DVD-Kritik: „Amer“ ist nicht Kommerz, sondern Kunst

April 7, 2012

Vielleicht muss es so aussehen, wie in „Amer“, wenn aus Trash Kunst wird. Hélène Cattet und Bruno Forzani haben sich den den Giallo, ein in den siebziger Jahren beim Publikum beliebtes und kommerziell entsprechend erfolgreiches Subgenre des italienischen Kriminal- und Horrorfilm, das inzwischen von einigen Regisseuren gefeiert und von der Kritik rehabilitiert (wenigstens teilweise) wurde, als stilistische Vorlage für ihr Schaffen genommen. Denn neben ihrem Spielfilm „Amer“ gibt es auf der DVD noch vier, schon ältere Kurzfilme, die stumme Vorstudien und auch Variationen von „Amer“ sind. Immer geht es um Sex und Gewalt, möglichst explizit in den den Andeutungen, aber möglichst abstrakt in der Ausführung und immer mit einem Soundtrack, der Geräusche und Musik zu einer beunruhigenden Klangcollage verbindet.

Aber während die Kurzfilme meistens eine Aneinanderreihung von Bildserien sind, ist „Amer“ ein Spielfilm, der viel Raum für Assoziationen lässt und mit einem Minimum an Dialogen auskommt. Immer geht es um das Feiern des Augenblicks und dem Hervorrufen von bestimmten Gefühlen.

Das ist in dem ersten Teil von „Amer“, der strukturell aus drei sehr locker miteinander verknüpften Kurzfilmen mit der gleichen Protagonistin in verschiedenen Lebensphasen besteht, noch spannend. Immerhin versucht ein Mädchen damit umzugehen, dass in dem Herrenhaus der tote Großvater aufgebahrt ist, ihre Eltern sich lautstark streiten, die Großmutter durch das Haus schleicht und alles etwas seltsam ist. Sex, Tod und Gewalt liegen wie ein Pesthauch über den Bildern, die anscheinend direkt aus einem Siebziger-Jahre-Italo-Horrorfilm kommen.

Aber schnell wird deutlich, dass es hier nur um Stimmungen geht; was ja nicht so schlimm ist. Immerhin hat Dario Argento, der „Amer“ unübersehbar in jeder Sekunde beeinflusste, sein gesamtes Œuvre darauf aufgebaut.

Aber während Argento und seine Kollegen immer noch eine, wenn auch abstruse Story erzählte, sind Hélène Cattet und Bruno Forzani nur noch an den Stimmungen interessiert, die sie teilweise über Minuten ausdehnen. Wenn in dem zweiten Segment, das eher an einen der soften Italo-Sexfilme der siebziger Jahre (Sommer, Sonne, viel Gegenlicht, leichte Kleidung, aber die Schönheit leckt sich nur die Lippen und öffnet den obersten Knopf ihres Kleides) erinnert, die Protagonistin, die sich gerade ihres Frau-Seins bewusst wird, eine gefühlte halbe Stunde an einer Handvoll, sie lüstern anstarrender Motorradfahrer vorbeiparadiert, dann ist das so übertrieben wie in einem Michael-Bay-Film, der ebenfalls den Augenblick bis zum Erbrechen zelebriert.

Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass „Amer“ Kunst ist, der mit der Form des Giallos spielt und besser als einzeln präsentierte Kurzfilme oder in einer Kunstausstellung aufgehoben wäre. Als Spielfilm langweilt der surreale Experimentalfilm nur zunehmend.

Amer – Ein Alptraum aus Angst und Begierde (Amer, Frankreich/Belgien 2009)

Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani

Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani

mit Marie Bos, Delphine Brual, Cassandra Foret, Charlotte Eugène-Guibbaud, Harry Cleven

DVD

Koch Media

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1, DTS)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Vier Kurzfilme von Cattet und Forzani (Catharsis, Chambre Jaune, L’étrange portrait de dame en jaune, La fin de notre amour), Kinotrailer, Wendecover

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Eskalierende Träume: Interview mit Hélène Cattet und Bruno Forzani (23. August 2010)

Blutbengel über „Amer“ (12. Januar 2012)

 


TV-Tipp für den 7. April: Der große Coup

April 7, 2012

RBB, 23.35

Der große Coup (USA 1973, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Dean Riesner, Howard Rodman

LV: John Reese: The Looters, 1968 (später wegen des Films “Charley Varrick”)

Zufällig klaut Charley Varrick bei einem Überfall auf eine Provinzbank eine dreiviertel Million Dollar. Dummerweise gehört das Geld der Mafia – und die versteht keinen Spaß.

Herrlich amoralischer Gangsterfilm, bei dem ein Einzelner einen scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen eine große, skrupellose Organisation aufnimmt.

„In diesem besten von Siegels späten Filmen wird nicht nur mit dem Genre gespielt, bis ein Westernmuster in einem Mafiafilm aufscheint, sondern sein Drehbuch ist auch derart ausgefeilt, dass es seine Wahrheit erst im letzten Moment offenbart.“ (Kevin Gough-Yates, in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)

John Reese schrieb in erster Linie Western.

Mit Walter Matthau, Joe Don Baker, John Vernon, Felicia Farr, Don Siegel (als Tischtennisspieler)

Hinweise

Wikipedia über „Der große Coup“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


TV-Tipp für den 6. April: Sin City – Recut & Extended

April 6, 2012

Pro7, 23.00

Sin City (USA 2005, R.: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.

Heute läuft nicht die Kinofassung, sondern die etwas längere „Recut & Extended“-Version, mit einer Betonung auf „Recut“.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Wiederholung: Sonntag, 8. April, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons: Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1), 2010 (Give me liberty, 1990)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Lady“ – ein Biopic über Aung San Suu Kyi

April 5, 2012

Wir haben Luc Besson. Der Mann, der „Subway“, „Nikita“, Leon, der Profi“ und „Das fünfte Element“ inszenierte und in den vergangenen Jahren, gefühlt, mindestens jeden zweiten französischen Action-Film produzierte.

Wir haben Michelle Yeoh. Die Hongkong-Action-Schauspielerin, die in „Heroic Trio“ entzückte, kurz darauf in „Der Morgen stirbt nie“ James Bond verkloppte, danach in „Tiger & Dragon“ und „Die Geisha“ mitspielte, inzwischen auch als Schauspielerin anerkannt ist und die treibende Kraft bei „The Lady“ war.

Wir haben ein beeindruckendes Schicksal. Nämlich das von Aung San Suu Kyi, die, mit kurzen Unterbrechungen, über zwanzig Jahre in der Militärdiktatur Birma (bzw. Burma oder Myanmar) im Hausarrest gefangen gehalten wurde, 1991 für ihr gewaltfreies Engagement für die Demokratie und Menschenrechte den Friedensnobelpreis erhielt und jetzt, bei Nachwahlen, endlich triumphierend in das Parlament einziehen dürfte.

Wir haben den Spielfilm „The Lady – Ein geteiltes Herz“, der auf ihrem Leben basiert. Aung San Suu Kyi wird von Michell Yeoh gespielt und Luc Besson setzte sich wieder auf den Regiestuhl. Dass er starke Frauen inszenieren kann, bewies er immer wieder. So auch 1999 in „Johanna von Orleans“. Damals inszenierte er eine bildgewaltige, durchaus umstrittene, Schlachtplatte mit einer jungen Action-Heroine, die auch ein gläubiges Erweckungserlebnis hatte und zur fanatischen Anführerin gegen die Unterdrücker wurde.

Aung San Suu Kyi ist das gewaltfreie Gegenmodell zu Johanna von Orleans und Bessons Film erzählt auch weniger von ihrem politischen Kampf, sondern von ihrer Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern. „The Lady“ ist kein Biopic über eine Politikerin, sondern über eine Ehefrau, die von ihrem Mann getrennt wird.

Und genau das ist die Crux von „The Lady“. Anstatt uns zu erklären, warum die am 19. Juni 1945 geborene Aung San Suu Kyi, nachdem sie jahrelang nicht in ihrer Heimat war, sich als 43-jährige glücklich verheiratete Mutter plötzlich politisch engagiert, nach dem Tod ihrer Mutter nicht wieder nach England zu ihrem über alles geliebten Ehemann (David Thewlis als leicht zerstreuter Wissenschaftler) und ihren beiden Kindern zurückkehrt, sondern in ihrem Heimatland bleibt und die Repressionen erduldet, wird in dem Film vor allem ein erstaunlich intaktes Familienidyll gezeigt. Denn trotz der Trennung stehen sie einmütig zusammen.

Aber so beantworten die Macher von „The Lady“ die für den Film zentrale Frage, was diese Frau antreibt, nicht. Sie versuchen es noch nicht einmal wirklich.

Es wird auch nie genauer auf ihr politisches Programm eingegangen. Stattdessen darf sie, als gut aussehendes Symbol der Demokratiebewegung, schüchtern lächelnd durch das Land ziehen, Hände schütteln und Reden über die Vorzüge von freien Wahlen halten. Dagegen kann nun wirklich niemand, vor allem im demokratischem Westen, etwas haben.

Am Ende des über zweistündigen Films bleibt nur eine gut inszenierte, gut gespielte, arg propagandistische und zu lang geratene Heldenverehrung übrig, der es gelingt, das Leben einer Politikerin gänzlich unpolitisch und reduziert auf das private Drama zu erzählen.

The Lady – Ein geteiltes Herz (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Rebecca Frayn

mit Michelle Yeoh, David Thewlis, Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse, Susan Wooldridge, Benedict Wong

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Lady“

Rotten Tomatoes über „The Lady“

Wikipedia über „The Lady“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Iron Sky“ bringt die Nazis 1945 auf den Mond – und 2018 zurück

April 5, 2012

Die Geschichte hinter dem Film

 

Jahrelang geisterte „Iron Sky“ durch das Internet. Zuerst als spinnerte Idee, die ungefähr so lautete: „Wir machen einen Film, in dem Nazis auf der Rückseite des Mondes leben.“ Da konnte jeder seinen Senf dazu geben.

Danach wurde gemunkelt, das Budget für diesen Film sollte aus einer neuen Geldquelle stammen. Nämlich nicht aus den Taschen eines mächtigen Produzenten oder aus verschiedenen Fördertöpfen. Nein, „Iron Sky“ sollte von seinen Fans finanziert werden. Crowd Investment wird das genannt – und so neu ist das auch nicht. Denn schon immer haben Regisseure ihre Debüts teils auf sehr abenteuerlichen Wegen finanziert.

Die Idee des Crowd Investment wurde skeptisch beäugt. Würde es wirklich auf diesem Weg gelingen, einen Film zu finanzieren? Und was für ein Film soll entstehen, wenn tausende Leute, von denen die Meisten keine Ahnung vom Filme machen haben, mitreden dürfen? Denn schon die Besprechungen für einen normal finanzierten Film sind aufreibend genug.

Jetzt ist „Iron Sky“ fertig, er wurde auf der Berlinale gezeigt, startet heute im Kino und ein Blick auf die Zahlen ernüchtert.

Denn wie schon ein Blick auf die Namen der Geldgeber zeigt, waren ganz viele Investoren dabei, die auch viele andere Filme finanzieren. Offiziell beträgt das Budget 7,5 Millionen Euro, davon kamen 750.000 Euro von der Crowd, der Rest ganz traditionell von Produzenten und aus Fördertöpfen, wie Hessen Invest und DFFF. Da scheint, auch wenn durch das Crowd Funding Finanzierungslücken geschlossen werden konnten und Regisseur Timo Vuorensola auf die Fanbasis von seinem No-Budget-Film „Star Wreck: In the Pirkinning“ aufbauen konnte, doch eher ein Marketing-Gag und weniger die Zukunft der Filmfinanzierung zu sein.

 

Der Film

 

Schon in der ersten Minute von „Iron Sky“ ist klar, dass Timo Vuorensolas kein wackeliges, amateurhaftes You-Tube-Video oder eine reine Selbstbespaßung der kleinen Geldgeber (aka „The Crowd“) machen wollte. Nein, „Iron Sky“ ist ein richtiger Spielfilm, der auch ohne große Verrenkungen und fünfmaliges Ausrufen der alles entschuldigenden Zauberformel „Trash!“ wie ein Spielfilm besprochen werden kann.

2018 entdeckt eine US-amerikanische Mondmission, dass auf der Rückseite des Mondes Nazis, die kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs mit Reichsflugscheiben (Ähem, volkstümlich Ufos.) in den Weltraum flüchteten und dort ihr Reich aufgebaut haben. Durch die Entdeckung beunruhigt, beschließt ihr Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) mit der schon lange geplanten Invasion der Erde zu beginnen.

Als Voraustrupp werden Nachrichtenübermittlungsoberführer Klaus Adler (Götz Otto) und seine Künftige, die stramme Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze), zusammen mit dem gefangenen afroamerikanischen Astronauten James Washington (Christopher Kirby), der vor allem wegen seines Aussehens auf die Mondmission geschickt wurde, auf die Erde geschickt. Sie sollen der Präsidentin der USA ihre Forderung zur bedingungslosen Aufgabe überbringen und einige Smartphones, die die dringend benötigte Technik für ihre Nazi-Überwaffe enthalten, besorgen.

Die Präsidentin, ein Sarah-Palin-Lookalike, ist gerade im Wahlkampf und findet da, vor allem weil die als Wahlkampf-Aktion geplante Mondmission schiefging, erstens, den Nazi-Look von Klaus Adler und Renate Richter toll, und hält, zweitens, einen Krieg, vor allem gegen Nazi-Invasoren, für das sichere Ticket zu ihrer Wiederwahl.

Während die Story weitgehend in den bekannten Fahrwassern der Alien-Invasionsfilme spielt, und gerade im Mittelteil, wenn die Nazis zu Wahlkampfhelfern werden, vor sich hin plätschert, sorgen die vielen Ideen und teils platten satirischen Spitzen immer wieder für Lacher. Denn die Idiotien des Wahlkampfs, Sarah Palin (heute vergessen, 2008 Vizepräsidentinkandidatin) und das Gebaren der Politiker in internationalen Gremien sind dankbare, aber auch einfache Opfer. Das gleiche gilt für die Werbewelt, die in „Iron Sky“ hoffnungslos und vollkommen unkritisch dem Nazi-Look und deren Herrenmenschenideologie verfällt.

Bei dem Ausmalen der Welt der Nazis haben die Macher dann wirklich viel Liebe zum Detail bewiesen. Denn sie haben die Technik und auch Optik der vierziger Jahre in die nahe Zukunft fortgesponnen. Es ist eine Steampunk-Welt, in der die Technik in vielen Punkten einfach stehen geblieben ist. Daher erfolgt die Invasion der Nazis am Ende des Films auch stilecht mit Zeppelinen. Tilo Prückner darf als Nazi-Wissenschaftler den Mad Scientist spielen, der seit Jahrzehnten an der „Götterdämmerung“, der Überwaffe der Nazis, die gegen Filmende, nachdem er mit einem Smartphone, das deutliche kleiner und leistungsfähiger als seine Computer ist, die letzten technischen Probleme löst, auch eingesetzt wird.

Und es gibt noch viele weitere gelungene Details, wie das arisierende Albinoserum, die Architektur der Mondstation konform zu den bekannten Nazi-Symbolen und die Anweisung, was bei einem Alarm zu tun ist.

Die Tricks sind, vor allem wenn man das Budget bedenkt, erstaunlich gelungen und sie müssen sich wirklich nicht vor deutlich höher budgetierten Hollywood-Produktionen verstecken. Schließlich waren sie bei „Independence Day“ auch nicht besser. Aber im Gegensatz zu Roland Emmerichs Kassenhit gibt es in Timo Vuorensolas „Alien“-Invasionsfilm eine ordentliche Portion Humor. Fast so, als habe man einen Remix aus „Independence Day“ und „Mars Attacks“ gemacht und die Aliens durch Nazis ersetzt.

Iron Sky (Iron Sky, Finnland/Deutschland/Australien 2012)

Regie: Timo Vuorensola

Drehbuch: Michael Kalesniko, Johanna Sinisalo (nach einem Konzept von Jarmo Puskala)

Musik: Laibach

mit Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby, Tilo Prückner, Peta Sergeant, Stephanie Paul

Länge: 93 Minuten

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Iron Sky“

Rotten Tomatoes über „Iron Sky“

Wikipedia über „Iron Sky“ (deutsch, englisch)

Süddeutsche Zeitung: Gunnar Herrmann über die Finanzierung von „Iron Sky“ (4. April 2012)

Bonusfilm

„Star Wreck: In the Pirkinning“ von „Iron Sky“-Regisseur Timo Vuorensola


Die KrimiZeit-Bestenliste April 2012

April 5, 2012

Ohne großes Tamtam und Trara: Die KrimiZeit-Bestenliste für den April:

1 (3) Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels

2 (5) Oliver Harris: London Killing

3 (-) Oliver Bottini: Der kalte Traum

4 (8) Fred Vargas: Die Nacht des Zorns

5 (2) Arne Dahl: Gier

6 (-) Andrea Maria Schenkel: Finsterau

7 (-) Tapani Bagge: Schwarzer Himmel

8 (-) Bernhard Jaumann: Steinland

9 (4) Georg M. Oswald: Unter Feinden

10 (-) Giancarlo de Cataldo/Mimmo Rafele: Zeit der Wut

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Pollock, Harris und Bagge liegen auch auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Schenkel – – – werd ich wohl nie verstehen, aber überraschen tut es mich auch nicht.


TV-Tipp für den 5. April: Tatort: Bienzle und die schöne Lau

April 5, 2012

SWR, 22.00

TATORT: Bienzle und die schöne Lau (D 1993, R.: Hartmut Griesmayr)

Drehbuch: Felix Huby, Werner Zeindler

LV: Felix Huby: Bienzle und die schöne Lau, 1985

Hobbytaucher Fritz Laible stirbt bei einem Tauchgang in eine Unterwasserhöhle. War es ein Unfall? Oder hat ihn seine attraktive Frau Vera umgebracht? Bienzle ermittelt.

Der zweite Bienzle. Damals, bei der Erstausstrahlung, gefiel er mir ganz gut. Oder verklärt die Erinnerung die nackten Tatsachen?

Wer mehr „Tatort“ will: im SWR läuft um 20.15 Uhr „Das Lächeln der Madonna“ (mit Kommissarin Blum), im WDR um 20.15 Uhr „Rückspiel“ (mit den Kommissaren Ballauf, Schenk, Ehrlicher und Kain), im HR um 21.45 Uhr „Passion“ (mit Kommissar Eisner). Gut, dass das Erste um 23.30 Uhr das „Venezianisches Finale“ mit Kommissar Brunetti liefert.

Mit Dietz Werner Steck, Rüdiger Wandel, Rita Russek, Despina Pajanou

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Meine Besprechung von Felix Hubys „Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer“ (2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Null Chance” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Bienzle und das ewige Kind” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Adieu, Bienzle” (2011)


DVD-Kritik: Blöder Titel, guter Geisterhaushorror: „Tanz der Totenköpfe“

April 4, 2012

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, als die deutschen Verleiher bei der Titelsuche sehr kreativ waren. Aus dem doch eher undramatischen „The Legend of Hell House“ wurde marktschreierisch, vielleicht auch in Anlehnung an den „Tanz der Vampire“, der „Tanz der Totenköpfe“ und auf das deutsche Filmplakat wurde ein Totenschädel gemalt.

Nun, gut. Mit etwas Fantasie entdeckt man auch ein, zwei Totenköpfe in dem Horrorfilm. Aber einen „Tanz der Totenköpfe“ gibt es nicht. John Houghs Film, der nach einem Roman und Drehbuch von Richard Matheson (zuletzt die Vorlage für „Real Steel“), entstand, ist ein richtig altmodisch-zünftiger Geisterhaus-Thriller. Denn in dem titelgebendem Höllenhaus fanden in der Vergangenheit so viele schlimme Dinge statt, dass es in der Szene der „Mount Everest der Geisterhäuser“ genannt wird. Zuletzt schlug das übersinnliche Grauen vor zwanzig Jahren zu. Damals überlebte nur Ben Fischer (Roddy McDowall). Danach wurde das Haus versiegelt.

Erst jetzt, kurz vor seinem Tod, will der schwerreiche Besitzer herausfinden, ob sein Landhaus verflucht ist oder ob es eine rationale Erklärung für die damaligen Ereignisse gibt. Er gibt dem Physiker Dr. Lionel Barrett (Clive Revill), den Medien Ben Fischer und Florence Tanner (Pamela Franklin) viel Geld, damit sie innerhalb einer Woche herausfinden, was mit dem Haus los ist.

Die vier – Dr. Barrett wird von seiner Frau Ann (Gayle Hunnicutt) begleitet – betreten das Haus und schon bald treffen sie auf den ersten Geist. Oder spielt ihnen ihre Fantasie einen Streich und es gibt für alles eine rationale Erklärung?

Natürlich erinnert „Tanz der Totenköpfe“ an „Bis das Blut gefriert“ (The Haunting, USA 1960, R.: Robert Wise), den heute wohl bekanntesten Geisterhausfilm, dessen Story auch die Blaupause für zahlreiche weitere Filme und Bücher war. Aber Houghs Version weiß trotzdem gut zu unterhalten. Das liegt einmal an dem straffen Drehbuch von Richard Matheson, der geschickt die Sympathien zwischen den vier Hausgästen verteilt und der keine Zeit für Abschweifungen hat. Insofern ist der „Tanz der Tötenköpfe“ auch ein Beispiel für effektives Geschichtenerzählen.

Dazu kommen noch die expressionistische Farbkamera in ihrem grandiosen Siebziger-Jahre-Stil und die Musik von Brian Hodgson und Delia Derbyshire, die auch zu den Gründungsmitgliedern der einflussreichen Band „White Noise“ gehörten, deren experimentelle elektronische Klänge auch „Stereolab“ beeinflussten. Derbyshire schrieb 1962 die elektronische Version der Titelmelodie von „Dr. Who“. Die Musik für „Tanz der Totenköpfe“ war ihre letzte Komposition vor einer jahrelangen Pause vom Komponieren, die die 2001 verstorbene Musikerin erst kurz vor ihrem Tod beendete.

Die elektronischen Klangcollagen von Hodgson und Derbyshire tragen viel zum Schrecken bei – und wenn es damals schon Dolby Digital 5.1 in den Kinos gegeben hätte, wäre der Horror perfekt.

Der „Tanz der Totenköpfe“ ist ein feiner, kleiner Horrorfilm, der definitiv eine Wiederentdeckung lohnt. Denn wenn die Jungs von der OFDB recht haben, lief diese Genreperle seit fast zwanzig Jahren nicht mehr im TV.

 

Die DVD

 

Für die DVD wurde ein neues HD-Remaster genommen. Entsprechend gut ist das Bild des 1972 gedrehten Films. Als Bonusmaterial gibt es nur den Trailer. Da hätte man doch wenigstens noch einige Texttafeln mit Hintergrundinformation, eine kleine Bildergalerie und ein Wendecover liefern können.

 

Andere Meinungen

 

Ein primitives Schaubuden-Spektakel in seltsam unterkühlter, zuweilen fast steriler Atmosphäre, das selbst für Fans von modischem Okkultismus zu dürftig ausfällt.“ (Lexikon des Internationalen Films)

 

Außerdem strebt der Film zu methodisch auf seinen Höhepunkt zu, indem die mysteriösen Dinge sich häufen und ausweiten und die pyrotechnischen Kunststückchen der Spezialeffekte an Lautstärke und Heftigkeit immer mehr zunehmen und uns so auf eine Laboratoriumsfeuersbrunst am Schluss vorbereiten wie in den Horrorfilmen von anno dazumal. Wenn diese dann kommt – allerdings erst nach der heute obligatorischen Sexszene -, ist sie einigermaßen zufriedenstellend realisiert.“ (William K. Everson: Klassiker des Horrorfilms, 1979)

 

Den Produzenten muss der Schlag getroffen haben, als er sich das Machwerk vorführen ließ. Bleibt nachzutragen, dass die tanzenden Totenköpfe möglicherweise beim Transport der Filmspulen nach Deutschland in der Nordsee ertrunken sind. Im Film kommen sie jedenfalls nicht vor.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms, 1985)

 

 

Tanz der Totenköpfe (The Legend of Hell House, GB 1973)

Regie: John Hough

Drehbuch: Richard Matheson

LV: Richard Matheson: Hell House, 1971 (Das Höllenhaus)

mit Pamela Franklin, Roddy McDowall, Clive Revill, Gayle Hunnicutt, Roland Culver, Peter Bowles

auch bekannt als „Kampf der Totenköpfe“ (TV-Titel und noch abstruser als der Kinotitel)

DVD

Black Hill Pictures/Koch Media

Bild: 16:9 (1,85:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Tanz der Totenköpfe“

Rotten Tomatoes über „Tanz der Totenköpfe“

Cinefantastique Online über „Tanz der Totenköpfe“

Twitch Film über „Tanz der Totenköpfe“

Kriminalakte: Ein episch langes Interview mit Richard Matheson

Meine Besprechung der Richard-Matheson-Verfilmung „Real Steel“

Richard Matheson in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 4. April: Hunger

April 4, 2012

Arte, 23.20

Hunger (Hunger, GB/Irland 2008)

Regie: Enda Walsh, Steve McQueen

Ein mit Preisen überschütteter Spielfilm über den Hungerstreik von Bobby Sands und weiterer IRA-Kämpfer 1981 im nordirischen Maze Prison. Sie wollten als politische Gefangene anerkannt werden.

Definitiv keine leichte Kost.

mit Michael Fassbender, Stuart Graham, Liam Cunningham

Wiederholung: Mittwoch, 11. April, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hunger“

Wikipedia über Bobby Sands (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, GB 2011)


DVD-Kritik: „The Prisoner“ will nicht Nummer 6 sein

April 3, 2012

Ein Mann erwacht in der Wüste. Er hat keine Ahnung, wie er dorthin gekommen ist. Kurz darauf entdeckt er eine Stadt, die anscheinend aus der Zeit gefallen ist. Jedenfalls erinnert die Stadt in der Wüste eher an eine Golden-Age-Hollywood-Stadt als an eine reale Stadt der Gegenwart. Die Einwohner sind freundlich zu ihm und sie scheinen ihn auch alle zu kennen.

Nummer 6, wie der Mann von den Bewohnern der Stadt genannt wird, will sich allerdings nicht mit diesem Leben arrangieren. Denn er weiß, dass es eine andere Welt gibt und er will wieder zurück in sein altes Leben, an das er sich nur bruchstückhaft erinnert. Auch wenn ihm alle Stadtbewohner und der Herrscher der Stadt freundlich, aber bestimmt versichern, dass er sich irrt.

The Prisoner“ war als Remake der britischen Serie „The Prisoner“ (Nummer 6) von 1967/68 mit James Caviezel als Nummer 6 und Ian McKellen als Nummer 2 (aka das Oberhaupt der Stadt) angekündigt. Weil das Original mit Patrick McGoohan als Nummer 6 schon seit Jahren Kultstatus genießt, immer wieder als eine der besten TV-Serien genannt wird und dessen Thematisierung von verschiedenen Theorien über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, die damals diskutiert wurden, allgemein bewundert wird, hat ein Remake natürlich schlechte Karten. Gerade der direkte Vergleich mit dem allgemein geschätztem Original planiert schnell und sehr breit den Weg zu hämischen Verrissen. Wahrscheinlich deshalb wurde 2009, vor der TV-Premiere, auch öfters von einem zeitgemäßen Update der Serie gesprochen und so gesehen ist die neue Version von „The Prisoner“ als interessanter Mindfuck à la „Inception“ (USA 2010), gedreht mit einem Bruchteil von Nolans Budget, durchaus einen Blick wert.

Denn wenn man „The Prisoner“ einfach nur nach seinem eigenen Standard als Science-Fiction-Miniserie mit einer interessanten Prämisse betrachtet, ist es, trotz Schwächen, wie Episoden, die zwar das Leben in der Stadt genauer zeigen, aber Nummer 6 nicht näher an die Lösung bringen, eine optisch beeindruckende TV-Serie, die nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und der Rolle des Einzelnen im Kapitalismus fragt. Das ist heute der große Konflikt. Denn die Blockkonfrontation ist vorbei und an die großen, alles erklärenden Theorien glaubt auch niemand mehr wirklich. Außerdem hat die Gestaltungsmacht der Politik gegenüber der Wirtschaft, vor allem gegenüber multinationalen, globalen Konzernen, radikal abgenommen hat.

Alle Bewohner der Stadt haben sich in dieser freundlichen „Brave New World“-Diktatur eingerichtet und sie erinnern sich gar nicht mehr an ihr anderes Leben; falls es das jemals gegeben hat. Auch die plötzlich auftauchenden Löcher im Boden, die deutliche Signale sind, dass in dieser Welt etwas nicht in Ordnung ist, irritieren die Bewohner nicht sonderlich.

Dummerweise wird dieser Konflikt von Nummer 6 und den Bewohnern, abgesehen von dem abstrakten Konflikt zwischen individueller Freiheit und dem Gehorchen des Kollektivs, nie genauer ausgeführt und zu einer veritablen Kapitalismuskritik zugespitzt. Insofern ist „The Prisoner“ gerade bei der Behandlung seines Themas kraftlos und harmloser als nötig.

Dazu passt auch, dass das Ende der sechsteiligen Miniserie zwar emotional, aber nicht rational befriedigend ist.

The Prisoner (The Prisoner, GB 2009)

Regie: Nick Hurran

Drehbuch: Bill Gallagher

mit James Caviezel, Ian McKellen, Ruth Wilson, Jamie Campbell Bower, Hayle Atwell, Rachel Blake, Lennie James, Renate Stuurmann

DVD

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Entfallene Szenen, Making of, Die Welt des Prisoner, Comic Con Panel, Interview, Regiebesprechung

Länge: 277 min

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „The Prisoner“

AMC über „The Prisoner“

Fanseite zu „The Prisoner“ (Original und Remake)

 


Cover der Woche

April 3, 2012


TV-Tipp für den 3. April: Kein Mord bleibt ungesühnt

April 3, 2012

ZDFneo, 22.10

Kein Mord bleibt ungesühnt (F 2006, R.: Franck Mancuso)

Drehbuch: Franck Mancuso

LV: Lawrence Block: Like a bone in the throat (Kurzgeschichte, abgedruckt in “Enough Rope”)

Ein Sexualstraftäter ermordet die neunjährige Tochter des Polizisten Malinowski. Der kurz darauf als Täter verurteilte Eckman beteuert in Briefen gegenüber Malinowski seine Unschuld. Als Malinowski deshalb auf eigene Faust mit Ermittlungen beginnt, beginnt er immer mehr an Eckmans Unschuld zu glauben.

Regiedebütant Mancuso schrieb vorher unter anderem das Drehbuch für den Noir-Polizeithriller „36 – Tödliche Rivalen“. „Kein Mord bleibt ungesühnt“ erhielt ebenfalls gute Kritiken und (erlebte) ebenfalls seine Deutschlandpremiere auf DVD. Das scheint inzwischen bei französischen Kriminalfilmen so üblich zu sein.

Denn „Kein Mord bleibt ungesühnt“ ist ein kleiner, feiner Krimi mit einem gelungenen Ende.

Mit Jean Dujardin, Laurent Lucas, Agnès Blanchot, Jean-Pierre Cassel

Auch bekannt als „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „A drop of the hard stuff“ (2011)

Meine Besprechung der Lawrence-Block-Verfilmung „Acht Millionen Wege zu sterben“ (Eight Million Ways to Die, USA 1986)

Lawrence Block in der Kriminalakte


Tipps von Billy Wilder für Autoren

April 2, 2012

Das ist schon etwas älter, aber einfach zu gut, um es nicht zu posten. In Cameron Crowes „Conversations with Wilder“ sind auch die Tipps von Billy Wilder zum Erzählen von guten Geschichten abgedruckt:

  1. The audience is fickle.
  2. Grab ‘em by the throat and never let ‘em go.
  3. Develop a clean line of action for your leading character.
  4. Know where you’re going.
  5. The more subtle and elegant you are in hiding your plot points, the better you are as a writer.
  6. If you have a problem with the third act, the real problem is in the first act.
  7. A tip from Lubitsch: Let the audience add up two plus two. They’ll love you forever.
  8. In doing voice-overs, be careful not to describe what the audience already sees. Add to what they’re seeing.
  9. The event that occurs at the second act curtain triggers the end of the movie.
  10. The third act must build, build, build in tempo and action until the last event, and then –
  11. – that’s it. Don’t hang around.

Tja, ausdrucken, gut sichtbar an die Wand heften und sich dran halten – oder einen sehr guten Grund haben, um diese Tipps nicht zu befolgen.

(dank an The Uncool)

 


Wieder erhältlich: „From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell

April 2, 2012

Allein vom Umfang, immerhin liegen die über sechshundert Seiten schwer in der Hand, ist „From Hell“ von Autor Alan Moore und Zeichner Eddie Campbell imposant. Denn „From Hell“ ist nicht einfach eine Sammlung von Comics à la „Alle Tarzan-Comics in einem Band“, sondern ein eigenständiges, in sich abgeschlossenes Werk, das historisch mehr als gesättigt, die Geschichte von Jack the Ripper, wie seine Taten auf die arme Bevölkerung in Whitechapel wirken, wie er von Inspector Frederick Abberline gejagt wird, wer Jack the Ripper ist und weshalb bestimmte Kreise alles tun, um dessen Täterschaft zu verschleiern, erzählt.

Denn bevor und während Alan Moore „From Hell“ schrieb, recherchierte er viel über das viktorianische England und den heute immer noch legendären Frauenmörder. Dabei brachte Jack the Ripper 1888 nur vier oder fünf Prostituierte um und wenn man sich daran erinnert, wie hoch damals Prostituierte in der Gesellschaft angesehen waren (Naja, heute eigentlich immer noch. Oder erinnern sie sich an lustige Abendgesellschaften, bei denen freimütig gesagt wird, man gehe oder sei selbst eine Prostituierte?), ist die Bekanntheit von Jack the Ripper, vor allem im Vergleich zu anderen Serienmördern, erstaunlich. Eine Erklärung ist sicher, dass sogar spekuliert wurde, dass Jack the Ripper mindestens enge Beziehungen zum Königshauses hatte, der Täter nie enttarnt wurde und dass die Taten einen großen Medienrummel entfachten.

In der jetzt von Cross Cult veröffentlichten Ausgabe von „From Hell“ sind auch die Anmerkungen von Alan Moore zu einzelnen Panels, Seiten, Szenen und Heften (selbstverständlich erschien „From Hell“ zunächst im klassischen Heftformat) enthalten. Auf 56 dreispaltig bedruckten Seiten zählt Moore fast schon korinthenkackerisch seine Rechercheergebnisse auf.

Aber wen interessiert das?

Denn wenn ich eine historische Abhandlung lesen will, schnappe ich mir ein Lexikon oder ein Sachbuch. Bei einem Comic will ich in erster Linie unterhalten werden und gerade auf dieser Ebene enttäuscht „From Hell“.

Denn anstatt sich auf einen Hauptplot zu konzentrieren, springt die Geschichte zwischen mehreren Erzählsträngen und Zeitebenen hin und her. Es wird nie wirklich deutlich, wohin das alles führen soll; vor allem weil die Identität von Jack the Ripper ziemlich früh enthüllt wird. Stattdessen wird sich auf die Bemühungen von Gull konzentriert, der im Namen des Königshauses die Täterschaft verhüllen soll. Mit der Zeit entsteht ein weitgehend statisches Sittenbild, in dem London der Spielplatz für eine riesige Verschwörung und okkultes Treiben ist. Aber ohne eine Geschichte, die eben dieses Sittenbild mit erzählerischem Leben erfüllt, ist es ein weitgehend ermüdend zu lesendes Aneinanderreihen von Episoden.

Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Eddie Campbell steigern die Verwirrung über die verschiedenen Erzählstränge und ihren Zusammenhang eher noch. Denn sie sind zeichnerisch zu wenig differenziert und teilweise sehen sich Charaktere zu ähnlich.

Trotz zahlreicher Preise, wie dem „Prix de la critique“ und mehrere Eisner-Awards, und Lobeshymnen in verschiedenen Zeitungen und bei den Fans, bleibt am Ende von „From Hell“ nur der Respekt für die Recherche übrig. Denn im Gegensatz zu „Watchmen“, wo Alan Moore ähnlich viel Zeit darauf verwandt, eine alternative Welt zu zeichnen, bleibt „From Hell“ immer im engen Korsett der historischen Fakten stecken.

2001 wurde „From Hell“ von den Hughes Brothers mit Johnny Depp, Heather Graham, Robbie Coltrane und Ian Holm verfilmt. Alan Moore gefiel die Verfilmung nicht. Dabei wusste er damals noch nicht, dass es mit „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ noch viel schlimmer kommen würde. Spätestens seitdem lästert Moore nur noch über die Verfilmungen, verzichtet auf eine Namensnennung und lehnt auch – ungewöhnlich konsequent – das Geld ab.

Alan Moore (Autor)/Eddie Campbell (Zeichnungen): From Hell

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Cross Cult, 2011

604 Seiten

49,80 Euro

Deutsche Erstausgabe dieser Ausgabe

Cross Cult, 2008

Originalausgabe/überarbeitete Gesamtausgabe

From Hell

Eddie Campbell Comics, 1999

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Blog von Eddie Campbell

Wikipedia über „From Hell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ „Watchmen“




TV-Tipp für den 2. April: Zerrissene Umarmungen

April 2, 2012

Eins Festival, 20.15

Zerrissene Umarmungen (Spanien 2009, R.: Pedro Almodovar)

Drehbuch: Pedro Almodovar

Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodovar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.

Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.

mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Wiederholungen

Dienstag, 3. April, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Samstag, 7. April, 20.15 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Zerrissene Umarmungen“

Rotten Tomatoes über „Zerrissene Umarmungen“

Wikipedia über „Zerrissene Umarmungen“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Zerrisse Umarmungen“


TV-Tipp für den 1. April: Die Nacht

April 1, 2012

ZDF Kultur, 23.00

Die Nacht (I/F 1960, R.: Michelangelo Antonioni)

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra

La Notte beschreibt, wie Lidia und Giovanni Pontano in dieser Zeit [gemeint ist ein Sommewochenende in Mailand, A. d. V.] verschieden intensiv und bewusst erfahren, dass sie sich nicht mehr oder vielleicht in anderer Weise lieben als zuvor. Partikel ihrer langen Geschichte tragen sie nur mit Gesten, Blicken und Bemerkungen in den Film hinein; es sind Zeichen von Enttäuschung, für Differenzen oder Borniertheit. Eine Kette von Episoden gibt Raum für die Kontrastierung ihrer Wahrnehmungsweisen und emotionalen Anteilnahme. Ihre Begegnungen mit anderen Menschen beschreiben ambivalent die äußere Ablenkung von der Krise, aber zugleich deren innere Eskalation in einer verhaltenen Spiralbewegung. (…)

Diese Beobachtungen beschreiben Antionionis Mittel, paradox zu erzählen und einen Zustand der Agonie in Bewegung zu zeigen: den Fluss der Bilder gegen die Dedramatisierung von Sprache und Sprechsituationen zu setzen. (…)

La Notte erzählt eine Liebesgeschichte an ihrem Ende.“ (Claudia Lenssen in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg: Michelangelo Antonioni – Hanser Reihe Film 31, 1984)

Spätestens mit seiner Trilogie „Die mit der Liebe spielen“ (L’Avventura), „Die Nacht“ (La Notte) und „Liebe 1962“ (L’Eclisse) über das Leben von jungen Paaren im Nachkriegseuropa und dem Ende ihrer Beziehung hatte Antonioni den Durchbruch beim intellektuellen Kinopublikum (heute würde es Arthaus-Publikum heißen), das genug vom „Förster im Silberwald“ und „Bettgeflüster“ hatte. Und es gab die in Europa im Filmgeschäft die kreativen Talente, die diese Bedürfnisse abseits konventioneller Muster befriedigen wollten. Zur Erinnerung: in Frankreich gab’s die „Neue Welle“, in England die „Spülstein-Filme“, in Deutschland den „Neuen deutschen Film“ und die anderen Länder, auch jenseits des eisernen Vorhangs, lieferten eine nie gekannte Zahl bahnbrechender Werke von höchst individuellen Regisseuren.

Mit Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki

Wiederholung: Montag, 2. April, 04.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte zum Film

Wikipedia über „Die Nacht“


TV-Tipp für den 31. März: Der gute Hirte

März 31, 2012

Sixx, 20.15

Der gute Hirte (USA 2006, R.: Robert de Niro)

Drehbuch: Eric Roth

Das hat aber lange gedauert und dann läuft dieses hochkarätig besetzte CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen Zweiter Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt, auf einem kleinen Nischensender. Das hat „Der gute Hirte“ nicht verdient.

Der Film war sogar für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.

Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.

Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert de Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.

Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro

Wiederholung: Sonntag, 1. April, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der gute Hirte“

Rotten Tomatoes über „Der gute Hirte“

Wikipedia über „Der gute Hirte“ (deutsch, englisch)

 


DVD-Kritik: Die grandiose zweite Staffel der BBC-Serie „Ashes to Ashes“

März 30, 2012

Die Prämisse ist einfach genial: DI Alex Drake wird im heutigen London angeschossen und fällt in ein Koma. In dem Koma (jedenfalls glaubt sie, dass sie im Koma liegt) kehrt sie zurück in die frühen achtziger Jahre und soll als Polizistin Verbrechen aufklären. Sie glaubt, dass diese Welt eine Fantasie ist, die sie dazu bringen soll, wieder aus dem Koma aufzuwachen, indem sie bestimmte Aufgaben löst.

In der ersten Staffel versuchte sie daher einen Anschlag auf ihre Eltern zu verhindern. Dabei entdeckte sie auch die Hintergründe des Anschlags.

In der zweiten Staffel, die wieder aus acht Episoden besteht, glaubt Alex Drake, dass sie gegen Korruption in der Polizei, vor allem gegen ihren Vorgesetzten Det. Supt. Mackintosh, genannt Supermac, kämpfen muss. Doch dann trifft sie auf Martin Summers, einen ehemaligen Polizisten, der, wie sie, in dieser Welt feststeckt und ihr seine Hilfe anbietet, – wenn sie korrupt wird. Außerdem soll es eine Operation Rose, die nicht mehr gestoppt werden kann, geben.

Während Drake nicht weiß, wie Summers in ihre Welt gekommen ist, ist Operation Rose eine potentielle Bedrohung für ihr Leben. Und ihre Erinnerungen an ihre Tochter verblassen immer mehr.

In der zweiten „Ashes to Ashes“-Staffel stehen die einzelnen Kriminalfälle, die oft sehr überraschende Lösungen haben und immer wieder die Welt und Weltsicht der achtziger Jahre und unsere heutige Weltsicht hart und sehr lustvoll aufeinanderprallen lassen, im Mittelpunkt. So haben sich die Ermittlungsmethoden und forensischen Möglichkeiten in den vergangenen dreißig Jahren radikal geändert. Ebenso das Verhältnis der Geschlechter zueinander und vieles, was damals ungewöhnlich war, wie Geschlechtsumwandlungen und radikaler Tierschutz, sind heute, nun, vielleicht nicht normal, aber nicht mehr so außergewöhnlich wie damals. Dagegen sind Computer heute ein fester, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unseres Lebens. Als Alex Drake allerdings 1982 behauptet, sie empfange Nachrichten vom Computer, erntet sie nur ungläubige Blicke.

Die Musikauswahl ist wieder einmal genial und herrlich pointiert in der Kommentierung der Geschichte und der oft aus ungewöhnlichen Blickwinkeln aufgenommenen Bilder.

Dazu kommen die guten Drehbücher mit ihren verwickelten Geschichten, was sowohl für den Kriminalfall als auch für Alex Drakes Welt, mit all ihren Problemen und der Frage nach Realität und Irrealität gilt und pointierten, oft sehr komischen Dialogen, die von den gut aufgelegten Darsteller punktgenau präsentiert werden. Falls sie nicht gerade damit beschäftigt sind, Verdächtige zu schlagen oder alle Regeln, an die sich heute Polizisten halten müssen, zu ignorieren.

Ashes to Ashes“ ist auch im zweiten Jahr eine fantastische Show, die nach der dritten, bei uns noch nicht erschienenen Staffel auf dem Höhepunkt ihres Erfolges beendet wurde, und mir deutlich besser als die ursprüngliche Serie „Life on Mars“ (da ging es mit DCI Sam Tyler in die siebziger Jahre) gefällt. Obwohl die auch genial ist.

 

Die DVD

 

Die DVD-Ausgabe ist arg spartanisch geraten. Sie enthält nur die deutsche und die internationale Fassung der Serie. Denn die BBC kürzte für den internationalen Markt jede Folge um ungefähr zehn Minuten.

Das Bonusmaterial der englischen Ausgabe fehlt und dass es keine Untertitel gibt, macht das Ansehen der Originalfassung schwierig. Vor allem DCI Gene Hunt drückt sich ja immer sehr gewählt aus.

Ashes to Ashes: Zurück in die 80er – Staffel 2 (Ashes to Ashes, GB 2009)

Regie: Catherine Morshead (Episode 1, 2, 7, 8), Ben Bolt (Episode 3,4), Philip John (Episode 5, 6),

Drehbuch: Ashley Pharoah (Episode 1, 4), Matthew Graham (Episode 2, 8), Nicole Taylor (Episode 3), Julie Rutterford (Episode 5), Jack Lothian (Episode 6), Mark Greig (Episode 7)

Idee: Matthew Graham, Ashley Pharoah

mit Keeley Hawes (Alex Drake), Philip Glenister (Gene Hunt), Dean Andrews (Ray Carling), Marshall Lancaster (Chris Skelton), Montserrat Lombard (Shaz Granger), Joseph Long (Luigi), Geff Francis (Viv James), Roger Allam (Det. Supt. Mackintosh, aka Supermac), Adrian Dunbar (Martin Summers), Grace Vance (Molly Drake)

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 400 Minuten (8 x 50 Minuten) (3DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Ashes to Ashes“

BBC Germany über „Ashes to Ashes“

Fox Channel (Deutschland) über “Ashes to Ashes”

Wikipedia über „Ashes to Ashes“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Einige Gene-Hunt-Parodien und das Original

Meine Besprechung von „Ashes to Ashes – Staffel 1“ (Ashes to Ashes, GB 2008)

 


TV-Tipp für den 30. März: Das unsichtbare Mädchen

März 30, 2012

Arte, 20.15

Das unsichtbare Mädchen (D 2011, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.

TV-Premiere des neuen Krimis von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Wiederholung: Freitag, 6. April, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Das unsichtbare Mädchen“

Tagesspiegel, Spiegel Online über „Das unsichtbare Mädchen“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Zum Glück, „The Music never stopped“

März 29, 2012

Wahrscheinlich gab es seit „Easy Rider“ in einem Spielfilm nicht mehr so viel Musik aus den Sechzigern, wie in Jim Kohlbergs gelungenem Debütfilm. In „The Music never stopped“ gibt es ausführlich angespielte Songs von den Beatles, Cream, Donovan, Bob Dylan, Buffalo Springfield, Steppenwolf, Crosby, Stills & Nash und Grateful Dead. Der Höhepunkt des Films ist sogar der Besuch eines Konzertes von Grateful Dead in den späten Achtzigern. Für den Film wurden Aufnahmen von den 1989er-„Grateful Dead“-Konzerten in Noblesville, Indiana, und East Rutherford, New Jersey, verwandt und auf dem Soundtrack gibt es drei bislang unveröffentlichte „Grateful Dead“-Songs.

Die Filmemacher konnten für ihren Independent-Film nur deshalb so viele bekannte Songs verwenden, weil den Musikern und Bands die Filmgeschichte, in der die Musik ein fester Bestandteil der Geschichte ist, so gut gefiel.

Das locker auf einer Fallstudie von Dr. Oliver Sacks basierende, gefühlsbetonte Drama „The Music never stopped“ spielt in den Achtzigern. Als Henry (J. K. Simmons) und Helen Sawyer (Cara Seymour) erfahren, dass ihr vor fast zwanzig Jahren nach einem Streit weggelaufener Sohn Gabriel (Lou Taylor Pucci) noch lebt. Er ist in einem Krankenhaus und er hat einen Gehirntumor, der sich als gutartig erweist. Allerdings verliert er bei der Operation einen großen Teil seines Gedächtnisses. Durch Dr. Dianne Daly (Julia Ormond), eine Musiktherapeutin, gelingt es ihnen, Gabriels verschütteten Erinnerungen anzusprechen. Bei der Musik der Beatles, von Bob Dylan und seiner Lieblingsband Grateful Dead erinnert er sich an seine Jugend und er wird wieder zu dem Jungen, den die Sawyers vor zwanzig Jahren verloren haben.

Für Henry, der selbst ein großer Musikliebhaber ist, vor allem von Big-Band-Jazz, und der mit Gabriel in den Fünfzigern immer Gedächtnisübungen machte, indem er nach den Hintergründen von bestimmten Aufnahmen und was sie für ihn bedeuten, fragte, ist diese Musiktherapie eine große Herausforderung. Denn die Musik, an die Gabriel sich erinnert, die er mit für ihn einschneidenden Erlebnissen verbindet, ist genau die Musik, die Gabriel von Henry trennte. Es ist die Musik, die ihre gute Beziehung zerstörte. Deshalb hasst Henry diese Musik.

Doch als Ingenieur stellt er sich dieser Aufgabe und während er sich seinem Sohn über die Musik nähert, lernt er auch viel darüber, wie Gabriel ihn damals wahrgenommen hat und was ihn bewegte. Jetzt erzählt Gabriel ihm die Dinge, über die sie damals nicht sprechen konnten.

J. K. Simmons, der inzwischen dank den TV-Serien „Law & Order“ und „The Closer“ und verschiedener einprägsamer Gastauftritte in Blockbustern, wie den „Spider Man“-Filmen, mehreren Filmen der Coen-Brüder und zuletzt als Schiffskapitän in „Contraband“, bekannt ist, zeigt mit kleinen Nuancen, wie aus dem prinzipientreu-biederem Ingenieur Henry Sawyer, der in den Fünfzigern entspannt mit seinem Sohn Musik hört, über den in den Sechziger überforderten Vater der versteinerte Mittsechziger, der noch einmal ein großes Projekt beginnen muss, wird. Er verleiht diesem Charakter eine Kantigkeit und auch Ehrlichkeit, die locker jede Kitschfalle umschifft. Allein schon deshalb würde sich der Film lohnen.

Dazu kommt noch ein kluges Script, das seine Geschichte, mit vielen Rückblenden, auf drei Zeitebenen erzählt und die Geschichte zwar mit viel Sentiment, aber angenehm unkitschig erzählt.

Und dann ist da ja noch die Musik.

The Music never stopped (The Music never stopped, USA 2011)

Regie: Jim Kohlberg

Drehbuch: Gwyn Lurie, Gary Marks

LV: Oliver Sacks: The last Hippie, 1995 (Fallstudie, erschienen in „An Anthropologist in Mars“)

mit J. K. Simmons, Lou Taylor Pucci, Cara Seymour, Julia Ormond, Mia Maestro, Tammy Blanchard, Scott Adsit, James Urbaniak

Länge: 105 Minuten

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Music never stopped“

Rotten Tomatoes über „The Music never stopped“

Wikipedia über „The Music never stopped“

Making of: Interview mit Jim Kohlberg