Neu im Kino/Filmkritik: Bruno Manser hört „Die Stimme des Regenwaldes“

Als Bruno Manser 1984 im malaysischen Teil von Borneo den Regenwald betritt, will er nur die Penan, ein zurückgezogen im Wald lebender Indianerstamm, finden. Er sucht ein Leben abseits der Zivilisation mit ihrem Konsumzwang. Bei den Penan hofft er ein noch nicht entfremdetes, ursprüngliches Leben zu finden, das im Einklang mit der Natur ist. Er ist ein Aussteiger. Auch wenn er weiß, dass er nicht bis an sein Lebensende im Dschungel bleiben wird. Er ist ein Gast.

Als Bruno Manser Jahre später den Urwald wieder verlässt, ist er ein von der Regierung verfolgter Staatsfeind, auf den ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist.

Zurück in der Schweiz versucht er, aufbauend auf seinen Aktionen in Malaysia und der dortigen Medienresonanz, die Öffentlichkeit und die Politik zu überzeugen, die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen und die Penan und ihren nomadischen Lebensstil zu schützen.

In seinem bildgewaltigen Epos „Die Stimme des Regenwaldes“ erzählt Niklaus Hilber chronologisch Mansers Geschichte und wie es ihm gelang, den Penan eine Stimme zu geben. Einerseits in ihrer Heimat, andererseits auf der europäischen und globalen Ebene.

In den Neunzigern, nach seiner Rückkehr aus dem Urwald in die Schweiz, gründete Manser mit Gleichgesinnten in Basel den „Bruno Manser Fonds“ (BMF). Das Ziel des angesehenen Vereins ist, sich für die Penan und gegen die Abholzung des Regenwaldes einzusetzen. Mit seinem Engagement für einen Importstopp von Tropenholz nach Europa wurde Manser in den Neunzigern eine der bekannten Stimmen in der globalen Bewegung zum Schutz des tropischen Waldes.

Diese Jahre in Basel nehmen in „Die Stimme des Regenwaldes“ nur einen kleinen Teil der Filmzeit ein. Die meiste Zeit zeigt Hilber Manser im Regenwald und bei den Penan. Für seinen Film engagierte Hilbert Penan, die andere Penan spielen und sich in ihrer Sprache unterhalten. Einige der von ihm engagierten Laienschauspieler kannten Bruno Manser, der vor zwanzig Jahren spurlos im Dschungel verschwand und 2005 für verschollen erklärt wurde, noch. Weil die malaysische Regierung einen Film über Manser, die Penan und die Rettung des Urwalds niemals genehmigt hätte, wurde im indonesischen Kalimantan gedreht. Hilbert zeigt auch riesige Felder abgeholzter Tropenholzwälder und die Anfänge des Kampfes der Penan um ihren Wald mit Straßenblockaden, die den Holztransport behinderten, und die Eskalation der Regierung, für die das Holz der Weg zum ökonomischen Aufschwung ist. Da stören einige renitente Waldbewohner den Aufschwung nur. Er zeigt auch, wie sich das Leben der Penan in den vergangenen Jahrzehnten veränderte.

Das sind visuell eindrucksvolle Bilder, die eindeutig für die große Kinoleinwand komponiert wurden.

Die Stimme des Regenwaldes“ ist ein ruhig, manchmal fast schon meditativ erzählter Aufruf zum Schutz der Natur, des Waldes und der dort seit Ewigkeiten lebenden Menschen. Damals und heute.

Die Stimme des Regenwaldes (Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes, Schweiz 2019)

Regie: Niklaus Hilber

Drehbuch: Niklaus Hilber, Patrick Tönz, David Clemens

mit Sven Schelker, Nick Kelesau, Elizabeth Ballang, Matthew Crowley, David Ka Shing Tse, Benjamin Mathis, Daniel Ludwig

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Stimme des Regenwaldes“

Rotten Tomaoes über „Die Stimme des Regenwaldes“

Wikipedia über „Die Stimme des Regenwaldes“

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