Gratis-Comic-Tag, die zweite

Mai 13, 2011

Am Samstag, den 14. Mai, ist es wieder so weit: der Gratis-Comic-Tag wird gefeiert.

Schon der erste Gratis-Comic-Tag mit 17 teilnehmenden Verlagen, 30 Comics und über 150 Comic- und Buchhandlungen, die die Comics kostenlos verteilten, war ein voller Erfolg.

Dieses Jahr sind 29 Verlage und 44 Comics, teilweise sogar Erstveröffentlichungen, dabei.

Zu den Verlagen gehören bekannten Namen, wie Carlsen, Epaha und Panini, und auch neue, kleine Verlage, wie Comic Culture, Epsilon und Piredda.

Aber auch wer mit den Verlagsnamen wenig anfangen kann, dürfte einige der Comicserien kennen. Andere lohnen mit Sicherheit einen Blick.

Am zweiten Gratis-Comic-Tag werden „Die Peanuts“, „Donald Duck“, Die „Muppets-Show“, „Die Schlümpfe“ „Star Wars: Clone Wars“, „Marvel: Thor & Iron-Man“ und „DC Comics: Grenn Lantern – Secret Origin“ und „Die Simpsons“ verteilt.

Diese Namen dürften auch den Nicht-Comic-Fans etwas sagen. Es gibt aber auch tonnenweise Hefte mit unbekannteren Charakteren. Der „Goon“ schlägt in einer bislang unveröffentlichten Geschichte wieder zu und, spätestens wenn die von David Fincher produzierte 3D-Animationsverfilmung startet, wird auch jeder den „Goon“ kennen.

Es gibt ein Abenteuer von Professor Bell (der, so die Ankündigung, Lehrer von Sir Arthur Conan Doyle war und Doyle zu Sherlock Holmes inspirierte), das komplette siebte Album von dem „Tramp“, ein Science-Fiction-Heft der Dystopie „Golden City“, eines der Dystopie „Wasteland“, eine neu übersetzte und überarbeitete Version von „Canardo: Weiße Vögel sterben leise“, „Weissblechs Gratis-Grusel-Geisterstunde“, mysteriöse Kriminalfälle aus dem viktorianischem England in „Green Manor“ und eine neue Geschichte der deutschen Zombieserie „Die Toten“.

Und natürlich gibt es auch extra ausgezeichnete „Comics für Kids“, Mangas und Witziges.

Da dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein. Wenn die kostenlosen Hefte nicht schon verteilt wurden. Denn letztes Jahr war der Andrang groß.

Die Idee für den Gratis-Comic-Tag kommt aus den USA und soll die Bandbreite der Comics von Micky Maus über Superman hin zu Comics, die sich explizit an Erwachsene richten und auch intellektuell herausfordernd sind, zeigen und neue Leser gewinnen.

Weitere Infos zum Gratis-Comic-Tag gibt es auf der Homepage und hier findet ihr den Händler in eurer Nähe.


Tokio-Trilogie, die Zweite: David Peace und „Tokio, besetzte Stadt“

Mai 13, 2011

Tokio, besetzte Stadt“, der zweite Band von David Peaces Tokio-Trilogie, spielt 1948 und wieder basiert der Roman auf einem wahren Verbrechen; nämlich dem Fall Hirasawa Sadamichi, der 1950 trotzt dünner Beweislage zum Tode verurteilt wurde, 1987 in der Todeszelle starb und dessen Fall immer wieder, auch noch nach seinem Tod, in zahlreichen Berufungsverfahren immer wieder neu verhandelt wurde.

Hirasawa Sadamichi war des mehrfachen Giftmordes und Diebstahls (man will ja nichts unterschlagen) angeklagt. Er sollte sich in einer Bank als Seuchenexperte ausgegeben und die anwesenden Angestellten und Kunden vergiftet haben, indem er ihnen sagte, sie müssten ein Gegengift trinken und es ihnen verabreichte. Zwölf Menschen starben, vier weitere kamen schwer vergiftet ins Krankenhaus.

Dieser Massengiftmord ist für David Peace nur der Auftakt, um ein eindrucksvolles Bild der von der Kriegsniederlage zutiefst zerrütteten japanischen Gesellschaft zu zeichnen. Dabei interessiert ihn, wie bei „Tokio im Jahr Null“, dem ersten Band der Tokio-Trilogie, nicht die Aufklärung des Verbrechens oder eine rein faktengetreue Nacherzählung der Ermittlungen. In „Tokio im Jahr Null“ war der Mörder ziemlich schnell bekannt und wir begleiteten Inspektor Minami auf der Suche nach weiteren Beweisen und in seine Psyche; naja, die Suche nach den Beweisen war für Peace der Vorwand, ganz tief in Minamis Psyche und seinen zunehmenden Wirklichkeitsverlust einzudringen.

In „Tokio, besetzte Stadt“ ist, dank zielstrebiger und wenig aufregender Ermittlungsarbeit, die vor allem nach dem Ausschlussprinzip vonstatten geht, ziemlich schnell klar, wer für die Tat in Frage kommt und, auch wenn die Beweise dünn sind, für die Morde büßen soll. Aber die Giftmorde in der Bank sind für David Peace, der selbst einige Jahre in Tokio lebte, nur die Camouflage um sich den japanischen Experimenten mit B- und C-Waffen, den Versuchen der Amerikaner nach Kriegsende in den Besitz dieser Forschungen zu kommen und wie die Japaner versuchten, dies zu verhindern, zu widmen. Hier versucht er eine Erklärung dafür zu finden, wie jemand einen solchen Massenmord begehen kann und was diese Morde für die damalige Gesellschaft bedeuteten. Gleichzeitig deutet er einen Zusammenhang zwischen dem Massengiftmord an japanischen Zivilisten in einer Bank mit entsprechenden militärischen Forschungen während des zweiten Weltkriegs an.

Das erzählt Peace, indem er die Ereignisse von zwölf verschiedenen Personen (die als „Kerzen“ einem Schriftsteller ihre Geschichte erzählen) erzählen lässt. Langsam vervollständigt sich ein Bild, das nichts mit der offiziellen Erklärung gemeinsam hat, aber trotzdem skizzenhaft und so für verschiedene Interpretationen offen bleibt.

Die Wiederholungen in den verschiedenen Geschichten sind eine Folge der gewählten Struktur, die Peace zwingt, einige Ereignisse mehrmals, aber aus verschiedenen Perspektiven, zu erzählen und weil jede Person eine andere Stimme hat, sind die einzelnen Monologe auch verschieden gut lesbar. Einige, vor allem die späteren Kerzen, sind in ihrem halluzinatorischem Ton, sogar fast unlesbar.

Aber insgesamt ist „Tokio, besetzte Stadt“ ein verstörender Einblick in die Seele eines zerrissenen Landes und, wie immer bei David Peace, ziemlich weit weg von allen Krimikonventionen.

Peter Torberg übersetzte den Roman, wie auch die anderen Romane von David Peace, kongenial. Ihm gelingt das scheinbar Unmögliche, die rhythmische Prosa von David Peace, die, was vor allem beim Vorlesen des Originals auffällt, näher am Rap als an geschriebener Prosa ist, in ein ebenso rhythmisches Deutsch zu übersetzten.


David Peace: Tokio, besetzte Stadt

(übersetzt von Peter Torberg)

Liebeskind, 2010

352 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Occupied City

Faber & Faber, London, 2009

Hinweise

Meine Besprechung von David Peaces „1974“ (Nineteen Seventy-Four, 1999)

Meine Besprechung von David Peaces „1977“ (Nineteen Seventy-Seven, 2000)

Meine Besprechung von David Peaces „1980“ (Nineteen Eighty, 2001)

Meine Besprechung von David Peaces „1983“ (Nineteen Eighty-Three, 2002)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio im Jahr Null“ (Tokyo Year Zero, 2007)

Meine Besprechung der „Red Riding Trilogy“ (der Verfilmung der entsprechenden Bücher)

David Peace in der Kriminalakte

Spiegel über Hirasawa Sadamachi (Heft 21/1985)

Wikipedia über Hirasawa Sadamachi


TV-Tipp für den 13. Mai: Thomas Crown ist nicht zu fassen

Mai 13, 2011

WDR, 23.15

Thomas Crown ist nicht zu fassen (USA 1968, R.: Norman Jewison)

Drehbuch: Alan R. Trustman

Versicherungsagentin Vicky Anderson glaubt, dass der vermögende und seriöse Geschäftsmann Thomas Crown ein Bankräuber ist. Zwischen beiden entspinnt sich ein erotisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel.

Ein Kassenhit und mindestens ein Semi-Klassiker.

„Just the movie to see if you want to see an ordinary, not wonderful, but highly enjoyable movie—of which there have been so few this year.“ (New York Times, 27. Juni 1968)

„‘The Thomas Crown Affair’ ist vornehmlich eine private Fingerübung von Jewison, Michel Legrand (zu dessen Musik der Film geschnitten wurde) und seinem Cutter, bei der die Schauspieler nicht so sehr als wahre Persönlichkeiten mit ihren eigenen Spannungsfeldern auftreten, sondern hauptsächlich als sprechende Köpfe.“ (Derek Elley, Focus on Film, März 1981)

„Beim Publikum der späten sechziger Jahre kam diese etwas klebrige Mischung, deren Unterhaltungswert sich zugestandenermaßen auch aus heutiger Sicht kaum wegnörgeln lässt, außerordentlich gut an, und Jewisons Kunstgewerbe wurde von manchen Kritikern gar als große Filmkunst bezeichnet.“ (Robert J. Kirberg: Steve McQueen, 1985)

mit Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack Weston, Yaphet Kotto

Hinweise

Wikipedia über „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (deutsch, englisch)

DVD Verdict über „The Thomas Crown Affair“

Reel Views über „The Thomas Crown Affair“


Was soll der „Heidenlärm“, Herr Hellmann?

Mai 12, 2011

Julian von Thelen ist als Hotelmanager eines Fünf-Sterne-Hotels ein Ass. Für seine Untergebenen ist er ein Aas. Doch dass der vierundreißigjährige Single eines Abends, spärlich bekleidet, an der Türschwelle zu seinem Apartment wie eine gefällte deutsche Eiche umfällt und sich dann stundenlang nicht bewegen kann, gönnt man ihm dann doch nicht. Auch nicht, dass er mit höchst unfeinen Mitteln aus seinem Job gedrängt werden soll.

Von Thelen glaubt, dass der Grund dafür in einem von ihm vor einigen Wochen in einer Nebenstraße beobachtetem Mord liegt. Dummerweise ist er der einzige Zeuge und die Polizei glaubt ihm nicht. Und seitdem er an seiner Türschwelle umfiel benimmt er sich an bestimmten Türschwellen, bei Telefonaten und auf Konferenzen immer seltsamer. Denn der Atheist von Thelen behauptet, die „Stimme Gottes“ zu hören und dass er ihm gehorchen müsse.

Mehr soll hier nicht verraten werden. Denn bei einem glänzend geschriebenem Thriller wie „Heidenlärm“, der sich im besten Sebastian-Fitzek-Tempo liest, steigt der Lesespaß mit dem eigenen Nichtwissen.

Im Verhörzimmer der „Kriminalakte“ beantwortete der „Heidenlärm“-Schreiber Alfred Hellman einige Fragen.

Was war die Ausgangsidee für „Heidenlärm“?

Es gab zwei, beide drehen sich um Betrug und falsche Versprechungen:

1. Medikamentenfälschung – hat mich beschäftigt, weil sie so hinterhältig und verlogen daherkommt, Heilung verspricht, aber Leid bewirkt. Die Umsätze sollen höher sein als beim Rauschgifthandel.

2. Ein Gefühl, das Julian Barnes so beschrieben hat: ‚Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn’.

Warum hast du dich entschieden, die Geschichte aus der Perspektive des doch ziemlich unsympathischen Hotelmanagers Julian von Thelen zu schreiben?

Weil unsympathische Protagonisten spannender sind als nette Leute. Außerdem bleibt Platz für Läuterung.

Warum hast du hast „Heidenlärm“ aus von Thelens Perspektive geschrieben?

Es war für mich die einzige Möglichkeit. Andere Perspektiven habe ich ausprobiert, von Varianten der 3. Person Singular, bis hin zur auktorialen Position, fand aber, dass ich diese Geschichte am besten ‚von innen’ erzählen kann. Vor allem, weil so die Gratwanderung zwischen Glauben und Zweifel leichter darzustellen war.

Wie wichtig war für dich beim Schreiben, dass die Geschichte in Berlin spielt?

Berlin bildet – erst recht für jemanden wie mich, der aus dem angeblich katholischen Rheinland stammt – eine ziemlich heidnische Kulisse. Das erzeugt einen schönen Kontrast. Grundsätzlich könnte die Geschichte aber auch woanders spielen. Gäbe es Gott, wäre er ja überall – und das Verbrechen sowieso.

Wie sähe deine Wunschbesetzung für eine Verfilmung aus?

Der Hotel-Manager Julian van Thelen, Empfänger himmlischer Botschaften und Ermittler wider Willen: Hugh Laurie.

Der Boulevard-Magazin-Regisseur: Jean Reno oder Udo Kier.

Dessen Gehilfe, der Kameramann und Killer: Javier Bardem.

Der geschäftsführende Medikamentenfälscher: Philip Seymour Hoffman

Die oft errötende, aber charakterstarke Linda Kranz: Charlotte Gainsbourg.

Der Priester: Bruno Ganz.

Schwarzheinrich, der Hüter des Kirchenportals: Bill Nighy.

Bernadette aus Treptow, die als Erste die Tränen der Berliner Madonna sah: Cosma Shiva Hagen.

Der Psychiater Professor Conrads: Christoph Waltz.

Welche fünf Bücher würdest du für den Strandkorb empfehlen?

1. Don Winslow, „Tage der Toten“, Suhrkamp – fast so gut wie „Der Pate“.

2. Colin Cotterill, „Dr. Siri und seine Toten“, Goldmann – der einzige Leichenbeschauer von Laos, geschrieben gegen fast alle Krimi-Regeln.

3. Val McDermid, „Vatermord“, Knaur – ein realistischer und spannender Ausflug in menschliche Abgründe.

4. Åke Edwardson, „Toter Mann“, List – der feinste Krimi-Schreiber aus Schweden.

5. Roger Smith, „Kap der Finsternis“, Heyne – Spannung und Tempo aus Südafrika.

Alfred Hellmann: Heidenlärm

Emons, 2011

240 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Alfred Hellmanns „Vor den Hymnen“

Mein Interview mit Alfred Hellmann über „Vor den Hymnen“


TV-Tipp für den 12. Mai: The Sentinel – Wem kannst du trauen?

Mai 12, 2011

ZDF, 20.15

The Sentinel – Wem kannst du trauen? (USA 2006, R.: Clark Johnson)

Drehbuch: George Nolfi
LV: Gerald Petievich: The Sentinel, 2003

Aus den Reihen des Secret Service soll ein Attentat auf den Präsidenten geplant werden. Die Ermittlungen führen David Breckinridge zu seinem ehemaligem Freund Pete Garrison. Doch bevor er ihn verhaften kann, flüchtet Garrison. Garrison will auf eigene Faust den Verräter finden; falls er nicht vorher von Breckinridge erwischt wird.

Unterschätzter Thriller

Mit Michael Douglas, Kiefer Sutherland, Eva Longoria, Kim Basinger, Martin Donovan, David Rasche, Gloria Reuben, Clark Johnson

Wiederholung: Freitag, 13. Mai, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Sentinel“

Wikipedia über „The Sentinel“ (deutsch, englisch)

Evolver: Marcus Wessel über „The Sentinel“

Homepage von Gerald Petievich


Heute, vor 80 Jahren: „M“

Mai 11, 2011

Ist es wirklich schon so lange her? Am 11. Mai 1931 hatte der Thriller „M – Mörder unter uns“ von Fritz Lang (Drehbuch: Thea von Harbou und Fritz Lang) in Berlin seine Premiere.

In dem Klassiker wird in Berlin ein Kindermörder von der Polizei und den Verbrechern gejagt.

Und wenn Sie den Film immer noch nicht gesehen, haben, müssen Sie diese Bildungslücke jetzt sofort schließen:

Jon Muths Comic „M“ ist ebenfalls sehr gut und Universum Film veröffentlicht am 20. Mai eine neue Ausgabe des Films mit umfangreichem Bonusmaterial.


Der ersten Bilder aus der James-Sallis-Verfilmung „Drive“

Mai 11, 2011

Die ersten Bilder aus der James-Sallis-Verfilmung „Drive“ (deutscher Titel des Noir ist „Driver“) sind online und sie gefallen mir verdammt gut.

Nicolas Winding Refn („Pusher“-Trilogie, „Bronson“, „Valhalla Rising“) führte Regie. Hossein Amini („Killshot“), schrieb das Drehbuch. Ryan Gosling („Das perfekte Verbrechen“) übernahm die Hauptrolle. Christina Hendricks, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Ron Perlman und Albert Brooks übernahmen weitere Rollen.

Die Premiere des Films ist in Cannes.


TV-Tipp für den 11. Mai: Fight Club

Mai 11, 2011

Kabel 1, 22.45

Fight Club (USA 1999, R.: David Fincher)

Drehbuch: Jim Uhls

LV: Chuck Palahniuk: Fight Club, 1996 (Fight Club)

Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.

Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!

In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.

Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‚Fight Club‘ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)

Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‚Sieben‘) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)

Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire

Hinweise

Wikipedia über „Fight Club“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 16. Februar 1998)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 18. April 1997)

Senses of Cinema über David Fincher

Homepage von Chuck Palahniuk

Meine Besprechung der Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Choke“


Der Graf besucht Berlin

Mai 10, 2011

Am Donnerstag, den 12. Mai, diskutieren Regisseur Dominik Graf und Filmjournalist Peter Körte (FAZ), um 20.00 Uhr im Babylon (Rosa-Luxemburg-Straße 30, Nähe S/U-Bahnhof Alexanderplatz, Berlin [Wo denn sonst?]) anhand der von Graf inszenierten zehnteiligen Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“ über die Möglichkeiten und Perspektiven der Fernseh- und Serienarbeit in Deutschland. Im Anschluss an die Diskussion gibt es auch eine Folge der Serie.

Außerdem wird der lesenswerte, von Johannes F. Sievert herausgegebene Interviewband „Im Angesicht des Verbrechens – Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (Alexander Verlag, 2010), dessen Kernstück ein über zweihundertseitiges Interview mit Dominik Graf ist, vorgestellt.

Kleine Anmerkung: In Sieverts Interviewband „Im Angesicht des Verbrechens“ ist das Interview mit Drehbuchautor Rolf Basedow arg kurz ausgefallen. Da empfiehlt sich der Griff zu dem von Jochen Brunow herausgegebenen Film- und Drehbuchalmanach „Scenario 5“ (Bertz + Fischer, 2011). Dort gibt es ein über dreißigseitiges Interview mit Rolf Basedow und den längeren Text „Aus dem Weltreich der Autoren“ von Dominik Graf, in dem er auf die oft langjährige Zusammenarbeit mit seinen Drehbuchautoren eingeht.

Auch empfehlenswert.


Cover der Woche

Mai 10, 2011


TV-Tipp für den 10. Mai: Out of sight

Mai 10, 2011

ZDFneo, 21.00

Out of sight (USA 1998, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Mittwoch, 11. Mai, 04.05 Uhr

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Mai: Zwischen heute und morgen

Mai 9, 2011

Arte, 23.55

Zwischen heute und morgen (D 2008, R.: Fred Breinersdorfer)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Dagmar Leupold

LV: Dagmar Leupold: Eden Plaza, 2002

Ein Architekt rettet einer Werbetexterin das Leben. Sie verabreden sich zu einer Nacht im Hotel. Wie wird diese Nacht ihr Leben verändern?

Das Spielfilmdebüt des Krimiautors ist kein Krimi, sondern ein Beziehungsdrama mit Erotik-Touch.

“eine französisch angehauchte amour fou als leises, entspanntes Kammerspiel – jenseits von Paragraphen und der gesellschaftspolitischen Relevanz” (Rainer Tittelbach)

Das Publikum war bei der Premiere in Berlin von dem Film (vor allem wohl den Dialogen) enttäuscht.

Mit Gesine Cukrowski, Peter Lohmeyer, Alexander Held, Harry Baer, Alexander Held

Wiederholung: Mittwoch, 25. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

Achtung Berlin: Bericht von der Filmpremiere und der Publikumsdiskussion (dem der Film absolut nicht gefiel)

Presseheft zum Film

Arte zum Film


Friedrich-Glauser-Preis 2011 verliehen

Mai 8, 2011

Auf der Criminale verlieh die Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ den Friedrich-Glauser-Preis an folgende Werke:

Roman

Kurt Palm: Bad Fucking

Debüt

Petra Busch: Schweig still, mein Kind

Kurzkrimi

Judith Merchant: Annette schreibt eine Ballade (aus „Mörderisches Münsterland“)

Hansjörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkrimipreis)

Silke Lambeck: Die wilde Farm

Friedrich-Glauser-Ehrenpreis

Dr. Jürgen Alberts


TV-Tipp für den 8. Mai: George Gently – Der Unbestechliche: Vergeltung

Mai 8, 2011

ZDF, 22.00

George Gently – Der Unbestechliche: Vergeltung (GB 2009, R.: Daniel O’Hara)

Drehbuch: Peter Flannery

LV: Alan Hunter: Gently with the Innocence, 1970

Inspektor George Gently und sein Assistent John Bacchus müssen in Northumberland in den Sechzigern den Mord an einem Villenbesitzer aufklären.

Endlich zeigt das ZDF die restlichen sechs Folgen der grandiosen Krimiserie.

H. R. F. Keating nannte den von Alan Hunter erfundenen George Gently „the thinking man’s Maigret“.

Mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Jill Halfpenny, Matthew McNulty

Wiederholung: Dienstag, 10. Mai, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fantastic Fiction: Bibliographie Alan Hunter

BBC über George Gently (Pressematerial zu „George Gently“)

ZDF über George Gently

Telegraph: Interview mit Martin Shaw und Lee Ingleby zu „George Gently“ (5. Juli 2008)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 1)


Das „Lexikon des internationalen Films“, die Ausgabe zum Filmjahr 2010

Mai 7, 2011

Eigentlich kann ich meine Besprechung des „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“ wieder posten und nur die Jahreszahl ändern. Denn die Macher haben am bewährten Aufbau nichts geändert. Wie in den vergangenen Jahren ist das Herzstück des Lexikons eine alphabetische Auflistung aller 2010 in Deutschland im Kino gestarteter, auf DVD veröffentlichter (immer mehr und auch immer mehr gute Filme, denen man einen Kinostart gegönnt hätte) und im Fernsehen erstmals gelaufener Spielfilme und längerer Dokumentarfilme. Jeder Film wird bewertet und bei den meisten Bewertungen kann ich mitgehen.

Einige Filmreihen, wie „Nachtschicht“ und „Unter Verdacht“ kommen etwas zu schlecht weg (Da hatten die Macher sich irgendwann entschieden, die Filme als Einzelwerke aufzunehmen und jetzt wird jeder neue Filme aufgenommen; beim „Tatort“ hatte man sich anfangs anders entschieden und deshalb wird der „Tatort“, bis auf einige „Tatorte“, die jetzt auf DVD veröffentlicht wurden, nicht erwähnt [und auf diese sehr lückenhafte Erwähnung hätte man besser verzichtet. Denn dass von den vielen „Tatort“-DVDen „Moltke“ besprochen wird ist gut, „Salü Palu“ hätte man sich schenken, aber „Die tote Taube in der Beethovenstraße“ erwähnen können.]). „Im Angesicht des Verbrechens“ und „Inception“ werden, wie von fast allen Kritikern zu positiv beurteilt (oder ich muss einfach akzeptieren, dass ich zur Minderheit der Nicht-Vor-Begeisterung-Sturzbesoffenen gehöre). Dafür wird „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ gebührend gelobt.

Ergänzend gibt es einige Listen, in denen die Herausgeber, die Redaktion der katholischen Filmzeitschrift „film-dienst“, einige 2010 angelaufene Filme prominenter herausstellen. Das sind einmal die nach Meinung der Redaktion besten Filme des Jahres (die da wären „A Serious Man“, „Carlos – Der Schakal“, „Der fantastische Mr. Fox“, „Der Ghostwriter“, „Lourdes“, „Ein Prophet“, „Der Räuber“, „Still Walking“, „Uncle Boonmee erinnert sich an sein früheres Leben“ und „Von Menschen und Göttern“), der monatliche Kinotipp der katholischen Filmkritik und eine Liste der in der Zeitschrift „film-dienst“ 2010 als „sehenswert“ gekennzeichneten Filme. Diese Listen ermöglichen eine Orientierung im Meer der Filme. Oh, und es gibt noch etliche Listen mit Filmpreisen und die „Silberlinge“, den hinsichtlich ihres Bonusmaterials herausragende DVD- und BluRay-Editionen erhalten können und weshalb auch ein „triviales Spin-Off“ wie „Elektra“ hier aufgenommen werden kann.

Immer noch fehlt eine Liste der Besucherzahlen.

Immerhin werden im Rückblick auf das vergangene Kinojahr die Kassenhits erwähnt und da fällt dann, nicht verwunderlich, der Unterschied zwischen Kunst und Kommerz auf. 5,6 Millionen sahen sich „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 3,7 Millionen „Eclipse – Biss zum Abendrot“, den dritten „Twilight“-Film, an. Der erfolgreichste deutsche Film war mit 1,6 Millionen Besuchern „Friendship!“; eine Komödie über zwei Ossis, die kurz nach der Wende in die USA reisen und die ich vollkommen aus meinem Bewusstsein verdrängt habe.

Die Dokumentation der Tagung des Verbandes der deutschen Filmkritik, die für mich in den vorherigen Filmjahrbüchern immer ein Höhepunkt war, ist dieses Jahr äußerst schwach ausgefallen. Das Thema war, wie wichtig das Interview mit Filmschaffenden für die Journalisten ist, wie es dem Publikum die Filme näher bringen kann und wie Journalisten Interviews gestalten können und müssen. Das wird aber nicht in Vorträgen mit anschließenden Diskussionen, sondern in verschiedenen Diskussionen abgehandelt, die viel zu oft im Ungefährem steckenbleiben und zu sehr zwischen verschiedenen Themen hin und her springen.

Uneigentlich habe ich jetzt doch eine vollkommen neue Kritik über das für Filmfans unverzichtbare „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010“ geschrieben.

Film-Dienst (Herausgeber): Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010

Schüren, 2011

600 Seiten

22,90 Euro

Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Homepage des Verbandes der deutschen Filmkritik

Meine Besprechung vom „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung vom „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“


TV-Tipp für den 7. Mai: Das Ding aus einer anderen Welt

Mai 7, 2011

Neuer Sender, neues Programm (also genaugenommen der ZDFtheaterkanal mit neuem Namen und jugendlicherem Programm; wobei, wie wir gleich sehen werden, nicht nur Rock’n’Roll)

ZDFkultur, 00.00

Das Ding aus einer anderen Welt (USA 1951, R.: Christian Nyby, Howard Hawks)

Drehbuch: Charles Lederer

LV: John W. Campbell jr.: Who goes there?, 1938 (Wer da?, Das Ding aus einer anderen Welt; Novelle, Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Don A. Stuart)

Anscheinend lief dieser SF-Klassiker (denn ich als Teenager wahnsinnig spannend fand) seit über zehn Jahren nicht mehr im TV.

Die Story: In der Arktis entdecken einige Wissenschaftler ein „Ding“, das, nachdem sie es in ihre Forschungsstation gebracht und aufgetaut haben, beginnt sie zu dezimieren. Die Forscher und einige Militärs versuchen das scheinbar unbesiegbare Wesen aus dem Weltall zu töten.

Die Kritik zu diesem Kassenknüller: „wunderbare Film (…) einem der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten“ (Phil Hardy: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie, 1998)

1982 drehte John Carpenter ein Remake, das damals an der Kasse und bei der Kritik furchtbar floppte, aber inzwischen einen guten Ruf hat.

Campbells Geschichte wurde 1965 von den „Science Fiction Writers of America“ zum besten vor 1965 erschienenem Kurzroman gewählt.

Die erfreuliche Meldung für den SF-Fan: Nächsten Samstag läuft bereits um 22.40 Uhr die ebenfalls seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte „Invasion vom Mars“ (USA 1953, R.: William Cameron Menzies).

mit Kenneth Tobey, Margaret Sheridan, Robert Cornthwaite, Douglas Spencer, James Young, James Arness

Hinweise

Wikipedia über „Das Ding aus einer anderen Welt“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „The Thing from another World“

B Movies über „Das Ding aus einer anderen Welt“

LeonScripts: Drehbuch „The Thing from another World“ von Charles Lederer (Fassung vom 29. August 1950)

Daily Motion: „The Thing from another World“ (gesamter Film)


Don Winslow und die Auferstehung des „Bobby Z“

Mai 6, 2011

Vor „Bobby Z“ hatte Don Winslow fünf, teilweise übersetzte Kriminalromane mit dem Privatdetektiv Neal Carey und das etwas als Fremdkörper in seinem Werk stehende „Isle of Joy“ (über einen Privatdetektiv, der in den fünfziger Jahren in New York in ein Komplott gerät) veröffentlicht.

In „Bobby Z“ ließ Don Winslow erstmals einen Roman in Südkalifornien in der dortigen Surferszene spielen. Denn der Loser Tim Kearney soll, nachdem er den Hell’s Angel Stinkdog im Knast ermordete, bei einem Gefangenenaustausch den verschwundenen Drogenhändler und Surferlegende Bobby Z (die Kurzform für Robert James Zacharias) spielen. Danach, so sichert ihm DEA-Agent Tad Grusza zu, erhält er eine neue Identität. Kearney willigt ein – und gerät schneller als ihm lieb ist zwischen die Fronten von mexikanischen Drogenkartellen, rachedurstigen Hell’s Angels, verschiedenen Polizeibehörden und alten Bekannten von Bobby Z. Kurz gesagt: seine Überlebensaussichten tendieren gegen Null; was auch daran liegt, dass DEA-Agent Grusza von Anfang an davon ausging, dass Kearney während des Austausches erschossen wird.

Oh, und dann ist da auch noch der echte Bobby Z, der eigentlich tot sein sollte, aber quicklebendig ist, und Kearney muss Papa für einen sechsjährigen Jungen spielen, der ihn für seinen Vater, den Surfer Bobby Z, hält.

Don Winslow erzählt diese ziemlich abgedrehte Geschichte, die Michael Connelly zu recht an Elmore Leonard erinnerte, in seinem, auch aus seinen späteren Werken bekanntem, lakonischem Hardboiled-Tonfall. Gleichzeitig brennt Winslow ein furioses Feuerwerk an absurden Situation und rasanten Action-Szenen (gerne auch zusammen) ab, das die Erlebnisse von Tim Kearney zu einem höchst kurzweiligem Vergnügen werden lässt.

Winslows nächster Roman war der mit dem Shamus ausgezeichnete, bislang nicht übersetzte Privatdetektivkrimi „California Fire & Live“, dann kam das Epos „Tage der Toten“ (The Power of the Dog) und spätestens seitdem ist Don Winslow der Chronist des Verbrechens an der kalifornisch-mexikanischen Grenze und der Surfer.

Seit dem 1997 erschienenem „Bobby Z“ hat Don Winslow in seinen Romanen diese Gegend südlich von Hollywood nicht mehr verlassen und mit jedem Roman stieg die Zahl seiner Fans.

Erst jetzt, mit dem Thriller „Satori“, einem Prequel zu Trevanians „Shibumi“, über die Lehr-und Wanderjahre des Killers Nikolai Hel, der 1952 in Peking einen Mann ermorden soll, verlässt er wieder seinen Hinterhof und man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass Winslow mit dem angenehm altmodischem Politthriller (so mein Eindruck nach dem ersten Drittel) noch bekannter wird.

Die unterschätzte Verfilmung von „Bobby Z“ ist unterhaltsames, humoristisch gefärbtes Old-School-Action-Kino. „Kill Bobby Z – Ein Deal um Leben und Tod“ macht, wie das Buch, einfach Spaß und Keith Carradine Bruce Dern, spärlich bekleidet am Strand stehend, als durchgeknallter Erzähler der Geschichte des legendären Surfers Bobby Z ist einen Blick wert.

Don Winslow: Bobby Z

(übersetzt von Judith Schwaab)

Suhrkamp, 2011

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The Death and Life of Bobby Z

Alfred A. Knopf, New York 1997

Frühere deutsche Taschenbuchausgabe

Don Winslow: Die Auferstehung des Bobby Z.

Goldmann, 2001

Deutsche Erstausgabe im festen Einband

Karl Blessing Verlag, 1997

Verfilmung

Kill Bobby Z – Ein Deal um Leben und Tod (The Death and Life of Bobby Z, USA 2007, R.: John Herzfeld)

Drehbuch: Bob Krakower, Allen Lawrence

Mit Paul Walker, Laurence Fishburne, Olivia Wilde, Jason Flemyng, Keith Carradine, Joaquim de Almeida, J.R. Villarreal, Jason Lewis, Jacob Vargas, Michael Bowen

Hinweise

Homepage von Don Winslow

Deutsche Homepage von Don Winslow

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Don Winslow in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Mai: Tödliche Versprechen

Mai 6, 2011

WDR, 23.15

Tödliche Versprechen – Eastern Promises (GB/USA/Can 2007, Regie: David Cronenberg)

Drehbuch: Steven Knight

Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.

Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.

Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).

„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.

Im Moment arbeiten Steven Knight, David Cronenberg und Viggo Mortensen an einer Fortsetzung von „Eastern Promises“.

mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel

Hinweise

Steven Knight: Eastern Promises (Drehbuch)

Englische Homepage zum Film (umfangreich; mit Hintergrundtexten und Filmausschnitten)

Deutsche Homepage zum Film (die Readers Digest-Version; dafür mit einem Cronenberg-Interview)

Film-Zeit über den Film

Die „taz“ redet mit David Cronenberg über „Tödliche Versprechen“

Wikipedia über „Tödliche Versprechen“ (deutsch, englisch)


Die KrimiZeit-Bestenliste Mai 2011

Mai 5, 2011

Die KrimiZeit-Bestenliste für den Wonnemonat Mai:

1 (2) Friedrich Ani: Süden

2 (1) Peter Temple: Wahrheit

3 (3) Daniel Woodrell: Winters Knochen

4 (8) Arne Dahl: Opferzahl

5 (-) Patrick Pécherot: Belleville-Barcelona

6 (-) Dominique Manotti: Roter Glamour

7 (10) Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten

8 (-) Adrian McKinty: Der schnelle Tod

9 (9) Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese

10 (-) Reginald Hill: Der Tod und der Dicke

In ( ) ist die Platzierung des Vormonats

Ani und Woodrell: gut. Temple, Pécherot, McKinty und Decoin liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel, aber jetzt wird erst einmal der neue Don Winslow gelesen.


TV-Tipp für den 5. Mai: Mean Streets – Hexenkessel

Mai 5, 2011

WDR, 23.15

Mean Streets – Hexenkessel (USA 1973, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Mardik Martin

New York, Lower East Side: Charlie versucht sich um seinen leicht durchgeknallten Kumpel Johnny Boy zu kümmern. Denn dieser verärgert mit seinen Eskapaden auch die Mafia.

Grandioses Frühwerk von Martin Scorsese und der Start von mehreren großen Karrieren.

„Mean Streets besteht vor allem aus einem Mosaik von Momentaufnahmen und Anekdoten; an Stelle einer kontinuierlichen Entwicklung herrscht die Kontinuität des Stillstands. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Mean Streets so irritierend authentisch wirkt.“ (Hans Günther Pflaum in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Martin Scorsese – Hanser Reihe Film 37, 1986)

Die größte Ironie bei dem Film ist, dass „Mean Streets“ untrennbar mit New York verbunden ist, obwohl, wegen des Geldes, die meisten Szenen nicht an Originalschauplätzen sondern in Los Angeles gedreht wurden

Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Robert Carradine, David Carradine, Martin Scorsese (als Shorty, der Killer im Auto)

Hinweise

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Martin Scorsese in der Kriminalakte