Thor Kunkels neuer Roman „Subs“ beginnt mit der Anzeige „Sklavin gesucht“ und endet 442 Seiten später mit der Anzeige „Herr/in gesucht“.
Dazwischen gibt es eine ziemlich gemeine Satire auf das heutige Deutschland, die von Guido Westerwelles Aussage „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“ inspiriert ist. Denn das Ehepaar Claus und Evelyn Müller-Dodt hat die ironisch gemeinte Anzeige nach der Sklavin aufgegeben, weil sie eine neue Haushälterin suchen. Sie kriegen den Altphilologen Bartos und dessen Begleiterin Lana, eine wohlproportionierte, junge Ukrainerin. Bartos erklärt, dass das Sklaventum im alten Rom eine gute Sache gewesen sei und er und Lana ebensolche römischen Sklaven sein wollen. Schönheitschirurg Claus Müller-Dodt ist begeistert (vor allem von deren exorbitant niedrigen Gehaltsvorstellungen) und das Experiment eines römischen Haushalts in einer noblen Grunewaldvilla nimmt seinen anfangs vorhersehbaren Lauf.
Denn die Müller-Dots gewöhnen sich schnell an ihr neues Dasein als Sklavenhalter, Claus will Lana vögeln, die Freunde der Müller-Dots und Evelyns Schwester reagieren durchaus verständnisvoll auf die neuen Sitten in der Grunewaldvilla und die Sklaven werden von Bartos auch, nachdem der mondäne Swimmingpool auf dem Müller-Dotsschen Anwesen kostengünstig gebaut wurde, eifrig an andere Villenbesitzer im Grunewald für deren Bauprojekte (selbstverständlich immer ohne auf die Steuerklärung zu achten) ausgeliehen. Doch nachdem Claus mit Lana auf eine Tagung nach Monaco fliegt und Evelyn in den USA nach einem Besuch bei ihrer in New York lebenden Schwester die Route 66 auf einem Selbstfindungstrip abfährt, ändert sich einiges und Kunkels Geschichte nimmt einige unerwartete Wendungen bis am Ende die Sklaven einen neuen Herren suchen müssen.
„Subs“ führt einige Gedanken von „Schaumschwester“ fort. In dem Science-Fiction-Roman fungierten gut aussehende weibliche Puppen als Triebabfuhr für die Männer. Die Schaumschwester war besser, vulgo anspruchsloser und williger, als eine echte Frau. In „Subs“ werden die Schaumschwestern durch Sklaven, oder „Subs“, wie sie sich lieber nennen, ersetzt. Außerdem hat Kunkel mit dem Bild eines römischen Haushalts eine sehr gemeine Diagnose der herrschenden Klasse und ihrer Ansichten, die sie oft nur zwischen den Zeilen sagen, formuliert.
In der Mitte, wenn die Geschichte von Claus und Evelyn zu sehr in ein breitwandig erzähltes Gesellschaftsporträt mündet, wünscht man sich manchmal mehr satirischen Furor und Zuspitzung.
Aber das ändert nichts daran, dass „Subs“ die subtile Form der Rache an dem Gewäsch von Guido Westerwelle ist, der sich jetzt ausschließlich seinem Amt als Außenminister widmen will. Hört sich das nicht nur für mich wie eine Drohung an?
Und sollte Thor Kunkel angesichts dieser Drohung nicht noch einmal seinen Entschluss, nach seinem sechsten Roman „Subs“ keine weiteren Bücher mehr zu schreiben, überdenken?
Thor Kunkel: Subs
Heyne Hardcore, 2011
448 Seiten
19,99 Euro
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Buchpräsentation
Thor Kunkel und Natalia Wörner lesen
am Montag, den 6. Juni,
um 20.00 Uhr
im Grüner Salon (Volksbühne Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz 2, Nähe Alexanderplatz)
aus „Subs“
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Hinweise
