Neu im Kino/Filmkritik: „My Zoe“, für dich würde ich alles tun

Isabelle Perrault (Julie Delpy) arbeitet in Berlin in einem Labor als Genetikerin. Die Erziehung ihrer über alles geliebten Tochter Zoe teilt sie sich mit ihrem Ex-Mann James Lewis (Richard Armitage), einem egozentrischen und erfolgreichen Architekten. Aufgrund ihrer Arbeit, gelegentlicher Auslandsaufenthalte, fehlender vor Ort lebender Großeltern und gegenseitiger Vorwürfe gestaltet sich das gemeinsam ausgeübte Sorgerecht schwierig. Denn jede Begegnung von Isabelle und James scheint den Graben zwischen ihnen zu vergrößern.

Aus diesem Post-Scheidungsdrama wird im zweiten Akt ein Drama um Zoes Überleben. Isabelle findet ihre Tochter reglos im Bett. Im Krankenhaus sagen ihnen die Ärzte, dass Zoe eine Hirnblutung hatte. Nach der Operation liegt Zoe im Koma und es ist unklar, ob sie bleibende Schäden haben wird. Falls sie überhaupt aufwacht.

Und aus diesem Medizindrama wird im dritten Akt etwas ganz anderes. In dem Moment taucht dann auch der schon auf dem Plakat prominent erwähnte Daniel Brühl als in Moskau arbeitender Arzt auf.

Dieser dritte Akt bricht dem schon vorher nicht besonders überzeugendem Drama „My Zoe“ endgültig das Genick. Bis dahin war es ein zäh erzähltes Scheidungsdrama, in dem die Eltern sich angiften, aus dem ein ebenso zähes Medizindrama wurde, in dem die Eltern sich gegenseitig Vorwürfe machen und besorgt am Bett ihrer im Koma liegenden Tochter sitzen. So dankbar das für die Schauspieler in langen Szenen zu spielen ist, so undankbar ist es anzusehen. Denn in den Momenten passiert wenig. Aber immerhin verhielten Isabelle, ihr Ex-Mann, ihr neuer Freund und ihr Umfeld sich bis dahin plausibel.

In Moskau und im Epilog nicht mehr.

Außerdem kommen die in Moskau spielenden Ereignisse, die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Zukunft weiterspinnen, aus heiterem Himmel. Mit dem vorher gezeigten haben sie nichts zu tun. Und dass in dem Moment klar wird, dass „My Zoe“ in der nahen Zukunft spielt, macht das Gezeigte nicht glaubwürdiger.

My Zoe (My Zoe, Frankreich/Deutschland/Portugal/Großbritannien 2019)

Regie: Julie Delpy

Drehbuch: Julie Delpy

mit Julie Delpy, Richard Armitage, Daniel Brühl, Gemma Arterton, Saleh Bakri, Sophia Ally, Lindsay Duncan, Nicolette Krebitz, Jördis Triebel, Nina Kuzendorf

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „My Zoe“

Moviepilot über „My Zoe“

Metacritic über „My Zoe“

Rotten Tomatoes über „My Zoe“

Wikipedia über „My Zoe“

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