DVD-Kritik: Ein Junge im „Black Heaven“

September 30, 2011

Wie so oft beginnt das Verhängnis mit einer kleinen Grenzüberschreitung. Einem harmlosen Bruch der Regeln. In dem französischem Thriller „Black Heaven“ ist es ein in einer Umkleidekabine gefundenes Handy. Während Gaspard das Handy am liebsten sofort beim Bademeister abgeben würde, ist Marions Neugierde geweckt – und was soll man auch sonst an einem Sommertag in den großen Ferien tun? Also beobachten die beiden Jungerwachsenen, wie sich die Besitzerin des Handys mit einem auch ihr unbekanntem Mann trifft. Sie verfolgen das Paar in einen Baumarkt und anschließend in einen Steinbruch. Dort können sie die Blondine vor einem Selbstmord retten. Ihr Freund ist bereits tot.

Gaspard stiehlt den Camcorder, der den Tod der beiden aufnehmen sollte. Außerdem ist er von dieser geheimnisvollen Blondine fasziniert. Er trifft diese Femme Fatale später wieder in einem Apartment, in dem einer seiner Freunde etwas Drogen von Samos kaufen will. Sie ist die Schwester von Samos.

Gaspard verliebt sich in sie und er will sie vor weiteren Selbstmordversuchen bewahren. Außerdem verstrickt er sich immer tiefer in das Computerspiel „Black Hole“, das wie eine SW-Version von „Tron“, mit etwas „Sin City“, aussieht. Dort ist sie eine sexy Sängerin, die in einem Club, zu dem nur wenige Zutritt haben, die Männer verführt.

Black Heaven“ ist ein ruhig erzählter, fast schon träumerischer Teen-Noir mit einer Prise David Lynch, der im Nachhinein mit seiner durchdachten Konstruktion beeindruckt. Denn auch wenn beim Sehen einige Szenen zunächst überflüssig wirken und daher etwas länglich sind, ist im Nachhinein keine Szene, wie zum Beispiel die etwas umständliche Einführung von Gaspard in das Computerspiel „Black Hole“ (denn eigentlich müsste ein Jugendlicher sich mit PC-Spielen auskennen) und die lebensgefährliche Mutprobe von Gaspards Freund Ludo und Samos, überflüssig. Im Gegenteil. In der Retrospektive enthalten auch diese Szenen Hinweise auf die Lösung; – wenn man sie richtig verstanden hätte.

In dieser Beziehung ist „Black Heaven“ dann auch ein formal äußerst gelungenes Wechselspiel zwischen Schein und Sein, das durch das Computerspiel noch eine zusätzliche Dimension erhält, die vor allem auf visueller Ebene beeindruckt.

Für die Story ist es eher eine nette Spielerei. Denn letztendlich ist es egal, ob Gaspard immer mehr in die Welt eines Computerspiels oder in die Welt des SM-Sexs eintaucht. Beide Male folgt der naive Jüngling den Spuren einer geheimnisvollen Frau und gerät in ein Spiel, das er nicht versteht.

 

Das Bonusmaterial

 

Das Bonusmaterial des in Cannes gelaufenen Films ist überschaubar und, bis auf das Interview mit Autor und Regisseur Gilles Marchand (der auch, zusammen mit Dominik Moll, das Buch für den Psychothriller „Lemming“ [mit Charlotte Rampling, André Dussollier und Charlotte Gainsbourg] schrieb) nicht sonderlich interessant.

Black Heaven (L’Autre Monde, Belgien/Frankreich 2010)

Regie: Gilles Marchand

Drehbuch: Gilles Marchand, Dominik Moll

mit Grégoire Leprince-Ringuet, Louise Bourgoin, Melvil Poupaud, Pauline Etienne, Pierre Niney, Ali Marhyar, Patrick Descamps, Pierre Vittet, Swann Arlaud

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (DTS, Dolby-Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes, Interviews (mit Gilles Marchand, Grégoire Leprince-Ringuet, Louise Bourgoin, Melvil Poupaud), Deutscher Trailer, Originaltrailer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Französische Seiten zum Film (Unifrance, Haut et Court)

Wikipedia über „Black Heaven“ (englisch, französisch)

 


TV-Tipp für den 30. September: Todeszug nach Yuma

September 30, 2011

Pro 7, 22.10

Todeszug nach Yuma (USA 2007, R.: James Mangold)

Drehbuch: Halsted Welles, Michael Brandt, Derek Haas
LV: Elmore Leonard: Three-Ten to Yuma, 1953 (Die Kurzgeschichte erschien zuerst in Dime Western, später in den Sammlungen „The Tonto Woman and other Western stories“ und „Complete Western stories“)

Der arme, integere Farmer Dan Evans erklärt sich bereit, den charismatischen und skrupellosen Banditen Ben Wade durch die Prärie zum Zug nach Yuma zu bringen. Wades Bande will das verhindern.

Das Remake von „Zähl bis drei und bete“ (USA 1957) ist in jeder Beziehung größer als das kammerspielartige Original. Sogar der Zug hat Verspätung.

Trotzdem ein schöner Western, eine gute Leonard-Verfilmung (bei Western war die Trefferquote sowieso schon immer höher), mit einem leicht vermurksten Schluss.

„Todeszug nach Yuma“ erhielt den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Western des Jahres.

Mit Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda, Gretchen Mol, Ben Foster, Dallas Roberts

Wiederholung: Samstag, 1. Oktober, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Todeszug nach Yuma“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Todeszug nach Yuma“

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte