Neu im Kino/FIlmkritik: Schön war „My Week with Marilyn“ Monroe

April 19, 2012

My Week with Marilyn“ Monroe liefert einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten für die Laurence-Olivier-Marilyn-Monroe-Schmonzette „Der Prinz und die Tänzerin“ (The Prince and the Showgirl, USA 1957) und einen Blick in die Anfänge des Superstartums. Denn obwohl Sir Laurence Olivier damals ein hoch geachteter Schauspieler war, war Marilyn Monroe als Sexbombe der Liebling der Massen und des Boulevards. Egal wo sie auftauchte, schnell wurde sie von Fans und Fotografen belagert. Und das war in den fünfziger Jahren, als es noch keine Paparazzi gab. Jedenfalls nannte erst Frederico Fellini sie in „Das süße Leben“ so.

Sogar heute, fünfzig Jahre nach ihrem Tod am 5. August 1962, ist die am 1. Juni 1926 als Norma Jeane Baker geborene Schauspielerin und Sängerin immer noch allgemein bekannt.

Mitte der Fünfziger versuchte Marilyn Monroe, die damals mit Arthur Miller verheiratet war, endlich als ernsthafte Schauspielerin anerkannt zu werden. Mit ihrer Produktionsfirma (was in „My Week with Marilyn“ nicht thematisiert wird) beteiligte sie sich an der Verfilmung eines Bühnenstücks von Terence Rattigan, die in England im Sommer 1956 mit ihr in der Hauptrolle in den Pinewood Studios entstehen sollte. „Der Prinz und die Tänzerin“ ist eine Schmonzette, die nicht mehr als zwei Stunden anspruchslose Unterhaltung liefern sollte. Laurence Olivier wurde als Hauptdarsteller und Regisseur engagiert.

Schnell prallten die verschiedenen Schauspielerhaltungen aufeinander. Olivier gehörte noch zur alten Schule. Die Lee-Strasberg-Schülerin Monroe versuchte mit der Hilfe von Paula Strasberg als ihrer immer anwesenden Schauspiellehrerin sich in die Rolle hineinzufühlen. Was schon etwas absurd ist, weil sie damit eine Tiefe in einer Rolle suchte, die eben diese Tiefe nicht hatte und sie hätte sich sicher, um als Schauspielerin zu glänzen, eine anspruchsvollere Rolle aussuchen können. Außerdem zweifelte sie an sich, war alkohol- und tablettensüchtig, launenhaft und bei den Dreharbeiten extrem unzuverlässig. Immer wieder mussten alle anderen auf sie warten. Am Ende dauerten die Dreharbeiten sechs Monate.

Colin Clark, der später als Dokumentarfilmer eine beachtliche Karriere hatte, war damals der „Dritte Assistent“, was eine höfliche Umschreibung für „Mädchen für alles“ oder „Laufbursche“ ist. So konnte er die Dreharbeiten beobachteten und überall hingehen. Denn es gehörte zu seinen Aufgaben, überall und nirgends zu sein. Später schrieb er zwei Bücher darüber: „The Prince, the Showgirl and Me“ (1995) über die Dreharbeiten und „Meine Woche mit Marilyn“ (My Week with Marilyn, 2000) über einen mehrtägigen Ausflug aufs Land, den er mit Marilyn Monroe unternahm und er sich auch in sie verliebte.

Für den Film wurde selbstverständlich der publikumsträchtigere Titel gewählt, aber im Film geht es – zum Glück! – vor allem um die Dreharbeiten und dieser Einblick ist bestes britisches Kino. Ein pointiertes Drehbuch von Adrian Hodges („Tom & Viv“, „Metroland“, „Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster“, „Survivors“, „Rome“, um nur die auch bei uns bekannten Werke zu nennen), in dem die verschiedenen Charaktere scharfzüngig aufeinanderprallen. Regisseur Simon Curtis, der bereits viele englische TV-Filme und Serien inszenierte, die bei uns nicht gezeigt wurden, inszenierte „My Week with Marilyn“ angenehm altmodisch, indem er auf modischen Schnickschnack verzichtet und alles in den Dienst der Geschichte stellt. Das erstklassige Ensemble hat viele Gelegenheiten für grandiose Auftritte und der genaue Blick für die Details, die einen tiefen Blick in die unterschiedlichen Mentalitäten und die damaligen Arbeitsbedingungen an einem Filmset geben, macht diese Coming-of-Age-Geschichte auch zu einer kleinen Geschichtsstunde.

My Week with Marilyn (My Week with Marilyn, GB/USA 2011)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Adrian Hodges

LV: Colin Clark: My Week with Marilyn

mit Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Dominic Cooper, Philip Jackson, Derek Jacobi, Toby Jones, Michael Kitchen, Julia Ormond, Zoë Wanamaker, Emma Watson, Judi Dench

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „My Week with Marilyn“

Rotten Tomatoes über „My Week with Marilyn“

Wikipedia über „My Week with Marilyn“ (deutsch, englisch)

Und jetzt noch drei MM-Bilder, aus dem Film

und der Trailer zum Film, dessen Entstehungsgeschichte in „My Week with Marilyn“ erzählt wird


Neu im Kino/Filmkritik: Die Janet-Evanovich-Verfilmung „Einmal ist keinmal“

April 19, 2012

Als die Actionkomödie „Einmal ist keinmal“ mit Katherine Heigl als Kopfgeldjägerin Stephanie Plum in den US-Kinos startete, wurde sie von den US-Kritikern regelrecht geschlachtet.

Als ich den Film sah, fragte ich mich, woher dieser Hass auf den Film kam. Denn obwohl „Einmal ist keinmal“ wahrlich kein Meisterwerk ist, versucht er auch nicht mehr zu sein, als eine kleine, launige Actionkomödie, die wie ein hoch budgetierter TV-Serienpilot wirkt, der irrtümlich im Kino läuft. Denn Regisseurin Julie Anne Robinson stellt in ihrer Verfilmung des ersten Stephanie-Plum-Krimis, wie auch Janet Evanovich in ihrem Roman, ausführlich Stephanies Familie, die Kautionsagentur ihres Vetters Vinnie samt leicht schrägem Personal und ihren künftigen Freund vor. Dieser ist Polizist, soll eine Frau ermordet haben und ist untergetaucht.

Für Stephanie, die händeringend einen Job sucht und deshalb notgedrungen bei Vinnie anheuert, wäre das Kopfgeld von 50.000 Dollar (im Buch 10.000 Dollar), wenn sie Joe Morelli bei der Polizei abliefert, das Ende ihrer Geldsorgen. Dass Morelli sie vor Jahren betrogen hat, stachelt ihren Jagdeifer zusätzlich an. Ohne einen Plan und ohne irgendetwas über die Arbeit zu wissen, aber mit einem losen Mundwerk, macht sie sich in ihrer Heimatstadt Trenton, New Jersey, auf die Jagd.

Der Film folgt dem vor fast zwanzig Jahren erschienenem Roman erstaunlich genau und ist sogar witziger als der Roman. Denn der ist eine ziemlich dröge Mischung aus Romanze und Krimi, mit einer sich mir nicht erschließenden humoristischen Note.

Dagegen ist die Verfilmung, tief in den achtziger Jahre steckend, ziemlich kurzweilig-nette Unterhaltung für Zwischendurch, die nie behauptet mehr zu sein als eine kleine Actionkomödie mit einem vernachlässigbaren Krimiplot voller Unwahrscheinlichkeiten und viel Romantic.

Einmal ist keinmal (One for the Money, USA 2012)

Regie: Julie Anne Robinson

Drehbuch: Stacy Sherman, Karen Ray, Liz Brixius

LV: Janet Evanovich: One for the Money, 1994 (Einmal ist keinmal)

mit Katherine Heigl, Jason O’Mara, Daniel Sunjata, John Leguizamo, Sherri Shepherd, Debbie Reynolds

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage, jetzt mit neuem Cover

Janet Evanovich: Einmal ist keinmal

(übersetzt von Regina Rawlinson)

Goldmann, 2012

288 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Goldmann, 1996

Taschenbuchausgabe

Goldmann, 1997

Originalausgabe

One for the Money

Scribner’s, New York 1994

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Einmal ist keinmal“

Rotten Tomatoes über „Einmal ist keinmal“

Wikipedia über „Einmal ist keinmal“

Homepage von Janet Evanovich

Deutsche Homepage von Janet Evanovich

Krimi-Couch über Janet Evanovich

Wikipedia über Janet Evanovich (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Stephanie Plum 

Meine Besprechung von Janet Evanovichs „Kuss mit lustig“ (Fearless Fourteen, 2008)

 


TV-Tipp für den 19. April: Nachtschicht: Tod im Supermarkt

April 19, 2012

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Tod im Supermarkt (D 2006, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Dieses Mal sucht das Nachtschicht-Team den Mörder eines Supermarkt-Wachmanns.

Dritter Nachtschicht-Krimi, der auf seiner Plus-Seite zahlreiche ironische Anspielungen und gute Schauspieler, auf der Minus-Seite einen nicht sonderlich logischen Whodunit verbucht. Und dabei waren die ersten beiden Nachtschicht-Filme gerade weil sie die Whodunit-Stereotypen vermieden gut.

Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken, Minh-Phai-Thi, Marie Bäumer, Devid Striesow

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte