TV-Tipp für den 5. April: Stieg Larsson: Vergebung

April 5, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Vergebung (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Ulf Rydberg

LV: Stieg Larsson: Luftslottet som sprängdes, 2007 (Vergebung)

Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist versucht die Unschuld von Lisbeth Salander zu beweisen. Denn sie liegt schwerverletzt im Krankenhaus und ist angeklagt, einen Mordversuch auf ihren Vater verübt zu haben. Dieser wird immer noch von mächtigen Staatsdienern geschützt.

Gegenüber der Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) wurde die zweiteilige TV-Version von Stieg Larssons drittem Bestseller auf drei Stunden verlängert. “Vergebung” schließt sich unmittelbar an “Verdammnis” an und, wer “Verdammnis” nicht gesehen oder gelesen hat, dürfte sich ziemlich verloren vorkommen.

Ansonsten ist “Vergebung” nur ein überlanger und zäher Epilog zu “Verdammnis”. Denn hier werden in 150 (Kino) bis 180 Minuten (TV) die Fragen beantwortet, die eigentlich bei dem Abspann von “Verdammnis” klar waren.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson, Sofia Ledarp, Mikael Spreitz, Niklas Hjulström, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Anders Ahlborn Rosendahl

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Robert Enricos „Die Abenteurer“ mit Alain Delon und Lino Ventura

April 4, 2011

Solche Filme werden heute nicht mehr gemacht.

Aber liegt das an der nostalgischen Brille – immerhin sind Lino Ventura, Robert Enrico und José Giovanni tot und Alain Delon hat sich in den vergangenen dreißig Jahren ziemlich aus dem Geschäft zurückgezogen – oder wirklich an dem Film?

 

Die Story

 

In „Die Abenteurer“ wird ein Hohelied auf die Freundschaft gesungen, die mit dem gewaltsamen Tod von zwei der drei Freunde endet. Es beginnt mit einem Besuch von Laetitia (Joanna Shimkus) auf dem Schrottplatz von Roland (Lino Ventura). Er hat keine Zeit, fertigt sie barsch ab, aber als sie sagt, sie habe Zeit und werde auf ihn warten, nimmt er sie mit zu einem Feld. Dort bauen sie einige Stangen auf und Manu (Alain Delon) fliegt mit einem Doppeldecker durch sie hindurch. Sie alle freuen sich, dass der Stunt gelingt. Denn die Stangen sind nur die Probe für einen Flug durch den Triumphbogen in Paris.

Bereits in diesen ersten, fast wortlosen Minuten, wird die Freundschaft zwischen den Dreien etabliert. Denn Roland und Manu nehmen Laetitia schnell in ihren Männerbund und in ihre bedingungslose Freundschaft auf. Sie sind Träumer, die sich auch durch Rückschläge nicht von ihren Zielen abbringen lassen. Denn Manu gelingt der Flug durch den Triumphbogen nicht und er verliert seine Pilotenlizenz. Roland will einen neuen Motor entwickeln, aber seine Experimente mit einem besonders schnellem Dragster enden erfolglos. Auch bei einem Besuch in einem Casino, wo sie nach System spielen, verlieren sie ihr Geld. Trotzdem verlieren sie nicht ihren Optimismus.

Erst als Laetitia ihnen enttäuscht die vernichtenden Kritiken für ihre Ausstellung präsentiert, beschließen sie, sie mit nach Afrika zu nehmen. Dort soll vor der Küste das Wrack eines Flugzeugs mit einem Schatz an Bord liegen; – Geld, das sie dringend brauche, um ihre Träume weiter zu verfolgen.

Dieser zweite Teil von „Die Abenteurer“ ist klar von dem ersten, in und um Paris spielendem Teil, getrennt. Die drei verleben glückliche Tage vor der Küste und finden, dank der Hilfe des Piloten (Serge Reggiani) auch das Flugzeug. Kurz nachdem sie den Schatz geborgen und durch vier geteilt haben (eine weitere der vielen wundervollen Szenen des Films: der Pilot will die Beute durch drei teilen; Roland und Manu erklären ihm ohne großen Worte, dass Laetitia ein gleichwertiges Mitglied ihrer Crew ist), geraten sie in eine falsche Polizeikontrolle. Denn Gangster (es wird nie wirklich klar, wer genau das Geld haben will, aber von ihrem ersten Auftreten ist klar, dass sie über Leichen gehen) wollen ihnen die Beute abnehmen. Der Pilot beginnt eine Schießerei, bei der Latitia erschossen wird. Manu und Roland bestatten sie auf hoher See.

Der dritte Teil spielt an der französischen Atlantikküste, in Sichtweite des bekannten Fort Boyard. Denn so selbstverständlich es für Manu und Roland war, Laetitia mit nach Afrika zu nehmen und ihr den gleichen Teil der Beute zu geben, so selbstverständlich ist es für sie, die Verwandten von Laetitia zu suchen und ihnen ihren Teil der Beute zu geben. Dabei erfahren sie zunächst einiges über Laetitias Familiengeschichte und als sie ihre nächsten Verwandten treffen, die ohne zu fragen, jede Verantwortung für die Taten von Laetitia ablehnen und ihr auch nicht helfen wollen, beschließen Manu und Roland (wieder ohne ein Wort darüber zu verlieren), dass sie Laetitias Teil der Beute doch für sich behalten. Denn diese Menschen haben das Geld nicht verdient. Erst als deren Junge, den sie aus dem städtischen Museum kennen, auftaucht, ändern sie ihre Meinung. Sie zeigen Laetitias Verwandten das Geld und Roland sagt, dass sie es für den Jungen anlegen würden.

Doch da sind noch die Gangster. Sie haben den Piloten geschnappt und finden auch eine Spur zu Manu, der sie dann an die Atlantikküste führt.

Inzwischen hat Roland Fort Boyard gekauft. Er will dort, wie er Manu begeistert erzählt, ein Hotel-Restaurant einrichten. Als die Gangster die im Meer gelegene Festung betreten, kommt es zu einem Schusswechsel. Die Gangster sterben und auch Manu wird erschossen.

 

Der Film

 

Die ausführliche Inhaltsangabe zeigt schon, dass es Robert Enrico nicht um eine klassisch erzählte Geschichte ging. Denn dafür sind die drei Geschichten zu scharf voneinander getrennt; fast als ob man sich drei Kurzfilme oder Episoden einer TV-Serie hintereinander ansieht. Gerade so werden die die einzelnen Teile miteinander verbindenden Themen umso deutlicher: Freundschaft, das Leben von gesellschaftlichen Außenseitern, Träumern und Glücksrittern und die Wichtigkeit von Stil, Haltung und Gesten.

Dabei war eine solche bedingungslose Freundschaft, wie die zwischen Roland, Manu und Laetitia, vielleicht immer nur ein Mythos, der vor allem in französischen Kriminalfilmen der fünfziger und sechziger Jahre gerne gepflegt wurde. Aber damals wurde ein solches Idealbild noch formuliert. Heute wird darauf meist vollkommen verzichtet.

Und mit Alain Delon (der wahrscheinlich nie wieder so entspannt spielte) und Lino Ventura hatte Robert Enrico die beiden großen Stars des französischen Kinos, die beide auch immer wieder den Homme Solitaire verkörperten, verpflichtet, um wieder einmal gesellschaftliche Außenseiter, die nur ihren Regeln folgen, zu spielen. Allerdings spielen sie dieses Mal keine Verbrecher, sondern fast normale Menschen.

Die Abenteurer“ ist ein feiner Film, ein Kassenhit, ein Klassiker des französischen Kinos und eine zeitlose Liebeserklärung an die Träumer und die Freundschaft.

 

Einige Meinungen zum Film

 

Robert Enrico: „Ich hasse die Leute, die sozusagen zu der ’schweigenden Mehrheit‘ gehören. Die Außenseiter haben schon immer diejenigen fasziniert, die ein banales Leben führen. Der Film destilliert den Traum.“ (Cinéma Francais Nr. 6, November 1976)

 

Alain Delon über „Die Abenteurer“, der einer seiner Lieblingsfilme ist: „Es war ein wunderbarer Film, sehr schön gemacht. Es war eine Story, so wie ich sie gerne mag, ich nenne das eine Freundschafts-Geschichte, über die Beziehung zwischen zwei Männern, in deren Mitte manchmal eine Frau steht. Ich habe die übliche Liebesgeschichte, die Romanze, ein wenig satt.“ (Robin Bean: Reaching for the World, Films and Filming, Februar 1965)

 

Lino Ventura über Robert Enrico und die Themen des Films: „Enrico ist ein Poet, er ist ein wenig surrealistisch, ein Träumer. (…) Es sind Personen, die ganz auf sich selbst angewiesen sind. Für mich sind das richtige Männer. Ich meine damit, dass es sich nicht lohnt, viel zu reden. Ich rede übrigens nie viel im Film.“ (Hans C. Blumenberg/Wilfried Reichert: Interview mit Lino Ventura, 1974)

Ich liebe diesen Typ des einsamen Mannes.“ (Frauke Hanck: Ein eigenwilliger Charakter, Vorwärts, 4. März 1976)

Ich möchte Filme machen, die etwas ausdrücken, Freundschaft zum Beispiel. Freundschaft halte ich für das Wichtigste im Leben.“ (Lotte Holetz: Grüß Gott, Bulle, Münchner Abendzeitung, 19. Februar 1976)

 

1981 schrieben Regisseur Adolf Winkelmann (Die Abfahrer, Nordkurve [sträflich unterschätzt], Contergan) und Drehbuchautor Jost Krüger (die Winkelmann-Filme „Jede Menge Kohle“ und „Super“) zur Wiederaufführung des Films: „Es ist Zeit, endlich mal zuzugeben, dass uns ‚Die Abenteurer‘ damals richtig gut, viel besser gefallen hat als: Es/Mahlzeiten/Die Tätowierung/Wilde Reiter GmbH/Persona/Man lebt nur zweimal/Kuckucksjahre und Fahrenheit 451. (…) Der Film ist stilistisch perfekt (dramaturgisch nicht ganz: erzählt zu viele Geschichten und findet kein Ende). Jede Geste der Schauspieler, jede Einstellungsfolge scheint in der Wirkung auf uns genau kalkuliert. Keine filmischen Experimente, richtiges Kino, effektvolles Kunst-Handwert.“ (tip 21/81)

 

Hans Gerhold schrieb in „Das Abenteuer Leben – Notizen zu den Filmen des Regisseurs Robert Enrico“ über den Film: „Die spannende und humorvolle, mit atemberaubenden lyrischen Passagen durchsetzte Schatzsuche dreier gescheiterter Existenzen – (…) -, an deren Ende der Tod steht, wird zu einem Hymnus auf das Leben in Freiheit und zu einer Meditation über den Abenteurer als metaphysischen Existenz, der seine Erfüllung im zweckentbundenen Handeln findet, stilisiert.“ (film-dienst 2/1982)

 

‚Les Aventuriers‘ ist ein Film über das Scheitern von Träumen. Doch dieses Scheitern stärkt die Freundschaft der Protagonisten. An ihrem Ende bleibt Roland daher nur die Einsamkeit. Es ist ein Film auch über das Scheitern der Individualität an den Normen der Gesellschaft, über die Außenseiterrollen von Einzelgängern. Enrico findet dafür schöne Bilder. “ (Meinolf Zurhorst/Lothar Just: Lino Ventura: Seine Filme – sein Leben,1984)

 

Trotz aller Tragik erzählt ‚Les Aventuriers‘ seine Geschichte mit einer spielerischen Leichtigkeit, in der sich die Aufbruchstimmung der sechziger Jahre widerspiegelt. Sie ist ebenso wunderbar im Soundtrack von François de Roubaix eingefangen, dessen einprägsames Leitmotiv ein Wechselspiel aus heiterem Pfeifen und dramatischen Akkorden kennzeichnet, wie in mehreren musikalischen Einlagen der Akteure.“ (Frank Arnold in Bodo Traber/Hans J. Wulff, Hrsg.: Filmgenres: Abenteuerfilm, 2004)

 

Die DVD

 

Endlich gibt es „Die Abenteurer“ in einer adäquaten Version. Denn in die bisherigen Veröffentlichungen waren gekürzt (dafür mit O-Ton) oder ungekürzt (aber ohne O-Ton) und ohne Extras.

Jetzt gibt die Originalfassung mit deutschem und französischem Ton und einigen interessanten Extras. In einer Bildershow wird ein Text über die Entstehung des Films vorgelesen. Es gibt ein Interview mit Hauptdarstellerin Joanna Shimkus (mit arg störenden Hintergrundgeräuschen) und eine leicht experimentelle Doku über den Filmkomponisten François de Roubaix. In einem Zimmer erzählen de-Roubaix-Fans, wie sie ihn entdeckten und wie seine Musik ihr Leben beeinflusste. Insgesamt eine gute Stunde Bonusmaterial.

Die Abenteurer (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Regie: Robert Enrico

Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri

LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960

mit Lino Ventura, Alain Delon, Joanna Shimkus, Serge Reggiani, Paul Crauchet, Hans Meyer

DVD

Concorde

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 1.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interview mit Joanne Shimkus. Porträt von François de Roubaix, Originaltrailer

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Die Abenteurer“ (deutsch, französisch)

Arte über „Die Abenteurer“

Kriminalakte über José Giovanni, Alain Delon und Lino Ventura

 


TV-Tipp für den 4. April: Endstation Schafott/Im Dreck verreckt

April 4, 2011

HR, 23.30

Endstation Schafott (F/I 1973, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

Starkes Krimidrama über einen Ex-Sträfling, der ein ehrliches Leben führen will, von einem Sozialhelfer unterstützt und einem Polizisten verfolgt wird.

Mit Alain Delon, Jean Gabin, Mimsy Farmer, Michel Bouquet, Bernard Giraudeau, Gérard Depardieu (in einer Nebenrolle als junger Gangster)

HR, 01.00

Im Dreck verreckt (F/Mex/I 1968, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: John D. Carrick: The Vulture, 1966 (Der Geier)

Lino Ventura spielt einen Profikiller, der in Südamerika den Landespräsidenten umbringen soll.

Spannender, in Mexico gedrehter, Abgesang auf den Homme Solitaire.

Auch bekannt als „Fremder, wohin gehst du?“

Hinweise

Homepage von/über José Giovanni

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni


DVD-Kritik: Ausgegraben: der gaaanz alte Edgar-Wallace-Film „Der Doppelgänger“

April 3, 2011

Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein.“ lautet der alte und wohl immer noch allgemein bekannte Werbespruch für die roten Goldmann-Krimis und die deutschen Sechziger-Jahre-Edgar-Wallace-Verfilmungen, die immer noch regelmäßig im Fernsehen gezeigt werden und mit den „Wixxer“-Filmen auch liebevoll persifliert wurden. Dabei gerät das restliche Schaffen des enorm produktiven Edgar Wallace (1875 – 1932) ins Hintertreffen. Dazu gehören seine in Afrika spielenden Sanders- und Bones-Geschichten und die vielen anderen Verfilmungen seiner Werke. Auch in Deutschland wurden bereits vor der erfolgreichen Sechziger-Jahre-Edgar-Wallace-Reihe einige seiner Bücher verfilmt.

Dazu gehört auch der jetzt in der Reihe „Schätze des deutschen Tonfilms“ erschienene Film „Der Doppelgänger“ von 1934, dem man trotz der Restaurierung das Alter deutlich ansieht. „Der Doppelgänger“ war zugleich die letzte deutsche Wallace-Verfilmung bis zum „Frosch mit der Maske“, dem ersten Rialto-Wallace und der Initialzündung für die Sechziger-Jahre-Edgar-Wallace-Filme.

Dabei ist „Der Doppelgänger“ ein untypischer Wallace-Film. Denn obwohl es eine reiche Erbin, falsche Identitäten und zahlreiche Verwechslungen gibt und einige Verbrecher sich ein riesiges Vermögen aneignen wollen, ist „Der Doppelgänger“ in erster Linie eine, nach einem längeren Anlauf, nicht unflotte, hauptsächlich in einem Haus spielende Boulevardkomödie.

Im Mittelpunkt steht die junge, resolute Australierin Jenny Miller, die sich in London bei ihrem entfernt mit ihr verwandtem Vermögensverwalter Harry Selsbury einquartiert. Sie will wissen, ob er wirklich ihr gesamtes Vermögen veruntreut hat und sie hat auch feste Heiratspläne, die ihrem Onkel, der sie auf die Reise von Australien nach London mitnahm, nicht gefallen. Als Selsbury für das Wochenende verreist (zum Schein nach Schottland zur Jagd, in Wirklichkeit mit seiner verheirateten Freundin nach Ostende), erfährt Jenny Miller, dass ein Doppelgänger sich just an diesem Wochenende das Vermögen von Selsbury aneignen will. Als dann Selsbury (der die Reise nach Ostende doch nicht antrat) wieder auftaucht, glaubt Jenny Miller, dass dieser Selbsbury der Doppelgänger ist und in Selbsburys Haus beginnt ein turbulentes Wochenende mit dem Hausbesitzer, dessen Bruder, der jungen Erbin, dem Butler, einem Detektiv (Theo Lingen!), einer Geliebten und einigen Verbrechern.

Der Doppelgänger (D 1934)

Regie: E. W. Emo

Drehbuch: Curt J. Braun, Peter Ort

LV: Edgar Wallace: The Double, 1928 (auch „Sinister Halls“, deutsch: „Das Steckenpferd des alten Derrick“)

mit Camilla Horn, Georg Alexander, Gerda Maurus, Theo Lingen, Fritz Odemar, Jakob Tiedtke, Hans-Leisner-Fischer, Josef Eichheim

DVD

Spirit-Media

Bild: 4:3

Ton: Deutsch (Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bio- und Filmographien (nur Text), Filminfos (nur Text), Bildergalerie

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Der Doppelgänger“

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)


TV-Tipp für den 3. April: 21

April 3, 2011

Pro7, 20.15

21 (USA 2008, R.: Robert Luketic)

Drehbuch: Peter Steinfeld, Allan Loeb

LV: Ben Mezrich: Bringing down the House, 2002 (Neuveröffentlichung zum Film unter „21“, deutscher Titel „21“)

Eine Gruppe von hochbegabten MIT-Studenten macht die Casinos in Las Vegas beim Blackjack um Millionen ärmer. Interne Konflikte und ein Detektiv der Casinos gefährden die Einheit der Gruppe.

Der auf Tatsachen basierende Spielerfilm ist makelloses „Zwischendurch-Entertainment“ (tip), das Buch ein lesenswerter Ausflug in die unbekannte Welt professioneller Kartenspieler.

Mit Jim Sturgess, Kate Bosworth, Kevin Spacey, Laurence Fishburne

Wiederholung: Montag, 4. April 14.35 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „21“

Homepage von Ben Mezrich

Jeff Ma’s World of Gambling

Drake Bennett: House of Cards (The Boston Globe, 6. April 2008; eine lesenswerte Reportage über “Bringing down the house” und die von Mezrich vorgenommenen Fiktionalisierungen)

Meine Besprechung von „21“ von Ben Mezrich


TV-Tipp für den 2. April: Hollywood Skandale

April 2, 2011

BR, 22.25

Hollywood Skandale (D 2010, Eckhart Schmidt)

Drehbuch: Eckhart Schmidt

Die Stadt der Träume war auch immer für ein, zwei Skandale gut. In der 75-minütigen Doku erinnert Eckhart Schmidt an einige dieser Skandale.

mit Peter Bogdanovich, John Gilmore, Steven Gaydos

Hinweise

BR über die Doku

Wikipedia über Eckhart Schmidt


Eine verpasste Chance: Das Jahrbuch des Syndikats

April 1, 2011

Die neue Ausgabe der gebundenen Vereinszeitung „Secret Service – Jahrbuch 2011“ der deutschen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ unterscheidet sich kaum von der vorherigen Ausgabe. Es gibt einen Rückblick auf die letzte Criminale, dem jährlichen Treffen des Syndikats, Autoren berichten von Lesungen, zwanzig Autoren schreiben gemeinsam zwei Kurzkrimis (im letzten Jahrbuch schrieben sie einen Kurzkrimi [kein Kommentar]), je einen Kurzkrimi von Sabine Alt und Gerhard Loibelsberger, von Thomas Przybilka gibt es die erhellenden Befragungen der Friedrich-Glauser-Preisträger Rutger Booß, Zoran Drvenkar, Andreas Föhr, Zoe Beck und Hansjörg-Martin-Preisträgerin Marlene Röder und einen bibliographischen Überblick über wichtige Sekundärliteratur (beides erscheint auch bei den Alligatorpapieren) und es gibt eine aktuelle Liste der Mitglieder des Syndikats.

Auch die Essays „Regionalkrimi – Fluch oder Segen?“ von Michael Kibler und „A schöne Leich – kunstvoll morden? Annäherung an die Frage: Sind Krimis Kunst?“ von Clementine Skorpil schlagen eher schon lange vergangene Schlachten. Besonders Skorpil arbeitet sich episch an der Frage, ob Krimis Trivialliteratur sind, ab. Da ist Armin Gmeiners Aussage, dass es sich um eine Marketingentscheidung handele, ob man als Verleger ein Buch als Regiokrimi oder als Krimi veröffentliche, erfrischend prägnant.

Das alles hat, nun, wie gesagt, den Charme einer Vereinszeitung und dürfte außer den Vereinsmitgliedern niemand interessieren.

Dabei böte doch gerade ein Jahrbuch einer Autorenvereinigung die Chance sich über die eigene Arbeit und das Genre auszutauschen und Debatten über die Qualität zu führen. Dass das geht, zeigt Jochen Brunow, Drehbuchautor und Leiter der Drehbuchakademie der dffb, seit fünf Jahren mit dem von ihm herausgegebenen Film- und Drehbuchalmanach „Scenario“.

Syndikat (Hrsg.): Secret Service – Jahrbuch 2011

Gmeiner Verlag, 2011

288 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“


TV-Tipp für den 1. April: Spaceballs

April 1, 2011

Das Vierte, 20.15

Spaceballs (USA 1987, R.: Mel Brooks)
Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan, Ronny Graham

Mel Brooks verarscht „Krieg der Sterne“ – und den ganzen Rest.

George Lucas las vor dem Dreh das Buch und er gab Mel Brooks sein Okay.

Mit Mel Brooks, John Candy, Rick Moranis, Bill Pullman, Daphne Zuniga, Dick Van Patten, Michael Winslow, John Hurt

Hinweise

Wikipedia über „Spaceballs“ (deutsch, englisch)

Umfangreiche „Spaceballs“-Fanseite


TV-Tipp für den 31. März: Alexis Sorbas

März 31, 2011

Das Vierte, 20.15

Alexis Sorbas (GR/USA 1964, R.: Michael Cacoyannis)

Drehbuch: Michael Cacoyannis

LV: Nikos Kazantzakis: Bios kai politeia tu Alexē Zormpa, 1946 (Alexis Sorbas)

Auf Kreta erbt der englische Schriftsteller Basil eine Braunkohlemine. Auf der Insel befreundet er sich mit dem lebenslustigem Mazedonier Alexis Sorbas.

Oscarprämierter Klassiker (und nominiert für den Oscar als bester Film), der selten im TV und dann auch noch zu nachtschlafender Stunde läuft. Heute läuft er endlich mal wieder zur Prime Time.

Schon kurz nach seiner Uraufführung hatte der Film Kultstatus. Anthony Quinn verkörperte die Figur des Alexis Sorbas derart lebensecht und eindrucksvoll, dass seine Person auch heute noch mit dieser Filmgestalt identifiziert wird. Cacoyannis gelang eine bisweilen merkwürdig anmutende Mischung aus Idylle und Grausamkeit. (…) Nicht zuletzt aufgrund des legendären Sirtaki-Tanzes, ein gestalterischer und viel zitierter Höhepunkt des Streifens, setzte durch ‚Alexis Sorbas‘ unter intellektuellen Filmfreaks ein wahrer Kreta-Boom ein.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon, 2006)

Mikis Theodorakis schrieb die Musik.
mit Anthony Quinn, Alan Bates, Irene Papas, Lila Kedrova

Hinweise

Wikipedia über „Alexis Sorbas“ (deutsch, englisch)

Alan Bates Film Archive über „Alexis Sorbas“

New York Tims über „Alexis Sorbas“ (Filmkritik vom 18. Dezember 1964)


R. i. P.: H. R. F. Keating, Farley Granger

März 30, 2011

R. i. P. H. R. F. Keating (31. Oktober 1926 – 27. März 2011)

In seiner Heimat war Henry Raymond Fitzwalter Keating, der sich immer nur H. R. F. Keating nannte, ein von Kollegen und Lesern hochgeschätzte Autorität. Denn neben seiner langlebigen Serie um den bescheidenen Inspector Ghote (26 Bände zwischen 1964 und 2009, von denen nur einige ins Deutsche übersetzt wurden und derzeit nur drei Bücher erhältlich sind) schrieb er auch, ab 2000 eine nicht übersetzte siebenbändige Reihe über Detective Chief Inspector Harriet Martens und zahlreiche Einzelwerke. Außerdem war er jahrelang der Krimi-Kritiker der „Times“ und von 1985 bis 2000 Präsident des ehrwürdigen Detection Club.

1996 erhielt er den Cartier Diamond Dagger.

Nachrufe gibt es im Guardian (von Mike Ripley), eine Ergänzung zu seinem Guardian-Nachruf hat Mike Ripley für The Rap Sheet geschrieben, Telegraph, Pretty Sinister Books, Do you write under you own name? (von Krimiautor Martin Edwards), von John Harvey, Mystery Fanfare (Janet Rudolph) und Shots – Crime and Thriller EZine.

 

Weitere Informationen über H. R. F. Keating gibt es bei Wikipedia (deutsch, englisch) und dem Unionsverlag.


R. i. P. Farley Granger (1. Juli 1925 – 27. März 2011)

Am Anfang seiner Karriere hatte er in den Alfred-Hitchcock-Filmen „Rope – Cocktail für eine Leiche“ (1948) und „Der Fremde im Zug“ (Strangers on a train, 1951) die Hauptrolle. Aber anstatt seine Filmkarriere auszubauen, drehte er ab 1955 hauptsächlich für das Fernsehen und spielte Theater am Broadway.

Nachrufe gibt es im Guardian, The Hollywood Reporter, New York Times, Los Angeles Times, Seattle Times (AP-Nachruf) und der Washington Post.


Hammett lässt Helmich lesen

März 30, 2011

Am Donnerstag, den 31. März, präsentieren die Krimibuchhandlung Hammett, der Pendragon Verlag und das Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Lettrétage (Methfesselstraße 23-25, Berlin-Kreuzberg, Nähe U-Bahnhof Platz der Luftbrücke) Hans Helmich.

Der Krimiautor und Deutsche-Welle-TV-Redakteur liest aus seinem Debütroman „Stadt der Spitzel“ und beantwortet Fragen zu der in Berlin spielenden Geschichte.

Der Eintritt ist frei, aber das Buch kann käuflich erworben werden.

Und wer am Donnerstag keine Zeit hat, kann eine der nächsten Lesungen von Hans Helmich besuchen.

Und darum geht es in „Stadt der Spitzel“:

Im winterlichen Berlin kommt es zu einem grausigen Fund. In einem alten Wohnhaus werden menschliche Knochen im düsteren Keller gefunden – eingemauert. Als der Fernsehjournalist Martin Pollock von einem anonymen Anrufer den Tipp erhält, dass an dieser Geschichte mehr dran ist, ist seine Neugierde geweckt.

Während die Polizei den Fall nur mit mäßigem Interesse verfolgt, stößt Pollock auf Spuren, die ihn in die Berliner Hausbesetzer-Szene der 70er und 80er Jahre führen. Doch seine Nachforschungen bleiben nicht unbemerkt. Pollock gerät in das Visier undurchsichtiger Mächte. Welche Rolle spielt der geheimnisvolle Russe in diesem Fall? Und wie weit reicht der Arm des ehemals übermächtigen KGB? Der Kalte Krieg scheint noch lange nicht überwunden und fordert weitere Opfer …


Stefan Kiesbyes Erzählungen aus der norddeutschen Provinz

März 30, 2011

Als Stefan Kiesbye auf der Leipziger Buchmesse ein Kapitel aus seinem neuesten Buch „Hemmersmoor“ vorlas, bemerkte ich, dass es nicht so schlecht ist. Jedenfalls wenn man das Buch nicht kennt.

Kiesbye las vor, wie einige Kinder einen achtjährigen Freund in den Tod treiben, indem sie ihn im Eiswasser nach einer Axt tauchen lassen.

Dieses Ereignis wird auf den Seiten 78 bis 85 erzählt.

Davor ist bereits einiges geschehen: Zugezogene wurden gelyncht, ein siebenjähriger Junge brachte seine Schwester um, eine andere Frau wurde in den Tod getrieben und ein Vater schwängerte seine Tochter.

Also schon mehr als genug Schandtaten für einen sehr blutigen Thriller.

Danach wird weniger gemordet. Sex und Inzucht sind ja auch ganz nett. Aber man ist schon etwas erstaunt, wenn ein Kapitel ohne eine Leiche endet. Dafür gibt’s dann im nächsten Kapitel gleich neun Babyleichen, die von ihrer Mutter ermordet und vergraben wurden.

Dieses groteske Übermaß an Sex und Gewalt, das Sodom und Gomorrha zu einem idyllischen Ort macht, langweilt allerdings schnell und raubt dem episodischem Buch jede Glaubwürdigkeit. Denn das alles soll sich innerhalb weniger Jahre in den späten Fünfzigern, frühen Sechzigern in einem kleinen Dorf in Norddeutschland ereignen. Und jedes Ereignis steht seltsam isoliert neben dem anderen. Denn Kiesbyes Schauerroman „Hemmersmoor“ kann am besten als eine Serie von Kurzgeschichten, bei denen zwar die gleichen Charaktere auftreten und die alle an dem gleichen Ort spielen, aber die sonst nichts miteinander zu tun haben, beschrieben werden.

Auch der Kniff, die einzelnen Geschichten von vier verschiedenen Charakteren, die meistens auch Täter sind, erzählen zu lassen, nutzt sich schnell ab und zeigt eher die Grenzen des Erzählers auf. In den ersten Geschichten sind Kiesbyes Ich-Erzähler sieben Jahre alt; am Ende des Buches stehen sie kurz vor ihrem Schulabschluss. Denn sie sprechen alle mit der distanzierten Stimme des Erzählers Stefan Kiesbye, die den gewollten (?) Eindruck hinterlässt, dass die Kinder absolute Psychopathen sind und weder als Kind noch als Erwachsene irgendeine Spur von Reue empfinden.

Diese distanzierte Sprache kennen wir bereits aus Stefan Kiesbyes hochgelobtem Debüt „Nebenan ein Mädchen“. In dem dünnen Buch (eher eine lange Kurzgeschichte oder eine Novelle) erzählt Moritz von seiner beginnenden Pubertät in einem kleinen Ort in den sehr späten Siebzigern im norddeutschen Wedersen. Dort bekämpfen sich zwei Jugendcliquen: die Dachse und die Füchse. Die Dachse entdecken einen Bunker, sie stellen Frauen nach, sie entdecken ein Findelkind und irgendwann geschieht ein Mord.

Nebenan ein Mädchen“ ist, wie „Hemmersmoor“, das in einem geographischem und zeitlosem Nirgendwo angesiedelte, exemplarisch gemeinte Porträt einer deutschen Kleinstadt und dem Dorfleben, das dank einiger wohlplatzierter Hinweise auf Bands und Bücher (Hach, Kate Bush und Barclay James Harvest. Huch, Fanny Hill und Casanova.), aber nicht auf Filme und TV-Sendungen, einige nostalgische Erinnerungen wecken kann (wobei die einen dann an die Pink-Floyd-LPs mit Syd Barrett, die anderen an die Pink-Floyd-LPs ohne Syd Barrett denken. Einige werden „Wish you were here“, andere werden „The Wall“ hören.). Aber gleichzeitig berührt einen die Erzählung mit ihren vielen knappen Szenen und spartanischen Beschreibungen nicht. Denn während die Gewalt anfangs noch nachvollziehbar ist und durchaus in einem eher zufälligem Totschlag enden könnte (was zu einer Jugendstrafe führen würde), kommt der von Moritz und seinen Freunden geplante Mord ziemlich unvermittelt. Ebenso ist ihr Verhalten zu einem Findelkind in dieser Mischung aus emotionslosem Forscherblick, falscher Zuneigung und Verschwiegenheit kaum nachvollziehbar. Und dann gibt es – immerhin stehen pubertierende Jungs im Mittelpunkt – den ersten Sex.

Während „Nebenan ein Mädchen“ noch als Talentprobe durchgehen konnte, liest sich Stefan Kiesbyes zweiter Roman „Hemmersmoor“ wie ein ganz schlechtes Stephen-King-Best-of („Hey, lass uns einfach nur die Horrorszenen aneinanderklatschen.“) oder „Tannöd“ auf Acid.

Stefan Kiesbye: Hemmersmoor

Tropen, 2011

208 Seiten

17,95 Euro

Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

(übersetzt von Stefan Kiesbye)

Heyne, 2010

208 Seiten

7,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Jens Seeling Verlag, 2008

Originalausgabe

Next door lived a girl

Low Fidelity Press, New York 2004

Hinweise

Homepage von Stefan Kiesbye

Klett-Cotta Verlagsblog: Interview mit Stefan Kiesbye (21. März 2011)

Börsenblatt: Interview mit Stefan Kiesbye (16. Juli 2009)

Bonusmaterial



 


TV-Tipp für den 30. März: Die Abenteuer des Rabbi Jacob

März 30, 2011

Das Vierte, 20.15

Die Abenteuer des Rabbi Jacob (F 1973, R.: Gèrard Oury)

Drehbuch: Gérard Oury, Danièle Thompson, Josy Eisenberg, Roberto De Leonardis

Victor Buntspecht muss sich als Rabbi verkleiden. Dummerweise mag er Juden nicht.

Well, Classic Louis de Funes.

‚Die Abenteuer des Rabbi Jacob‘, den alle Kritiker für Gérard Ourys besten Film anerkannt haben (vielleicht weil seine Komik die nuancierteste war), stieß sofort auf einen gewaltigen Erfolg beim Publikum: 600.000 Besucher in Paris in drei Wochen; 900.000 in sechs Wochen.“ (Robert Chazal: Louis de Funès)

mit Louis de Funès, Marcel Dalio, Claude Giraud, Henri Guybet, Miou-Miou

Wiederholung: Donnerstag, 31. März, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Louis de Funès (deutsch, englisch, französisch)

 


Cover der Woche

März 29, 2011


TV-Tipp für den 29. März: Stieg Larsson: Verdammnis

März 29, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Verdammnis (Schweden 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Jonas Frykberg

LV: Flickan Som Lekte Med Eldem, 2006 (Verdammnis)

Die Polizei hält Lisbeth Salander für eine Mörderin. Ihr Freund, der Journalist Mikael Blomkvist, will’s nicht glauben. Und, auf getrennten Wegen, suchen sie den wahren Mörder, decken einiges über Salanders Vergangenheit und einige schmutzige Regierungsgeheimnisse auf.

Verfilmung des zweiten Bandes der “Millenium”-Trilogie von Stieg Larsson. Die TV-Version verlängert die 129-minütige Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) um eine gute Stunde auf drei Stunden.

Für den Kinofilm wurde gottseidank viel Ballast aus dem Schmöker gestrichen. Allerdings fällt so auch die sehr windige Konstruktion der Geschichte noch deutlicher auf. Aber den Fans der Romane dürfte die werkgetreue Verfilmung gefallen.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Georgi Staykov, Paolo Roberto (als er selbst)

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Der tolle Polit-Thriller „Der dritte Grad“

März 28, 2011

Irgendwann in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: in einem anonymen, südländischem Polizeistaat (gedreht wurde in Griechenland, aber es könnte auch eine südamerikanische Militärdiktatur sein) nimmt die Polizei den Reisekaufmann Georgis (Ugo Tognazzi) fest. Er hat sich in einem Café mit einem jungen Mann unterhalten, der ein Revolutionär sein soll.

Der Polizeichef möchte an Georgis eine neue Verhörmethode ausprobieren. Er schickt an einem Sonntag einen Inspektor (Michel Piccoli) und den „Manager“ (Mario Adorf), ein betont südländisch-grobschlächtiger Polizist, der sie in Zentralgefängnis fahren soll, los. Kurz nachdem sie losgefahren sind, bleibt das Auto liegen und sie müssen sich zu Fuß auf den Weg machen. Unklar ist, ob die Autopanne ein technischer Defekt oder Teil eines ausgeklügelten Plans ist, Georgis außerhalb des Verhörzimmers zu einem Geständnis zu bewegen. Und ist der Verdächtige Georgis wirklich so unschuldig und bieder, wie er behauptet?

Der Politthriller „Der dritte Grad“ ist einer der wenigen Ausflüge des Neuen Deutschen Films auf das internationale Parkett und in das Genrekino. Denn auch wenn der Film nicht in Griechenland unmittelbar nach dem Ende der Militärdiktatur gedreht worden wäre, wäre der Einfluss des linksaufklärerischen Kinos von Constantin Costa-Gavras, der mit dem ebenfalls in Griechenland spielendem „Z“ einen Welterfolg hatte und die Grundpfeiler des damaligen Polit-Thrillers markierte, unübersehbar. Costa-Gavras inszenierte, wie damals etliche linke Regisseure, regierungskritische Stoffe, die entschieden für Minderheiten und die Unterdrückten Partei ergriffen, aber mit einer Starbesetzung und getarnt als Genrefime auf das breite Publikum zielten. Diese Methode war damals nicht unumstritten.

Und „Der dritte Grad“-Regisseur Peter Fleischmann, der 1969 mit der Martin-Sperr-Verfilmung „Jagdszenen aus Niederbayern“ einen ersten Erfolg mit einem Heimatfilm abseits der Klischees des damaligen deutschen Heimatfilms hatte, gehörte damals zum Neuen Deutschen Film, der entschieden Großpapas Kino ablehnte. Auch in seinen späteren Filmen „Das Unheil“ (1970), „Dorotheas Rache“ (1973), „Die Hamburger Krankheit“ (1979 – ein deutscher SF-Film), „Frevel“, die Arkadi- und Boris-Strugatski-Verfilmung „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“ (1989; – noch ein deutscher SF-Film, der in Russland gedreht wurde und, angesichts der jahrelangen Vorbereitung und des hohen Budgets, ein gigantischer Flop war) versuchte er populäre Erzählformen und gesellschaftlich relevante Themen mit einem eigenen Stempel zu versehen.

Auch „Der dritte Grad“ zielte auf das breite Publikum. Der Thriller ist keine flammende Anklage gegen die Folterregime (Wobei die Szene, in der der Polizeichef durch ein Büro im Polizeirevier geht, und mehrere Beamte seelenruhig Folterverhöre abtippen, und er sich mit Michel Piccoli unterhält, schon sehr erschreckend ist und an der Meinung der Filmemacher zu bestimmten Regierungen keine Zweifel aufkommen lässt. Auch die erste Szene, wenn der Inspektor und Georgis in einer langen und komplizierten Einstellung, die sich nicht vor der ersten Einstellung von Orson Welles‘ „Im Zeichen des Bösen“ verstecken muss, eingeführt werden, ist, in ihrer erzählerischen Ökonomie grandios.), sondern ein psychologischer Thriller, in dem das Verhör, vor traumhafter Kulisse, schnell zu einem spannendem Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Polizisten und dem Verdächtigen, der einerseits zu harmlos und bieder für einen Revolutionär ist und andererseits zu gewitzt und aufmerksam für einen Reisekaufmann ist, entwickelt. Dabei scheint sich im Lauf des Sommertages sogar so etwas wie Freundschaft zwischen Georgis und dem Inspektor zu entwickeln; – oder ist das nicht auch wieder eine Finte in dem Verhör?

Denn beide wissen, dass dieses freundschaftliche Verhör nur das Vorspiel für ein Folterverhör ist.

Diese Ausgangssituation, in der das Folterregime eine neue, ihrem normalen Gehabe widersprechende und in der Durchführung ziemlich aufwendige Verhörstrategie ausprobieren will, wirkt allerdings etwas konstruiert und einige Twists in der zweiten Hälfte des Films kommen etwas zu plötzlich und wirken etwas zu weit hergeholt; – so als ob Peter Fleischmann, Jean-Claude Carrière und Martin Walser ihrer Prämisse, dem damit verbundenen Thema und den wechselnden Loyalitäten nicht genug vertrauten.

Die Vorlage für den Film ist der 1966 erschienene, mehrfach ausgezeichnete, nur noch antiquarisch erhältliche Roman „Der Fehler“ des Griechen Antonis Samarakis, der darin seine Erfahrungen im Widerstand gegen die Regierung des Generals Metaxas Anfang der 40er Jahre schrieb.

 

Fazit

 

Der dritte Grad“ ist ein mit damaligen Topstars grandios besetzter, vor einer traumhaften Kulisse spielender und mit der immer hörenswerten Musik von Ennio Morricone unterlegter Siebziger-Jahre-Politthriller. Diese absolut lohnenswerte Wiederentdeckung wurde nämlich nach der Kinoauswertung 1976 nur einmal, am 21. Juni 1981 im TV ausgestrahlt, und die VHS-Cassetten sind ebenfalls schon lange nicht mehr erhältlich.

Die jetzige DVD-Ausgabe hinterlässt allerdings ein zwiespältiges Gefühl. Denn, obwohl es eine internationale Produktion ist, findet sich nur die deutsche Tonspur auf der DVD. Der Rest, das Skizzenbuch von Carrière, Pressezitate zum Film und eine Fotogalerie, zeigen immerhin, dass sich bemüht wurde, etwas historische Bonusmaterial zu finden.

Der dritte Grad (La Faille, Deutschland/Frankreich/Italien 1974)

Regie: Peter Fleischmann

Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Martin Walser, Peter Fleischmann

LV: Antonis Samarakis: Der Fehler (1966)

mit Michel Piccoli, Ugo Tognazzi, Mario Adorf, Adriana Asti, Dimis Starenios

DVD

Arthaus

Bild: 1,66:1

Sprache: Deutsch (Mono DD)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Skizzenbuch von Jean-Claude Carrière; Pressezitate zum Film als PDF; Fotogalerie; Wendecover

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über Peter Fleischmann

Filmportal über Peter Fleischmann

The Guardian: Nachruf auf Antonis Samarakis


TV-Tipp für den 28. März: No Country for Old Men

März 28, 2011

ZDF, 22.15

No Country for Old Men (USA 2007, R.: Ethan Coen, Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005

Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.

Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).

Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Drehbuch „No Country for Old Men“ von Joel & Ethan Coen (28. November 2005)

Drehbuch „No Country for Old Men“ von Joel & Ethan Coen (Shooting Draft)

Film-Zeit über “No Country for Old Men”

Offizielle Webseite der Cormac-McCarthy-Gesellschaft

Time: Cormac McCarthy und die Coen-Brüdern reden über „No Country for Old Men“

Meine Besprechung der Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“


TV-Tipp für den 27. März: Pat Garrett jagt Billy the Kid

März 27, 2011

Als Teil des 3sat-Thementages „Wilde Western“ (unter anderem mit „Der Schatz des Gehenkten“, „Verrat in Fort Bravo“, „Rache für Jesse James“, „Der Teufelshauptmann“, „Der weite Ritt“ und „Leichen pflastern seinen Weg“)

3sat, 22.00

Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Rudolph Wurlitzer

Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.

Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans Knockin´ on heavens door fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.

Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)

Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.

Hinweise

Wikipedia über „Pat Garrett jagt Billy the Kid (deutsch, englisch)

Kriminalakte über Sam Peckinpah

Meine Besprechung von „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 26, 2011

Kaum ist der Alligator aus dem Urlaub zurück, hat er sich auch gleich meine TV-Krimi-Buch-Tipps (der Überblick über die demnächst laufenden Verfilmungen von Kriminalromanen) geschnappt und online gestellt:

In den kommenden beiden Wochen laufen die letzten beiden Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verdammnis“ und „Vergebung“ in den kürzeren Kinoversionen, Gordon Parks Ernest-Tidyman-Verfilmungen „Shaft“ und „Shaft – Liebesgrüße aus Pistolen“, Sam Peckinpahs „Pat Garrett jagt Billy the Kid“, Don Siegels Richard-Dougherty-Verfilmung „Nur noch 72 Stunden“, Charles Laughtons Davis-Grubb-Verfilmung „Die Nacht des Jägers“, René Clements Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Der aus dem Regen kam“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“, José Giovannis „Endstation Schafott“ und seine John-D.-Carrick-Verfilmung „Im Dreck verreckt“ und, als TV-Premiere, die grandiose Cormac-McCarthy-Verfilmung „No Country for Old Men“ der Coen-Brüder.


TV-Tipp für den 26. März: Police Python 357

März 26, 2011

MDR, 23.00

Police Python 357 (F/D 1976, R.: Alain Corneau)

Drehbuch: Daniel Boulanger, Alain Corneau

Die Story erinnert (unhöfliche Leute sagen: der Plot ist abgekupfert) natürlich an den Noir-Klassiker „Spiel mit dem Tod“: Die einsame Polizist Marc Ferrot verliebt sich in Sylvia, die Geliebte seines Vorgesetzten Ganay. Als der eifersüchtige Ganay sie ermordet, setzt er seinen besten Mann darauf an, den Nebenbuhler, der als Mörder hängen soll, zu finden. Erst langsam begreift Ferrot, dass er der gesuchte Nebenbuhler ist und alle Beweise auf ihn als Mörder deuten.

„Geschickt in Szene gesetzter Polizeithriller.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

„Police Python 357 ist eine stilistische Neuerung im Genre und beschwört zugleich dessen Traditionen. (…) Es ist der melancholische Rückblick des Genres auf seinen mythischen Helden, von dem es weiß, dass er nicht mehr zu retten ist.“ (Georg Seesslen: Copland)

Mit Yves Montand, Simone Signoret, Francois Périer, Stefania Sandrelli Mathieu Carrière, Vadim Glowna, Claude Bertrand

Hinweise

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Wahl der Waffen“

Mein Nachruf auf Alain Corneau