Neu im Kino/Filmkritik: „Playland USA“ will nur spielen

Von den Anfängen der USA bis, mehr oder weniger, in die Zukunft, von der Ostküste bis nach New Mexico zum „International UFO Museum and Research Center“ unternimmt Benjamin Schindler eine Reise, die er mit Bildern von Reenactments und Ausstellungen illustriert. Bei den Reenactments führt die Gleichzeitigkeit von Menschen in historischen Kostümen, die mit großem Ernst historische Dokumente vorlesen, und den in Freizeitkleidung im Bildhintergrund stehenden Touristen immer wieder zu einem netten Verfremdungseffekt.

Ergänzend gibt es O-Töne von den historischen Führern in ihren Rollen, den ‚Living Historians‘, verschiedenen Menschen mit unklarem Geisteszustand (wenn sie auf der Straße predigen und im Superheldenkostüm herumlaufen) und ein, zwei Mal von Menschen, über die wir nichts erfahren. Kein Name, kein Beruf, kein Grund, weshalb Schindler das Gespräch mit ihnen in seinen Film aufgenommen hat. Sie können anerkannte Fachleute oder einfach der Spinner von nebenan sein. Entsprechend gering ist dann auch der Erkenntnisgewinn des Films, bei dem sogar die Botschaft unklar ist.

Dabei hätte der Ansatz die Möglichkeit geboten, über die Bedeutung von Mythen nachzudenken. Zu zeigen, wie unterschiedlich die USA und andere Länder mit ihrer Geschichte umgehen und wie viel historisches Vergessen in jedem Gründungsmythos vorhanden ist. Und auch wie sehr Mythen zu einem Realitätsverlust, wie er gerade jetzt unter Trump in den USA offensichtlich ist, beitragen können.

Um das als Zuschauer zu tun, braucht man allerdings Informationen und ein Wissen, das der Film voraussetzt. Damit ist das Doku-Essay so offen für Interpretationen, dass jeder das hineininterpretieren kann, was er möchte.

Playland USA“ ist nur eine zugequatsche Version von Filmen wie „Koyaanisqatsi“, die durch eine Synthese von Bild und Musik und einer entsprechend plakativen Botschaft einen neuen Blick auf unsere Welt präsentierten.

Playland USA (Deutschland 2019)

Regie: Benjamin Schindler

Drehbuch: Benjamin Schindler, Jan Wilde

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Playland USA“

Moviepilot über „Playland USA“

 

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