DVD-Kritik: Auch die dritte Staffel der Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ überzeugt

Juni 4, 2011

 

Schon in der ersten Minute der dritten Staffel der kanadischen Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“, wenn das Team sich zwischen Tür und Angel über einige Urlaubsfotos von Lewis Young frotzelt und dann zu einem Einsatz gerufen wird, stellt sich das wohlige Gefühl ein, dass man in den Händen von Profis ist. Das gilt für die Macher der Serie und auch für das Team, das zu einer Baustelle fährt, auf der gleich eine Bombe explodieren soll. Bevor die ersten drei Minuten der Episode „Eine falsche Bewegung“ vorbei sind ist die Bombe explodiert und die Stratetic Response Unit (SRU) der Polizei von Toronto sichert den ersten Tatort.

Die Folge endet, dramaturgisch gut vorbereitet, mit einem Schock und in „Trauer und Schmerz“ darf die SRU eine neue Kollegin begrüßen.

Bis auf diesen Neuzugang ändert sich auch in der dritten „Flashpoint“-Staffel nichts am bewährten Team, der Konzentration auf den aktuellen Einsatz und dem straffen Plotting der realistischen Geschichten. Über die einzelnen Teammitglieder erfahren wir auch dieses Mal fast nichts und das ist, angesichts der vielen anderen Serien mit langweilig-austauschbaren Privatgeschichten, auch gut so.

Trotzdem wird es immer wieder persönlich. Meistens wenn einzelne Mitglieder der Spezialeinheit einen Geiselnehmer zur Aufgabe bewegen wollen und dabei auch etwas aus ihrem Leben erzählen. Wirklich persönlich wird es in „Der Beschützer“ für Gregory Parker. Er wurde entführt und soll gegenüber einer jungen Frau, die er vor Jahren, nach einem Schusswechsel bei dem ihre Mutter starb, in Obhut nahm, den Mord an ihrer Mutter gestehen. Die SRU versucht ihren Chef zu retten und fragt sich, was damals wirklich geschah. Denn die Akte ist verschlossen.

In „Trauer und Schmerz“ verschwindet eine junge Kellnerin spurlos. Anscheinend wurde sie von einem Gast entführt, der noch mit dem Verlust seiner Tochter kämpfen muss.

In „Sorgerecht“ dreht ein Anwalt durch, weil er glaubt, dass seine Frau nach der Scheidung mit den Kindern, die ihm zugesprochen wurden, über die Grenze abhauen will.

In „Auf Sendung“ will ein preisgekrönter Radiomoderator von einem aufstrebenden Politiker erfahren, was in einer Nacht vor zehn Jahren geschah, als der Politiker in einen Autounfall verwickelt war, bei dem sein Freund starb.

In „Die Farm“ scheint der Chef einer abgelegenen Farm, in der Drogenabhängige therapiert werden, einen Massenselbstmord zu planen.

In „Der Aufstand“ muss die SRU einen Gefangenenaufstand, der das Ablenkungsmanöver für einen Ausbruch ist, bekämpfen. Außerdem sind zwei Frauen, die zu einer Anhörung im Gefängnis waren, in den Händen der Insassen.

In „Der Samariter“ und „Hinter feindlichen Linien“ sind die Folgen von sozialen und baulichen Veränderungen in einer Großstadt der Hintergrund für die Einsätze der SRU.

In „Der Samariter“ dreht ein Bewohner eines heruntergekommenen Viertels, der sich in der Vergangenheit in Nachbarschaftsprojekten gegen die Drogenhändler engagierte, durch. Er beginnt die Drogenhändler auf eigene Faust zu jagen. Die SRU sucht ihn und steht vor der Frage, ob sie wirklich Drogenhändler schützen sollen.

In „Hinter feindlichen Linien“ hat sich ein Scharfschütze irgendwo in den Rängen der historischen Sportarena Godwin Coliseum (in Wirklichkeit das seit fast zehn Jahren geschlossene Maple Leaf Gardens), die abgerissen werden soll, verborgen. Sam Braddock, der ebenfalls in Afghanistan war, findet eine Verbindung zu dem Sniper.

 

 

Wie in den ersten beiden Staffeln der in Kanada und den USA enorm erfolgreichen Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ geht es in den einzelnen Einsätzen der SRU nicht um die Aufklärung von Verbrechen (obwohl das manchmal auch geschieht), sondern um das Verhindern von Verbrechen und das Entschärfen von brenzligen Situationen, ohne dass jemand stirbt. Deshalb müssen die Polizisten mit dem Täter reden und in den besten Folgen der Serie versteht man die Motive des Täters sehr gut. Oft ist man am Ende der Folge auf der Seite des Täters, der nur die falschen Mittel wählte, um an sein Ziel zu gelangen. Das geschieht ziemlich oft in den neun neuen Folgen.

Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3 (Kanada, 2009)

Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns)

DVD

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 365 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Einsätze der SRU

Eine falsche Bewegung (One wrong move, Canada 2009)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern, James Hurst

Trauer und Schmerz (Never let you down)

Regie: Ken Girotti

Drehbuch: James Hurst, Shelley Scarrow

Der Aufstand (Just a man)

Regie: Holly Dale

Drehbuch: Riley Adams

Sorgerecht (Custody)

Regie: Paul A. Kaufman

Drehbuch: R.B. Carney

Auf Sendung (Coming to you live)

Regie: Charles Binamé

Drehbuch: Ian Weir

Die Farm (The Farm)

Regie: Érik Canuel

Drehbuch: Melissa R. Byer, Treena Hancock (nach einer Geschichte von Ian Weir)

Der Beschützer (You think you know someone)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Adam Barken

Der Samariter (The good citizen)

Regie: Tim Southam

Drehbuch: Peter Mitchell

Hinter feindlichen Linien (Behind the blue line)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Hinweise

CTV über die Serie

CBS über die Serie

RTL II über die Serie

Wikipedia über „Flashpoint“ (deutsch, englisch) und die ETF

Polizei von Toronto über die ETF

Running with my eyes closed: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (Oktober 2008, Teil 1, Teil 2)

Complications Ensue: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (21. Juli 2009)

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 2“

 


TV-Tipp für den 4. Juni: Hawaii Crime Story

Juni 4, 2011

Sat.1, 21.50

Hawaii Crime Story (USA 2003, R.: George Armitage)

Drehbuch: Sebastian Gutierrez
LV: Elmore Leonard: The big bounce, 1969 (Ein schlechter Abgang)

Jack Ryan jobbt auf Hawaii in einem Strandmotel und genießt das Leben, bis Nancy ihn zu einem Diebstahl überredet.

George Armitage inszenierte vor der „Hawaii Crime Story“ (der Originaltitel ist „The big bounce“) die Charles-Willeford-Verfilmung „Miami Blues“ und „Ein Mann, ein Mord“ (Grosse Pointe Blank), zwei herrlich gemeine schwarze Komödien und entsprechend hoch waren die Erwartungen. Sebastian Gutierrez schrieb davor das Buch für den bestenfalls halbgaren Thriller „Gothika“ und danach „Snakes on a Plane“.

Elmore Leonards erster Kriminalroman „The big bounce“ (nach mehreren Western) wurde bereits in den späten Sechzigern verfilmt und Leonard mag beide Verfilmungen nicht.

Denn auch die zweite Verfilmung von „The big bounce“ ist, nun ja, eine Gaunerkomödie, „die nie recht in Gang kommt“ (Lexikon des internationalen Films)

Trotz prominenter Vorlage und ebensolcher Besetzung bleibt diese gemütliche Krimikomödie ein wenig fade.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)

Heute ist die TV-Premiere des Films, der vor der Premiere anscheinend heftig umgeschnitten wurde, in den USA floppte und bei uns nur auf DVD veröffentlicht wurde.

mit Owen Wilson, Morgan Freeman, Sara Foster, Charlie Sheen, Vinnie Jones, Gregory Sporleder, Butch Helemano, Willie Nelson, Gary Sinise, Harry Dean Stanton

Wiederholung: Sonntag, 5. Juni, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Hawaii Crime Story“ (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte