TV-Tipp für den 9. Juni: Martha

Juni 9, 2012

BR, 21.55

Martha (D 1973, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

LV: Cornell Woolrich: For the Rest of Her Life, 1968 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in Ellery Queen’s Mystery Magazine, deutscher Titel „Für den Rest ihres Lebens“)

Unerreichte Studie einer sadomasochistischen Paarbeziehung: Helmut Salomon versucht seine Frau, die etwa dreißigjährige Martha, zu erziehen und isoliert sie dafür zunehmend von der Außenwelt. Martha hat zunehmend Angst um ihr Leben. Aber sie will auch erzogen werden.

Weil Rainer Werner Fassbinder die Rechte an der Geschichte von Cornell Woolrich nicht hatte, durfte der für das Fernsehen gedrehte Film fast zwanzig Jahre nicht gezeigt werden. Er lief nur zweimal, 1974 und 1976, im Fernsehen. Als „Martha“ 1994 in Venedig seine Kinouraufführung hatte und im November 1994 im Kino startete, waren die Kritiker begeistert.

Martha“ ist ein gut abgehangener Noir. Oder, für die Bildungsbürger: „Martha ist die ‚triviale’ Horror-Variante von Fontane Effi Briest…Von allen Filmen Fassbinders erscheint mir dieser der kompakteste, ein Film ohne Abschweifungen, zielstrebig auf einen Punkt zusteuernd.“ (Wilhelm Roth in Rainer Werner Fassbinder, Reihe Film 2, Hanser Verlag)

Mit Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Barbara Valentin, Ingrid Caven, Günter Lamprecht, Peter Chatel, Salem El Hedi, Kurt Raab (und dem Bodensee, besonders Konstanz, als Kulisse)

Hinweise

Wikipedia über „Martha“ (deutsch, englisch)

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich


Kurzkritik: Adrian McKinty: Ein letzter Job

Juni 8, 2012

Dass es bei diesem Job ein Problem geben wird, ist Killian von der ersten Sekunde an klar. Denn warum sollte der Millionär Richard Coulter so versessen darauf sein, seine Ex-Frau, die mit seinen beiden Kindern verschwunden ist, zu finden. Vor allem, weil sie schon vor einigen Wochen verschwunden ist. Und warum hat die Ex den goldenen Käfig, der mit Coulters Unterhaltszahlungen üppig ausgestattet war, verlassen? Aber Killian schiebt die Bedenken beiseite. Immerhin kommt der Job, über einige Ecken, von Michael Forsythe (den wir aus Adrian McKintys früheren Romanen „Der sichere Tod“, „Der schnelle Tod“ und „Todestag“ kennen) und als Bezahlung winkt eine halbe Million Pfund; Geld das Killian gut für den Start ins bürgerliche Leben gebrauchen kann.

In Irland macht er sich auf die Suche nach Rachel. Er nimmt auch schnell die Fährte der Junkie-Braut, die von einem Versteck zum nächsten flüchtet, auf. Dabei bemerkt Killian, dass er von einem Mann verfolgt wird, der skrupellos über Leichen geht. Dieser Killer wurde ebenfalls von Coulter engagiert.

Ein letzter Job“ ist ein schnörkelloser Hardboiled-Gangsterroman mit satten Impressionen vom irischen Hinterland, inclusive einem Besuch bei den Tinkern. Das erfreut das Herz des Genrejunkies, der auch dankbar die kleinen Abweichungen aufnimmt.

Killian ist dabei, wie wir schon bei der ersten Begegnung mit ihm erfahren, ein guter Verhandler, der seine Ziele vor allem mit Worten erreichen will. Auch wenn er fähig ist, Gewalt anzuwenden.

Nur am Ende hätte ich gerne noch einen weiteren Satz gehabt. So kommt es für meinen Geschmack etwas zu abrupt.

Davon abgesehen ist das Einzelwerk ein verdammt guter Einstieg in die düstere Welt von Adrian McKinty.

Adrian McKinty: Ein letzter Job

(übersetzt von Peter Torberg)

Suhrkamp Nova, 2012

400 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Falling Glass

Serpent’s Tail, 2011

Hinweise

Blog von Adrian McKinty

Wikipedia über Adrian McKinty

Krimi-Couch über Adrian McKinty

 


TV-Tipp für den 8. Juni: Welt am Draht

Juni 8, 2012

Arte, 20.15

Welt am Draht (D 1973, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Fritz Müller-Scherz, Rainer Werner Fassbinder

LV: Daniel F. Galouye: Simalacron-3, 1964 (Welt am Draht, Simulacron 3, The 13th Floor)

Nach dem mysteriösen Tod von Professor Vollmer übernimmt sein engster Mitarbeiter, Dr. Fred Stiller, die Leitung von „Simulacron 1“, einem Projekt in dem eine künstliche Welt erschaffen wurde, die präzise Vorhersagen über die reale Welt machen kann. Bald fragt Stiller sich, ob er Teil eines anderen Simulacron-Projekts ist und daher in einer künstlichen Welt lebt.

Rainer Werner Fassbinder dreht für das Fernsehen einen Science-Fiction-Zweiteiler und lädt dafür neben seinem Clan auch ungefähr alles, was damals Rang und Namen hatte, ein. Das Ergebnis ist toll und wurde in den vergangenen Jahren, nachdem der Film jahrelang nicht mehr im Fernsehen lief, auch gewürdigt. Neben den „Matrix“-Vergleichen (wonach „Welt am Draht“ ein Vorläufer von „Matrix“ ist und die Brüder Andy und Larry Wachowski etliche Ideen aus Fassbinders Film geklaut haben) hat vor allem die 2010 auf der Berlinale präsentierte restaurierte Fassung, mit anschließender DVD-Auswertung, einen entscheidenden Anteil an der Wiederentdeckung des Klassikers, der fragt, wie real die Wirklichkeit ist. Allerdings ist „Welt am Draht“ aus heutiger Sicht auch arg betulich inszeniert.

Dennoch: so gut konnte das deutsche Fernsehen sein.

Ach ja: Arte zeigt erstmals im TV die restaurierte Fassung.

mit Klaus Löwitsch, Barbara Valentin, Mascha Rabben, Karl-Heinz Vosgerau, Wolfgang Schenck, Günter Lamprecht, Ulli Lommel, Adrian Hoven, Ivan Desny, Joachim Hansen, Kurt Raab, Margit Carstensen, Peter Chatel, Ingrid Caven, Gottfried John, Christine Kaufmann, Rainer Langhans, Bruce Low, Eddie Constantine, Walter Sedlmayr, Elhedi Ben Salem, Peter Kern, Werner Schroeter, Magdalena Montezuma

Hinweise

Wikipedia über „Welt am Draht“ (deutsch, englisch)

Arte über die Fassbinder-Reihe

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

 


Die KrimiZeit-Bestenliste Juni 2012

Juni 7, 2012

Die KrimiZeit-Bestenliste für den Sommermonat Juni (nach dem Kalender, nach dem Kalender) ist online:

1 (1) Fred Vargas: Die Nacht des Zorns

2 (-) Peter Temple: Tage des Bösen

3 (5) Matthew Stokoe: High Life

4 (7) Don Winslow: Die Sprache des Feuers

5 (3) Oliver Bottini: Der kalte Traum

6 (10) Carol O’Connell: Tödliche Geschenke

7 (-) David Ignatius: Der Deal

8 (4) Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels

9 (-) Michael Robotham: Der Insider

10 (8) John Hart: Das eiserne Haus

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Peter Temple, Matthew Stokoe, Don Winslow, David Ignatius und Donald Ray Pollock wünsche ich auch viele Leser.

Ebenso George Pelecanos („Ein schmutziges Geschäft“) und Adrian McKinty („Ein letzter Job“ [Lobeshymne folgt]).

Ansonsten: eine ziemlich männerlastige Liste.


TV-Tipp für den 7. Juni: ECHO Jazz 2012

Juni 7, 2012

MDR, 23.35

ECHO Jazz 2012

Wahrscheinlich weil der ECHO-Jazzpreis der Deutschen Phono-Akademie in Dresden verliehen wird, sieht der MDR sich genötigt, über die Preisverleihung zu berichten. Dieter Moor moderiert, es wird Lob- und Dankesreden und, hoffentlich, auch etwas Musik geben.

Die Preisträger sind schon bekannt und auch veröffentlicht.


„Sparks“ – ein Kurzfilm nach einer Geschichte von Elmore Leonard

Juni 6, 2012

Sparks“ (USA 2009) ist ein von Schauspieler Joseph Gordon-Levitt (Killshot, Inception, 50/50) geschriebener und gedrehter Kurzfilm mit Carla Gugino, Eric Stoltz und Xander Berkeley. Gordon-Levitts Regiedebüt basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Elmore Leonard, die zuerst in dem von Otto Penzler herausgeben Sammelband „Murder and Obsession“ (1999) und später in „When the Women come out to dance“ (2002), einem Sammelband mit neun Elmore-Leonard-Kurzgeschichten in dem auch „Fire in the Hole“, die Geschichte, die die tolle TV-Serie „Justified“ mit Timothy Olyphant als US Marshal Raylan Givens inspirierte, erschien.

Obwohl Gordon-Levitt die Dialoge (so meine Erinnerung, die ich schnell mit einem Blick in die Kurzgeschichte überprüfte) getreulich von Elmore Leonard übernahm, funktioniert der Kurzfilm besser als leicht experimentelles Experiment.


Michael Connelly – mit George Pelecanos und Richard Castle

Juni 6, 2012

Schon etwas älter, aber eben bei meiner George-Pelecanos-„Ein schmutziges Geschäft„-Recherche entdeckt:

Michael Connelly und George Pelecanos beantworten einige Fragen zu ihren damals neuen Büchern:

Michael Connelly beantwortet einige Publikumsfragen, die ihm Richard Castle vorliest:

Das erinnert mich daran, dass ich unbedingt wieder ein Buch von Michael Connelly lesen muss.

 

 

 


R. i. P. Ray Bradbury

Juni 6, 2012

Ray Bradbury (22. August 1920 – 5. Juni 2012)

Ich hab’s eben erfahren: der Science-Fiction-Autor Ray Bradbury ist tot.

Er schrieb unter anderem „Fahrenheit 451“ (verfilmt von Francois Truffaut), „Die Mars-Chroniken“, zahlreiche Kurzgeschichten und auch Drehbücher, unter anderem für „Alfred Hitchcock präsentiert“.

Demnächst werden wohl weitere Nachrufe folgen.

Bis dahin hilft ein Blick auf seine Homepage, Wikipedia (deutsch, englisch) und in der Kriminalakte wurde er auch einige Male erwähnt.

Die ersten Nachrufe gibt es bei People, SpiegelOnline und Hollywood Reporter.

 


Spero Lucas wickelt in George Pelecanos‘ „Ein schmutziges Geschäft“ ab

Juni 6, 2012

Spero Lucas ist ein Kriegsveteran, der jetzt in Washington, D. C., seine Brötchen als Ermittler für den Anwalt Tom Petersen und als Wiederbeschaffer verdient. Er verlangt, wenn er erfolgreich ist, vierzig Prozent des Wertes des verlorenen Gegenstandes. Ältere Krimifans dürften sich an John D. MacDonalds Wiederbeschaffungsexperten Travis McGee erinnern.

Jetzt übernimmt Lucas für den im Gefängnis sitzenden Drogenhändler Anwan Hawkins den Auftrag, zwei verschwundene Dreißig-Pfund-Drogenpakete zu finden. Sie wurden, im Abstand von drei Wochen, von einem Paketboten vor einer Haustür abgelegt und geklaut, bevor die Hawkins‘ unterstehenden, etwa zwanzigjährigen Drogenkuriere Tavon Lynch und Edwin Davis sie sich nehmen konnten.

Kurz darauf verschwindet ein drittes Paket, Lynch und Davis werden erschossen und ein filmbegeisterter Schuljunge hat gesehen, dass die beiden Drogenkuriere einem Polizisten das Paket gegeben haben. Auch die Spur in dem Doppelmord führt Lucas zur Polizei.

Mit „Ein schmutziges Geschäft“ will George Pelecanos, der Chronist Washingtons abseits der großen Politik, eine neue Serie beginnen und im ersten Band werden Pelecanos-Fans viele bekannten Themen und Elemente erkennen. Die ausführlichen Schilderungen des Lebens der kleinen Leute, der Fokus auf Probleme im heutigen Amerika (wobei Pelecanos, wie Bruce Springsteen in seinen Liedern, in seinen in verschiedenen Jahrzehnten spielenden Romanen auch eine Geschichte des Verfalls von Werten und dem Verlust des amerikanischen Traums erzählt), der sozialarbeiterische Touch, die Frage, wie die verschiedenen Ethnien miteinander umgehen, die Bedeutung der Populärkultur für seine Charaktere, die Nennungen von Liedern, Filmen, Büchern und Autoren, die Frage nach der Verantwortung des Individuums für seine Familie, vor allem die Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen, die Frage, wie man mit den Folgen seiner Entscheidungen umgeht und sein Leben gestaltet, wie man anständig bleibt in einer Welt, in der die eigenen moralischen Werte mit den Umständen kollidieren. Und, selbstverständlich, die Darstellung des Verbrechens als integralen Teil des Lebens in einer multiethischen Großstadt, die vor zwanzig Jahren auch die Mordhauptstadt der USA genannt wurde und in der 2011 immer noch über hundert Morde verübt wurden.

So versucht der ebenfalls filmbegeisterte Spero Lucas dem Schuljungen zu helfen, obwohl er selbst keine Ahnung hat, was er aus seinem Leben machen soll. Er findet die Drogenkuriere und seinen Auftraggeber, einen Drogenhändler der als Vater eines fast erwachsenen Sohnes aus dem Geschäft aussteigen will, durchaus sympathisch. Und der korrupte Polizist wurde wegen seines Vaters korrupt. Am Ende mündet alles, ohne dass sich wirklich etwas ändert, in einem Western-Showdown.

Das ist Pelecanos pur.

Ebenso steht in Pelecanos, der auch für die TV-Serien „The Wire“ und „Treme“ schrieb, fein konstruierter Geschichte „Ein schmutziges Geschäft“ nicht der nach den Thriller-Bestseller-Regeln formulierte überraschende Plot à la Jeffery Deaver oder Harlan Coben, sondern die Beschreibung des Alltags der Charaktere, die sich wie abgelauscht zu lesenden Gespräche und die sich daraus ergebenden Verwicklungen im Zentrum. Das erinnert dann eher an Elmore Leonard und Leonards Klassiker „Nr. 89 unbekannt“ (Unknown Man No. 89, 1977) wird von Pelecanocs auch mehrmals erwähnt.

Nachdem Pelecanos seine vorherigen Romanen immer durchgehend mulitperspektivisch erzählte, beschränkt er sich in „Ein schmutziges Geschäft“, bis auf wenige Szene, auf Spero Lucas‘ Perspektive; – fast wie in seinen frühen Romanen, den in der ersten Person erzählten, nicht übersetzten Nick-Stefanos-Privatdetektivromanen,

So ist „Ein schmutziges Geschäft“ auch eine Rückkehr zu einem einfacheren Erzählen mit weniger offensichtlich autobiographischen Elementen. Denn während in „Kein Weg zurück“ (The Way Home, 2009), „The Turnaround“ (2008) und „Der Totengarten“ (The Night Gardener, 2006) die Probleme von liebevollen Eltern und ihren pubertierenden Kindern, immerhin ist Pelecanos dreifacher Vater, stark im Vordergrund standen, ist der 29-jährige Spero Lucas noch ein Drifter ohne feste Beziehungen, aber mit Freunden und Bekannten, für die er freiwillig Verantwortung übernimmt. Fast wie die klassischen Privatdetektive.

George Pelecanos: Ein schmutziges Geschäft

(übersetzt von Jochen Schwarzer)

rororo Taschenbuch, 2012

384 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Cut

Regan Arthur Books/Little, Brown and Company, 2011

Hinweise

Homepage von George Pelecanos

Meine Besprechung von George Pelecanos’ “Wut im Bauch” (Hell to pay, 2002)

Meine Besprechung von George Pelecanos’ „Drama City“ (2005)

Meine Besprechung von George Pelecanos’ „Der Totengarten“ (The night gardener, 2006)

Meine Besprechung von George Pelecanos’ „The Turnaround“ (2008)

Meine Besprechung von George Pelecanos‘ „Kein Weg zurück“ (The way home, 2009)

George Pelecanos in der Kriminalakte

Und nun redet der Autor über sein schmutziges Geschäft

 


TV-Tipp für den 6. Juni: Auf der anderen Seite

Juni 6, 2012

Arte, 20.15

Auf der anderen Seite (D 2007, R.: Fatih Akin)

Drehbuch: Fatih Akin

In Hamburg nimmt ein türkischer Witwer eine Prostituierte bei sich auf. Nach ihrem Tod fährt sein Sohn nach Istanbul, um ihre Tochter zu suchen.

Auf der anderen Seite“ steht im Schatten von Fatih Akins großem Erfolg „Gegen die Wand“. Trotzdem erhielt der Ensemblefilm neben euphorischen Kritiken auch etliche Preise; unter anderem in Cannes den Preis für das beste Drehbuch, den Europäischen Filmpreis für das Drehbuch und den Deutschen Filmpreis in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Schnitt.

Sowohl auf der Dialogebene als auch in der gesamten Anlage der Geschichte findet er eine sehr überzeugende Balance aus Künstlichkeit und Realismus.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Baki Davrad, Nursel Köse, Hanna Schygulla, Tancel Kurtiz

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auf der anderen Seite“

Rotten Tomatoes über „Auf der anderen Seite“

Wikipedia über „Auf der anderen Seite“ (deutsch, englisch)


Die Shamus-Nominierungen 2012

Juni 5, 2012

Die Private Eye Writers of America (PWA) haben für den diesjährigen Shamus Award folgende Privatdetektivkrimis nominiert:

Best Hardcover P.I. Novel

Bye bye, Baby, von Max Allan Collins (Forge)

1222, von Anne Holt (Scribner)

When the Thrill Is Gone, von Walter Mosley (Riverhead)

A Bad Night’s Sleep, von Michael Wiley (Minotaur)

The Highly Effective Detective Crosses the Line, von Richard Yancey (Minotaur)

Best First P.I. Novel

The Plot Against Hip Hop, von Nelson George (Akashic)

Claire DeWitt and the City of the Dead, von Sara Gran (Houghton Mifflin Harcourt)

The Ocean Forest, von Troy D. Nooe (Ingalls)

The Shortcut Man, von P.G. Sturges (Scribner)

The Stranger You Seek, von Amanda Kyle Williams (Bantam Press)

Best Paperback Original P.I. Novel

Quarry’s Ex, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Threat Warning, von John Gilstrap (Kensington)

Serial, von John Lutz (Kensington)

Long Pig, von James L. Ross (Perfect Crime)

Fun & Games (Der Bewacher), von Duane Swierczynski (Mulholland)

Best P.I. Short Story

A Bullet from Yesterday, von Terence Faherty (Ellery Queen Mystery Magazine)

Mr. Monk & the Sunday Paper, von Lee Goldberg (EQMM)

Who I Am, von Michael Z. Lewin (EQMM)

Vampire Slayer Murdered in Key West, von Michael West (EQMM)

Dancer in a Storm, von L. A. Wilson (Alfred Hitchcock Mystery Magazine)

Die Preisverleihung ist auf der Bouchercon in Cleveland, Ohio, am Freitag, den 5. Oktober.

(via The Rap Sheet)


Cover der Woche

Juni 5, 2012

wegen


TV-Tipp für den 5. Juni: Romeo is bleeding

Juni 5, 2012

Bayern, 23.45

Romeo is bleeding (USA 1993, R.: Peter Medak)

Drehbuch: Hilary Henkin

Der korrupte Cop Grimaldi soll eine Berufskillerin, die sich mit der Mafia angelegt hat, beschützen. Er verliebt sich in sie und, auch weil sie ihr eigenes Spiel spielt, gerät er zwischen alle Fronten.

„Ein Film noir wie aus der Schreibmaschine von Cornell Woolrich“, steht vollkommen zutreffend im Fischer Film Almanach (1995).

mit Gary Oldman, Lena Olin, Annabella Sciorra, Juliette Lewis, Roy Scheider, Will Patton, David Proval, James Cromwell, Ron Perlman, Dennis Farina (Cameo)

Hinweise

Wikipedia über „Romeo is bleeding“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: Guy Savage über „Romeo is bleeding“


Die Nero-Nominierungen 2012

Juni 4, 2012

Das Wolfe Pack, ein in New York City residierender Verein von Fans von Rex Stouts einzigartigem Privatdetektiv Nero Wolfe, hat die Nominierungen für den diesjährigen Nero Award verkündet:

Guilt by Association, von Marcia Clark (Mulholland)

The Silent Girl, von Tess Gerritsen (Ballantine)

The House of Silk (Das Geheimnis des weißen Bandes), von Anthony Horowitz (Mulholland)

Spiral, von Paul McEuen (The Dial Press)

Though Not Dead, von Dana Stabenow (Minotaur)

Black Orchid Blues, von Persia Walker (Akashic)

 

Die Preisverleihung ist am ersten Samstag im Dezember (dieses Jahr der 1. Dezember) auf dem Black Orchid Banquet (einmal dürft ihr raten, woher der Name kommt) in New York City.

Mit dem tollen Sherlock-Holmes-Roman „Das Geheimnis des weißen Bandes“ hat es sogar ein Vorläufer von Nero Wolfe auf die Nominierungsliste gepackt.

Ach ja, nominiert werden Krimis, die in der Tradition der Nero-Wolfe-Krimis (antiquarisch gut erhältlich) stehen.

(via The Rap Sheet)


James Sallis erhält den Hammett-Preis 2012

Juni 4, 2012

Die North American Branch der International Association of Crime Writers hat auf der Bloody Words Conference in Toronto, Ontario, den diesjährigen Hammett-Preis an

The Killer is dying (Der Killer stirbt) von James Sallis

verliehen.

Nominiert waren außerdem

Feast Day of Fools, von James Lee Burke

Claire DeWitt and the City of the Dead, von Sara Gran

The Cat’s Table, von Michael Ondaatje

The Informant, von Thomas Perry

Ach, James Lee Burke und Thomas Perry könnten auch mal wieder übersetzt werden.

(via The Rap Sheet)

 


Die Arthur-Ellis-Award-Preisträger 2012

Juni 4, 2012

Die Crime Writers of Canada haben den diesjährigen Arthur-Ellis-Preis verliehen:

Best Crime Novel

Before the Poison, von Peter Robinson (McClelland & Stewart)

nominiert

A Trick of the Light, von Louise Penny (St. Martin’s Press)

I Am Half-Sick of Shadows, von Alan Bradley (Doubleday Canada)

I’ll See You in My Dreams, von William Deverell (McClelland & Stewart)

The Guilty Plea, von Robert Rotenberg (Simon & Schuster)

Best First Novel

The Water Rat of Wanchai (Die Wasserratte von Wanchai), von Ian Hamilton (House of Anansi Press)

nominiert

The Man Who Killed, von Fraser Nixon (Douglas & McIntrye)

The Survivor, von Sean Slater (Simon & Schuster)

Tight Corner, von Roger White (BPS Books)

Watching Jeopardy, von Norm Foster (XLibris)

Best Crime Book in French

La chorale du diable, von Martin Michaud (Les Editions Guelette)

nominiert

Pwazon, von Diane Vincent (Editors Triptyque)

Pour Ne Pas Mourir ce soir, von Guillaume Lapierre-Desnoyers (Levesque Editeur)

Best Juvenile or Young Adult Crime Book

Blink & Caution, von Tim Wynne-Jones (Candlewick Press)

nominiert

Charlie’s Key, von Rob Mills (Orca)

Empire of Ruins, von Arthur Slade (HarperCollins)

Held, von Edeet Ravel (Annick Press)

Missing, von Becky Citra (Orca)

Best Crime Non-fiction

Hot Art: Chasing Thieves and Detectives Through the Secret World of Stolen Art, von Joshua Knelman (Douglas & McIntyre)

nominiert

A Season in Hell, von Robert Fowler (HarperCollins)

The Devil and the Deep Blue Sea, von Steven Laffoley (Pottersfield)

The Pirates of Somalia, von Jay Bahader (HarperCollins)

The Weasel: A Double Life in the Mob, von Adrian Humphreys (Wiley)

Best Crime Short Story

What Kelly Did, von Catherine Astolfo (North Word Magazine)

nominiert

A New Pair of Pants, von Jas. R. Petrin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, September 2011)

Beer Money, von Shane Nelson (Ellery Queen Mystery Magazine, February 2011)

The Girl with the Golden Hair, von Scott Mackay (EQMM, December 2011)

The Perfect Mark, von Melodie Campbell (Flash Fiction, July 2011)

Best Unpublished First Novel (“Unhanged Arthur”)

Last of the Independents, von Sam Wiebe

nominiert

Gunning for Bear, von Madeleine Harris-Callway

Snake in the Snow, von William Bonnell

The Rhymester, von Valerie A. Drego

Too Far to Fall, von Shane Sawyer

(via The Rap Sheet)

 

 


Die ersten Dagger-Nominierungen 2012

Juni 4, 2012

Die British Crime Writers’ Association (CWA) hat schon vor einigen Tagen (aber wegen Aufschieberitis hier erst jetzt) in sechs Kategorien die diesjährigen Dagger-Nominierungen veröffentlicht:

CWA International Dagger

The Potter’s Field, von Andrea Camilleri, übersetzt von Stephen Sartarelli (Mantle)

I Will Have Vengeance, von Maurizio de Giovanni, übersetzt von Anne Milano Appel (Hersilia Press)

Until Thy Wrath Be Past, von Åsa Larsson, übersetzt von Laurie Thompson (Quercus/MacLehose)

Trackers, von Deon Meyer, übersetzt von T.K.L Seegers (Hodder & Stoughton)

Phantom, von Jo Nesbø, übersetzt von Don Bartlett (Harvill Secker)

The Dark Valley, von Valerio Varesi, übersetzt von Joseph Farrell (Quercus/MacLehose)

CWA Non-fiction Dagger

To Live Outside the Law, von Leaf Fielding (Serpent’s Tail)

Dark Market, von Misha Glenny (Vintage)

Hood Rat, von Gavin Knight (Pan Macmillan)

The Negotiator, von Ben Lopez (Little, Brown)

Witness, von David Smith, mit Carol Ann Lee (Mainstream)

The Eleventh Day, von Anthony Summers und Robbyn Swan (Transworld/Doubleday)

CWA Short Story Dagger

The Golden Hour, von Bernie Crossthwaite (aus „Guilty Consciences“, herausgegeben von Martin Edwards; Severn House)

Hixton, von William Kent Krueger (aus „Crimes von Moonlight“, herausgegeben von Charlaine Harris; Gollancz)

The Message, von Margaret Murphy (aus „Murder Squad: Best Eaten Cold and Other Stories“, herausgegeben von Martin Edwards; The Mystery Press)

He Did Not Always See Her, von Claire Seeber (aus „Guilty Consciences“)

A Long Time Dead, von Mickey Spillane und Max Allan Collins (aus „The Best American Mystery Stories 2011“, herausgegeben von Harlan Coben und Otto Penzler; Corvus)

Laptop, von Cath Staincliffe (from „Murder Squad: Best Eaten Cold and Other Stories“)

CWA Ellis Peters Historical Dagger

The Crown, von Nancy Bilyeau (Orion)

I Will Have Vengeance, von Maurizio de Giovanni (Hersilia Press)

Bitter Water, von Gordon Ferris (Corvus)

Prague Fatale, von Philip Kerr (Quercus)

Icelight, von Aly Monroe (John Murray)

Sacrilege, von S.J. Parris (HarperCollins)

A Willing Victim, von Laura Wilson (Quercus)

CWA Dagger in the Library

Belinda Bauer

S.J. Bolton

Susan Hill

Peter May

Steve Mosby

Imogen Robertson

CWA Debut Dagger

Death von Glasgow, von Jon Breakfield

Easy to Die, von Sean Carpenter

The Watchers, von Karen Catalona

One Man Army, von Bram E. Gieben

Beached, von Sandy Gingras

Trick, von Sean Hancock

Broken-Winged Bird, von Renata Hill

Death Knell, von Rob Lowe

Chasing Shadows, von Lesley McLaren

The Wrong Domino, von Simon Miller

Message from Panama, von Britt Vasarhelyi

Port of Spain, von Elizabeth Wells

Die Preisverleihung ist am 5. Juli und dann gibt es auch den zweiten Schwung mit Dagger-Nominierungen.


 


TV-Tipp für den 4. Juni: Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung

Juni 4, 2012

Arte, 22.50

Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung (Island 2008, R.: Óskar Jónasson)

Drehbuch: Arnaldur Indridason, Óskar Jónasson

Der Schmuggler und Familienvater Kristófer, auf Bewährung draußen, will, obwohl er finanziell kaum über die Runden kommt, ehrlich bleiben. Aber für seine Familie lässt er sich auf eine letzte Schmuggeltour ein.

Isländischer Kriminalfilm, der trockenen Humor mit rasanten Actionszenen verbindet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Für das gelungene US-Remake „Contraband“ übernahm Hauptdarsteller Baltasar Kormákur die Regie und Mark Wahlberg die Hauptrolle.

Heute hat mein eine der seltenen Gelegenheiten, sich das Original anzusehen – und man kann überrascht feststellen, dass einige der unglaublichsten Szenen schon im deutlich vom US-Gangsterthriller beeinflussten Original, das einen kräftigen Schluck aus der Kaurismäki-Pulle genommen hat, drin waren.

Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung“ wirkt wie die Skizze für „Contraband“.

mit Baltasar Kormákur, Ingvar Eggert Sigurdsson, Kilja Nótt Thórarinsdóttir

Wiederholung: Sonntag, 10. Juni, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Schwedenkrimi über Arnaldur Indridason

Meine Besprechung des Remakes „Contraband“


Verlosung: Wer will Ken Bruens saugeilen „Jack Taylor liegt falsch“?

Juni 3, 2012

So, jetzt haben auch die Pornofans auf diese Seite geklickt und sie werden wahnsinnig enttäuscht sein, dass „Jack Taylor liegt falsch“ ein Hardboiled-Privatdetektivkrimi mit einem unorthodoxen Ermittler ist.

Denn auch in seinem zweiten Jack-Taylor-Roman, der jetzt als Taschenbuch erschien, wird der Fall am Ende nicht wegen, sondern trotz des Ermittlers gelöst und gerade das macht die herrlich knappen und pointiert geschriebenen Taylor-Romane so faszinierend. Denn sie sind tiefschwarze Noirs voller Einzeiler und literarischer Anspielungen.

Mit dem in Galway ermittelndem Privatdetektiv Jack Taylor hatte Ken Bruen endlich den großen Durchbruch beim Publikum. Oder wie Krimiautor Mark Billingham (die Thorne-Thriller) sagte: „For years, those of us in the known, have read Ken Bruen. Now the rest of the world is catching up.“

In „Jack Taylor liegt falsch“ soll Jack Taylor, gerade aus London in sein heimatliches Galway zurückgekehrt und jetzt nicht nur Alkoholiker, sondern auch Junkie (etwas muss man ja aus London mitbringen), im Auftrag des Tinker-Anführers Sweeper herausfinden, wer in den vergangenen sechs Monaten vier Tinker, wie dort die Landfahrer und Kesselflicker heißen, tötete. Außerdem bringt jemand Schwäne um. Genug Arbeit für den schlechtesten Detektiv der Welt, der dafür einen erlesen Buchgeschmack hat und immer wieder verprügelt wird.

Dank dem netten Presseteam kann ich ein Exemplar von Ken Bruens PI-Noir „Jack Taylor fliegt raus“ verlosen. Die Teilnahmebedingungen sind:

Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de

Einsendeschluss ist Sonntag, der 10. Juni, um Mitternacht.

Ken Bruen: Jack Taylor liegt falsch

(übersetzt von Harry Rowohlt)

dtv, 2012

240 Seiten

8,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Atrium Verlag, 2010

Originalausgabe

The killing of the Tinkers

Brandon, 2002

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung „London Boulevard“ (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juni: Im Angesicht des Verbrechens – Teil 1/2

Juni 3, 2012

Dann mach ich mal einen Repost von meiner Kritik zur Premiere im Ersten, empfehle einen Blick in die unten stehenden Links und verschweige das traurige Ende der großen TV-Premiere

3sat, 23.10

Im Angesicht des Verbrechens: Berlin ist das Paradies/Wo wir sind, ist vorne (D 2010, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Nach der Premiere von „Im Namen des Verbrechens“ auf der Berlinale schrieben die Kritiker Jubelarien. Das kann allerdings auch einfach daran gelegen haben, dass sie sich beglückwünschten in zwei, jeweils gut fünfstündigen Sitzungen, den TV-Zehnteiler gemeinsam im Kinosaal gesehen zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem letzten Bild im Saal ein ähnliches Gefühl herrschte, wie bei einer Wandergruppe, die den Gipfel erstürmte. Geschafft und stolz auf die eigene Leistung.

Die TV-Premiere im Frühling auf Arte wurde dann auch mit mehr als wohlwollenden Artikeln begleitet und jetzt, zur ARD-Premiere zu einer durchwachsenen Uhrzeit (aufgrund der vielen nackten Haut kann der Film nicht um 20.15 Uhr gezeigt werden und einen späteren Serienslot hat das Erste nicht mehr), gibt es wieder seitenlange Jubelarien.

Dabei ist eines unbestritten: „Im Namen des Verbrechens“ ist das bislang umfangreichste Werk von Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow.

Und sehr wahrscheinlich werden Graf und Basedow nie wieder zehn Millionen Euro erhalten und die Tortur eines 500-minütigen Films mit 120 Drehtagen und 140 Sprechrollen und unzähligen Komparsen auf sich nehmen.

Allein dafür gebührt ihnen Respekt und natürlich gibt es in „Im Angesicht des Verbrechens“ viele grandiose Szenen. Aber insgesamt, vor allem wenn man sich den Zehnteiler in einem Rutsch ansieht (und nicht vom Gruppengefühl beeinflusst wird), enttäuscht die Serie.

Denn die Serie wirkt niemals wie ein in einem Stück gedrehtes Werk, sondern wie die von verschiedenen Autoren und Regisseuren gedrehten Folgen für eine Serie, die nach der ersten Folge lange nach der episodenübergreifenden Geschichte sucht.

Da kann man dann auch damit Leben, dass Subplots fallengelassen werden, es Irrwege gibt, die im Nachhinein, weil die Folge bereits gezeigt wurde, nicht mehr korrigiert werden können und einige für das Verständnis der Geschichte wichtige Punkte in jeder Episode wiederholt werden. Das kennt jeder, der sich US-amerikanische Serien, die fast in Echtzeit produziert werden, ansieht. Ich sage nur „24“.

Aber „Im Angesicht des Verbrechens“ wurde geschrieben, gedreht, geschnitten und erst dann der Öffentlichkeit präsentiert. Da müsste der episodenübergreifende Plot viel deutlicher sein und sich in jeder Folge weiterentwickeln.

Außerdem scheint Dominik Graf hier mit jeder Folge einen anderen Stil ausprobieren zu wollen. Da wird plötzlich exzessiv mit Split-Screens gearbeitet. Andere Folgen und Szenen erinnern mal an einen Horrorfilm, mal an einen Polizeifilm, mal an einen kitschigen Heimatfilm und mal an einen Märchenfilm. Außerdem feiern die russischen Gangster ungefähr einmal pro Folge ein rauschendes Fest mit Wein, Weib, Gesang und Tanz. Und ungefähr alle zehn Minuten gibt es eine das Herz des Berliners erfreuende Panoramaaufnahme von seiner Stadt.

Entsprechend verfranst wirkt vieles. So sollen nach dem vor jeder Folge gezeigten Vorspann (es spricht einiges dafür, dass das auch die für die Macher wichtigen Geschichten und Themen sind) der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), seine Liebe zu Jelena (Alina Levshin), die Suche nach dem Mörder seines Bruders Grischa und die enge Beziehung zu seiner Schwester Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangsterboss Mischa (ungewohnt blass: Misel Maticevic) geheiratet hat, im Mittelpunkt der Serie stehen.

Nur Mareks Wunsch, den Mörder seines vor zehn Jahren ermordeten Bruders zu finden, bezeichnet ein konkretes Ziel. Das ist allerdings über weite Strecken nicht handlungstreibend. Stattdessen jagen Marek und sein Polizistenkumpel Sven Lottner (Ronald Zehrfeld, der als draufgängerischer Polizist viel präsenter als Riemelt ist) russische Gangster, verfolgen einen halbseidenen Spediteur in den Osten und haben viel Spaß bei ihrer Arbeit. Doch auch der Kampf gegen die Russenmafia bleibt episodisches Stückwerk. Hier mal eine Razzia, da mal ein Zugriff auf ein Lagerhaus. Denn es wird nie deutlich, welcher Gangster am Ende der Staffel verhaftet werden soll. Entsprechend abrupt endet dann auch der Zehnteiler mit einer weiteren Razzia im benachbarten Brandenburg.

Die Liebesgeschichte zwischen Marek und Jelena spielt in der ersten Hälfte der Serie keine Rolle, in der zweiten Hälfte wird sie wichtiger. Aber sie erscheint psychologisch unmotiviert (jaja, Liebe macht blind und Wer verliebt ist, reagiert nicht vernünftig) und es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb Marek plötzlich versucht Jelenas Freundin Swetlana aus einem letztklassigem Puff in Weißrussland zu befreien.

Und Mareks Beziehung zu seiner Schwester Stella wird zwar immer wieder angesprochen. Aber es wird nie deutlich, wo denn genau der Konflikt für den superehrlichen, fast schon 150-prozentig korrekten (und entsprechend langweiligen) Polizisten Marek liegt. Denn er hat keine Ahnung, wie sehr Stellas Mann Mischa in die Geschäfte der Russenmafia verwickelt ist. Daher muss Marek sich über viele Folgen nicht zwischen seinem Beruf und seiner Schwester beziehungsweise seiner Familie entscheiden. Dieser Konflikt könnte, vor allem nach den in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ereignissen in den letzten beiden Episoden von „Im Angesicht des Verbrechens“, in einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens“ wichtig werden.

Aber ob es eine zweite Staffel gibt, werden die Fernsehredakteure erst nach der Ausstrahlung der ersten Staffel entscheiden. Dass die DVD, mal wieder mit einem ausgesucht hässlichem Cover und wenig Bonusmaterial (Herrje, warum darf Dominik Graf nicht mal einen Audiokommentar sprechen? Warum gibt es keine Doku über die Russenmafia?), bereits für den 16. November angekündigt ist, sagt allerdings einiges über die Erwartungen der Macher aus. Denn dann läuft die Serie noch im Ersten.

Trotz aller Kritik spricht für die Serie, dass hier endlich einmal mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht wurde, dass versucht wurde ein großes Epos zu drehen und dass sich nicht an die biederen Konventionen des neunzigminütigen TV-Films gehalten wurde.

Die weiteren Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ werden, immer als Doppelfolgen, am Dienstag um 22.25 Uhr, Mittwoch um 22.25 Uhr, Donnerstag um 22.40 Uhr und Freitag um 22.25 Uhr gezeigt.

mit Max Riemelt (Marek Gorsky), Marie Bäumer (Stella), Misel Maticevic (Mischa), Ronald Zehrfeld (Sven Lottner), Alina Levshin (Jelena), Katja Nesytowa (Swetlana)

Hinweise

ARD über „Im Angesicht des Verbrechens“

Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau: Klaudia Wick über “Im Angesicht des Verbrechens” (21. Oktober 2010)

Tagesspiegel: Markus Ehrenberg über “Im Angesicht des Verbrechens” (21. Oktober 2010)

Kriminalakte: Links zu Artikeln über die Serie und das Gespräch mit dem Publikum nach der Berlinale-Premiere

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte