DVD-Kritik: Der sanfte Geisterhorror „Haunted Child“

Hjemsøkt, so der Originaltitel von „Haunted Child“, ist norwegisch und kann mit „Spuk“ oder „Heimsuchung“ übersetzt werden. Das ist immerhin etwas rätselhafter als der deutsche Titel, der dem geneigten Horrorfan einiges von der Geschichte verrät und ihm auch eine gute Ahnung von der Pointe vermittelt. Das muss jetzt nicht unbedingt ein Nachteil sein. Immerhin sehen wir uns einige Filme immer wieder an und gerade bei RomComs wissen wir schon bei einem Blick auf das Plakat, wie die Geschichte endet.

In „Haunted Child“ erbt Catherine nach dem Tod ihres Vaters das Elternhaus. Zu ihm hatte sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr. Ihre Mutter ist noch länger tot.

Mitten im Winter fährt sie zu dem Haus. Sie will sich das Landhaus nur kurz ansehen und so schnell wie möglich verkaufen. Aber der Makler verhält sich merkwürdig abweisend. Und auch Catherine, die ihre Kindheit und Jugend vollkommen verdrängt, verhält sich merkwürdig. Es ist, als habe das Haus einen negativen Einfluss auf sie.

Dann trifft sie ein Mädchen. Daisy behauptet, in der Nachbarshaft zu wohnen. Sie ist äußerst redefaul und betritt ungefragt Cathrines Elternhaus. Sie benimmt sich, als sei sie die Bewohnerin des Hauses und Catherine noch nicht einmal ein ungebetener Gast. Auch sonst verhält das Mädchen sich mindestens so merkwürdig, wie sich das Haus seltsam verhält. Da geht die Tür zum Keller nicht auf, Schatten bewegen sich durch das Haus (natürlich nur nach Einbruch der Dunkelheit) und es gibt ständig plötzliche überlaute Geräusche, die einen in Angst und Schrecken versetzen sollen und zuverlässig vor dem vorzeitigen Einschlafen bewahren.

Haunted Child“ ist das Spielfimdebüt von Carl Christian Raabe. Davor war er Standfotograf bei „Headhunters“ und drehte eine Doku über den Thriller.

Autorin Maja Lunde schrieb vorher für TV-Serien Drehbücher. Außerdem, und dafür ist sie bekannter, schreibt sie Romane, wie das mit „Die Geschichte der Bienen“ beginnende und vollständig übersetzte Klimaquartett, und Kinder- und Jugendbücher, die teilweise ins Deutsche übersetzt sind. In „Haunted Child“ beschäftigt sie sich, im Stil eines Horrorfilms, mit Fragen von Schuld, Sühne und Verdrängung. Denn Catherine ist schwanger und sie möchte, ohne dass ihr sanfter und verständnisvoller Freund davon erfährt, das Baby abtreiben. Da könnte ein Besuch im Elternhaus und eine damit verbundene Konfrontation mit ihrer Kindheit dazu führen, dass sie ihre Entscheidung überdenkt.

Diese Konflikte werden im Film allerdings nur gestreift. Das liegt an dem Drehbuch und der Inszenierung, die sich mehr auf Jumpscares als auf eine psychologisch stimmig entwickelte Geschichte konzentrieren, und an Catherine-Darstellerin Synnøve Macody Lund. Sie spielt, wie in der Jo-Nesbø-Verfilmung „Headhunters“, eine kühle, unnahbare Blondine. In „Haunted Child“ sah ich nie eine Frau, die an ihrem Geisteszustand zweifelt, sondern immer eine gut aussehende Schaufensterpuppe.

So ist Raabes Film ein gut aussehender, niemals packender oder nachhaltiges Interesse weckender Geisterhorrrofilm, der als psychologischer Horrorfilm weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dafür ist er zu verliebt in knallende Türen und laut knirschende Dielenbretter.

Haunted Child (Hjemsøkt, Norwegen 2017)

Regie: Carl Christian Raabe

Drehbuch: Maja Lunde

mit Synnøve Macody Lund, Ebba Steenstrup Såheim, Ken Vedsegaard, Jorunn Kjellsby, Robert Skjærstad

DVD

Nameless Media/EuroVideo

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Norwegisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Wendecover, Trailer

Länge: 79 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Film ist auch als Blu-ray und Stream bei Amazon, Google, iTunes, Maxdome, Sky, Videoload und Vodafone verfügbar.

Hinweise

Moviepilot über „Haunted Child“

Wikipedia über „Haunted Child“ 

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