Neu im Kino/Filmkritik: „Belle“ und das Biest im Cyberspace

‚Die Schöne und das Biest‘ für die Generation TikTok“ lautet der Werbespruch für „Belle“. Das klingt jetzt zuerst einmal abschreckend. Allerdings ist „Belle“ ein Animationsfilm, der vom japanischen Animationsstudio Chizu produziert wurde, das einen ausgezeichneten Ruf hat. Sozusagen, im Werbesprech, das japanische Pixar.

Die von „Belle“-Regisseur Mamoru Hosoda („Miral – Das Mädchen aus der Zukunft“, „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“) erfundene Geschichte interpretiert die bekannte Geschichte von der Schönen und dem Biest neu.

Die Schöne ist die schüchterne siebzehnjährige Suzu. Sie lebt zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf. Seit dem Tod ihrer Mutter vermeidet sie, so gut es geht, jeden Kontakt zu anderen Menschen. Und sie kann nicht mehr singen.

Als sie sich auf „U“ anmeldet, ändert sich ihr Leben. „U“ ist eine virtuelle Welt mit fünf Milliarden Nutzern (bei aktuell acht Millliarden Menschen weltweit ist das eine beachtliche Nutzerzahl). Die Avatare werden in dieser Welt nicht von den Benutzern ausgewählt, sondern aufgrund der biometrischen Daten und der wahren Persönlichkeit der Anmeldenden errechnet. In U wird das Mauerblümchen zu Belle. Als sie beginnt zu singen, begeistert sie sofort die anderen User. In U wird sie immer bekannter. Alle lieben sie.

Da taucht das Biest auf. Es ist ein böser Avatar, der alles zerstört und für Chaos sorgt. Trotzdem sieht Suzu in ihm eine ähnlich verletzte Seele. Sie will ihm helfen. In U und, mit ihren Freunden, in der realen Welt.

Diese beiden Welten sind in „Belle“ auch optisch getrennt. Die reale Welt besteht aus handgemalten japanischen Landschaften. Die virtuelle Welt ist computeranimiert. Sie ist kälter, technischer und hat andere Farben. Diese Welt erinnert an virtuelle Welten, wie wir sie aus Cyberpunkt-Filmen, wie den „Matrix“-Filmen, und Science-Fiction-Animes, wie „Ghost in the Shell“ kennen. Wobei Hosoda die positiven Möglichkeiten des Cyberspace betont. Daher sind seine Bilder von U sehr bunt und freundlich.Das Erzähltempo und die Schnittgeschwindigkeit sind, im Gegensatz zu dem TikTok-Werbespruch, gemächlich und mit zwei Stunden ist der Film ziemlich lang geraten.

Die Story selbst folgt gelungen den Konventionen eines Liebesfilms und Popmärchens, ohne dies bis zum letzten Detail zu kopieren. Das wird besonders deutlich am Filmende, wenn es darum geht, die Identität vom Biest zu enthüllen.

Vor allem pubertierende Mädchen dürften begeistert sein.

Belle (Ryū to Sobakasu no Hime, Japan 2021)

Regie: Mamoru Hosoda

Drehbuch: Mamoru Hosoda

mit (im Original den Stimmen von) Kaho Nakamura, Ryō Narita, Shōta Sometani, Tina Tamashiro, Lilas Ikuta, Ryōko Moriyama

mit (in der deutschen Fassung den Stimmen von) Lara „Loft“ Trautmann, nico Sablik, Tim Schwarzmaier, Laura Oettel, Lea Kalbhenn, Patrick Baehr, Julia Biedermann

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Japanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Belle“

Metacritic über „Belle“

Rotten Tomatoes über „Belle“

Wikipedia über „Belle“ 

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