Schon in der ersten Minute der dritten Staffel der kanadischen Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“, wenn das Team sich zwischen Tür und Angel über einige Urlaubsfotos von Lewis Young frotzelt und dann zu einem Einsatz gerufen wird, stellt sich das wohlige Gefühl ein, dass man in den Händen von Profis ist. Das gilt für die Macher der Serie und auch für das Team, das zu einer Baustelle fährt, auf der gleich eine Bombe explodieren soll. Bevor die ersten drei Minuten der Episode „Eine falsche Bewegung“ vorbei sind ist die Bombe explodiert und die Stratetic Response Unit (SRU) der Polizei von Toronto sichert den ersten Tatort.
Die Folge endet, dramaturgisch gut vorbereitet, mit einem Schock und in „Trauer und Schmerz“ darf die SRU eine neue Kollegin begrüßen.
Bis auf diesen Neuzugang ändert sich auch in der dritten „Flashpoint“-Staffel nichts am bewährten Team, der Konzentration auf den aktuellen Einsatz und dem straffen Plotting der realistischen Geschichten. Über die einzelnen Teammitglieder erfahren wir auch dieses Mal fast nichts und das ist, angesichts der vielen anderen Serien mit langweilig-austauschbaren Privatgeschichten, auch gut so.
Trotzdem wird es immer wieder persönlich. Meistens wenn einzelne Mitglieder der Spezialeinheit einen Geiselnehmer zur Aufgabe bewegen wollen und dabei auch etwas aus ihrem Leben erzählen. Wirklich persönlich wird es in „Der Beschützer“ für Gregory Parker. Er wurde entführt und soll gegenüber einer jungen Frau, die er vor Jahren, nach einem Schusswechsel bei dem ihre Mutter starb, in Obhut nahm, den Mord an ihrer Mutter gestehen. Die SRU versucht ihren Chef zu retten und fragt sich, was damals wirklich geschah. Denn die Akte ist verschlossen.
In „Trauer und Schmerz“ verschwindet eine junge Kellnerin spurlos. Anscheinend wurde sie von einem Gast entführt, der noch mit dem Verlust seiner Tochter kämpfen muss.
In „Sorgerecht“ dreht ein Anwalt durch, weil er glaubt, dass seine Frau nach der Scheidung mit den Kindern, die ihm zugesprochen wurden, über die Grenze abhauen will.
In „Auf Sendung“ will ein preisgekrönter Radiomoderator von einem aufstrebenden Politiker erfahren, was in einer Nacht vor zehn Jahren geschah, als der Politiker in einen Autounfall verwickelt war, bei dem sein Freund starb.
In „Die Farm“ scheint der Chef einer abgelegenen Farm, in der Drogenabhängige therapiert werden, einen Massenselbstmord zu planen.
In „Der Aufstand“ muss die SRU einen Gefangenenaufstand, der das Ablenkungsmanöver für einen Ausbruch ist, bekämpfen. Außerdem sind zwei Frauen, die zu einer Anhörung im Gefängnis waren, in den Händen der Insassen.
In „Der Samariter“ und „Hinter feindlichen Linien“ sind die Folgen von sozialen und baulichen Veränderungen in einer Großstadt der Hintergrund für die Einsätze der SRU.
In „Der Samariter“ dreht ein Bewohner eines heruntergekommenen Viertels, der sich in der Vergangenheit in Nachbarschaftsprojekten gegen die Drogenhändler engagierte, durch. Er beginnt die Drogenhändler auf eigene Faust zu jagen. Die SRU sucht ihn und steht vor der Frage, ob sie wirklich Drogenhändler schützen sollen.
In „Hinter feindlichen Linien“ hat sich ein Scharfschütze irgendwo in den Rängen der historischen Sportarena Godwin Coliseum (in Wirklichkeit das seit fast zehn Jahren geschlossene Maple Leaf Gardens), die abgerissen werden soll, verborgen. Sam Braddock, der ebenfalls in Afghanistan war, findet eine Verbindung zu dem Sniper.
Wie in den ersten beiden Staffeln der in Kanada und den USA enorm erfolgreichen Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ geht es in den einzelnen Einsätzen der SRU nicht um die Aufklärung von Verbrechen (obwohl das manchmal auch geschieht), sondern um das Verhindern von Verbrechen und das Entschärfen von brenzligen Situationen, ohne dass jemand stirbt. Deshalb müssen die Polizisten mit dem Täter reden und in den besten Folgen der Serie versteht man die Motive des Täters sehr gut. Oft ist man am Ende der Folge auf der Seite des Täters, der nur die falschen Mittel wählte, um an sein Ziel zu gelangen. Das geschieht ziemlich oft in den neun neuen Folgen.
Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3 (Kanada, 2009)
Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns)
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DVD
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 365 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Die Einsätze der SRU
Eine falsche Bewegung (One wrong move, Canada 2009)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern, James Hurst
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Trauer und Schmerz (Never let you down)
Regie: Ken Girotti
Drehbuch: James Hurst, Shelley Scarrow
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Der Aufstand (Just a man)
Regie: Holly Dale
Drehbuch: Riley Adams
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Sorgerecht (Custody)
Regie: Paul A. Kaufman
Drehbuch: R.B. Carney
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Auf Sendung (Coming to you live)
Regie: Charles Binamé
Drehbuch: Ian Weir
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Die Farm (The Farm)
Regie: Érik Canuel
Drehbuch: Melissa R. Byer, Treena Hancock (nach einer Geschichte von Ian Weir)
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Der Beschützer (You think you know someone)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Adam Barken
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Der Samariter (The good citizen)
Regie: Tim Southam
Drehbuch: Peter Mitchell
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Hinter feindlichen Linien (Behind the blue line)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
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Hinweise
Wikipedia über „Flashpoint“ (deutsch, englisch) und die ETF
Polizei von Toronto über die ETF
Running with my eyes closed: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (Oktober 2008, Teil 1, Teil 2)
Complications Ensue: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (21. Juli 2009)
Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1“
Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 2“

Veröffentlicht von AxelB