Neu im Kino/Filmkritik: Spannende Unterhaltung mit „Das verborgene Gesicht“

Zwei Warnungen vorweg:

Lesen Sie nicht die offizielle Zusammenfassung.

Sehen Sie sich nicht den Trailer an.

Beide verraten einen wichtigen Plottwist, der, wenn man ihn nicht kennt, wirklich überraschend kommt.

Denn „Das verborgene Gesicht“ von Andrés Baiz ist ein schöner Psychothriller, der mich an ähnlich gelagerte, hauptsächlich französische Filme aus den siebziger Jahren erinnerte und je weniger Sie über „Das verborgene Gesicht“ wissen, desto überraschender ist beim ersten Sehen, wie in „Die üblichen Verdächtigen“ oder „The sixth Sense“, die Auflösung.

Adrian ist ein junger, gutaussehender Orchesterdirigent in Bogotá, der gerade, vollkommen überraschend und grundlos von seiner Freundin Belén verlassen wurde. Sie hat ihm nur eine dürftige Videobotschaft hinterlassen, in der sie sagt, er solle nicht nach ihr suchen. Der Frauenschwarm ertränkt seinen Kummer im Alkohol und findet in einer Bedienung auch gleich eine neue Freundin, die seiner Verflossenen sehr ähnlich sieht. Fabiana zieht in seine abgelegen liegende Villa, die anscheinend ein Eigenleben führt. Denn sie hört Geräusche, beim Duschen wird sie verbrüht und der deutsche Schäferhund scheint sie als Eindringling wahrzunehmen. Sie fragt sich, ob das Haus verhext ist. Adrian glaubt ihr nicht.

Zur gleichen Zeit suchen zwei Polizisten nach Belén. Denn sie ist spurlos verschwunden – und natürlich ist Adrian der Hauptverdächtige.

Und der jüngere Polizist ist der frühere Liebhaber von Fabiana. Er glaubt, dass sie nur wegen des Geldes mit Adrian zusammen ist.

Das verborgene Gesicht“ ist ein ruhig erzählter Psychothriller mit wohldosierten Spannungsmomenten, vor allem in der ersten Hälfte des Films, wenn Regisseur Andrés Baiz sehr schön jeden verdächtig macht, indem die Schauspieler immer wieder in Spiegel blicken oder sie immer wieder in die falsche Richtung blicken. Jeder scheint immer noch eine zweite Agenda zu verfolgen. Adrian könnte Belén ermordet haben. Aber auch Fabiana könnte es getan haben. Und während wir noch überlegen, was mit Belén geschehen ist, gibt es in der zweiten Hälfte einen gewagten Plottwist, der einerseits vollkommen überraschend kommt, andererseits in der ersten Stunde mit vielen Hinweisen angedeutet wurde. Diese erste Stunde mit den vielen kleinen Irritationen in dem noblen Anwesen und dem seltsamen Verhalten der Protagonisten steht ganz in der Tradition der Geisterhaushorrorfilme, in denen unklar ist, ob Fabiana sich das alles nur einbildet oder ob es wirklich spukt.

Und es gibt zwei, herrlich nebenbei platzierte Lacher. Der eine hat mit dem Hund zu tun, der andere mit dem Inhalt eines Schrankes.

Die Erklärung ist, rückblickend, etwas unlogisch und der Film endet für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Ich hätte mir noch ein, zwei Bilder gewünscht. So bricht der Film, wie ein Musikstück, bei dem die letzte Note fehlt, arg abrupt ab.

Das verborgene Gesicht (La Cara Oculta, Kolumbien/Spanien 2011)

Regie: Andrés Baiz

Drehbuch: Andrés Baiz, Hatem Khraiche Ruiz-Zorrilla

Darsteller: Quim Gutiérrez, Clara Lago, Martina García, Alexandra Stewart

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das verborgene Gesicht“

Rotten Tomatoes über „Das verborgene Gesicht“

Wikipedia über „Das verborgene Gesicht“

2 Responses to Neu im Kino/Filmkritik: Spannende Unterhaltung mit „Das verborgene Gesicht“

  1. Harry sagt:

    Ich verlass mich jetzt mal ganz auf das abgegebene Urteil und werde – ohne Traileransicht und ohne die Zusammenfassung zu kennen – den Film in meine Orderliste für künftige Einkäufe aufnehmen.

  2. AxelB sagt:

    Und ich bin gespannt auf deine Meinung zu diesem unblutigen Film.

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