile schrieben Rechtsgeschichte. Dazu gehören der Schutz der Wohnung, die Verwendung von persönlichen Aufzeichnungen in Verhandlungen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Einige Fragen, wie das Recht auf den selbstbestimmten Tod, sind seit Jahrzehnten aktuell und wurden, als der Bundestag in den vergangenen Jahren über die Patientenverfügung debattierte, wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. Auch über das Folterverbot wurde nach 9/11 wieder diskutiert und es fanden sich etliche Fürsprecher für eine Aufweichung des Folterverbots. Lamprecht zeichnet in diesen Kapiteln die Argumentationen der verschiedenen Seiten anhand konkreter Fälle nach und steht dabei prinzipiell auf der Seite des Bürgers. Er meint, in der rechtsliberalen Tradition stehend, dass die Eingriffe des Staates möglichst gering sein sollten.

In den späteren Kapiteln wird Lamprechts Argumentation allerdings fahriger, weil er beginnt, in einem Kapitel mehrere Fälle, die nur wenig miteinander zu tun haben, miteinander zu verknüpfen.

Wer sich also etwas ausführlich mit einigen moralischen Fragen und wie diese von deutschen Juristen behandelt wurden, beschäftigen will, findet in „Die Lebenslüge der Juristen“ eine durchaus inspirierende Lektüre.

Wer das Buch allerdings wegen des Titels kauft, wird nicht viel Freude an Lamprechts Werk haben.

Rolf Lamprecht: Die Lebenslüge der Juristen – Warum Recht nicht gerecht ist

Goldmann (Spiegel Buchverlag), 2009

272 Seiten

8,95 Euro

Erstausgabe

Deutsche Verlags-Anstalt, 2008