Französisch morden: Frank Bouysse: Rauer Himmel

Les Doges ist ein Ort in den Cévennes, dem südöstlichsten Teil des französischen Zentralmassivs, und, wenn man Frank Bouysse glauben will, hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten wenig bis nichts geändert. Sein Roman spielt zwar im Januar 2006, aber sie könnte genausogut in den Fünfzigern spielen. Die Bauern haben schon Autos, Traktoren und Telefone. Also Festnetz. Handys haben in den Bergen kein Netz.

Hier leben seit Jahrzehnten Gus, sein Hund Mars und sein Nachbar Abel. Dieser ist mit über siebzig Jahren ungefähr zwanzig Jahre älter als Gus. Beide leben allein. Haben wenig Kontakt zum Rest der Welt und auch ziemlich wenig Kontakt zueinander. Manchmal helfen sie sich mit Geräten aus. Manchmal trinken sie ein Glas Wein zusammen. Aber letztendlich sind beide Männer schweigsame Einsiedler.

Als Gus an einem Januarmorgen einen Schuss hört, seltsame Spuren im Schnee sieht und Blut entdeckt, ist das, immerhin ist „Rauer Himmel“ im Polar Verlag erschienen, der Auftakt für eine Kriminalgeschichte. Auch wenn sehr lange unklar bleibt, was auf dem Hof von Abel geschah und damit auch unklar ist, ob wirklich ein Mensch verletzt oder getötet wurde oder ob mit Gus die Fantasie durchgeht.

Der 1965 geborene Frank Bouysse zog 2013 in einen verlassenen Weiler im Départment Corrèze, das im Nordwesten des Zentralmassiv liegt. Dort schrieb er, wie Alf Mayer im Nachwort erzählt, die Geschichte neben seiner Arbeit als Gartenbauleher in einer Berufsbildungsstätte. Er hatte schon einige Romane veröffentlicht. Aber er dachte nicht, dass sich irgendjemand für diese Regionalgeschichte interessieren könnte. Ein Freund überredete ihn, das Manuskript einem Verlag anzubieten. Es wurde veröffentlicht und war ein Erfolg.

Rauer Himmel“ ist ein gelungener Noir, bei dem die Beschreibung des bäuerlichen Lebens eindeutig im Vordergrund steht. Bouysses Roman ist eine gute Ergänzung zu Colin Niels „Nur die Tiere“ (Seules les bêtes, 2017), der ebenfalls im Zentralmassiv spielt und in dem die Bauern ebenfalls am Existenzminimum leben.

Frank Bouysse: Rauer Himmel

(übersetzt von Christiane Kayser)

Polar Verlag, 2021

192 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Grossir le ciel

La Manufacture de livres, 2014

Hinweise

Polar Verlag spricht mit Franck Bouysse

Wikipedia über Franck Bouysse

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