Neu im Kino/Filmkritik: „Das Leben gehört uns“ feiert das Leben

basierend auf einer wahren Geschichte“ wurde in den letzten Jahren zu der inflationären Floskel bei Spielfilmen, um der Geschichte einen Hauch von Glaubwürdigkeit zu geben; auch wenn die wahre Geschichte anders war.

Auch der französische Spielfilm „Das Leben gehört uns“ basiert auf einer wahren Geschichte. Nämlich der Geschichte von einem jungen Ehepaar und ihrem Kind, dem mit 18 Monaten Krebs diagnostiziert wurde. Die Ärzte räumen dem Kind sehr geringe Überlebenschancen ein.

Selbstverständlich hoffen die Eltern, das ihr Kind überlebt und sie begeben sich, von einem Krankenhaus zum nächsten, auf eine Odyssee durch das Gesundheitssystem.

So weit, so konventionell.

Aber „Das Leben gehört uns“ wurde von Valérie Donzelli inszeniert, die auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielt, und sie erzählt, basierend auf ihren Tagebüchern, die Geschichte ihres Sohnes Gabriel, der im Film Adam heißt und sich heute kerngesund ist. Ihr Ehemann und Gabriels Vater Jérémie Elkaïm schrieb ebenfalls am Drehbuch mit und übernahm die Rolle des oft als überfordert und so ziemlich verantwortungslos erscheinendem Filmvater.

Sie zeichnen in ihrem Film ein ziemlich ungeschminktes Porträt einer jungen Familie, die den Kampf gegen den Krebs und um ihr Kind aufnimmt. Denn plötzlich müssen sie ihr gesamtes Leben umstellen. Anstatt zu arbeiten und Karriere zu machen, sitzen sie in Krankenhäusern.

In gewisser Weise ist dieser Film autobiographisch, weil Jérémie und ich ein Kind haben, das schwer krank wurde. Die Fakten liegen sehr nah an dem, was wir durchgemacht haben, dennoch erzählt der Film nicht unsere Geschichte“, sagt Valérie Donzelli im Presseheft.

Ihr Mann Jérémie Elkaïm ergänzt: „Dass wir uns dann in dieses Projekt gestürzt haben, lag daran, dass unser Sohn im wirklichen Leben geheilt wurde. Wir dachten, dass wir etwas Wundervolles mit den Zuschauern teilen können. Der Gedanke, dass wir das Böse loswerden, um etwas Gutes zu teilen, machte das Projekt verlockend. Der Wunsch, über das Kino eine ideale Version des Lebens zu vermitteln, ist etwas, das Valérie und mich sehr stark verbindet.“

Der teils mit Laien gedrehte Film ist auch eine Danksagung an das staatliche Gesundheitssystem und den Sozialstaat. Denn einerseits – und zu Recht – vertrauen Juliette und Roméo (so heißen die Eltern im Film) darauf, dass Adam eine gute und angemessene Behandlung erfährt, andererseits stehen sie deswegen und obwohl sie nicht mehr berufstätig sein können, nicht vor dem finanziellen Ruin.

Und es ist eine kraftvolle Liebeserklärung an das Leben, den Durchhaltewillen und den Glauben einer Familie aneinander und eine großes, unpathetisches Danke-Schön an die Menschen, die sich über viele Jahre in verschiedenen Krankenhäusern um ihren Sohn Gabriel kümmerten und die auch bei den Dreharbeiten mithalfen.

Das alles wird von Donzelli in einer typisch französischen Mischung, mit klug gewählten Stilbrüchen und einem improvisiert-dokumentarischem Touch, präsentiert, die sich selbstbewusst in die Tradition der Nouvelle Vague stellt, die persönliche Geschichten publikumswirksam erzählen wollte. Das gelingt „Das Leben gehört uns“.

Das Leben gehört uns (La Guerre est déclarée, Frankreich 2011)

Regie: Valérie Donzelli

Drehbuch: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm

mit Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, César Desseix, Gabriel Elkaïm, Brigitte Sy, Elina Löwensohn, Michèle Moretti, Philippe Laudenbach, Bastien Bouillon, Béatrice De Staël, Anne Le Ny, Frédéric Pierrot, Elisabeth Dion

Länge: 100 Minuten

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Das Leben gehört uns“ (englisch, französisch)

Rotten Tomatoes über „Das Leben gehört uns“

Film-Zeit über „Das Leben gehört uns“

Allocine über „Das Leben gehört uns“

 

taz: Interview mit Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm


One Response to Neu im Kino/Filmkritik: „Das Leben gehört uns“ feiert das Leben

  1. Jochen sagt:

    Ein sehr schöner Film, der verspielt mit der Ernsthaftigkeit des Lebens umzugehen weiß und dabei nicht über die Stränge schlägt. Dies ist soweit der zweite französische Film in diesem Jahr, der mit seinen ganz eigenen Charme überzeugt und den Zuschauer für sich gewinnt. Der Film hat einfach alles was das Herz begehrt mit der richtigen Prise französischem Humor, ohne die sonst so einnehmende Melodramatik, die Filme mit ähnlicher Handlung sonst benutzen.

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