DVD-Kritik: Derek Flint rettet zweimal die Welt

Ich wollte eine lange Besprechung schreiben, in der ich schrieb,

wie gut mir „Derek Flint schickt seine Leiche“ und „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ mit James Coburn in der Hauptrolle gefallen,

wie viel Spaß diese beiden Filme machen,

wie sehr sie sich an die James-Bond-Filme anlehnen,

wie sehr sie sich von den Bond-Filmen unterscheiden. Denn während bei Bond der Bösewicht einfach immer nur ein durchgeknallter Irrer ist, der die Weltherrschaft will (Warum eigentlich?), haben in den Flint-Filmen die Bösewichte gute Gründe. In „Derek Flint schickt seine Leiche“ wollen sie eine Expertenherrschaft einrichten, die wesentlich vernünftiger als die Herrschaft der wettrüstend-dummen Politiker ist. In „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ wollen Frauen ein Matriachat einführen und so die Welt zu einem besseren Ort machen. Um die Gedanken der Frauen zu beeinflussen, benutzen sie die Trockenhauben beim Friseur (Das ist doch eine grandiose Idee!). Es gibt zwar auch einen Hintermann und einen falschen Präsidenten, aber die schönen Frauen entzücken natürlich das Auge des männlichen Zuschauers.

Ein weiterer Unterschied zwischen James Bond und Derek Flint ist, ist dass Bond immer im Auftrag seiner Majestät unterwegs ist. Derek Flint ist dagegen ein Ex-Agent, der inzwischen in einem futuristisch eingerichtetem Loft mit Panoramablick, mehreren Frauen und einem Delphin (Keine Ahnung, wie der es in das Apartment schaffte.) lebt. Flint kann sowieso alles: mit dem Delphin reden, mehrere Sprachen sprechen, etliche Kampfsportarten und ein guter Tänzer ist er auch noch. So begibt er sich einmal in Moskau als Balletttänzer auf die Bühne und verabredet sich während des Tanzes mit der Tänzerin.

Und während Bond auch seine Pistole einsetzt, versucht Flint möglichst niemand umzubringen. Jedenfalls braucht er dafür keine Pistole.

Außerdem nimmt Derek Flint den Kampf gegen die Bösewichter nicht aus hehren Motiven (wie Weltrettung oder nationales Interesse) sondern für seine Freunde und Freundinnen auf.

Das ist natürlich alles hoffnungslos übertrieben und unrealistisch, hat aber auch immer eine fast schon kindliche Freude am Spiel, die heutige Filme nicht mehr haben. Denn niemand muss sich mit ernsthaften psychologischen Problemen und Traumata herumschlagen. Und in den Kämpfen sieht man wirklich, dass James Coburn etliche Kämpfe selbst absolvierte. Ansonsten darf man die Arbeit der Stuntmänner bewundern und das ist immer noch aufregender als ein modisches Schnittgewitter, bei dem man den Kampf nicht mehr sieht sondern „erfährt“ (ein Effekt, der sich arg schnell abnutzt).


Für die rundum gelungene DVD-Veröffentlichung der beiden Flint-Filme (die als Doppel-DVD erschienen) wurde viel tolles Bonusmaterial produziert: jeder Film hat einen hörenswerten Audiokommentar von Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld (die beide große Fans von Sechziger-Jahre-Agentenfilmen sind), es gibt Featurettes, alte Interviews und umfangreiche Bildergalerien. Das ist eine feine Rundum-Packung, die sich nicht vor den 2-DVD-Ausgaben der James-Bond-Filme verstecken muss. Nein, halt, das ist gelogen. Denn während bei dem Bonusmaterial der Bond-Filme oft ein arg unkritischer Ton herrscht, ist das bei den Flint-Filmen durchaus kritischer und alle sind bemüht, die Filme in die richtige Perspektive zu setzten.

Nämlich als spaßige Agentenfilme mit einem ordentlichen Touch „Playboy“ und der fetzigen Musik von Jerry Goldsmith.

Derek Flint schickt seine Leiche (Our man Flint, USA 1965)

Regie: Daniel Mann

Drehbuch: Hal Fimberg, Ben Starr

mit James Coburn, Lee J. Cobb, Gila Golan, Edward Mulhare

Derek Flint – Hart wie Feuerstein (In like Flint, USA 1966)

Regie: Gordon Douglas

Drehbuch: Hal Fimberg

mit James Coburn, Lee J. Cobb, Jean Hale, Andrew Duggan, Anna Lee,

Doppel-DVD (mit „Derek Flint schickt seine Leiche“ und „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“)

Derek Flint schickt seine Leiche

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch, Italienisch

Extras: Audiokommentar mit den Filmhistorikern Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld, Spion-O-Rama, Das Spiel eines Gentlemans, Spion-Style, Die perfekte Bouillabaisse, Super-8-Version, Deutscher Trailer, Englischer Trailer A, Englischer Trailer B, Bildergalerie

Länge: 104 Minuten

Derek Flint – Hart wie Feuerstein

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Italienisch

Extras: Audiokommentar mit den Filmhistorikern Lee Pfeiffer und Eddie Friedfeld, Eine perfekte Zukunft, Die Magie der Musik, Spion-Schule, Spion-Mode, Weibliche List, Zieh dich aus!, Interview James Coburn, Interview mit Lee J. Cobb, Deanne Lund Screen Test, Deutscher Trailer, Englischer Trailer, Bildergalerie

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Derek Flint schickt seine Leiche“ (deutsch, englisch) und „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Our Man Flint“ und „In like Flint“

Cinema Retro: Einige „Derek Flint“-Bilder


2 Responses to DVD-Kritik: Derek Flint rettet zweimal die Welt

  1. […] ein ausgezeichneter Kämpfer, Liebhaber und Go-Spieler ist (halt irgendwie ein Ebenbild von Derek Flint), in den frühen fünfziger Jahren seinen ersten Auftrag […]

  2. […] Meine Besprechung von Gordon Douglas‘ „Derek Flint – Hart wie Feuerstein“ (In like Flint… […]

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