Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.
Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)
Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry
Einige nichtsnutzige Jugendliche, die in einem heruntergekommenen Gemeinschaftszentrum (Gibt es auch andere?) ihre Sozialstunden ableisten müssen, werden während eines Gewitters von einem Blitz getroffen und entwickeln Superkräfte.
Klingt doch gut?
Aber nach der ersten Folge der BBC-Serie „Misfits“ wollte ich mir die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel nicht mehr ansehen. Denn die deutsche Synchronisation, so ein pseudo-hipper Pseudo-Nord-Neukölln-Assi-Slang, vergällte mir jede Lust.
Dann sah ich mir die zweite Folge im Original an und es war besser. Jedenfalls klang der Slang natürlicher und es entwickelt sich auch der Beginn einer folgenübergreifenden Geschichte. Denn nicht nur die fünf Straftäter, sondern auch andere Menschen hatten neue Kräfte bekommen.
Aber gerade dieser Strang wird von Autor Howard Overmann, der die Serie erfand und alle Drehbücher schrieb, nicht weiterverfolgt. Die Superkräfte, – die da wären: eine kann Gedanken lesen, eine kann durch Berührung Männer in sie begehrende Sexbestien verwandeln, einer kann in die Zukunft sehen und sie verändern, einer kann sich unsichtbar machen und das Plappermaul der Gruppe weiß bis zum Ende der ersten Staffel nicht, was für eine Superkraft er hat -, spielen in den meisten Folgen keine oder nur eine marginale Rolle. Ein Gimmick eben.
Stattdessen entwickelt sich ein halbgarer Krimi. Denn in der ersten Folge wird der Bewährungshelfer der Jugendlichen durch das Gewitter zu einer von einem Wut-Virus infizierten Bestie, die die Jugendlichen umbringen will. Sie sind schneller und vergraben die Leiche unter einer Autobrücke. In der zweiten Folge taucht die Freundin des Toten als ihre neue Betreuerin auf. Sie will herausfinden, was mit ihrem Freund geschah und sie glaubt, dass die Jugendlichen etwas damit zu tun haben.
Neben dem Krimiplot erfahren wir in den einzelnen Folgen etwas über die Wünsche und Sehnsüchte unserer jugendlichen Outcasts. Aber das alles könnte auch gut, wahrscheinlich sogar besser, ohne das Superkräfte-Gedöns gezeigt werden. Denn meistens spielen ihre neuen Kräfte keine entscheidende Rolle für die Geschichte. Auch die potentiellen Konflikten zwischen den Wünschen der Jugendlichen, die nur ihr Vergnügen wollen, und dem allseits bekanntem Superheldenethos, der aufgrund seiner Kräfte die Welt zu einem besseren Ort machen muss (Spider-Man!), werden höchstens gestreift. Es gibt daher auch keine Kämpfe gegen andere Superhelden. Sogar in der letzten Episode, in der eine Sekte Jugendliche zu einem tugendhaftem Leben verführt (naja, genaugenommen manipuliert deren Anführerin mit ihrer gedankenverhexenden Superkraft die Menschen dazu), könnte locker ohne die Superkräfte der „Misfits“ auskommen.
Insofern war ich, trotz einiger Lacher, schwer enttäuscht von den „Misfits“.
P. S.: Die Freigabe der FSK „ab 18 Jahre“ bezieht sich nur auf die zweite Folge. In der hat einer der Jugendlichen Sex mit einer Frau, deren Superkraft ist, dass sie sich wieder in eine junge Schönheit verwandeln kann. Das führt beim Sex zu einem für den Jungen schockierendem Erlebnis. Aber ob wirklich etwas nackte Haut der Grund für die FSK-18 war, weiß ich nicht.
Jedenfalls wurde so eine Serie für Jugendliche zu einer Serie gemacht, die von Jugendlichen nicht gesehen werden kann, und im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr (die FSK-18-Folge noch später) gezeigt werden kann.
Misfits – Staffel 1 (Misfits, GB 2009)
Regie: Tom Green (Episode 1, 2,4), Tom Harper (Episode 3, 5, 6)
Drehbuch: Howard Overman
Erfinder: Howard Overman
mit Antonia Thomas (Alisha Bailey), Robert Sheehan (Nathan Young), Lauren Socha (Kelly Bailey), Iwan Rheon (Simon Bellamy), Nathan Stewart-Jarrett (Curtis Donovan), Alex Reid (Sally)
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DVD
Polyband
Bild:16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Simon’s Films, The Making of Misfits, Wendecover
Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.
Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.
„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.
mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin
„Lady Vegas“ basiert auf der ‚Biographie‘ „Lay the Favorite: A Memoir of Gamblin“ von Beth Raymer und die Geschichte hat auch etwas: da macht sich eine Kleinstadtstripperin (Rebecca Hall) aus Florida auf nach Las Vegas, um dort als Kellnerin in einer Cocktailbar ihr Glück zu versuchen. Von dem Job hat sie keine Ahnung; was auch egal ist, weil diese Jobs in Las Vegas nur an Gewerkschaftsmitglieder vergeben werden und sie daher keine Chance hat. Über eine Empfehlung stolpert sie in das Büro von Dink Heimowitz (Bruce Willis) und er ist begeistert von ihrem Talent für Zahlen. Denn Dink verdient mit Wetten sein Geld.
Beth wird, unter den fürsorglichen Händen der Zockerlegende, zu, so der Werbetext, „einer der besten Buchmacherinnen der Wettbranche“.
Das ist doch ein gut abgehangener Plot, der in einem faszinierendem Milieu vor einer prächtigen Kulisse erzählt wird.
Was kann da schief gehen?
Nun, schon während der ersten Begegnung von Beth (Rebecca Hall) und Dink (Bruce Willis), sagt Dink, dass er zufrieden sei, wenn er mehr gewinne als verliere. Damit ist das hier betriebene professionelle Glücksspiel ein Job, der zwar mit großen Emotionen (wenn sie in Dinks Büro ein im Fernsehen laufendes Pferd anfeuern als ginge es um das Abwenden des Weltuntergangs) einhergeht, aber auch nicht sonderlich riskant ist. Immerhin gewinnt Dink auf lange Sicht genug, um sich, seinen beiden Mitarbeitern (die er ungefähr im Wochentakt feuert und wieder einstellt) und seiner Frau Tulip (Catherine Zeta-Jones, die als Hausdrache eifersüchtig über Dink wacht) ein luxuriöses Leben zu sichern.
Es geht also um nichts. Es gibt keine existentielle Bedrohung für die Charaktere. Sie lassen sich alle von der einen Wette zur nächsten treiben. Sie ergreifen eine Chance, wenn sie sich bietet und sie dafür kein allzu großes Risiko, hm, ein überschaubares Risiko, ach, eigentlich überhaupt kein Risiko, eingehen müssen.
Und auch wenn Beth gegen Ende in New York bei Rosie (Vince Vaughn), dem sehr großmäuligem und aus dramaturgischen Gründen von Drehbuchautor D. V. DeVincentis (auch Autor des Frears-Films „High Fidelity“) erfundenem Gegenstück zu Dink, ihr Glück versucht und in einen ziemlichen Schlamassel gerät, aus dem sie dann doch arg einfach und mit der bereitwillig und selbstlos gewährten Hilfe von Dink, seiner Frau und seinen Angestellten (also Beths neuer Familie) herauskommt, dient der Lärm, die fast immer hoffnungslos übertriebenen Emotionen der Schauspieler, nur dazu, die Leere des Drehbuchs zu übertünchen. Aber das gelingt nicht.
Vor allem die ständige Überdrehtheit von Rebecca Hall nervt. Sie kreischt und quieckt sich durch den Film, als würde sie nach Lautstärke bezahlt werden. Mich nervte dieses Gehabe schon nach fünf Minuten und in einem Lokal würde ich möglichst schnell vor so einer Person flüchten.
Dass „Lady Vegas“ sich dann auch nie entscheiden kann, ob es ein Drama, eine Komödie oder eine Milieustudie sein will, führt dazu, dass die Genres und Stile sich gegenseitig im Weg stehen und so eine undramatisch-unwitzige vor sich hin plätschernde Dramedy entstand, die definitiv nicht zu Stephen Frears besten Arbeiten, wie „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Gefährliche Liebschaften“, „The Grifters“ (nach einem Roman von Jim Thompson und einem Drehbuch von Donald E. Westlake) und „Die Queen“, gehört.
Lady Vegas (Lay the Favorite, USA/GB 2012)
Regie: Stephen Frears
Drehbuch: D. V. DeVincentis
LV: Beth Raymer: Lay the Favorite: A Memoir of Gambling, 2010
mit Rebecca Hall, Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson, Laura Prepon, Frank Grillo, Wayne Pére, John Carroll Lynch, Corbin Bernsen
Die Verachtung (Frankreich/Italien 1963, R.: Jean-Luc Godard)
Drehbuch: Jean-Luc Godard
LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)
Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben ihm, seine Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.
Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.
mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard
In der von Lax gezeichneten Version von Donald E. Westlakes erstem John-Dortmunder-Krimi „Finger weg vom heißen Eis“ (The Hot Rock, 1970), die in den USA unter Comic-Crime laufen und was bei uns nur unzulänglich als „witziger Kriminalroman“, „Krimikomödie“ oder „Krimihumoreske“ übersetzt wird, fällt auf, was für einen ausgefuchsten Plot Donald E. Westlake unter all den Lachern gut verborgen hat.
Westlake erfand John Dortmunder, als er als Richard Stark einen neuen Parker-Roman schreiben wollte. Den Plot hatte er auch schon: Parker muss einen Gegenstand mehrmals klauen. Aber Parker klaut nichts mehrmals. Er ist der Profi, der seinen Plan gnadenlos durchzieht und mit einer solchen Geschichte würde er sich zum Affen machen.
Auftritt: John Dortmunder, New Yorker, Einbrecher, Mastermind einer kleinen Gruppe Gesetzesbrecher, die bei ihren Verbrechen regelmäßig vom Pech verfolgt sind.
In „The Hot Rock“ sollen sie, im Auftrag von Major Iko, dem UN-Botschafter von Talabwo, den Smaragd von Talabwo, der in den Händen eines anderen Stammes ist, klauen. Dieser wertvolle Stein wird einige Tage in einem New Yorker Museum ausgestellt. Für den Einbruch spricht, dass sie einen Abnehmer haben und es nach einem leichten Bruch aussieht. Dagegen spricht, nun, der Kontrollwahn ihres Auftraggebers und seine fast schon unendliche Geizigkeit.
Bei dem Einbruch gibt es ein kleines Problem und Greenwood wird mit der Beute erwischt. Die anderen können entkommen.
Das ist die Initialzündung für eine Serie von weiteren, von John Dortmunder minutiös geplanten Einbrüchen, – in ein Gefängnis, in eine Hochsicherheitsklinik für betuchte Irre, eine Bank und in eine Polizeistation -, und immer kämpfen sie mit der Tücke des Objekts, die Dortmunders ausgefuchste Pläne regelmäßig in einem Desaster enden lässt.
Während man bei den Dortmunder-Romanen von einem Lachanfall zum nächsten liest (weshalb man diese Krimis auch nicht in der Öffentlichkeit lesen sollte) und auch die Verfilmung „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The Hot Rock, USA 1971) von Peter Yates mit Robert Redford und George Segal eine kurzweilige Krimikomödie ist, ist der Comic wesentlich unwitziger. Dafür arbeitet Lax (das Pseudonym von Christian Lacroix) deutlicher heraus, wie ausgefuchst der von Donald E. Westlake erfundene Plot ist. Einige Lacher gibt es auch.
Nur dass aus Dortmunder bei Lax „Dort’“ wird, hätte nicht sein müssen. Denn Dortmunder ist, wie die Biersorte, Dortmunder.
Nach „The Hot Rock“ schrieb Westlake dreizehn weitere Dortmunder-Romane und einige Kurzgeschichten, die in „Thieves‘ Dozen“ gesammelt sind. Die ersten Dortmunder-Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt. Empfehlenswert sind sie alle; – wie auch Laxs „The Hot Rock“, das in er uneingeschränkt empfehlenswerten Noir-Reihe von Schreiber & Leser erschien.
Wenn man heute von „Scarface“ redet, dürften die Meisten an Brian De Palmas gleichnamigen Gangsterfilm von 1983 mit Al Pacino in der Hauptrolle denken. Dabei ist der Film, je nach Blickwinkel ein Remake oder ein zeitgemäßes Update von Howard Hawks Klassiker „Scarface – Shame of the Nation“ (tja, den Zensoren, die viele Probleme mit dem Film hatten, musste man im Untertitel genau sagen, was von dem Gangster zu halten ist) von 1932 und dem sich etwas altertümlich lesendem Roman von Armitage Trail. In „Scarface“ erzählten sie, wie viele andere Autoren und Regisseure, von dem damals in den USA tobendem Gangsterkrieg. Das reale Vorbild für „Scarface“ war Al Capone, dessen Spitzname sogar „Scarface“ war. Der Roman und die Verfilmung begründeten, zusammen mit „Little Caesar“ (nach einem Roman von W. R. Burnett) und „The Public Enemy“, den Mythos des modernen Gangsters und seinen Wandel im öffentlichen Bewusstsein zur Popikone. Erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mannes, der aus kleinen Verhältnissen kommt und zum mächtigen Gangsterboss wird.
Christian De Metter, der auch von Dennis Lehanes „Shutter Island“ eine grandiose Comicversion erschuf, nahm sich jetzt Armitage Trails Roman vor. Deshalb sehen wir auch nicht das legendäre Filmende, in dem Scarface schwer verwundet auf die Straße taumelt, zusammenbricht, stirbt und die Kamera nach oben zur Leuchtreklame „The World is yours“ schwenkt. De Metter erzählt die Geschichte von Tony Camonte in kurzen, knalligen, fast schon atemlosen Szenen von seiner Jugend über die ersten Jahre als Kleingangster, wie er im 1. Weltkrieg im Gefecht die Narbe erhielt, die ihm den Spitznamen „Scarface“ (Narbengesicht) verpasste, wie er nach dem Krieg erfahren muss, dass sein alter Boss tot ist und er unter neuem Namen zum die Stadt beherrschenden Gangsterboss aufsteigt. Doch schon während des Aufstiegs legt er das Fundament für sein Ende, das nur ein Tod im Kugelhagel der Polizei sein kann.
Als Gegengewicht zu Camontes unstetem Leben, was in einer sehr episodischen Erzählweise mündet, hat Christian De Metter die Panels streng, fast wie in einem der damals populären Comicstrips, bis auf drei Ausnahmen, immer mit drei Bildzeilen pro Seite, angeordnet.
Ein feiner Comic.
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Christian De Metter/Armitage Trail: Scarface
(übersetzt von Resel Rebiersch)
Schreiber & Leser, 2012
112 Seiten
21,80 Euro
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Originalausgabe
Scarface
Casterman/Payot & Rivages, 2011
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Vorlage
Armitage Trail: Scarface
Clode, 1930
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Deutsche Erstausgabe
Scarface
DuMont Noir 14, 1999
(nur noch antiquarisch erhältlich)
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Verfilmung
Scarface (Scarface – Shame of the Nation, USA 1932)
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Ben Hecht
mit Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins, George Raft, Boris Karloff
Belle de jour – Schöne des Tages (F/I 1967, R.: Luis Buñuel)
Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière
LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)
Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.
Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.
Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page
Die International Association of Media Tie-In Writers (IAMTW) hat die diesjährigen Scribe Awards auf der San-Diego-Comic-Con vergeben. Der Scribe Award ehrt gute Filmromane und auf TV-Serien und Filmen bestehende Romane. Denn immer noch werden diese „Romane zum Film“, obwohl sie teilweise von bekannten Autoren geschrieben sind, als hingeschluderte Literatur verachtet.
Die Preisträger sind:
GENERAL FICTION/BEST ORIGINAL NOVEL
MIKE HAMMER: KISS HER GOODBYE von Max Allan Collins & Mickey Spillane
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SPECULATIVE FICTION/BEST ORIGINAL NOVEL
DUNGEONS & DRAGONS – FORGOTTEN REALMS: BRIMSTONE ANGELS von Erin M. Evans
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BEST ADAPTATION GENERAL OR SPECULATIVE
COWBOYS & ALIENS von Joan D. Vinge
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BEST YOUNG ADULT
THUNDERBIRDS: EXTREME HAZARD von Joan Marie Verba
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BEST AUDIO
MIKE HAMMER: ENCORE FOR MURDER von Max Allan Collins & Mickey Spillane
Die Jacob Sisters und Insterburg & Co. machen Kreuzberg unsicher.
Extrem selten gezeigter Szeneklamauk des Berliners Ulrich Schamoni (9. November 1939 – 9. März 1998), der auch „Es“, einen der Klassiker des Neuen Deutschen Films, drehte.
„Schamoni zeigt das Berlin unserer Tage und beschwört dabei das Bild einer heimeligen friedlichen Stadt. Politischer Zündstoff wird mühelos in dieses Bild integriert. Das gelingt Schamoni, indem er gesellschaftliche Tatbestände ihrer Zusammenhänge beraubt, sie zu bloßen Phänomenen reduziert.“ (Klaus Bädekerl, Filmkritik, 1969)
„Eine peinliche Aneinanderreihung flauer, kabarettistisch gemeinter Gags mit der damals populären Band ‚Insterburg & Co.‘ – einer Komiker-Truppe, die aus de rebellischen 68er-Stimmung kräftig Kapital schlug und als Trittbrettfahrer bei der Studentenbewegung mitfuhr.“ (Lexikon des internationalen Films)
Der Film erhielt den Ernst-Lubitsch-Preis – und Karl Dall machte später jeden Scheiß mit.
mit Ingo Insterburg, Karl Dall, Jürgen Barz, Peter Ehlebracht, Johanna Jacob, Eva Jacob, Hannelore Jacob, Rosi Jacob, Rainer Basedow
Viktor Kärppä ist zurück und, wie seine vorherigen vier Abenteuer, unterscheidet sich „Zeit des Verrats“ angenehm vom tiefsinnig-trüben skandinavischen Krimi-Mainstream-Einerlei mit depressiven Ermittlern und erhöhtem Alkoholgenuss.
Obwohl auch in „Zeit des Verrats“ ordentlich gebechert wird. Viktor Kärppä, den wir in „Der Grenzgänger“ als Privatdetektiv mit farbiger Vergangenheit, militärischer Spezialausbildung, daher guten Sowjet-Geheimdienstkontakten, viel zu guten Beziehungen in das kriminelle Milieu diesseits und jenseits des nicht mehr existierenden Eisernen Vorhangs und entsprechenden kriminellen Verwicklungen, kennen lernten, ist jetzt endgültig zum Bauunternehmer geworden.
Während eines feucht-fröhlichen Abends wenige Kilometer hinter der russischen Grenze, mit Saunabesuch und Geschäftsangeboten von Typen, mit denen er nichts zu tun haben will, wozu auch ein wenig vertrauenswürdiger Militärkamerad gehört, deponieren sie in seinem Auto vier Metallröhrchen.
Als er in seiner Garage sein Auto durchsucht, entdeckt Kärppä die Röhrchen eher zufällig. Er hat keine Ahnung, was sie enthalten. Aber er vermutet, immerhin gehörten die Russen, mit denen er den Saunaabend verbrachte, in das Halbweltmilieu zwischen Mafia, Geheimdienst und Weißer-Kragen-Kriminalität, und die finnische Polizei beobachtet ihn, dass es etwas mit dem demnächst anstehenden Besuch des russischen Präsidenten zu tun hat und er gar nicht so genau wissen will, was drin ist.
Während Kärppä versucht mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen, will er auch seinen Schnitt machen.
Matti Rönkä erzählt auch seinen neuesten Viktor-Kärppä-Krimi im lakonischen Hardboiled-Stil. Seine Charaktere sind angenehm verkommen und herrlich frei von jeglichem Weltschmerz. Die Story gewinnt dem altbekannten Ein-Mann-verhindert-einen-Anschlag-auf-den-Präsidenten-Plot etliche neue Facetten ab. Denn obwohl Kärppä den Anschlag verhindert, falls überhaupt ein Anschlag geplant war, geht es in „Zeit des Verrats“ viel mehr um Freundschaft, Verrat, Intrige, Gegenintrige und wer wen am Ende besser aufs Kreuz legen kann.
Heute sind sie ein großes Geschäft. Hollywood benutzt für seine Blockbuster gerne Comics und etliche Comics sind explizit für Erwachsene geschrieben.
Trotzdem fällt einem, wenn man eine ruhige Stunde in einem gut ausgestatteten Bahnhofskiosk verbringt und dort für jede noch so abstruse Leidenschaft ein regelmäßig erscheinendes Magazin entdeckt, auf, dass es bislang kein Magazin, das über Comics berichtet, gibt.
Mit dem vierteljährlich erscheinendem Magazin „Alfonz – Der Comicreporter“ soll diese Lücke geschlossen werden. Schon beim Durchblättern durch das angenehm altmodisch gelayoutete und angenehm textlastige Magazin (d. h. die Bilder illustrieren den Text und nicht umgekehrt) fällt auf, vor welcher Aufgabe die Macher Matthias Hofmann und Volker Haman, in dessen „Edition Alfons – Verlag für graphische Literatur“ „Alfonz“ erscheint, stehen. Denn der Spagat zwischen Bildergeschichten für Kinder, Superheldenepen, Mangas und Graphic Novels für Jugendliche und Erwachsene ist gewaltig und wird in der ersten Ausgabe elegant und ausgewogen bewältigt. Jedenfalls in den langen Reportagen. Bei den Comicrezensionen werden dann die Superhelden zwischen „Batman“ und „Superman“ zugunsten europäischer Comics ziemlich ignoriert.
Dafür wird vorher ausführlich über den aktuellen Relaunch bei DC, die „The Avengers“-Verfilmung und den oft nicht gerade vorbildlichen Umgang von DC mit seinen Autoren geschrieben.
Es gibt mehrere Reportagen, die sich mit Comics aus dem frankobelgischen Raum beschäftigen, wie die dort jüngst erschienenen Kinderableger von bekannten Serien wie Spirou und Lucky Luke, ein Interview mit Wilbur und Didier Conrad, einen Zweiseiter über die Tour de France im Comic und die Kolumne „Lettre de France“.
Es gibt ein achtseitiges Porträt über Vicente Segrelles und seine Fantasy-Geschichte „El Mercenario“. Das alles ist gut geschrieben, informativ und macht neugierig auf die vorgestellten Comics.
Kurz gesagt: Der Einstand ist geglückt.
Die zweite Ausgabe erscheint am 4. Oktober. Angekündigt sind Interviews mit Laura Zuccheri und Francois Schuiten und eine Reportage über die Comicversionen von Literaturklassikern wie „Die Schatzinsel“ und deren Verwendung im Unterricht und eine über die in den letzten Jahren immer wieder angekündigte Rückkehr von „Yps“ an die Kioske.
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Alfonz – Der Comicreporter 1/2012 (Juli – September 2012)
Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973, R.: Robert Altman)
Drehbuch: Leigh Brackett
LV: Raymond Chandler: The long goodbye, 1953 (Der lange Abschied)
Philip Marlowe hilft seinen Freund Terry Lennox aus der Klemme. Er soll seine Frau umgebracht haben.
Bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum und einem Marlowe (Elliot Gould), der als Relikt durch die Story gestossen wird. – Eine der besten Chandler-Verfilmungen!
Leigh Brackett (1915 – 1978, Schriftstellerin, außerdem schrieb sie die Drehbücher zu „Tote schlafen fest“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, „Krieg der Sterne: Das Imperium schlägt zurück“) sagte zu ihrer und Altmans Vorstellung von der Figur Marlowe: „Ich sehe Marlowe so, wie Chandler ihn sah, als Verlierer. Aber ein wirklicher Verlierer, nicht der falsche Gewinner, den Chandler aus ihm machte. Ein Verlierer auf der ganzen Linie….Goulds Marlowe ist ein Mann von simpler Redlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und vollständiger Integrität. Alles, was wir machten, war, ihn von den Attributen eines falschen Helden zu befreien. Chandler Marlowe wusste immer mehr als die Polizei. Er konnte zu Brei geschlagen werden, aber er kam immer irgendwie ungeschoren davon. Nur aufgrund bloßer Kraft der Persönlichkeit, professioneller Sachkenntnis und Frechheit war er im Vorteil. Wir meinten ´Solch ein Mann besitzt keinen Vorteil. Er wird rumgestoßen. Die Leute nehmen ihn nicht ernst. Sie wissen nicht, was mit ihm los ist, und es kümmert sie auch nicht´. Also wurde aus dem harten Typ Marlowe ein Gefoppter.“ (Take One)
Pflaum dazu: „Altmann hat Marlowe so gründlich demystifiziert, dass dem Zuschauer in jedem Moment bewußt ist: dieser Mann übernimmt sich, und es ist allein eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Der Held Raymond Chandlers ist nie gefährdeter, nie sterblicher gewesen als in The long goodbye; Altman hat dem Roman auf seine Weise die realistische Dimension zurückgegeben, die er, unter anderen Vorzeichen, einmal hatte“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altmann, Hanser Reihe Film 25)
Mit Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Carradine (Cameo), Arnold Schwarzenegger (eigentlich auch ein Cameo-Auftritt)
LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)
Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.
Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.
Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.
Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt
LV: Forrest Carter: The Rebel Outlaw: Josey Wales, 1973 (Gone to Texas; The Outlaw Josey Wales; Josey Wales
Missouri, während des Bürgerkriegs: Marodierende Nordstaatler bringen die Familie von Farmer Josey Wales um. Er schwört Rache, schließt sich den Südstaatlern an, ergibt sich nicht am Ende des Bürgerkrieges, wird als Outlaw gejagt und will irgendwann nur noch seine Ruhe haben. Aber langsam hat er eine Ersatzfamilie im Schlepptau.
Ein feiner Western
mit Clint Eastwood, Chief Dan George, Sondra Locke, Bill McKinney, John Vernon, Paula Trueman, Sam Bottoms
Und letztes Jahr bewies er, dass er auch als tyrannischer Rinderbaron im Wilden Westen Aliens besiegen kann.
Dabei hätte bei seinen ersten Filmen, niemand gedacht, dass er später ein Weltstar mit einer beeindruckenden Zahl von Blockbustern und Klassikern werden würde.
Sein erster Filmauftritt war in „Immer wenn er Dollars roch“ (Dead heat on a Merry-go-round, USA 1966), einer ziemlich vergessenen Gangsterkomödie von Bernard Girard mit James Coburn in der Hauptrolle. Ford spielt einen Hotelpagen und ist nur einige Sekunden zu sehen. In den nächsten Jahren kam seine Filmkarriere nicht richtig voran. Dafür arbeitete immer mehr als Zimmermann.
Erst 1973 in „American Graffiti“ von George Lucas wurde er bekannter. 1977 kam „Krieg der Sterne“ (Star Wars), wieder von George Lucas inszeniert, in die Kinos und der Rest ist Geschichte. Filmfans dürfen seine kurzen Auftritte in den Francis-Ford-Coppola-Klassikern „Der Dialog“ (The Conversation, USA 1974) und „Apocalpyse Now“ (USA 1979) genießen. Auch der Science-Ficton-Thriller „Blade Runner“ (USA 1982), von Ridley Scott, wurde zu einem Klassiker.
Damals war er als Han Solo in den „Krieg der Sterne“-Fortsetzungen „Das Imperium schlägt zurück“ (The Empire strikes back, USA 1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (Return of the Jedi, USA 1983) und als Indiana Jones in „Jäger des verlorenen Schatzes“ (Raiders of the Lost Ark, USA 1981), „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (Indiana Jones and the Temple of Doom, USA 1984) und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (Indiana Jones and the Last Crusade, USA 1989) der Liebling des Kinopublikums. Für die Indiana-Jones-Filme hatten sich die damaligen Hollywood-Wunderknaben George Lucas und Steven Spielberg zusammengetan. 2008 folgte mit „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) eine rundum enttäuschende weitere Zusammenarbeit des Teams Lucas/Spielberg. Aber weil die Kasse stimmte, ist derzeit ein fünfter „Indiana Jones“-Film im Gespräch.
Aber Harrison Ford ruhte sich auf seinem Blockbuster-Ruhm nicht aus, sondern er spielte auch in anspruchsvollen Filmen mit und er hatte dabei ein glückliches Händchen. Mit Peter Weir drehte er den Thriller „Der einzige Zeuge“ (Witness, USA 1985) und das Selbstfindungsdrama „Mosquito Coast“ (The Mosquito Coast, USA 1986), mit Roman Polanski in Paris die Hitchcock-Pastiche „Frantic“ (USA 1988). Mit Phillip Noyce drehte er die beiden Tom-Clancy-Verfilmungen „Die Stunde der Patrioten“ (Patriot Games, USA 1992) und „Das Kartell“ (Clear and Present Danger, USA 1994). Und Andrew Davis‘ Kinoneuauflage der erfolgreichen TV-Serie „Auf der Flucht“ (The Fugitive, USA 1993) war ein Erfolg.
Mit dem Thriller „Air Force One“ (USA 1997) erledigte er, unter der Regie von Wolfgang Petersen, als US-Präsident eigenhändig eine Bande von Terroristen, die seine Präsidentenmaschine entführten.
In den letzten Jahren wurde es dann ruhiger mit Filmen wie Kathryn Bigelows U-Boot-Drama „K-19 – Showdown in der Tiefe“ (K-19: The Widowmaker, USA 2001), Ron Sheltons Cop-Komödie „Hollywood Cops“ (Hollywood Homicide, USA 2003) und Richard Loncraines okayen Geiselnahme-Thriller „Firewall“ (USA 2006).
Letztes Jahr war er mit der RomCom „Morning Glory“ (USA 2010) als stinkstiefeliger Journalist (wobei Harrison Ford und Komödien nie richtig funktionierten) und in Jon Favreaus kurzweiligen Crossover aus Science-Fiction und Western, „Cowboys & Aliens“ (USA 2011) in den Kinos.
Demnächst stehen die Orson-Scott-Card-Science-Ficton-Romanverfilmung „Ender’s Game“ (Regie: Gavin Hood), das Sportler-Biopic „42“ von Brian Helgeland („L. A. Confidential“, „Mystic River“ und „Die Entführung der Pelham 1 2 3“) und der Thriller „Paranoia“, nach einem Roman von Joseph Finder und inszeniert von „21“-Regisseur Robert Luketic auf seinem Terminkalender. Das klingt doch vielversprechend.