DVD-Kritik: „The Twilight Zone – Staffel 4“, weniger Geschichten, dafür länger

Für die vierte Staffel der grandiosen und einflussreichen Anthologieserie „The Twilight Zone“ wurde die Episodenlänge von 25 Minuten auf 50 Minuten geändert, was nicht unbedingt ein Vorteil war. Denn bislang lag der Reiz der schwarzhumorigen ‚unwahrscheinlichen Geschichten“ in der Kürze, die ohne Umwege vom Set-Up zur meist schwarzhumorigen Pointe führt.
Bei der doppelten Länge hatten die Macher dann mehr Zeit, um ihre Charaktere zu charakterisieren und dabei immer noch deutlich unter der Länge eines Spielfilms zu bleiben. Das führt dazu, dass die achtzehn Geschichten der vierten Staffel nicht die Durchschlagkraft der kürzeren Geschichten haben, sondern oft wie eine gestreckte Kurzgeschichte (und mehr sind die klassischen „The Twilight Zone“-Geschichten nicht) mit einer dann absehbaren Pointe wirkt.
Das heißt jetzt nicht, dass die Geschichten schlecht sind. So lässt sich die Auftaktepisode „Wie ein Spiegelbild“ (In his Image) viel Zeit, um die Verunsicherung bei Alan Talbot zu zeigen, dessen Leben auseinanderfällt. Er ist ohne eine Erklärung zu spät bei seiner Freundin, die er in einigen Tagen heiraten will. Als sie in seinen Heimatort fahren, ist dort vieles anders, als er es in Erinnerung hat. Innerhalb einer Woche hat sich mehr verändert als in den letzten zwanzig Jahren und niemand erkennt ihn. Auch er kennt niemanden und das Labor, in dem er arbeitet, existiert nicht. Dann bemerkt er durch eine Verletzung, dass er ein Roboter ist. Das könnte jetzt das Ende der Episode sein, aber es gibt noch eine Drehung. Talbot findet seinen Erbauer und dieser erklärt ihm sehr ausführlich, warum er ihn geschaffen hat. Und es gibt darauf aufbauend eine hübsche Schlusspointe. Jedenfalls für Talbots Erbauer.
„Er ist zurück“ (He’s alive) ist ein Showcase für Dennis Hopper, der einen jungen Nazi spielt. Die Geschichte schildert seine Anfänge in der US-Provinz und wie er, inspiriert von einem zunächst unbekanntem Ratgeber, der sich später als ‚Geist‘ von Adolf Hitler zu erkennen gibt, eine Gefolgschaft um sich scharrt. Rod Serlings Geschichte ist eine psychologisch glaubwürdige Fallstudie zum Faschismus, wie er weiterlebt und auch was gegen Hassprediger jeder Couleur getan werden kann. Im Gegensatz zu den anderen „The Twilight Zone“-Geschichten ist hier der pädagogische Zeigefinger und die Botschaft überdeutlich zu sehen, weshalb „Er ist zurück“ als „The Twilight Zone“-Geschichte eher enttäuscht (denn unwahrscheinlich ist hier nichts, nur,, auch ohne Pegida, unheimlich in ihrer Alltäglichkeit), aber als zeitlose Warnung vor dem Faschismus, wie menschenfeindliches Denken sich ausbreitet und wer ihre Propagandisten sind, ist es eine gelungene Episode, die auch zeigt, wozu Fernsehen in der Lage ist. Außerdem vertrat Serling hier so offen wie selten seine politischen und philosophischen Überzeugungen.
Mehr Geschichten will ich jetzt nicht spoilern. Denn auch bei der doppelten Länge sind sie gut und unterhaltsam. Es gibt auch wieder einige noch heute bekannte Gesichter zu entdecken. „Hulk“ Bill Bixby, den schon erwähnten Dennis Hopper, Paul Mazursky (der heute als Regisseur bekannter ist), Jack Klugman, Robert Duvall, Burgess Meredith, Steve Forrest, Martin Balsam, Pat Hingle, James Whitmore, James Broderick und Burt Reynolds sind dabei. Teilweise noch am Anfang ihrer Karriere.
Einige Episoden wurden von Stuart Rosenberg, Don Medford, Buzz Kulik, David Lowell Rich, Lamont Johnson, die neben ihrer Serienarbeit, auch für frühere „The Twilight Zone“-Staffeln, auch einige erfolgreiche Spielfilme inszenierten.
Geschrieben wurden die Geschichten hauptsächlich von Rod Serling (sechs Geschichten, was deutlich weniger als in den früheren Staffeln ist) und Charles Beaumont (ebenfalls sechs Geschichten). Zwei Geschichten sind von Richard Matheson. Eine von Reginald Rose („Die zwölf Geschworenen“, „Die Wildgänse kommen“).
Die vierte „The Twilight Zone“-Staffel lag also weiterhin in den bewährten Händen. Dennoch wurde In der darauffolgenden fünften und letzten Staffel (bevor die Reihe später zweimal wiederbelebt wurde) wurde wieder auf das halbstündige Format, das besser zu den Horror- und Science-Fiction-Geschichten aus der Twilight Zone passt, zurückgegangen.
Das Bonusmaterial ist gewohnt überzeugend und umfangreich ausgefallen. Das Kernstück sind dabei die neunzehn Audiokommentare zu den achtzehn Episoden.
Weil die vierte Staffel nicht synchronisiert wurde und auch nicht im TV lief, gibt es die Geschichten nur im englischen Original mit ausblendbaren Untertiteln.

The Twilight Zone - Staffel 4 - DVD-Cover

The Twilight Zone – Staffel 4 (The Twilight Zone – Season 4, USA 1963)
Erfinder: Rod Serling

DVD
Koch Media
Bild: 1,33:1 (4:3, SW)
Ton: Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 19 Audiokommentare, Isolierte Filmmusik zu allen 18 Episoden, Hörspielfassungen, Audio- und Videointerviews mit Cast & Crew, Sketch aus ‚Saturday Night Live‘, Outtakes, Clips, Promos
Länge: 904 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „The Twilight Zone“ (deutsch, englisch)

The Rod Serling Memorial Foundation

PBS: American Masters: Rod Serling

The Guardian: Phelim O’Neill: Why The Twilight Zone puts today’ TV sci-fi to sham (7. Mai 2011)

Meine Besprechung von “The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 1″ (USA 1959/1960)

Meine Besprechung von „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3“ (USA 1961/1962)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..