Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.
Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.
„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)
Die Musik ist von Philip Glass.
mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti
…bestimmte Worte von Google vorgeschlagen werden, wenn man ihren Namen eintippt. Gleichzeitig ging sie mit zahlreichen Unterlassungserklärungen gegen die Verleumdungen vor, dass sie vor ihrer Heirat in einem bestimmten Beruf arbeitete, den einige für ehrenrührig halten, auf den andere aber sehr stolz sind.
Danach wusste jeder von dem Gerücht – und ihre Memoiren „Jenseits des Protokolls“ sind jetzt erschienen. Zwei Ereignisse, die sicher nichts miteinander zu tun haben. Ehrlich.
Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, R.: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)
Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.
Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.
Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton
Wer gestern „Burn after reading“ verpasste, kann die durchgeknallte Agentenkomödie der Coen-Brüder mit Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich, Frances McDormand, Tilda Swinton undundund am kommenden Freitag, den 14. September um 20.15 Uhr auf Eins Festival sehen. Die Nachtwiederholung ist um 01.50 Uhr.
Seit ihrem Deutschlanddebüt „Hardcore Angel“ bin ich ein Fan von Christa Faust, die mit ihren Hardboiled-Krimis bei mir natürlich gute Karten hat. „Triaden“, ein Gemeinschaftswerk mit Poppy Z. Brite, erinnert allerdings eher an ihr Romandebüt „Control Freak“ über eine junge Frau, die in die SM-Szene abrutscht. Auch in „Triaden“ geht es um Sex, Sexualität und die Wandelbarkeit von Geschlechtern und Identitäten.
Die Geschichte beginnt 1937 in Hongkong und endet in der Gegenwart in Los Angeles. Aber genaugenommen erzählen Poppy Z. Brite, die vor allem Horrorromane schreibt und inzwischen lieber als „er“ angesprochen wird, und Christa Faust keine Geschichte, sondern drei Geschichten aus dem Leben von Ji Fung, der sich später Jimmy Lee nennt, und der nicht immer die Hauptfigur ist,
In der ersten und längsten Geschichte „Hongkong – 1937“, die bereits 1997 in der von Douglas E. Winter herausgegebenen Anthologie „Revelations“ (Offenbarungen) erschien, lernen wir die Jugendlichen Lin Bai und Ji Fung kennen, die von einem besseren Leben in Hollywood träumen. Im Moment bildet der strenge Meister Lau sie im Theater „Glücklicher Drache“ für die Peking-Oper aus. Nachdem Meister Lau Lin Bai vergewaltigt, bringt er ihn um und die beiden Freunde flüchten. Auf ihrer Flucht lernen sie den reichen Perique kennen und das Waisenkind Ji Fung erfährt, dass seine Mutter ihn verkaufte, um ihn vor seiner Familie, die zu den Triaden gehört, zu schützen.
Im Auftrag von seinem Triaden-Onkel sollen sie ein Päckchen nach Shanghai bringen. Dabei geraten sie in den Krieg zwischen China und Japan und Perique und Lin Bai sterben.
Ji Fung kann flüchten und im zweiten Teil „Los Angeles – 1945“ lebt er als Jimmy Lee in Hollywood und betreibt den Nachtclub Black Dragon.
Im Mittelpunkt steht allerdings Nan Blake, eine Frau, die bei einem alternden Hollywood-Star lebt (Schönen Gruß an „Sunset Boulevard“), gerne Männerkleider anzieht und lesbisch ist. Als Blake Blackline schrieb sie Geschichten für Black Mask und Dime Detective und jetzt schreibt sie für ein Hollywoodstudio Drehbücher. Auf dem Studiogelände verliebt sie sich in ein Starlet, das allerdings nur an die große Karriere denkt. Dafür geht sie auch eine Beziehung mit einem schwulen Hollywoodstar ein.
Im dritten, mit übernatürlichen Elementen spielendem Teil „Los Angeles – Gegenwart“ steht der junge Actionschauspieler Jake Ryan im Mittelpunkt. Nachdem er in Hongkong-Actionfilmen erfolgreich war, hat er einen Vertrag für mehrere Actionfilme bekommen. Die Dreharbeiten entpuppen sich als ein einziges, nervenzerrendes Disaster. Als Frischling in Hollywood, der in einem Zimmer in dem Anwesen von Nan Blake lebt, hat er keine Freunde und er hadert mit seiner Homosexualität. Nur in Miki, der für sein Make up zuständig ist und unbefangen mit seiner Homosexualität umgeht, findet er einen Freund.
Die Frage der sexuellen Identität durchzieht die drei Geschichten und sie geben den durchaus vertrauten Plots eine neue Wendung. So liest sich die erste Geschichte wie die Vorlage für einen der damaligen, in Asien spielenden Hollywood-Filme. Aber damals gab es im Film noch feste Geschlechterrollen, die von Brite und Faust hier souverän und höchst subversiv unterwandert werden.
Damit knüpfen sie auch an David Cronenbergs auf einer wahren Geschichte basierendem „M. Butterfly“ (USA 1993) über einen Diplomaten, der sich in eine Sängerin verliebt, die ein Mann ist und im Film von einem Mann gespielt wurde, an. Dabei behauptet der Diplomat, als er wegen Geheimnisverrat angeklagt wird, dass er nicht bemerkt habe, dass seine Geliebte ein Mann sei.
Dieser Diskurs über ethnische und Geschlechteridentitäten und Körperveränderungen wird in allen Geschichten auf vielfältigste Art thematisiert und gespiegelt. „Triaden“ ist deshalb auch ein Angriff auf die amerikanische Bigotterie und das Bild der heilen Familie, die aus Mann, Frau und Kindern besteht.
Die 1945 und in der Gegenwart in Hollywood spielenden Geschichten liefern auch einen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik, zitieren Hollywood-Klatschgeschichten und bekannte Filme.
„Triaden“ ist in der Bibliographie von Poppy Z. Brite und Christa Faust ein ungewöhnliches Werk. Aber die Spuren zu Christa Fausts anderen Romanen sind deutlich; von Poppy Z. Brite, dessen Romane seit über zehn Jahren nicht mehr übersetzt werden, habe ich noch keine anderen Bücher gelesen.
Nosferatu – Phantom der Nacht (D/Fr 1979, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: Werner Herzog (nach Motiven des Films „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau und des Romans „Dracula“ von Bram Stoker)
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Werner Herzogs Remake von Murnaus Dracula-Version, die damals als langweilige 1-zu-1-Verfilmung des Stummfilm-Klassikers gedisst wurde.
Inzwischen hat sich der Wind gedreht: „Auch wenn er sich an sein großes Vorbild anlehnt, setzt Herzog doch etliche eigene Akzente, besonders in der Szene, in der Wismar von den Ratten überrannt wird oder wenn die heimgesuchte Stadtbevölkerung tanzt, als die Pestleichen durch die Straßen getragen werden. Mit seinem ausgezeichneten Soundtrack (Wagner, Gounod und Popol Vuh), seinen symbolistischen Strandstücken und Gebirgszügen wie von Cspar David Friedrich ist Herzogs Nosferatu weniger eine Kopie von Murnau als ei Rückgriff auf die deutsche romantische Tradition, durch und durch deutsch und (backstein-)gotisch im besten Sinne.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror)
mit Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganz, Jacques Dufilho, Roland Topor, Walter Ladengast, Clemens Scheitz
Straßenmusiker Bruno Stroszek will nach einem Gefängnisaufenthalt ein ehrliches Leben beginnen, nimmt eine Prostituierte bei sich auf und freundet sich mit einem Nachbarn an. Gemeinsam wollen sie in den USA ihr Glück versuchen.
Stroszek ist „eine Lockerungsübung, ein befreiendes Atemholen. In einfachen Bildern, in denen keinerlei Kunstanstrengung den Blick auf Gezeigte verstellt, entfaltet sich eine Ballade vom verlorenen Glück, in der sich Herzogs zu abstrakten Totalisierungen neigender Kulturpessimismus als beobachtende, entwickelnde Kritik sozialer Verhältnisse konkretisiert. Es sollen ganz und gar gegenwärtige, reale Figuren sein, deren bescheidene Sehnsüchte und deren jämmerliches Scheitern hier geschildert werden.“ (Kraft Wetzel, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte: Werner Herzog, Hanser Reihe Film Band 22, 1979)
mit Bruno S., Eva Mattes, Clemens Scheitz, Wilhelm von Homburg, Burkhard Driest, Pitt Bedewitz
Nachdem letzten Sonntag die TV-Premiere deutlich nach Mitternacht (also eigentlich am Montag) war, läuft der Avantgarde-Krimi jetzt, auf einem Nischensender, zur besten Sendezeit und weil mir die Borowski-Tatorte normalerweise nicht gefallen, kann es nur einen Tagestipp geben
Eins Festival, 20.15
Ein fürsorglicher Sohn (USA/D 2009, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: Herbert Golder, Werner Herzog
In einem Vorort von San Diego soll ein junger Mann seine Mutter ermordet und Geiseln genommen haben. Zwei Polizisten sollen ihn zur Aufgabe bewegen.
„Werner Herzog durchsetzt den Thriller mit sardonisch-absurden und philosophisch-surrealen Spitzen und löst die Handlung mittels Rückblenden in eine bezugsreiche Bricolage auf.“ (Lexikon des internationalen Films)
Avantgarde-Jazzer Ernst Reijseger schrieb die Musik für den von einem wahren Fall inspirierten Krimi und David Lynch gehört zu den Produzenten.
mit Willem Dafoe, Chloë Sevigny, Michael Shannon, Brad Dourif, Loretta Devine, Udo Kier, Michael Peña, Grace Zabriskie
auch bekannt als „My Son, My Son, What have ye done?“ (Original- und deutscher DVD-Titel)
Country-Noir-Autor Daniel Woodrell, der mit dem erfolgreich verfilmten „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006) endlich auch ein breiteres Publikum erreichte, besucht am Donnerstag, den 13. September, Berlin. Im „F 40 – English Theatre Berlin“ (Fidicinstraße 40, Berlin-Kreuzberg, Nähe U-Bahnhof „Platz der Luftbrücke“) liest er um 20 Uhr aus seinem neuen Roman „Der Tod von Sweet Mister“ (The Death of Sweet Mister, 2001 [also neu für Deutschland]).
„Der Tod von Sweet Mister“ ist – ach, lest doch einfach alles in meiner kurzen Lobhuddelei auf dieses Werk, das trotz eines jugendlichen Protagonisten nicht unbedingt in Kinderhände gehört.
Das Osterman-Weekend (USA 1983, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Alan Sharp, Ian Masters
LV: Robert Ludlum: The Osterman-Weekend, 1972 (Das Osterman-Wochende)
Der CIA nimmt an, dass die Freunde von Journalist John Tanner KGB-Spione sind. Mit Tanners Hilfe verwanzen sie für ein Wochenende sein ganzes Haus. Ab da geht alles schief. Seine Freunde wollen ihre Geheimnisse schützen, Tanner will die Wahrheit wissen und CIA-Agent Fassett spielt ein ganz eigenes Spiel.
Peckinpahs letzter Film ist ein kühler Spionagethriller, ein Verwirrspiel (deshalb kann der Film immer wieder angesehen werden. Nach einem Jahr haben Sie die konfuse Handlung schon wieder vergessen.) und eine Studie über den Verfall von Freundschaft und Vertrauen. “Das Osterman-Weekend” ist einer der schwachen Peckinpah-Filme mit einer deprimierenden Aussage.
Ulrich von Berg schrieb in “Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood” (1987): “The Osterman Weekend ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein monströses Vexierspiel, in dem jeder jeden täuscht und betrügt. Keine der Figuren ist zur Identifikation tauglich, alle sind nichts als abhängige Marionetten….Die Menschen in diesem Film sind flach und eindimensional, keiner von ihnen macht eine innere Entwicklung durch, ihre Handlungsmotive sind ohne Ausnahme von Eigennutz bestimmt (Macht, Rache, Prestige, materielle Vorteile). Peckinpah interessiert sich für keinen einzigen von ihnen besonders – und das ist gut angesichts des abstrusen Drehbuchs – sondern allein für das alles Vertrauen zerfressende und alle zwischenmenschliche Beziehungen infiltrierende Geflecht aus Intrigen und Gegenintrigen. Die Atmosphäre von Hilflosigkeit und Abhängigkeit ist wichtig, nicht die Plausibilität des Plots…In Peckinpahs letztem Film unterliegen sie (die eigenen vier Wände, AdV) der totalen Kontrolle eines offensichtlich wahnsinnigen CIA-Agenten. Die stoischen Einzelgänger, die sich in allen seinen anderen Filmen gegen Reglementierung und Anpassung zur Wehr setzen, gib es hier nicht mehr. Das Bild, das Peckinpah in The Osterman Weekend von Amerika entwarf, ist die konsequente Weiterentwicklung der düsteren Zukunftsvision seiner Western, das Versprechen einer freien Gesellschaft wird als Lüge entlarvt. Ein Arrangement mit dieser Gesellschaft ist den höchst unterschiedlichen Männern in Peckinpahs zeitgenössischen Filmen unmöglich”.
Mit Rutger Hauer, John Hurt, Craig T. Nelson, Dennis Hopper, Burt Lancaster, Chris Sarandon, Meg Fosters, Helen Shaver
In Manhattan haben die Dreharbeiten für „Jack Ryan“ (Paramount Pictures) begonnen. Kenneth Branagh führt Regie und spielt mit. Das Drehbuch ist von Adam Cozad, David Koepp, Anthony Peckham und Steven Zaillian, hat also einige Überarbeitungen hinter sich und ich bin jetzt zu faul nachzusehen, wessen Drehbuch jetzt verfilmt wird. Koepp und Zaillian sind ja bekannte Profis, Peckham ist einer der Autoren von Guy Ritchies ersten „Sherlock Holmes“-Film und der Autor von Clint Eastwoods Südafrikafilm „Invictus – Unbezwungen“. Das heißt: ich bin zuversichtlich, dass dieses „Prequel“ (fragt jetzt bitte nicht nach der Logik) ein spannender Agententhriller wird.
Anscheinend wurde für „Jack Ryan“ nur noch der von Tom Clancy erfundene Charakter, der bereits von Alec Baldwin, Harrison Ford und Ben Affleck gespielt wurde, genommen und eine vollkommen neue Geschichte erfunden.
Jetzt spielt Chris Pine Jack Ryan, Keira Knightley seine Frau und Kevin Costner einen CIA-Agenten.
Der Film soll Weihnachten 2013 in die US-Kinos kommen. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest.
Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Ted Tally
LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)
FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.
Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.
Hitchcock hätte der Film gefallen.
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine
Woodrell gut, Thompson und Linskey liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel und Sara Grans „Die Stadt der Toten“ lese ich gerade. Ein merkwürdiges Buch, mit dem ich nicht richtig warm werde. Aber es wird überall abgefeiert.
Die Hoffnung einen guten Film zu sehen, stirbt in „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ erschreckend schnell. Und sogar mit reduzierten Erwartungen lässt sich wenig Gutes über diese Aliens-landen-in-der-Vorstadt-Variante sagen. Immerhin ist das hundertminütige Desaster, das gefühlt mindestens doppelt so lang ist, kompetent gefilmt und die Besetzung mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade und Rosemarie DeWitt namhaft, aber auch vollkommen verschenkt in einem Film, der sich höchst unglücklich zwischen die Genres „Drama“ und „Komödie“ setzt und das Schlechteste von beiden Welten vereinigt. Eine Satire will „The Watch“ eh nicht sein und als Alien-Invasionsfilm mit einem leichten „Super 8“-Touch (Sehbefehl!) überzeugt er nie. Auch nicht in den letzten Filmminuten, wenn die vier Jungs von der Nachbarschaftswache gegen die Invasoren kämpfen.
Doch beginnen wir am Anfang: Ben Stiller spielt Evan, den Manager des lokalen Einkaufzentrum Costco in Glenview, Ohio. Er ist glücklich verheiratet. In seiner Freizeit initiiert er die verschiedensten Nachbarschaftsgruppen. Eines Tages wird sein Nachtwächter bestialisch ermordet. Evan beschließt, die Nachbarschaft vor weiteren Morden zu schützen und den Mörder zu finden. Dafür gründet er eine Bürgerwehr mit Bob (Vince Vaughn), einem Proleten, der seine pubertierende Tochter über alles liebt, Franklin (Jonah Hill), einem bei der Aufnahmeprüfung der Polizei gescheiterten Waffennarr, der noch bei seiner Mutter lebt, und Jamarcus (Richard Ayoade), der als Zugezogener in der Vorstadtgemeinde Anschluss an das gesellschaftliche Leben sucht. Diese drei Männer interessieren sich, wie Pubertierende, in erster Linie für Drogen und Sex.
Ihr selbsternannter Anführer Evan, der personifizierte Biedermann mit einer Mission, die er ohne Rücksicht zu nehmen verfolgt (so wird er uns jedenfalls in den ersten Filmminuten präsentiert), lässt sich schnell von den anderen überzeugen, bei deren infantilen Spielen (vulgo Alkohol, Sex und arg pubertäre Witze) mitzumachen.
Doch dann geschehen unheimliche Dinge und die Vier glauben, dass Aliens eine Invasion vorbereiten. Selbstverständlich sind sie dazu auserwählt, sie zu verhindern – und die tödliche Schwachstelle der Aliens reflektiert treffend den infantil-pubertärem Humor des gesamten Films.
Wer sich also darüber amüsieren kann, wenn Vierzigjährige sich wie grenzdebile Teenager benehmen und wem es vollkommen egal ist, dass die Story wirkt, als ob sie an einem langen Suff-Abend, ohne einen Blick auf Logik und innere Kohärenz zu werfen, mit vielen alten bis uralten Zoten zusammenfantasiert wurde, wird vielleicht irgendetwas in „The Watch“ finden.
Alle anderen werden die vielen verpassten Chancen, einen auch nur minimal intellektuell befriedigenden Film zu machen, bedauern.
The Watch – Nachbarn der 3. Art (The Watch, USA 2012)
Regie: Akiva Schaffer
Drehbuch: Jared Stern, Seth Rogen & Evan Goldberg
mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade, Rosemarie DeWitt, Will Forte, Doug Jones, R. Lee Ermey, Nicholas Braun
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (in den USA „Rated R for some strong sexual content including references, pervasive language and violent images“ – und das ist wirklich der beste Witz über dem Film)
Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: John Hopkins
LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)
Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.
Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.
John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.
Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen
Hinweise
Wikipedia über “Sein Leben in meiner Gewalt” (deutsch, englisch)
Ich habe keine Ahnung, ob mir die dritte oder vierte Staffel von „Death in Paradise“ noch gefallen werden, denn die Serie folgt schon in der ersten Staffel ziemlich sklavisch der bekannten Krimiformel, in der ein genialer Ermittler herausfinden muss, wer von den vielen Verdächtigen, die alle ein bombenfestes Alibi haben, den Mord in einem mehr oder weniger geschlossenem Raum verübt hat, und am Ende enthüllt der Ermittler vor den in einem Raum versammelten Verdächtigen, deren Alibis alle falsch waren, wer der Mörder ist.
Dieses Rezept hat sich seit den seligen Tagen von Agatha Christie kaum verändert und geübte Krimiseher werden auch in „Death in Paradise“ ziemlich schnell den Mörder, der immer der Unverdächtigste ist, erraten.
Aber gerade in den ersten acht Fällen, die jetzt als „Death in Paradise – Staffel 1“ erschienen sind, stimmt alles: die Fälle sind gut geplottet, der Humor stimmt, die Schauspieler sind gut und das Setting erfreut das Auge. Denn, wir ahnen es bei dem Titel „Death in Paradise“: die Krimiserie spielt nicht im kalten England, sondern auf der sonnigen Karibik-Insel Saint-Marie und der stocksteife Londoner Detective Inspector Richard Poole, der immer korrekt gekleidet mit Anzug, Schlips und Aktentasche die Wohnung verlässt, muss mit der lässigen südländischen Arbeitsauffassung seiner Untergebenen und den mangelhaften Arbeitsmitteln zurechtkommen. Während in London die Spurensicherung in kürzester Zeit Ergebnisse liefert, dauert hier alles etwas länger und niemand scheint das wirklich zu stören.
Ach, und das Essen ist auch nicht nach seinem Geschmack. Genaugenommen ist es ungenießbar. Immerhin findet er manchmal einen guten Tee – und erstaunlich viele Morde im Paradies, das für ihn die Hölle ist. Er möchte nur, so schnell es geht, zurück in sein heimatlich kühles, nebliges London und in einen urigen Pub.
DI Richard Poole wurde nach Saint-Marie geschickt, weil sein Vorgänger ermordet wurde im verschlossenen Panikraum in der Villa eines wohlhabenden Engländers. Während der Ermittlungen muss Poole sich, wie auch in den folgenden Fällen, weitgehend auf seinen Verstand verlassen. Zum Glück funktionieren seine kleinen grauen Zellen, trotz der tropischen Temperaturen, ähnlich gut wie die von Hercule Poirot.
Am Ende löst er den Fall, bekommt eine neue Kollegin, die Undercover-Polizistin Camille Bordey, und erfährt, dass er länger auf der Insel bleiben muss. Denn der örtliche Polizeichef ist hoch zufrieden mit seiner Arbeit und er wird auf seine sympathisch-bauernschlaue Art alles tun, um einen so guten Ermittler, auch gegen dessen Willen, auf seiner Insel zu halten.
In den nächsten sieben Fällen der ersten „Death in Paradise“-Staffel (keine Panik, eine zweite Staffel wird gedreht) muss Poole mit Bordey, die sich auf der Insel pudelwohl fühlt, und seinen Untergebenen Dwayne Myers, ein altgedienter Streifenpolizist, der Gott und die Welt auf der Insel kennt, und Fidel Best, der Jüngste im Team, weitere Mordfälle lösen, die weitgehend der Locked-Room-Formel folgen. So wird eine Braut an ihrem Hochzeitstag ermordet und ihre Familie ist hochgradig verdächtig.
Eine Einheimische sieht ihren Tod voraus und weil diese Prophezeiung auch eintrifft, wird Poole misstrauisch. Denn er glaubt nicht an übersinnlichen Hokuspokus.
Eine Frau behauptet, dass sie ihren Mann ermordet hat. Allerdings ist seine Leiche verschwunden und Poole glaubt, dass an dem Fall etwas nicht stimmt.
Auf der voll besetzten Fähre zur Insel wird ein Betrüger erstochen und weil der Betrüger an Poole angekettet war, hat er dieses Mal sogar ein persönliches Motiv für die Mörderjagd. Dummerweise hat er dieses Mal, weil der Betrüger die halbe Inselbevölkerung betrog, auch mehr Verdächtige als üblich.
Ein Sänger wird vor dem Reunion-Konzert seiner Band ermordet und seine Leiche wird während des Konzerts in dem Sarg entdeckt, aus dem er eigentlich entsteigen sollte. Verdächtig sind natürlich die Bandmitglieder und seine Entourage. Dummerweise haben alle ein bombenfestes Alibi.
Im letzten Fall der ersten „Death in Paradise“-Staffel wird eine Frau ermordet in ihrem Bett, mit dreißig Münzen im Mund, gefunden. Sie lebte dort unter falschem Namen und ihr echter Name steht auf der Fahndungsliste der Londoner Polizeieinheit für Organisiertes Verbrechen.
Und einen Fall müssen die Streifenpolizisten Myers und Best fast im Alleingang lösen. Denn Bordey ist auf einer Fortbildung und Poole liegt mit Fieber im Bett. Vor den Augen von Myers starb ein Taucher in einer Bucht und selbstverständlich haben die üblichen Verdächtigen ein bombensicheres Alibi. Und mit DS Angela Young erhalten sie eine hoffnungslos überdrehte, zur Hysterie neigende Hilfe, die ihnen überhaupt nicht gefällt.
Auf der DVD ist die internationale Fassung. D. h. die einstündigen Folgen wurden schon vom BBC auf jeweils 50 Minuten gekürzt. Bonusmaterial fehlt auch; aber das kann daran liegen, dass die deutsche DVD-Veröffentlichung vor der englischen DVD-Veröffentlichung war.
Death in Paradise – Staffel 1 (Death in Paradise, GB/Fr 2011)
Idee: George Thorogood
mit Ben Miller (DI Richard Poole), Sara Martins (DS Camille Bordey), Danny John-Jules (Dwayne Myers), Gary Carr (Fidel Best), Don Warrington (Commisioner Selwyn Patterson), Elizabeth Bourgine (Catherine Bordey)
Gaststars: Rupert Graves (Folge1), Colin Salmon (Folge 5), Shirley Henderson (Folge 6), Adrian Dunbar (Folge 7 & 8), David Sterne (Folge 7)
–
DVD
Edel
Bild: Dolby, PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 400 Minuten (8 Folgen à 50 Minuten auf 4 DVDs)
Elite-Cop Drieu wird in ein kleines Revier bei Marseille, das demnächst geschlossen wird und dessen Polizist vollkommen demotiviert sind, versetzt. Aber Drieu akzeptiert die laxe Arbeitshaltung seiner Kollegen nicht. Außerdem entdeckt er Verbindungen zwischen einigen Verbrechen, die auf den ersten Blick nicht miteinander zu tun haben.
Der Quasi-Western „Unter Beschuss“ (DVD-Titel: Crossfire) reiht sich gelungen in die aktuelle Reihe französischer Kriminalfilme ein, die zeitgemäß aufbereitet, die einheimische Kriminalfilmtradition pflegen und sich an Hollywood-Vorbildern bedienen.
Während der Chicon 7, der siebzigsten World Science Fiction Convention, wurde auch der begehrte Science-Fiction-Preis „Hugo“ verliehen. Die diesjährigen Gewinner sind:
BEST NOVEL
Among Others von Jo Walton (Tor)
–
BEST NOVELLA
The Man Who Bridged the Mist von Kij Johnson (Asimov’s, September/October 2011)
–
BEST NOVELETTE
Six Months, Three Days von Charlie Jane Anders (Tor.com)
–
BEST SHORT STORY
The Paper Menagerie von Ken Liu (The Magazine of Fantasy & Science Fiction, March/April 2011)
–
BEST RELATED WORK
The Encyclopedia of Science Fiction, Third Edition, herausgegeben von John Clute, David Langford, Peter Nicholls und Graham Sleight (Gollancz)
–
BEST GRAPHIC STORY
Digger von Ursula Vernon (Sofawolf Press)
–
BEST DRAMATIC PRESENTATION, LONG FORM
Game of Thrones (Season 1) (HBO)
–
BEST DRAMATIC PRESENTATION, SHORT FORM
The Doctor’s Wife (Doctor Who) (BBC Wales)
–
BEST EDITOR, SHORT FORM
Sheila Williams
–
BEST EDITOR, LONG FORM
Lou Anders
–
BEST PROFESSIONAL ARTIST
Betsy Wollheim
–
BEST SEMIPROZINE
Locus, herausgegeben von Liza Groen Trombi, Kirsten Gong-Wong, et al.
–
BEST FANZINE
SF Signal, herausgegeben von John DeNardo
–
BEST FAN WRITER
Jim C. Hines
–
BEST FAN ARTIST
Maurine Starkey
–
BEST FANCAST
SF Squeecast, Lynne M. Thomas, Seanan McGuire, Paul Cornell, Elizabeth Bear und Catherynne M. Valente
–
JOHN W. CAMPBELL AWARD FOR BEST NEW WRITER (kein Hugo Award)
Die Crime Writers’ Association of Australia hat während des Melbourne Writers Festival die diesjährigen Ned Kelly Awards, so heißt der australische Krimipreis, verliehen. Die glücklichen Gewinner sind:
Best Novel
Pig Boy, von J.C. Burke (Random House)
nominiert
The Life, von Malcolm Knox (Allen & Unwin)
Chelsea Mansions, von Barry Maitland (Allen & Unwin)
–
Best First Novel
The Cartographer, von Peter Twohig (HarperCollins)
nominiert
When We Have Wings, von Claire Corbett (Allen & Unwin)
The Courier’s New Bicycle, von Kim Westwood (HarperCollins)
–
Best True Crime
Sins of the Father, von Eamonn Duff (Allen & Unwin)