TV-Tipp für den 21. Mai: Das Versprechen

Mai 21, 2011

Kabel 1, 22.35

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn)

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Hinweise

Wikipedia über Friedrich Dürrenmatt

Deutsche Homepage zum Film

Schweizer Fernsehen: Interviews mit Sean Penn, Robin Wright Penn und Aaron Eckhart zu „Das Versprechen“ (Cannes 2001)


TV-Tipp für den 20. Mai: Das Gesetz bin ich

Mai 20, 2011

WDR, 23.15

Das Gesetz bin ich (USA 1974, Regie: Richard Fleischer)

Drehbuch: Elmore Leonard

Buch zum Film: Elmore Leonard: Mr. Majestyk, 1974

Okayer Thriller über die Mafia unter Melonenfarmern, mit Charles Bronson, der zuerst seine Ruhe haben will, später rot sieht.

Von Elmore Leonards Homepage: „Before Joe Kidd was released, Clint Eastwood called Elmore and asked for a Dirty Harry like story of a guy with a big gun. Elmore told Eastwood the story of what was to become Mr. Majestyk. Eastwood said, write it up. But, by the time Elmore finished the outline, Eastwood had acquired High Plains Drifter and bowed out. Swanson then sold Walter Mirisch on the project, who interested Charles Bronson. Mr Majestyk was the story of Vince Majestyk, a Vietnam veteran and now peaceful watermelon farmer whose workers are threatened by the local mob lead by hit man, Frank Renda (Al Lettieri).

But typically in an Elmore story, Bronson represents the workers and incurs the wrath of and delivers vengeance on the mob boys. Bronson nailed his role but Al Lettieri was over the top, playing essential the same role he did in The Getaway. Elmore saw Renda as the majority of his characters, more subtle and laid back. After completing the screenplay, Elmore Leonard novelized Mr. Majestyk. The most well known scene in Mr. Majestyk is of the bad guys shooting up the watermelons. (Shot in eastern Colorado – not Northern California as in the script.) Colorado was the only place in the West the producers could find such a crop, in season. Elmore’s script called for cantaloupes. Quentin Tarantino, Elmore’s great fan, pays homage to Mr. Majestyk in True Romance (1991).”

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Einige Worte zur Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“

Mai 19, 2011

Bis die rundum gelungene Michael-Connelly-Verfilmung „Der Mandant“ am 23. Juni im Kino startet, dauert es noch etwas. Aber die Filmausgabe von Michael Connellys Roman ist schon draußen. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Ausgaben durch ein anderes Cover, das sich am Filmplakat orientiert (und mir gefällt), und einen 16-seitigen Anhang, in dem es informative Produktionsnotizen zum Film gibt.

Die Story dürfte inzwischen ja bekannt sein: Michael Haller in Los Angeles Strafverteidiger. Sein Büro ist sein Auto: ein Lincoln Town Car (daher auch der Originaltitel „The Lincoln Lawyer“) und als Verteidiger nutzt er für seine normalerweise schuldigen Mandanten die Lücken des Systems und die oft kleinen Ermittlungsfehler der Polizei aus, um für sie ein gutes Urteil zu erreichen; wenn es geht ohne eine Gerichtsverhandlung. Jetzt hat er mit der Verteidigung von Louis Roulet die Chance, einen Unschuldigen zu verteidigen und viel Geld zu machen. Roulet ist wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung angeklagt und die Anklage ist, so Hallers erster Eindruck, nicht stichhaltig.

Aber schnell fragt Haller sich, ob Roulet nicht nur für diese Tat begangen hat, sondern auch ein mehrfacher Frauenmörder ist und Haller vor einigen Jahren einen Unschuldigen für einen von Roulets Morden ins Gefängnis schickte (damals war Haller stolz auf sich, weil er die Todesstrafe abwenden konnte). Jetzt versucht Haller das Richtige zu tun und setzt sich zwischen alle Stühle. Denn Roulet besteht darauf, von Haller verteidigt zu werden.

Als „Der Mandant“ in den USA vor sechs Jahren erschien, war der Justiz-Thriller für Michael Connelly nur ein weiterer Ausflug von seiner erfolgreichen Harry-Bosch-Polizeiserie. Aber der zu recht für etliche renommierte Preise nominierte Thriller war so erfolgreich und Mickey Haller als Charakter so schillernd, dass Connelly seitdem Mickey Haller, neben Harry Bosch, als seinen zweiten Seriencharakter etablierte und sie auch gemeinsam in „So wahr uns Gott helfe“ (The Brass Verdict) und „The Reversal“ auftraten.

In der ersten Hälfte von „Der Mandant“ legt Connelly gewohnt gekonnt die verschiedenen Spuren aus. Die zweite Hälfte des Thrillers, die vor allem vor Gericht spielt, ist dann ein einziger packender Kampf bis zum nervenzerfetzendem Finale. Denn vor Gericht jongliert Mickey Haller gleichzeitig mit verschiedenen Bällen und es kommen immer neue dazu, bis Haller eigentlich keine Chance mehr hat, das Spiel zu gewinnen.

Michael Connelly: Der Mandant – Der Roman zum Film

(übersetzt von Sepp Leeb)

Heyne, 2011

544 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2007

Originalausgabe

The Lincoln Lawyer

Little, Brown and Company, 2005

Verfilmung

Der Mandant (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Regie: Brad Furman

Drehbuch: John Romano

mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston

Hinweise

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Mai: Pulp Fiction

Mai 19, 2011

Vox, 22.35

Pulp Fiction (USA 1994, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

The Quentin Tarantino Archives

Quentin-Tarantino-Film-Forum

Everything Tarantino

Quentin Tarantino (inoffizielle deutsche Fanseite)

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary


Altlastenbeseitigung: Text und Bild, Teil 3

Mai 18, 2011

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

Dieses Werk kann als übertriebene Satire, politischer Schlendrian, 90er-Jahre-Sex-Bomben-Kram oder einfach als irgendwie befriedigend angesehen werden“, schreibt Jimmie Robinson im Vorwort von „Bomb Queen: Sexbombe – Die bläst dich weg!“ und schon auf der zweiten Seite sagt Bomb Queen: „New Port City gehört mir. (…) Ich pass nich‘ auf, dass die Züge rechtzeitig ankommen. Ich leg nur die Ärsche um, die das vermasseln.“

Sie ist eine typische Comic-Superschurkin.

Sie ist auch großbusig und sehr sexy.

Sie ist auch die Superheldin, die für Recht und Ordnung in New Port City sorgt.

Das friedliche Leben der Einwohner gerät aus den Fugen, als Robert Woods der neue Bürgermeister werden will. Denn, so die Mitarbeiter von Woods: „Sie ist böse. Ja, sie mordet. Sie ist irre. Aber sie erreicht ihre Ziele. Und das scheint den Bürgern zu gefallen. (…) Und diese Stadt scheffelt Geld. Der Kongress ist unter dem Strich gar nicht unzufrieden.“

Also greift Woods zum letzten Mittel: er engagiert einen Superhelden, der die Superschurkin umbringen soll und ihn so als engagierten Bekämpfer des Verbrechens ins Bürgermeisteramt bringen soll.

Bomb Queen ist davon nicht begeistert und schon wird, wie es sich für einen Superheldencomic gehört, New Port City zum Spielplatz für die beiden Superhelden – und wir stehen auf der Seite von Bomb Queen, die auf eine vollkommen irre Art die Gute ist.

Fortsetzung erwünscht!

Jimmie Robinson (Autor/Zeichner): Bomb Queen: Sexbombe – Die bläst dich weg! (Band 1)

(übersetzt von Christian Heiß)

Panini, 2011

128 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Bomb Queen, Vol. 1 – WMD: Women of Mass Destruction

Shadowline/Image, 2011

Erstausgabe als „Bomb Queen: Royal Flush“ (Februar – Mai 2006)

Der neue „Batman“-Sonderband „Hinter der Maske“ enthält zwei Geschichten. Einmal die Serienkillerjagd „Cutter“ von Thriller-Autor Greg Rucka und „The Losers“-Zeichner Jock.

Einmal die titelgebende Geschichte „Hinter der Maske“ von Autor David Hine und Zeichner Jeremy Haun.

Cutter“ hat mit der parallelen Jagd von Batman und Batwoman auf einen mehrfachen Frauenmörder zwar einen interessanten Ansatz, aber letztendlich bleibt die Geschichte nur eine Ansammlung von lose miteinander verbundenen Set-Pieces, bei der man immer den Eindruck hat, dass die Action wichtiger als die Konstruktion einer schlüssigen Geschichte war.

In „Hinter der Maske“ sitzt der verrückte Professor Strange, der vor einigen Jahren die Rolle von Batman übernehmen wollte, in der Irrenanstalt Arkham Asyslum und wird von dem Direktor der Anstalt behandelt. Doch schon bald fragt dieser sich, ob er Strange therapiert oder Strange von ihm Besitz ergriffen hat (Erinnert ihr euch an „Das Testament des Dr. Mabuse“?). Batman wird um Hilfe gebeten.

Diese Geschichte spielt gelungen mit dem Wahnsinn und verschiedenen Formen der Gedankenmanipulation und stellt die Frage, was real ist.

Greg Rucka (Autor)/David Hine (Autor)/Jock (Zeichner)/Jeremy Haun (Zeichner): Batman: Hinter der Maske (Sonderband 30)

(übersetzt von Steve Kups)

Panini/DC, 2011

116 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Cutter (Cutter, Detective Comics 861 – 863, März – Mai 2010)

Hinter der Maske (Beneath the Mask, Detective Comics 864 – 865, Juni – Juli 2010)

Der gute König Wenzel (Good King Wencesias, DC Holiday Special 2008, Februar 2009)

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Die Welt ohne Superman“ (The Sleepers, 2009)

Greg Rucka in der Kriminalakte

Marvel Noir“ ist die Marvel-Reihe, in der bekannte Charaktere, wie Spider-Man, Wolverine und der Punisher, ein Abenteuer aus der Noir-Perspektive erleben. Auch „Daredevil“, wie sich der blinde Superheld Matt Murdock, nennt, erfährt eine solche Noir-Behandlung und sie passt sehr gut zu dem Charakter.

Murdock arbeitet im New Yorker Viertel Hell’s Kitchen als Assistent des Privatdetektivs Foggy Nelson. Ihre neueste Klienten, die gutaussehende Eliza, ist mit dem Gangster Orville Halloran befreundet. Sie will ihn verlassen. Halloran will’s nicht akzeptieren. Murdock versucht ihr zu helfen, verliebt sich in die für ihn undurchschaubare Frau und gerät in ein Komplott, in das auch der Mörder seines Vaters verwickelt ist.

Daredevil“ erzählt, angenehm nah an den aus Büchern und Filmen bekannten Noir-Konventionen, eine spannende Geschichte. Auch wenn das Ende für Matt Murdock, der hier als junger Mann noch Illusionen hat und Lehrgeld bezahlen muss, überraschender ist als für Noir-Fans. Und Tomm Cooker taucht die Geschichte mit seinen dunklen Bildern in ein entsprechend düsteres Licht.

Alexander Irvine (Autor)/Tomm Cooker (Zeichner): Marvel Noir: Daredevil

(übersetzt von Robert Syska)

Panini/Marvel, 2010

104 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Daredevil Noir: Liar’s Poker, Vol 1 – 4

Marvel, Juni – September 2009

Warum wollen wilde, wollüstige Weiber Wade Wilson wirklich? Wir wissen’s!“ ist der Untertitel zu „Weiber, Wummen & Wade Wilson“, dem neuen „Deadpool“-Comic von Duane Swierczynski und auch wenn am Ende der knapp hundertseitigen Geschichte wissen wir zwar immer noch nicht, warum wilde, wollüstige Weiber Wade Wilson wirklich wollen, aber wir haben uns gut amüsiert. Denn Wade Wilson (aka „Deadpool“ aka „Der Söldner mit der großen Klappe“) muss vor dem Senat zu dem Massaker von Sinaloa (wobei mindestens 79 Zivilisten, unzählige Mitglieder zweier Drogenkartelle und ein Team von Söldnern starben) aussagen und er schmückt seine Erzählung gewohnt großspurig aus. Das beginnt schon mit seiner Erklärung vor dem verdächtig nach Ronald Reagan aussehendem Kommissionsvorsitzendem Benny Sevier: „Ich war Mitglied einer US-sanktionierten, supergeheimen Söldnertruppe, die die Drecksjobs gemacht hat. Wir waren so geheim, wir hatten keinen Namen. Nur ’nen Buchstaben. X. Wenn ich die Maske abnehme, bin ich tot.“

Und dann erzählt er einiges von diesen Drecksjobs (Nicaragua 1983), den Anfängen der Einheit und was in Sinaloa (nicht zu verwechseln mit dem Eastwood-Western „Sinola“) wirklich geschah. Nur: Wie sehr kann man den Ausführungen des sympathischen Großmauls trauen? Vor allem, wenn es keine Beweise für seine Aussage gibt. Aber wenn „X“ wirklich so geheim war, kann es auch keine Beweise geben, was dann natürlich ein Beweis für die Existenz von „X“ wäre.

Weiber, Wummen & Wade Wilson!“ zeigt Deadpool in Höchstform und endet mit einer gelungenen Pointe.

Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini/Marvel, 2011

96 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4

Marvel, August – November 2010

Hinweise

Secret Dead Blog von Duane Swierczynski

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Letzte Order“ (Severance Package, 2008)

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Blondes Gift“ (The Blonde, 2006)

Meine Besprechung von Anthony E. Zuiker/Duane Swierczynskis „Level 26 – Dark Origins“ (Level 26 – Dark Origins, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynskis „Cable: Kriegskind – Band 1″ (Cable: War Child – 1, 2008)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner)/Ariel Olivettis (Zeichner) „Cable 2: Heimatfront“ (Cable 2: Homefront)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Ariel Olivettis (Zeichner) „Cable 3 – Warten auf das Ende der Welt“ (Waiting for the end of the world, Wasteland Blues, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski/Craig Kyle/Christopher Yost (Autoren)/Ariel Olivetti/Clayton Crain (Zeichner) „Cable 4: Messias-Krieg – Teil 1“ (Messiah War, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski/Craig Kyle/Christopher Yost (Autoren)/Ariel Olivetti/Clayton Crains (Zeichner) „X-Force 4: Messias-Krieg – Teil 2“ (Messiah War, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Paul Gulacy (Zeichner)/Gabriel Guzmans (Zeichner) „Cable 5 – Zu spät für Tränen (Cable 16 – 20, 2009/2010)

Duane Swierczynski (Autor)/Steve Dillon (Zeichner)/Paul Gulacy (Zeichner)/ Lan Medina (Zeichner): Cable 6: Heimkehr, 2011 (Cable 21 – 25, 2010)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombes (Zeichner) „The Punisher – Sechs Stunden zu leben“ (Punisher: Six hours to kill, 2009)

Duane Swierczynski in der Kriminalakte

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis beim derzeitigen Revival von Zombies, auch der größte Detektiv der Welt, Sherlock Holmes, gegen Zombies kämpfen muss. In „Victorian Undead“ tut er es und das Ergebnis ist als ein um die Jahrhundertwende spielender blutiger Zombie-Krimi gelungener als als Sherlock-Holmes-Geschichte im Stil von Sir Arthur Conan Doyle. Denn bei der Zombiejagd muss Holmes weniger seinen Verstand, und mehr seine Muskeln bemühen. Das ist dann ziemlich nah an dem „Sherlock Holmes“-Film von Guy Ritchie: ziemlich unterhaltsam, aber auch mit dem Gefühl verbunden, dass mehr möglich gewesen wäre.

Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbri (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies!

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies

Wildstorm 2010

Hinweise

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Tony Chu hat keinen Humor und trotzdem ist „Chew – Bulle mit Biss!: Leichenschmaus“ sehr komisch. Ich verkneife mir ein „saukomisch“, weil Chu ein Cibopath ist: „Das bedeutet, er kann in einen Apfel beißen und bekommt in seinem Kopf ein Gefühl dafür, von welchem Baum der Apfel ist, welches Pestizid verwendet wurde und wann er geerntet wurde. Oder er kann in einen Hamburger beißen und ganz andere Empfindungen bekommen.“ Kein Wunder, dass Chu auf das Essen von Fleisch verzichtet. Diese Fähigkeit hilft ihm in Philadelphia auch bei seiner Arbeit als Polizist.

Doch nachdem sein Partner bei einem Einsatz stirbt (und Chu einen Serienmörder überführen kann, nachdem er in seiner Suppe geschmeckt hat, dass dieser in der Küche des Restaurants arbeitet), wird er ein Agent der Abteilung für Sonderermittlungen der Lebensmittelaufsicht der Vereinigten Staaten von Amerika (FDA) und Partner von Mason Savoy. Gemeinsam jagen sie Verbrecher, die gegen die nach einer für Menschen tödlichen Vogelgrippe verhängte Geflügel-Prohibition verstoßen. Chu muss alte Verbrechen aufklären, indem er alte Beweise isst und sie mit seinen cibopathischen Fähigkeiten analysiert. Und dann gibt es noch das Gerücht, dass es niemals eine Vogelgrippe gab.

Allein schon die Prämisse von „Chew – Bulle mit Biss!“ ist absurd-komisch. Die satirisch überspitzten Zeichnungen von Rob Guillory passen gut zu der von John Layman erfundenen Serie, die in den USA ein Riesenerfolg ist. Sie erhielt den Eisner und Harvey Award als „Beste neue Comic-Serie 2010“ und „Leichenschmaus“ war auf der New York Times Bestsellerliste.

John Layman (Autor)/Rob Guillory (Zeichner): Chew – Bulle mit Biss!: Leichenschmaus (Band 1)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2010

128 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Chew Vol. 1: Taster’s Choice

Image Comics, 2009

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)


Die von Eric Powell geschriebene und gezeichnete Serie „The Goon“ erhielt bereits 2005 je einen Eisner Award als „Beste fortlaufende Comic-Reihe“ und als „Beste humoristische Publikation“. Die so ausgezeichneten Hefte sind im fünften „The Goon“-Sammelband „Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend“ versammelt. Im sechsten Band „Böses Blut“ ist das außerhalb der „The Goon“-Serie erschienene und bislang nicht nachgedruckte „The Goon“-Heft „Satan’s Sodomy Baby“ abgedruckt. Der Grund für die Publikation außerhalb der „The Goon“-Serie war der Titel (Sodomie!) und dass Powell hier so richtig zuschlagen wollte.

Zum Ausgleich gibt es in „Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend“ die Goonsche Variante der „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens

Doch auch die anderen „The Goon“-Geschichten sind „Krudes Zeug“ für die „Freunde der schöngeistigen Unterhaltung“. Also für mich.

Und auf dem Gratis-Comic-Tag wurde am Samstag die neue „The Goon“-Geschichte „Burlesque“ verteilt. In ihr besuchen der Goon und sein Kumpel Franky, auf der Suche nach dem saublödem Ralph, das Burlesque-Theater und treffen da auch die von den Toten auferstandenen Bösen Vogelweiber. Zwischen den Kloppereien versucht der Goon Franky für die inneren Werte von Frauen zu begeistern.

Eric Powell (Autor/Zeichner): The Goon: Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend (Band 5)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2010

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: Virtue and the grim consequences thereof

Dark Horse Comics, 2006/2010

Eric Powell (Autor/Zeichner: The Goon: Böses Blut (Band 6)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2010

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: Wicked Inclinations

Dark Horse Comics, 2007/2010

Bonusgeschichte

The Goon: Satan’s Sodomy Baby

Dark Horse Comics, 2007

Hinweise

Homepage von Eric Powell

Wikipedia über „The Goon“

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Meine mörderische Kindheit (Band 3)“ (The Goon: My murderous childhood [and other grievious yarns], 2004)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Bergeweise Trümmer (Band 4)“ (The Goon: Heaps of Ruination, 2005)


TV-Tipp für den 18. Mai: Tatort: Reifezeugnis

Mai 17, 2011

WDR, 22.55

Tatort: Reifezeugnis (D 1977, R.: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Herbert Lichtenfeld

Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.

Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.

Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)

Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)

Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.

mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen

Hinweise

Wikipedia über „Reifezeugnis“

Tatort-Fundus über die Finke-Tatorte


Cover der Woche

Mai 17, 2011


TV-Tipp für den 17. Mai: Klipp und klar

Mai 17, 2011

RBB, 21.00

Klipp und klar

Der politische Bürgertalk“ diskutiert heute „Arme Stadt, teure Wohnungen – Wer kann sich Berlin noch leisten?“ mit Dirk Behrendt, (Bündnis 90/Die Grünen), Ulli Zelle (rbb Moderator), Peer Kusmagk (Schauspieler, Wirt), Hiltrud Sprungala (Geschäftsführerin Landesverband Berlin/Brandenburg des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen) und Wibke Werner (Berliner Mieterverein).

Das ist doch eine muntere Runde.


Eine „Tödliche Injektion“ von Jim Nisbet

Mai 16, 2011

Dr. Franklin Royce ist in Texas Gefängnisarzt, Alkoholiker und verheiratet. „unglücklich verheiratet“ wäre ein Euphemismus für den Zustand seiner Ehe und das erklärt vielleicht auch, weshalb er dem zum Tode verurteiltem Afroamerikaner Bobby Mencken zuhört, als dieser vor seinem Tod seine Unschuld beteuert. Danach setzt Royce ihm die Giftspritze und er darf das Geld für seine erste Hinrichtung einstreichen.

Aber das Gewissen lässt ihn nicht los und er beginnt in Menckens Leben im Armenviertel von Dallas herumzustöbern. Er trifft auf dessen Freundin, die drogensüchtige Prostituierte Colleen Valdez und Menckens Freund Fast Eddie, die wissen, was damals geschah. Royce verliebt sich in Colleen, bleibt bei den beiden, driftet immer mehr in deren kleinkriminelles Leben und wird vom Beobachter zum Mittäter.

Weil „Tödliche Injektion“ sogar nach Daniel Woodrels strenger Definition, wonach ein Noir schlecht enden müsse, ein Noir ist, ist der selbstverschuldete Weg von Royce in die Hölle klar vorgezeichnet und Jim Nisbet malt ihn aus, als ob Cornell Woolrich eine Auszeit vom Tod genommen hat. Viel schwärzer als „Tödliche Injektion“ kann ein Noir nicht sein.

Gleichzeitig thematisierte Jim Nisbet als einer der ersten Autoren, nachdem die Todesstrafe 1976 in den USA wieder aufgenommen wurde und 1982 in Texas, seitdem der Staat mit den meisten Hinrichtungen, erstmals ein Mann mit einer Giftspritze hingerichtet wurde, die Todesstrafe. Fast klinisch schildert Nisbet auf den ersten Seiten, wie Mencken, der wahrlich nicht als Vorbild taugt, mit einer tödlichen Injektion, die von einem Arzt verabreicht werden muss, hingerichtet wird und die Reaktionen einiger Texaner darauf.

Seitdem Jim Nisbet seinen beunruhigenden Roman schrieb, lief die texanische Hinrichtungsmaschine erst richtig an und es wurde immer offensichtlicher, dass viel zu oft Unschuldige zum Tod verurteilt werden. Insofern ist „Tödliche Injektion“ mit seiner Kritik an der Todesstrafe heute noch aktueller als damals, als nur wenige Menschen hingerichtet wurden.

Und nun zur Frage aller Fragen für die wenigen Menschen, die noch die deutsche Erstausgabe haben: Lohnt sich der Neukauf? Es gibt ein fünfseitiges Vorwort von Sandro Veronesi und eine komplette Neuübersetzung. Wer aber nicht die verschiedenen Übersetzungen vergleichen und beurteilen will, kann auch mit der alten, seit Jahren nur noch antiquarisch erhältlichen Ausgabe leben.

Für alle anderen lohnt sich der Kauf. Denn „Tödliche Injektion“ ist ein fabelhafter Noir, der jetzt hoffentlich die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.

Jim Nisbet: Tödliche Injektion

(neu übersetzt von Angelika Müller)

pulp master, 2011

240 Seiten

12,80 Euro

Deutsche Erstausgabe

Jim Nisbet: Tödliche Injektion

(übersetzt von Gabriele Kunstmann)

Black Lizard, 1989

Originalausgabe

Lethal Injection

Black Lizard Books, 1987

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006)

Mein Interview mit Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Mai: Red Riding: Yorkshire Killer 1974

Mai 16, 2011

HR, 23.30

Red Riding: Yorkshire Killer 1974 (GB 2009, R.: Julian Jarrold)

Drehbuch: Tony Grisoni

LV: David Peace: Nineteen Seventy-Four, 1999 (1974)

Yorkshire, 1974: Der ehrgeizige Lokaljournalist Eddie Dunford recherchiert im Fall eines verschwundenen Mädchens. Er entdeckt Parallelen zu ähnlichen Fällen.

Auftakt der grandiosen, aus drei Filmen bestehenden Verfilmung der Red-Riding-Romane von David Peace. Den zweiten Film, „1980“, zeigt der HR in einer Woche um 23.30 Uhr und den Abschluss, „1983“, gibt es in zwei Wochen um 23.30 Uhr.

Mit Andrew Garfield, Eddie Marsan, John Henshaw, Sean Bean

Hinweise

Meine Besprechung von David Peaces „1974“ (Nineteen Seventy-Four, 1999)

Meine Besprechung von David Peaces „1977“ (Nineteen Seventy-Seven, 2000)

Meine Besprechung von David Peaces „1980“ (Nineteen Eighty, 2001)

Meine Besprechung von David Peaces „1983“ (Nineteen Eighty-Three, 2002)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio im Jahr Null“ (Tokyo Year Zero, 2007)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio, besetzte Stadt“ (Occupied City, 2009)

Meine Besprechung der „Red Riding Trilogy“ (der Verfilmung der entsprechenden Bücher)

David Peace in der Kriminalakte


Altlastenbeseitigung: Text und Bild, Teil 2

Mai 15, 2011

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

Der Kinoeinsatz der „Losers“, der weitgehend auf dem ersten „The Losers“-Band „Goliath“ basiert, floppte an der Kinokasse und wurde bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht. Denn die „Losers“ (ein Special-Forces-Team, das von ihren Vorgesetzten verraten wurden und bei einem Einsatz sterben sollte, überlebte, will sich jetzt für den Verrat rächen und wird von ihren Ex-Chefs gejagt) waren vergangenes Jahr das bessere „A-Team“. Trotzdem dürfte das magere Einspielergebnis das letzte Wort über weitere Einsätze der „Losers“ gesprochen haben.

Die im Original bereits zwischen 2003 und 2006 veröffentlichte Comicserie geht dagegen weiter. Der zweite „The Losers“-Band „Die Insel“ ist im wesentlichen ein Luftholen nach dem ersten Einsatz, als sie auf der Suche nach Beweisen für die Untaten der CIA und ihres Auftraggebers Max den Hafen von Houston in einen äußerst sanierungsbedürftigen Zustand versetzten, und eine Vorbereitung für den dritten Band.

So erfahren wir zunächst, wie die „Loser“ die Auszeit verbringen und nach weiteren Hinweisen über Max suchen. Dann brechen sie in die Karibik auf. Denn dort hat Max in einer Villa etwas für ihn sehr Wichtiges versteckt und die Loser wissen, dass etwas, das für Max wertvoll ist, auch für sie wertvoll ist.

Die Insel“ ist, wie schon der erste „Losers“-Band, ein feiner Action-Comic, bei dem die amerikanischen Geheimdienste mal wieder schlecht wegkommen. Denn für sie zählt ein Menschenleben wenig, eine Intrige viel.

Ein Zitat von US-Präsident Abraham Lincoln beschließt „Die Insel“: „Gewisse Unternehmen haben sich etabliert, und eine Ära der Korruption wird folgen. Und die Vermögenden im Lande werden alles tun, um diesen Zustand zu verlängern, indem sie die Voreingenommenheit der Menschen zu ihrem Vorteil nutzen, bis der Wohlstand sich in wenigen Händen angesammelt hat und die Republik zerstört ist.“

Was das Zitat für die „Loser“ und ihren Gegner Max bedeutet, werden wir im dritten „Losers“-Band, der für Mitte Mai angekündigt ist, erfahren.

Andy Diggle (Autor)/Jock (Zeichnungen)/Shawn Martinbrough (Zeichner): The Losers: Die Insel (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

The Losers, Vol. 7 – 12

DC Comics, 2004

Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath“

In der feinen TV-Action-Serie „Human Target“ holt Bodyguard Christopher Chance für andere die Kastanien aus dem Feuer. Gespielt wird Chance von Mark Valley, der mir als Christopher Chance wesentlich besser gefällt als als Anwalt Brad Chase in „Boston Legal“. Zur TV-Serie wurde auch die Comicserie wiederbelebt.

Denn die TV-Serie basiert auf einem von Len Wein erfundenem Charakter, der bereits 1972 seinen ersten Auftritt hatte. Chance war eine Mischung aus Privatdetektiv und Bodyguard, der zum Erfüllen seiner Aufträge die Identität seines Auftraggebers (aka des potentiellen Opfers eines Anschlags) annahm.

Für die Serie wurde dann einiges geändert. Immerhin hätte Chance sich dann in jeder Folge verkleiden müssen. Deshalb ist er jetzt ein ehemaliges Mitglied einer Geheimorganisation, das den Alias „Christopher Chance“ angenommen hat (vor ihm gab es bereits andere „Christopher Chances“), jetzt für Geld das menschliche Schutzschild für seine Klienten spielt und sie so vor Anschlägen schützt oder aus der Bredouille herausholt. Weil er die Gefahr liebt, nimmt er am liebsten lebensgefährliche Aufträge an.

Der Comic „Kopfgeld für den Paten“ erzählt mit den Charakteren und in der Welt der TV-Serie ein weiteres Abenteuer von Christopher Chance, das ihn um den gesamten Globus führt. Denn der alternde und vom schlechten Gewissen geplagte Pate Angelo Morelli will kurz vor seinem Tod (Krebs!) als Kronzeuge aussagen. Chance soll ihn sicher von seinem Versteck in der Nähe von Paris nach Washington bringen. Auf ihrer Reise will Morelli für seine Aussage allerdings noch die in Paris, Vatikan, Venedig, einer abgelegenen Hütte in den Alpen und Hongkong versteckten Beweise einsammeln. So wird der eh schon gefährliche Auftrag für Christopher Chance, weil sie von Mafia-Killern erbarmungslos gejagt werden, zu einer klassischen Selbstmordmission.

Für Fans der TV-Serie (zu denen ich gehöre) ist „Kopfgeld für den Paten“ ein weiteres spannendes Abenteuer mit Christopher Chance, seinen beiden Freunden, Detective Laverne Winston und Guerrero, einer schönen Frau (aka „Babe of the Week“) und viel Action, die das Budget einer „Human Target“-Serienfolge gesprengt hätte (obwohl die einzelnen Folgen normalerweise nicht vor Ort gedreht werden).

Len Wein (Autor)/ Bruno Redondo (Zeichner): Human Target: Kopfgeld für den Paten (Band 1)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2011

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Human Target, Vol. 1 – 6

DC Comics, 2010

Hinweise

Kriminalakte über die TV-Serie „Human Target“

Thrilling Detective über Christopher Chance

Die Verfilmung von „Jonah Hex“ war ein Desaster, das niemand sehen wollte. Der Film war, so hört man, auch außergewöhnlich schlecht und, wie schon der Trailer zeigt, sehr fern von der Vorlage. Eigentlich hat man nur die Landschaft (Wilder Westen), den Namen des Helden und sein verunstaltetes Gesicht übernommen.

In den Comics ist Jonah Hex ein zynischer Kopfgeldjäger, der nicht lange fackelt. In dem zweiten „Jonah Hex“-Sammelband „Rächende Colts“ sind sechs weitere von den aktuellen „Jonah Hex“-Autoren Jimmy Palmiotti und Justin Gray geschriebene Abenteuer enthalten, in denen Jonah Hex etliche Bösewichter umbringt. Die amoralischen Geschichten sind dabei in jeder Beziehung vom Spaghetti-Western inspiriert.

In den USA schreiben Jimmy Palmiotti und Justin Gray fleißig weitere „Jonah Hex“-Geschichten. Das 67. Heft ist gerade erschienen. Bei uns scheinen die Verkaufszahlen, wie fast immer bei Western, eher mau gewesen zu sein. Denn bislang hat Panini noch keine weiteren „Jonah Hex“-Sammelbände angekündigt.

Jimmy Palmiotti (Autor)/Justin Gray (Autor)/Luke Ross (Zeichner): Jonah Hex – Rächende Colts (Band 2)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini Comics/DC Comics, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Jonah Hex 7: Eine Hochzeit und fünfzig Begräbnisse (One Wedding and fifty Funerals, Juli 2006)

Jonah Hex 8: Verschließe niemals die Augen (Never turn a blind Eye, August 2006)

Jonah Hex 9: Der vertriebene Fluch (Gettin‘ un-haunted, September 2006)

Jonah Hex 10: Alligatormenü (Gator Bait, Oktober 2006)

Jonah Hex 11: Ein Baum zum Hängen (The hangin‘ Tree, November 2006)

Jonah Hex 12: Blutspuren im Schnee (Bloddstained Snow, Dezember 2006)

Hinweise

Blog von Jimmy Palmiotti

Meine Besprechung von „Jonah Hex: Zeit zu sterben (Band 1)“

Irgendwie war Brian Azzarellos Western-Serie „Loveless“ von Anfang an vermurkst. Es begann mit Wes Cutter, der nach dem Bürgerkrieg in seinen Heimatort, das Südstaatenkaff Blackwater, zurückkehrte, um sich für erlittenes Unrecht zu rächen. Nachdem er hinterrücks erschossen wird, will seine Frau Ruth ihn rächen – und, wie man bei dem Titel „Stunde der Abrechnung“ zu recht vermuten kann, tut sie das auch gnadenlos. Diese Abrechnung umfasst die erste Hälfte des Sammelbandes. In der zweiten Hälfte sind drei kurze Geschichten abgedruckt, die 1906, 1927 und 1934 in den Südstaaten spielen und, weil sie gar nicht mehr den Anspruch erheben, Teil eines großen, Jahrzehnte umspannenden Erzählung zu sein, sind sie als Einzelgeschichten wesentlich besser als die vorherige Western-Geschichte.

Die deutlich vom Italo-Western inspirierte Serie „Loveless“ endet mit der „Stunde der Abrechnung“ so unbefriedigend, wie sie mit „Blutrache“ begann.

Brian Azzarello (Autor)/Danijel Zezelj (Zeichner)/Werther Dell’edera (Zeichner): Loveless – Stunde der Abrechnung (Band 4)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Loveless, Vol. 19 – 24

Vertigo 2007/2008

Hinweise

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Weitaus gelungener als „Loveless“ ist die ebenfalls von Brian Azzarello erfundene Serie „100 Bullets“ die mit „Das dreckige Dutzend“ zielstrebig auf ihr Ende zusteuert. Dabei wird die Prämisse, mit der die Serie „100 Bullets“ begann („Was würdest du tun, wenn jemand dir die Möglichkeit gibt, dich für ein großes Unrecht zu rächen, ohne dass du dafür von der Justiz bestraft wirst?“), nicht mehr weiter beachtet. Stattdessen bereiten sich die Minutemen, eine Killertruppe, die in Atlantic City vernichtet werden sollte, aber an verschiedenen Orten untertauchen konnte, und der Trust, eine Vereinigung von 13 einflussreichen Familien, auf ihren letzten Kampf vor. Dabei war die geplante Vernichtung der Minutemen nur ein Schachzug im Kampf der Trust-Familien untereinander.

Im dreizehnten und letzten „100 Bullets“-Sammelband kommt dann der Kampf zwischen den Minutemen und dem Trust zum Ende und wir dürften auch alle, jetzt teilweise noch rätselhaften Hintergründe erfahren. Dann ist auch die Zeit für eine große umfassende Besprechung, die viele Spoiler enthalten wird.

Bis dahin kann ich nur sagen: „Das dreckige Dutzend“ ist ein weiterer überzeugender Band einer grandiosen Krimiserie, die chronologisch gelesen werden sollte.

Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): 100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics/Vertigo, 2011

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets, Vol. 84 – 88

Vertigo, 2007/2008

Hinweise

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)
Britische Fanseite zu „100 Bullets“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)


TV-Tipp für den 15. Mai: Sierra Charriba

Mai 15, 2011

Arte, 20.15

Sierra Charriba (USA 1964, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Harry Julian Fink, Oscar Saul, Sam Peckinpah

Nach dem Bürgerkrieg muss Unions-Major Amos Dundee zusammen mit Konföderiertem-Captain Benjamin Tyreen (mit dem er vor dem Krieg befreundet war) gegen den Apachen-Häuptling Sierra Charriba kämpfen. Denn dieser überfällt immer wieder Siedlungen der Weißen.

Nach dem Western „Sacramento“ drehte Peckinpah „Sierra Charriba“ (Originaltitel war „Major Dundee“) und es gab auch gleich beim Dreh und beim Schnitt mächtig Ärger.

‚Sierra Charriba‘ ist ein spannender Action-Western und das faszinierende Überbleibsel eines Monumentalfilms, den es nie gegeben hat. Seine Macher konnten sich nie einigen, welche Art von Film sie eigentlich drehen wollten.“ (Glenn Erickson, Booklet zur DVD-Ausgabe)

Arte zeigt die restaurierte bzw. Extended Version, die etwas länger als die ursprüngliche Kinoversion ist, aber natürlich immer noch die Probleme hat, die der Film bereits vor und während des Drehs hatte.

mit Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn, Michael Anderson jr., Senta Berger, Mario Adorf, Brock Peters, Warren Oates, Ben Johnson, R. G. Armstrong, Slim Pickens, Michael Pate

Wiederholung: Dienstag, 17. Mai, 14.45 Uhr

Hinweise

Kriminalakte über Sam Peckinpah

Meine Besprechung von „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Arte über „Sierra Charriba“

Wikipedia über „Sierra Charriba“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Major Dundee“


TV-Tipp für den 14. Mai: Invasion vom Mars

Mai 14, 2011

ZDFkultur, 22.40

Invasion vom Mars (USA 1953, R.: William Cameron Menzies)

Drehbuch: Richard Blake

Der kleine David beobachtet eines Nachts die Landung eines UFOs. Kurz darauf bemerkt er, dass sein Vater und die Nachbarstochter sich seltsam verhalten. Und das ist erst der Anfang der Invasion vom Mars.

Kultige SF aus den Fünfzigern, die damals auch als 3D-Film geplant war und der erste Alien-Invasionsfilm in Farbe ist.

Einer der ungewöhnlichsten Filme der fünfziger Jahre. Menzies (…) lieferte hier seine letzte Arbeit als Regisseur und verleiht dem Film durch unheilschwangere Bilder und die düstere Atmosphäre eine brillante, alptraumhafte Qualität.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie, 1998)

Wegweisender SF-Film“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, 1997)

mit Helena Carter, Arthur Franz, Jimmy Hunt, Leif Erickson, Hillary Brooke

Wiederholung: Sonntag, 15. Mai, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Invasion vom Mars“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Invaders from Mars“

Eccentric Cinema über „Invaders from Mars“

Monstrula über „Invasion vom Mars“


Altlastenbeseitigung: Text und Bild

Mai 13, 2011

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

In „Schöne neue Welt“, dem zwölften Band der grandiosen Serie „The Walking Dead“ von Robert Kirkman über eine Gruppe von Menschen, die nach einer Katastrophe in einer von Zombies beherrschten Welt, überleben wollen, scheint sich alles zum Besseren zu wenden.

Die von Polizist Rick Grimes geführte Gruppe nähert sich endlich Washington, D. C.. dem Ziel ihrer Reise. Denn dort, so hat ihnen ihr Gruppenmitglied Dr. Eugene Porter gesagt, gebe es ein Mittel gegen die Zombies. Aber kurz vor der Hauptstadt erfahren sie, dass Porter sie belogen hat. Er ist nur ein einfacher Highschool-Lehrer und ein guter Lügner. Da treffen sie auf einen Mann, der sie einlädt, zu ihnen in eine geschlossene Siedlung zu ziehen. Grimes ist skeptisch. Denn wenn etwas zu schön um wahr zu sein ist, ist es auch meistens nicht wahr. Außerdem erinnern sie sich noch gut an Philip, den durchgeknallten Herrscher von Woodbury (gegen den sie in den „The Walking Dead“-Sammelbänden fünf bis acht kämpften).

Schöne neue Welt“ ist eine feine Fortsetzung einer tollen Serie, die die Gruppe vor eine neue Herausforderung stellt. Jetzt müssen sie sich fragen, ob sie wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Wie in den vorherigen Bänden gibt es eine ordentliche Portion Gewalt gegen die Zombies, aber auch in „Schöne neue Welt“ steht die Dynamik in der Gruppe und wie sie auf andere Menschen reagiert, im Mittelpunkt und das ist allemal spannender als stupides Zombie-Abschlachten.

Im Moment sehe ich mir die auf den Comics basierende TV-Serie „The Walking Dead“ an. Sie bewegt sich schon in der ersten Staffel erstaunlich weit von der Vorlage weg, indem Rick Grimes und seine Gruppe andere Abenteuer erleben müssen und schon in den ersten Folgen etliche neue Charaktere auftauchen. Aber sie bleibt dem Geist der Vorlage treu; was nicht verwunderlich ist, denn Robert Kirkman ist in die Produktion stark involviert. Er ist Executive Producer und schreibt auch Drehbücher für die TV-Serie. Ich bin jedenfalls auch von der TV-Serie begeistert.

Robert Kirkman (Autor)/Charlie Adlard (Zeichner)/Cliff Rathburn (Zeichnungen): The Walking Dead: Schöne neue Welt (Band 12)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2011

152 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

The Walking Dead, Vol. 12: Life Among Them (# 67 – 72)

Image Comics, 2010/2011

Hinweise

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

AMC-Blog zu „The Walking Dead“ (derzeit: Berichte und Bilder von den Dreharbeiten)

„The Walking Dead“-Fanseite

„The Walking Dead“-Wiki

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände, meine Besprechung des elften Bandes „Jäger und Gejagte“ und das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

Neben „The Walking Dead“ schreibt Robert Kirkman noch an einer weiteren Serie: „Haunt“, über einen unheiligen Priester, der nach dem Tod seines Bruders von ihm besessen ist.

Die Initialzündung für die Serie war 2006 auf der San Diego Comic-Con. „Spawn“-Erfinder Todd McFarlane saß auf dem Podium. Ein Fan fragte ihn, warum er keine Comics mehr schreibe. McFarlane antwortete höflich, erfuhr, dass dieser Fan Robert Kirkman sei und bot ihm eine Zusammenarbeit an. Es dauerte dann noch drei Jahre, bis Ende 2009 das erste „Haunt“-Heft erschien.

Haunt“ ist dabei eine etwas andere Superheldenserie. Denn der Protagonist Daniel Kilgore ist als Priester eine Fehlbesetzung und mit seinem Bruder Kurt will er nichts zu tun haben. Kurt ist Geheimagent für die Agency, einen supergeheimen Geheimdienst (naja, das kennen wir doch aus den USA: der Geheimdienst hinter dem CIA, der ein unbegrenztes Budget hat, schmutzige Geschäfte erledigt und auch Menschen tötet; – und manchmal auch nur ein Synonym für die CIA ist). Kurt erledigt weltweit die Schmutzarbeit und bringt dabei immer wieder Menschen um.

Auch nachdem Kurt ermordet wird, will Daniel Kilgore nichts mit ihm zu tun haben. Dummerweise ergreift Kurt jetzt, wenn es gefährlich wird, von Kilgore Besitz und es gibt ein neues, fast unverletzbares Wesen, das Kilgore für die Arbeitgeber von Kurt interessant macht. Denn Kurt und seine Freundin stahlen wichtige Unterlagen von einem Dr. Shillinger, an die jetzt auch der skrupellose Supergangster Hung will.

Haunt“ verleiht dem Superheldengenre mit dem fast unverletzbarem Haunt und den beiden Brüdern, die sich nicht grün, aber aufeinander angewiesen sind und ständig miteinander reden, einen neuen Twist. Denn hier werden die Familienprobleme nur noch im Kopf des Protagonisten ausgetragen.

Jetzt sind, in zwei Sammelbänden, die ersten zwölf Hefte und damit die erste große „Haunt“-Geschichte erschienen, die aber genug Spuren für weitere Geschichten, die bislang in den USA noch nicht erschienen sind, legt.

Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner): Haunt – Band 1

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2010

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Haunt, Vol 1 – 5

Image Comics, 2010

Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert /Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner): Haunt – Band 2

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics 2011

156 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Haunt, Vol. 6 – 12

Image Comics, 2010

Hinweis

Homepage von Todd McFarlane

Homepage von Image Comics

Auch bei „American Vampire“ begann die Zusammenarbeit eher zufällig. Scott Snyder wollte von Stephen King eigentlich nur einen Blurb, aber dem Horror-Autor gefiel das Konzept so gut, dass er, wie schon bei der Krimireihe Hard Case Crime, statt des Blurbs eine Geschichte anbot und, wie bei Hard Case Crime, bewies er seinen guten Geschmack. Außerdem schrieb er, nachdem bereits aus einigen seiner Romane Comics wurden, mit „American Vampire“ erstmals eine Geschichte direkt für einen Comic.

In „American Vampire“ bekämpfen sich in den USA die alten, europäischen Vampire und die neuen amerikanischen Vampire – und alle Vampire haben nichts mit der „Twilight“-Teenieheimeligkeit gemeinsam.

Denn der Protagonist Skinner Sweet war vor seinem Vampirdasein der gemeinste, hinterhältigste und bösartigste Bandit des Wilden Westen und jetzt ist er, als erster seiner Art, eine neue Art von Vampir, die Dinge tun kann, die die alten europäischen Vampire nicht tun konnten. So macht ihm das Tageslicht nichts aus.

Im ersten „American Vampire“-Sammelband, der die ersten fünf „American Vampire“-Hefte enthält, werden zwei voneinander unabhängige Geschichten erzählt, die in jedem Heft weitererzählt werden. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und sorgt gerade im ersten „American Vampire“-Heft bei der Geschichte von Scott Snyder, weil unklar ist, wer der Protagonist ist, für Irritationen. Ab dem zweiten Heft ist der Aufbau dann allerdings klar. Die eine Geschichte, geschrieben von Stephen King, spielt im Wilden Westen und erzählt, wie Skinner Sweet zum ersten amerikanischem Vampir wurde und von seinen ersten Jahren als Vampir. Denn er ist, auch wenn er so dem Tod entging, überhaupt nicht von seinem neuen Leben als Vampir begeistert.

Die andere, von Scott Snyder geschriebene Geschichte, spielt in den zwanziger Jahren in Hollywood und das Starlet Pearl Jones gerät in die Fänge der Vampire. Skinner Sweet, der gegen die Menschen kämpft, die ihn zum Vampir machten, versucht Pearl Jones zu helfen und sie nimmt ihre Existenz als Vampir auf eine durchaus bissfreudige Weise an.

Der erste „American Vampire“-Sammelband ist ein vielversprechender Auftakt, der mit einer ordentlichen Western- und Stummfilm-Hollywood-Prise und blutigen Kämpfen (denn diese Vampire haben nichts mehr von der Eleganz eines Bela Lugosi, aber viel von dem Furor eines losgelassenen Kampfhundes), punktet. Oder in den Worten von Stephen King im Vorwort des Sammelbandes: „Wenn Ihnen die Geschichte gefällt, danken Sie nicht mir, sondern Scott, denn er hat mir den kompletten Leitfaden geliefert. Ich habe hier und da Kleinigkeiten ergänzt, mich aber nie weit von seinen Vorgaben entfernt. Wozu ein Meisterwerk verbessern?“

Scott Snyder (Autor, Creator)/Stephen King (Autor)/Rafael Albuquerque (Zeichner): American Vampire – Band 1

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

196 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

American Vampire, Vol. 1 – 5

DC Comics, 2010

Hinweise

Homepage von Rafael Albuquerque

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park

Keine zehn Pferde kriegen mich in die Nähe von Cassandra Hack! Da kann ich mir ja gleich selbst den Kopf einschlagen“, sagt Michael Myers über Cassandra Hack und, obwohl die Blurbs auf dem Buchcover oft eine höfliche Form der Lüge sind, würde ich Myers nicht wiedersprechen. Denn er ist ein ausgewiesener Experte und der letzte, der etwas Unhöfliches über ihn sagte, sah danach ziemlich schlecht aus.

Hack ist ein Mädchen, das Slasher (das sind diese Mörder, die mit einem großen Messer immer wieder töten) und, manchmal, andere Serienmörder jagt, ihren Vater sucht und von dem treudoofem Vlad begleitet wird.

Hack-Autor Tim Seeley erzählt in dem neuesten „Hack/Slash“-Band „(Re)Animatoren“ meistens keine 08/15-Geschichten über die Jagd nach durchgeknallten Slashern (Gibt es auch andere? Nun, in „Eiskalt serviert“ schon.), sondern er variiert bekannte Erzählungen und lässt bekannte Charaktere auftreten. Das können echte Charaktere, wie die „Suicide Girls“ in „Selbst/Mord“, das können erfundene Charaktere, wie Dr. Herbert West (bekannt aus den „Re-Animator“-Filmen von Brian Yuzna) in der langen Geschichte „Cassie & Vlad trefffen den Re-Animator“, sein. Das kann auch die in den USA jedem Kind bekannt Geschichte des „Zauberers von Oz“ sein, die in „Hinter dem Regenbogen“ wieder verfilmt werden soll. Bei den Dreharbeiten gibt es dann einige, ähem, Probleme.

Die lange Geschichte „Cassie & Vlad trefffen den Re-Animator“ ist dann auch die beste Geschichte des Sammelbandes. In ihr findet Cassie ihre Eltern und alle Charaktere haben auch genug Zeit, sich zu präsentieren. Dagegen wirken die anderen Geschichten oft etwas skizzenhaft. Gerade bei „Hinter dem Regenbogen“ hätten einige Seiten mehr gutgetan. Dafür wird man in „Selbst/Mord“ mit einer kräftigen Portion Sex, Gewalt und Mord entschädigt.

Tim Seeley (Autor)/Emily Stone (Zeichnungen): Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)

Cross Cult, 2010

(übersetzt von Frank Neubauer)

160 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

Hack/Slash: Reanimation Games

Image Comics, 2009

Hinweis

Homepage von Tim Seeley


Gratis-Comic-Tag, die zweite

Mai 13, 2011

Am Samstag, den 14. Mai, ist es wieder so weit: der Gratis-Comic-Tag wird gefeiert.

Schon der erste Gratis-Comic-Tag mit 17 teilnehmenden Verlagen, 30 Comics und über 150 Comic- und Buchhandlungen, die die Comics kostenlos verteilten, war ein voller Erfolg.

Dieses Jahr sind 29 Verlage und 44 Comics, teilweise sogar Erstveröffentlichungen, dabei.

Zu den Verlagen gehören bekannten Namen, wie Carlsen, Epaha und Panini, und auch neue, kleine Verlage, wie Comic Culture, Epsilon und Piredda.

Aber auch wer mit den Verlagsnamen wenig anfangen kann, dürfte einige der Comicserien kennen. Andere lohnen mit Sicherheit einen Blick.

Am zweiten Gratis-Comic-Tag werden „Die Peanuts“, „Donald Duck“, Die „Muppets-Show“, „Die Schlümpfe“ „Star Wars: Clone Wars“, „Marvel: Thor & Iron-Man“ und „DC Comics: Grenn Lantern – Secret Origin“ und „Die Simpsons“ verteilt.

Diese Namen dürften auch den Nicht-Comic-Fans etwas sagen. Es gibt aber auch tonnenweise Hefte mit unbekannteren Charakteren. Der „Goon“ schlägt in einer bislang unveröffentlichten Geschichte wieder zu und, spätestens wenn die von David Fincher produzierte 3D-Animationsverfilmung startet, wird auch jeder den „Goon“ kennen.

Es gibt ein Abenteuer von Professor Bell (der, so die Ankündigung, Lehrer von Sir Arthur Conan Doyle war und Doyle zu Sherlock Holmes inspirierte), das komplette siebte Album von dem „Tramp“, ein Science-Fiction-Heft der Dystopie „Golden City“, eines der Dystopie „Wasteland“, eine neu übersetzte und überarbeitete Version von „Canardo: Weiße Vögel sterben leise“, „Weissblechs Gratis-Grusel-Geisterstunde“, mysteriöse Kriminalfälle aus dem viktorianischem England in „Green Manor“ und eine neue Geschichte der deutschen Zombieserie „Die Toten“.

Und natürlich gibt es auch extra ausgezeichnete „Comics für Kids“, Mangas und Witziges.

Da dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein. Wenn die kostenlosen Hefte nicht schon verteilt wurden. Denn letztes Jahr war der Andrang groß.

Die Idee für den Gratis-Comic-Tag kommt aus den USA und soll die Bandbreite der Comics von Micky Maus über Superman hin zu Comics, die sich explizit an Erwachsene richten und auch intellektuell herausfordernd sind, zeigen und neue Leser gewinnen.

Weitere Infos zum Gratis-Comic-Tag gibt es auf der Homepage und hier findet ihr den Händler in eurer Nähe.


Tokio-Trilogie, die Zweite: David Peace und „Tokio, besetzte Stadt“

Mai 13, 2011

Tokio, besetzte Stadt“, der zweite Band von David Peaces Tokio-Trilogie, spielt 1948 und wieder basiert der Roman auf einem wahren Verbrechen; nämlich dem Fall Hirasawa Sadamichi, der 1950 trotzt dünner Beweislage zum Tode verurteilt wurde, 1987 in der Todeszelle starb und dessen Fall immer wieder, auch noch nach seinem Tod, in zahlreichen Berufungsverfahren immer wieder neu verhandelt wurde.

Hirasawa Sadamichi war des mehrfachen Giftmordes und Diebstahls (man will ja nichts unterschlagen) angeklagt. Er sollte sich in einer Bank als Seuchenexperte ausgegeben und die anwesenden Angestellten und Kunden vergiftet haben, indem er ihnen sagte, sie müssten ein Gegengift trinken und es ihnen verabreichte. Zwölf Menschen starben, vier weitere kamen schwer vergiftet ins Krankenhaus.

Dieser Massengiftmord ist für David Peace nur der Auftakt, um ein eindrucksvolles Bild der von der Kriegsniederlage zutiefst zerrütteten japanischen Gesellschaft zu zeichnen. Dabei interessiert ihn, wie bei „Tokio im Jahr Null“, dem ersten Band der Tokio-Trilogie, nicht die Aufklärung des Verbrechens oder eine rein faktengetreue Nacherzählung der Ermittlungen. In „Tokio im Jahr Null“ war der Mörder ziemlich schnell bekannt und wir begleiteten Inspektor Minami auf der Suche nach weiteren Beweisen und in seine Psyche; naja, die Suche nach den Beweisen war für Peace der Vorwand, ganz tief in Minamis Psyche und seinen zunehmenden Wirklichkeitsverlust einzudringen.

In „Tokio, besetzte Stadt“ ist, dank zielstrebiger und wenig aufregender Ermittlungsarbeit, die vor allem nach dem Ausschlussprinzip vonstatten geht, ziemlich schnell klar, wer für die Tat in Frage kommt und, auch wenn die Beweise dünn sind, für die Morde büßen soll. Aber die Giftmorde in der Bank sind für David Peace, der selbst einige Jahre in Tokio lebte, nur die Camouflage um sich den japanischen Experimenten mit B- und C-Waffen, den Versuchen der Amerikaner nach Kriegsende in den Besitz dieser Forschungen zu kommen und wie die Japaner versuchten, dies zu verhindern, zu widmen. Hier versucht er eine Erklärung dafür zu finden, wie jemand einen solchen Massenmord begehen kann und was diese Morde für die damalige Gesellschaft bedeuteten. Gleichzeitig deutet er einen Zusammenhang zwischen dem Massengiftmord an japanischen Zivilisten in einer Bank mit entsprechenden militärischen Forschungen während des zweiten Weltkriegs an.

Das erzählt Peace, indem er die Ereignisse von zwölf verschiedenen Personen (die als „Kerzen“ einem Schriftsteller ihre Geschichte erzählen) erzählen lässt. Langsam vervollständigt sich ein Bild, das nichts mit der offiziellen Erklärung gemeinsam hat, aber trotzdem skizzenhaft und so für verschiedene Interpretationen offen bleibt.

Die Wiederholungen in den verschiedenen Geschichten sind eine Folge der gewählten Struktur, die Peace zwingt, einige Ereignisse mehrmals, aber aus verschiedenen Perspektiven, zu erzählen und weil jede Person eine andere Stimme hat, sind die einzelnen Monologe auch verschieden gut lesbar. Einige, vor allem die späteren Kerzen, sind in ihrem halluzinatorischem Ton, sogar fast unlesbar.

Aber insgesamt ist „Tokio, besetzte Stadt“ ein verstörender Einblick in die Seele eines zerrissenen Landes und, wie immer bei David Peace, ziemlich weit weg von allen Krimikonventionen.

Peter Torberg übersetzte den Roman, wie auch die anderen Romane von David Peace, kongenial. Ihm gelingt das scheinbar Unmögliche, die rhythmische Prosa von David Peace, die, was vor allem beim Vorlesen des Originals auffällt, näher am Rap als an geschriebener Prosa ist, in ein ebenso rhythmisches Deutsch zu übersetzten.


David Peace: Tokio, besetzte Stadt

(übersetzt von Peter Torberg)

Liebeskind, 2010

352 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Occupied City

Faber & Faber, London, 2009

Hinweise

Meine Besprechung von David Peaces „1974“ (Nineteen Seventy-Four, 1999)

Meine Besprechung von David Peaces „1977“ (Nineteen Seventy-Seven, 2000)

Meine Besprechung von David Peaces „1980“ (Nineteen Eighty, 2001)

Meine Besprechung von David Peaces „1983“ (Nineteen Eighty-Three, 2002)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio im Jahr Null“ (Tokyo Year Zero, 2007)

Meine Besprechung der „Red Riding Trilogy“ (der Verfilmung der entsprechenden Bücher)

David Peace in der Kriminalakte

Spiegel über Hirasawa Sadamachi (Heft 21/1985)

Wikipedia über Hirasawa Sadamachi


TV-Tipp für den 13. Mai: Thomas Crown ist nicht zu fassen

Mai 13, 2011

WDR, 23.15

Thomas Crown ist nicht zu fassen (USA 1968, R.: Norman Jewison)

Drehbuch: Alan R. Trustman

Versicherungsagentin Vicky Anderson glaubt, dass der vermögende und seriöse Geschäftsmann Thomas Crown ein Bankräuber ist. Zwischen beiden entspinnt sich ein erotisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel.

Ein Kassenhit und mindestens ein Semi-Klassiker.

„Just the movie to see if you want to see an ordinary, not wonderful, but highly enjoyable movie—of which there have been so few this year.“ (New York Times, 27. Juni 1968)

„‘The Thomas Crown Affair’ ist vornehmlich eine private Fingerübung von Jewison, Michel Legrand (zu dessen Musik der Film geschnitten wurde) und seinem Cutter, bei der die Schauspieler nicht so sehr als wahre Persönlichkeiten mit ihren eigenen Spannungsfeldern auftreten, sondern hauptsächlich als sprechende Köpfe.“ (Derek Elley, Focus on Film, März 1981)

„Beim Publikum der späten sechziger Jahre kam diese etwas klebrige Mischung, deren Unterhaltungswert sich zugestandenermaßen auch aus heutiger Sicht kaum wegnörgeln lässt, außerordentlich gut an, und Jewisons Kunstgewerbe wurde von manchen Kritikern gar als große Filmkunst bezeichnet.“ (Robert J. Kirberg: Steve McQueen, 1985)

mit Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack Weston, Yaphet Kotto

Hinweise

Wikipedia über „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (deutsch, englisch)

DVD Verdict über „The Thomas Crown Affair“

Reel Views über „The Thomas Crown Affair“


Was soll der „Heidenlärm“, Herr Hellmann?

Mai 12, 2011

Julian von Thelen ist als Hotelmanager eines Fünf-Sterne-Hotels ein Ass. Für seine Untergebenen ist er ein Aas. Doch dass der vierundreißigjährige Single eines Abends, spärlich bekleidet, an der Türschwelle zu seinem Apartment wie eine gefällte deutsche Eiche umfällt und sich dann stundenlang nicht bewegen kann, gönnt man ihm dann doch nicht. Auch nicht, dass er mit höchst unfeinen Mitteln aus seinem Job gedrängt werden soll.

Von Thelen glaubt, dass der Grund dafür in einem von ihm vor einigen Wochen in einer Nebenstraße beobachtetem Mord liegt. Dummerweise ist er der einzige Zeuge und die Polizei glaubt ihm nicht. Und seitdem er an seiner Türschwelle umfiel benimmt er sich an bestimmten Türschwellen, bei Telefonaten und auf Konferenzen immer seltsamer. Denn der Atheist von Thelen behauptet, die „Stimme Gottes“ zu hören und dass er ihm gehorchen müsse.

Mehr soll hier nicht verraten werden. Denn bei einem glänzend geschriebenem Thriller wie „Heidenlärm“, der sich im besten Sebastian-Fitzek-Tempo liest, steigt der Lesespaß mit dem eigenen Nichtwissen.

Im Verhörzimmer der „Kriminalakte“ beantwortete der „Heidenlärm“-Schreiber Alfred Hellman einige Fragen.

Was war die Ausgangsidee für „Heidenlärm“?

Es gab zwei, beide drehen sich um Betrug und falsche Versprechungen:

1. Medikamentenfälschung – hat mich beschäftigt, weil sie so hinterhältig und verlogen daherkommt, Heilung verspricht, aber Leid bewirkt. Die Umsätze sollen höher sein als beim Rauschgifthandel.

2. Ein Gefühl, das Julian Barnes so beschrieben hat: ‚Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn’.

Warum hast du dich entschieden, die Geschichte aus der Perspektive des doch ziemlich unsympathischen Hotelmanagers Julian von Thelen zu schreiben?

Weil unsympathische Protagonisten spannender sind als nette Leute. Außerdem bleibt Platz für Läuterung.

Warum hast du hast „Heidenlärm“ aus von Thelens Perspektive geschrieben?

Es war für mich die einzige Möglichkeit. Andere Perspektiven habe ich ausprobiert, von Varianten der 3. Person Singular, bis hin zur auktorialen Position, fand aber, dass ich diese Geschichte am besten ‚von innen’ erzählen kann. Vor allem, weil so die Gratwanderung zwischen Glauben und Zweifel leichter darzustellen war.

Wie wichtig war für dich beim Schreiben, dass die Geschichte in Berlin spielt?

Berlin bildet – erst recht für jemanden wie mich, der aus dem angeblich katholischen Rheinland stammt – eine ziemlich heidnische Kulisse. Das erzeugt einen schönen Kontrast. Grundsätzlich könnte die Geschichte aber auch woanders spielen. Gäbe es Gott, wäre er ja überall – und das Verbrechen sowieso.

Wie sähe deine Wunschbesetzung für eine Verfilmung aus?

Der Hotel-Manager Julian van Thelen, Empfänger himmlischer Botschaften und Ermittler wider Willen: Hugh Laurie.

Der Boulevard-Magazin-Regisseur: Jean Reno oder Udo Kier.

Dessen Gehilfe, der Kameramann und Killer: Javier Bardem.

Der geschäftsführende Medikamentenfälscher: Philip Seymour Hoffman

Die oft errötende, aber charakterstarke Linda Kranz: Charlotte Gainsbourg.

Der Priester: Bruno Ganz.

Schwarzheinrich, der Hüter des Kirchenportals: Bill Nighy.

Bernadette aus Treptow, die als Erste die Tränen der Berliner Madonna sah: Cosma Shiva Hagen.

Der Psychiater Professor Conrads: Christoph Waltz.

Welche fünf Bücher würdest du für den Strandkorb empfehlen?

1. Don Winslow, „Tage der Toten“, Suhrkamp – fast so gut wie „Der Pate“.

2. Colin Cotterill, „Dr. Siri und seine Toten“, Goldmann – der einzige Leichenbeschauer von Laos, geschrieben gegen fast alle Krimi-Regeln.

3. Val McDermid, „Vatermord“, Knaur – ein realistischer und spannender Ausflug in menschliche Abgründe.

4. Åke Edwardson, „Toter Mann“, List – der feinste Krimi-Schreiber aus Schweden.

5. Roger Smith, „Kap der Finsternis“, Heyne – Spannung und Tempo aus Südafrika.

Alfred Hellmann: Heidenlärm

Emons, 2011

240 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Alfred Hellmanns „Vor den Hymnen“

Mein Interview mit Alfred Hellmann über „Vor den Hymnen“


TV-Tipp für den 12. Mai: The Sentinel – Wem kannst du trauen?

Mai 12, 2011

ZDF, 20.15

The Sentinel – Wem kannst du trauen? (USA 2006, R.: Clark Johnson)

Drehbuch: George Nolfi
LV: Gerald Petievich: The Sentinel, 2003

Aus den Reihen des Secret Service soll ein Attentat auf den Präsidenten geplant werden. Die Ermittlungen führen David Breckinridge zu seinem ehemaligem Freund Pete Garrison. Doch bevor er ihn verhaften kann, flüchtet Garrison. Garrison will auf eigene Faust den Verräter finden; falls er nicht vorher von Breckinridge erwischt wird.

Unterschätzter Thriller

Mit Michael Douglas, Kiefer Sutherland, Eva Longoria, Kim Basinger, Martin Donovan, David Rasche, Gloria Reuben, Clark Johnson

Wiederholung: Freitag, 13. Mai, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Sentinel“

Wikipedia über „The Sentinel“ (deutsch, englisch)

Evolver: Marcus Wessel über „The Sentinel“

Homepage von Gerald Petievich


Heute, vor 80 Jahren: „M“

Mai 11, 2011

Ist es wirklich schon so lange her? Am 11. Mai 1931 hatte der Thriller „M – Mörder unter uns“ von Fritz Lang (Drehbuch: Thea von Harbou und Fritz Lang) in Berlin seine Premiere.

In dem Klassiker wird in Berlin ein Kindermörder von der Polizei und den Verbrechern gejagt.

Und wenn Sie den Film immer noch nicht gesehen, haben, müssen Sie diese Bildungslücke jetzt sofort schließen:

Jon Muths Comic „M“ ist ebenfalls sehr gut und Universum Film veröffentlicht am 20. Mai eine neue Ausgabe des Films mit umfangreichem Bonusmaterial.