Jim Nisbet, USA, „Welt ohne Skrupel“

Klinger, der vornamenlose Protagonist in Jim Nisbet neuestem Noir „Welt ohne Skrupel“, ist ein kleiner Verbrecher. Ganz unten auf der Futterleiter. Seine Coups gehen meistens schief. Immerhin gelingt es ihm immer wieder, in San Francisco der Polizei zu entkommen. Danach muss er seine Ex-Frau um Geld bitten. Dass Klinger jemals seine Schulden bezahlt, erwartet sie nicht. Auch der Wirt in Klingers Stammlokal und der Vermieter in der billigen Absteige, in der er übernachtet, sind erstaunt, wenn Klinger mal etwas Geld hat, mit dem er mehr als eine Nacht bezahlen kann und sogar seine Schulden etwas abstottern kann.

Als er nach einem Taschendiebstahl, bei dem er assistierte, das Smartphone eines App-Entwicklers hat, verändert sich sein Leben. Denn der Entwickler hat sich gerade mit seiner Geschäftspartnerin zerstritten (sie hat ihn finanziell gnadenlos über den Tisch gezogen) und jetzt will sie unbedingt dieses Telefon haben.

Plötzlich ist Klinger in einer Welt, die er bisher nicht kannte. Nicht, weil er keinen Computer besitzt, sondern weil hier Geldsummen bewegt werden, von denen er bislang nicht zu träumen wagte.

Unter Noir-Fans ist der 2017 von San Francisco nach Sausalito umgezogene Jim Nisbet ein bekannter Name. Bei Pulp Master erschienen in den vergangenen Jahren seine tiefschwarzen Romane „Dunkler Gefährte“, „Der Krake auf meinem Kopf“ und „Tödliche Injektion“. Der Noir, inzwischen ein kleiner Klassiker, erschien in den USA erstmals im kultigen Black Lizard Verlag.

Welt ohne Skrupel“ ist ein weiterer tiefschwarzer Noir. Wie der Titel schon andeutet, ist die von Jim Nisbet präzise gezeichnete Welt eine Welt, in der jeder jeden betrügt und Nächstenliebe eine Mischung aus etwas Geld und einem kostenlosen Drink ist. Viel mehr soll über die sparsame Handlung dieser starken Charakterstudie eines alternden Möchtegern-Verbrechers, dessen Leben bislang sogar für eine richtige Gefängniskarriere zu uninteressant war, nicht verraten werden.

Nisbet zeichnet eine kalte Welt ohne Skrupel und auch ohne Mitleid. Aber einer wie Klinger lässt sich davon nicht unterkriegen. Oder doch?

Jim Nisbet: Welt ohne Skrupel

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

pulp master, 2019

240 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

Snitch World

PM Press, 2013

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Tödliche Injektion“ (Lethal Injection, 1987)

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006)

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Der Krake auf meinem Kopf“ (The Octopus on my Head, 2007)

Mein Interview mit Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte

 

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