Cover der Woche

Mai 24, 2011


TV-Tipp für den 24. Mai: The Game

Mai 24, 2011

ZDFneo, 21.00

The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)

Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris

Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.

Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.

„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)

Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)

Hinweise

Senses of Cinema über David Fincher

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris (19. Oktober 1995)

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris, überarbeitet von Larry Gross und Andrew Kevin Walker (8. Februar 1996 -Shooting Script)


DVD-Kritik: Über Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“

Mai 23, 2011

Ex-Cop Matt Scudder versucht sein Leben in den Griff zu kriegen. Die Anonymen Alkoholiker, deren Treffen er regelmäßig besucht, helfen ihm. Nach einem Treffen spricht ihn eine Frau an. Die Prostituierte bittet ihn, mit ihrem Zuhälter zu sprechen. Sie möchte ein neues Leben beginnen und hat Angst vor ihm. Kurz darauf ist sie tot und Scudder will ihren Mörder fangen.

8 Millionen Wege zu sterben“ erzählt einen klassischen Plot und, wer die Vorlage nicht kennt, dürfte halbwegs zufrieden mit dem Werk sein. Denn als Verfilmung eines Matt-Scudder-Buches ist „8 Millionen Wege zu sterben“ gründlich gescheitert und nur einen Tick besser als die ebenfalls auf einem Roman von Lawrence Block basierende Bernie-Rhodenbarr-Verfilmung „Die diebische Elster“ (Burglar, USA 1986). Das beginnt schon damit, dass die Macher die Geschichte von New York nach Los Angeles verlegten und so innige Beziehung von Scudder und seiner Stadt negierten. Sie rissen Scudder das Herz heraus und für Scudder-Fans ist der Rest, wozu auch die vielen Änderungen in der Geschichte gehören (immerhin wurde die Prämisse übernommen), dann eigentlich egal.

Als PI-Krimi ist der Film, wenn man entweder die Vorlage nicht kennt (was ein schwerer Fehler ist und sofort geändert werden sollte) oder links liegen lässt (immerhin hat auch Alfred Hitchcock bei seinen Romanverfilmungen oft die Geschichte stark verändert), ein höchst zwiespältiges Vergnügen.

New-Hollywood-Regisseur Hal Ashby hatte mit „Harold und Maude“, „Shampoo“, „Sie kehren heim“ und „Willkommen, Mr. Chance“ einige gute Filme gedreht. Das waren beeindruckende Dramen und Satiren, vulgo Charaktergeschichten, in denen der Plot eher zweitrangig ist und auch immer mehr oder weniger viel improvisiert wurde (Oliver Stone war von dieser Bearbeitung seines Drehbuchs nicht begeistert.). Aber für einen gelungenen Detektivfilm ist das nicht unbedingt eine gute Visitenkarte und gerade in den Szenen zwischen Jeff Bridges (der Matt Scudder spielt) und Andy Garcia (der den Bösewicht spielt) wird diese Diskrepanz zwischen Drama und Krimi schmerzhaft deutlich. Sie machen sich minutenlang, wie zwei pubertierende Kinder, an, ohne dass es die Geschichte irgendwie voran bringt. Die wenigen Action-Szenen wurden von Ashby lieblos heruntergedreht. Und, als grotesken Höhepunkt gibt es in einer riesigen, leeren Lagerhalle einen Austausch von Drogen gegen eine Geisel, die eine minutenlange (gefühlt stundenlange) sinnentleerte Kreischorgie ist, die gerade wegen ihrer Absurdität einen gewissen Kultwert hat.

Dazu hat James Newton Howard einen Soundtrack geschrieben, der alle 80er-Jahre-Musikklischees in sich vereinigt und heute absolut unhörbar ist.

Auf der Haben-Seite kann „8 Millionen Wege zu sterben“ die Schauspieler (ein Film mit Jeff Bridges und Andy Garcia, in einer seiner ersten großen Rollen, kann nicht ganz schlecht sein) und die Außenaufnahmen und kleinen Szenen, die einen Eindruck von der Schattenseite Hollywoods, geben, verbuchen. Außerdem dürfte Ashbys Film einer der ersten Krimis gewesen sein, in der der Alkoholismus des Helden und die daraus entstehenden Probleme, wichtig für die Geschichte waren.

Dennoch ist Ashbys letzter Kinofilm, auch ohne die Kenntnis der mit dem Shamus Award ausgezeichneten Vorlage, ein Film der verschenkten Möglichkeiten.

8 Millionen Wege zu sterben (Eight million ways to die, USA 1986)

Regie: Hal Ashby

Drehbuch: Oliver Stone, David Lee Henry, Robert Towne (ungenannt)

LV: Lawrence Block: Eight million ways to die, 1982 (Viele Wege führen zum Mord)

mit Jeff Bridges, Rosanna Arquette, Andy Garcia, Alexandra Paul, Randy Brooks, Lisa Sloan

DVD

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Italienisch

Extras: Deutscher Trailer, Bildergalerie, Wendecover

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „8 Millionen Wege zu sterben“ (deutsch, englisch)

Propellerinsel (tkl) über „8 Millionen Wege zu sterben“

Ikonenmagazin: Marcus Stiglegger über „8 Millionen Wege zu sterben“

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Lawrence Block in der Kriminalakte

Senses of Cinema: Darren Hughes über Hal Ashby

Images Journal über Hal Ashby

Indiewire: Oliver Lyttelton über die Filme von Hal Ashby (6. Mai 2011)


TV-Tipp für den 23. Mai: Mathilde – Eine große Liebe

Mai 23, 2011

Arte, 20.15

Mathilde – Eine große Liebe (F/USA 2004, R.: Jean-Pierre Jeunet)

Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant, Guillaume Laurant

LV: Sébastien Japrisot: Un long dimanche de fiancailles, 1991 (Die Mimosen von Hosssegor, Mathilde – Eine große Liebe)

Erster Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre: Mathilde Donnay glaubt nicht, dass ihr Geliebter im Krieg gestorben ist. Obwohl alle ihr davon abraten, sucht sie ihn.

„Mathilde – Eine große Liebe“ ist, wie der Titel verrät, eine Liebesgeschichte, inszeniert von dem Macher von „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Aber die Vorlage stammt von einem renommierten Krimiautor.

Der Film, erhielt neben anderen Preisen, zahlreiche Cesars und, für das Drehbuch, den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Mit Audrey Tautou, Gaspar Ulliel, Jean-Pierre Becker, Tchéky Karyo, André Dussollier, Denis Lavant, Jodie Foster (Nebenrolle)

Wiederholung: Dienstag, 24. Mai, 14.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Film-Zeit über „Mathilde – Eine große Liebe“


Michael Connelly über den „Lincoln Lawyer“ (Der Mandant)

Mai 21, 2011

Bis die Michael-Connelly-Verfilmung „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer) bei uns anläuft, dauert es noch einige Tage.

Hören wir uns also mal an, was Michael Connelly zur Verfilmung sagt:

Während der Dreharbeiten hat er mit Matthew McConaughey, der den Lincoln Lawyer Mickey Haller verkörpert (Yep, ich Trottel dachte beim Ansehen der ersten Trailer, dass McConaughey zu jung für die Rolle sei. Aber nach den ersten Minuten des Films fragte ich mich, wie ich mir jemals einen anderen Schauspieler als Mickey Haller hatte vorstellen können), gesprochen:


TV-Tipp für den 22. Mai: The International

Mai 21, 2011

Pro7, 20.15

The International (The International, USA/D 2009)

Regie: Tom Tykwer

Drehbuch: Eric Warren Singer

Ein Interpol-Agent und eine New Yorker Staatsanwältin wollen eine mächtige Bank, die Krieg und Terror finanziert, zur Strecke bringen. Das ist natürlich nicht so einfach.

Eine Woche nachdem „The International“ 2009 die Berlinale eröffnete und dort auf ein geteiltes Echo stieß, lief Tom Tykwers neuer Film in den Kinos an. Für Berliner ist er wegen des exzessiven Berlin-Shooting natürlich ein Pflichtprogramm. Aber auch andere sollten einen Blick riskieren. Denn „The International“ ist ein grundsolider Politthriller, der weitgehend realistisch unterhält (jaja, die Schießerei im Guggenheim-Museum ist reinstes Kino. Oder glaubt wirklich irgendjemand, dass in der Realität in dem Museum minutenlang herumgeballert werden kann, ohne dass ein Polizist oder ein Sicherheitsbeamter auftaucht? Aber toll anzusehen ist sie trotzdem.).

„Es gibt doch zurzeit nicht gerade haufenweise starke Thriller mit überzeugendem Gegenwartsbezug, die trotzdem dynamisch und intensiv sind, und die nicht angestrengt aufklärerisch oder bieder moralisierend daherkommen. Energische und trotzdem nachdenkliche Filme, deren Actionsequenzen nicht so hysterisch und ermüdend wirken, sondern klug verteilt sind. So einen Film wollte ich machen, auch aus einem gewissen Frust heraus, dass es in den letzten Jahren nur ganz wenige Vorbilder gab, an denen man sich hätte orientieren können. (…) Unser Film ist auch eine Reminiszenz an die klassischen Polit-Thriller aus den Siebzigerjahren, wo die Idee eines geheimen Systems innerhalb der offiziellen Dienste sehr verbreitet war. (…) Dieses Element des Paranoia-Thrillers wollten wir aufnehmen und in die Gegenwart führen.“ (Tom Tykwer, Berliner Zeitung 31. Januar/1. Februar 2009)

Weil der Film FSK-16 ist, dürfte um 20.15 Uhr eine gekürzte Version laufen. Die Nachtwiederholung müsste die Kinofassung sein.

Mit Clive Owen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Brian F. O’Byrne

Wiederholung: Montag, 23. Mai, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The International“

Rotten Tomatoes über „The International“

Nachtrag (25. Mai 2011): Sodele, der Schnittbericht zur 20.15-Uhr-Ausstrahlung ist online und der Sender hat ja wirklich beherzt zur Schere gegriffen.


TV-Tipp für den 21. Mai: Das Versprechen

Mai 21, 2011

Kabel 1, 22.35

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn)

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Hinweise

Wikipedia über Friedrich Dürrenmatt

Deutsche Homepage zum Film

Schweizer Fernsehen: Interviews mit Sean Penn, Robin Wright Penn und Aaron Eckhart zu „Das Versprechen“ (Cannes 2001)


TV-Tipp für den 20. Mai: Das Gesetz bin ich

Mai 20, 2011

WDR, 23.15

Das Gesetz bin ich (USA 1974, Regie: Richard Fleischer)

Drehbuch: Elmore Leonard

Buch zum Film: Elmore Leonard: Mr. Majestyk, 1974

Okayer Thriller über die Mafia unter Melonenfarmern, mit Charles Bronson, der zuerst seine Ruhe haben will, später rot sieht.

Von Elmore Leonards Homepage: „Before Joe Kidd was released, Clint Eastwood called Elmore and asked for a Dirty Harry like story of a guy with a big gun. Elmore told Eastwood the story of what was to become Mr. Majestyk. Eastwood said, write it up. But, by the time Elmore finished the outline, Eastwood had acquired High Plains Drifter and bowed out. Swanson then sold Walter Mirisch on the project, who interested Charles Bronson. Mr Majestyk was the story of Vince Majestyk, a Vietnam veteran and now peaceful watermelon farmer whose workers are threatened by the local mob lead by hit man, Frank Renda (Al Lettieri).

But typically in an Elmore story, Bronson represents the workers and incurs the wrath of and delivers vengeance on the mob boys. Bronson nailed his role but Al Lettieri was over the top, playing essential the same role he did in The Getaway. Elmore saw Renda as the majority of his characters, more subtle and laid back. After completing the screenplay, Elmore Leonard novelized Mr. Majestyk. The most well known scene in Mr. Majestyk is of the bad guys shooting up the watermelons. (Shot in eastern Colorado – not Northern California as in the script.) Colorado was the only place in the West the producers could find such a crop, in season. Elmore’s script called for cantaloupes. Quentin Tarantino, Elmore’s great fan, pays homage to Mr. Majestyk in True Romance (1991).”

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Einige Worte zur Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“

Mai 19, 2011

Bis die rundum gelungene Michael-Connelly-Verfilmung „Der Mandant“ am 23. Juni im Kino startet, dauert es noch etwas. Aber die Filmausgabe von Michael Connellys Roman ist schon draußen. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Ausgaben durch ein anderes Cover, das sich am Filmplakat orientiert (und mir gefällt), und einen 16-seitigen Anhang, in dem es informative Produktionsnotizen zum Film gibt.

Die Story dürfte inzwischen ja bekannt sein: Michael Haller in Los Angeles Strafverteidiger. Sein Büro ist sein Auto: ein Lincoln Town Car (daher auch der Originaltitel „The Lincoln Lawyer“) und als Verteidiger nutzt er für seine normalerweise schuldigen Mandanten die Lücken des Systems und die oft kleinen Ermittlungsfehler der Polizei aus, um für sie ein gutes Urteil zu erreichen; wenn es geht ohne eine Gerichtsverhandlung. Jetzt hat er mit der Verteidigung von Louis Roulet die Chance, einen Unschuldigen zu verteidigen und viel Geld zu machen. Roulet ist wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung angeklagt und die Anklage ist, so Hallers erster Eindruck, nicht stichhaltig.

Aber schnell fragt Haller sich, ob Roulet nicht nur für diese Tat begangen hat, sondern auch ein mehrfacher Frauenmörder ist und Haller vor einigen Jahren einen Unschuldigen für einen von Roulets Morden ins Gefängnis schickte (damals war Haller stolz auf sich, weil er die Todesstrafe abwenden konnte). Jetzt versucht Haller das Richtige zu tun und setzt sich zwischen alle Stühle. Denn Roulet besteht darauf, von Haller verteidigt zu werden.

Als „Der Mandant“ in den USA vor sechs Jahren erschien, war der Justiz-Thriller für Michael Connelly nur ein weiterer Ausflug von seiner erfolgreichen Harry-Bosch-Polizeiserie. Aber der zu recht für etliche renommierte Preise nominierte Thriller war so erfolgreich und Mickey Haller als Charakter so schillernd, dass Connelly seitdem Mickey Haller, neben Harry Bosch, als seinen zweiten Seriencharakter etablierte und sie auch gemeinsam in „So wahr uns Gott helfe“ (The Brass Verdict) und „The Reversal“ auftraten.

In der ersten Hälfte von „Der Mandant“ legt Connelly gewohnt gekonnt die verschiedenen Spuren aus. Die zweite Hälfte des Thrillers, die vor allem vor Gericht spielt, ist dann ein einziger packender Kampf bis zum nervenzerfetzendem Finale. Denn vor Gericht jongliert Mickey Haller gleichzeitig mit verschiedenen Bällen und es kommen immer neue dazu, bis Haller eigentlich keine Chance mehr hat, das Spiel zu gewinnen.

Michael Connelly: Der Mandant – Der Roman zum Film

(übersetzt von Sepp Leeb)

Heyne, 2011

544 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2007

Originalausgabe

The Lincoln Lawyer

Little, Brown and Company, 2005

Verfilmung

Der Mandant (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Regie: Brad Furman

Drehbuch: John Romano

mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston

Hinweise

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Mai: Pulp Fiction

Mai 19, 2011

Vox, 22.35

Pulp Fiction (USA 1994, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

The Quentin Tarantino Archives

Quentin-Tarantino-Film-Forum

Everything Tarantino

Quentin Tarantino (inoffizielle deutsche Fanseite)

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary


Altlastenbeseitigung: Text und Bild, Teil 3

Mai 18, 2011

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

Dieses Werk kann als übertriebene Satire, politischer Schlendrian, 90er-Jahre-Sex-Bomben-Kram oder einfach als irgendwie befriedigend angesehen werden“, schreibt Jimmie Robinson im Vorwort von „Bomb Queen: Sexbombe – Die bläst dich weg!“ und schon auf der zweiten Seite sagt Bomb Queen: „New Port City gehört mir. (…) Ich pass nich‘ auf, dass die Züge rechtzeitig ankommen. Ich leg nur die Ärsche um, die das vermasseln.“

Sie ist eine typische Comic-Superschurkin.

Sie ist auch großbusig und sehr sexy.

Sie ist auch die Superheldin, die für Recht und Ordnung in New Port City sorgt.

Das friedliche Leben der Einwohner gerät aus den Fugen, als Robert Woods der neue Bürgermeister werden will. Denn, so die Mitarbeiter von Woods: „Sie ist böse. Ja, sie mordet. Sie ist irre. Aber sie erreicht ihre Ziele. Und das scheint den Bürgern zu gefallen. (…) Und diese Stadt scheffelt Geld. Der Kongress ist unter dem Strich gar nicht unzufrieden.“

Also greift Woods zum letzten Mittel: er engagiert einen Superhelden, der die Superschurkin umbringen soll und ihn so als engagierten Bekämpfer des Verbrechens ins Bürgermeisteramt bringen soll.

Bomb Queen ist davon nicht begeistert und schon wird, wie es sich für einen Superheldencomic gehört, New Port City zum Spielplatz für die beiden Superhelden – und wir stehen auf der Seite von Bomb Queen, die auf eine vollkommen irre Art die Gute ist.

Fortsetzung erwünscht!

Jimmie Robinson (Autor/Zeichner): Bomb Queen: Sexbombe – Die bläst dich weg! (Band 1)

(übersetzt von Christian Heiß)

Panini, 2011

128 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Bomb Queen, Vol. 1 – WMD: Women of Mass Destruction

Shadowline/Image, 2011

Erstausgabe als „Bomb Queen: Royal Flush“ (Februar – Mai 2006)

Der neue „Batman“-Sonderband „Hinter der Maske“ enthält zwei Geschichten. Einmal die Serienkillerjagd „Cutter“ von Thriller-Autor Greg Rucka und „The Losers“-Zeichner Jock.

Einmal die titelgebende Geschichte „Hinter der Maske“ von Autor David Hine und Zeichner Jeremy Haun.

Cutter“ hat mit der parallelen Jagd von Batman und Batwoman auf einen mehrfachen Frauenmörder zwar einen interessanten Ansatz, aber letztendlich bleibt die Geschichte nur eine Ansammlung von lose miteinander verbundenen Set-Pieces, bei der man immer den Eindruck hat, dass die Action wichtiger als die Konstruktion einer schlüssigen Geschichte war.

In „Hinter der Maske“ sitzt der verrückte Professor Strange, der vor einigen Jahren die Rolle von Batman übernehmen wollte, in der Irrenanstalt Arkham Asyslum und wird von dem Direktor der Anstalt behandelt. Doch schon bald fragt dieser sich, ob er Strange therapiert oder Strange von ihm Besitz ergriffen hat (Erinnert ihr euch an „Das Testament des Dr. Mabuse“?). Batman wird um Hilfe gebeten.

Diese Geschichte spielt gelungen mit dem Wahnsinn und verschiedenen Formen der Gedankenmanipulation und stellt die Frage, was real ist.

Greg Rucka (Autor)/David Hine (Autor)/Jock (Zeichner)/Jeremy Haun (Zeichner): Batman: Hinter der Maske (Sonderband 30)

(übersetzt von Steve Kups)

Panini/DC, 2011

116 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Cutter (Cutter, Detective Comics 861 – 863, März – Mai 2010)

Hinter der Maske (Beneath the Mask, Detective Comics 864 – 865, Juni – Juli 2010)

Der gute König Wenzel (Good King Wencesias, DC Holiday Special 2008, Februar 2009)

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Die Welt ohne Superman“ (The Sleepers, 2009)

Greg Rucka in der Kriminalakte

Marvel Noir“ ist die Marvel-Reihe, in der bekannte Charaktere, wie Spider-Man, Wolverine und der Punisher, ein Abenteuer aus der Noir-Perspektive erleben. Auch „Daredevil“, wie sich der blinde Superheld Matt Murdock, nennt, erfährt eine solche Noir-Behandlung und sie passt sehr gut zu dem Charakter.

Murdock arbeitet im New Yorker Viertel Hell’s Kitchen als Assistent des Privatdetektivs Foggy Nelson. Ihre neueste Klienten, die gutaussehende Eliza, ist mit dem Gangster Orville Halloran befreundet. Sie will ihn verlassen. Halloran will’s nicht akzeptieren. Murdock versucht ihr zu helfen, verliebt sich in die für ihn undurchschaubare Frau und gerät in ein Komplott, in das auch der Mörder seines Vaters verwickelt ist.

Daredevil“ erzählt, angenehm nah an den aus Büchern und Filmen bekannten Noir-Konventionen, eine spannende Geschichte. Auch wenn das Ende für Matt Murdock, der hier als junger Mann noch Illusionen hat und Lehrgeld bezahlen muss, überraschender ist als für Noir-Fans. Und Tomm Cooker taucht die Geschichte mit seinen dunklen Bildern in ein entsprechend düsteres Licht.

Alexander Irvine (Autor)/Tomm Cooker (Zeichner): Marvel Noir: Daredevil

(übersetzt von Robert Syska)

Panini/Marvel, 2010

104 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Daredevil Noir: Liar’s Poker, Vol 1 – 4

Marvel, Juni – September 2009

Warum wollen wilde, wollüstige Weiber Wade Wilson wirklich? Wir wissen’s!“ ist der Untertitel zu „Weiber, Wummen & Wade Wilson“, dem neuen „Deadpool“-Comic von Duane Swierczynski und auch wenn am Ende der knapp hundertseitigen Geschichte wissen wir zwar immer noch nicht, warum wilde, wollüstige Weiber Wade Wilson wirklich wollen, aber wir haben uns gut amüsiert. Denn Wade Wilson (aka „Deadpool“ aka „Der Söldner mit der großen Klappe“) muss vor dem Senat zu dem Massaker von Sinaloa (wobei mindestens 79 Zivilisten, unzählige Mitglieder zweier Drogenkartelle und ein Team von Söldnern starben) aussagen und er schmückt seine Erzählung gewohnt großspurig aus. Das beginnt schon mit seiner Erklärung vor dem verdächtig nach Ronald Reagan aussehendem Kommissionsvorsitzendem Benny Sevier: „Ich war Mitglied einer US-sanktionierten, supergeheimen Söldnertruppe, die die Drecksjobs gemacht hat. Wir waren so geheim, wir hatten keinen Namen. Nur ’nen Buchstaben. X. Wenn ich die Maske abnehme, bin ich tot.“

Und dann erzählt er einiges von diesen Drecksjobs (Nicaragua 1983), den Anfängen der Einheit und was in Sinaloa (nicht zu verwechseln mit dem Eastwood-Western „Sinola“) wirklich geschah. Nur: Wie sehr kann man den Ausführungen des sympathischen Großmauls trauen? Vor allem, wenn es keine Beweise für seine Aussage gibt. Aber wenn „X“ wirklich so geheim war, kann es auch keine Beweise geben, was dann natürlich ein Beweis für die Existenz von „X“ wäre.

Weiber, Wummen & Wade Wilson!“ zeigt Deadpool in Höchstform und endet mit einer gelungenen Pointe.

Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini/Marvel, 2011

96 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4

Marvel, August – November 2010

Hinweise

Secret Dead Blog von Duane Swierczynski

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Letzte Order“ (Severance Package, 2008)

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Blondes Gift“ (The Blonde, 2006)

Meine Besprechung von Anthony E. Zuiker/Duane Swierczynskis „Level 26 – Dark Origins“ (Level 26 – Dark Origins, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynskis „Cable: Kriegskind – Band 1″ (Cable: War Child – 1, 2008)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner)/Ariel Olivettis (Zeichner) „Cable 2: Heimatfront“ (Cable 2: Homefront)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Ariel Olivettis (Zeichner) „Cable 3 – Warten auf das Ende der Welt“ (Waiting for the end of the world, Wasteland Blues, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski/Craig Kyle/Christopher Yost (Autoren)/Ariel Olivetti/Clayton Crain (Zeichner) „Cable 4: Messias-Krieg – Teil 1“ (Messiah War, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski/Craig Kyle/Christopher Yost (Autoren)/Ariel Olivetti/Clayton Crains (Zeichner) „X-Force 4: Messias-Krieg – Teil 2“ (Messiah War, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Paul Gulacy (Zeichner)/Gabriel Guzmans (Zeichner) „Cable 5 – Zu spät für Tränen (Cable 16 – 20, 2009/2010)

Duane Swierczynski (Autor)/Steve Dillon (Zeichner)/Paul Gulacy (Zeichner)/ Lan Medina (Zeichner): Cable 6: Heimkehr, 2011 (Cable 21 – 25, 2010)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombes (Zeichner) „The Punisher – Sechs Stunden zu leben“ (Punisher: Six hours to kill, 2009)

Duane Swierczynski in der Kriminalakte

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis beim derzeitigen Revival von Zombies, auch der größte Detektiv der Welt, Sherlock Holmes, gegen Zombies kämpfen muss. In „Victorian Undead“ tut er es und das Ergebnis ist als ein um die Jahrhundertwende spielender blutiger Zombie-Krimi gelungener als als Sherlock-Holmes-Geschichte im Stil von Sir Arthur Conan Doyle. Denn bei der Zombiejagd muss Holmes weniger seinen Verstand, und mehr seine Muskeln bemühen. Das ist dann ziemlich nah an dem „Sherlock Holmes“-Film von Guy Ritchie: ziemlich unterhaltsam, aber auch mit dem Gefühl verbunden, dass mehr möglich gewesen wäre.

Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbri (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies!

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies

Wildstorm 2010

Hinweise

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Tony Chu hat keinen Humor und trotzdem ist „Chew – Bulle mit Biss!: Leichenschmaus“ sehr komisch. Ich verkneife mir ein „saukomisch“, weil Chu ein Cibopath ist: „Das bedeutet, er kann in einen Apfel beißen und bekommt in seinem Kopf ein Gefühl dafür, von welchem Baum der Apfel ist, welches Pestizid verwendet wurde und wann er geerntet wurde. Oder er kann in einen Hamburger beißen und ganz andere Empfindungen bekommen.“ Kein Wunder, dass Chu auf das Essen von Fleisch verzichtet. Diese Fähigkeit hilft ihm in Philadelphia auch bei seiner Arbeit als Polizist.

Doch nachdem sein Partner bei einem Einsatz stirbt (und Chu einen Serienmörder überführen kann, nachdem er in seiner Suppe geschmeckt hat, dass dieser in der Küche des Restaurants arbeitet), wird er ein Agent der Abteilung für Sonderermittlungen der Lebensmittelaufsicht der Vereinigten Staaten von Amerika (FDA) und Partner von Mason Savoy. Gemeinsam jagen sie Verbrecher, die gegen die nach einer für Menschen tödlichen Vogelgrippe verhängte Geflügel-Prohibition verstoßen. Chu muss alte Verbrechen aufklären, indem er alte Beweise isst und sie mit seinen cibopathischen Fähigkeiten analysiert. Und dann gibt es noch das Gerücht, dass es niemals eine Vogelgrippe gab.

Allein schon die Prämisse von „Chew – Bulle mit Biss!“ ist absurd-komisch. Die satirisch überspitzten Zeichnungen von Rob Guillory passen gut zu der von John Layman erfundenen Serie, die in den USA ein Riesenerfolg ist. Sie erhielt den Eisner und Harvey Award als „Beste neue Comic-Serie 2010“ und „Leichenschmaus“ war auf der New York Times Bestsellerliste.

John Layman (Autor)/Rob Guillory (Zeichner): Chew – Bulle mit Biss!: Leichenschmaus (Band 1)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2010

128 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Chew Vol. 1: Taster’s Choice

Image Comics, 2009

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)


Die von Eric Powell geschriebene und gezeichnete Serie „The Goon“ erhielt bereits 2005 je einen Eisner Award als „Beste fortlaufende Comic-Reihe“ und als „Beste humoristische Publikation“. Die so ausgezeichneten Hefte sind im fünften „The Goon“-Sammelband „Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend“ versammelt. Im sechsten Band „Böses Blut“ ist das außerhalb der „The Goon“-Serie erschienene und bislang nicht nachgedruckte „The Goon“-Heft „Satan’s Sodomy Baby“ abgedruckt. Der Grund für die Publikation außerhalb der „The Goon“-Serie war der Titel (Sodomie!) und dass Powell hier so richtig zuschlagen wollte.

Zum Ausgleich gibt es in „Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend“ die Goonsche Variante der „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens

Doch auch die anderen „The Goon“-Geschichten sind „Krudes Zeug“ für die „Freunde der schöngeistigen Unterhaltung“. Also für mich.

Und auf dem Gratis-Comic-Tag wurde am Samstag die neue „The Goon“-Geschichte „Burlesque“ verteilt. In ihr besuchen der Goon und sein Kumpel Franky, auf der Suche nach dem saublödem Ralph, das Burlesque-Theater und treffen da auch die von den Toten auferstandenen Bösen Vogelweiber. Zwischen den Kloppereien versucht der Goon Franky für die inneren Werte von Frauen zu begeistern.

Eric Powell (Autor/Zeichner): The Goon: Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend (Band 5)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2010

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: Virtue and the grim consequences thereof

Dark Horse Comics, 2006/2010

Eric Powell (Autor/Zeichner: The Goon: Böses Blut (Band 6)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2010

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: Wicked Inclinations

Dark Horse Comics, 2007/2010

Bonusgeschichte

The Goon: Satan’s Sodomy Baby

Dark Horse Comics, 2007

Hinweise

Homepage von Eric Powell

Wikipedia über „The Goon“

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Meine mörderische Kindheit (Band 3)“ (The Goon: My murderous childhood [and other grievious yarns], 2004)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Bergeweise Trümmer (Band 4)“ (The Goon: Heaps of Ruination, 2005)


TV-Tipp für den 18. Mai: Tatort: Reifezeugnis

Mai 17, 2011

WDR, 22.55

Tatort: Reifezeugnis (D 1977, R.: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Herbert Lichtenfeld

Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.

Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.

Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)

Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)

Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.

mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen

Hinweise

Wikipedia über „Reifezeugnis“

Tatort-Fundus über die Finke-Tatorte


Cover der Woche

Mai 17, 2011


TV-Tipp für den 17. Mai: Klipp und klar

Mai 17, 2011

RBB, 21.00

Klipp und klar

Der politische Bürgertalk“ diskutiert heute „Arme Stadt, teure Wohnungen – Wer kann sich Berlin noch leisten?“ mit Dirk Behrendt, (Bündnis 90/Die Grünen), Ulli Zelle (rbb Moderator), Peer Kusmagk (Schauspieler, Wirt), Hiltrud Sprungala (Geschäftsführerin Landesverband Berlin/Brandenburg des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen) und Wibke Werner (Berliner Mieterverein).

Das ist doch eine muntere Runde.


Eine „Tödliche Injektion“ von Jim Nisbet

Mai 16, 2011

Dr. Franklin Royce ist in Texas Gefängnisarzt, Alkoholiker und verheiratet. „unglücklich verheiratet“ wäre ein Euphemismus für den Zustand seiner Ehe und das erklärt vielleicht auch, weshalb er dem zum Tode verurteiltem Afroamerikaner Bobby Mencken zuhört, als dieser vor seinem Tod seine Unschuld beteuert. Danach setzt Royce ihm die Giftspritze und er darf das Geld für seine erste Hinrichtung einstreichen.

Aber das Gewissen lässt ihn nicht los und er beginnt in Menckens Leben im Armenviertel von Dallas herumzustöbern. Er trifft auf dessen Freundin, die drogensüchtige Prostituierte Colleen Valdez und Menckens Freund Fast Eddie, die wissen, was damals geschah. Royce verliebt sich in Colleen, bleibt bei den beiden, driftet immer mehr in deren kleinkriminelles Leben und wird vom Beobachter zum Mittäter.

Weil „Tödliche Injektion“ sogar nach Daniel Woodrels strenger Definition, wonach ein Noir schlecht enden müsse, ein Noir ist, ist der selbstverschuldete Weg von Royce in die Hölle klar vorgezeichnet und Jim Nisbet malt ihn aus, als ob Cornell Woolrich eine Auszeit vom Tod genommen hat. Viel schwärzer als „Tödliche Injektion“ kann ein Noir nicht sein.

Gleichzeitig thematisierte Jim Nisbet als einer der ersten Autoren, nachdem die Todesstrafe 1976 in den USA wieder aufgenommen wurde und 1982 in Texas, seitdem der Staat mit den meisten Hinrichtungen, erstmals ein Mann mit einer Giftspritze hingerichtet wurde, die Todesstrafe. Fast klinisch schildert Nisbet auf den ersten Seiten, wie Mencken, der wahrlich nicht als Vorbild taugt, mit einer tödlichen Injektion, die von einem Arzt verabreicht werden muss, hingerichtet wird und die Reaktionen einiger Texaner darauf.

Seitdem Jim Nisbet seinen beunruhigenden Roman schrieb, lief die texanische Hinrichtungsmaschine erst richtig an und es wurde immer offensichtlicher, dass viel zu oft Unschuldige zum Tod verurteilt werden. Insofern ist „Tödliche Injektion“ mit seiner Kritik an der Todesstrafe heute noch aktueller als damals, als nur wenige Menschen hingerichtet wurden.

Und nun zur Frage aller Fragen für die wenigen Menschen, die noch die deutsche Erstausgabe haben: Lohnt sich der Neukauf? Es gibt ein fünfseitiges Vorwort von Sandro Veronesi und eine komplette Neuübersetzung. Wer aber nicht die verschiedenen Übersetzungen vergleichen und beurteilen will, kann auch mit der alten, seit Jahren nur noch antiquarisch erhältlichen Ausgabe leben.

Für alle anderen lohnt sich der Kauf. Denn „Tödliche Injektion“ ist ein fabelhafter Noir, der jetzt hoffentlich die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.

Jim Nisbet: Tödliche Injektion

(neu übersetzt von Angelika Müller)

pulp master, 2011

240 Seiten

12,80 Euro

Deutsche Erstausgabe

Jim Nisbet: Tödliche Injektion

(übersetzt von Gabriele Kunstmann)

Black Lizard, 1989

Originalausgabe

Lethal Injection

Black Lizard Books, 1987

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006)

Mein Interview mit Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Mai: Red Riding: Yorkshire Killer 1974

Mai 16, 2011

HR, 23.30

Red Riding: Yorkshire Killer 1974 (GB 2009, R.: Julian Jarrold)

Drehbuch: Tony Grisoni

LV: David Peace: Nineteen Seventy-Four, 1999 (1974)

Yorkshire, 1974: Der ehrgeizige Lokaljournalist Eddie Dunford recherchiert im Fall eines verschwundenen Mädchens. Er entdeckt Parallelen zu ähnlichen Fällen.

Auftakt der grandiosen, aus drei Filmen bestehenden Verfilmung der Red-Riding-Romane von David Peace. Den zweiten Film, „1980“, zeigt der HR in einer Woche um 23.30 Uhr und den Abschluss, „1983“, gibt es in zwei Wochen um 23.30 Uhr.

Mit Andrew Garfield, Eddie Marsan, John Henshaw, Sean Bean

Hinweise

Meine Besprechung von David Peaces „1974“ (Nineteen Seventy-Four, 1999)

Meine Besprechung von David Peaces „1977“ (Nineteen Seventy-Seven, 2000)

Meine Besprechung von David Peaces „1980“ (Nineteen Eighty, 2001)

Meine Besprechung von David Peaces „1983“ (Nineteen Eighty-Three, 2002)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio im Jahr Null“ (Tokyo Year Zero, 2007)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio, besetzte Stadt“ (Occupied City, 2009)

Meine Besprechung der „Red Riding Trilogy“ (der Verfilmung der entsprechenden Bücher)

David Peace in der Kriminalakte


Altlastenbeseitigung: Text und Bild, Teil 2

Mai 15, 2011

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

Der Kinoeinsatz der „Losers“, der weitgehend auf dem ersten „The Losers“-Band „Goliath“ basiert, floppte an der Kinokasse und wurde bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht. Denn die „Losers“ (ein Special-Forces-Team, das von ihren Vorgesetzten verraten wurden und bei einem Einsatz sterben sollte, überlebte, will sich jetzt für den Verrat rächen und wird von ihren Ex-Chefs gejagt) waren vergangenes Jahr das bessere „A-Team“. Trotzdem dürfte das magere Einspielergebnis das letzte Wort über weitere Einsätze der „Losers“ gesprochen haben.

Die im Original bereits zwischen 2003 und 2006 veröffentlichte Comicserie geht dagegen weiter. Der zweite „The Losers“-Band „Die Insel“ ist im wesentlichen ein Luftholen nach dem ersten Einsatz, als sie auf der Suche nach Beweisen für die Untaten der CIA und ihres Auftraggebers Max den Hafen von Houston in einen äußerst sanierungsbedürftigen Zustand versetzten, und eine Vorbereitung für den dritten Band.

So erfahren wir zunächst, wie die „Loser“ die Auszeit verbringen und nach weiteren Hinweisen über Max suchen. Dann brechen sie in die Karibik auf. Denn dort hat Max in einer Villa etwas für ihn sehr Wichtiges versteckt und die Loser wissen, dass etwas, das für Max wertvoll ist, auch für sie wertvoll ist.

Die Insel“ ist, wie schon der erste „Losers“-Band, ein feiner Action-Comic, bei dem die amerikanischen Geheimdienste mal wieder schlecht wegkommen. Denn für sie zählt ein Menschenleben wenig, eine Intrige viel.

Ein Zitat von US-Präsident Abraham Lincoln beschließt „Die Insel“: „Gewisse Unternehmen haben sich etabliert, und eine Ära der Korruption wird folgen. Und die Vermögenden im Lande werden alles tun, um diesen Zustand zu verlängern, indem sie die Voreingenommenheit der Menschen zu ihrem Vorteil nutzen, bis der Wohlstand sich in wenigen Händen angesammelt hat und die Republik zerstört ist.“

Was das Zitat für die „Loser“ und ihren Gegner Max bedeutet, werden wir im dritten „Losers“-Band, der für Mitte Mai angekündigt ist, erfahren.

Andy Diggle (Autor)/Jock (Zeichnungen)/Shawn Martinbrough (Zeichner): The Losers: Die Insel (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

The Losers, Vol. 7 – 12

DC Comics, 2004

Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath“

In der feinen TV-Action-Serie „Human Target“ holt Bodyguard Christopher Chance für andere die Kastanien aus dem Feuer. Gespielt wird Chance von Mark Valley, der mir als Christopher Chance wesentlich besser gefällt als als Anwalt Brad Chase in „Boston Legal“. Zur TV-Serie wurde auch die Comicserie wiederbelebt.

Denn die TV-Serie basiert auf einem von Len Wein erfundenem Charakter, der bereits 1972 seinen ersten Auftritt hatte. Chance war eine Mischung aus Privatdetektiv und Bodyguard, der zum Erfüllen seiner Aufträge die Identität seines Auftraggebers (aka des potentiellen Opfers eines Anschlags) annahm.

Für die Serie wurde dann einiges geändert. Immerhin hätte Chance sich dann in jeder Folge verkleiden müssen. Deshalb ist er jetzt ein ehemaliges Mitglied einer Geheimorganisation, das den Alias „Christopher Chance“ angenommen hat (vor ihm gab es bereits andere „Christopher Chances“), jetzt für Geld das menschliche Schutzschild für seine Klienten spielt und sie so vor Anschlägen schützt oder aus der Bredouille herausholt. Weil er die Gefahr liebt, nimmt er am liebsten lebensgefährliche Aufträge an.

Der Comic „Kopfgeld für den Paten“ erzählt mit den Charakteren und in der Welt der TV-Serie ein weiteres Abenteuer von Christopher Chance, das ihn um den gesamten Globus führt. Denn der alternde und vom schlechten Gewissen geplagte Pate Angelo Morelli will kurz vor seinem Tod (Krebs!) als Kronzeuge aussagen. Chance soll ihn sicher von seinem Versteck in der Nähe von Paris nach Washington bringen. Auf ihrer Reise will Morelli für seine Aussage allerdings noch die in Paris, Vatikan, Venedig, einer abgelegenen Hütte in den Alpen und Hongkong versteckten Beweise einsammeln. So wird der eh schon gefährliche Auftrag für Christopher Chance, weil sie von Mafia-Killern erbarmungslos gejagt werden, zu einer klassischen Selbstmordmission.

Für Fans der TV-Serie (zu denen ich gehöre) ist „Kopfgeld für den Paten“ ein weiteres spannendes Abenteuer mit Christopher Chance, seinen beiden Freunden, Detective Laverne Winston und Guerrero, einer schönen Frau (aka „Babe of the Week“) und viel Action, die das Budget einer „Human Target“-Serienfolge gesprengt hätte (obwohl die einzelnen Folgen normalerweise nicht vor Ort gedreht werden).

Len Wein (Autor)/ Bruno Redondo (Zeichner): Human Target: Kopfgeld für den Paten (Band 1)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2011

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Human Target, Vol. 1 – 6

DC Comics, 2010

Hinweise

Kriminalakte über die TV-Serie „Human Target“

Thrilling Detective über Christopher Chance

Die Verfilmung von „Jonah Hex“ war ein Desaster, das niemand sehen wollte. Der Film war, so hört man, auch außergewöhnlich schlecht und, wie schon der Trailer zeigt, sehr fern von der Vorlage. Eigentlich hat man nur die Landschaft (Wilder Westen), den Namen des Helden und sein verunstaltetes Gesicht übernommen.

In den Comics ist Jonah Hex ein zynischer Kopfgeldjäger, der nicht lange fackelt. In dem zweiten „Jonah Hex“-Sammelband „Rächende Colts“ sind sechs weitere von den aktuellen „Jonah Hex“-Autoren Jimmy Palmiotti und Justin Gray geschriebene Abenteuer enthalten, in denen Jonah Hex etliche Bösewichter umbringt. Die amoralischen Geschichten sind dabei in jeder Beziehung vom Spaghetti-Western inspiriert.

In den USA schreiben Jimmy Palmiotti und Justin Gray fleißig weitere „Jonah Hex“-Geschichten. Das 67. Heft ist gerade erschienen. Bei uns scheinen die Verkaufszahlen, wie fast immer bei Western, eher mau gewesen zu sein. Denn bislang hat Panini noch keine weiteren „Jonah Hex“-Sammelbände angekündigt.

Jimmy Palmiotti (Autor)/Justin Gray (Autor)/Luke Ross (Zeichner): Jonah Hex – Rächende Colts (Band 2)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini Comics/DC Comics, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Jonah Hex 7: Eine Hochzeit und fünfzig Begräbnisse (One Wedding and fifty Funerals, Juli 2006)

Jonah Hex 8: Verschließe niemals die Augen (Never turn a blind Eye, August 2006)

Jonah Hex 9: Der vertriebene Fluch (Gettin‘ un-haunted, September 2006)

Jonah Hex 10: Alligatormenü (Gator Bait, Oktober 2006)

Jonah Hex 11: Ein Baum zum Hängen (The hangin‘ Tree, November 2006)

Jonah Hex 12: Blutspuren im Schnee (Bloddstained Snow, Dezember 2006)

Hinweise

Blog von Jimmy Palmiotti

Meine Besprechung von „Jonah Hex: Zeit zu sterben (Band 1)“

Irgendwie war Brian Azzarellos Western-Serie „Loveless“ von Anfang an vermurkst. Es begann mit Wes Cutter, der nach dem Bürgerkrieg in seinen Heimatort, das Südstaatenkaff Blackwater, zurückkehrte, um sich für erlittenes Unrecht zu rächen. Nachdem er hinterrücks erschossen wird, will seine Frau Ruth ihn rächen – und, wie man bei dem Titel „Stunde der Abrechnung“ zu recht vermuten kann, tut sie das auch gnadenlos. Diese Abrechnung umfasst die erste Hälfte des Sammelbandes. In der zweiten Hälfte sind drei kurze Geschichten abgedruckt, die 1906, 1927 und 1934 in den Südstaaten spielen und, weil sie gar nicht mehr den Anspruch erheben, Teil eines großen, Jahrzehnte umspannenden Erzählung zu sein, sind sie als Einzelgeschichten wesentlich besser als die vorherige Western-Geschichte.

Die deutlich vom Italo-Western inspirierte Serie „Loveless“ endet mit der „Stunde der Abrechnung“ so unbefriedigend, wie sie mit „Blutrache“ begann.

Brian Azzarello (Autor)/Danijel Zezelj (Zeichner)/Werther Dell’edera (Zeichner): Loveless – Stunde der Abrechnung (Band 4)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Loveless, Vol. 19 – 24

Vertigo 2007/2008

Hinweise

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Weitaus gelungener als „Loveless“ ist die ebenfalls von Brian Azzarello erfundene Serie „100 Bullets“ die mit „Das dreckige Dutzend“ zielstrebig auf ihr Ende zusteuert. Dabei wird die Prämisse, mit der die Serie „100 Bullets“ begann („Was würdest du tun, wenn jemand dir die Möglichkeit gibt, dich für ein großes Unrecht zu rächen, ohne dass du dafür von der Justiz bestraft wirst?“), nicht mehr weiter beachtet. Stattdessen bereiten sich die Minutemen, eine Killertruppe, die in Atlantic City vernichtet werden sollte, aber an verschiedenen Orten untertauchen konnte, und der Trust, eine Vereinigung von 13 einflussreichen Familien, auf ihren letzten Kampf vor. Dabei war die geplante Vernichtung der Minutemen nur ein Schachzug im Kampf der Trust-Familien untereinander.

Im dreizehnten und letzten „100 Bullets“-Sammelband kommt dann der Kampf zwischen den Minutemen und dem Trust zum Ende und wir dürften auch alle, jetzt teilweise noch rätselhaften Hintergründe erfahren. Dann ist auch die Zeit für eine große umfassende Besprechung, die viele Spoiler enthalten wird.

Bis dahin kann ich nur sagen: „Das dreckige Dutzend“ ist ein weiterer überzeugender Band einer grandiosen Krimiserie, die chronologisch gelesen werden sollte.

Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): 100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics/Vertigo, 2011

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets, Vol. 84 – 88

Vertigo, 2007/2008

Hinweise

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)
Britische Fanseite zu „100 Bullets“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)


TV-Tipp für den 15. Mai: Sierra Charriba

Mai 15, 2011

Arte, 20.15

Sierra Charriba (USA 1964, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Harry Julian Fink, Oscar Saul, Sam Peckinpah

Nach dem Bürgerkrieg muss Unions-Major Amos Dundee zusammen mit Konföderiertem-Captain Benjamin Tyreen (mit dem er vor dem Krieg befreundet war) gegen den Apachen-Häuptling Sierra Charriba kämpfen. Denn dieser überfällt immer wieder Siedlungen der Weißen.

Nach dem Western „Sacramento“ drehte Peckinpah „Sierra Charriba“ (Originaltitel war „Major Dundee“) und es gab auch gleich beim Dreh und beim Schnitt mächtig Ärger.

‚Sierra Charriba‘ ist ein spannender Action-Western und das faszinierende Überbleibsel eines Monumentalfilms, den es nie gegeben hat. Seine Macher konnten sich nie einigen, welche Art von Film sie eigentlich drehen wollten.“ (Glenn Erickson, Booklet zur DVD-Ausgabe)

Arte zeigt die restaurierte bzw. Extended Version, die etwas länger als die ursprüngliche Kinoversion ist, aber natürlich immer noch die Probleme hat, die der Film bereits vor und während des Drehs hatte.

mit Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn, Michael Anderson jr., Senta Berger, Mario Adorf, Brock Peters, Warren Oates, Ben Johnson, R. G. Armstrong, Slim Pickens, Michael Pate

Wiederholung: Dienstag, 17. Mai, 14.45 Uhr

Hinweise

Kriminalakte über Sam Peckinpah

Meine Besprechung von „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Arte über „Sierra Charriba“

Wikipedia über „Sierra Charriba“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Major Dundee“


TV-Tipp für den 14. Mai: Invasion vom Mars

Mai 14, 2011

ZDFkultur, 22.40

Invasion vom Mars (USA 1953, R.: William Cameron Menzies)

Drehbuch: Richard Blake

Der kleine David beobachtet eines Nachts die Landung eines UFOs. Kurz darauf bemerkt er, dass sein Vater und die Nachbarstochter sich seltsam verhalten. Und das ist erst der Anfang der Invasion vom Mars.

Kultige SF aus den Fünfzigern, die damals auch als 3D-Film geplant war und der erste Alien-Invasionsfilm in Farbe ist.

Einer der ungewöhnlichsten Filme der fünfziger Jahre. Menzies (…) lieferte hier seine letzte Arbeit als Regisseur und verleiht dem Film durch unheilschwangere Bilder und die düstere Atmosphäre eine brillante, alptraumhafte Qualität.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie, 1998)

Wegweisender SF-Film“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, 1997)

mit Helena Carter, Arthur Franz, Jimmy Hunt, Leif Erickson, Hillary Brooke

Wiederholung: Sonntag, 15. Mai, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Invasion vom Mars“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Invaders from Mars“

Eccentric Cinema über „Invaders from Mars“

Monstrula über „Invasion vom Mars“


Altlastenbeseitigung: Text und Bild

Mai 13, 2011

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

In „Schöne neue Welt“, dem zwölften Band der grandiosen Serie „The Walking Dead“ von Robert Kirkman über eine Gruppe von Menschen, die nach einer Katastrophe in einer von Zombies beherrschten Welt, überleben wollen, scheint sich alles zum Besseren zu wenden.

Die von Polizist Rick Grimes geführte Gruppe nähert sich endlich Washington, D. C.. dem Ziel ihrer Reise. Denn dort, so hat ihnen ihr Gruppenmitglied Dr. Eugene Porter gesagt, gebe es ein Mittel gegen die Zombies. Aber kurz vor der Hauptstadt erfahren sie, dass Porter sie belogen hat. Er ist nur ein einfacher Highschool-Lehrer und ein guter Lügner. Da treffen sie auf einen Mann, der sie einlädt, zu ihnen in eine geschlossene Siedlung zu ziehen. Grimes ist skeptisch. Denn wenn etwas zu schön um wahr zu sein ist, ist es auch meistens nicht wahr. Außerdem erinnern sie sich noch gut an Philip, den durchgeknallten Herrscher von Woodbury (gegen den sie in den „The Walking Dead“-Sammelbänden fünf bis acht kämpften).

Schöne neue Welt“ ist eine feine Fortsetzung einer tollen Serie, die die Gruppe vor eine neue Herausforderung stellt. Jetzt müssen sie sich fragen, ob sie wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Wie in den vorherigen Bänden gibt es eine ordentliche Portion Gewalt gegen die Zombies, aber auch in „Schöne neue Welt“ steht die Dynamik in der Gruppe und wie sie auf andere Menschen reagiert, im Mittelpunkt und das ist allemal spannender als stupides Zombie-Abschlachten.

Im Moment sehe ich mir die auf den Comics basierende TV-Serie „The Walking Dead“ an. Sie bewegt sich schon in der ersten Staffel erstaunlich weit von der Vorlage weg, indem Rick Grimes und seine Gruppe andere Abenteuer erleben müssen und schon in den ersten Folgen etliche neue Charaktere auftauchen. Aber sie bleibt dem Geist der Vorlage treu; was nicht verwunderlich ist, denn Robert Kirkman ist in die Produktion stark involviert. Er ist Executive Producer und schreibt auch Drehbücher für die TV-Serie. Ich bin jedenfalls auch von der TV-Serie begeistert.

Robert Kirkman (Autor)/Charlie Adlard (Zeichner)/Cliff Rathburn (Zeichnungen): The Walking Dead: Schöne neue Welt (Band 12)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2011

152 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

The Walking Dead, Vol. 12: Life Among Them (# 67 – 72)

Image Comics, 2010/2011

Hinweise

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

AMC-Blog zu „The Walking Dead“ (derzeit: Berichte und Bilder von den Dreharbeiten)

„The Walking Dead“-Fanseite

„The Walking Dead“-Wiki

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände, meine Besprechung des elften Bandes „Jäger und Gejagte“ und das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

Neben „The Walking Dead“ schreibt Robert Kirkman noch an einer weiteren Serie: „Haunt“, über einen unheiligen Priester, der nach dem Tod seines Bruders von ihm besessen ist.

Die Initialzündung für die Serie war 2006 auf der San Diego Comic-Con. „Spawn“-Erfinder Todd McFarlane saß auf dem Podium. Ein Fan fragte ihn, warum er keine Comics mehr schreibe. McFarlane antwortete höflich, erfuhr, dass dieser Fan Robert Kirkman sei und bot ihm eine Zusammenarbeit an. Es dauerte dann noch drei Jahre, bis Ende 2009 das erste „Haunt“-Heft erschien.

Haunt“ ist dabei eine etwas andere Superheldenserie. Denn der Protagonist Daniel Kilgore ist als Priester eine Fehlbesetzung und mit seinem Bruder Kurt will er nichts zu tun haben. Kurt ist Geheimagent für die Agency, einen supergeheimen Geheimdienst (naja, das kennen wir doch aus den USA: der Geheimdienst hinter dem CIA, der ein unbegrenztes Budget hat, schmutzige Geschäfte erledigt und auch Menschen tötet; – und manchmal auch nur ein Synonym für die CIA ist). Kurt erledigt weltweit die Schmutzarbeit und bringt dabei immer wieder Menschen um.

Auch nachdem Kurt ermordet wird, will Daniel Kilgore nichts mit ihm zu tun haben. Dummerweise ergreift Kurt jetzt, wenn es gefährlich wird, von Kilgore Besitz und es gibt ein neues, fast unverletzbares Wesen, das Kilgore für die Arbeitgeber von Kurt interessant macht. Denn Kurt und seine Freundin stahlen wichtige Unterlagen von einem Dr. Shillinger, an die jetzt auch der skrupellose Supergangster Hung will.

Haunt“ verleiht dem Superheldengenre mit dem fast unverletzbarem Haunt und den beiden Brüdern, die sich nicht grün, aber aufeinander angewiesen sind und ständig miteinander reden, einen neuen Twist. Denn hier werden die Familienprobleme nur noch im Kopf des Protagonisten ausgetragen.

Jetzt sind, in zwei Sammelbänden, die ersten zwölf Hefte und damit die erste große „Haunt“-Geschichte erschienen, die aber genug Spuren für weitere Geschichten, die bislang in den USA noch nicht erschienen sind, legt.

Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner): Haunt – Band 1

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2010

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Haunt, Vol 1 – 5

Image Comics, 2010

Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert /Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner): Haunt – Band 2

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics 2011

156 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Haunt, Vol. 6 – 12

Image Comics, 2010

Hinweis

Homepage von Todd McFarlane

Homepage von Image Comics

Auch bei „American Vampire“ begann die Zusammenarbeit eher zufällig. Scott Snyder wollte von Stephen King eigentlich nur einen Blurb, aber dem Horror-Autor gefiel das Konzept so gut, dass er, wie schon bei der Krimireihe Hard Case Crime, statt des Blurbs eine Geschichte anbot und, wie bei Hard Case Crime, bewies er seinen guten Geschmack. Außerdem schrieb er, nachdem bereits aus einigen seiner Romane Comics wurden, mit „American Vampire“ erstmals eine Geschichte direkt für einen Comic.

In „American Vampire“ bekämpfen sich in den USA die alten, europäischen Vampire und die neuen amerikanischen Vampire – und alle Vampire haben nichts mit der „Twilight“-Teenieheimeligkeit gemeinsam.

Denn der Protagonist Skinner Sweet war vor seinem Vampirdasein der gemeinste, hinterhältigste und bösartigste Bandit des Wilden Westen und jetzt ist er, als erster seiner Art, eine neue Art von Vampir, die Dinge tun kann, die die alten europäischen Vampire nicht tun konnten. So macht ihm das Tageslicht nichts aus.

Im ersten „American Vampire“-Sammelband, der die ersten fünf „American Vampire“-Hefte enthält, werden zwei voneinander unabhängige Geschichten erzählt, die in jedem Heft weitererzählt werden. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und sorgt gerade im ersten „American Vampire“-Heft bei der Geschichte von Scott Snyder, weil unklar ist, wer der Protagonist ist, für Irritationen. Ab dem zweiten Heft ist der Aufbau dann allerdings klar. Die eine Geschichte, geschrieben von Stephen King, spielt im Wilden Westen und erzählt, wie Skinner Sweet zum ersten amerikanischem Vampir wurde und von seinen ersten Jahren als Vampir. Denn er ist, auch wenn er so dem Tod entging, überhaupt nicht von seinem neuen Leben als Vampir begeistert.

Die andere, von Scott Snyder geschriebene Geschichte, spielt in den zwanziger Jahren in Hollywood und das Starlet Pearl Jones gerät in die Fänge der Vampire. Skinner Sweet, der gegen die Menschen kämpft, die ihn zum Vampir machten, versucht Pearl Jones zu helfen und sie nimmt ihre Existenz als Vampir auf eine durchaus bissfreudige Weise an.

Der erste „American Vampire“-Sammelband ist ein vielversprechender Auftakt, der mit einer ordentlichen Western- und Stummfilm-Hollywood-Prise und blutigen Kämpfen (denn diese Vampire haben nichts mehr von der Eleganz eines Bela Lugosi, aber viel von dem Furor eines losgelassenen Kampfhundes), punktet. Oder in den Worten von Stephen King im Vorwort des Sammelbandes: „Wenn Ihnen die Geschichte gefällt, danken Sie nicht mir, sondern Scott, denn er hat mir den kompletten Leitfaden geliefert. Ich habe hier und da Kleinigkeiten ergänzt, mich aber nie weit von seinen Vorgaben entfernt. Wozu ein Meisterwerk verbessern?“

Scott Snyder (Autor, Creator)/Stephen King (Autor)/Rafael Albuquerque (Zeichner): American Vampire – Band 1

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

196 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

American Vampire, Vol. 1 – 5

DC Comics, 2010

Hinweise

Homepage von Rafael Albuquerque

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park

Keine zehn Pferde kriegen mich in die Nähe von Cassandra Hack! Da kann ich mir ja gleich selbst den Kopf einschlagen“, sagt Michael Myers über Cassandra Hack und, obwohl die Blurbs auf dem Buchcover oft eine höfliche Form der Lüge sind, würde ich Myers nicht wiedersprechen. Denn er ist ein ausgewiesener Experte und der letzte, der etwas Unhöfliches über ihn sagte, sah danach ziemlich schlecht aus.

Hack ist ein Mädchen, das Slasher (das sind diese Mörder, die mit einem großen Messer immer wieder töten) und, manchmal, andere Serienmörder jagt, ihren Vater sucht und von dem treudoofem Vlad begleitet wird.

Hack-Autor Tim Seeley erzählt in dem neuesten „Hack/Slash“-Band „(Re)Animatoren“ meistens keine 08/15-Geschichten über die Jagd nach durchgeknallten Slashern (Gibt es auch andere? Nun, in „Eiskalt serviert“ schon.), sondern er variiert bekannte Erzählungen und lässt bekannte Charaktere auftreten. Das können echte Charaktere, wie die „Suicide Girls“ in „Selbst/Mord“, das können erfundene Charaktere, wie Dr. Herbert West (bekannt aus den „Re-Animator“-Filmen von Brian Yuzna) in der langen Geschichte „Cassie & Vlad trefffen den Re-Animator“, sein. Das kann auch die in den USA jedem Kind bekannt Geschichte des „Zauberers von Oz“ sein, die in „Hinter dem Regenbogen“ wieder verfilmt werden soll. Bei den Dreharbeiten gibt es dann einige, ähem, Probleme.

Die lange Geschichte „Cassie & Vlad trefffen den Re-Animator“ ist dann auch die beste Geschichte des Sammelbandes. In ihr findet Cassie ihre Eltern und alle Charaktere haben auch genug Zeit, sich zu präsentieren. Dagegen wirken die anderen Geschichten oft etwas skizzenhaft. Gerade bei „Hinter dem Regenbogen“ hätten einige Seiten mehr gutgetan. Dafür wird man in „Selbst/Mord“ mit einer kräftigen Portion Sex, Gewalt und Mord entschädigt.

Tim Seeley (Autor)/Emily Stone (Zeichnungen): Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)

Cross Cult, 2010

(übersetzt von Frank Neubauer)

160 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

Hack/Slash: Reanimation Games

Image Comics, 2009

Hinweis

Homepage von Tim Seeley